Jess und MJ sind jetzt also endlich in Hogwarts angekommen. Wie es ihnen dort ergeht und in welches Haus wer kommt müsst ihr schon selbst lesen.
Ich verrate vorab sicher nichts =)
Kommentare erwünscht.

Vor der nun atemlosen Schülermenge stand eine große Hexe. Die Haare unter ihrem spitzen Zaubererhut waren schwarz und mit einigen grauen Strähnen durchsetzt. Um ihre Schultern lag einen smaragdgrünen Umhang. Ihr Gesicht war streng, doch ihre blauen Augen zwinkerten den Zwillingen freundlich zu. "Die Erstklässler, Minerva", sagte Professor Raue-Pritsche und man konnte deutliche Erleichterung in ihrer Stimme hören. Minerva McGonagall nickte ihr zu. "Vielen dank Wilhelmine. Sie können sich jetzt zu den anderen Lehrern begeben." Kaum hatte sie den Satz beendet, war Wilhelmine Raue-Pritsche auch schon im inneren des Schlosses verschwunden. Professor McGonagall zog die Torflügel weiter auf und gab den Blick auf eine riesige Eingangshalle frei. Das flackernde Licht von unzähligen Fackeln beleuchtete die Steinwände, die Decke war so hoch, dass man sie nicht mehr erkennen konnte und vor ihnen führte eine gewaltige Steintreppe in die oberen Stockwerke. Die Hexe mit dem grünen Umhang durchquerte die Halle und forderte die Schüler, mit einer ruckartigen Handbewegung, auf ihr zu folgen. Sie führte sie in eine kleine, leere Kammer neben einem Saal, der, dem Stimmengewirr nach, die große Halle sein musste. Sie drängten sich hinein und standen fast schon unangenehm eng beieinander. Aufregung machte sich unter den Kindern breit. "Willkommen in Hogwarts", sagte Professor McGonagall und gebot ihnen mit einer herrischen Handbewegung, zu schweigen. "Das Bankett zur Eröffnung des Schuljahrs beginnt in Kürze, doch bevor Sie Ihre Plätze in der großen Halle einnehmen, werden wir feststellen, in welche Häuser Sie kommen. Das ist eine sehr wichtige Zeremonie, denn das Haus ist gleichsam Ihre Familie in Hogwarts. Sie haben gemeinsam Unterricht, Sie schlafen im Schlafsaal Ihres Hauses und verbringen Ihre Freizeit im Gemeinschaftsraum.

Die vier Häuser heißen Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Jedes Haus hat seine eigene, ehrenvolle Geschichte und jedes hat bedeutende Hexen und Zauberer hervorgebracht. Während Ihrer Zeit in Hogwarts holen Sie mit Ihren großen Leistungen Punkte für das Haus, doch wenn sie die Regeln verletzen, werden Ihrem Haus Punkte abgezogen. Am Ende des Jahres erhält das Haus mit den meisten Punkten den Hauspokal, eine große Auszeichnung. Ich hoffe, jeder von Ihnen ist ein Gewinn für das Haus, in welches er kommen wird.

Die Einführungsfeier, an welcher auch die anderen Schüler teilnehmen, beginnt in wenigen Minuten. Ich schlage vor, dass sie die Zeit nutzen und Sie sich beim Warten so gut wie möglich zurechtmachen."

Mit einem letzten Blick auf einige Schüler, deren Kleidung und Haare etwas zerknittert wirkten, verließ sie die Kammer.

MJs Wangen waren vor Aufregung gerötet und sie grinste über das ganze Gesicht. "Das Jahr fängt ja schon gut an!" Ihr Zwilling musste kichern und sah sie belustigt an. MJs Augen hatten einen seltsamen Glanz angenommen und Jess konnte förmlich sehen, wie ihr eine Idee gekommen war. "Spuck schon aus, was dir durch den Kopf geht." Ihr Grinsen wurde breiter. "Lass uns einen richtigen Beaubatoux-Auftritt hinlegen, Schwesterherz!" Jess Augen wurden groß. Und sie sagte mit entsetztem Gesichtsausdruck: "Aber ohne das bescheuerte Gehüpfe." Immer noch grinsend legte MJ ihrer Zwillingsschwester die Hand auf die Schulter. "Keine Angst. Ich will mich ja nicht lächerlich machen! Nur Eindruck schinden." Jess sah sehr erleichtert aus und nickte zustimmend. Sie würden an dieser Schule schon am ersten Tag einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Schon ging die Türe der Kammer wieder auf und Professor McGonagall winkte sie hinaus in die Eingangshalle. "Stellen Sie sich in einer Reihe auf und folgen Sie mir." Mit diesen Worten schritt sie auf die Flügeltür der großen Halle zu. Die Zwillinge warfen sich einen eindeutigen Blick zu, reihten sich ganz am Ende der Schlange ein und hielten etwa eineinhalb Meter abstand zu den Anderen.

Schon schwang die Tür auf und dahinter lag eine riesige Halle. Abertausende Kerzen schwebten gut drei Meter über den Köpfen der Schüler und tauchten den gesamten Raum in weiches Licht. Dort, wo normalerweise die Decke gewesen wäre, hing der schwarze Nachthimmel mit unendlich vielen, glitzernden Sternen. Die Schwestern hatten in Die Geschichte Hogwarts' schon darüber gelesen, dass die Decke verzaubert war und sich dem Wetter anpasste, aber sie in der Realität zu sehen, war doch noch einmal etwas anderes. Die anderen Schüler waren an vier lange Tische verteilt, die in den jeweiligen Hausfarben dekoriert waren. Gelb-Schwarz für Hufflepuff, Grün-Silber für Slytherin, Blau-Bronze für Ravenclaw und Rot-Gold für Gryffindor. Prächtige Goldteller und -kelche schimmerten im silbernen Schein der unzähligen Gespenster, die teilweise zwischen den Schülern und auf den Tischen saßen. Auf der anderen Seite der Halle befand sich noch ein Tisch, an dem die Lehrer ihre Plätze eingenommen hatten, mit Blick auf das Portal. An seiner Mitte stand ein goldener Stuhl auf dem, freundlich und wohlwollend lächelnd, der Schulleiter Albus Dumbledore thronte.

MJ sah kurz zu ihrer Schwester hinüber und zog den linken Mundwinkel nach oben. So zierte ein unwiderstehliches Lächeln ihre Lippen. Es verlieh ihr einen geheimnisvollen, schalkhaften, unschuldigen und gleichzeitig boshaften Gesichtsausdruck. Es war einfach perfekt. Jess setzte ein leicht überhebliches Lächeln auf und Beide drückten den Rücken durch, hoben das Kinn etwas an und zwinkerten sich noch ein letztes Mal zu. "It's showtime!" MJs Stimme klang ungemein belustigt.

Dann setzten sie sich, gleichzeitig mit den Anderen, in Bewegung. Aber zwischen den beiden Mädchen und den Erstklässlern gab es einen gewaltigen Unterschied. Die Carter-Zwillinge hatten ihr halbes Leben in Beaubatoux verbracht und wussten sich gekonnt in Szene zu setzten.

Und so kam es, dass sich alle Augen auf sie richteten, kaum dass sie die Schwelle überschritten hatten. Ihr Gang war federnd und es schien, als würden sie über den Boden schweben. Das Licht der Kerzen brachte ihr rot-blondes Haar wunderbar zur Geltung. Die Blicke aller Schüler folgten ihnen auf dem Weg vor den Tisch der Lehrer, doch sie sahen kein einziges Mal zur Seite. Das hätte den Gesamteindruck zu Nichte gemacht. Die Bewegungen der Schwestern waren absolut gleich; man konnte sie nur anhand ihres Gesichtsausdrucks unterscheiden. Auch die Lehrer schienen für einen kurzen Augenblick davon beeindruckt zu sein und Professor Dumbledore hatte ein begeistertes Lächeln im Gesicht. Als sie nach einer gefühlten Ewigkeit bei den Erstklässlern am Ende der Halle angekommen waren, drehten sie sich elegant, und natürlich gleichzeitig, zu den anderen Schülern um und strichen sich spielerisch geziert eine Locke aus dem Gesicht. Sie konnten das völlig entgeisterten Flüstern der Jungs hören und die neidisch zusammengekniffenen Lippen der Mädchen sehen. Genau DAS wollten sie erreichen.

Der Zauber brach, als Professor McGonagall mit einem vierbeinigen Hocker und einem ziemlich mitgenommen aussehenden Hut vor sie trat und beides abstellte. Sie trat zurück und eine gespannte Stille legte sich über die Schüler. Plötzlich begann der Hut sich zu bewegen und es öffnete sich eine lange Falte entlang seiner Krempe. Und dann fing er an zu singen:

In alter Zeit, als ich noch neu,

Hogwarts am Anfang stand,

Die Gründer unsrer noblen Schule

Noch einte ein enges Band.

Sie hatten ein gemeinsam' Ziel

Sie hatten ein Bestreben:

Die beste Zauberschule der Welt,

Und Wissen weitergeben.

"Zusammen wollen wir bauen und lehren!"

Das nahmen die Freunde sich vor.

Und niemals hätten die vier geahnt,

Dass ihre Freundschaft sich verlor.

Gab es so gute Freunde noch

Wie Slytherin und Gryffindor?

Es sei denn jenes zweite Paar

Aus Hufflepuff und Ravenclaw?

Weshalb ging dann dies alles schief,

Hielt diese Freundschaft nicht?

Nun, ich war dort und ich erzähl

Die traurige Geschicht'.

Sagt Slytherin: "Wir lehren nur die

Mit reinstem Blut der Ahnen."

Sagt Ravenclaw: "Wir aber lehren,

Wo Klugheit ist in Bahnen."

Sagt Gryffindor: "Wir lehren all die,

Die Mut ihm Namen haben."

Sagt Hufflepuff: "Ich nehm sie all'

Ohne Ansehen ihrer Gaben."

Am Anfang gab es wenig Streit

Nur Unterschiede viele,

Den jeder der vier Gründer hatte

Ein Haus für seine Ziele.

Sie holten sich, wer da gefiel;

So Slytherin nahm auf,

Wer Zauberer reinen Blutes war

Und listig obendrauf.

Und nur wer hellsten Kopfes war,

Der kam zu Ravenclaw.

Die mutigsten und kühnsten doch

Zum tapferen Gryffindor.

Den Rest nahm auf die Hufflepuff,

Tat allen kund ihr Wissen,

So standen die Häuser und die Gründer denn

In Freundschaft, nicht zerrissen.

In Hogwarts herrschte Friede nun

In manchen glücklichen Jahren,

Doch bald kam hässlich Zwietracht auf,

Aus Schwächen und Fehlern entfahren.

Die Häuser, die vier Säulen gleich

Einst unsre Schule getragen,

Sie sahen sich jetzt als Feinde an,

Wollten herrschen in diesen Tagen.

Nun sah es so aus, als sollte der Schule

Ein frühes Ende sein.

Durch allzu viele Duelle und Kämpfe

Und Stiche der Freunde allein.

Und schließlich brach ein Morgen an,

Da Slytherin ging hinfort.

Und obwohl der Kampf nun verloschen war,

Gab's keinen Frieden dort.

Und nie, seit unsere Gründer vier

Gestutzt auf dreie waren,

Hat Eintracht unter den Häusern geherrscht,

Die sie doch sollten bewahren.

Nun hört gut zu, dem Sprechenden Hut,

Ihr wisst was euch beschieden:

Ich verteil euch auf die Häuser hier,

Wie's mir bestimmt ist hienieden.

Ja, lauscht nur meinen Liede gut,

Dies Jahr werd ich weitergehen:

Zu trennen euch bin ich verdammt,

Doch könnt man's als Fehler sehen.

Zwar muss ich meine Pflicht erfüllen

Und jeden Jahrgang teilen.

Doch wird nicht bald durch diese Tat

Das Ende uns ereilen?

Oh, seht das Verderben und deutet die Zeichen,

Die aus der Geschichte erstehen.

Denn unsere Schule ist in Gefahr,

Sie mag durch äußere Feinde vergehen.

Wir müssen uns stets in Hogwarts vereinen

Oder werden zerfallen von innen.

Ich hab's euch gesagt, ich habe gewarnt…

Lasst die Auswahl nun beginnen.

Der Hut erstarrte wieder und lauter Beifall brandete auf. Doch dazwischen war aufgeregtes Geflüster zu hören. Hatte der Sprechende Hut eben eine Warnung ausgesprochen? Jess und MJ sahen sich leicht verwirrt an. Anscheinend war es ziemlich selten, dass so etwas geschah. Zumindest warfen sich die Schüler beunruhigte Blicke zu. Stille trat ein, als Professor McGonagall erneut vor die Erstklässler trat. Finster lies sie ihren Blick über die unruhigen Kinder schweifen und senkte ihn dann auf das Pergament in ihrer Hand. "Abercrombie, Euan." Ein zitternder Junge trat vor und nahm unsicher auf dem Stuhl platz. Anschließend nahm er den Hut entgegen und setzte ihn auf. Kurze Zeit passierte nichts. Dann öffnete sich der "Mund" des Sprechenden Huts wieder und er verkündete: "Gryffindor!"

Der Tisch der Gryffindors jubelte laut und begann zu klatschen, als Euan den Hut wieder abnahm und sich zu ihnen setzte.

Die Zwillinge sahen sich bedeutungsvoll an, als der nächste Name aufgerufen wurde. "Carter, Jessica." Jess atmete tief durch, ging zum Stuhl und setzte sich den Hut auf. Es war ein wirklich seltsames Gefühl und sie war furchtbar aufgeregt. "Na, wen haben wir den da?" Erschrocken zuckt sie zusammen, als sie die piepsige Stimme in ihrem Ohr hörte. "Ein Animagus, was? Hm… du besitzt großen Mut, und Treue ist dir sehr wichtig. Dein Selbstvertrauen ist groß und … wenn es sein muss setzt du auch List und Tücke ein um deine Ziele zu erreichen. Dann gehst du am besten nach… SLYTHERIN!!" Das letzte Wort hatte er laut ausgerufen. Schon erschallte vom Tisch der Slytherin lautes Gejohle und Geklatsche. Doch anders als bei Euan klatschte niemand aus den anderen Häusern. Mit einem unsicheren Lächeln ging sie zu dem Tisch unter den silber-grünen Seidenbannern und setzte sich. Sie beachtete die anderen Slytherins gar nicht, ignorierte die Hände, die darauf warteten geschüttelt zu werden und starrte einfach nur erwartungsvoll zu ihrer Schwester. "Carter, Mary-Jane." MJ trat mit einem bezaubernden Augenaufschlag vor die versammelten Schüler und setzte sich. Als sie sich den Sprechenden Hut aufsetzte, begann ihre Kopfhaut leicht zu kribbeln. "Was? Haben wir jetzt noch ein Zwillingspärchen an der Schule?" Die leise Stimme in ihrem Ohr klang ehrlich überrascht. "Hm… na dann teilen wir dich mal zu, was?! Lass mal sehen… Oh… auch du bist sehr mutig und Treue stellst du über alles andere! Aber…" Kurze Zeit hörte sie überhaupt nichts mehr. Sie glaubte schon fast, der Hut sei irgendwie eingeschlafen, als er plötzlich wieder anfing zu reden. "Du bist äußerst klug. Logisches Denken fällt dir nicht schwer. Dann kommst du nach… RAVENCLAW!" Wieder hatte er das letzte Wort laut ausgerufen und wieder klatschte der gesamte Saal, übertönt vom lauten Gejubel der Ravenclaws. Kurz bevor MJ den Hut abnahm hörte sie noch seine leise Stimme flüstern: "Endschuldigung…" Tapfer hielt sie ihr Lächeln aufrecht. Nur diejenigen, die in ihrer Nähe standen, konnten sehen, dass es nicht bis zu ihren Augen reichte. Mit einer kleinen Träne im Auge sah sie zu ihrer Schwester hinüber. Diese war genauso enttäuscht und traurig wie sie selbst, nickte ihr dann aber aufmunternd zu. Fast wie in Trance begab sich Mary-Jane zum Tisch der Ravenclaws hinüber und setzte sich neben ein hellblondes Mädchen, das ihr einen mitleidigen Blick zuwarf bevor es schnell wieder wegsah.

Den Rest der Zeremonie bekamen die Carter-Zwillinge nicht mehr mit. Betrübt starrten Beide auf ihre Goldteller. Sie hatten es gewusst und trotzdem hatte es sie wie ein Schlag ins Gesicht getroffen.

Auch die Rede Dumbledores zog an ihnen vorbei, wie in einem Traum. Das Wenige, dass MJ mitbekam, waren die Sache mit dem Verbotenen Wald und die dauernden Unterbrechungen einer, völlig in Pink gekleideten, Lehrerin. Anscheinend war sie neu hier und MJ beschloss, sie nicht zu mögen. Das Essen brachte sie eine kurze Zeit auf andere Gedanken. Sie begrub ihre Sorgen sozusagen unter einem Berg Kartoffelsalat. Und als es ihnen endlich erlaubt war, die große Halle zu verlassen, atmete sie erleichtert auf. Zusammen mit den anderen Ravenclaws steuerte sie auf die Eingangshalle zu.

Eine Hand berührte sie an der Schulter und lies sie zusammenzucken. Mary-Jane drehte sich um und blickte in die blauen Augen ihrer Schwester. Diese sah sich kurz nach ihrem Vertrauensschüler um und wisperte ihr ins Ohr: "Mitternacht, Eingangshalle!" Dann war sie in der Menge verschwunden.