66. Kapitel

Neue Annäherungen und feste Bande

So grauenvoll, wie der Tag herangebrochen war, so schweigsam setzte er sich fort.

Severus hatte kein einziges Wort gesprochen, als sie zum Schloss zurückgekehrt waren. Zu dritt waren sie aufgebrochen, doch nur zu zweit kehrten sie zurück, und obwohl Hermine wusste, dass Malfoys Überleben ihren sicheren Tod bedeutet hätte, spürte sie doch, dass der Mann neben ihr

durch dessen Verlust beinahe zerbrochen war. Es schien so, als sei ein Teil von ihm zusammen mit Lucius Malfoy gestorben.

Immer wieder schossen Hermine die Bilder von der Qual des Blonden durch den Kopf und da sie schon am Tage wie gelähmt bei dieser Erinnerung war, fragte sie sich, wie sie die nächste Nacht durchstehen sollte, wenn sie die Augen schloss und diesen Bildern hilflos ausgeliefert wäre.

Wie schrecklich musste dies auch für Severus sein. Doch er sprach es nicht aus. Er zeigte es ihr mit keiner Geste, außer mit diesem eisigen Schweigen, von dem sie das Gefühl hatte, dass es inzwischen keine Strafe mehr für sie sein sollte, sondern sein Geist sich schlicht weigerte, Worte zu suchen, die etwas erklärten, entschuldigten, oder die ablenken wollten. Zu schwer wog die Tat - zu schwer der Verlust des einstigen Verbündeten.

Severus hatte sich wortlos in sein Arbeitszimmer begeben und saß nun schon seit Stunden über Hausarbeiten gebeugt, ohne auch nur eine einzige Seite korrigiert zu haben.

Hermine hatte drei Anläufe unternommen, ihm einen Tee zu bringen, jedoch jedesmal vor der Tür innegehalten und eine solche Geste als unpassend verworfen.

Vielleicht wartete er darauf dass sie ging?

Vielleicht würde er in dem Moment wieder beginnen zu leben, in dem sie die Türe hinter sich schloss und die einzige Zeugin seiner Tat damit aus seinem Leben verschwand. Mit jeder Stunde die verging, wuchs Hermines Angst vor der kommenden Nacht.

Und plötzlich überkam sie Wut. Sie hatte keine Ahnung, was dieses Gefühl in ihr ausgelöst hatte, es war einfach da und schlug sich eine Schneise durch diese Welt, die wie eingefroren schien. Sie ging in Severus' Arbeitszimmer und schob entschieden den Stapel von Hausarbeiten zur Seite, was ihn zumindest dazu veranlasste, den Kopf zu heben.

"Möchtest du, dass ich gehe? Möchtest du, dass nie wieder ein Wort über das gesprochen wird, was in den letzten Tagen geschehen ist? Möchtest du, dass Lucius Malfoys Tod für immer ein Geheimnis bleibt? Willst du, dass ich verschwinde und dein Schweigen egal ist? Mir ist es nämlich nicht egal. Severus, ich lebe - vielleicht bedauerst du das...vor ein paar Stunden noch hast du es bedauert - zutiefst bedauert! Aber ich lebe...und solange ich das tue, werde ich nicht aufhören, mich zu fragen, ob du ohne mich besser dran wärst. Du hast mir gesagt, dass du mehr unter den Dingen die du tun musst leidest, wenn es jemanden gibt, der dich liebt. Ich möchte nicht so tun, als sei ich nicht zutiefst schockiert über das, was mit uns geschehen ist. Aber eine Tatsache ist es, dass es mit UNS geschah, und dein Schweigen lässt mich allein. Ich halte es nicht länger aus - ich ertrage es nicht mehr, Severus", ihr letzter Satz war nur noch flüsternd über ihre Lippen gekommen, als sie bemerkte, dass sein Ausdruck nach wie vor unverändert war.

Einen Moment sah sie ihn forschend an, doch nichts geschah. Es wurde Zeit für sie zu gehen. Er blickte zwar in ihre Richtung, doch er sah sie nicht an. Und plötzlich erkannte Hermine etwas in seinen Augen und sie wunderte sich, dass sie es nicht längst erkannt hatte. Severus hatte sich so weit in sich selbst zurückgezogen, dass er scheinbar den Weg aus dem Schrecken heraus nicht alleine fand. Er suchte, das konnte sie plötzlich klar erkennen. Er suchte und doch war sein Blick starr.

Einem Impuls folgend, streckte Hermine eine Hand aus und strich ihm durchs Haar. Eine einfache Geste, die alles und nichts bedeuten konnte, und sie merkte, wie er versuchte, sich auf ihre Berührung zu konzentrieren.

Einmal körperlich mit ihm in Kontakt getreten, erschien es ihr unmöglich, diesen zu beenden. Wie ein Schwamm schien er diese zarte Geste aufzunehmen und sie streichelte an seiner Schläfe entlang, ließ ihre Hand sanft über seine Wange gleiten und ihre Fingerkuppen seinen Hals berühren, um dann ihre Hand auf seiner Schulter ruhen zu lassen, während ihr Blick seinen inzwischen verwirrten zu beruhigen versuchte.

Severus war zusammengebrochen, ohne dass sie es bemerkt hatte. Nach all der Wut, nach dem schweren Entzug, der Gewalt und dem Verlust - der grauenvollen, aber scheinbar unabwendbaren Tat an seinem Freund - hatte Severus' Geist zum ersten mal, seit sie diesen Mann kannte, aufgegeben.

Hermine wurde von einem Gefühl der Angst gestreift. Wenn es ihr nicht gelang, ihn jetzt zurückzuholen, dann wäre Severus vielleicht für immer verloren.

Sie benutzte jetzt beide Hände, umfasste sein Gesicht und dirigierte seinen Kopf so, dass er ihr in die Augen blicken musste, sofern er sie nicht verschloss.

"Severus", sagte sie leise, die aufwühlende Panik unterdrückend, "Severus, komm zurück."

Sie sagte es nicht befehlend und nicht flehend. Sie sagte es, als würde sie ihn bitten zu ihr zu kommen, so, als würde er sich lediglich in einem anderen Raum befinden.

Er musste willens sein, zurückkommen zu wollen. Er musste die Tür finden und Hermine konnte nichts weiter tun, als ihm mit ihrer Stimme die Richtung zu weisen. Denn eines war ihr absolut klar - wenn sie sich selbst dorthin begeben würde, wo er sich gerade aufhielt, dann wären sie beide verloren.

Sein Blick begann nach ihr zu schreien. Sie konnte es nicht hören, aber mit jeder Faser ihres Körpers spüren, dieses Kreischen seiner Seele, das absolut nichts mit seiner Stimme zu tun hatte.

Hermine spürte, dass ihre Kraft sie verließ. Und plötzlich, kurz bevor ihre Knie so weich wurden, dass sie gefallen wäre, durchströmte sie eine Welle von Kraft, die von Severus stammte.

Er rang nach Atem und seine Lippen bebten.

"Geh nicht...geh nicht...", stieß er immer wieder hervor und legte seine Hände auf ihre, damit sie ihn weiter festhielt. "Geh nicht...".

"Ich bin hier...ich warte auf dich...lass dir Zeit..ich werde nicht weggehen", sagte sie bestimmt.

Hermine wusste nicht, wie lange sie so verharrt hatten. Raum und Zeit hatten keine Bedeutung...zum zweiten mal schienen sie die Dimension zu wechseln, und doch war es nur ein Gefühl, denn die Vergangenheit änderte sich nicht, aber Severus war zu ihr zurückgekehrt.

Er nahm Hermine in die Arme, hielt sie, als müsse er in jeder einzelnen Sekunde spüren, dass sie wirklich da war. Und sie ließ sich halten, ließ zu, dass er ihr mit seinem Körper alles sagte, was ihm nicht über die Lippen kam.

Erst als sie fühlte, dass er davor sicher war, erneut in den Abgrund zu stürzen, ließ sie ihn los.

Er ließ die Arme hängen, als gehörten sie nicht zu ihm, und Hermine schoss durch den Kopf, dass er jetzt dem Menschen ähneln musste, den Dumbledore damals gesehen hatte, nachdem er Severus sämtliche Wut genommen hatte. Das Bündel Mensch, das von der eigenen Angst regiert wurde. Aber er schien bereit anzunehmen, dass sie ihn wieder füllte - nicht mit Hass, sondern mit Liebe, denn er war es, der die Hand Halt suchend nach ihr ausstreckte.

Die Nacht war inzwischen hereingebrochen und Hermine führte ihn zum Schlafzimmer, half ihm beim Ausziehen und entledigte sich selbst ihrer Kleider, damit sie sich Haut an Haut spüren konnten. Eng umschlungen trieben sie erst in den eigenen Gedanken und schließlich dem Schlaf entgegen.

Als Hermine am nächsten Morgen erwachte, spürte sie seinen Atem, der über ihre Schulter strich. Severus hatte sie scheinbar schon seit längerer Zeit betrachtet und küsste nun ihre Halsbeuge, als sie die Augen aufschlug.

"Träume?", fragte er knapp.

Sie nickte und sagte ebenso knapp: "Schreckliche."

"Ich auch", entgegnete er und streichelte flüchtig ihren Oberarm, als wolle er sie trösten.

"Du hast mich gestern gefragt, ob ich möchte, dass du gehst", sagte er zögerlich, dann fügte er an: "Ich möchte nicht dass du gehst...aber ich könnte verstehen, wenn du es möchtest."

"Ich möchte es nicht, Severus. Aber ich möchte, dass das alles endet...die Gewalt, die Angst, das Töten...ich möchte, dass das alles aufhört, verstehst du?"

"Ja...das möchte ich auch", sagte er dumpf.

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Die folgenden Tage waren in einer Art Stillstand vergangen - getragen jedoch von dem gemeinsamen Wunsch, der Zeit vertrauen zu wollen, die die gegenseitige Annäherung entweder zwangsläufig mit sich bringen würde, oder die letztendlich zu einem Bruch führen würde, der sich lautlos, doch dafür umso endgültiger vollzöge.

Hermine wusste, dass es zwischendurch Phasen gegeben hatte, in denen Severus das Bild nach wie vor herbeigesehnt hatte, aber er hatte es stumm getan und sie bemerkte, wie er langsam und zaghaft begann, in diesen Phasen ihre Nähe zu suchen.

Als er das erste mal von dieser Unrast getrieben, sie in eine Umarmung gezogen hatte, konnte sie sein Herz rasen spüren. Es schlug so schnell und stark, dass es das ihre fast zu lähmen schien. Hinzu kam die Tatsache, dass seine Umarmung viel zu fest war - ihr die Luft zum Atmen nahm und dieser Umstand sie schwindlig machte. Sie wusste, dass er sich nur mühsam unter Kontrolle hielt, und so hatte sie nur leise seinen Namen geflüstert, als die Welt in Dunkel zu versinken drohte.

Als er sie jedoch sofort freigab und entschuldigend anblickte, war ihr klar geworden, dass er die gefährliche Grenze erkannt hatte und sie nicht überschreiten würde, wenn sie ihm dabei half, sie zu erkennen.

Im Laufe der Zeit war das Vertrauen wieder soweit gewachsen, dass sie aneinander geschmiegt schliefen, ohne dass es zur unmittelbaren Rettung des anderen von Nöten gewesen wäre, wenn sie auch ansonsten auf körperlichen Kontakt verzichteten.

Die Wunden, die geschlagen waren, mussten heilen, und Hermine spürte, dass sich eine zarte Schicht aus Kruste über den Schmerz gelegt hatte und ihn Schritt für Schritt zu böser Erinnerung werden ließ.

Severus ging täglich zum Unterricht und Hermine war davon überzeugt, dass man ihm nicht anmerkte, dass seine Seele diesmal tatsächlich großen Schaden genommen hatte. Sie nahm zur Kenntnis, dass auch Dumbledore nicht den Kontakt zu seinem ehemaligen Schüler suchte, und fragte sich, ob selbst er es nicht bemerkt hatte, oder ob es ihm schlicht egal war, nun, da die besondere Verbindung von Mentor und Schüler unter ihrem Druck getrennt worden war.

Als Hermine an einem verregneten Samstagmorgen erwachte, spürte sie Severus' lodernd begehrlichen Blick auf sich ruhen, doch kaum öffnete sie die Augen, wich er ihr aus und wollte aufstehen.

Ohne ein Wort zu sprechen, hielt sie ihn auf, indem sie ihre Hand um seinen Arm legte, nicht fest, sondern gerade so, dass sie mit Nachdruck klar machte, dass sie wollte, dass er blieb.

Severus sah sie stumm fragend an und ihre Antwort bestand aus einem Kuss, der keinen Zweifel daran ließ, dass sie seine Begierde willkommen hieß.

Als er zögerlich seine Hände über ihr Nachthemd gleiten ließ, drängte sie sich ihm bei jeder Berührung entgegen und übernahm es schließlich selbst, sich zu entkleiden. Nackt, mit Narben übersät, saß sie vor ihm auf dem Bett und konnte erkennen, wie er sie mit den Augen abtastete, liebkoste und atmete auf, als er endlich seine Hände dazu benutzte, ihre Haut in Flammen zu setzen.

Hermine legte sich auf den Rücken und präsentierte ihm ihren durchgestreckten Körper, indem sie ihr Becken leicht anhob, die Arme streckte sie weit nach hinten über den Kopf und legte die Hände ineinander, als gäbe es Schnüre, die sie fesselten - es gab keine Schnüre, und doch war diese freiwillige Hingabe so verlockend, dass Severus seine allzu zärtliche Zurückhaltung aufgab und Hermines Scham mit den Händen spreizte, um sie hart zu lecken. Immer wieder drang seine Zunge in sie, fuhr durch die weit geöffnete Spalte und reizte gezielt den empfindlichsten Punkt.

Hermine wandt sich unter dieser Behandlung, doch er drehte sie ein paarmal nachdrücklich in die Position, in der er sie ungehindert mit seiner Zunge ficken konnte.

Sie ließ die Hände wo sie waren, und als er sich neben sie setzte, seine Finger in sie gleiten ließ und sich gleichzeitig hinabbeugte, um hart an ihren Brüsten zu saugen, bäumte sie sich auf und stieß einen langgezogenen Schrei aus, von dem sie wusste, dass er ihn liebte.

Der Höhepunkt hatte sie geradezu überrannt und sie spürte, wie sehr sie dieses Spiel der Leidenschaft vermisst hatte. Nach Atem ringend setzte sie sich schließlich auf.

"Zieh dich bitte aus", raunte sie, als sie sich wieder etwas mehr unter Kontrolle hatte.

Er kam ihrer Bitte nach, immer noch, ohne auch nur ein einziges Wort zu sprechen.

Hermine betrachtete seinen Körper als sähe sie ihn zum ersten mal. Und tatsächlich sah sie ihn mit anderen Augen, nun, da sie miterlebt hatte, dass Severus auch das eigene Geschlecht begehrt hatte.

Sie fragte sich, ob allein dieses Wissen um seine Begierden nicht Abneigung in ihr auslösen musste - nicht die Art, wie er sich genommen hatte, was er wollte, sondern die Bestätigung, dass er einen Männerkörper ebenso erregend fand, wie den einer Frau.

Und sie kam zu einem Ergebnis, das für sie selbst eine große Überraschung war. Sie konnte es nicht nur akzeptieren, sondern es erregte sie sogar auf eine Weise, die sie sich selbst bislang untersagt hatte, weil der Gedanke an den Menschen Lucius Malfoy, an das Monster, das hinter diesem verlockenden Männerkörper des Blonden gestanden hatte, eine Akzeptanz dieses homosexuellen Begehrens ihrerseits nicht zugelassen hatte.

Hermine hatte kein Wort von dem vergessen, was Malfoy ihr angedroht hatte - sie hatte kein einziges Fünkchen ihres lodernden Hasses aufgegeben, der in ihr aufflammte, wenn sie an den arroganten Scheißkerl dachte...und doch hatte sein Tod sie berührt, seine letzten Minuten, die er beinahe demütig vom Tränkemeister in Empfang genommen, und damit offenbart hatte, dass auch ihn mehr mit Severus verbunden hatte, als nur ein harter Fick unter Männern.

"Vermisst du ihn?", fragte Hermine.

"Wen?", erwiderte er.

"Lucius Malfoy."

"Was soll das? Warum fragst du ausgerechnet jetzt danach?", er funkelte sie zornig an.

"Weil ich weiß, dass du ihn begehrt hast. Weil ich dir offensichtlich nicht genüge."

"Du weißt, dass das nicht stimmt."

"Nein, Severus, das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich dir deine Sehnsucht nach einem Mann wohl kaum erfüllen kann."

Severus starrte an die Decke, dann blickte er Hermine in die Augen, um seine Worte zu unterstreichen.

"Er war der einzige Mann, Hermine, den ich je begehrt habe. Ich musste mich zwischen euch entscheiden, und doch stand die Entscheidung von Anfang an fest. Es war meine Aufgabe, ihn zu töten, doch ich habe es nicht für den Orden getan - nicht wegen Dumbledores Befehl, sondern um die Frau zu schützen, die ich liebe. Lucius hatte seine Chance...ich war es ihm schuldig, ihm diese Chance zu geben, und das hat er gewusst. Er wusste, dass es seinen Tod bedeutete, wenn er sie ausschlug. Er wusste um meinen Entzug, Hermine. Er hat versucht, ihn zu seinem Vorteil zu nutzen...fast wäre es ihm gelungen, meinen Blutrausch zu seinem Zweck zu nutzen. Aber eben nur fast. Ich bin mir sicher, dass er ahnte, wie hoch er pokerte - er wusste, dass er selbst Opfer meines Tötungsrausches werden würde, wenn er es nicht schaffte, mich umzustimmen und dich damit zum Opfer werden zu lassen. Er starb, weil er sich gegen uns stellte, und es gab keinen Weg, ihn zu retten. Ich sagte dir, dass es mir schwer fallen würde ihn zu töten - es fiel mir schwer, aber ich bereue es nicht, denn hätte ich ihn am Leben gelassen, so hätte er einen Weg gefunden, uns beide dem Lord auszuliefern und sich damit zu rehabilitieren. Es wäre offensichtlich geworden, dass ich den Lord betrüge. Wir wären vermutlich noch am Leben, aber wir wären höchstwahrscheinlich Gefolterte in Lucius' Hand, der dem Lord die Drecksarbeit abgenommen hätte, uns zu bestrafen - und ich bin mir sicher, dass ER uns keine Chance gegeben hätte."

Hermine fröstelte unwillkürlich bei Severus Worten.

"Können wir das Thema nun beenden?", fragte er entschieden.

"Ja. Ich glaube, ich weiß jetzt alles, was ich wissen musste", erwiderte Hermine.

"Kannst du mir erklären, warum ich mich für dieses Gespräch ausziehen sollte?"

Ein Lächeln huschte über Hermines Gesicht. "Nicht für das Gespräch, sondern hierfür", damit beugte sie sich über seinen Unterleib und nahm sein Glied tief in ihrem Mund auf.

Er ließ es nicht lange zu, dass sie ihn auf diese Art stimulierte, sondern zog sie auf sich, und streichelte ihre Brüste, während sie auf ihm ritt. Seine Hände machten keinen Unterschied, ob sie über ihre helle Haut, oder über die Narben strichen. Ihre Körper verschmolzen im Takt der Begierde. Alles schien eins zu sein - die Zeit hatte für sie gearbeitet und neuerte das Band zwischen ihnen, um es noch fester, noch unzertrennbarer zu machen.

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Als die Posteulen in die Große Halle geflogen kamen, beobachtete Hermine mit einem stummen Lächeln, wie die Schüler Botschaften von Zuhause entgegennahmen. Einige strahlten und zeigten die Post ihren Freunden, während andere die Zeilen ihrer Familien ganz im Stillen lasen und die Briefe in ihren Umhangtaschen verschwinden ließen, als gelte es, die kostbaren Briefe vor fremden Blicken zu schützen.

Hermine blickte kurz zu Severus, der eine Fachzeitschrift über die Tränkebraukunst in Empfang nahm und den Inhalt kurz überflog. Sie versuchte ebenfalls die Themen zu erhaschen, als plötzlich ein Steinkauz vor ihr auf dem Tisch landete und auffordernd sein Bein ausstreckte.

Hermine fing Severus' fragenden Blick auf, doch sie zuckte nur mit den Schultern und nahm der Eule das eingerollte Pergament vom Bein. Sie klaubte ein wenig Gebäck aus einer Schüssel, die sie bislang beim Frühstück stets ignoriert hatte, und hielt es dem Vogel hin, der beinahe pflichtbewusst den Lohn entgegennahm und dann sofort wieder in die Lüfte entschwand.

Hermine entrollte das Schriftstück und sofort erstrahlte ihr Gesicht vor Freude und sie stieß einen glücklichen Juchzer aus.

"Ein verflossener Liebhaber, der sich zurückmeldet?", fragte Severus augenbrauenhebend.

"Nein, besser", erwiderte Hermine und hielt ihm den Brief hin.

Severus bemühte sich die Unterschrift zu entziffern, dann fragte er: "Ginny Weasley?"

"Ja", bestätigte Hermine immer noch strahlend.

"Was will sie?"

Hermine sah ihn tadelnd an und ihr Lächeln wurde etwas gedämpfter: "Sie möchte sich gerne heute mit mir treffen. Sie ist für dieses Wochenende in London und fragt, ob wir uns sehen können."

Erst jetzt bemerkte Hermine, dass Severus seine Zeitschrift so fest umklammert hielt, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

"Was ist dein Problem, Severus? Warum stört es dich, dass ich mich mit Ginny treffen möchte?"

"Das ist kein Thema, das ich hier erörtern möchte", sagte Severus kurzangebunden.

"Gut, dann gehen wir."

Wortlos erhob sich Severus und gemeinsam gingen sie in den Kerker.

"Kannst du mir jetzt sagen, warum du ein Problem damit hast, dass ich mich mit meiner Freundin treffen möchte?", fragte Hermine ohne Umschweife.

Severus schien über diesen Frontalangriff nicht erfreut, doch er nickte mürrisch.

"Weil sie mich dir ausreden wird."

Hermine brauchte einen Moment, bis sie seine Worte realisiert hatte, dann fragte sie belustigt: "Du hast Angst, dass Ginny schlecht über dich reden könnte?"

"Sie hat wohl kaum etwas Gutes über mich zu reden", erwiderte er trocken.

"Sie hat es schon einmal akzeptiert, dass wir zusammen sind, Severus. In der anderen Zeitlinie hat sie es für in Ordnung befunden, warum sollte das jetzt anders sein?"

"Weil hier einiges anders verläuft."

"Gut, Severus...hier läuft einiges anders. Und vielleicht hast du recht, und Ginny findet es furchtbar, dass ich mit dir zusammen bin - und was glaubst du, würde das für mich ändern? Glaubst du wirklich, ich würde dich verlassen, weil meine Freundin unsere Beziehung nicht gutheißt?"

"Ich weiß es nicht", gab er mürrisch zurück.

Hermine schnaubte verächtlich: "Gut, wenn du es nicht weißt, dann grüble ruhig noch ein wenig darüber nach."

Ein mörderischer Blick traf sie, doch Severus schwieg und Hermine schüttelte stumm den Kopf über soviel untypisch offen geäußerte Zweifel von seiner Seite aus.

"Ich werde den Tag nutzen, um einige Zutaten im Wald zu sammeln", sagte er schließlich.

"Aber es regnet", erwiderte sie sanft.

"Das hat mich noch nie abgehalten."

"Natürlich nicht", gab sie resigniert zurück.

Als er einige Dinge zusammensuchte, setzte sich Hermine an den Schreibtisch, um ihre Antwort an Ginny zu schreiben. Sie war erstaunt, als Severus nicht mit einem knappen Gruß den Kerker einfach verließ, nachdem er fertig ausgerüstet war, sondern zu ihr kam. Noch erstaunter war sie jedoch, als er sanft seine Hand durch ihr Haar gleiten ließ und sich schließlich zu ihr hinabbeugte, um sie zu küssen.

Er tat es sehr zärtlich, fast fragend, und auch seine Stimme klang besonnen, als er sagte: "Ich denke, dass du durch dieses Treffen erkennen wirst, dass es noch eine andere Welt gibt, als die, in der wir beide gefangen sind. Eine Welt in der Ginny Weasley lebt, die sich bewusst dafür entschieden hat, dem Orden nicht beizutreten. Eine Welt in der man glücklich sein kann, ohne jeden Tag aufs neue dafür bluten zu müssen."

"Denkst du das, oder fürchtest du es?", fragte Hermine mit fester Stimme.

"Ich fürchte es", gab er zu, "und gleichzeitig hoffe ich es."

"Ich weiß immer um diese andere Welt, Severus. Mein Gefühl für sie ist nicht verloren gegangen. Und ich hoffe, eines Tages wieder in dieser Welt leben zu können - mit dir!"

Severus sah sie einen Moment liebevoll an, dann schloss er die Augen. Als er sie wieder öffnete, war sein Blick leer. "Ich habe das Gefühl für diese andere Welt schon vor langer Zeit verloren. Ich glaube, ich würde wie ein Geist in ihr leben."

Hermine umfasste mit beiden Händen sein Gesicht, und er ließ es zu.

"Ich werde jeden Tag bei dir sein, um dir zu zeigen, dass du kein Geist bist. Ich werde dich täglich daran erinnern", versprach sie.

Er nickte nach einem Zögern, dann sagte er: "Richte Ginny einen Gruß von mir aus."

Hermine hob überrascht eine Augenbraue.

"Macht man so etwas nicht üblicherweise in dieser anderen Welt?", fragte er mit sanft ironischem Unterton.

"Doch", erwiderte sie lächelnd, "ich werde deinen Gruß gerne ausrichten."

Als er den Kerker schließlich verlassen hatte, starrte Hermine noch lange auf die Tür, durch die er verschwunden war.

Severus war dabei, sich zu verändern, und unwillkürlich fragte sich Hermine, ob sie es zulassen durfte. Obwohl sie es herbeisehnte, dass sie diese Welt aus Gewalt hinter sich ließen, war ihr doch klar, dass sie beide noch ihre Stärke brauchten, um das zu überstehen, was ihnen bevorstand. Ein bitterer Weg, der verbitterte Herzen zurücklassen würde - vielleicht war es zu früh, die Mauern niederzureißen, die Severus bislang geschützt hatten.

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Die Pension war winzig. Hermine stieg die Stufen hoch, die sie zu einer Tür führten, deren verwitterte tannengrüne Farbe vom Holz blätterte.

Sie läutete an einer altmodischen Glocke und praktisch im gleichen Augenblick wurde die Tür auch schon geöffnet.

"Ah, die Besucherin für Miss Ginny Weasley", sagte eine geschäftige Frau, und winkte sie herein.

Hermine war überrascht, doch sofort erklärte die Dame: "Sie sagte mir, als ich ihr das Frühstück brachte, dass sie heute Besuch erwarten würde und hat Sie mir beschrieben. Und voilá, da sind Sie auch schon. Erster Stock, erste Tür links."

Damit wuselte die Dame auch schon davon und betrat einen Raum, der mit einem Privat-Schild versehen war. Hermine stieg die knarrenden Stufen zur ersten Etage herauf und klopfte an die erste Tür auf der linken Seite, während ihr Blick über den schmalen Flur fiel, der wenig schmuckhaft war.

Die triste Umgebung wurde jedoch sofort wettgemacht, als Ginny die Tür öffnete und ihre grünen Augen die Freundin mit einer glitzernden Freude in Empfang nahmen.

"Mine! Ich freue mich so, dass du heute tatsächlich Zeit für mich hast. Ich weiß, dass war ein wenig kurzfristig, aber ich wusste bis gestern selbst nicht, dass ich herkommen würde, sonst hätte ich mich eher angekündigt. Komm rein", sagte sie und hielt Hermine gleichzeitig davon ab, indem sie sie fest in die Arme schloss.

Als sie das Zimmer gemeinsam betreten hatten, konnte Hermine sich immer noch nicht vom Anblick der Freundin losreißen. Ginnys Haar glänzte trotz des regnerischen Tages in einem warmen Schimmer, der an ein gemütliches Kaminfeuer erinnerte. Sie strahlte eine tiefe Zufriedenheit aus, die Hermine sofort ebenfalls ein Gefühl von Ruhe vermittelte.

"Du siehst fantastisch aus", sagte Hermine ehrlich.

"Ich kann mich auch nicht beklagen. Das Projekt läuft gut, und wenn wir es abgeschlossen haben, kannst du Rons und meinen Namen vielleicht sogar in einigen Fachmagazinen lesen", sagte Ginny, dann legte sie den Kopf etwas schief und fügte leiser an: "Du siehst nicht ganz so gut aus, wenn ich ehrlich sein darf."

"Du darfst ehrlich sein - alles andere würde dir ohnehin zu schwer fallen", erwiderte Hermine mit einem schiefen Lächeln.

"Ja, das stimmt", bestätigte Ginny, dann sprudelte sie hervor: "Da bin ich mal für ein paar Wochen nicht erreichbar, und kaum komme ich zurück, muss ich erfahren, dass du Harry den Laufpass gegeben hast."

"Ich habe ihm nicht den Laufpass gegeben, wir haben uns in gegenseitigem Einverständnis getrennt", sagte Hermine erklärend.

"Ihr habt euch getrennt, und nun wohnst du bei Professor Snape", sagte Ginny mit einem anklagend-ungläubigen Unterton.

"Ich wohne nicht nur bei ihm, Ginny, wie du sicher inzwischen bereits weißt, sind wir ein Paar."

"Ja, man sagte mir das...nur glauben wollte ich es nicht."

"Glaubst du es jetzt, da ich selbst es dir sage?"

"Ja, ich glaube es...aber ich verstehe es nicht."

"Was verstehst du daran nicht?", fragte Hermine gereizt.

Ginny winkte ab und ihr Lächeln wurde nun wieder freundlicher: "Entschuldige, Hermine, ich hätte dich damit nicht so überfallen dürfen. Lass uns später darüber reden, in Ordnung?"

Ohne auf Hermines Antwort zu warten, deutete Ginny auf einen Tisch, der nahe am Fenster stand.

"Darf ich dir meinen derzeitigen Mitbewohner vorstellen? Das ist D-7."

"D-7?", fragte Hermine irritiert und blickte zu dem Korb, der so groß war, dass er kaum auf den Tisch passte.

"Ja, D-7. Das ist seine Bezeichnung in unserem Projekt. Wenn Ron es nicht hört, nenne ich D-7 allerdings manchmal Spiky. Er ist ein Zackenschwanzdrache, und auch wenn seine Schuppen noch weich sind, muss man schon höllisch aufpassen, dass man seinen Schwanz beim Herumtollen nicht ins Gesicht bekommt - das macht unschöne Narben." Erschrocken hielt Ginny inne und sah Hermine verlegen an, als sie stammelte: "Tut mir leid, ich wollte das so nicht sagen."

"Ist schon in Ordnung", beschwichtigte Hermine und fragte dann: "Also ist die Phase offensichtlich vorbei, in der du die einzige Person sein durftest, die das Drachenbaby sieht."

Ginny schwieg einen Moment, dann sagte sie feierlich: "Ja, in genau diesem Moment ist diese Phase beendet, denn du, Hermine, bist die erste Person, die Spiky außer mir in seinem Leben bisher zu sehen bekommt. Und ich bin total neugierig, ob er meine Befehle befolgen wird, wenn er mit dir in Kontakt tritt."

Hermine sah die Freundin entgeistert an. "Du willst an mir testen, ob er auf dich hört, wenn du ihm befiehlst, mich nicht anzugreifen?"

"Genau", bestätigte Ginny gut gelaunt.

"Ist das so etwas wie eine Ehre für mich?", fragte Hermine beklommen.

"Naja, eigentlich schon. Aber wenn du nicht möchtest, müsste ich dich bitten, jetzt sofort wieder zu gehen, weil es wichtig ist, dass D-7 sofort getestet wird, sobald er auf eine neue Person in seinem Leben trifft...und eigentlich ist es jetzt schon zu spät, wie du siehst", Ginny wies auf den Korb, über dessen Rand jetzt ein Drachenkopf lugte. Die Augen glitzerten gelb und sahen Hermine mit einer Mischung aus Neugier und Angst an.

"Er hat dich gesehen", sagte Ginny überflüssigerweise.

"Ja, ich ihn auch", erwiderte Hermine dumpf und fügte dann an, "also kann ich nur mit dir sprechen, wenn ich das Versuchskaninchen spiele?"

"Im Moment schon. Ich kann hier nicht weg, Hermine. Und ich kann ihn auch nirgends mithin nehmen. Er darf in dieser Phase des Experimentes nur eine weitere Person sehen. Daher wohne ich auch nicht bei meinen Eltern, sondern in dieser mickrigen Pension. Ich lasse mir das Essen vor die Tür stellen und wechsle mit der Besitzerin höchstens ein paar Worte auf dem Flur."

Hermine nickte verstehend und betrachtete, wie der Drache mit seinen spitzen Zähnen Stücke aus dem Korb riss, die er dann spuckend auf den Boden verteilte.

"Warum ist nicht einfach Ron diese zweite Person, die dein Drache sieht?", fragte Hermine.

"Weil Ron gerade dabei ist, mit D-5 ebenfalls eine zweite Kontaktperson zu treffen."

"Wen?"

"Harry."

"Oh."

"Ja, eigentlich dachten wir, wir könnten unser befreundetes Ehepaar um diesen Gefallen bitten...nur, dass ihr jetzt kein Paar mehr seid."

"Ich bin hier, also, was soll ich tun?", sagte Hermine entschieden.

"Setz dich einfach zu ihm."

"Gut", erwiderte Hermine und trat vorsichtig näher an den Tisch. "Was ist eigentlich mit D-6 und den anderen fehlenden Nummern passiert?", fragte Hermine.

"Die haben sich noch im Ei selbst aufgefressen. Die Zackenschwänze gehören zu den aggressivsten Drachen, das kann öfters sogar schon mal in Autoaggression enden."

"Ah", erwiderte Hermine und schwieg vorsichtshalber.

"Er hört auf mich, sei ganz beruhigt", sagte Ginny und sah plötzlich so konzentriert aus, dass Hermine in ihr die Wissenschaftlerin erkennen konnte.

"Ich hoffe, du hast recht. Auch wenn ich schon eine Menge Narben habe, so bin ich nicht wild darauf, von einem Zackenschwanz ein bleibendes Souvenir zu erhalten. Oder war das Absicht, dass ihr ausgerechnet mich und Harry wegen der bereits vorhandenen Narben ausgewählt habt?", fragte sie sarkastisch.

"Nein, Hermine, das war nicht der Grund", gab Ginny ernst zurück, "der Grund war der, dass wir unseren Erfolg mit unseren besten Freunden teilen wollten."

"Gut, ich hoffe nur, dass es ein Erfolg wird...für dich, und für mich."

Hermine setzte sich nun auf einen Stuhl, der sie in die Position brachte, sich direkt gegenüber des Drachenkopfes zu befinden.

"Hi, Spiky", sagte sie leise.

Der Drache hob den Kopf und schnüffelte offensichtlich, wobei er die Augen genießerisch halb schloss.

"Wie rieche ich für dich? Interessant? Angenehm? Oder vielleicht sogar lecker?", fragte Hermine nervös.

Der Jungdrache stellte die Ohren auf und schien ihrer Stimme zu lauschen.

"Eigentlich ist er ganz süß", sagte Hermine, ohne das Tier aus den Augen zu lassen.

Als ein Fuß des Drachen sich über den Korbrand schob, schluckte Hermine unwillkürlich. Mit seinen scharfen Krallen blieb das Tier im Geflecht des Korbes hängen und riss ihn kurzerhand einfach auf, um sich zu befreien.

"Bralatay", sagte Ginny mahnend und Hermine sah sie fragend an.

"Er soll brav sein", erklärte diese knapp.

"Gute Idee", murmelte Hermine und fügte an, "warum sagst du dann nicht einfach: Sei brav!"

"Weil wir unsere eigene Sprache entwickelt haben, um zu unterbinden, dass jemand anderes allein durch verbale Ähnlichkeit Einfluss auf unsere Versuchtstiere haben könnte."

"Ja, klar...", sagte Hermine und wich ein Stück zurück, als D-7 auf sie zutapste.

Der Drache schnüffelte abermals und zwinkerte plötzlich.

Hermine lächelte leicht, als sie seinen nervös fragenden Gesichtsausdruck sah. Er schien wirklich überrascht, dass es noch ein Wesen gab, dass wie seine 'Mutter' aussah.

Plötzlich änderte sich sein Ausdruck rasend schnell und die eben noch neugierigen Augen wurden zu feindseligen Schlitzen.

"Bralatay!", wiederholte Ginny energisch.

Flammen bildeten sich in den geblähten Nüstern und Hermine konnte praktisch hören, wie der Drache Luft einsog, um ihr im nächsten Moment eine Flammenfontäne ins Gesicht zu blasen.

"Dondurr! DONDURR!", fuhr Ginny das Tier an.

Der Drache wandte den Kopf in ihre Richtung, und drehte sich abrupt um.

"Pass auf!", rief Ginny, und Hermine hatte schwer das Gefühl, dass diesmal sie gemeint war, weil die Worte der Freundin endlich wieder einen Sinn ergaben.

Durch den plötzlichen Rückzug des Drachen zischte sein Schwanz nur knapp an Hermine vorbei. Sie wich aus und erhaschte einen Blick auf die messerscharfen Zacken, die teilweise noch wie gefaltet am Drachenkörper klebten.

Spiky begab sich in seinen Korb zurück und blickte Hermine treuherzig an, als wolle er sich für das Fast-Flammen-Inferno entschuldigen.

"Das ist doch gut gelaufen", freute sich Ginny.

Hermine schwieg zu diesem Thema lieber, sie selbst hatte eher das Gefühl, dass Spiky, oder besser gesagt Projekt D-7 noch zu einer schweren Enttäuschung für die Freundin werden würde. Hermine hoffte einzig, dass D-5 nicht jetzt bereits eine Enttäuschung für Ron geworden war, und Harry keinen Schaden davongetragen hatte.

Als hätte das Tier Hermines negative Gedanken aufgefangen, begann es plötzlich leise aber inständig zu knurren.

"Mist", murmelte Ginny und sah Hermine entschuldigend an, "ich fürchte, wir sollten deinen Besuch nun besser beenden. Wichtig ist, dass er das eine mal gehört hat...aber wir sollten ihm noch nicht zuviel zumuten."

"Auf keinen Fall", bestätigte Hermine sofort und erhob sich vorsichtig.

"Das nächste mal werden wir uns hoffentlich wieder richtig unterhalten können", sagte Ginny und fügte dann entschieden an: "Und dann wirst du mir von dir und Snape erzählen, okay? Sobald das Projekt es zulässt, werden wir uns wieder treffen und dann will ich alles wissen - alles, klar?"

"Geht klar", erwiderte Hermine knapp und sagte dann: "Ich sollte dich übrigens von ihm grüßen." Die Freundin sah sie überrascht an und stieß schließlich: "Danke", hervor.

Hermine erkannte, dass Ginny tausend Fragen auf der Zunge brannten, für die nun keine Zeit war. Sie umarmte die immer noch Verblüffte zum Abschied noch einmal und trat auf den Flur.

Als Ginny die Tür geschlossen hatte, hörte sie die Freundin Worte murmeln, die seltsam fremd und doch irgendwie beruhigend klangen.

Hermine verließ die Pension und disapparierte.

Noch auf dem Weg zum Schloss bekam sie die Gewissheit, dass Harry das Experiment ebenfalls lebend überstanden hatte, denn er empfing sie noch vor den Schulländereien.

Ehe sie ihn nach Projekt D-5 befragen konnte, sagte er: "Hermine, ich muss dringend mit dir sprechen. Es geht um Wilbur Haines."

'Charles Grant', korrigierte Hermine in Gedanken sofort, und sie spürte, wie Zorn und Furcht gleichermaßen nach ihrem Herzen griffen.

tbc