61. Kapitel

Die harte Probe von Freundschaft, Feindschaft und Liebe

Nebelschwaden lagen über Hogwarts Ländereien. Der Tag versprach düster und nasskalt zu werden. Dumbledores Umhang schleifte über die Wiese und der untere Saum des Kleidungsstückes war bereits mit Wasser vollgesogen.

Der Magier war so früh am Morgen erwacht, dass die Welt noch in Dunkel gehüllt gewesen war, als er seine Wanderung angetreten hatte. Er hatte einiges an Weg hinter sich gebracht und sein Geist war so klar und rein, wie er es nach einem ausgedehnten Spaziergang gewohnt war.

Wie oft schon hatte er Severus ebenfalls dazu geraten, die Kraft der Natur zu seinem Verbündeten zu machen. Es gab Dinge, die musste er ihm befehlen, und es gab Dinge, die konnte er ihm nur raten - und wurde oft genug enttäuscht.

In diesen Momenten spürte er, dass er den engen Kontakt zu Severus verloren hatte. Es wurde immer schwieriger, die Verbindung zu halten. Was natürlich nicht zuletzt daran lag, dass Severus stets von ihm angewiesen worden war, mit seiner Rolle zu verschmelzen. Und so hatte Dumbledore Einbußen der Offenheit des Tränkemeisters hingenommen, weil der Vertrauenszauber im krassen Gegensatz zu Severus' Funktion als Todesser stand.

Severus würde sich zweifelsohne noch weiter von ihm entfernen, wenn er erst Lucius Malfoy auf seine Anweisung hin getötet hätte.

Es musste Severus schwer fallen, den einstigen Freund zu töten. Severus hatte als junger Mann bei den Todessern etwas gesucht, das er scheinbar nirgends sonst fand. Vor seinem familiären Hintergrund schien ein Beitritt - wenn auch nicht entschuldbar - so doch immerhin nachvollziehbar. Doch Lucius Malfoy hätte einen anderen Weg wählen können, als den des Todessers. Dank des Einflusses, den seine Familie in der Zaubererwelt hatte, und nicht zuletzt durch seine finanziellen Möglichkeiten, hätte er ein anderes Ziel wählen können, als das, dem Dunklen Lord zu dienen. Nun jedoch war er nichts weiter als eine verlorene Seele, die Gefallen daran fand, zu morden, zu foltern und zu vergewaltigen. Eine Seele, die unrettbar verkommen war, und um die es nicht weiter zu kämpfen lohnte. Es war bereits schwer genug, um die zu kämpfen, die sich retten lassen wollten. Lucius Malfoy hingegen würde alles daran setzen, Severus zu verdrängen, um selbst dessen Platz einzunehmen. Das durfte auf keinem Fall geschehen. Es hatte ihn, Dumbledore, viel Kraft gekostet, Severus zu dem zu machen, der er war - er durfte nicht zulassen, dass ein charakterschwacher Mann wie Malfoy, sein Werk zunichte machte.

Noch einmal atmete der alte Mann tief ein, bevor er das Schloss betrat und in seine eigene Rolle eintauchte - in die des verständnisvollen Direktors der Zaubererschule Hogwarts.

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Ein schweres Gewicht presste sich auf Hermines Brust und raubte ihr den Atem.

'Ein Albtraum!', schoss es ihr durch den Kopf, und doch realisierte sie in diesem Moment, dass das Gefühl nicht aus einem Traum stammte, sondern sie sogar aus einem geweckt hatte.

Als sie die Augen öffnete, erkannte sie den Grund für ihre Atemnot.

Severus' Arm lag schwer auf ihrem Oberkörper und der Mann an ihrer Seite schlief so tief und fest, dass er nicht einmal bemerkte, wie sie seinen Arm von sich hinunterschob.

Sanft gab sie ihm einen Kuss auf die Stirn, was er mit einem lauten Schnarchen quittierte.

Einen Moment lang schüttelte sie amüsiert den Kopf über Severus, der wie ein Stein schlief. Dann drehte sie sich zur Seite, rollte sich zusammen und kuschelte sich an den Tränkemeister.

Sie spürte ihn an ihrem Rücken, an ihrem Po und drängte sich noch näher an ihn, und plötzlich legte er den Arm erneut um sie, doch diesmal kontrollierter, und er streichelte sanft ihren Bauch.

"Ist dir kalt?", fragte er noch schlaftrunken.

"Nein - ich wollte dich nur spüren", gab sie entschuldigend zurück.

Er drückte sie an sich und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar.

Sie genoss schweigend die wohltuende Nähe - ebenso wie er.

Nach einer Weile sagte sie leise: "Severus...ich sollte nun wohl besser gehen, damit niemand bemerkt, dass ich hier auf Hogwarts war."

"Wo willst du denn hingehen?", fragte Severus, und brachte ihr damit in Erinnerung, dass die Trennung von Harry vollzogen war.

"Ich...ich könnte in die Wohnung gehen. Harry wird den Tag über im Ministerium sein. Und heute Abend kehre ich zurück...spät, wenn du möchtest, damit mich niemand bemerkt."

Einen Moment lang schwieg Severus, dann sagte er bestimmt: "Du wirst hier im Schloss wohnen - bei mir."

"Bei dir und deinem entzückenden Bild?", fragte Hermine neckisch.

Er brummte zur Erwiderung lediglich.

Hermine genoss einen Moment das Gefühl, von ihm als Teil seines Lebens akzeptiert zu sein, doch dann sagte sie leise: "Dumbledore wird schon bald erkennen, wer der wahre Vater des Kindes sein könnte, auf das er solche Hoffnungen setzt. Er ahnte von Anfang an, dass Harry es nicht ist, und wenn er nun weiß, dass ich hier bei dir..."

"Er wird es wissen - und es geht ihn dennoch nicht das Geringste an! Ich habe keine Lust, dich wie eine Diebin ins Schloss schleichen zu lassen."

"Ich könnte mir eine Wohnung nehmen, und zu dir kommen - so wie früher."

Severus atmete tief durch, dann sagte er: "Es gibt kein früher, nicht so...es ist nicht passiert!"

Kaum hörbar erwiderte Hermine: "So wie es unser Kind nie gegeben hat, meinst du? Es IST passiert, Severus...nur weil die Zeit nun anders verläuft, heißt das nicht, dass wir nicht all das erlebt haben. Ich erinnere mich an alles was geschehen ist - und mein Körper erinnerte sich an DICH, obwohl ich keinen Schimmer hatte, dass wir uns jemals nahe gekommen sind."

Ohne ein weiteres Wort drehte er sie zu sich und küsste sie.

Er legte dabei eine Hand in ihren Nacken und spielte mit ihrem Haar. Als er den Kuss beendet hatte, sah er ihr in die Augen und flüsterte leise: "Diese andere Zeit...in ihr habe ich alles verloren..."

"Diesmal wird es anders laufen", gab sie zurück, als er nicht weitersprach.

Fast unmerklich schüttelte er mit dem Kopf.

"Was ist los, Severus?", fragte sie drängend.

"Nichts."

"Natürlich nicht", gab sie ironisch zurück und sah ihn herausfordernd an.

Er nahm die Hand aus ihrem Nacken, drehte sich auf den Rücken und starrte zur Decke.

"Ich werde Lucius Malfoy töten müssen", sagte er matt.

Hermine hatte mit einem solchen Themenwechsel nicht gerechnet und brauchte einen Moment, um zu realisieren, was er gerade gesagt hatte.

"Warum?", fragte sie schließlich knapp.

"Weil er sonst mich töten wird."

"Dann töte ihn", erwiderte Hermine verbissen und konnte kaum glauben, dass Severus schnaubend auflachte.

Severus' Lachen erstarb jedoch sofort wieder und seine Stimme klang vorwurfsvoll: "So einfach ist das also?"

"Das habe ich nicht behauptet", stellte Hermine klar, ehe sie nachdrücklich sagte: "Lucius Malfoy schreckt nicht davor zurück, mit Deeping auf die Jagd zu gehen. Du weißt, dass sie Menschen jagen. Sie foltern sie - sie töten sie...ich habe Bilder gesehen...so wie du. Es tut mir nicht leid um ihn."

"Aber mir tut es leid um ihn", bekannte Severus, "mich verbindet eine jahrelange Freundschaft mit ihm. Lucius mag dem Anschein nach alles haben, was man sich nur wünschen kann, aber in Wahrheit hat er stets das tun müssen, was der Lord von ihm erwartet. Lucius hatte nie eine Wahl - er wurde Todesser, weil es die Tradition seiner Familie so verlangte. Das reine Blut kann eine ebenso große Strafe sein, wie das unreine. Er konnte dem Lord dienen, oder zum Blutsverräter gestempelt werden. Er ist längst nicht so gefühllos, wie er den Anschein erweckt. Er liebt seine Frau...und er liebt Draco."

"Und er fickt mit Deeping, nachdem sie mit ihrem Opfer fertig sind", ergänzte Hermine kalt.

Severus sah nun zu ihr und runzelte die Stirn. "Du vergisst eine wichtige Tatsache", sagte er heiser, "du vergisst, dass ich ebenfalls mit Sex entlohnt werde, wenn ich eine Aufgabe für Voldemort erfüllt habe. Das ist nicht neu, Hermine...du wusstest es...und ich weiß, dass du dir für diesen Teil von mir ebenfalls den Tod wünschst."

Wie eine kalte Hand griffen diese Worte nach Hermine - füllten sie mit der eisigen Erkenntnis, dass er recht hatte...dass sie diesen Teil von ihm hasste, und brachte sie dazu, sich zu erheben und das Bett zu verlassen. Er hatte sich inzwischen auf die Ellenbogen gestützt und sah sie mit grimmiger Miene an.

"Wie kommst du eigentlich darauf, dass Lucius und Deeping miteinander ficken?", fragte er.

Hermine wollte das Thema am liebsten sofort beenden, doch sie erkannte, dass sie die Antwort wohl kaum schuldig bleiben konnte.

"Deeping ist nachweislich bisexuell. Er ist mit Lucius befreundet und dieser scheint es vollkommen in Ordnung zu finden, wenn sein Kumpan einen erigierten Penis hat, während er ihm eigenhändig das Todessermal einbrennt - es war nur eine logische Schlussfolgerung."

Severus nickte knapp, dann wich er ihrem Blick aus.

Hermine stockte plötzlich der Atem. Ungläubig beobachtet sie, wie Severus erneut zur Decke sah.

Ihre Stimme war beinahe flehentlich: "Severus...sage mir bitte, dass du niemals etwas mit Lucius Malfoy hattest...sag mir, dass ihr nie Sex miteinander hattet...sag es mir!"

Er wandte den Kopf in ihre Richtung und seufzte: "Das kann ich nicht, Hermine."

Als hätte ihr jemand den Boden unter den Füßen weggezogen, suchte Hermine Halt und schüttelte heftig mit dem Kopf.

"Es war sehr gewalttätiger Sex...kein tieferes Gefühl, nur animalischer Trieb."

"Nachdem ihr einen 'Auftrag' erfüllt hattet?", spie Hermine ihn an, und betonte das Wort Auftrag mit hörbarer Abscheu.

"Nachdem wir einen Auftrag erfüllt hatten", bestätigte Severus knapp.

"Toll...ganz toll, Severus...ich möchte jetzt nichts mehr hören!"

Er ignorierte was sie soeben gesagt hatte und fügte an: "Es war harter Sex, wie ich schon sagte, ohne jegliches anderes Gefühl...und doch hat er mir dabei ins Ohr geflüstert, dass er ohne mich die Hölle Voldemorts' nicht ertragen könne...keine Sekunde."

Severus verstummte und sah Hermine an.

Seine Stimme klang entschieden, als er nun wieder sprach.

"Ich weiß, wieviel ich gerade zwischen uns zerstöre...Hermine, ich habe dieses Geheimnis so lange für mich behalten, weil es nicht von Belang war. Aber nun...nun soll ich ihn töten...ich werde es tun...aber ich möchte es nicht."

"Du möchtest vieles von dem nicht, was du als Todesser tun musst, oder irre ich mich da?", sagte Hermine kalt, dann besann sie sich und fragte sanfter: "Wie kam es dazu, dass du mit Lucius Sex hattest?"

"Du meinst, ob es eine Anweisung des Lords war? Nein, Hermine, das war es nicht. Es war unsere freie Entscheidung. Was willst du hören? Ob ich es bereut habe? Nein, ich habe es nicht bereut."

Hermine stand einen Moment reglos, dann zog sie sich schweigend an. Severus hinderte sie nicht. Er versuchte nicht sie aufzuhalten, als sie den Kerker verließ.

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Die Oberfläche des Sees wurde von Windböen immer wieder aufgewühlt. Ähnlich aufgewühlt fühlte sich auch Hermine, die auf dem Stamm eines umgestürzten Baumes saß.

Warum hatte Severus so lange vor ihr verheimlicht, dass er Sex mit Lucius Malfoy gehabt hatte? Was bedeutete diese Tatsache für Hermine? Sie war völlig entsetzt von dem Gedanken, und doch war da noch ein anderes Gefühl.

Sie begriff, dass Severus ihr heute morgen ein großes Geschenk gemacht hatte, indem er sie an seinen Gefühlen hatte teilhaben lassen. Es fiel ihm schwer, den blonden Mann töten zu müssen. Und vielleicht war es genau das, was Hermine so unglaublich störte - er empfand offensichtlich etwas für ihn. War es nur Freundschaft, oder steckte letztendlich doch mehr dahinter?

Immer wieder redete sie sich ein, dass es nichts zu bedeuten hatte, dass Severus sie ausgerechnet jetzt daran erinnert hatte, dass er selbst sadistischen Handlungen als Todesser nachging. Hermine wusste, dass sie in der anderen Zeitdimension bereits Kenntnis darüber erlangt hatte, und doch war sie nun regelrecht bestürzt, weil es so offensichtlich ein Teil seines Lebens war...ebenso wie es ein Teil von Lucius Malfoys Leben zu sein schien.

Severus hatte gesagt, dass der Blonde seine Frau und seinen Sohn liebte...und irgendwie spürte Hermine, dass es wahr war.

War es möglich, dass Malfoy die gleichen Rollen spielen musste wie Severus? Ebenso wie sie selbst ihre Rolle gespielt hatte? Dass er dies ebenfalls als unerträglich, aber ebenso unabänderlich empfand?

Ärgerlich knickte sie einen dünnen Ast von dem Baumstamm ab und warf ihn ins Wasser.

Jetzt saß sie schon hier und machte sich Gedanken über dieses sadistische Malfoy-Schwein.

Und doch ließ sie der Gedanke nicht los, dass Severus litt, weil er dem Freund das Leben nehmen musste.

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Als Hermine in den Kerker zurückkehrte, war sie durchgefroren. Sie hatte die Zeit des Abendessens abgewartet, um sich ungesehen in den Kerker schleichen zu können. Im Flur, hinter eine Säule gekauert, wartete sie auf Severus.

Als sie seine Schritte hörte, trat sie aus dem Schatten und sah ihn stumm an. Severus blickte ebenso wortlos zurück und öffnete seine Tür. Er wartete, bis sie eingetreten war, ehe er ihr folgte und die Tür schloss.

"Es ist lange her, dass das zwischen Lucius und mir geschehen ist", sagte er, und zeigte ihr damit, dass er genau wusste, warum sie es vorgezogen hatte, den Tag ohne ihn zu verbringen - frierend, nachgrübelnd und offensichtlich in der Wildnis.

Ehe Hermine etwas erwidern konnte, sagte er leise: "Ich lasse dir ein Bad ein."

Sie sah ihm zu, wie er nicht nur die Wanne mit heißem Wasser füllte, sondern auch einige Kerzen auf deren Rand stellte und ihr Handtücher bereit legte.

"Du möchtest wirklich, dass ich bei dir wohne?", fragte sie schließlich, als er einen wohlriechenden Badezusatz ins Wasser gegossen hatte.

"Ja, das möchte ich", gab er schlicht zurück und unterstrich damit umsomehr seinen Willen.

Hermine streifte die Kleidung ab und fühlte erst jetzt, dass sie einige Blätter im Haar hatte. Severus sah ihr beim Entkleiden zu, ebenso wie er verfolgte, wie sie in die Wanne stieg.

Das warme Wasser tat unendlich gut. Sie legte genießerisch den Kopf zurück und schloss die Augen.

"Severus, "sagte sie leise und wartete, bis er ein Brummen von sich gab, ehe sie weitersprach.

"Ich habe lange über Lucius Malfoy nachgedacht. Ich habe versucht, zu begreifen, wie er zu dem Mann wurde, der er heute ist. Ich verstehe, dass euch eine Freundschaft verbindet...oder mehr. Aber ich hasse ihn, Severus. Ich werde ihn immer hassen, und ich kann nicht um ihn trauern."

Es dauerte geraume Zeit, bis Severus antwortete und Hermine hielt weiterhin die Augen geschlossen, während ihr Herz seit ihrem Geständnis bis zum Hals klopfte.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass ER mich tötet, statt ich IHN, ist sehr viel größer. Sollte dies geschehen, so wird dein Hass auf ihn neu genährt werden - und vielleicht wirst du um mich trauern. Ich bin mir jedoch sicher, dass weder er deinen Hass, noch ich deine Trauer wirklich verdient habe. Kannst du dich erinnern, dass ich dir einmal sagte, dass man den Weg, den man bereits beschritten hat, nicht mehr ändern kann? Dass man ihn zuende gehen muss, weil es keine Rückkehr gibt? Das gilt für jeden Todesser - jeden einzelnen...und sei er noch so sehr ein Spion für die gute Seite, er bleibt doch stets ein Todesser. Derzeit hat Lucius die besseren Karten beim Lord...ich schätze, ich werde zu weich in letzter Zeit. Todesser sind wie ein Rudel Wölfe - der Stärkere bekämpft den Schwächeren. Das hat nichts mit persönlichen Gefühlen zu tun - es ist lediglich eine Notwendigkeit, um sich selbst nicht eines Tages am Ende der Rangfolge wiederzufinden. Ich werde gegen ihn kämpfen, Hermine. Und sollte ich gewinnen, so werde ich mich bemühen, meinen Sieg nicht zu betrauern. Bist du nun zufrieden?"

Ohne auf ihre Antwort zu warten, verließ Severus das Badezimmer. Als Hermine die Augen endlich öffnete, fand sie den Raum leer vor.

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Die halbe Nacht wälzte Hermine sich hin und her, bis schließlich Severus eine Kerze entzündete und sie müde, aber fragend, ansah.

"Ich kann nicht schlafen", sprach sie das Offensichtliche aus, "es tut mir so leid, Severus, dass ich dir so wenig Verständnis entgegenbringe, was Lucius angeht."

"Du hast es mir doch schon erklärt", sagte Severus dumpf, "du hasst ihn. Und du hast jedes Recht der Welt dazu. Er hat schreckliche Dinge getan. Er ist schuldig. Er wird sterben, falls er nicht schneller ist als ich. Es wird geschehen...so oder so. Es geschieht nicht, weil du es dir wünschst, sondern weil er mich herausgefordert hat. Eigentlich macht es keinen Unterschied, was du über ihn denkst."

"Doch, es macht einen Unterschied - für dich!"

"Nein, ist okay."

"Sagst du das jetzt nur, weil du weiterschlafen möchtest?", fragte Hermine aufgebracht.

Severus stöhnte laut auf.

"Wenn es zur Gewohnheit wird, dass du mich weckst, dann überlege ich mir das mit dem Zusammenwohnen lieber nochmal."

Hermine schwieg einen Moment und sagte dann leise: "Du kennst ihn nun schon so lange - du kennst seine Schwachpunkte im Kampf, nicht wahr?"

Severus atmete tief durch und erwiderte schließlich: "Ja, ich kenne einige seiner Schwachpunkte."

Hermine bemühte sich, nicht allzu erleichtert zu klingen und sie war sich nach wie vor darüber bewusst, dass damit rein gar nichts entschieden war.

"Bitte nutze dein Wissen, Severus. Denke daran, dass er nicht zögern wird, dich zu besiegen. Wenn du ihn tötest, dann bin ich für dich da. Ich weiß nun, dass du mit ihm einen Menschen verlierst, der dir etwas bedeutet. Ich werde das bedenken."

"Mehr habe ich nie verlangt", sagte Severus und zog sie an sich.

Hermine kuschelte sich an ihn und nach wenigen Minuten waren beide eingeschlafen.

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Auf dem Schreibtisch stapelten sich die Akten. Neue Bestimmungen, Gesetzesvorlagen, Anträge und Vollmachten, die unterzeichnet werden mussten.

Harry fühlte sich schrecklich.

Der vergangene Abend war eine Tortur gewesen. Die Wohnung war verlassen gewesen, als er nach Hause gekommen war und doch hatte Hermines Duft noch in der Luft gehangen.

Und heute würde die Wohnung wieder leer sein, und der Duft etwas weniger. Und so würden die Tage vergehen, bis ihr Geruch völlig verschwunden sein würde. Harry fragte sich, ob er diesen Tag herbeisehnte, oder ihn fürchtete.

Er kam zu dem Schluss, dass es wohl von beidem etwas war.

"Alles in Ordnung?", fragte Wilbur Haines fürsorglich.

Harry sah zu seinem Kollegen und murmelte: "Ja, alles okay."

"Du siehst schlecht aus", erwiderte Haines.

"Danke auch", sagte Harry matt und lächelte gleichzeitig entschuldigend.

"Ich mache mir nur Sorgen um dich - und um Hermine", sagte Haines und sah Harry neugierig an.

"Kein Grund zur Sorge. Alles bestens", sagte Harry und nahm sich eine der Akten vor.

"Du würdest es mir doch sagen, wenn es nicht so wäre, nicht wahr Harry? Du weißt, dass ich dein Freund bin", sagte Wilbur eindringlich.

"Natürlich würde ich es dir sagen. Du hast dich schließlich schon immer um uns gesorgt - um mich...und um Hermine."

tbc