Sowas nennt man echte Geschwisterliebe. Bane tut lieber gut daran, etwas netter zu sein. Außer er will im Pferdehimmel landen.
Hoffentlich kann irgendwer die aufgebrachte MJ beruhigen. Sonst passiert noch ein Unglück.
Und denkt nur an die schönen Muffins!
Kommentare erwünscht.

"Wage es nicht, sie noch mal anzufassen, Bastard!"

Ausnahmslos alle starrten MJ an. Keiner wagte es sich zu bewegen oder gar etwas zu sagen.

Hagrid war der Mund offen stehen geblieben, während sein Blick immer wieder zwischen den Zentauren und der Animaga hin und her wanderte.

In Banes Blick mischten sich Schmerz, Verwirrung und ein Hauch Entsetzten. Seine Augen huschten von einer Carter zu anderen, musterten sie eingehend.

Ronan war einfach total sprachlos, angesichts der unglaublichen Wut und des unbeugsamen Beschützerinstinkts, die von diesem Fohlen ausging.

Magorian hatte es am schlimmsten erwischt. Er zeigte sein Entsetzten ganz offen und versuchte nicht einmal, es zu verbergen. Wie gebannt blieb sein Blick auf MJs seltsam hervorstehendes Schultergelenk gerichtet, wo sich, in der Nähe des Halses, schon die ersten Ansätze eines hufeisenförmigen Blutergusses zeigten. Sein Huf würde deckungsgleich darauf passen.

Er schämte sich und fühlte sich unglaublich schuldig. Er hatte ein Fohlen verletzt, hätte ihr fast das Genick gebrochen.

Mit unmerklich zitternden Beinen trat er nach vorne und beobachtete aufmerksam wie sich die Muskeln beider Mädchen spannten. Vorsichtig aber bestimmt schob der Anführer der örtlichen Zentaurengruppe Bane auf die Seite und gleichzeitig etwas hinter sich. Weiterhin achtsam kam er näher, immer darauf bedacht der Blonden keinen Grund zum Angriff zu geben.

Etwa einen Meter vor der Dreiergruppe hielt er an und sah traurig auf MJ hinunter.

Jess Augen wurden immer größer, je näher der braune Zentaur kam.

Wenn der Typ nicht vorsichtig ist, springt mein Schwesterherz ihm gleich an die Kehle!

Beunruhigt nahm sie zur Kenntnis, dass dieser Gedanke wahrscheinlich der reinen Wahrheit entsprach.

Mit Argusaugen beobachtete sie jedes Muskelzucken der Schwester, um sie im Notfall davon abzuhalten wirklich jemanden zu töten. Sie hatte es gleich von Anfang an gewusst! Wäre Magorian nicht eingesprungen, befände Bane sich jetzt auf dem Weg in den Himmel… oder in die Hölle. Was um einiges wahrscheinlicher war!

Insgeheim war sie dem ruhigen Hybriden dankbar dafür, auch wenn sie einen gewissen Ärger darüber, dass er ihr wehgetan hatte, nicht unterdrücken konnte.

Und jetzt kam dieser lebensmüde Typ auch noch auf die, von Adrenalin, Schmerz und Wut, aufgeputschte MJ zu. Hatte der noch nie was von dem Spruch 'Tiere soll man nicht in die Enge treiben' gehört? Anscheinend ja nicht, denn er lies sich nicht beirren.

Der muss entweder saublöd oder er suizidgefährdet sein!

Panik stieg langsam in Jess auf. Noch einen Schritt und von Magorian würde nur noch ein Häufchen Pferdegeschnetzeltes (A.d.A.: Sorry, wenn ich ein bisschen makaber bin!) übrig bleiben

Als der hochgewachsene Mensch, nein Zentaur, endlich stehen blieb, stieß sie erleichtert die angehaltene Luft aus.

Ohoh… der hatte wohl Schuldgefühle. Das sah man gleich an seinem traurigen Blick. Eine empörte Stimme in ihrem Inneren rief: "Die sollte er auch haben!" Und da waren sich Jess und Mini-Jess (A.d.A.: Also, das ist so eine Art verkorkstes Gewissenstimmchen! Es gibt auch eine Mini-MJ ^^ Die 'vier' werden noch sehr interessante Gespräche führen! =D) einmal einig.

Langsam und vorsichtig, wie es eben eine Eigenart der Pferde ist, lies er sich auf die Knie nieder. Somit war er wenigstens etwa auf Augenhöhe.

Ihr Zwilling hatte sich noch nicht von der Stelle gerührt. Seltsamerweise!Aber anscheinend bezog sich ihre Mordlust im Großen und Ganzen nur auf Bane. Wäre ja auch schade gewesen, denn Magorian kam ihr ziemlich nett vor. Und Ronan, auch wenn sie es ihm nie ins Gesicht sagen würde (Jungs vertragen sowas nämlich nicht), war total niedlich.

Ganz in Gedanken versunken realisierte sie Magorians Absichten zu spät als das sie diese verhindern hätte können.

Mit offenem Mund starrte sie auf die, sich wie in Zeitlupe abspielende, Bewegung.

War er jetzt vollkommen verrückt geworden???

MJs Gedanken wirbelten wild durcheinander. Aber immer wieder kam die Frage:

Was zum Teufel macht der da?

Mit wachsendem Schrecken hatte sie die Bewegungen Magorians genau beobachtet. Denn, auch wenn sie es nicht gern zugab und lieber die mutige Heldin gespielt hätte, hatte sie Angst.

Naja, ok! Es grenzte schon fast an Panik. Schließlich hatte sie in den vergangenen 3 Minuten nicht vergessen, was er mit ihrer Schulter angestellt hatte.

Vorhin hatte sie kein Fitzelchen Angst verspürt oder hatte es zumindest verdrängt. Aber jetzt kam alles hoch. Mit Mühe unterdrückte sie das gröbste Zittern, als Magorian sich unendlich langsam auf die Knie niederließ.

Erstmals konnte sie ihn genauer betrachten. Die etwas mehr als schulterlangen, braunen Haare waren zu einem kurzen Zopf geflochten und er besaß einen leichten Bartschatten. Seine dunkelbraunen, fast schwarzen Augen sahen sie traurig an. So in etwa, wie ein Hundewelpe. Und wie eben diese bewirkten die Augen des Zentaur, dass sie ihm nicht mehr wirklich böse war.

Vorsichtig hob der Zentaurenhäuptling einen Arm und streckte die Hand nach MJs Schulter aus und das Mädchen blickte schnell zu Boden, darum bemühte nicht zusammen zuzucken.

Sanft wie ein Windhauch (A.d.A.: OhOh… meine poetische Ader kommt durch!) berührten seine Finger den Bluterguss und fuhren seine halbmondförmige Kontur nach.

Sie spürte seinen mit Schuld angefüllten Blick auf ihrem Gesicht brennen und fand schließlich den Mut ihm in die Augen zu sehen. Zögerlich aber bestimmt umschloss sie seine Hand und nahm sie von ihrer Haut, den Blickkontakt dabei nicht unterbrechend.

"Es… bitte verzeih mir.", hauchte er heiser. "Ich wollte nicht - "

"Sch! Ich habe - überreagiert und was du getan hast war - Notwehr…", unterbrach sie ihn leise.

Etwas lauter fügte sie hinzu: "Meine Schwester ist es, an die man eine Entschuldigung richten sollte! Ich möchte ja keine Namen nennen, aber - BANE hat ihr wehgetan!" Der sich bei der Nennung seines Namens nach vorne schiebende Bane wurde sofort von einem giftigen Blick durchbohrt.

Störrisch verschränkte der blutende Zentaur die Arme vor der Brust und presste trotzig die Lippen aufeinander. Doch ein strenger Blick von Magorian, der wieder aufgestanden war, änderte seine Meinung. "Na gut!! Es tut mir ja Leid. Ich hab wohl etwas zu fest zugedrückt.", murmelte er widerwillig.

MJ hätte sich damit wahrscheinlich nicht zufrieden gegeben, aber Jess schob sich mit einem freundlichen Lächeln hinter dem, noch immer sprachlosen, Halbriesen hervor. "Entschuldigung angenommen!"

Dann viel sie ihrer Schwester erst einmal um den Hals und drückte sie fest.

"AUA! Ich wusste ja, dass dein Gedächtnis wie ein Sieb ist, aber so wie es aussieht ist es wohl doch eher eine Art schwarzes Loch!"

Schnell gab sie ihren Zwilling wieder frei. "'Tschuldigung…"

"Mir wurde ja nur vor 5 Minuten die Schulter von einem Pferdehuf ausgekugelt!! Sowas vergisst man nicht.", meckerte MJ gespielt verärgert und schlug Jess gegen die Stirn.

"Wenn du schon wieder so gewalttätig zu mir bist, kann es dir gar nicht so schlecht gehen!", schoss diese zurück.

"Tut es aber! Das zählt schon zu meinen Reflexen und die hat man auch noch, wenn man am verbluten ist!!"

"Ähm…", meldete sich Hagrid zum ersten Mal seit MJ aufgetaucht war wieder zu Wort. "Soll ich deine Schulter wieder richten?"

Entsetzt starrte die Verletzte ihn an. NEIN!!! Ich will meine Schulter auch weiterhin noch benutzen können! Aber sie wollte den gutmütigen Wildhüter auch nicht beleidigen, indem sie ablehnte.

Wie durch ein Wunder kam ihr Magorian zu Hilfe.

"Lass mal, Hagrid! Ich mach das schon. Es ist besser, wenn das von jemandem mit Erfahrung erledigt wird." An die anderen beiden Zentauren gewandt sagte er: "Ronan, du bringst Bane zu den Anderen. Kate soll sich seine Verletzungen ansehen!"

Mit einem Nicken schleifte der junge Zentaur den Verwundeten davon und schon nach ein paar Schritten wurden sie von der Dunkelheit verschluckt.

"Komm her, kleine Animaga. Lass mich sehen!" Sein auffordernder Blick unterstrich seine Worte.

"Erstens hab ich auch einen Namen und Zweitens bin ich NICHT klein!!", empörte sich die Angesprochene.

"Und dein Name lautet?", wollte Magorian geduldig wissen.

"Mary-Jane.", kam es trotzig von eben dieser.

"Nun denn, Mary-Jane! Komm her, damit ich mir deine Schulter ansehen kann!"

Zufrieden tat MJ wie ihr geheißen und stellte sich dicht vor den Braunhaarigen. Der berührte wieder zaghaft ihre Schulter und schien sie zu untersuchen.

"Hast du das wirklich schon mal gemacht?", drang die leise Stimme der Blondine zu ihm nach oben.

"Nein… aber ich muss ja schließlich keine gebrochenen Knochen heilen, sondern nur eine Schulter einrenken.", flüsterte er zurück.

"Das ist jetzt aber sehr beruhigend!"

"Wäre es dir lieber, wenn Hagrid es machen würde?"

Das Schweigen, dass darauf folgte, war Antwort genug und Magorian verkniff sich ein Grinsen.

"Sieh mal… Liegen die Muffins da drüben im Dreck?", fragte er gespielt entsetzt.

"WAS??? Wo?". Sofort hatte MJ den Kopf gedreht und sah sich suchend um. Genau in diesem Moment drückte der Zentaur zu und Jess schrie gleichzeitig mit ihrer Schwester auf.

Das tat ja schon allein beim hinsehen weh.

"AU! Du hast mich ausgetrickst… und dann heimtückisch zugedrückt!", kam es empört von irgendwo unterhalb seiner Rippen.

"Oh nein!! Wie kann ich das nur wieder gutmachen?" Sein schauspielerisches Können war echt großartig. Den betrübten Zentaur nahm man ihm fast ab.

Grinsend legte MJ den Kopf in den Nacken und antwortete: "Die Hälfte der Muffins oder ich werde dir NIEMALS verzeihen!"

Lachend trat Magorian einen Schritt zurück, um sie besser sehen zu können.

"Nein! Alles nur das nicht! Nicht meine schönen Muffins."MJ lachte ein "böses Lachen". "Muhaha! Dann wird ewige Verdammnis auf dich warten!"

"Jetzt hab ich aber Angst!"

"Solltest du auch.", zwinkerte Jess. "Nimm ihr nur nie die Muffins weg."