72. Kapitel

Konfrontationen

Ohne jeglichen Zwischenfall führte Severus Hermine zurück in seine Wohnung. Als er die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, nahm er seiner 'Gefangenen' die Augenbinde und die Fesseln ab.

Hermine rieb ihre Handgelenke und war dankbar für das schwache Kerzenlicht, da ihre Augen inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt waren.

"Du hast mich verschont", sagte er mit rauer Stimme, nahm ihre rechte Hand und küsste das gerötete Gelenk.

"Wie könnte ich wollen, dass du der Schule verwiesen wirst? Du bist der beste Lehrer, den ich je hatte", sagte Hermine.

"In Zaubertränke?"

"Ja...da auch", erwiderte Hermine amüsiert.

Severus schüttelte knapp den Kopf und ein kurzes Lachen begleitete diese Geste.

"Dafür, dass du mich nicht hast auffliegen lassen, sollte ich mich wohl erkenntlich zeigen."

Hermine sah ihn neugierig an. "Unbedingt!", sagte sie nachdrücklich.

"Gut, dann mögen MyLady mir bitte folgen", sagte er so galant und doch ernst, dass Hermine ihm tatsächlich kommentarlos folgte.

Severus führte sie ins Bad und drehte den Hahn über der Badewanne auf. Heiß dampfendes Wasser gluckerte in die Wanne, während Severus einen Badezusatz hinzufügte, der den ganzen Raum in ein Meer aus Kräuterduft verwandelte.

Hermine, die durch ihren waghalsigen Exkurs völlig durchgefroren war, stieg in die Wanne, sobald Severus ihr ein Zeichen gab.

Als sie mit dem Hintern in das heiße Wasser tauchte, biss sie kurz die Zähne zusammen, doch sofort bemerkte sie die wohltuende Wirkung dieser Spezial-Snape'schen-Badezusatzmischung und lehnte sich aufseufzend zurück. Sie spürte, wie Severus mit seinen Fingern durch ihr Haar strich und es dann über dem Wannenrand auffächerte. Als er sich entfernte, öffnete Hermine kurz die Augen und sah, wie er ihr Handtuch und Bademantel bereitlegte. Severus hatte ihr seinen eigenen Bademantel hingelegt, da er ihre Vorliebe kannte, den groben Stoff und seinen Duft auf ihrer nackten, vom Bad erhitzten Haut zu spüren.

Als alles für sie griffbereit lag, verließ er das Badezimmer und schloss leise die Tür, um Hermine Zeit zum Entspannen zu geben.

Erst jetzt spürte Severus, wie müde er war. Die Anspannung, ob sie auffliegen würden, war doch nicht spurlos an ihm vorüber gegangen - auch wenn genau das diesen unbändigen Kick ausgelöst, und die Situation in der Wirklichkeit sogar seine Tagträume noch übertroffen hatte.

Erschöpft legte er sich auf die Couch, und in dem Wissen, dass Hermine vermutlich die nächste Stunde ohnehin im Bad zubringen würde, schloss er die Augen.

Im Traum ging er erneut mit der nackten und gefesselten Hermine durch Hogwarts. Lucius' Stab war in dieser verworrenen Welt jedoch durch den Mann selbst ersetzt worden, der nicht von ihrer Seite wich, und das Geschehen stumm mit gierigem Blick verfolgte. Severus nötigte Hermine in verschiedene Stellungen, rührte sie jedoch nicht an, sondern trieb sie sofort weiter, als gelte es, so schnell wie möglich ein Ziel zu erreichen. Nun bot Lucius Malfoy ihm seinen Gehstock an und Severus nahm ihn entgegen, um sich selbst, wie ein Blinder damit durch die Eingangshalle zu tasten, während Lucius Malfoy - des ereignislosen Spiels scheinbar müde geworden - das Schloss durch das Portrait einer spindeldürren Dame verließ. Severus tastete sich derweil weiter vorwärts, Hermine im Schlepptau, deren Augen verbunden waren. Plötzlich blieb er stehen, und schob ihr seine Hand zwischen die Beine. Sie war feucht und während er noch darüber nachgrübelte, wozu das alles gut sein sollte, trat Dumbledore auf ihn zu. Der Direktor erzählte ihm etwas, dessen Sinn er nicht verstand, doch Severus versprach, sich um das Gewünschte zu kümmern, während er im Traum Blut und Wasser schwitzte, weil Dumbledore plötzlich dorthin sah, wo Hermine zwar stand, er sie jedoch unmöglich sehen konnte.

Und während Severus noch darüber nachdachte, ob sie wohl ein Geräusch gemacht hatte, das der Direktor gehört hatte, oder ob es doch Lucius gewesen war, der seinen Erzfeind Dumbledore in die Geheimnisse dieses Sexspieles eingeweiht hatte, sog Albus geräuschvoll Luft durch die Nase ein und beugte sich schnüffelnd wie ein Tier zu Hermines feuchtem Schoß hinunter. "Dieser Duft! Irgendetwas riecht hier äußerst gut", sinnerte der Direktor, ehe er schwärmerisch anfügte: "Dieser Geruch erinnert mich an meine Jugend." Und gerade als Dumbledore eine Hand nach Hermines unsichtbaren Schenkeln ausstreckte, fühlte Severus eine sanfte Berührung.

Er war nur zu gerne bereit, sich davon stören zu lassen und erwachte sofort.

"Tut mir leid, ich wollte dich nicht wecken. Aber du sahst selbst im Traum so besorgt aus, dass ich dich einfach küssen musste", sagte Hermine, die seinen Bademantel fest um sich geschlungen hatte und nun entschuldigend auf Severus niedersah. "Albtraum?", fragte sie knapp.

Er nickte benommen und streckte seine Hand nach ihr aus. Hermine setzte sich neben ihn, doch er zog sie zu sich hinunter und umarmte sie, so dass sie sicher neben ihm lag, ohne von der Couch zu fallen.

"Nur ein ganz dämlicher, völlig überflüssiger, aber wohl doch letztendlich ganz normaler Albtraum", murmelte er und vergrub seine Nase in ihrem noch feuchten Haar.

"Vielleicht sollten wir ins Bett gehen", sagte sie leise.

"Ich bin viel zu müde, um ins Bett zu gehen", erwiderte er matt.

"Dann schlaf weiter", sie drehte sich zu ihm und küsste seine Stirn, "ich bin bei dir."

"Weckst du mich in zwei Stunden?", fragte er verschlafen.

"In zwei Stunden? Warum?"

"Weil ich heute die Nachtaufsicht habe."

Hermine seufzte leise und sagte: "Ich werde Sie wecken, Professor Snape."

Ein leichtes Lächeln erschien auf seinem Gesicht, bevor er erneut ins Land der Träume hinüberglitt.

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Die Wohnung empfing ihn mit der gleichen Kälte, wie stets, seit Hermine ausgezogen war. Harry hatte auswärts gegessen, weil er es nur schlecht ertragen konnte, allein an dem Küchentisch zu sitzen, an dem sie zuvor meist zu zweit gegessen hatten.

Er tastete nach dem Lichtschalter und die Küche erstrahlte in ausdruckslosem weißen Lampenlicht. Im gleichen Moment sprang der Kühlschrank an, und das monotone Brummen schien regelrecht in Harrys Kopf zu dröhnen. Vielleicht wurde es für ihn Zeit, diese Welt der Muggel zu verlassen, und ebenso wie Hermine in die Zaubererwelt zurückzukehren.

Er zog seinen Zauberstab hervor und brachte das elektrische Gerät zum schweigen...sollten doch die Lebensmittel vergammeln...wen interessierte das schon?

Er ging zur Spüle und drehte den Hahn auf. Harry ließ das Wasser in seine Hände fließen und tauchte dann sein Gesicht hinein. Er hoffte, dass das Gefühl der Leere ihn endlich bald verlassen würde. So gut es ging, wich er seiner Einsamkeit durch Überstunden aus...doch immer wenn er nach Hause zurückkehrte, musste er erkennen, dass er dem Nichts nicht entkommen konnte, das ihn seit der Trennung von Hermine stets in der eigenen Wohnung erwartete.

Er hatte tief in seinem Herzen geahnt, dass er sie wieder verlieren würde, doch er war selbst überrascht, wie schwer es ihm fiel, die Frau gehen zu lassen, die nicht nur seine Freundin von Kindesbeinen an war, sondern für die er auch sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hatte.

Und er tat es wieder - erkannte eine Vaterschaft an, die nicht die seine war. Harry seufzte. Hermine war erneut von Severus schwanger...es war vorherbestimmt...so wie seine Rolle in diesem Spiel ebenfalls vorherbestimmt war.

Als Kind hatte er dem Angriff Voldemorts getrotzt, und nun würde er als Vater des Retters gelten. Kein Wunder, dass die Prophezeiung geweissagt hatte, dass ER das Kind alles lehren würde, was zum Sieg über Voldemort nötig wäre. In Wahrheit jedoch würde er rein gar nichts tun. Er würde dem Schicksal lediglich die Chance geben, sich zu erfüllen...und er konnte sich dem einfach nicht verwehren.

Eine einfache Unterschrift auf einem Papier würde mit der Anerkennung der Vaterschaft seine Rolle in diesem Spiel beenden. Vielleicht konnte er dann endlich anfangen, sein eigenes Leben zu leben...sein eigenes Leben...welches war das noch gleich?

Als es an der Tür klingelte, wurde Harry aus seinen Gedanken gerissen. Einen Moment lang überlegte er, vorzugeben, er sei nicht zuhause. Doch alles was ihn aus den trüben Gedanken reißen konnte, schien ihm mit einem mal willkommen, und so ging er zur Tür und öffnete sie.

Wilbur Haines Gesicht war wie zu einer Maske erstarrt und Harry erkannte ihn kaum wieder.

"Lässt du mich rein? Ich habe uns Feuerwhiskey mitgebracht", sagte Wilbur und hielt tatsächlich eine Flasche hoch.

Harry zögerte einen Moment, doch dann stieß er die Tür weit auf und machte eine einladende Geste. Es war ihm klar gewesen, dass Wilbur früher oder später das Gespräch mit ihm suchen würde, und so wie sein Kollege aussah, würden sie den Feuerwhisky wohl beide brauchen können.

Schweigend betrat Wilbur die Wohnung und öffnete den Whiskey noch bevor er sich auf den ihm angebotenen Platz auf der Couch setzte.

"Gläser?", fragte er knapp.

Harry beschlich langsam ein ungutes Gefühl, da Wilbur es mit dem Trinken recht eilig zu haben schien, dennoch holte er zwei Gläser aus der Küche und er mutmaßte, dass es seinem Kollegen wohl egal war, dass es sich dabei um zwei fleckige Wassergläser handelte.

Er reichte eines davon Wilbur, während er seines auf dem Tisch abstellte. Mit undurchdringlicher Miene füllte Wilbur beide fast bis zum Rand. Er hob sein Glas und wartete, bis Harry nach dem seinen griff, um ihm dann zuzuprosten und den scharfen Alkohol mit einem kräftigen Schluck die Kehle hinabrinnen zu lassen.

"Warum tust du das, Harry?", fragte Wilbur dann und sah sein Gegenüber eindringlich an.

Harry, der gerade an seinem Glas genippt hatte, sah seinen Kollegen irritiert an.

"Trink wie ein Mann! Benimm dich doch nur ein beschissenes mal wie ein echter Kerl!", fuhr Wilbur ihn an.

Harry stellte das Glas ruhig wieder ab und fragte dann kalt: "Wo liegt dein Problem, Wilbur?"

"DU...DU bist mein Problem!", spie der blonde Mann nun, Whiskey schwappte aus seinem Glas und tropfte von seiner Hand auf den Teppich.

Bislang hatte Harry seinen Kollegen noch nie so aufgebracht erlebt.

"Inwiefern bin ich dein Problem?", fragte er und versuchte ruhig zu bleiben.

"Inwiefern? Inwiefern?", äffte Wilbur völlig untypisch und fügte boshaft an: "Diesen hochgestochenen Scheiß kannst du dir sparen! Du bist ein Lügner...und ich werde es beweisen!"

Harrys Augen verengten sich und er fragte sich ernsthaft, warum er Wilbur überhaupt in seine Wohnung gelassen hatte.

Als habe der andere Mann seine Gedanken gelesen, lehnte er sich zurück und seine aggressive Stimmung schien auf einmal wie ausradiert, als er den Kopf in den Nacken legte und die Augen schloss.

Harry überlegte, was er nun tun sollte, als Wilbur mit verklärter Stimme zu sprechen begann.

"Sie lag da wie tot - von Narben übersät und doch wunderschön. Ich habe ihr Haar geordnet...ich habe es gebürstet. Ich hatte vorher noch nie jemand anderem das Haar gekämmt, doch als ich sah, wie es durch meine Hand glitt...als ich sah, wie ich es verändern kann, wusste ich, dass ich SIE komplett verändern kann. Ich strich mit den Fingerspitzen über ihre unverletzte Haut - sie war so weiß, so zart...verletzlich. Die Narben sind hässlich, aber ich bin bereit, Hermine auch entstellt zu nehmen. Sie ist mein Schicksal. Wir beide sind Schicksal...das Schicksal der Zaubererwelt. Ich brauche sie, und sie braucht mich. Sie weiß es nur noch nicht, und deshalb muss ich die Chance haben, es ihr zu erklären. Ich muss die Chance haben, sie zu ihrem Glück zu zwingen! Sie gehört zu mir, und wenn sie das nicht begreift, dann muss ein Gesetz ihr zeigen, wo ihr Platz ist. Aber du...DU hast dem einen Riegel vorgeschoben...du, der Vater ihres Kindes. Du bist ein elender Lügner, du Scheißkerl! Das Kind ist nicht von dir! Ich weiß, dass Hermine schon lange ein Kind von dir wollte, aber du hast sie immer hingehalten. Und jetzt, da sie mit Snape zusammen ist, behauptest du plötzlich, du hättest sie geschwängert. Warum schützt du dieses Arschloch? Warum schützt du sein Kind, das doch nur genau wie er ein gewaltätiger Versager werden kann? Warum lässt du es zu, dass mein Engel die Hure dieses Dreckschweins wird?"

"Es reicht!", fuhr Harry seinen Gast an, und fügte dann entschieden hinzu: "Ich habe keine Ahnung, warum du glaubst, ich sei NICHT der Vater des Kindes...aber das interessiert mich ehrlichgesagt auch nicht. Du solltest jetzt besser gehen, Wilbur, denn sonst wirst du es morgen mit Sicherheit bereuen, dich nicht im Griff gehabt zu haben."

Haines Stimme wurde nun etwas ruhiger, doch sein Blick blieb hasserfüllt.

"Dem Minister sind die Hände gebunden, seit du behauptest, das Kind sei von dir. Er zweifelt die Prophezeiung plötzlich an, und hält es für möglich, dass der Retter von dir gezeugt wird...und das nur, weil du den tödlichen Fluch von Voldemort überlebt hast", Wilbur stieß ein Lachen aus, als hätte er gerade einen Witz erzählt.

"Wenn es dir darum geht, das Schicksal zu erfüllen, dann solltest du diese Tatsache hinnehmen und endlich Ruhe geben!", sagte Harry energisch.

Wilbur griff zum Glas und trank zwei große Schlucke hintereinander. Mit glasigen Augen sagte er dann monoton: "Wir wissen beide, dass du NICHT der Vater dieses Kindes bist. Du lässt es zu, dass meine zukünftige Frau den Bastard eines Sadisten austrägt."

"Okay, Wilbur...du gehst jetzt...du warst offensichtlich schon betrunken bevor du zu mir kamst. Du gehst jetzt nach Hause und schläfst deinen Rausch aus."

Als habe der andere Mann ihn gar nicht gehört, fuhr er fort: "Sie lag dort...im Krankenhaus...bewusstlos...wie tot. Aber sie war nicht tot. Ich habe der Schwester geholfen, Hermine zu waschen und als die Schwester den Raum verließ, habe ich Hermine gestreichelt. Ich habe meine Fingerspitze über ihre Brustwarze streichen lassen, und ihr Nippel wurde hart. Ich habe daran gesaugt und mir vorgestellt, wie Hermine stöhnen würde...ich konnte es förmlich hören...ich konnte plötzlich hören, wie sie unter mir wimmert. Und obwohl sie mich Grant nannte, wusste ich doch, dass sie MICH meint. In meinem Kopf hörte ich, wie sie mich anflehte, sie in Ruhe zu lassen...ihr nichts zu tun...aber sie ist die Mutter meines Kindes...wie sollte ich sie also nicht anrühren dürfen? Sie ist mein! Und egal wie du das Ministerium blenden magst, du WEIßT, dass sie mir gehören wird. Ich brauche kein Gesetz mehr...ich brauche das Ministerium nicht mehr. Ich muss nur das Kind loswerden...und am Besten Snape gleich dazu. Ich weiß, dass ich danach nicht mehr im Ministerium werde arbeiten können, aber der Minister wird mir hinter den Kulissen dankbar sein, dass ich für ihn die Drecksarbeit erledigt habe, und sobald Hermine mein Kind in sich trägt, werde ich als Vater des Erlösers gefeiert werden. Solange werde ich offiziell zum Gejagten werden...aber das ist mir gleich! Für Hermine gebe ich alles auf, was ich bin - ALLES!"

Harry hatte diesen letzten Schrei Wilburs' nur noch durch ein Rauschen in seinen Ohren wahrgenommen, und in seinem Kopf bildete sich eine Antwort auf Wilburs Pläne, die so kalt wie endgültig war. Wenn Wilbur bereit war, ALLES aufzugeben, dann würde er ihm dabei helfen.

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Es tat Hermine in der Seele weh, den tief schlafenden Severus tatsächlich nach zwei Stunden wecken zu müssen.

Sie betrachtete sein entspanntes Gesicht, und schob ihm sanft eine Haarsträhne aus der Stirn, die ihm etwas Jungenhaftes verliehen hatte.

"Sev", flüsterte sie leise, und als sie merkte, dass sie damit den gewünschten Erfolg verfehlte, sagte sie etwas lauter: "Severus...es wird Zeit aufzuwachen."

Sein eben noch entspanntes Gesicht bekam einen überaus unwilligen Ausdruck und Hermine seufzte leise.

Als er die Augen aufschlug glätteten sich seine Züge wieder, doch er sah einen Moment lang orientierungslos aus, als würde er darüber nachgrübeln, warum er sich auf der Couch wiederfand.

"Alles okay?", fragte Hermine sanft.

Er nickte benommen und hustete.

"Ja..."

"Hast du diesmal besser geträumt?", fragte sie mit einem Lächeln.

"Ich weiß nicht", er überlegte, "gerade wusste ich es noch...und jetzt...weg."

Hermine küsste ihn auf die Stirn und betrachtete dann, wie die Haarsträhne sich erneut auf die eben geküsste Stelle zurückstahl.

"Kannst du nicht mit jemandem die Nachtwache tauschen?", fragte sie vorsichtig.

Er setzte sich aufrecht, strich die Haare nach hinten und ließ seinen Kopf einen Moment in die Hände gestützt verharren, ehe er sich erhob.

"Nein, ich schaffe das schon. Kannst du mir einen Kaffee besorgen?"

"Natürlich", erwiderte Hermine.

Als Severus später den Kerker verließ, sah man keine Spur mehr davon, dass er noch vor Kurzem müde und verwirrt ausgesehen hatte.

Sein Gesicht trug die Strenge zur Schau, mit der er stets durch Hogwarts ging und seine Augen waren wachsam und latent misstrauisch.

Die Flure von Hogwarts lagen im Halbdunkel des spärlichen Kerzenlichtes hier und dort - er beließ es dabei, indem er lediglich die Spitze seines Zauberstabes zum Leuchten brachte, wenn die Schatten zu düster wurden und der nächste Lichtkegel zu weit entfernt, um zu sehen, wo man hintrat.

Nächtliche Herumstreuner traf er bei fast jeder seiner Nachtwachen an, und so verwunderte es ihn nicht, als er leise Stimmen hörte, die sich zu beraten schienen.

Sehen konnte er die Nachtschwärmer allerdings noch nicht, da er dazu erst in den nächsten Flur würde einbiegen müssen. Vorsichtig näherte er sich der Stelle und hielt dann inne, als er die leisen Worte nun besser verstehen konnte.

"Sie hat uns beim letzten mal nicht verraten, warum sollte sie es jetzt tun? Glaub mir, die sagt nichts. Wir können sogar den gleichen Zauber anwenden...was soll sie schon tun, die kleine Schlampe?"

"Genau, sie kann rein gar nichts tun. Es wird Zeit, dass wir Hayes zeigen, wofür wir sie eigentlich entjungfert haben. Ich schlage vor, wir einigen uns vorher über die Reihenfolge, damit wir uns gleich nicht in die Haare geraten."

Obwohl flüsternde Stimme nur schwer zu identifizieren sind, wusste Severus sofort, um wen es sich handelte. McNeil und Robert versuchten, den etwas zurückhaltenderen Wilson zu beruhigen und aufzustacheln, damit sie abermals über Mira Hayes herfallen konnte. Erneut war Roberts Stimme zu hören.

"Bist du dir sicher, dass sie den Mädchenschlafsaal verlassen wird? Ich glaube, die ist ziemlich vorsichtig in letzter Zeit geworden...geht nirgends mehr alleine hin und verschwindet abends immer direkt in den Schlafsaal, statt in den Gemeinschaftsraum zu kommen."

Erneut McNeil's Stimme: "Die kommt, verlass dich drauf. Die herzzereißende Bitte einer Erstklässlerin kann sie wohl kaum ignorieren, wenn die sie um Hilfe anfleht. Und wer weiß, vielleicht glaubt sie ja sogar, sie könnte uns was, wenn sie eine Leidensgenossin hat." MacNeil lachte spöttisch.

"Vielleicht war das mit der Erklässlerin ein wenig übertrieben, glaubt die echt, wir geben uns mit Mädchen ab, an denen noch nichts dran ist?"

"Ist doch egal, ob sie's glaubt. Hauptsache sie kommt her. Und wenn es dir nicht passt, wie ich den Brief geschrieben habe, dann kannst du es demnächst selber machen!"

Robert begann gackernd zu lachen: "Genau, Sunnyboy, dann kannst du es dir demnächst selber machen - ich mache es jetzt jedenfalls der zuckersüßen Mira...bei Merlin, ich hoffe die kommt auch wirklich."

Die widerwärtige Konversation setzte sich noch ein paar Sätze lang fort, dann fauchte McNeil die anderen an, dass es Zeit sei, die Klappe zu halten.

Kurz darauf weckte ein anderes Geräusch Severus' Aufmerksamkeit; und er wusste sofort, wessen vorsichtige Schritte sich vom Ende des Ganges aus auf ihn zubewegten. Mira Hayes - nicht ahnend, dass er hier im Dunkeln stand...nicht ahnend, dass ihre drei Peiniger, deren Tat er selbst aus ihrem Gedächtnis gelöscht hatte, ihr auflauerten.

Severus hörte, wie die drei Jungen sich gegenseitig zur Ruhe mahnten, da der Zeitpunkt gekommen war, an dem die angebliche Erstklässlerin - von der sie vermutlich behauptet hatten, sie stamme aus einem anderen Hause - um ein Treffen gebeten hatte.

Als die Schritte sich näherten, bemerkte Severus, dass die Bande nun wirklich absolut still geworden war - er wusste, das war die Ruhe vor dem geifernden Sturm, der Mira Hayes erwarten würde, sobald sie um diese verfluchte Ecke bog, an der Severus selbst nun so weit zurückwich, dass die Schatten ihn endgültig völlig verschluckten.

Da Mira von dem Verbrechen der Jungen nichts mehr wusste, erstaunte Severus die Aussage seiner Slytherins, dass sie sich derart zurückgezogen hatte, und ihm wurde klar, dass er zwar die Erinnerung löschen konnte, wohl aber nicht die instinktive Furcht, die ein Opfer nach einem solchen Übergriff verfolgte.

Daher verwunderte es ihn nicht, dass Mira nachts durch das Schloss schlich - vermutlich unter Auferbietung all ihres Mutes - um einem Mädchen zu helfen, das offensichtlich in genau die Bedrängnis geraten war, die Mira im Unterbewusstsein so fürchtete.

Mira war nur ein vager Schatten, der an ihm vorbeischlich, und Severus hatte den Atem angehalten, damit sie ihn nicht hörte, denn die Dunkelheit schien jedes Geräusch willig zu transportieren, das bei Tageslicht in dem ein oder anderen Sinneseindruck unterging.

Sobald Mira den nächsten Gang betreten hatte, brach die Hölle für sie los.

Severus hörte das Johlen von McNeil, Robert und Wilson, die über das Mädchen regelrecht herfielen. Mira schrie auf und begann zu laufen. Sie schaffte es, den Flur wieder zu erreichen, in dem Severus sich selbst zur Ruhe rief, um nicht zu früh einzugreifen - jedoch auch keinesfalls zu spät!

Ein Lähmfluch, von McNeil ausgesprochen, ließ Mira plötzlich wie versteinert dastehen. Nur kurze Zeit später wurde das hilflose Mädchen von einem Lichtstrahl beleuchtet und von den drei Jungen umkreist.

"Wer zuerst?", fragte Wilson erregt.

"Immer der Chef", sagte McNeil bestimmt, öffnete seine Hose und griff dann nach Miras Robe.

Auch Robert und Wilson hatten es eilig, ihre Hosen herunterzuziehen, um so schnell wie möglich einsatzbereit zu sein, sobald ihr Anführer das Mädchen freigeben würde.

Keiner der drei Jungen wusste wie ihm geschah, als aus dem Dunkel eine Gestalt auf sie zuschoss und sie von ihrem Opfer fortschleuderte.

Severus lähmte Miras Peiniger, so wie sie es mit ihr getan hatten.

Einen Moment lang betrachtete er die erstarrten Gesichter der Jungen, die vor Entsetzen ihre Augen weit aufgerissen hatten. Dann senkte er den Blick zu ihren Genitalien, die obszön hervorragten.

"Das wird nicht gut für Sie enden", sagte er mit dunkler Stimme und sah McNeil wieder in das erstarrte Gesicht.

"Der Schulverweis wird nur der Anfang sein. Für diese Straftat werden Sie sich an noch ganz anderer Stelle verantworten müssen - sie alle drei!"

Ohne zu zögern machte sich Severus auf den Weg zu Dumbledore - diesmal würden die Jungen ihre Strafe sofort erhalten, und Severus verspürte Genugtuung, obwohl es sein eigenes Haus gleich dreifach traf.

Nachdem sich der Direktor den zweifelsfrei überführten Tätern angenommen hatte, erlöste Severus selbst Mira von dem lähmenden Fluch.

Kaum war sie befreit, zog sie den Umhang wieder über ihre Schultern, und obwohl sie darunter vollständig bekleidet war, erkannte Severus, dass sie sich schämte.

"Es war nicht Ihre Schuld, Miss Hayes", sagte er ruhig und versuchte ihren gehetzten Blick einzufangen. "Ihnen kann nichts mehr geschehen." Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre Schulter und es erstaunte ihn, dass sie nicht zurückwich.

"Sir...ich bin so froh, dass Sie rechtzeitig zur Stelle waren."

Dieser Satz traf ihn bis ins Mark, und doch wusste er, DIESMAL war er zur richtigen Zeit für sie dagewesen.

tbc