Thanatos nahte, kreiste... und plötzlich kehrten die Farben zurück, die Taubheit schwand. Hermine spürte Severus' bebenden Körper, der sie an sich gepresst hielt, und von einem plötzlichen Impuls getrieben leerte sie den Inhalt der Phiole.

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EPILOG

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Severus Snape trat aus der Tür seines Cottages und hielt einen Augenblick inne.

Die Welt hatte sich verändert in den letzten Wochen. Sein Atmen bildete weißen Nebel in der kalten Luft und sanfte Schauer körnigen Eises bedeckten die Wiesen als Vorboten eines nahenden Winters.

So wie jeden Tag führte Severus' Weg ihn an den Strand. Grau und träge wogten die Wassermassen, die sich in der Ferne mit dem bleischweren Horizont mischten. Es würde bald schneien.

So wie jeden Tag blieb er an einer bestimmten Stelle stehen, an genau der Stelle, an der er vor einem Monat in stummer Verzweiflung Hermine gehalten hatte, während sie die Phiole an die Lippen setzte.

Niemals würde er gleichgültig an diesem Fels vorübergehen können. Wieder und wieder rief er ihm zuverlässig alles so deutlich in Erinnerung, als wäre es erst gestern geschehen.

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Er hielt Hermine fest, in der grausigen Gewissheit, dass sie in seinen Armen starb. Severus erwartete, dass sie schlaff in sich zusammensinken würde, und er hielt die Augen geschlossen, als würde es ihm irgendetwas nutzen, dass er den schrecklichen Moment, nicht sehend erleben musste. Doch nichts passierte. Nach einer Weile blickte er auf und seine Augen weiteten sich in ungläubigem Erstaunen. Hermine hatte die Phiole von ihren Lippen genommen und entleerte sie vollständig auf dem Sand!

Severus' Blick schnellte zu Boden und verharrte auf der kleinen nassen Stelle, auf der die einzige Dosis des todbringenden Trankes im Sandboden versickerte.

Sie hat ihn nicht getrunken!

Das war alles, was für lange Zeit durch seinen Kopf ging. Severus blieb regungslos stehen, in der Furcht, jede kleine Bewegung könnte zerstören, was immer sie davon abhielt, sich das Leben zu nehmen. Erst als Hermine ihn sanft von sich wegschob, wagte Severus es, ihr in die Augen zu sehen.

Er las Fassungslosigkeit darin und Erleichterung. Hermine umfasste sein Gesicht und drückte Kuss um Kuss auf seine fest zusammengepressten Lippen.

Er ist weg, er ist weg", flüsterte sie immer wieder, und es brauchte viele Küsse, um Severus davon zu überzeugen, dass sie den Thanatos meinte. Er hielt Hermine fest, als sie zurück zum Cottage gingen, so fest, dass sie sich beschwerte, sie hätte nicht genug Luft zum Atmen. Doch seine Furcht, sie doch noch zu verlieren war zu groß. Sie kehrten beide in das Haus zurück, die Köpfe leer und gleichzeitig randvoll mit Glück.

Severus konnte nicht nachdenken. Er war erschöpft und unfähig, zu analysieren, worin diese überraschende Wende begründet war- alles, was für ihn zählte, war, dass Hermine noch lebte.

Seine Augen brannten vor Trockenheit, doch er wollte sie nicht schließen- zu unglaublich war, was sie gesehen hatten.

Selbst als sie schließlich gemeinsam im Bett lagen, wollte Severus sich dem Schlaf verweigern. Doch die vergangenen Tage forderten ihren Tribut, und er fiel in einen traumlosen Schlaf, aus dem er irgendwann mit einem Ruck erwachte und seine schlimmste Befürchtung bestätigt fand: Hermine war nicht da. Natürlich! Der Thanatos hatte keine Gewalt mehr über sie und es gab keinen Grund mehr für sie, zu bleiben.

Nichts hatte ihn auf die schreckliche Leere vorbereitet, die er mit einem Mal empfand. Er war hohl… eine bloße hohle Form, die nichts mehr empfand, nichts empfinden wollte, um dem Schmerz zu entgehen, der unweigerlich hinter der Taubheit lauerte.

Sie war fort.

Das fahle Morgenlicht überflutete sein Zimmer und schließlich stand er auf. Als er den Wohnraum betrat flog sein Blick automatisch zu dem Tisch, an dem sie in den letzten Wochen gearbeitet hatte. Der Atem stockte ihm, als er sie tatsächlich dort sitzen sah. Es musste ein Trugbild sein, doch es war so realistisch, dass es ihm eine Gänsehaut verursachte. Sie saß dort in der Kleidung, die sie zuletzt getragen hatte und schien zu schlafen. Ihr Kopf lag auf der aufgeschlagenen Übersetzung.

Severus blieb im Türrahmen stehen und wollte eine Ewigkeit dort verharren, ihren Anblick festhaltend.

Doch plötzlich richtete Hermine sich auf und rieb sich die Augen.

Ich habe es rausgefunden!", strahlte sie ihn an- und erst in diesem Augenblick begriff Severus, dass sie keine Halluzination war. Einen Wimpernschlag später lag sie in seinen Armen, warm und wahrhaftig.

Helmond hat darüber geschrieben!", rief sie. „ Es ist unglaublich, dass wir die Lösung die ganze Zeit so dicht vor Augen hatten! Du musst die Erinnerung an diese Übersetzung gelöscht haben, denn sonst hättest du es bereits gewusst! Du hättest gewusst, was die letzte Zutat ist- weil Helmond sie kannte!"

Severus verstand ihre Worte nicht, er war zu überwältigt von seiner Überraschung und ihrer Anwesenheit. Nur langsam drang zu ihm durch, was sie ihm zu sagen versuchte.

Hermine holte ihre Papiere heran und las ihm mit glänzenden Augen vor, was sie offenbar in der Nacht noch entdeckt hatte. Sie hatte Helmonds Rätsel endlich gelöst und die Zutat entschlüsselt, der er so große Heilkraft zugetraut hatte.

Doch kein Heilkraut, weder Substanz vom Tier noch Geschenke aus dem Mineralien- Reich können heranreichen an die machtvolle Wirkung dessen, was willig gegeben wird. Ein einziger Tropfen Herzblut schützt die geliebte Person vor allem Unheil"

Atemlos hielt Hermine inne und schaute mit erwartungsvollem Blick zu ihm auf. „Verstehst du? Du hattest Helmond übersetzt und durch einen Tropfen deines Herzbluts in dem Thanatos- Trank verhindern wollen, dass die Frau, die du liebst, dass Lily unbeabsichtigt Opfer deines Fluches würde. Diese Zutat sollte die Frau schützen, die du liebst…"

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Severus schmunzelte bei der Erinnerung an diese Szene. Hermine hatte ungeduldig mit den Füßen aufgestampft, bis er endlich begriffen hatte, dass er sie in dem Moment vor dem Tode bewahrt hatte, als ihm bewusst geworden war, wie viel sie ihm tatsächlich bedeutete.

Der Wind, der vom Meer her aufkam fuhr ihm durch die Haare und er wickelte sich dichter in die Jacke, die Hermine ihm nur unter Protest wieder zurückgegen hatte. Leihweise, wie sie betonte. Der Stoff duftete nach ihr…

Severus warf noch einen letzten Blick auf das Meer, bevor er sich auf den Rückweg in sein Cottage machte.

Es würde leer sein, denn Hermine war gestern gegangen, und Severus hatte sie nicht aufgehalten. Es gab zu viel, was sie beide noch klären mussten, doch er war sicher, dass Hermine zu ihm zurückkehren würde, wenn sie soweit waren.

Sie hatten ja Zeit…

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Ende

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A/N: So, das ist es also, das Ende, das ich dieser Geschichte zugedacht habe.

Ich möchte an dieser Stelle allen Lesern danken, die mich seit der Veröffentlichung begleitet haben, besonders aber denjenigen, die mir ein (oder mehrere) Reviews dagelassen haben: Angie Snape D, Marylein, Cornelius 67, Nagini Snape, mija-ela, Padme.G, CaroloveSeverus, Kira Gmork, Three Seconds, Reditus Mortis, Kiriani Slytherin, heatpipe, Lynya77, Mortianna's Morgana, lufa, Jonito, Jessi, sveti, Madame Minuit12, Tiziana-9, Miss Vero, Kathi, lycos, blacksoul-severus, ismene5, Soy Tryphena, AnjaHexe, blaue-banane, Samatha Snape, twofacemirror, SeverusHermioneSnape, Soy Tryphena, irm63, Mydreth, Sarah, zizou, Alandra, Inessnape, Mistmaus und Sjofna.

Ohne euch hätte ich vielleicht gewusst, dass die Geschichte gelesen wird- aber ich hätte nie erfahren, wie sie auf euch wirkt- und dieses Feedback war (und ist!) sehr wichtig für mich!

Ich hoffe, man liest sich noch mal…. ;0)

Viele liebe Grüße von

Tamsyn