Kurze Anmerkung zu meiner Ankündigung vom letzten mal...besagte an-die-Nieren-geh-Handlung musste ich noch etwas verschieben, da das Kapitel ohnehin schon so lang geworden ist - wovon ich hoffe, dass es niemanden stört.

Und dann wollte ich die Gelegenheit noch nutzen, um klarzustellen, dass diese angekündigte Handlung die wenigsten von euch betroffen machen wird, und ihr deshalb also nicht zu bibbern braucht, denn sie hängt mit einem Charakter zusammen, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, in dieser Story jedoch schon bald das Zeitliche segnen wird - und ich wette mit euch, dass es dann die wenigsten von euch hart treffen wird! (aber es gibt Ausnahmen - kira schon mal taschentuch reicht

Und dann wollte ich natürlich noch klarstellen, dass mich auch ganz viel andere Handlung in dieser Geschichte selbst betroffen macht! Nicht, dass es da noch zu Missverständnissen kommt! g

So, genug rumgelabert - viel Vergnügen...ach ne, das passt bei 'Hölle' einfach nicht...viel...Spannung...ja, das trifft es besser ;)

64. Kapitel

(Gem)einsame Kämpfe

Angenehme Schwere hatte Hermine erfasst, nachdem Severus sie ins Bett getragen hatte.

Nach dem langen und sehr anstrengenden Liebesspiel hatten ihre Muskeln so stark gezittert, das es ihr unmöglich gewesen war, sich selbst auf den Beinen zu halten.

Ohne ein Wort darüber zu verlieren, hatte Severus sie auf seine Arme gehoben und sie ins Bett verfrachtet, wo er ihren nackten Unterleib sorgsam zugedeckt hatte, um sich dann neben sie zu legen und sich an ihren Rücken zu schmiegen.

Einige Minuten hatte sie seinen Atem in ihrem Nacken kitzeln gespürt, bevor sie in die Welt der Träume hinübergeglitten war.

Als er sie nun weckte, tat er es mit kleinen Küssen, die er hinter ihrem Ohr platzierte.

Hermine öffnete die Augen nur unter größter Anstrengung und murmelte: "Gönn mir doch wenigstens eine halbe Stunde Schlaf."

"Du schläfst schon seit drei Stunden, mein Engel", erwiderte er leise und sie konnte hören, dass er lächelte.

"Drei? Oh. Ich fühle mich ziemlich durch die Mangel gedreht."

Seine Hände glitten unter die Bettdecke und berührten ihren nackten Po.

"Das liegt daran, weil du durch die Mangel gedreht WURDEST."

"Mein Hintern fühlt sich an, als hätte er einen hochgradigen Sonnenbrand. Der schillert bestimmt in allen Farben."

Mit einem Ruck zog Severus ihr die Decke weg und sagte nach einer genauen Inspektion: "Er hat ein wenig seiner jungfräulich hellen Farbe eingebüßt. Das kriegen wir schon wieder hin."

Als Hermine sah, dass er seinen Zauberstab hervorzog, hielt sie sein Handgelenk fest.

"Bei so vielen Narben kommt es darauf wirklich nicht an. Lass ihn so wie er ist."

"Die Narben schmerzen aber nicht mehr", wandte er ein.

Sie schüttelte den Kopf, als er ihr die Hand entwenden wollte.

"Lass ihn so", wiederholte sie fest.

"Warum?"

"Weil ich es spüren möchte. Ich möchte fühlen, was du mit mir gemacht hast. Ich möchte dass du weißt, dass ich es fühle."

Severus schluckte hart, dann ließ er den Zauberstab neben das Bett fallen.

Ohne ein weiteres Wort küsste er sie. Hermine zog ihn auf sich und mit einer Hand nestelte sie so lange an seiner Hose, bis sie seine pralle Erektion daraus befreit hatte. Ehe er selbst in sie dringen konnte, hatte sie bereits ihre Beine um seine Hüften geschlungen und dafür gesorgt, dass er sie ausfüllte.

Als sie ihm die Hände auf die Schultern legte, beobachtete sie fasziniert die tiefen Einschnitte, die die inzwischen verschwundene Fesselung an ihren Handgelenken hinterlassen hatte, während er einen behutsamen Rhythmus aufnahm, in dem Wissen, dass jede seiner Bewegungen eine Reibung an ihrem geschundenen Gesäß verursachte.

Hermine war es schließlich, die ihn zu einem schnelleren Tempo ermutigte, und was sie fühlte, war Ekstase pur. Sie wollte spüren, dass sie sein war. Wollte fühlen, was sie bereit gewesen war, für ihn zu geben...sie wollte fühlen, was sie zu geben bereit war, um SICH zu fühlen. Und sie genoss es auf unglaublich lebendige und kraftbringende Art.

ooooooooooooooooooooooooooooo

"Du solltest mir sagen, was du beim Treffen fordern möchtest, Hermine", sagte Severus, während er sein Hemd zuknöpfte.

Hermine sah ihn einen Moment bedauernd an, doch dann wurde ihr Blick undurchdringlich.

"Nein, Severus. Du hast mir in der Vergangenheit mehrfach gesagt, dass für dich der Orden an erster Stelle steht..."

"DU stehst bei mir an erster Stelle", unterbrach er sie.

"Severus...versteh doch...das ist eine Sache, die ich ganz alleine durchziehen muss. Alles was ich tat - in dieser anderen Zeitdimension - tat ich für den Orden. Ich habe gelitten, geblutet und mich anderen Menschen ausgeliefert...du hast mich gelehrt, all das hinzunehmen. Und nun lehre ich euch, was es heißt, den Preis für meine Opfer zu bezahlen."

"Uns?"

"Noch gehöre ich nicht zum Orden - du hingegen schon - ja, Severus, euch!"

Die Distanz, die sie schuf, ließ Severus tatsächlich einen Schritt zurückweichen.

"Wir sollten nun aufbrechen", murmelte er enttäuscht.

"Ja", erwiderte sie knapp.

Als sie wenig später gemeinsam im Fuchsbau eintrafen, wurden sie von Arthur Weasley ins Haus gebeten.

Hermine entging nicht, dass der rothaarige Mann sie besorgt betrachtete - offensichtlich hatte sich die Nachricht schon herumgesprochen, dass Severus und sie ein Paar waren, denn Arthur hielt Severus für einen Moment auf, indem er ihn an der Schulter fasste. Hermine hörte, wie der mehrfache Vater ihm zuraunte: "Wenn sie meine Tochter wäre, würde ich dir die Zähne einschlagen - selbst wenn es das Letzte wäre, was ich täte."

Und tatsächlich sah der sonst so sanfte Mann erschreckend zornig aus.

Severus blieb eine Antwort schuldig und schob mit einem eiskalten Ausdruck in den Augen die Hand des anderen Mannes nachdrücklich von seiner Schulter.

"Wenn ich nicht erwünscht bin, sollten wir das Treffen an einen anderen Ort verlegen", sagte er lediglich ruhig.

Arthur Weasleys Miene wurde grimmig, doch er deutete mit einer harschen Geste in Richtung Wohnzimmer.

Einen Moment überlegte Hermine, ob sie mit dem Hausherrn sprechen sollte, doch dann lächelte er sie an und fragte: "Hermine, wie geht es dir?"

"Es geht mir gut - sehr gut sogar", fügte sie an und schickte ein Lächeln hinterher; "kein Grund zur Sorge."

Arthur nahm ihre Hände in seine und wurde nun wieder ernst: "Wir sind immer für dich da, mein Kind."

Hermine sah ihn erstaunt an und antwortete mit leichtem Kopfschütteln: "Ich habe mich hier schon immer wie ein Familienmitglied gefühlt - ich möchte dir dafür danken...aber ebenso möchte ich dich bitten, zu akzeptieren, dass ich kein Kind mehr bin."

Das Lächeln des Rothaarigen wirkte etwas verunglückt als er erwiderte: "Nein, das bist du natürlich nicht."

"Hat Ginny sich gemeldet?", fragte Hermine und hoffte, den Hausherrn damit auf andere Gedanken zu bringen.

"Nein, sie arbeitet gerade an einem Experiment, das es erfordert, zwei Wochen lang keinen Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Es geht um ein Projekt, mit dem sie und Ron beweisen wollen, dass Drachen vollkommen zähmbar sind. Dazu darf die Verbindung zwischen dem frisch geschlüpften Drachenbaby und dem Menschen, dem er Zeit seines Lebens gehorchen soll, in den ersten Tagen für keinen Moment unterbrochen werden. Molly und ich zählen bereits die Tage, bis diese Phase des Projektes abgeschlossen ist. Wenn alles glatt läuft, hoffen wir darauf, in vier Tagen endlich wieder Post zu erhalten. Molly macht sich große Sorgen, weil sie fürchtet, dass das Projekt irgendwann scheitert - wenn nicht sofort, dann vielleicht erst in ein paar Jahren. Immer wieder redet sie von Hagrid, der ebenfalls glaubte, diese wilden Tiere gebändigt zu haben. Sie malt geradezu den Teufel an die Wand, was Ron und Ginny alles zustoßen könnte. Und dabei war sie so froh, dass die beiden in Rumänien sind, und dem Orden den Rücken gekehrt haben - doch die Welt steckt auch so voller Gefahren, nicht wahr?"

"Ja, das ist wohl wahr", erwiderte Hermine leise.

Im gleichen Moment erschien Molly Weasley und sah ihren Mann ungeduldig an.

"Könntest du unsere Gäste nicht wenigsten erstmal richtig zur Tür reinkommen lassen?", fragte sie ihren Mann, nur um sich dann sofort an Hermine zu wenden, während Arthur sich milde lächelnd zu seiner Frau beugte und ihr demonstrativ einen Kuss aufdrückte, um sich dann zu den anderen ins Wohnzimmer zu gesellen.

Molly blickte ihm hinterher und lächelte für einen Moment glücklich, weil er ihr ihre Ungerechtigkeit stillschweigend verzieh.

Dann wandte sie sich erneut an Hermine.

"Bei Merlin, was sind das nur für Geschichten, die man sich erzählt. Man behauptet ernsthaft, dass du und Snape eine Beziehung miteinander hättet - eine Liebesbeziehung", stellte sie dann noch klar und sah Hermine direkt in die Augen.

"Ja, die haben wir", sagte Hermine freundlich, als hätte sie den spöttischen Unterton über diese 'Gerüchte' gar nicht gehört.

"Warum?", fragte Molly.

Hermine stutze sichtlich: "Warum?", echote sie verblüfft.

"Ja, eine hübsche, gescheite junge Frau wie du, sollte ihr Leben nicht mit einem alten Griesgram verbringen."

Langsam schüttelte Hermine den Kopf.

"Er ist nicht so, wie ihr alle denkt."

Die mehrfache Mutter umfasste freundschaftlich Hermines Oberarme und sah sie mit einem warmen Lächeln an. "Wir sind immer für dich da, Hermine. Ich möchte, dass du das weißt. Wir sollten nun zu den anderen gehen. Albus kann es kaum erwarten, zu beginnen. Stell dir vor, er hat schon eine ganze Kanne Tee beinahe alleine geleert, bevor ihr angekommen seid. Ich werde ihm lieber schnell noch eine machen, bevor ich mich zu euch geselle."

Hermine betrat das Wohnzimmer, während Molly Weasley in die Küche durchging.

Der Raum war voller Stimmengewirr, so wie sie es bereits aus Treffen der anderen Zeitdimension kannte.

Auch diesmal hatte Severus sich neben Harry gesetzt, doch im Gegensatz zu früher wurde er mit kritischen und ungläubigen Blicken von den anderen Ordensmitgliedern bedacht.

Es fiel Hermine schwer, Harry in die Augen zu sehen. Sie begrüßte die Anwesenden und sah dann kurz zu Severus. Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, rückten die beiden Männer plötzlich ein Stück auseinander und machten ihr damit Platz in ihrer Mitte. Hermine nahm diesen ein und spürte förmlich, wie der Blick der anderen ihr die Luft zum Atmen abschnitt.

Moodys Auge war so starr auf sie gerichtet, dass sie beinahe hoffte, es würde statt dessen dieses gefürchtete Kreisen ausführen. Minerva sah über den Rand ihrer Teetasse und schien ausdruckslos, was schon schlimm genug gewesen wäre, wenn sie zudem nicht augenscheinlich völlig vergessen hätte, warum sie überhaupt die Tasse an die Lippen gesetzt hatte.

Tonks Haare vollzogen einen schnellen Farbwechsel, der ihre Gefühle nur allzu stark zum Ausdruck brachte. Hermine hatte genug von all den überdeutlichen Anzeichen von Unverständnis. Sie blickte jetzt einzig noch zu Dumbledore, der ihr ein väterliches Lächeln schickte.

Es war mehr als merkwürdig, zwischen den beiden Männern in ihrem Leben zu sitzen. Keiner der Drei sprach ein Wort, doch dieses Schweigen war durchaus kein eisiges.

Als Mollly mit dem Tee zurückgekehrt war, eröffnete Albus offiziell das Treffen.

Hermine kamen seine Worte seltsam hohl vor. Immer wieder bemerkte sie, wie er in ihre Richtung sah und kurz darauf Severus taxierte, so, als könne er ihn allein mit seinem Blick dazu bewegen, von ihr abzurücken. Und tatsächlich bemerkte Hermine schon nach wenigen Minuten, dass Severus sich die Schläfen rieb, als leide er plötzlich unter Kopfschmerzen.

Noch skurriler wurde die Situation jedoch, als Harry sich ein Stück vorlehnte, an Hermine vorbei sah und Severus fragte: "Alles in Ordnung?"

"Ja, alles bestens", gab Severus knapp zurück. Hermine kochte innerlich vor Wut. Es war so eindeutig, was Dumbledore tat - warum bemerkte es niemand außer Severus, Harry und ihr?

"...und deshalb freue ich mich ganz besonders, dass wir Hermine wieder in unserer Mitte willkommen heißen dürfen", beendete Dumbledore gerade seinen Satz, als Hermine aufkommendem Beifall zuvorkam.

"Bevor ich zum Orden zurückkehre, gibt es ein paar Dinge, die ich fordere", sagte sie ohne Umschweife und brachte damit den Leiter des Ordens einen Moment reichlich aus dem Konzept.

Dumbledore schien sich nun völlig auf sie zu konzentrieren und Hermine konnte fast körperlich spüren, wie Severus neben ihr den Atem anhielt.

"Forderungen?", brachte Dumbledore schließlich belustigt hervor und fügte dann mit beschwichtigender Stimme an: "Wenn es um Ihr Verhältnis zu Professor Snape geht, so kann ich Ihnen versichern, dass ich nur das Beste für Sie möchte, Hermine."

"Nein, das stimmt nicht, aber das muss hier und jetzt nicht näher erläutert werden", sagte Hermine freundlich. Der Direktor sah sie gütig an, doch in seinen Augen blitzte eine Verärgerung auf, die Hermine mit Genuss zur Kenntnis nahm.

"Meine Beziehung zu Professor Snape ist kein Punkt, der in irgendeinerweise diskutiert werden müsste", sagte Hermine entschieden. Sie ließ einen Moment verstreichen, damit diese Botschaft Zugang bei ihren verwirrten Zuhörern finden konnte.

Dumbledore legte nun die Hände ineinander und sah die junge Frau abschätzend an. Seine Stimme klang vorsichtig, als er sagte: "Wir befinden uns in einer äußerst heiklen Phase, denn der Lord gewinnt beinahe stündlich an Macht. Ich weiß nicht, ob wir große Zugeständnisse machen können, aber ich höre mir gerne Ihre Forderungen kann. Wenn sie umsetzbar sind, so bin ich sicher der Letzte, der Ihnen Ihre Wünsche nicht erfüllen würde."

Hermine blickte dem alten Mann direkt in die Augen und auf ihrem Gesicht breitete sich ein warmes Lächeln aus. "Das freut mich zu hören. Und da es nichts ist, was ich HABEN möchte, sondern etwas, dass ich Ihnen GEBEN werde, wird meinem Wunsch also auch nichts im Wege stehen", sagte Hermine und nahm Severus fragenden Seitenblick zur Kenntnis.

Dumbledore schien zu überlegen, ob er Hermines übergroße Gabe an den Orden - ihren Sohn, der den Lord endlich vernichten würde - bereits jetzt vor allen erwähnt haben wollte, doch Hermine überraschte ihn abermals mit ihren nächsten Worten.

"Ich möchte, dass Sie ein Bild an sich nehmen, Professor Dumbledore. Es trägt den Titel "Der Übergang zur Hölle" und ich möchte, dass Sie dieses Geschenk annehmen und es dadurch zu Ihrem Besitz erklären."

Einen Moment lang geschah gar nichts, doch dann überstürzten sich die Reaktionen regelrecht.

Während die anderen Anwesenden offensichtlich keine Ahnung hatten, welche Bedeutung ihre Worte hatten, wurde der Direktor blass und seine Lippen zitterten einen Moment, bevor er sie fest aufeinander presste. Severus an ihrer Seite zischte sie an: "Du hast kein Recht dazu! Du hast kein Recht, über das Bild zu verfügen! Und du hast kein Recht, das von ihm zu...fordern!"

Hermine wandte ihren Kopf zu ihm und sagte ruhig: "Ich sagte dir, dass ihr den Preis werdet zahlen müssen. Du glaubst, du brauchst dieses Bild. Aber du wirst es aufgeben! Ich bin mir sicher, dass es bei Professor Dumbledore gut aufgehoben ist - und dass es dort bleiben wird", fügte sie bedeutsam hinzu.

Severus taxierte Hermine mit wütendem Blick, offenbar höchst verärgert über ihr Vorgehen, und doch schien er sich um Kontrolle zu bemühen, um nicht vor aller Augen preiszugeben, was diese Entscheidung für ihn selbst bedeutete. Dumbledores Stimme klang kraftlos, als Hermine ihn nun sprechen hörte.

"Ich kann das Bild nicht an mich nehmen. Es wäre...zu viel für mich."

Hermine ließ ein kurzes, höchst spöttisches Lachen hören.

"Das wäre also zu viel für Sie? Und Sie glauben, darauf würde ich Rücksicht nehmen?"

Vage konnte Hermine spüren, dass der Rest der Anwesenden keinerlei Ahnung hatte, warum ein einfaches Bild eine solch merkwürdige Diskussion auslöste; sie konzentrierte sich jedoch weiterhin auf Dumbledore.

Severus schaltete sich abermals ein: "Hermine, ich brauche das Bild...du verstehst das nicht...ich BRAUCHE es, hörst du? Er kann es nicht nehmen. Er würde es nicht verkraften."

Zornig wandte sich Hermine an den Direktor: "Nehmen Sie das Bild, oder meine Zukunft wird niemals dem Orden gehören!"

"Das Bild gehört Severus. Er bekam es im Zuge seiner Ausbildung", sagte Dumbledore und blickte zu seinem ehemaligen Schüler.

Hermine stand auf und drängte sich an Severus Beinen vorbei.

"Wo wollen Sie hin?", fragte Dumbledore laut.

"Ich werde gehen. Ich werde dem Orden nicht beitreten. Meine Erinnerung an diesen Abend kann gelöscht werden. Ich habe meine Forderung - meine erste im Übrigen - deutlich gemacht. Es liegt an Ihnen, Professor Dumbledore - nur an Ihnen! Sind Sie bereit, die Opfer zu bringen, die Sie anderen abverlangen?"

Der Direktor schloss für einen kurzen Moment die Augen, dann sagte er leise: "Setzen Sie sich wieder, Hermine. Ich werde das Bild nehmen. Es wird noch heute in meinen Besitz übergehen. Ich...werde dann Besitzer zweier solcher Bilder sein. Severus' Bild wird seinen Platz direkt neben dem meinen finden. Ja, ich bringe diese Opfer, Hermine...ebenso, wie ich sie verlange. Und Sie? Was verlangen Sie noch?"

Nun war Hermine tatsächlich sprachlos. Albus Dumbledore hatte sich selbst regelmäßig in die Hölle eines solchen Bildes begeben? Warum hatte Severus ihr nie davon erzählt?

Als er sie nun vorbei ließ, damit sie sich wieder setzen konnte, rieb er erneut seine Schläfen. Es wurde höchste Zeit, Severus von diesem Treueschwur seinem Meister gegenüber zu entbinden.

"Es gibt da noch einen Zauber, von dem ich fordere, dass Sie ihn hier und auf der Stelle aufheben", sagte Hermine laut und verdrängte dabei das Gefühl, dass sie Dumbledore vielleicht mehr zusetzte, als er zu verkraften in der Lage war.

"Ich kann Ihnen nicht folgen", sagte der Direktor prompt.

"Oh doch, das können Sie!", erwiderte Hermine laut und deutete auf Severus. "Nehmen Sie den Zauber fort, und ich gebe Ihnen, was Sie so dringlich ersehnen!"

Die Stille im Raum war beinahe greifbar.

Minerva sah Dumbledore besorgt von der Seite an. Auch sie schien keine Ahnung zu haben, um was es hier eigentlich ging, aber dass es dem Mann an ihrer Seite nicht gut bekam, was Hermine forderte, entging ihr ganz und gar nicht. Sie schien abzuwägen, wie dringend der Orden eine junge Frau benötigte, die Forderungen stellte, die Dumbledore ganz offensichtlich derart zusetzten.

Der Direktor jedoch unterbrach ihre Überlegungen, indem er ergeben die Hände hob und sagte: "Sie fordern viel, mein Kind."

"Ich fordere nur, dass Sie die Dinge zurücknehmen, die Sie aufgebürdet haben, Professor", antwortete Hermine schlicht.

"Hör auf - Hermine, hör auf!", fauchte Severus sie an.

"Ich höre erst auf, wenn meine Forderungen erfüllt sind", gab sie an Severus gewandt zurück.

"Bei Merlin, hättest du das nicht zuvor mit mir besprechen können?", fragte er knurrend.

"Nein - wenn ich es mit dir besprochen hätte, hättest du nicht zugelassen, dass ich jetzt hier sitze und diese Forderungen stellen kann. Doch wenn meine zweite Forderung erfüllt ist, wirst du die Dinge vielleicht bald etwas anders sehen." Und an Dumbledore gewandt fügte sie ungeduldig an: "Muss ich mich erst wieder in Richtung Tür machen, oder können wir die Sache diesmal schneller hinter uns bringen?"

Die offene Drohung schien dem Direktor ganz und gar nicht zu gefallen, doch auch diesmal nickte er leicht und sagte leise: "Ich werde diesen Zauber rückgängig machen. Und ich kann nur inständig hoffen, dass dies Ihre letztere Forderung war."

"Ja, das war meine letzte Forderung - bis auf eine Kleinigkeit."

Hermine konnte Harry neben sich glucksen hören und fügte schnell an: "Ich möchte weitgehend freie Hand, wenn ich Aufträge für den Orden erledige."

"Das geht jetzt etwas zu weit", schaltete sich Moody ein und sein Auge rollte zu Dumbledore herum.

"Nein, das geht in Ordnung", ließ sich Dumbledore vernehmen, dann rieb er sich den Bart, "können wir uns Ihrer Loyalität und Ihrer...Kooperation nun sicher sein, Hermine", fragte er fordernd. Hermine wusste, dass sein Zögern ihr lediglich die Tragweite einer ganz bestimmten Kooperation deutlich machen sollte. Er verlangte, dass sie akzeptierte, die Rolle einzunehmen, die er in der Prophezeiung gesehen hatte. Er verlangte, dass sie das Kind bekam, das sie alle retten sollte. Und doch hatte er keine Ahnung, welchem gedanklichen Fehler er dabei unterlag. Doch hier und jetzt war nicht der Ort, um ihn über Severus wahre Rolle aufzuklären - nicht, nachdem sie ihn gerade erst aus den Klauen seines Mentors befreit hatte.

Dumbledore wartete immer noch auf ihre Antwort.

"Ja, Sir, das können Sie!", erwiderte Hermine schließlich entschieden, dann fügte sie an: "Ich frage mich, Sir, ob Sie das Muggelmärchen 'Rumpelstilzchen' kennen?"

Dumbledore sah Hermine verärgert an, dann nickte er kaum merklich.

"Wollte ich nur wissen", sagte Hermine schließlich lapidar und konnte förmlich spüren, wie die anderen sich in stummen Fragen ergingen, während Harry ein leises Lachen ausstieß.

Es dauerte einige Zeit, bis Dumbledore seinen Blick von Hermine nahm. Sie hielt ihm gelassen Stand, während sie merkte, dass Severus neben ihr mehr als verärgert war.

Als der Direktor nun sprach, wandte er sich nachdrücklich an alle im Raum, um die Aufmerksamkeit und die verirrten Gedanken der Ordensmitglieder wieder auf das eigentliche Geschehen zu lenken.

"Wie Severus uns beim letzten Treffen mitteilte, ist der Lord dabei, Muggel für seine Zwecke zu rekrutieren. Sie erlernen in kleinen Gruppen ihm zu dienen, ohne über seine Existenz mehr zu erfahren, als unbedingt notwendig. Wir wissen dabei kaum wie er vorgeht, mit der Ausnahme, dass wir Kenntnis darüber haben, dass er die Leiter solcher Gruppen von einem Mann ausbilden lässt, der als Pater in einer kleinen Gemeinde nahe London arbeitet. Wenn es uns gelingen würde, diese Gruppe zu infiltrieren - mehr über die Vorgehensweise und die Praktiken zu erfahren, und wenn es uns gelänge, diese von Innen heraus zu zerschlagen, so könnten wir zumindest Zeit gewinnen. Zeit ist das einzige, was im Moment unser höchstes Ziel sein muss."

Madeye Moody meldete sich mit rauer und leicht ironischer Stimme zu Wort.

"Zeit, Albus, ist so ziemlich das einzige, was ich nicht mehr habe - ich spüre inzwischen jeden einzelnen Fluch, der mich je traf, in den Knochen. Aber den Willen zu Siegen habe ich nach wie vor! Warum sollten wir uns darauf beschränken, Zeit zu schinden, wenn die Zeichen doch eindeutig zeigen, dass ein Kampf von noch größerem Ausmaß bevorsteht, falls wir keinen Erfolg durch eine Zerschlagung dieser besagten Gruppe erzielen?"

Auch andere im Raum schienen sich diese Frage zu stellen und Kingsley legte seine Fingerspitzen aneinander, während er Moody zunickte, dessen Auge in übertriebener Vorsicht dem Heben der Hände seines Tischnachbarn gefolgt war.

"Ich kann verstehen, dass es euch sinnlos vorkommen muss, den Schaden nur einzudämmen, statt in den offenen Krieg zu ziehen. Aber ich muss euch bitten, mir zu vertrauen", sagte Dumbledore und strich sich langsam über den Bart, ehe er weitersprach, "wenn wir zu früh zuschlagen, wird nicht nur der Orden des Phönix vernichtet werden. Die magische Welt würde in ein Chaos sinken, das alles überbieten würde, was der Lord bislang an Schrecken verbreiten konnte. Es gilt nun, die Zeit zu unseren Gunsten zu nutzen und zu warten...manchmal ist warten die einzige Möglichkeit."

"Worauf warten wir, Albus?", fragte Arthur und schickte dem alten Mann ein fast schon entschuldigendes Lächeln, weil er erneut nachbohrte und nicht das Vertrauen aufbrachte, diese wichtige Frage zurückzuhalten.

"Auf eine Waffe", sagte Dumbledore und schickte seinem Gastgeber ein kurzes Lächeln.

"Eine Waffe? Was für eine Waffe? Welcher Art?", fragte Molly und unterstützte ihren Mann bei seinem mutigen Unterfangen, Hintergründe zu erfragen.

"Es ist noch zu früh, um darüber zu sprechen", sagte Dumbledore entschieden und blickte Molly bedauernd an.

Hermine spürte, wie erneut Zorn in ihr wuchs. Die 'Waffe' von der Dumbledore sprach, war ihr zukünftiges Kind. Allein die Tatsache, ein menschliches Wesen als Waffe zu bezeichnen, ließ sie vor Wut schäumen. Und doch schwieg sie, denn in einem Punkt hatte Dumbledore absolut recht - es war zu früh, darüber zu sprechen.

"Diese Gruppe", sagte Remus schließlich, und wechselte damit das Thema, "wen möchtest du als Spitzel unter diese Leute schicken?"

Dumbledore strich sich erneut über den Bart, dann sagte er bestimmt: "Es müsste jemand sein, der sich unter Muggeln benehmen kann wie ihresgleichen. Die Rolle wird ohnehin schwer zu spielen sein, denn wir haben keine Kenntnis darüber, was dort vor sich geht. Aber die Gefahr muss so gering wie möglich gehalten werden, und Magie darf dort keinesfalls eingesetzt werden, denn die zukünftigen Ausbilder von Voldemorts Gefolgsleuten müssen vermutlich erst selbst durch eine harte Schule gehen, bevor sie...", hier brach er ab und blickte Severus auffordernd an, der für ihn das Wort übernehmen sollte.

Hermine erschien es anfangs, als sei Severus wie gelähmt, doch dann sprach er endlich.

"Bevor sie dem Lord gegenübertreten dürfen. Die meisten von ihnen halten diesen Kontakt wohl für eine Vision, die sie im Drogenrausch erlebt haben. Vielleicht glauben sie gar an den Ruf Gottes. Der Bund mit dem Lord wird mit ihrem eigenen Blut geschlossen und keiner von ihnen wird in der Lage sein, sich jemals wieder gegen den Gebieter zu stellen, wenn das Gegenmittel nicht innerhalb einer bestimmten Zeit die Wirkung stoppen kann."

"Also ist es möglich, diesen Bund zu unterbrechen?", fragte Tonks.

Severus warf einen kurzen Seitenblick auf Hermine, dann wandte er sich Tonks zu und sagte: "Ja, es wäre möglich, wenn wir Zugriff auf die betreffende Person hätten, was sich als schwierig erweisen dürfte. Zudem wird diese Person sich massiv gegen eine Umkehrung wehren."

Ein wenig amüsiertes Lachen erklang von Remus und er sah Snape mit schiefgelegtem Kopf an: "Lass mich raten, Severus...du selbst bist es, der den bindenden Trank aus dem Blut dieser Muggel mischt, oder irre ich mich da?"

"Nein", knurrte Severus ihn an, "du irrst dich nicht."

Remus zog ironisch lächelnd eine Augenbraue hoch, hob seine Tasse Tee und prostete dem Tränkemeister spöttisch zu.

"Severus muss seine Pflicht dem Lord gegenüber erfüllen. Sein Leben hängt davon ab!", sagte Dumbledore laut.

Hermine blickte den Direktor ausdruckslos an, während dieser in die Runde blickte, als erwarte er Widerspruch. Und tatsächlich sprach jemand - Hermine zuckte unwillkürlich zusammen, als sie die Stimme von Harry hörte, der so lange schweigend neben ihr gesessen hatte.

"Vertrauen ist das einzige Bindeglied, das wir haben. Professor Dumbledore erwartet Vertrauen von uns, bei einem Plan, dessen möglicher Erfolg in so weiter Ferne liegt, dass wir uns ohnmächtig fühlen, nicht mehr tun zu können, als abzuwarten und Schadensbegrenzung zu betreiben. Wir vertrauen gegenseitig auf unsere Rückendeckung im Kampf. Wir vertrauen darauf, dass wir in eine Gruppe von Muggeln eindringen können, ohne uns selbst zu verraten. Und wir vertrauen Severus bereits seit Jahren...wir haben so viele Informationen von ihm erhalten, die uns davor bewahrten, ein ums andere mal ins offene Messer zu laufen...wer ihm nicht traut, weil er - um seinen Stand beim Lord zu festigen - zu einem großen Teil gegen uns agieren muss, der hat Severus' Wichtigkeit nie begriffen...und seine Opfer ebensowenig."

Alle Blicke lagen nun ausnahmslos auf Harry. Der Tränkemeister hatte die Kaltschnäuzigkeit besessen, Harry die Frau auszuspannen - und nun verteidigte der Betrogene seinen Rivalen auf derartige Weise?

Dumbledore unterbrach schließlich die schwer lastende Stille.

"Um auf deine Frage zurückzukommen, Remus, ich möchte also jemanden in diese Gruppe einschleusen, der sich mit Muggelbräuchen auskennt. Arthur, ich möchte daher, dass du diese Aufgabe übernimmst."

Der Rothaarige riss erstaunt die Augen auf, doch er war wohl kaum erstaunter als Hermine, Severus und Harry.

"Albus, ich glaube nicht, dass Arthur das übernehmen sollte", sagte Severus sofort.

Mr. Weasley blickte den Leiter des Ordens mit aufgeregt funkelnden Augen an.

"Ich würde meine Kenntnisse in Sachen Muggel gerne unter Beweis stellen, Albus...ich bin jedoch nicht ganz sicher, ob mein Wissen ausreicht, um mich als einer der ihren auszugeben."

Hermines Stimme klang dumpf, als sie sagte: "Ich könnte das übernehmen."

Neben ihr hörte sie Severus zischten die Luft einziehen, doch Dumbledore winkte ohnehin sofort ab. "Nein, Hermine. Dieser Auftrag wäre nicht das Richtige für dich."

"Und warum nicht?", begehrte sie auf, und fügte dann herausfordernd an, "würde es etwa irgendwelche Pläne durcheinanderbringen, wenn ich diese Spionrolle übernehme?"

"Es stimmt", ließ sich jetzt Moody vernehmen, "sie wäre die geeignetste Person für diesen Auftrag. Sie stammt von Muggeleltern ab und hat das nötige Wissen."

"Ich habe ebenfalls jahrelang in einem Muggelhaushalt gelebt", warf Harry ein.

"Nein, Harry, dich brauchen wir im Ministerium", sagte Dumbledor, bevor er zähneknirschend eingestand, "Hermine wäre in der Tat geeignet...aber wir wissen nicht, was dich dort erwartet. Nicht umsonst wird der Lord ausgerechnet diese Muggel zu seinen Vertretern erkoren haben. Es könnte sich als zu gefährlich erweisen für eine...", er verstummte.

Während Hermine noch darüber nachdachte, wie der Direktor den Satz wohl gedanklich beendet hatte, schaltete sich Severus ein.

"Sie hat die nötigen Kenntnisse. Ich werde sie anleiten. Sie wird den Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Ordens durchführen können."

Hermine konnte kaum glauben, dass er sich tatsächlich für sie eingesetzt hatte, nachdem er ihr angekündigt hatte, dass er eine erneute Ordenszugehörigkeit ihrerseits keinesfalls unterstützen würde. Dankbar lächelte sie ihn an, doch sein Blick blieb kalt.

Dass Dumbledore dem Plan schließlich zustimmte, nahm Hermine nur am Rande wahr.

ooooooooooooooooooooooooooooooo

Kein Wort hatte Severus zu ihr gesprochen, nachdem er sich für Hermines Vorhaben eingesetzt hatte. Kein Wort auf dem Heimweg, seit sie den Apparierpunkt vor Hogwarts erreicht hatten. Fast wünschte Hermine sich, dass Minerva und Albus sie begleitet hätten, doch beide waren noch länger im Hause der Weasleys geblieben.

Kein Wort sprach Severus, als sie im Kerker angekommen waren und Hermine biss sich auf die Unterlippe, als sie ihren Umhang ablegte, um nicht zu sagen, was ihr über die Lippen drängte.

Er schien es dennoch zu bemerken und funkelte sie wütend an.

"Severus", brachte sie schließlich hervor, "es war unser Kampf. Ich habe diese Dinge gefordert, damit du frei bist...damit WIR frei sind!"

"Du hattest kein Recht dazu! KEIN RECHT!"

"Doch, das hatte ich...weil ich dich liebe, Severus."

"Dann hättest du begriffen, dass ich das Bild brauche!"

"Warum brauchst du es? Warum?"

Er machte eine wütende Geste. "Weil ich mich damit unter Kontrolle halte. Willst du wirklich erleben, wie ich sein kann? Willst du das?"

"Ich halte einiges aus, Severus. Habe ich dir nicht bewiesen, dass ich einiges aushalte?"

Zornig fuhr er sie an: "Ein malträtierter Hintern, der dich daran erinnert, dass ich dich schlug, hat nichts damit zu tun, Hermine!"

"Davon sprach ich auch nicht!", fuhr sie ihn nun an, "ich war ebenfalls oft genug in dem verfluchten Bild, um Leid zu erleben. Ich war bereits bei Berenger und habe die Praktiken dieser Irren ausgehalten. Du bist zornig, weil ich dir das Bild nahm...dein Versteck...weil ich deine Veranlagung ans Licht zerre, statt zuzulassen, dass du dich in der Dunkelheit dieses Bildes selbst darin verzehrst. Das Bild ist für dich wie eine verdammte DROGE! Welche Grenze willst du überschreiten, Severus? Wonach steht dir der Sinn? Du bist wütend...ich werde mich nicht wehren...WONACH gelüstet es dich jetzt? Sprich!"

Sein Blick bohrte sich in sie und sein ganzer Körper schien zu vibrieren.

Als er den Mund öffnete schien es so, als spräche er durch die Zähne und Hermine fürchtete, zu weit gegangen zu sein.

"Ich habe dich noch nie geschlagen, weil ich wütend auf dich war. Wut ist kein guter Partner in dem Spiel, das wir betreiben. Ich tat es stets aus Lust - und um dir Lust zu verschaffen. Ich habe mich immer an die Regeln gehalten. Aber jetzt bin ich so wütend, dass ich dich töten könnte. Ich weiß, warum du es getan hast. Aber das ändert nichts daran, dass du mir die Grundlage meines Seins geraubt hast. Komm mir nicht in die Quere! Heute nicht mehr, Hermine...nicht, wenn dir dein Leben lieb ist!"

Bedächtig nickte sie, dann griff sie erneut zu ihrem Umhang.

"Wo willst du hin?", fuhr er sie an.

"Ich werde dafür sorgen, dass ich dir nicht in die Quere komme."

Mit einem Schnauben riss er ihr ruckartig den Umhang aus den Händen.

"Geh ins Schlafzimmer!", schrie er sie an.

Hermine sah Severus entsetzt an.

"Was hast du vor?", fragte sie beklommen.

Ein zynisches Lächeln trat auf sein Gesicht.

"Angst vor der eigenen Courage?", fragte er spöttisch.

Sie nickte vage.

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, dann zischte er: "Ich habe vor, nicht einen einzigen Fuß in das Schlafzimmer zu setzen, bis ich sichergehen kann, dass ich dein Schreien nur auf sexuelle Art genießen möchte, und nicht in dem Bestreben, das Leben aus dir rinnen zu sehen."

Hermine schluckte und wich seinem eiskalt-glühenden Blick aus.

"Gut", sagte sie leise und bemühte sich um eine einigermaßen ruhige Stimme, "dann gehe ich mal ins Schlafzimmer."

Als sie die Tür von Innen geschlossen hatte, hörte sie, wie er durch den Raum stapfte. Sie ahnte, was er vorhatte. Noch war es da - das Bild - sein Ausweg aus diesen Emotionen, die ihn beherrschten, ihn überschwemmten und ihn zu dem Mann machten, der er nie hatte sein wollen. Noch war es da. Hermine ergriff Trauer bei dem Gedanken, was ihn in dem Bild erwarten würde. Neuer Schrecken, neue Brutalität, die ihn scheinbar besänftigen würde, in Wahrheit jedoch den Drang in ihm schürte, selbst zu einem Teil dieser schrecklichen und brutalen Welt zu werden. Der Teufelskreis musste unterbrochen werden.

Hermine setzte sich aufs Bett und seufzte leise, als von nebenan Severus Schrei erklang.

"Lass mich rein! LASS...MICH...REIN!"

Sie wusste sofort, dass nicht sie gemeint war. Er befand sich nicht vor der Schlafzimmertür, sondern in der dunklen Ecke, in der sein vermeindliches Seelenheil offenbar schon in anderen Besitz übergegangen war, auch wenn es derzeit noch in Severus Räumen hing.

"Lass...mich...hinein", hörte sie ihn in bitterer Verzweiflung flehen.

Der Teufelskreis war unterbrochen.

tbc