67. Kapitel
Schlecht gemischte Karten und hohe Einsätze
"Kommst du mit zum Schloss? Wir können dort reden", sagte Hermine und sah Harrys Zögern.
"Du meinst, im Kerker?"
"Ja. Ich wohne jetzt dort. Er ist mein Zuhause, wir können aber auch in die Bibliothek gehen, wenn dir das lieber ist", sagte Hermine und wich Harrys verletztem Blick aus.
Es war eine unangenehme Situation, die beide in die Lage brachte, sich mit ihrer Trennung und den neuen Umständen auseinander zu setzen.
"Gut, gehen wir in den Kerker. Das scheint mir sicherer zu sein - vorausgesetzt, Severus gewährt mir seine Gastfreundschaft."
"Ich wüsste nicht, warum er dies nicht tun sollte", sagte Hermine und fügte dann mit einem Lächeln, aber ernster Stimme an: "Harry, wir stehen in deiner Schuld. Ich habe dir nie gesagt, wie dankbar ich dir bin. Du hast so Vieles aufgegeben, um zu helfen - es ist nicht fair, dass du dazu gezwungen warst, dein ganzes Leben umzustellen."
"Nein, es ist nicht fair, und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du dich ebenfalls erneut darauf eingelassen hast - nach allem, was du durchmachen musstest."
"Vermutlich aus dem gleich Grund wie du - um dem allen irgendwann endlich ein Ende zu bereiten."
"Ja, aber du weißt um deine Bestimmung...du hättest dich anders entscheiden können."
"Nein, Harry, ich habe so die Chance, die Zukunft zu beeinflussen. Ich habe die Chance, etwas zu bewirken, ohne dabei selbst Opfer zu werden - das hoffe ich zumindest."
"Wenn ihr nicht entdeckt hättet, dass es überhaupt eine andere Zeitlinie gab, dann sähe vieles heute noch anders für dich aus", Harry strich sich die Haare grüblerisch aus der Stirn, während sie gemeinsam auf den Eingang des Schlosses zugingen und sagte schließlich: "Vielleicht war es jedoch auch einfach so vorherbestimmt. Du und Severus - das Kind...unser aller Rollen...ich weiß es nicht."
"Nun, wir alle hatten uns redlich bemüht, aus unseren Rollen auszubrechen - es ist uns nicht gelungen, und ich bin mir sicher, dass dies einen guten Grund hat. Ob man es Schicksal nennen will, oder der ganzen Sache einen anderen Namen überstülpt, die Tatsache bleibt immer dieselbe - wir entkommen der Vorsehung nicht...aber vielleicht können wir sie beeinflussen."
"Nein, wir entkommen ihr nicht. Und nicht nur uns scheint das so zu gehen..."
"Grant?", fragte Hermine und versuchte sich ihren Hass nicht allzu deutlich anmerken zu lassen.
"In dieser Zeitebene heißt er Haines...aber ja...ihn meine ich."
Sie durchquerten jetzt die Eingangshalle und als sie an der Treppe ankamen, die in den Kerker führte, blieb Harry unwillkürlich stehen.
"Gott, hab ich das immer gehasst, hier runtergehen zu müssen. Hast du es damals nicht auch gehasst, Hermine?"
"Oh ja, das hab ich!", erwiderte Hermine sofort und dann blickten sich Harry und sie stumm an, bevor sie beide in Lachen ausbrachen.
"Ich hasse es immer noch, aber ich glaube, bei dir hat sich das inzwischen gelegt", sagte Harry glucksend.
"Zwangsläufig", kicherte sie und nahm Harrys Hand, als seien sie wieder Schüler, die sich durch diese Geste gegenseitig Mut machten.
Sie waren die Hälfte der Treppe hinabgestiegen, als Harry plötzlich sagte: "Ich habe unsere Ehe aufheben lassen. Du musst die Papiere nur noch unterzeichnen, dann bist du frei."
In diesem Moment wurde Hermine mit aller Macht klar, dass sie eben nicht die Schüler von einst waren, sie ließ Harrys Hand los und stieß mühsam ein: "Danke", hervor, um ihn nicht merken zu lassen, dass dieser Schritt weh tat, auch wenn sie ihn natürlich herbeigesehnt hatte.
Noch ein Teil, der 'anderen Welt', den sie nun hinter sich ließ. Severus hatte ihr die Möglichkeit gegeben, sich in dieser anderen Welt ein Leben aufzubauen - und nun trennte sie nur noch ihre Unterschrift davon, das Kartenhaus zum Einstürzen zu bringen, das von Anfang an ohnehin höchst instabil gewesen war. Sie wollte Harry jedoch nicht unter diesen nutzlosen Karten begraben sehen...sie wollte, dass er wieder zu leben begann, sie wollte, dass er diese Karten wieder für sich ins Spiel brachte. Der Orden hatte 'ihren' Harry jedoch nach wie vor fest im Griff, auch dann, wenn er offiziell nicht mehr IHR Harry sein würde.
Als Hermine die Tür mit einem Zauber öffnete und eintrat, blieb Harry im Flur stehen und wartete.
"Severus?", rief sie gleich nach Betreten des Raumes. Seine Antwort kam aus dem Badezimmer und bewies eine Mischung aus Spott und Angriff, die schlecht verborgene Sorge zum Ausdruck brachte. "Und, mit wie vielen Gründen konnte dir Ginny Weasley belegen, dass es ein Fehler war, den einfühlsamen und liebenswerten Harry Potter zu verlassen und statt dessen mit mir dein Leben zu vergeuden?"
Hermine wollte gerade antworten, als Severus ins Zimmer kam, ein Handtuch um die Hüften geschlungen, das Haar noch nass und wirr.
"Wir haben Besuch", sagte sie schließlich, als sie bemerkte, dass Severus den Gast vor der Tür bereits fixierte.
"Ja, das sehe ich", gab Severus trocken zurück und setzte dann eine undurchdringliche Miene auf.
"Harry möchte mir etwas wegen Charles Grant erzählen", sagte Hermine erklärend.
"Wilbur Haines", korrigierte Harry automatisch.
Severus machte eine herrische Geste, die dem Gast bedeuten sollte, den Raum endlich zu betreten.
"Das eben war nicht für Ihre Ohren bestimmt, Potter", knurrte Severus und fügte dann an sich hinabdeutend an: "Und das nicht für Ihre Augen."
"Das dachte ich mir beinahe", sagte Harry bedeutsam und zuckte dann kurz mit den Schultern: "Trotzdem kein Grund, mich wieder mit Potter anzusprechen, ich kann mich erinnern, dass wir zumindest beim Vornamen angelangt waren...aber das war scheinbar in einer anderen Zeit", fügte Harry dann trocken an.
Severus fixierte ihn abermals, dann nickte er kurz mit dem Kopf, wobei nicht ganz klar war, worauf sich seine Zustimmung bezog. Dann verschwand er wortlos im Schlafzimmer, um sich anzukleiden.
"Ich hoffe, ich habe eure Abendplanung nicht durcheinander gebracht", raunte Harry angespannt.
"Nicht dass ich wüsste", sagte Hermine so vage, dass Harry sie mit hochgezogener Augenbraue ansah.
"Ich glaube, ich möchte das doch nicht so genau wissen", gab er schließlich zurück, "eure Spiele sind nicht nach meinem Geschmack, wie du weißt."
"Das müssen sie auch nicht sein, Harry, und ich glaube es ist besser, wenn wir nicht darüber reden."
Harry nickte zustimmend.
Hermine bot ihm einen Platz an und schenkte ihm Wein ein. Inzwischen war Severus zurückgekehrt und nun in die üblichen dunklen Farben gehüllt.
Harry sah ihn einen Moment nachdenklich an, und sofort sagte Severus: "Ich gehe davon aus, dass es mich durchaus etwas angeht, was Sie zu erzählen haben."
"Ja, das hat es wohl in der Tat", sagte Harry und seine Miene verfinsterte sich.
"Nun sprich schon, Harry! Was gibt es über Gra...Haines zu berichten?", fragte Hermine und führte ihr eigenes Weinglas scheinbar ruhig an die Lippen.
Harry blickte zwischen Severus und Hermine hin und her, ehe er zu sprechen begann.
"Wilbur hat sich regelrecht an meine Fersen geheftet. Ich konnte nicht lange vor ihm verbergen, dass wir beide nicht länger ein Paar sind, Hermine. Die Spatzen pfeifen es überall von den Dächern, dass du hier im Schloss wohnst...bei Severus." Harry schwieg einen Moment und sah seinen ehemaligen Lehrer auf eine Weise an, die Hermine die Kehle zuschnürte.
"Es war abzusehen, dass er es früher oder später erfährt - aber es geht Haines nichts an, Harry", sagte Hermine mit Nachdruck. Etwas sanfter fuhr sie fort: "Wir befinden uns nun in einer anderen Zeitlinie und ich hatte hier praktisch so gut wie keinen Kontakt mit ihm...was kümmert es ihn also?"
Harry stieß ein trockenes Lachen aus. "Was es ihn kümmert? Gut, ich werde dir sagen, was es ihn kümmert!", fuhr er Hermine plötzlich an. "Er hat mir gestanden, dass er dich schon vom ersten Tag an liebt, als er erfuhr, dass du schwer verletzt im Muggelkrankenhaus liegst. Er sagte mir, dass er sich auf eine starke Art von dir und deinem Schicksal angezogen fühlte - geardezu so, als habe das Schicksal vorgesehen, dass ihr zwei zusammen gehört...vielleicht eine unterbewusste Rückkopplung der anderen Zeitlinie...aber es kommt noch schlimmer...Wilbur war bei dir im Krankenhaus, Hermine - täglich! Er hat die Zeiten abgepasst, zu denen ich nicht bei dir sein konnte. Wenn er wusste, dass ich im Ministerium war, ist er los und hat sich im Krankenhaus als dein angeblicher Bruder Zutritt zu dir verschafft. Die Muggelärzte und Schwestern hegten keinen Zweifel, dass er zu dir gehörte, so verzweifelt und liebevoll wie er auftrat - das waren seine Worte, wobei ich vermute, dass er mit einer Portion Magie ebenfalls dazu beitrug, sie zu täuschen."
Hermine spürte, wie der Gedanke, dass Haines neben ihr gesessen hatte, während sie selbst wehrlos dagelegen hatte, Ekel in ihr hervorrief. Und Harrys nächste Worte verstärkten das Gefühl fast bis zur Unerträglichkeit.
"Er hat...er hat den Schwestern gesagt, dass er...", Harry suchte scheinbar nach Worten, und entschied sich dann für den direkten Weg: "Er hat dich gewaschen und den Schwestern geholfen, dich umzuziehen. Er sagte, dass sei das erste mal gewesen, dass er es als positiv empfunden hätte, dass er aufgrund der strengen Aufsicht, unter die die Muggel dich gestellt hatten, für diese Tätigkeiten keinen Zauber hatte anwenden können. Er musste dich berühren, mit seinen eigenen Händen - und...er hat es genossen."
Hermine hatte sich unwillkürlich zusammengekauert und kratzte an ihren Armen. Severus bemerkte, dass sie zwanghaft immer wieder die gleiche Stelle mit ihren Nägel traktierte und ein kurzer Blick zu Harry bedeutete diesem zu schweigen.
Severus setzte sich dicht neben Hermine und legte einen Arm um ihren zitternden Körper. Behutsam hielt er die Hand fest, mit der sie sich selbst verletzte.
"Es tut mir Leid", sagte Harry leise und wandte den Blick ab.
Severus ignorierte Harrys Bedauern und küsste Hermine aufs Haar. Sie wandte den Kopf zu ihm und ein verwirrtes Lächeln streifte ihr Gesicht. "Ich muss auch den Rest hören, oder?", fragte sie Severus, als läge die Entscheidung bei ihm.
Harry stockte der Atem als Severus stumm nickte.
"Fahren Sie fort, Harry", sagte der Zaubertrankmeister und seine Hand legte sich beruhigend auf Hermines malträtierten Arm.
Für einen Moment überlegte Harry, ob er den Raum fluchtartig verlassen sollte - es tat weh ihr weh zu tun...doch noch mehr weh tat es, dass Severus nun derjenige war, der sie trösten durfte, während er selbst ihr offenbaren musste, was an Grässlichem geschehen war - und was noch geschehen würde.
"Haines hat deine Narben natürlich gesehen - und er hat seinen Onkel gebeten, dafür zu sorgen, dass sie verschwinden. Er konnte nicht verstehen, dass dies nicht gelang - und er versteht es bis heute nicht. Haines hat sich in den Kopf gesetzt, dass er einen Weg finden wird, dafür zu sorgen, dass du eines Tages von ihnen befreit sein wirst. Er wird nicht müde, mir zu versichern, dass er dich liebt, und dass er fast verrückt geworden ist, als er herausbekam, dass wir beide heiraten würden. Der einzige Grund, warum er sich zurückgezogen hat, war der, dass er glaubte, gegen mich keine Chance zu haben. Er wusste um unsere lange Freundschaft und als du endlich erwacht warst, ging alles sehr schnell - wir haben geheiratet und du warst für ihn tabu. Er sagt, er hat versucht, dich aus seinem Kopf zu bekommen - bis vor ein paar Wochen."
Harry machte eine Pause und versuchte zu ergründen, ob Hermine stark genug war, um auch den Rest zu hören.
"Er wusste noch nichts von unserer Trennung, da bekam er von einem anonymen 'Freund' eine Glaskugel mit einer Prophezeiung zugeschickt. Diese Prophezeiung zeigte ihm Bilder, die ihn in dem Glauben bestärkten, dass du zu ihm gehörst. Und als er nun herausbekam, dass wir beide uns getrennt haben, und du bei Severus bist..."
Hermine unterbrach Harry mit aggressiver Stimme: "Es ist mir egal, was dieser Spinner glaubt! Ich gehöre zu Severus und es kümmert mich nicht, was Grant oder von mir aus auch Haines sich in seinem kranken Kopf zurechtlegt!"
"Nun, ganz so einfach wird es leider nicht, Hermine. Es wird nichts nützen, wenn du einfach den Kopf in den Sand steckst", sagte Harry mahnend.
"Was meinst du damit?", fragte sie mit düsterer Stimme.
Severus, der bislang geschwiegen hatte, beugte sich zu Harry vor und sagte: "Was hat er vor?"
Harry kratzte sich nachdenklich an der Stirn und atmete tief durch.
"Durch die Prophezeiung, die er zugeschickt bekommen hat..."
"Von Dumbledore", warf Hermine noch düsterer ein.
"Vermutlich von Dumbledore", stimmte Harry zu und fuhr fort, "glaubt er eine ultimativ wichtige Rolle bei der Befreiung der Zaubererwelt von den Mächten des Dunklen zu spielen. Er spricht nun offen von einer gemeinsamen Vorsehung, die dich, Hermine, mit ihm verbindet."
"Aber das ist Blödsinn", begehrte Hermine auf.
"Ja, das wissen wir drei...aber der Rest geht davon aus, dass Haines der Erzeuger des Erlösers ist."
"Der Rest? Von welchem Rest sprichst du?"
Harry hob die Handflächen als Zeichen seiner Unschuld bei dem, was er ihr nun mitzuteilen hatte.
"Wilbur ist, wie du sicherlich noch weißt, ein guter Freund des Zaubereiministers. Er hat ihn über seine wichtige Rolle für die Zukunft der Zaubererwelt informiert und ihn mittels der Prophezeiung davon überzeugt, dass du und er füreinander bestimmt seid."
"Das kann er tausendfach tun - und er kann es von mir aus Merlin höchstpersönlich erzählen - das ändert gar nichts!", sagte Hermine nachdrücklich.
"Ich fürchte, es hat sich schon etwas geändert, Hermine", sagte Harry und wurde verdächtig leise und sanft.
Severus zog die Augenbrauen zusammen und griff nach Hermines Hand.
Harry bemerkte die Geste und lächelte traurig. "Der Minister hat ein Gesetzt erlassen, dass dich zu dieser Verbindung zwingen wird, Hermine. Er möchte damit sicherstellen, dass der Frieden einer ganzen Welt Vorrang vor persönlichen Entscheidungen hat, die er als halsstarrig und egoistisch verurteilt."
"Das ist nicht dein Ernst!", sagte Hermine atemlos.
"Ich fürchte doch", entgegnete Harry leise aber bestimmt.
"Und Sie sind der Bote, der die Nachricht überbringen soll?", fragte Severus mit schlecht verborgener Abscheu.
"Ja - ich habe mich freiwillig dafür gemeldet, weil ich vermeiden wollte, dass Hermine von der Sache per unpersönlicher Eule erfährt."
"Harry, was ist, wenn ich die Dokumente nicht unterzeichne, die unsere Scheidung besiegeln?", fragte Hermine hoffnungsvoll.
"Damit könnten wir höchstens Zeit schinden, aber sie werden auch dafür einen Weg finden", sagte Harry düster.
"Zeit - Zeit klingt gut", sagte Hermine nachdenklich.
"Was denkst du ändern zu können?", fragte Harry.
"Etwas Entscheidendes", antwortete Hermine bestimmt, "der Wahrheit ans Licht zu verhelfen."
"Harry wechselte einen Blick mit Severus und senkte dann den Kopf in Hinsicht auf das, was er nun zu sagen hatte: "Hermine, es gibt keine Wahrheit - nicht, was die Dinge aus der anderen Zeitlinie angeht. Sie sind keine Wahrheit, sondern lediglich Geschehnisse einer Dimension, die hier nicht gültig ist. Nichts von dem muss geschehen - es ist möglich...dass dein Kind...in dieser Zeitlinie...von Haines gezeugt wird."
"Nein", erwiderte Hermine, "das ist nicht möglich", sie sah kurz zu Severus und fuhr erst fort, als er zustimmend nickte. "Ich bin schwanger...ich bin schwanger mit Severus' Kind."
Ein Moment verstrich, in dem die Tragweite von Hermines Worten bei Harry Fuß fassen konnte, dann fuhr sie so sachlich wie möglich fort: "Dumbledore will seinen Retter...nun soll er uns gefälligst helfen, dafür zu kämpfen, dass dieser Retter zu dem werden kann, in den er soviel Hoffnung setzt."
Harry sah zu Severus, der keine Miene verzog.
"Seit wann wisst ihr von dieser Schwangerschaft", fragte er mit krächzender Stimme.
Severus antwortete ruhig: "Ich weiß es seit genau einer Woche."
Harry schien die Nachricht nur schwer zu verdauen. Das Schweigen hing schwer im Raum und wurde schließlich vom Tränkemeister unterbrochen.
"Harry", sagte er und atmete tief durch, "ich fürchte, man betrachtet mich nach wie vor als störendes Element in dieser Geschichte. Ich bin mir nicht sicher was geschehen wird, wenn Ihre Scheidung rechtskräftig wird. Ich möchte Sie bitten, unser Kind zu schützen, indem Sie angeben, selbst der Vater zu sein."
Harry starrte sein Gegenüber fassungslos an und schüttelte bedächtig mit dem Kopf.
"Nein, das kann ich nicht - wie lange sollen diese Lügen denn noch weitergehen?"
"So lange, bis sie nicht mehr von Nöten sein werden", sagte Severus entschieden, "wenn das Ministerium nicht zurückschreckt, Hermine zwangszuverheiraten, dann kann wohl niemand für das Überleben eines Kindes garantieren, dessen Erzeuger ich bin. Ebenso wie eine schnelle Eheschließung zwischen Hermine und mir nur zu leicht annulliert werden könnte. Doch bei Ihnen sähe die Sache ganz anders aus. Sie sind ein Mitglied des Ministeriums - Sie sind dem Gesetz nach Hermines Ehemann...und solange Sie das sind, kann keine Heirat mit Haines erwirkt werden."
"Dann soll ich vorgeben, dass ich erst jetzt von der Vaterschaft erfahren habe, nachdem Hermine doch eindeutig eine Partnerschaft mit Ihnen führt, Severus?"
"Ich werde jeden Test zu Ihrer Zufriedenheit erstellen, der Sie als Vater dieses Kindes ausweist", sagte Severus leise, und fügte dann noch leiser an: "Harry, nur eines ist mir wichtig - ich möchte, dass dieses Kind lebt! Wenn klar wird, dass es von mir stammt, fürchte ich, dass es einem 'Unfall' zum Opfer fallen könnte."
"Es wäre nicht der erste", setzte Hermine bitter hinterher.
"Ich weiß nicht...ich muss darüber nachdenken", sagte Harry.
"Dafür bleibt dir allerdings nicht allzuviel Zeit", erinnerte Hermine vorsichtig.
"Für den Fall dass ich zustimme - für den Fall, dass ich das Kind als meines ausgebe und unsere Ehe weiter existiert - würdest du trotzdem hier bleiben, Hermine...bei ihm?"
Harry ignorierte nun Severus völlig und konzentrierte sich allein auf Hermines Antwort.
"Ja, Harry, das würde ich. Es sind allein die amtlichen Dokumente die zählen - sie würden ausreichen, dem Ministerium so lange Steine in den Weg zu legen, bis wir eine bessere Lösung gefunden haben. Ich würde nicht zu dir zurückkehren", stellte sie dann noch einmal klar.
Harry lachte freudlos und schickte ein Schnauben hinterher: "Bist du die gleiche Frau, die zuvor noch zu mir sagte, dass es unfair ist, dass ich ein Leben führen muss, welches ich nicht führen möchte? Ich soll euer Kind schützen um den Preis, einer lebenslangen Lüge."
"Sie muss nicht lebenslang sein. Nur so lange, bis wir alle nicht mehr der Spielball in dieser Geschichte sind. Wir sind zu dritt Harry - egal, wie viele Mitglieder der Orden hat, egal wie viel das Ministerium zu wissen glaubt - nur wir drei kennen die ganze Wahrheit und können dafür kämpfen...es gibt eine Wahrheit, und sie ist dabei, auch in dieser Realität Gestalt anzunehmen."
tbc
Ich freue mich auf eure Rückmeldungen:)
