Jaja... Die Carters sind schon böse Mädchen. Auch Jess hat eine Strafarbeit bekommen, aber (gott sei dank) bei unserem lieben Hagrid. Was der sich wohl einfallen lässt?
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MJs schlurfende Schritte waren schon vor einer Weile verklungen, als sich auch Jess von Sir Henry verabschiedete. Ihr war unglaublich langweilig, denn es war noch früh und bis zu ihrer Strafarbeit bei Hagrid waren es noch einige Stunden. Es war in gewisser Weise ein Akt der Verzweiflung, als sie mit Schreibutensilien bewaffnet in Richtung Bibliothek davon trottete. Wenn sie schon ihre Zeit verschwenden musste, dann konnte sie ja wenigstens den Aufsatz für Snape schreiben.

Ich will aber nicht…, quengelte sie in Gedanken vor sich hin.

Mit einem ziemlich lauten Knarren öffneten sich die schweren Flügeltüren und der muffige Geruch von alten Büchern schlug ihr entgegen. Suchend wanderten ihre Augen über die vielen Buchrücken, doch sie fand nichts über Mondstein.

Etwas niedergeschlagen, weil ausgerechnet dieses eine Buch fehlte, und gleichzeitig erleichtert, da sie nun eine besonders gute Ausrede hatte um den Aufsatz später zu schreiben, ging sie zwischen den Regalen entlang.

Hinter einem davon hörte sie eine vertraute Stimme schimpfen. "Nein, ihr macht das völlig falsch!"

Mit einem mitleidigen Grinsen ging sie um die Ecke. "Hi, Hermine! Was…" Sie verstummte, als sie bemerkte, wer da neben Hermine an einem der Tische saß: Harry Potter und ein rothaariger Junge, der Fred ziemlich ähnlich sah. Soweit sie das beurteilen konnte, schließlich kannte sie ihn ja nur aus MJs Erzählungen.

"Hallo, Jess! Schön dich wieder zu sehen. Das sind Harry und Ron - Harry, Ron! Das ist Jessica. Wir haben uns in Muggelkunde angefreundet."

Rons Augen wurden groß und sein Kiefer klappte nach unten. "A - A - A - …", stotterte er . "A - Aber sie ist eine SLYTHERIN!!" Mit zusammengekniffenen Augen drehte sie ihren Kopf in seine Richtung. "Hast du was dagegen?", fauchte das blonde Mädchen. Beschämt senkte Ron den Blick und Harry ergriff das Wort. "Hi Jessica! Bist du auch wegen Snapes Aufsatz hier?"

Strahlend lächelnd nickte sie. "Ja, aber leider habe ich kein Buch gefunden, das mir helfen könnte…"

"Ach, das liegt daran, dass wir sie alle haben!" Hermine war schon wieder ganz in ihrem Element. "Wenn du Lust hast, könne wir ja zusammen Hausaufgaben machen."

Da Jess doch in gewisser Weise ein totales Herdentier war, hatte sie absolut nichts dagegen und kurze Zeit später saß sie lachend und scherzend mit Harry, Ron und Hermine an einem Tisch und kritzelte fleißig vor sich hin.

Nach gefühlten 5 Stunden und realen 2, warf die ehemalige Beaubatoux ihre Feder auf den Tisch und streckte die Arme in die Luft. "Fertig!!" Gequält sahen die beiden Jungs zu ihr und Hermine, die natürlich schon vor Ewigkeiten fertig geworden war, hinüber. Mit einem breiten Grinsen ging Jess um den Tisch herum, hinter die Beiden und quetschte sich zwischen sie auf die Bank. Überrascht machten die Gryffindors ihr Platz. "So, jetzt zeigt doch mal, was ihr schon geschrieben habt." Prüfend musterte sie die halbvollen Pergamentblätter vor ihr. "Ja… also… ich denke, das wird nicht reichen!"

Verzweifelt lies Ron den Kopf auf die Tischplatte plumpsen und riss ihn sofort wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht nach oben. Unter dem allgemeinen Gelächter rieb er sich die Stirn, auf der sich schon die Ansätze einer kleinen Beule bildeten.

Nach einem prüfenden Blick aus dem Fenster sammelte Jess ihre Sachen ein, wand sich zwischen Harry und Ron hervor und stand auf. "Leute, ich muss los. Hab noch ne Strafarbeit bei Hagrid! Ihr wisst schon… wegen der Sache mit Zabinis Nase…!"

Aufmunterndes Lächeln kam ihr aus drei Richtungen entgegen. "Keine Sorge," ,beruhigte Harry sie. "Hagrid ist super nett! Wird schon nicht so schlimm werden."

Dankbar nickte sie den Dreien zu und war auch schon aus der Bibliothek verschwunden.

Wenn sie mit MJ hier gewesen wäre, hätte sie es bestimmt nie mehr hier raus geschafft!

Langsam ging sie durch die verlassenen Korridore in Richtung ihres Gemeinschaftsraumes. Sie wollte ihre Sachen schließlich nicht mit zur Strafarbeit nehmen müssen. Soweit sie wusste, musste man bei Hagrid nur "handfestere" Aufgaben erledigen.

Je näher sie den Kerkern kam, desto langsamer wurde sie. Verdammt… Was werden bloß die anderen Slytherins sagen? Schließlich habe ich jemandem aus meinem eigenen Haus die Nase gebrochen… Verdammt, ich will da nicht rein! Aber da ihr nicht viele andere Möglichkeiten übrig blieben, drückte sie den Rücken durch und betrat den Gemeinschaftsraum.

Soweit sie auf den ersten Blick erkennen konnte, war Blaise nicht anwesend. Puh… noch mal Glück gehabt! Dafür waren sämtliche anderen Schüler ihres Hauses da. Mérde!, fluchte sie stumm, lies sich aber nichts anmerken. Scheiße, verdammt… jeder starrt mich an!

Äußerlich die Gelassenheit in Person durchquerte sie den Raum, ignorierte das Getuschel und die Blicke und brachte ihre Sachen in den Schlafsaal. Für alle Fälle belegte sie ihren Koffer und alle anderen Habseligkeiten mit einem schützenden Zauber.

Schnell überwand sie die Anderen und war aus der Tür, bevor sie jemand ansprechen konnte. Seltsamerweise schaffte sie es dabei nicht wie ein flüchtender Schwerverbrecher auszusehen.

Sehr erleichtert folgte sie den dunklen Gängen. Es war schon einige Zeit her, dass sie draußen gewesen war und einfach nur die Natur genossen hatte. Das wollte sie während dem "Nachsitzen" nachholen. Gerade als sie die Treppe zur Eingangshalle betreten wollte (an deren einer Stufe übrigens Blut klebte), legte ihr jemand die Hand auf die Schulter.

"Hey! Wo willst DU denn hin?" Überrascht und mit einem mehr als leicht säuerlichen Gesichtsausdruck drehte sie sich um. Draco stand vor ihr, so süß und eingebildet wie immer. Seine Hand ruhte noch kurz auf ihrer Schulter und sie war mehr als nur etwas enttäuscht, als er sie wieder herunter nahm. Lässig verschränkte er die Arme vor der Brust und lehnte sich seitlich an die Wand.

So kalt es eben mit einem wild schlagenden Herzen ging antwortete sie: "Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Malfoy." Sie wollte sich schon wieder umdrehen, als er sie grob am Arm packte und gegen die Wand drückte. Seine Augen funkelten wütend. "Sprich nie wieder so mit mir!"

Jess zwang sich dazu, ruhig zu bleiben, obwohl sie innerlich vor Wut kochte. Lass dich nicht von ihm reizen!

Mit einem frechen Grinsen beugte sie sich zu ihm vor, bis sich ihre Nasen fast berührten. "Sonst was, Malfoy?! Sonst was…" Sie schnaubte belustigt. "Fällt dir sonst ein Zacken aus der Krone? Ist es das?! Ist dann dein aufgeblasenes Ego angekratzt?" Langsam schob sie ihren Kopf an seinem vorbei, bis sie mit den Lippen nur Millimeter von seinem Ohr entfernt war. "Dann geh doch zu deinem Vater und heul dich aus…", zischte sie.

Mit einem Ruck befreite Jess sich aus seinem Griff, schob ihn mit beiden Händen von sich weg und rauschte davon. Hatte sie tatsächlich getan, was sie eben getan hatte? Jetzt würde er bestimmt nie wieder auch nur ein einziges Wort mit ihr wechseln. Was muss ich auch immer so impulsiv sein…?! Erst denken… DANN reden! Nicht immer andersrum. Doch jetzt war es schon zu spät sich zu entschuldigen. Außerdem wäre das weit unter ihrer Würde gewesen. Sie würde ganz bestimmt nicht vor ihm im Staub kriechen und um Gnade flehen. Sollte Pansy den Part doch ü lautloser Seufzer kam über ihre Lippen. Wenigstens musste sie Draco die nächsten Stunden nicht in die Augen sehen.

Bedächtig lies sie das Gespräch Revue passieren. Der Auslöser war ihre patzige Antwort gewesen… oder… lag es vielleicht daran, dass sie ihn, wie die Gryffindors, "Malfoy" genannt hatte?

"Jungs und ihr Stolz…", murmelte sie, während sie weiter nachdachte. Ja! Das Schlimmste war wohl die Bemerkung mit seinem Vater gewesen. Hätte sie nicht einfach etwas über Pansy sagen können? Nein, sie musste ja gleich seine Familie mit ins Spiel bringen. Noch ein Seufzer.

Entschlossen schob sie alle weiteren Gedanken, die sich um die letzte halbe Stunde drehten, beiseite und konzentrierte sich völlig auf die vor ihr liegende arbeit bei Hogwarts hünenhaftem Wildhüter.

Hagrid war tatsächlich so nett, wie Harry ihn beschrieben hatte. Etwas trottelig und… manchmal furchtbar peinlich, Alles in allem hätte es schlimmer kommen können.

Die Aufgabe war zwar leicht - schräg, aber bei Merlins Bart, auch Zentauren essen gerne Muffins.

Also hatte Jess die Aufgabe Muffins für die Zentauren im verbotenen Wald zu backen, die sie später mit Hagrid gemeinsam zu ihnen bringen würde.

Seit wann essen Zentauren - ach… wer isst den bitte nicht gerne Muffins? Mit einem begeisterten Grinsen und fast schon zu viel Enthusiasmus ging sie an die Arbeit. Anscheinend waren Hagrids Backkünste begrenzt, denn er erzählte ihr, dass dieses "friedliche" Volk sein Essen nie annahm. Daraufhin hatte Jess stolz hinausposaunt: "Meinen Muffins widersteht keiner!"

Und jetzt stand sie, mit einer viel zu großen Schürze behängt, in der kleinen Küche des Wildhüters und

Mixte munter die Teigzutaten. Kochen und Zaubertränke brauen liegt eben oft sehr nahe beieinander. Deshalb war sie ja auch in Beidem schrecklich begabt.

Gut gelaunt summte sie "1234" vor sich hin und konnte schließlich zwei frische Bleche voll mit Vanillemuffins mit Schokostückchen präsentieren. "Hagrid!!!", brüllte sie durch die Hütte, damit der Halbriese aufwachte. Was für eine Unverschämtheit! Ich schufte hier und er schläft! Grunzend regte sich dieser und folgte dem himmlischen Duft bist zu der, mit Mehl bestäubten, Schülerin. "Schon fertig?", fragte er sie leicht verwundert. "Hagrid… es ist mittlerweile schon lange dunkel!"

"Und du bist einfach eingeschlafen, du Sack…", hätte sie gerne noch hinzugefügt, doch dafür war sie (leider) zu gut erzogen.

Mit einem kleinen Tropfen Sabber im Mundwinkel streckte Hagrid die Hand nach einem besonders appetitlichen Muffin aus, wurde aber durch einen ziemlich harten Schlag auf die Hand davon abgehalten einen zu nehmen., "HAGRID!! Die sind doch für die Zentauren! Kannst du dich nicht mal zurückhalten?"

Als ob er gerade von seiner Mutter und nicht von einer gravierend kleineren Schülerin gerügt worden wäre, lies er die Schultern hängen. Betreten trat er einen Schritt zurück.

Ihn keinen Moment aus den Augen lassend, schichtete Jess die Muffins vorsichtig in einen riesigen Korb, an dessen Griff eine übertrieben große, grellpinke Schleife hing.

Als sie damit fertig war, klopfte sie sich sauber und hängte die Schürze an einen leeren Haken. Lächelnd drehte sie sich zu Hagrid. "So Hagrid, wir können los!"

Den Abwasch mach ich ganz bestimmt nicht! Dafür, dass er die ganze Arbeit verpennt hat, darf er ruhig mal was tun!

Fang, der ihr seit ihrer Ankunft nicht mehr von der Seite gewichen war, lief unruhig von ihr, zu Tür und wieder zurück. "Is ja gut Fang, wir gehen!!"

Elegant angelte sie sich ihren Umhang, hob den randvollen Korb mit beiden Händen vom Tisch und sah erwartungsvoll zu dem haarigen Halbriesen hinüber. Türe auf, du Schwachkopf! Als hätte er ihre Gedanken gehört, griff er nach der Türklinke und riss seine Haustüre mit sehr (und wenn ich "sehr" sage, meine ich "SEEEEEEEEEEEEEHR") viel Schwung auf.

Auf der jetzt erhellten Treppe vor der Hütte stand ein blondes Mädchen, die Hand zum Klopfen erhoben. Mit einem breiten Grinsen trällerte sie: "Hallööööööö alle zusammen!"

Dann viel ihr Blick auf die Muffins. "Boah, ich liebe Muffins!!! Dafür würde ich sogar töten. Es ist ja schon ewigst her, seit WIR beide mal welche gebacken haben…"

Jess blickte von dem unerwarteten Besucher, zu Hagrid, wieder zurück und schließlich wieder zu Hagrid. "Ja… Hagrid! Darf ich vorstellen? DAS ist meine Schwester MJ!"

Verschwörerisch beugte sie sich zu ihm hinüber und sagte halblaut: "Das sie im Moment so aufgedreht ist, liegt allein an den Muffins!" Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Schwester, realisierte die erdigen Hände und Schuhe und die geweiteten Pupillen und fügte hinzu: "Und wahrscheinlich auch an zu viel Adrenalin!" Fragend blickte der Wildhüter auf sie hinunter, bekam jedoch keine Erklärung.

MJ lies derweilen ihren Blick durch das Innere der Hütte schweifen, musterte dann ihre Schwester und zum Schluss auch Hagrid. "Da ihr mit einem Korb Muffins, einem Hund und einer Armbrust bewaffnet in der Türe steht, vermute ich mal, ihr habt was zu erledigen?"

Hagrid schnaufte schwer aus und antwortete immer noch leicht irritiert: "Jaaaaa… wollten zu den Zentauren!"

Hinter vorgehaltener Hand prustete MJ los. "Ihr wollt den Zentauren Muffins bringen? OMG! Das muss man gesehen haben!! Wisst ihr was, ich… "

Sie hatte eigentlich sagen wollen, dass sie mitkam, überlegte es sich aber im letzten Moment anders.

"… bleibe hier und - mache den Abwasch."

"Na - gut!" Hagrids Verwirrung schien sich zu steigern. "Wir sind dann in ein, zwei Stunden wieder da!"

MJ wirkte äußerst motiviert. "Is gut! Viel Spaß." Dann zwinkerte sie ihrer Schwester zu und schob Beide aus der Tür.

Mit einem Achselzucken machte Hagrid sich auf den Weg zum verbotenen Wald. Jess folgte ihm mit einigem Abstand. So bekamen auch nur sie und Fang, der daraufhin noch unruhiger wurde, mit, dass ein schwarzer Schatten gerade die freie Rasenfläche bis zu dem Bäumen überwand.