59. Kapitel
Wissen ist Macht, falsches Wissen erzeugt Ohnmacht
Snape sah zutiefst verärgert auf den Hauselfen nieder. Schließlich erkannte er die Unumgänglichkeit, ihn mit einer Antwort zurückzuschicken und so befahl er: "Er soll herkommen!"
Der Elf verschwand, so schnell ihn seine kleinen Beine die steile Kellertreppe hinauftrugen. Nur wenige Augenblicke später kam Harry die Stufen hinab. "Sir", grüßte er knapp. Snape nickte lediglich zur Begrüßung, wandte sich dann ab und ging zum Kerker, offenbar davon ausgehend, dass Harry ihm ohne weitere Aufforderung folgen würde.
Ebenso wortlos bot er ihm mit ausgestreckter Hand einen Sitzplatz an, während er selbst stehenblieb.
"Warum suchen Sie mich auf?", eröffnete er das Gespräch mit so ernstem Blick, als würde er bei einem Schachspiel über einen alles entscheidenden Zug nachdenken. Harry sah ihn ebenfalls ernst an und richtete seinen Blick dabei so energisch auf sein Gegenüber, dass klar wurde, dass er sich selbst beweisen wollte, dem anderen Stand zu halten.
"Sie haben schon mal besser gezaubert, Severus", sagte Harry herausfordernd.
Als Snape eine Augenbraue hob, erläuterte Harry, "als ich mich einverstanden erklärte, Hermine zu meiner Frau zu machen, da ging ich davon aus, dass sie von unserem Abkommen niemals erfahren würde."
"Das sollte sie eigentlich auch nicht. Es war nicht geplant."
Harrys Stimme wurde ungeduldig: "Sie konnten nicht eher ruhen, bis Sie die Wahrheit herausgefunden hatten, nicht wahr? Und dass Sie sie überhaupt herausfinden konnten, liegt nur daran, dass Sie den Zauber nicht korrekt ausführten."
Einen Moment schwieg Snape, dann nickte er vage. "Ich habe mich selbst dafür schon tausendfach verflucht. Irgendetwas ist schiefgelaufen", erwiderte er, blickte Harry dabei jedoch distanziert an.
"Ja, und ich kann Ihnen auch sagen, was schiefgelaufen ist...Sie waren nicht hundertprozentig davon überzeugt, Hermine aufgeben zu wollen - das dürfte erklären, warum Sie die Lücke in Ihrem eigenen Zauber fanden. Und, sind Sie glücklich jetzt, da Sie alles wieder wissen?", fragte Harry aggressiv.
"Hermine kam zu MIR, nicht umgekehrt, Mr. Potter", stellte Snape eisig klar.
Nun war es Harry der schwieg und dieses Schweigen wog scheinbar tonnenschwer. Seine Stimme klang ebenfalls äußerst schwerfällig, als er nun sagte: "Hermine hat offenbar nicht zugelassen, dass Sie sie einfach aus ihrem Gehirn löschen. Und Sie waren nicht in der Lage, ihren Widerstand zu umgehen. Was soll ich daraus schließen, Severus? Bin ich für Sie jemand, der seine Schuldigkeit getan hat - jemand, der gehen soll, nachdem Sie Ihr eigenes Spiel mit gezinkten Karten geführt haben? ICH bin Hermines Mann, vergessen Sie das nicht, SNAPE!"
"Nein, das habe ich nicht vergessen", gab Snape zurück und hob aufgrund Harrys aufbrausender Art eine Augenbraue an. "Ich habe es nicht vergessen und ich stehe zu unserem Deal."
Harry nickte und fixierte den Tränkemeister weiterhin.
"Gut, Sie wollen also, dass Hermine glücklich ist?"
"Natürlich."
"Dann sagen Sie mir, wie ich sie befriedigen kann."
"Wie bitte?"
Harry gab ein ärgerliches Geräusch von sich, dann stieß er aus: "Sexuell - wie kann ich Hermine sexuell befriedigen?"
Der Tränkemeister stieß ein ungläubiges Lachen aus, dann sagte er spöttisch: "Wenn Sie in Ihrem Alter immer noch nicht herausgefunden haben, wie man Sex hat, Potter, dann..."
"Sie empfindet nichts, wenn ich mit ihr schlafe", unterbrach Harry ihn energisch und einige rote Flecken bildeten sich auf seinem Gesicht.
Snape schnaubte und sah sein Gegenüber ungeduldig an.
"Sie vermisst etwas, und ich muss wissen was das ist, wenn ich sie wirklich glücklich machen soll!", sagte Harry mit Nachdruck.
"Herrgott Potter! Sie kommen zu mir, um mir so eine Frage zu stellen? Sind Sie nicht in der Lage, es selbst herauszufinden?"
"Doch, das wäre ich vielleicht, wenn ich nicht so verdammt vorsichtig sein müsste! Haben Sie je mit einer Frau geschlafen, deren ganzer Körper mit Narben gezeichnet ist? Können Sie sich vorstellen, wie es ist, jede Nacht dadurch geweckt zu werden, weil der Mensch den Sie lieben schreckliche Albträume hat? Meinen Sie, da könnte ich Experimente machen? Die Gefahr ist einfach zu groß, dass ich Hermine weh tue."
Snape sah ihn schweigend an, schließlich setzte er sich Harry gegenüber auf die Couch.
"Vielleicht sollten Sie aufhören, Hermine wie ein rohes Ei zu behandeln."
"Das tue ich nicht! Ich sage ihr immer wieder, dass sie endlich aufhören soll über den Unfall nachzudenken. Ich sage ihr, dass sie ihr Leben wieder aufnehmen soll. Ich möchte ihr Kraft geben und neuen Mut machen, indem ich sie zärtlich berühre und ihr zeige, dass die Narben nicht das Problem sind. Aber sie wird immer gleichgültiger. Ich spüre wie sich sich von mir entfernt. Immer wieder redet sie davon, dass sie ein Kind möchte und ich habe das Gefühl, dass dies der einzige Grund ist, warum sie überhaupt immer wieder mit mir schläft."
Snape stieß ein Schnauben aus und es klang beinahe gequält.
"Wir sollten dieses Gespräch nun beenden," sagte er dumpf.
Harry schüttelte mit dem Kopf.
"Meinen Sie, es würde MIR leichtfallen, mit diesem Problem zu Ihnen zu kommen? Ich sehe es an Ihrem Blick...an Ihren Gesten...an Ihrer ganzen verdammten Körperhaltung, dass Sie den Gedanken unerträglich finden, dass ich mit ihr schlafe. ICH bin ihr Mann, Snape...Sie sollten das keinen Moment aus den Augen verlieren...SIE sind nur ein Schatten der Vergangenheit, die zudem nie existierte!"
"Das ist mir bewusst, Potter!", gab Snape zurück und seine Augen sprühten vor Zorn.
"Haben Sie sie geschlagen? Steht sie auf Schläge?", fragte Harry so unvermittelt, dass er selbst davon überrascht schien.
Severus schwieg und taxierte sein aufgeregtes Gegenüber.
"Bei Merlin...das ist es! Das hätte ich mir denken können, wenn sie ausgerechnet IHNEN im Bett etwas abgewinnen konnte."
"Potter, Sie begreifen nicht..."
"Doch, ich glaube, ich begreife sehr gut! Sie haben Hermine soweit gebracht, dass sie nur noch DARAUF reagiert. Bei Merlin, das ist so widerlich!"
Snapes Augen glühten vor Zorn, doch er schwieg.
"Ich danke Ihnen für das Gespräch", sagte Harry in einem abfälligen Tonfall und stand auf.
"Potter, verdammt! Was haben Sie jetzt vor?"
"Etwas, dass Sie rein gar nichts angeht! Vergessen Sie nicht, dass Sie sie mir überlassen haben - sie ist MEINE Frau - vergessen Sie das nie wieder, Snape! Nie wieder!"
Harry verließ den Kerker ohne ein Wort des Abschieds.
Als sein Gast die Tür hinter sich zugeknallt hatte, stand Snape auf und begann eine rastlose Wanderung durch seinen Kerker. An Ruhe vor dem Todessertreffen war nicht mehr zu denken. Immer wieder schossen ihm die Worte Potters durch den Kopf. Er hatte recht, Hermine gehörte zu Harry und er selbst hatte kein Recht so für sie zu fühlen - kein Recht.
Er blieb stehen. ...kein Recht...oh doch, er hatte jedes Recht der Welt so zu fühlen, wie er es tat! Und im Moment empfand er nur Wut, weil Potter es war, der diesen verdammten Ehering am Finger trug und nicht er selbst.
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Die Steaks waren inzwischen knochentrocken und der Salat in sich zusammengefallen. Hermine stocherte gerade in einer der kalten Kartoffeln, als sie hörte, wie die Haustür geöffnet wurde.
"Harry, wo bleibst du denn? Hättest du nicht Bescheid sagen können, wenn du Überstunden machst?", fragte sie, dann fügte sie ruhiger an: "Das Essen ist inzwischen ziemlich ungenießbar."
"Das Essen ist mir egal", gab er zurück, fasste nach ihrem Arm und zog sie vom Stuhl.
Hermine stutze und sie fragte sich, warum er so furchtbar wütend war. "Was ist los?", brachte sie schließlich hervor.
"Nichts! Ich will dich - das ist ja wohl mein gutes Recht!" Hermine wusste kaum wie ihr geschah, als er sie mit beiden Händen packte und in das Schlafzimmer drängte.
"Los, zieh dich aus!", befahl er barsch.
"Was soll das?", stieß Hermine hervor und schüttelte den Kopf.
"Ich habe dir gesagt, du sollst dich ausziehen! Los, oder du wirst mich kennenlernen!"
Hermine sah ihn entgeistert an, dann musste sie lachen: "Hast du im Ministerium 'nen falschen Fluch abbekommen?", fragte sie amüsiert.
Harry knurrte: "Gut, du hast es so gewollt!", dann holte er mit der flachen Hand aus und schlug ihr hart ins Gesicht.
Hermine gab keinen Laut von sich. Sie schützte sich nicht und legte auch ihre Hand nicht an die brennende Wange, sondern fragte kalt: "Geht es dir jetzt besser?"
Harry holte erneut zum Schlag aus und traf dieselbe Wange. "Ich habe dir gesagt, du sollst dich ausziehen! Wie viele Schläge brauchst du, um meinem Befehl nachzukommen. Wie oft hat er zugeschlagen, bis du willig warst und dich um den Verstand hast vögeln lassen?"
Es dauerte etwas, bis Harrys Worte in Hermines dröhnendem Kopf einen Sinn ergaben.
"Du warst bei Severus? Was zum Teufel hat er dir erzählt? Glaubst du, dass er mich jemals auf diese Art geschlagen hat?"
"Auf DIESE Art? Wie soll ich dich schlagen, Hermine? Los, sag es mir!"
"Hat ER gesagt, er hätte mich geschlagen?", fragte Hermine ruhig, doch unnachgiebig.
Harry stieß ein wütendes Schnauben aus. "Er brauchte es mir nicht zu sagen. Stell dir vor, ich bin von ganz alleine darauf gekommen. Oder willst du mir sagen, dass ich falsch liege? Sag mir, wie er es getan hat, damit es dich erregt."
Hermine schüttelte stumm den Kopf.
"Gehört das zum Spiel? Willst du dich zieren? Okay, Hermine, nur weil ich nicht auf abartigen Sex stehe, heißt das nicht, dass ich das nicht durchziehen könnte. Ich kann dich genauso gefügig machen wie er es konnte! Hat er dir den Hintern versohlt, der Herr Lehrer?"
"Hör auf, Harry..."
"Nein, ich höre noch lange nicht auf", unterbrach er sie, dann warf er sie bäuchlings aufs Bett. Sofort war er neben ihr und presste ihr eine Hand auf den Rücken, wobei er mit der anderen auf ihr Gesäß einschlug.
"Ich kann dich glücklich machen...so...wie...er!", schrie Harry und bei jedem einzelnen Wort schlug er mit seiner flachen Hand auf ihren Po.
Dann hielt er inne und atmete tief durch, wobei er ein wimmerndes Geräusch von sich gab, so als sei er selbst derjenige, der geschlagen worden war. Als Hermine spürte, dass er die Hand von ihrem Rücken nahm, drehte sie sich um, blieb jedoch flach auf dem Bett liegen. Ihre Stimme klang strafend sanft: "Das kannst du nicht, Harry - und ich werde nicht länger so tun, als könntest du es."
Harry schüttelte betäubt den Kopf und rieb sich mit einer Hand über die Augen. "Ich verstehe nicht, was du daran magst", brachte er schließlich hervor und sah sie dann schmerzerfüllt an, "ich fühle mich zum Kotzen."
"Ja", sagte Hermine mit einem kleinen Lächeln, "ich auch."
Ein Moment verstrich in Schweigen, dann richtete Hermine sich auf und legte ihren Arm um Harry. "Ich weiß, dass du es mir zuliebe getan hast, aber wenn du noch einmal die Hand gegen mich erhebst, dann reiße ich dir die Eier ab, ist das klar?"
Harry legte nun die Hände schützend in seinen Schoß und fragte leise: "Hast du ihm damit auch mal gedroht?"
"Das war nicht notwendig."
"Weil er dich nie geschlagen hat?"
"Nicht so, Harry."
"Also hat er!"
"Lass es gut sein, okay?"
Harry betrachtete sie eingehend. Er sah ihre gerötete Wange, die ganz eindeutig seine Fingerabdrücke trug, und schluckte.
"Ich würde es gerne verstehen", sagte er eindringlich. Hermine seufzte und erwiderte dann: "Okay...", nach einer Pause fragte sie: "Wie fühlst du dich, wenn du in einer Menschenmenge angerempelt und hin- und hergeschubst wirst?"
Harry sah sie verständnislos an, aber er antwortete: "Ich fühle mich schlecht...es macht mich aggressiv." Hermine nickte zustimmend, dann fragte sie: "Und wie fühlst du dich in einer Achterbahn, in der du ebenfalls hin und hergerüttelt wirst?"
"Macht eindeutig mehr Spaß", erwiderte Harry und sagte dann, "du meinst also, es kommt auf die Umstände an?"
"Nicht nur", gab Hermine zu bedenken, "es kommt auch darauf an, mit wem man in diesen Momenten zusammen ist."
"Snape ist also die Achterbahn?", fragte Harry und schüttelte den Kopf, dann fügte er resigniert an: "Und ich bin nicht der richtige dafür?"
"Nein, der bist du nicht", sagte Hermine bestimmt.
Harrys Blick wurde eindringlich: "Nun, dann haben wir ein ziemlich schwerwiegendes Problem."
Hermine erwiderte seinen ernsten Blick woraufhin er fortfuhr: "Wir sind verheiratet, Hermine. Ich könnte akzeptieren, wenn es nur diese...sexuelle Sache wäre, die uns trennt. Aber ich weiß besser als jeder andere, dass deine Gefühle mir gegenüber nicht echt sind - wenn du überhaupt welche hast", setzte er zweifelnd nach.
Hermine wusste, dass es nicht die Zeit war, um die Dinge zu beschönigen. Mit einem Lächeln erklärte sie ihm: "Ich fühle mich bei dir geborgen. Ich möchte dir nicht weh tun. Und ich möchte, dass du glücklich bist - doch mit mir wirst du es nie werden, denn mein Herz gehört Severus."
"Und wenn er es nicht will?", fragte Harry herausfordernd.
"Dann gehört es dennoch ihm", sagte Hermine und spürte den Stich, weil sie wusste, dass genau dies die Wahrheit war.
Sie war dabei, ihre Ehe zu zerstören, für eine Zukunft, die doch längst Vergangenheit war - noch dazu eine Vergangenheit, von der Severus hartnäckig leugnete, dass es sie überhaupt gab.
Harry hatte auf ihre Aussage hin genickt und stieß nun ein bitteres Lachen aus.
"Er war mir sehr nahe, als er mich mit dem Zauber belegte...geistig nahe, verstehst du? Ich konnte fühlen, was er für dich empfindet...ich muss gestehen - und das tue ich ganz bestimmt nicht gerne - dass ich Respekt vor ihm habe, weil er sich nicht bei uns einmischen wollte...dass er dich aufgab, um dir ein Leben ohne Gefahren und Angst zu ermöglichen. Und trotzdem ist er hier, in jeder einzelnen Sekunde - denn wir sind überhaupt nur zusammen, weil er es so wollte."
"Und was ist mit dir, Harry? Bist du diese Ehe nur wegen des Zaubers eingegangen?"
Harry lächelte sie offen an, dann strich er eine ihrer Haarsträhnen zurück und legte seine Hand sanft an ihre gerötete Wange.
"Nein. Du bist eine schöne Frau, Hermine. Intelligent, stark und einfühlsam. Ich wäre ein Narr gewesen, wenn ich das Geschenk nicht angenommen hätte, das Snape mir so verzweifelt übergeben wollte. Wir kennen uns schon so lange, und ich dachte, das reicht. Aber jetzt wird mir klar, dass wir uns in vielen Dingen immer fremd geblieben sind. Vielleicht, weil es uns nie vorherbestimmt war, diese Dinge miteinander zu teilen. Ich weiß, dass du mich in Vielem für einen Idioten hältst - zurecht vermutlich, denn ich habe das wohl eben erst wieder bewiesen - aber ich hoffe, dass du mir verzeihst...und ich hoffe, dass nicht alles für dich so eine Farce war, wie ich zur Zeit den Eindruck habe."
"Das war es nicht", versicherte Hermine, "du hast mir soviel Liebe und Wärme gegeben, als ich sie so dringend brauchte. Du hast mich nach dem 'Unfall' begleitet und mir gezeigt, dass ich trotz allem begehrenswert bin..."
"Das bist du!", sagte er und ein Funkeln lag in seinen Augen, dann erlosch es und Harry fügte mit gereizter Stimme an: "Lass dir von ihm nichts anderes einreden, hörst du! Er hat dich nicht verdient, wenn er sich an auch nur einer einzigen deiner Narben stört."
Ein merkwürdiges Gefühl durchflutete Hermine. Hier geschah etwas von immenser Bedeutung. Harry gab sie frei. Und er gab sie nicht nur frei, sondern er gab sie direkt in Severus' Hände zurück.
Sie verspürte unbändige Erleichterung, Aufregung und zugleich unsägliche Angst, weil sie nun einer ungewissen Zukunft gegenüberstand.
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Der Morgen dämmerte bereits heran, als Severus seine Räume betrat.
Seine rechte Hand war verbrannt und er presste sie dicht an seinen Körper.
In der linken hielt er Zeichnungen, die er wie betäubt auf den Boden fallen ließ. Er musste darüber nachdenken, was zu tun wäre...aber nicht jetzt...nicht nach dieser Nacht.
Er begab sich in sein Badezimmer und wickelte ein Handtuch um das verbrannte Fleisch, dann tränkte er es mit einer Flüssigkeit, die er stets vorrätig hielt, um im wahrsten Sinne des Wortes seine Haut zu retten.
Es würde etwas dauern, bis der Heiltrank seine Hand einigermaßen wiederhergestellt hatte und der Schmerz erträglich wurde. Severus setzte sich erschöpft auf den Boden und lehnte seinen Rücken an die kalten Wandfliesen. Nur für einen kurzen Moment wollte er die Augen schließen. Kaum hatte er es getan, sank ihm der Kopf auf die Brust und trotz der Schmerzen schlief er ein.
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"Severus, mach die Tür auf"
Der Tränkemeister schrak zusammen, als die magisch verstärkte Stimme Dumbledores ihn weckte.
Benommen erhob er sich und musste sich dabei an der Wand abstützen. Seine Hand schien nach wie vor in Flammen zu stehen, also konnte er nicht lange geschlafen haben.
Er ging zur Tür und hielt dann inne, um die Zeichnungen eilig aufzusammeln und sie unter das Sofa zu schieben. Dann öffnete er die Tür und sah sich einem besorgt dreinblickenden Dumbledore gegenüber.
"Du bist nicht zum Unterricht erschienen, Severus, daher habe ich Professor Flitwick gebeten, deine Klasse zu übernehmen, er hatte eigentlich eine Freistunde."
"Ich werde ihn gleich ablösen", sagte Severus und wollte die Tür schon wieder schließen, als Dumbledore ihn daran hinderte.
"Lass mich eintreten, Severus. Du bist verletzt, wie ich sehe - es war wohl eine harte Nacht. Rede darüber!"
"Nein Albus...nicht jetzt, ich habe Unterricht."
"Du wirst heute nicht unterrichten. Du kannst dich kaum auf den Beinen halten. Ein wankender Professor Snape verunsichert die Kinder höchstens. Ich habe Minerva bereits gebeten, sich darum zu kümmern, dass dein Unterricht heute auch für den Rest des Tages vertreten wird. Was ist mit deiner Hand - eine Verbrennung?"
Snape nickte knapp und ließ seinen Mentor eintreten.
"Möchtest du mir erzählen, wie es zu der Verbrennung kam?", fragte Albus freundlich.
"Durch einen der üblichen Kämpfe."
"Einen der Kämpfe, in denen du deine höhere Position in der Todessergemeinschaft verteidigen musst?"
"Ja. Ich war langsam diesmal. Oder die Anwärter werden jünger und schneller...such es dir aus."
"Nun, der Lord weiß, dass er keinen besseren Mann findet", gab Dumbledore zu bedenken.
"Das hindert ihn nicht daran, immer wieder neue Kämpfer gegen mich antreten zu lassen. Und auch Malfoy möchte nach wie vor meinen Posten. Er hat mir den Kampf für das nächste Treffen angesagt."
Dumbledore hob eine Augenbraue, dann fragte er bedächtig: "Lucius Malfoy ist eine größere Gefahr, als die jungen Zauberer, die Voldemort dir ansonsten auf den Hals hetzt. Er wird sich nicht mit der Leitung des mittleren Kreises zufrieden geben, solange er deinen Posten als Ziel vor Augen hat. Und ihm ist zuzutrauen, dass er wesentlich mehr Schaden anrichten kann, als eine verbrannte Hand."
Snape schnaubte und erwiderte dann: "Wenn er den Posten möchte, dann soll er ihn von mir aus haben."
Der Blick seines Mentors verdüsterte sich zusehends und seine Stimme wurde streng.
"Du musst Malfoy besiegen! Er darf deinen Platz nicht einnehmen, Severus. Gerade jetzt ist deine Position für uns wichtiger denn je!"
"Also soll ich Lucius töten, wenn es nötig ist?"
Dumbledore sah ihn einen Moment reglos an, dann gab er seine Antwort, die so knapp wie entschieden klang.
"Ja."
tbc
