Liebe Leser,

diese Geschichte ist mit verschiedenen Warnungen versehen, die in diesem Kapitel einmal mehr zum Tragen kommen. Ich bitte dies zu beachten, und das Kapitel mit Vorsicht zu 'genießen'!

65. Kapitel

Die grausamen Gesichter des Entzugs

Die Nacht war die schrecklichste ihres Lebens. Severus zu hören, ohne ihm helfen zu können, machte sie beinahe wahnsinnig.

Hermine wusste, dass sie im Schutze des Schlafzimmers bleiben musste. Sie fühlte es mit jeder Faser ihres Körpers, dass sie Severus' Warnung diesmal absolut ernst nehmen musste.

Die Geräusche, die von nebenan zu ihr drangen, ließen ihren Atem stocken. Sie konnte nicht einordnen was er tat, und genau dies machte jedes Poltern, jedes Splittern von Glas, und jeden Schlag gegen die Wand, zu einem Horrorszenario, dem sie durch die Bilder, die in ihrem Kopf entstanden, hilflos ausgeliefert war.

Und doch...immer wenn sie glaubte, es nicht mehr aushalten zu können, und nach ihm sehen zu müssen, hörte sie ihn derartig grausame Flüche ausstoßen, dass sie den Plan zitternd wieder verwarf. Sie wusste, dass es ein Teil ihrer Strafe war, dass sie dies miterleben musste, ohne eingreifen zu können. Severus hätte sie gehen lassen können, aber er hatte sie dazu verdammt, miterleben zu müssen, was sie ihm angetan hatte.

Ihr einziger Trost war der, dass sie auf diese Art ein Stück weit seinen schrecklichen Weg mit ihm ging - mit ihm litt - und ihr wurde klar, dass er nicht nur unfähig war, in das Bild zu gelangen, sondern dass die Trennung vom Bild selbst in dieser Nacht vollzogen wurde. Es schien, als würde das Bild ihn noch einmal die Hölle durchleiden lassen wollen, und ihm doch zugleich die Erleichterung verwehren, die er normalerweise durch diesen Ritus errang.

Gegen Morgengrauen begann er zu wimmern und dieses Geräusch war das Furchtbarste, was Hermine je in ihrem Leben gehört hatte. Es schien nicht mehr Severus zu sein, der dort draußen um etwas kämpfte, das Hermine ihm aus Liebe verwehrt hatte. Ihre Liebe vergolt er mit dem Wunsch nach ihrem Tode, als die Nacht sich endgültig zurückzog. Hermine konnte seine Stimme hören - leise und daher erschienen ihr die Worte umso grausamer, da sie nicht in Wut gesprochen waren, sondern scheinbar mit größter Sorgfalt. Durch die geschlossene Tür drang es wie ein Flüstern zu ihr herein, dass er sich wünschen würde, sie würde endlich die verdammte Tür öffnen, damit er ihr die Eingeweide herausreißen könne, so wie sie es bei ihm getan hätte. Er hatte eine explizite Vorstellung davon und teilte sie ihr scheinbar ruhig und überlegt mit. Und zuletzt hauchte er abermals, dass er sie tot sehen wolle, bevor er vor der Tür zusammenbrach.

Hermine löste wie in Trance ihre Zähne von ihren Fingerknöcheln. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass sie hineingebissen hatte und betrachtete nun die tiefen Wunden, die den metallischen Geschmack in ihrem Mund erklärten.

Sie wusste, dass Severus unmittelbar vor ihrer Tür lag. Nur wenige Zentimeter von ihr entfernt, und scheinbar doch unerreichbar, denn sie scheute sich davor, die Tür zu öffnen. Erst vor wenigen Sekunden hatte er den Wunsch geäußert, ihr den Leib sorgfältig, und unter einem schmerzstillenden Zauber aufzutrennen, damit sie noch bei Bewusstsein wäre, wenn schließlich der Schmerz einsetzte, weil er mit beiden Händen das Leben Stück für Stück aus ihr herausreißen würde.

Hermines Hände zitterten so stark, dass sie sie schließlich zu Fäusten ballte und damit gegen die Tür zu hämmern begann, als läge es nicht an ihr, diese zu öffnen, sondern an ihm.

Sie wusste nicht, wie lange sie schon dagegen geschlagen hatte, wie lange sie schon ein Muster aus blutigen Streifen auf dem Holz hinterließ, als er sich schließlich stöhnend aufrappelte und ihren Namen aussprach.

Es klang weder liebevoll, noch als würde er nach ihr rufen, und doch reichte es, dass sie offensichtlich wieder einen Platz in seinem Geist eingenommen hatte, der es wert war, ihren Namen auszusprechen. Dieses kleine Zeichen reichte aus, um sie aus ihrer Starre zu lösen, und die Tür zu öffnen.

Er ließ nicht zu, dass sie ihn berührte, und es reichte ihr aus, dass er bereit war, ihre Anwesenheit zu ertragen, ohne erneut in den Rausch des Tötens zurückzufallen.

Hermine war dankbar, dass es ein Samstagmorgen war, und er nicht gezwungen war, sich bei seinen Schülern vertreten lassen zu müssen. Sie verbrachten den Vormittag nebeneinander her, so als würde einer von der Gegenwart des anderen in keinster Weise berührt. Hermine wich ihm aus und sorgte dafür, dass sie nie näher als drei Schritt aneinander herankamen.

Als es Zeit für das Mittagessen wurde, hatten sie noch kein Wort gewechselt und in einvernehmlichem Stillschweigen ließen sie sich das Essen in den Kerker bringen, statt in die Große Halle zu gehen.

Einige weitere Stunden vergingen ohne jegliche Annäherung und Hermine begann sich zu fragen, wie lange sie das aushalten würde. Es war beinahe so, als befände sie sich mit einem Raubtier im gleichen Raum, das wusste, dass es in eine Falle gehen würde, wenn es die Beute niederstrecken würde, nach der ihm gelüstete.

Tatsächlich hatte Hermine niemals so viel Angst vor ihm gehabt, wie in diesen Stunden, in denen sie sich in seiner Nähe aufhielt, um ihn wieder an sich zu gewöhnen.

Als die Sonne den Himmel in ein gleißendes Rotgold tauchte, bevor sie der Nacht die Herrschaft überlassen würde, klopfte es an der Tür.

Hermine zuckte zusammen und konnte einen Moment lang kaum glauben, dass es außerhalb dieses Raumes noch andere Menschen - anderes Leben - gab.

Sie betrachtete, wie Severus die Tür zögerlich öffnete und Dumbledore schweigen hereinließ. Sein Mentor blickte Severus einen Augenblick lang entsetzt an, dann räusperte er sich und sagte: "Du hast nun das Schlimmste überstanden. Aber zu ende ist es wohl noch nicht. Ich bete zu Merlin, dass du ohne es zurecht kommst."

Der Direktor sah zu Hermine und schüttelte sanft mit dem Kopf: "Ich habe Sie nicht belogen, als ich sagte, dass er das Bild braucht. Ich weiß, für was Sie mich halten, Hermine, aber ich habe nie etwas anderes getan, als Severus auf seinem Weg zu begleiten. Es ist nicht der Weg, den ich mir für ihn gewünscht hätte...und gewiss würde ich mir auch für mich selbst einen anderen Weg wünschen. Er ist nun noch um einiges steiniger." Kaum hatte Dumbledore dies gesagt, rief er das Bild mit einem Accio herbei. Es folgte seinen Anweisungen, als er es verkleinerte und unter seinem Umhang verbarg.

Hermine spürte einerseits Erleichterung, weil das Bild endlich aus Severus' Blickfeld verschwunden war, aber sie verspürte auch Schuld, weil sie dem Direktor diese doppelte Bürde auferlegt hatte.

"Eines Tages werden sie beide zerstört werden können. Eines Tages werden wir alle befreit sein, Hermine", sagte der Direktor sanft, als er den Blick der jungen Frau sah, dann fügte er an: "Bis dahin werden wir alle unseren Weg gehen müssen. Wir alle...auch Sie."

Während er den Raum verließ, spürte Hermine seinen Worten nach. Sie hatten wie eine Drohung geklungen, und doch gleichzeitig auch wie ein Versprechen.

Severus hatte tatenlos zugesehen, wie das Bild endgültig verschwand. Fast hatte Hermine ein erneutes Aufbegehren befürchtet, doch schien es ihm inzwischen klar zu sein, dass es ihn selbst dann nicht mehr erhören würde, wenn er es Dumbledore wieder entriss. Es war nicht mehr das seine - es versagte seinem ehemaligen Besitzer sowohl die Qual, als auch die Befreiung daraus.

Hermine hoffte, dass er nun endlich aus diesem Schweigen ausbrechen würde - sie hoffte fast, dass er sie beschimpfen würde, damit sie ihrer eigenen Verzweiflung endlich Luft machen konnte - doch es geschah nicht. Er schwieg beharrlich und ließ sie spüren, wie bedeutungslos sie für ihn war.

Als die Nacht kam, wollte Hermine sich erneut ins Schlafzimmer zurückziehen und ihm überlassen, ob er ihr folgte, oder ob er die räumliche Trennung immer noch bevorzugte. Sie hatte die Tür erreicht, als sie sich nur kurz nach ihm umblickte und wie versteinert stehenblieb.

Severus presste seinen Arm an den Körper und sein Gesicht war von Schmerz gezeichnet.

Es war soweit, der Lord rief ihn über das Mal. Der Kampf mit Lucius Malfoy stand Severus bevor. Hermine verfluchte das Schicksal für seine Unbarmherzigkeit. Sie wusste, wie schwer es Severus fiel, Malfoy töten zu müssen. Und sie wusste ebenfalls, dass es sein konnte, dass sie Severus in diesem Moment zum letzten mal sah, falls Malfoy siegen würde.

Es war so abgrundtief ungerecht, dass sie vor dieser Entscheidung auf Leben und Tod den Tag in eisigem Schweigen miteinander verbracht hatten - es nahm ihr jede Möglichkeit, ihn jetzt in die Arme zu schließen, und er ließ ihr auch keine Gelegenheit dazu, als er ohne ein Wort des Abschieds nach seiner Todessermaske und seinem Umhang griff und den Kerker verließ, ohne sie auch nur ein einziges mal anzublicken.

Hermine sank auf dem Bett in sich zusammen. Jede Grundlage schien ihr plötzlich entzogen zu sein. Ihr Kopf schmerzte. Ihre Glieder schmerzten - doch am schlimmsten schmerzten ihre Gedanken, die ihr innerlich immer wieder tiefe Wunden zu schlagen schienen. Sie war unfähig sich dagegen zu wehren und fragte sich insgeheim, ob Severus ihr einen Fluch zur Erinnerung dagelassen hatte, bevor er gegangen war.

oooooooooooooooooooooooooooooooooooooo

Stimmen weckten sie und zuerst glaubte Hermine an einen Albtraum.

Die abfällige Stimme Malfoys beschimpfte sie als Schlammblut.

Hermine riss mühsam die Augen auf und fand sich in einem Albtraum wieder, der nicht in ihren Schlaf, sondern mitten in ihr Leben eingebrochen war.

Lucius Malfoy hockte vor ihr, seine Hände waren im Rücken gefesselt und durch sein Gesicht zog sich ein tiefer Schnitt, der von der Stirn über sein Auge, bis tief in die Wange reichte. Sie schreckte zurück, als er sie anspuckte.

Hermine rappelte sich hoch und wischte sich den Speichel aus dem Gesicht.

Sie wich abermals vor ihm zurück und ihr Blick flog zu Severus, der hinter Malfoy stand und sie mit kalten Augen durchbohrte.

Hermine verstand nicht, was geschehen war. Ein Kampf auf Leben und Tod, und doch befanden sich beide hier im Raum.

Severus schien ihre Gedanken zu erraten und endlich sprach er sie an, jedoch hätte seine Stimme kaum mehr Missbilligung ausdrücken können.

"Ich habe gesiegt, wie du siehst. Lucius ist tot - zumindest glaubt Voldemort das, und er hat mir die 'Leiche' zur Entsorgung überlassen. Eine Chance, die du nutzen solltest, Lucius," wandte er sich mit dunkler Stimme an den gefesselten Mann.

Malfoy antwortete knurrend: "Du hättest dir die Mühe sparen können, Severus. Ich werde mich niemals auf die Seite der Verräter schlagen. Ich werde dein Geheimnis verraten, sobald sich mir eine Gelegenheit dazu bietet. Du lebst hier mit einem dreckigen Schlammblut zusammen - das wird deinen Tod bedeuteten...einen äußerst qualvollen Tod. Aber noch ist es nicht zu spät für dich, mein Freund." Ein seltenes Lächeln huschte über Malfoys Gesicht und Hermine erschauderte, weil Severus Blick daraufhin tatsächlich weicher wurde.

Als Mafoy merkte, dass er Severus' ganze Aufmerksamkeit hatte, wurde seine Stimme so aristokratisch, wie Hermine es von ihm gewohnt war - seine Worte jedoch ließen sie glauben, Luzifer höchstpersönlich sei zu ihnen heraufgestiegen, um sie das Fürchten zu lehren.

"Lass uns das Schlammblut gemeinsam töten, Severus. Ich weiß, wie sehr du dich danach sehnst, dass wir beide gemeinsam unserer Leidenschaft frönen. Gib es zu, mein Freund, du willst auch mich erneut. Du kannst mich haben - und noch dazu das Elixier, das dich stets die ultimativen Höhepunkte erleben lässt...das Schreien einer Frau, die unter deinen Händen Qualen leidet." Malfoy schwieg einen Moment und genoss Hermines Furcht, ehe er sich beschwörend an Severus richtete: "Es ist nicht falsch, dass du dich danach sehnst. Im Gegenteil, es ist längst überfällig - und du hast es dir redlich verdient. Du hast mich besiegt, Severus...und nun sorge ich dafür dass du deinen Sieg richtig genießen kannst, indem ich dir helfe, das letzte Bisschen Leid aus dieser kleinen Hure herauszukitzeln."

Hermine wich abermals zurück und ihre Stimme klang atemlos, als sie Severus anflehte: "Lass dich nicht von ihm beeinflussen. Bitte - SEVERUS!"

"Oh hör nur, sie fleht und schreit jetzt schon", geiferte Malfoy und lächelte sie siegessicher an, ehe er flüsternd sagte: "Warte ab wie sie schreien wird, Severus...du liebst das, und ich werde dir helfen, es zu genießen. Lass mich sie ficken, und ich schwöre dir, dass sie allein dabei schon auf die Art schreien wird, die du liebst. Genieße es einfach, mein Freund. Genieße es!"

"Severus, bitte...", sagte Hermine erstickt, als sie begriff, dass er sich tatsächlich von den Worten Malfoys einlullen ließ. Und plötzlich begriff Hermine, dass er immer noch unter dem Einfluss des Entzugs stand. Was Malfoy ihm hier bot, schien der Kick zu sein, nach dem Severus sich bis ins Mark sehnte. Sie leiden zu sehen - er hatte es ihr gesagt - sie bestraft zu sehen...auch das hatte er herbeigesehnt.

Hermine fühlte, dass sie nicht in der Lage war zu weinen, und sie war dankbar dafür, denn Malfoy fixierte sie nun regelrecht und ein vernichtendes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als Severus seine Fesseln löste.

Hermine hoffte immer noch zu erwachen, aber es war kein Albtraum. Severus hatte gesiegt und den Mann dennoch gerettet, den er für seinen Freund hielt, und nun würde er sich daran ergötzen, dass dieser Freund sie brutal vergewaltigen würde.

Abermals spuckte Malfoy ihr ins Gesicht und Hermine versuchte zu fliehen, obwohl dies absolut aussichtslos war. Als der blonde Mann ihre Handgelenke so fest packte, dass sie unter seinen Fingern knirschten, schluckte Hermine den Schmerz herunter. Ihre Lippen zitterten so stark, dass sie kaum sprechen konnte und tatsächlich drang nur ein einziges Wort aus ihrem Mund, während sie Severus direkt in die kalten Augen blickte: "Nein."

Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen, doch dann drückte Malfoy sie rücklings auf das Bett und riss ihr das Nachthemd gewaltsam über die Hüften.

Hermine schloss die Augen vor seinem wie irr lodernden Blick, als er sie mit seinem Gewicht regelrecht auf das Bett nagelte. Sie bekam keine Luft mehr und obwohl Panik in ihr aufkam, war sie dankbar dafür, dass sie vermutlich ohnmächtig würde, bevor er sich brutal in sie bohrte. Im ersten Moment glaubte Hermine, dass er sie bei Bewusstsein halten wollte, indem er sein Gewicht verringerte, doch im nächsten Augenblick spürte sie, dass er vollends ihren Körper freigab. Hermine riss die Augen auf und erkannte, dass er keinesfalls freiwillig von ihr abgelassen hatte, sondern dass Severus ihn von ihr heruntergerissen hatte.

"Ist okay, dann fick du sie und ich werde mich mit Zusehen begnügen. Egal, was du mit ihr anstellst, ich bin hier und sehe es mir an - ich weiß, wie sehr du das magst, Sev! Wir mögen es beide...aber sie ist dein Spielzeug, DEINS, okay!", rief Malfoy und lachte entschuldigend, als Severus ihm seinen Zauberstab unters Kinn hielt.
"Sie...hat...'nein' gesagt", erklärte Severus mit schwerer Stimme und Hermine bemerkte, dass er ganz langsam wie aus einem langen Traum zu erwachen schien.

"Sie hat 'nein' gesagt?", echote Malfoy ungläubig. Sein anfänglich spöttisches Lächeln ging in Gelächter über, "natürlich sagt sie 'nein' - aber das reicht uns nicht, mein Freund! Wir wollen, dass sie es schreit! Du willst hören, wie sie es immer und immer wiederholt, bis sie nicht einmal mehr dazu in der Lage ist. Es ist nicht nur okay, dass du das möchtest - es ist sogar deine Pflicht! Du wirst es der Schlammbluthure so richtig geben. Severus...wir sind Todesser! Du und ich...wir sind eine Einheit - wir sind unschlagbar! Lass uns sie gemeinsam töten! Wir werden ein Fest daraus machen - schön langsam und mit allem, was wir uns zuvor von ihr nehmen können. Wir werden es gemeinsam genießen, damit wir wieder spüren, dass wir zueinander gehören. Du und ich! Wir sind gleich, Severus - wir waren es immer, und wir werden es wieder sein!"

Severus sah Lucius Malfoy einen Moment nachdenklich an und Hermine konnte spüren, dass er innerlich vibrierte, bei dem Gedanken, seinen furchtbaren Drang auf diese Art zu befriedigen.

Sie spürte, wie sehr es ihn danach verlangte, diesen Mann - mit dem er sich selbst identifizierte - wieder zu seinem Verbündeten zu machen. Severus war kurz davor, sie für diese Freundschaft zu opfern - 'nein', raste es durch Hermines Kopf...er würde sie nicht nur opfern, er würde sie mit Lucius gemeinsam regelrecht schlachten.

Mit eiskaltem Entsetzen spürte sie, dass sie nichts mehr in der Hand hatte. Severus würde sich entscheiden - und wenn die Wut und die Verzweiflung...der Hass...ihn noch regieren würde, dann gab es kein Entkommen für sie.

Sie würde sterben unter der Hand des perversen Malfoy - und sie würde ebenfalls unter den Händen des Mannes sterben, den sie liebte.

Hermine suchte Severus' Blick und erkannte, dass ihr Leben davon abhing, wie sein innerer Kampf enden würde.

Und doch war ihre einzige Hoffnung die, dass er nach dieser Nacht überhaupt einen Kampf mit sich austrug.

"Sorg dafür, dass sie sich auszieht, Sev. Sie soll die Beine spreizen. Komm schon, sie sieht so ängstlich aus...bring sie zum Heulen und Flehen - das wird dich beruhigen - du weißt, dass es so ist" flüsterte Malfoy.

"Nein", sagte Severus kraftlos. Er schien kaum noch atmen zu können und fuhr sich mit einer Hand unbeholfen durchs Haar.

"Es geht dir nicht gut, mein Freund. Wir können dafür sorgen, dass es dir besser geht. Überlass sie mir. Setz dich hin und genieße - überlass sie mir, Sev", beschwor der Blonde ihn erneut.

Als Severus den Zauberstab vom Kinn des anderen Mannes nahm, wusste Hermine, dass der Kampf vorbei war - sie war verloren.

Malfoys schlanke Hände schoben sich an den Innenseiten ihrer Schenkel entlang und drückten sie auseinander. Sie sah seinen geifernden Blick, als er ihr hart die Fingernägel ins Fleisch bohrte.

"Nein", flüsterte Severus beinahe und murmelte dann ebenfalls kaum hörbar einen Zauberspruch, der Malfoy zu Boden schickte. In Windeseile hatte Severus dem Blonden wieder die Hände gefesselt.

Ohne Hermine anzusehen, beugte er sich zu dem Mann herab, dessen Freundschaft ihm all die Jahre lang etwas bedeutet hatte.

"Lucius", sagte er beschwörend, "ich habe dich verschont, weil ich weiß, dass du dich ändern kannst - so wie ich...ich habe mich geändert, Luc. Wechsle die Seiten und hilf uns, Voldemort zu besiegen. Du hast recht, wir beide zusammen sind unschlagbar. Wir können all dem ein Ende machen, wenn wir nur zusammenarbeiten. Der Lord wird nicht erfahren, dass du noch lebst, aber du hast noch genug Einfluss, um ihm auf andere Art das Genick zu brechen."

Malfoy warf seinen Kopf zurück, so dass sein blondes Haar auf seinem Rücken zu liegen kam. Die eisblauen Augen blickten Severus einen Moment beinahe liebevoll an, bevor er spöttisch den Mund verzog und raunte: "Weißt du, was dein Fehler ist, Severus? Du hast irgendwann aufgehört, an die richtige Sache zu glauben. Du glaubst, dass Voldemort ein Fehler ist - aber das ist er nicht! Menschen wie du und ich können nicht in einer Welt existieren, die von Güte und Liebe regiert wird. Wir brauchen ihn und seine Regentschaft. Glaubst du wirklich, du wirst Vergebung erwarten können, wenn deine angeblich 'gute Seite' siegt? Wieso sollten sie dir vergeben wollen? Sie werden dich den Dementoren ausliefern und die gleiche Freude und Genugtuung dabei empfinden, wenn dir deine Seele ausgesaugt wird, wie du sie empfindest, wenn unter deiner Hand jemand leidet. Du KANNST gar nicht ohne den Lord leben, Severus, du kannst nicht ohne diesen Kampf leben. Du fickst ein Schlammblut und sagst, dass du sie lieben würdest...du spielst doch nur mit ihr, Severus. Auf welche Art fickst du sie? Ich weiß, wie du es genießt, dir die Frauen zu unterwerfen. Granger glaubt vielleicht, sie sei die einzige, die in den Genuss kommt, die Beine für dich breit machen zu dürfen und dabei unter deinen perfiden Spielchen zu leiden. Vielleicht kommt sie nicht einmal auf den Gedanken, dass sie nur so lange überlebt hat, weil du dich anderweitig austoben konntest, wie du es brauchst. Wie lange gibst du ihr, Severus, wenn du kein Todesser mehr bist? Aber diese Frage ist unsinnig, denn du bist ein Todesser und...du wirst es immer sein!" Malfoy ließ seine Worte wie eine unumstößliche Tatsache im Raum schweben, bevor er anfügte: "Genauso wie wir beide wissen, dass du sie töten wirst. ICH werde es in jedem Fall tun, sobald sich mir die Gelegenheit bietet."

Severus sah auf den blonden Mann, der die Chance nicht ergreifen wollte, die er ihm bot, sondern sich ihm unmissverständlich als Gefahr präsentierte.

"Wir werden jetzt einen kleinen Ausflug machen", sagte der Tränkemeister schließlich düster.

Hermine fing seinen Blick auf, der ihr mitteilte, dass sie die beiden Männer würde begleiten müssen. Unmissverständlich bedeutete er ihr, sich an Ort und Stelle umzuziehen. Hermine hörte Lucius' höhnisches Gelächter, während sie versuchte, ihm so wenig nacktes Fleisch wie möglich zu präsentieren.

"Los jetzt! Wir gehen!", sagte Severus schließlich befehlend.

Malfoys Miene war anzusehen, was er von einer Unternehmung dieser Art hielt.

"Für unseren Weg durch das Schloss werde ich dir die Stimme nehmen, Lucius", sagte Severus und murmelte bereits im Anschluss einen dementsprechenden Zauber. Dann bohrte er dem anderen Mann nachdrücklich seinen Zauberstab in den Rücken, damit er sich in Bewegung setzte. Ein mahnender Blick von Severus ließ Hermine ahnen, dass eine Gegenwehr ihrerseits von ihm auf eine Art geahndet werden würde, die sie lieber nicht erkunden wollte.

Zu dritt verließen sie den Kerker und durchquerten die dunkle Eingangshalle, bis sie schließlich das Schloss verlassen hatten und Severus den Schweigezauber aufhob.

"Du wirst vorausgehen", ordnete er dann knapp an und stieß Malfoy vorwärts, während er seinen Zauberstab auf ihn gerichtet hielt.

Der blonde Mann wankte ein paar Schritte, dann blieb er stehen und fragte: "Verrätst du mir, in welche Richtung ich gehen soll?"

"Zum Verbotenen Wald!", erwiderte Severus und stieß ihn diesmal so fest, dass Malfoy beinahe gestürzt wäre.

"Wenn du mich töten willst, dann tu es gleich hier! Du weißt, dass ich keine Furcht vor den Kreaturen dieses Waldes habe. Töte mich hier und erspar uns diese witzlose Nachtwanderung", sagte Malfoy und blieb stehen.

"Wir werden nicht weit wandern, und jetzt beweg dich!"

Lucius Malfoy ging kopfschüttelnd weiter und Hermine konnte hören, wie er in der Dunkelheit flüsterte: "Der Gestank des Schlammbluts ist unerträglich! Peter und ich hätten sie ausbluten lassen, und du weißt Severus, dass du sie nur auf diese Art reinigen kannst."

"Geh weiter", antwortete Severus dunkel und Hermine spürte, dass er sie genau im Blick hatte. Sie würde nicht fliehen können, was immer er auch plante.

Sie hatten nun die ersten Bäume des Waldes erreicht und Malfoy, der vorausging, stolperte über eine dicke Wurzel, die er im Dunkeln übersehen hatte. Er fiel auf die Knie und ehe er sich aufrappeln konnte, packte Severus die blonden Haare des anderen Mannes und riss ihn daran hoch.

Auch als er ihn zum Weitergehen drängte, ließ er die Haare nicht los, sondern zwang den Kopf Malfoys in den Nacken.

Obwohl er nun nur noch in die Schwärze der Baumkronen blicken konnte, bewegte Malfoy sich voran, Severus' Zauberstab im Rücken spürend.

Hermine konnte stellenweise nicht einmal die Hand vor Augen sehen, und immer wieder hoffte sie, irgendwann aus einem Albtraum zu erwachen, sich in Severus Armen wiederzufinden und wieder den Glauben haben zu können, dass all seine Sorge, was seine sadistischen Neigungen anging, durch einen Kuss und ein einvernehmlich hartes Liebesspiel zur Seite wischen zu können.

Und doch wusste sie, dass dies hier weder ein Albtraum war, noch dass sie Severus jetzt auf eine Art würde befriedigen können, die nur gespielte Gewalt beinhaltete.

Er hatte sie nie belogen. Er hatte sie gewarnt. Er hatte sie oft genug fortgeschickt und sie hatte stets geglaubt, ihm soviel geben zu können, dass er diesen Drang vergessen würde.

Aber nichts war vergessen. Sein Fluchtweg - das Bild - war ihm verwehrt, und ausgerechnet in dieser ohnehin äußerst heiklen Phase war er gezwungen, den Mann zu töten, mit dem ihn soviel verband - der ihn verstand. Und obwohl dieses Verstehen sich auf den perversesten Trieb bezog, den Hermine sich vorstellen konnte, so begriff sie doch, dass Severus in Lucius Trost gefunden hatte - dass er sich durch ihn verstanden fühlte. Sie wusste, dass Severus Lucius Malfoy auf eine Art liebte und sie glaubte sich übergeben zu müssen, bei dieser Erkenntnis.

"Wir sind da", sagte Severus, und mit einem Ruck am Haar des Blonden, brachte er Lucius dazu, auf die Knie zu gehen.

Hermine wunderte sich, da sie nicht sonderlich tief in den Wald vorgedrungen waren. Sie lehnte sich an einen rauen Baumstamm und versuchte die beiden Männer in der Dunkelheit genauer sehen zu können, und gleichzeitig fühlte sie sich wie gelähmt. Die Schwärze der Nacht ließ nur zu, dass sie unscharfe Umrisse erkannte. Ein aufgeschreckter Vogel oder eine Ratte raschelte im Unterholz. Das Plätschern eines Baches, der ganz in der Nähe sein musste, ließ den Wald trügerisch harmlos erscheinen.

Hermine tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie noch mit wenigen Schritten den Verbotenen Wald würden verlassen können, falls sich ihnen ein Geschöpf nähern würde, dass ihnen nach dem Leben trachtete.

Und plötzlich schoss es ihr durch den Kopf, dass das einzige Geschöpf, das hier nach einem Leben trachtete, Severus war. Der Mann, den sie liebte. Der Mann, dem sie so oft vertraut hatte. Sie hatte sich von ihm fesseln lassen - sie hatte sich ihm ausgeliefert, und nun sollte sie Zeuge werden, wie er den Mann hinrichtete, der ihm ebenfalls im Leben etwas bedeutete. Das alles KONNTE einfach nicht wahr sein.

Lucius Malfoy ließ ein schaurig spöttisches Lachen hören, und kurz darauf hörte Hermine Stoff reißen. Zuerst konnte sie nicht genau zuordnen, was geschah, doch als sie hörte, wie der blonde Mann qualvoll aufstöhnte, während Severus' Stöhnen eindeutig erregt klang, krallten ihre Finger sich in den Baumstamm und sie wünschte sich, dass dies nur eine Szene des 'Übergangs zur Hölle' sein möge. Das Geräusch von nackter Haut, die im Takt gegen andere nackte Haut klatschte und Malfoys unterdrückte Schmerzenlaute, drehten Hermine den Magen um. Sie erbrach sich an Ort und Stelle, und für einen Moment hoffte sie, sie würde die Besinnung einfach verlieren.

Doch diese Gnade war ihr nicht vergönnt und so hörte sie, wie Severus sich Lucius gefügig machte, und seine Gier - die zweifellos der Blonde selbst geschürt hatte - zu befriedigen.

Dass Lucius währenddessen gekniet hatte, konnte sie nur daraus erkennen, dass Severus ihm befahl aufzustehen, nachdem das Keuchen endlich verklungen war.

Hermine wusste nicht, ob die Dunkelheit ein Segen war, weil sie die Szene nicht hatte sehen müssen, oder ob es alles nur noch schlimmer machte, weil die Geräusche sich auf diese Art scheinbar unauslöschbar in ihren Geist gegraben hatten.

Die Stimme Malfoys klang bei weitem nicht mehr so stolz, wie noch vor ein paar Minuten. Mit krächzender Stimme versuchte er Spott hervorzubringen, doch es gelang ihm ganz und gar nicht.

"Du hattest jetzt deinen Spaß, Severus. Was nun? Können wir es endlich hinter uns bringen?"

"Gedulde dich noch ein wenig", gab Severus mit einer Stimme zurück, die Hermine vor Entsetzen erschaudern ließ, denn sie klang beinahe liebevoll.

Sie konnte kaum mehr atmen und ihre Stimme zitterte, als sie sprach.

"Severus, bitte, töte ihn nicht. Lass uns zurückkehren. Ich flehe dich an."

Statt Severus antwortete ihr Malfoy und er schien ein ganzes Stück seiner alten Arroganz wiedergefunden zu haben.

"Was ist los, Schlammbluthure? Hast du etwa Mitleid mit mir? Ich hätte mit dir keines gehabt, soviel steht fest! Ich hätte dir..."

"Halt dein Maul, Lucius!", herrschte Severus ihn an.

"Worauf wartest du, Severus?", fragte der Blonde nun aggressiv, "bringst du es nicht fertig, den Einzigen zu töten, der dich versteht? Du wirst so allein sein, Sev...so unendlich allein."

Hermines Fingernägel schoben sich in ihre Handfläche, während sie hörte, wie Lucius Malfoy Severus auf diese Weise ansprach. Sie brachte keine Kraft mehr auf, zu sagen, dass Severus nicht allein sein würde - sie hatte keine Kraft mehr, zu sagen, dass sie ihn liebte - nicht einmal in ihren Gedanken konnte sie es fühlen. Er war ihr entglitten.

Severus hatte ihr gesagt, dass er nicht der Mann war, der er gerne sein wollte. Und seit die Trennung vom Bild vollzogen war, schien da tatsächlich nur noch der Mann zu sein, der er NICHT sein wollte...und den sie nicht lieben konnte.

Severus' Stimme riss sie aus den grauenvollen Gedanken.

"Ich werde dich nicht töten, Lucius. Du hast mir versprochen, dass ich dich besitzen könnte - das habe ich getan. Du sagst, dass du der Einzige bist, der mich versteht...vielleicht bist du das - aber es zählt nicht. Du bist eine Gefahr für die Frau, die ich liebe. Ich habe wirklich geglaubt, dass du eine Chance verdient hättest, dich auf unsere Seite zu stellen. Du hast immer noch die Chance, Luc. Kämpfe mit uns!"

"Niemals! Du kannst meinen Arsch ficken, Severus - aber mein Hirn fickst du nicht!"

"Das ist bedauerlich", sagte Severus und Hermine konnte erkennen, dass er es keineswegs mit Spott sagte, sondern mit echter Trauer.

Hermine versuchte abermals die beiden Männer zu erkennen, und nun konnte sie tatsächlich deutlicher die Schemen ausmachen. Kaum merklich war die völlige Dunkelheit dem ersten zögerlichen Dämmerlicht gewichen.

"Was nun, Severus?", fragte Malfoy abermals und fügte an: "Du sagst, du willst mich nicht töten. Soll SIE es etwa tun? Willst du, dass ich so ende...getötet von einem Schlammblut?"

Hermine stockte der Atem. War es tatsächlich das, was Severus vorhatte? Sollte sie sich eigenhändig an Lucius Malfoy rächen, der in ihr nichts weiter sah, als eine Beute, die man quälen und erlegen musste?

"Nein", sagte Severus ruhig, "ihre Seele nimmt bereits genug Schaden." Er hielt inne und Hermine sah, wie er zum Himmel blickte, an dem sich ein erster rosafarbener Streifen zeigte.

Immer heller wurde die Umgebung und Hermine erkannte, dass Severus den Blonden wieder an den Haaren gepackt hatte und ihn mit einem zusätzlichen Druck auf seine Schulter erneut auf die Knie zwang.

"Es wird Zeit", sagte Severus dann ruhig.

"Werde ich nun sterben?", fragte Lucius Malfoy gefasst.

"Ja, Luc. Nun ist es soweit."

"Ich...bin bereit", sagte der Blonde stockend.

Hermines Herz schien stillzustehen, als sie beobachtete, wie Severus seinen Freund dazu zwang, sich ein Stück nach vorne zu bewegen. Lucius Malfoy rutschte auf Knien über den feuchten Waldboden. Als sie den Bach erreicht hatten, drückte Severus den Kopf des Blonden behutsam soweit hinunter, dass eine Gesichtshälfte Malfoys in den Schlamm des Bachrandes gepresst wurde.

Die ersten goldenen Sonnenstrahlen schlichen sich durch das Blätterwerk, als plötzlich etwas aus dem Wasser des Baches sprang und sofort wich Severus zurück, während das Wasserwesen sich gewaltsam zwischen die Lippen des wehrlosen Lucius drängte.

'Quellhocks', schoss es Hermine durch den Kopf und sie vergaß vor Entsetzen zu atmen.

Lucius Malfoy hob den Kopf und für einen Moment traf sein Blick den von Severus, bevor er den Mund aufriss und vergeblich nach Atem rang. Er versuchte ruhig zu bleiben und Hermine konnte erkennen, dass er sich bemühte, durch die Nase zu atmen. Als er jedoch bemerkte, dass auch dieser Weg durch das Wasserwesen versperrt war, packte ihn Panik. Mit weit aufgerissenen Augen fasste er an seine Kehle und Malfoys Fingernägel gruben sich tief in die eigene, empfindliche Haut und hinterließen blutige Spuren, als wolle er sich selbst die Kehle aufreißen, um den lebenswichtigen Sauerstoff atmen zu können.

Severus wich ein Stück zurück, als Lucius ihn mit hervorquellenden Augen flehentlich ansah und gestikulierend auf den Zauberstab des Zaubertrankmeisters wies.

Es war nur allzudeutlich, was er forderte. Severus sollte ihn töten. Hier und auf der Stelle, damit seine Qual ein Ende hatte. Hermine fragte sich, wie oft wohl Lucius selbst einem Opfer eben jenen letzten Wunsch verweigert hatte. Und auch Severus schien nicht gewillt, dem Freund das Sterben zu erleichtern.

Hermine sah die schreckliche Szene, doch zugleich tauchten in ihrem Geist immer wieder die Textzeilen auf, die sie vor langer Zeit einmal über die seltenen Quellhocks gelesen hatte. Diese Wesen waren nur ein paar Minuten lang bei Sonnenaufgang aktiv. Doch in dieser Zeit waren sie eine absolut todbringende Spezies. Mit blankem Entsetzen schob sich in ihr Bewusstsein, dass Malfoys Kampf noch länger währen würde - und dass er auf eine Art sterben würde, die er sich wohl nicht in seinen grauenvollsten Albträumen so ausgemalt hatte.

Mit jeder Sekunde jedoch stand es Hermine wieder deutlich vor Augen, was ihn erwarten würde.

Und tatsächlich ließ der Quellhock von seinem Opfer ab, indem er sich aus seiner Kehle zurückzog und wie pures Wasser zwischen seinen Lippen wieder hervorfloss.

Malfoy hustete und spuckte Speichel, doch er konnte endlich wieder kostbaren Sauerstoff atmen und tat dies in so großen Zügen, dass er erneut husten musste.

Ein leises Plätschern kündete davon, dass der Quellhock ins Wasser zurückgekehrt war.

Lucius rang immer noch nach Atem, als er kraftlos hervorstieß: "Dieses Ding sollte mich...töten? Das ist wohl...schiefgelaufen. Du wirst...das wohl...doch selbst übernehmen müssen...Severus."

Hermine biss sich auf die Zunge als sie auch schon Severus ruhig antworten hörte: "Nein, Lucius. Dieser Quellhock ist gerade dabei, dich zu töten. Er hat dich infiziert und du wirst seine Brautgabe sein."

Der blonde Mann schüttelte verwirrt den Kopf. "Was soll das heißen?", brachte er unwirsch hervor, als er plötzlich vor Schmerz zusammenzuckte.

Hermine schlug sich die Hand vor den Mund, als sie sah, wie sich zu Lucius Malfoys Füßen eine blutige Wasserlache bildete. Einen Moment lang sah der arrogante Mann abfällig auf das feuchte Rinnsal, bevor er begriff, dass es von ihm selbst stammte.

Immer mehr Wasser verließ seinen Körper durch alle Poren und floss über die Erde um zum Bach zu gelangen.

In wilder Panik betastete Malfoy sein Gesicht, das bereits nach wenigen Sekunden wie eingefallen wirkte. Die zuvor noch so feinen Gesichtszüge wurden binnen Sekunden zu einer verhärmten Maske, die an verschiedenen Stellen aufriss, weil die Haut spröde und papierdünn geworden war. Seine Augen mussten unsäglich schmerzen, als das Kammerwasser daraus verschwand und die empfindlichen Nerven wie auf Sandpapier schmirgelten.

Hermine konnte förmlich sehen, wie der Mann vor ihr ausdörrte. Das Wasser aus seinem Muskelgewebe, aus seinen Organen, das Hirnwasser, all das sammelte sich ganz gemächlich zu seinen Füßen und floss dem Bach entgegen, wo es mit seinen Nährstoffen Quellhocknachkommen versorgen würde. Der Bach selbst würde durch den Tod des Quellhocks - der unweigerlich nach der Fortpflanzung folgte - für eine kurze Zeit vergiftet sein, und so die Quellhockbrut vor Feinden schützen. Wie Severus gesagt hatte, hatte das Quellhockmännchen den blonden Mann infiziert und ihn somit zum Festmahl für seine Nachkommen erkoren.

Der Schnitt in Malfoys Gesicht klaffte nun so weit auseinander, dass ein Wangenknochen in der Morgensonne glänzte. Die Augen des Blonden lagen in dunklen, faulig wirkenden Höfen, die sich von Sekunde zu Sekunde immer weiter ausbreiteten. Die Augäpfel selbst waren ausgetrocknet und Iris sowie Pupille trübe geworden.

Malfoy sackte in sich zusammen und es war offensichtlich, dass er gerade vor ihren Augen einen schrecklichen Tod starb. Und obwohl sein ausgetrockneter Mund zu keinem Schmerzensschrei mehr in der Lage war, konnte Hermine erahnen, welchen Qualen der Mann ausgesetzt war.

Er fiel zu Boden und selbst dieses Geräusch schien nicht zu stimmen, da es dem großen Mann inzwischen eindeutig an Masse fehlte. Sein Körper wand sich auf nahezu unmögliche Weise und nach krampfartigem Zucken blieb er schließlich reglos liegen.

Nun, da die Flüssigkeit entzogen war, verfiel der Körper des Toten recht schnell. Haut und Muskelgewebe waren so porös, dass die Knochen zum Vorschein kamen.

Doch auch die Gebeine zerfielen, durch den völligen Flüssigkeitsverlust, in Windeseile. Sie splitterten und lösten sich zu Staub, der vom morgendlichen Wind davongeweht wurde. Hermine blickte auf Malfoys Kleidung, die nun allein noch davon zeugte, dass er wirklich hier gewesen war.

Sie bemerkte, dass ihre Unterlippe zitterte und biss darauf, als sie es endlich fertigbrachte Severus anzusehen.

Seine Augen waren ebenfalls auf die Stelle gerichtet, an der Lucius zuvor gelegen hatte. Hermine beobachtete, wie er plötzlich die Hand ausstreckte und eine blonde Strähne aus dem Gestrüpp eines Busches neben sich befreite, die dort hängengeblieben war, als der Wind die Haare fortgeweht hatte, die sich aus der ausgedörrten Kopfhaut des sterbenden Mannes gelöst hatten.

Severus stand da und hielt diese blonde Strähne umfasst, während sich eine Träne den Weg durch sein versteinertes Gesicht bahnte.

Und plötzlich wusste Hermine, dass er nicht zum ersten mal gesehen hatte, wie jemand durch einen Quellhock starb. Sie wusste plötzlich, warum Peter Deepings Leiche in der anderen Zeitlinie niemals gefunden worden war. Und doch ahnte sie, dass Severus in dieser anderen Zeitdimension - als er Deeping tötete - mit Sicherheit keine Träne für ihn vergossen hatte. Nun aber stand er da und weinte um den Freund, dessen Tod er gerade herbeigeführt und mitangesehen hatte.

Er hatte nicht genossen, was geschehen war. Er hatte bei dessen Sterben keine Spur von Sadismus gezeigt - und Hermine begriff, dass Severus nur erfüllt hatte, was ihm aufgetragen worden war.

Lucius Malfoy war tot.

tbc