MJ beruhigt sich wieder etwas... und die Nacht vergeht... und Jess - ja was macht die eigentlich?
Der Morge danach... mit Zweideutigkeit gewürzt.
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Der Abend war lang geworden. Es hatte einige Zeit gedauert MJ von der Idee abzubringen, sie sei der Grund für Freds Verhalten. Und noch mehr, um sie wieder aufzuheitern.
Gut dass ihre eigenen Probleme mit Draco irgendwie kleiner waren. Oder eben nur anders.
Erschöpft wanderte sie durch das nunmehr fas verlassene Schloss. Die nur noch halb volle Süßigkeitenschachtel hatte sie fest gegen die Brust gepresst, seine Jacke lag angenehm warm um ihre Schultern.
Tief atmete Jess seinen Duft ein. Mmmmh - er roch angenehm nach… ja, nach was eigentlich? Auf jeden Fall war es ein angenehmer Geruch, der sie furchtbar anmachte. Eine spezielle Mischung aus seinem Aftershave, dem Duft des Waschmittels, das für seine Kleidung verwendet wurde und seinem Duschgel. Wow, das machte sie auf eine seltsame Art und Weise high.
Kichernd bog sie um die nächste Ecke des düsteren Kerkergangs und wäre beinahe mit jemandem zusammengestoßen.
"Aber hallo! So ein hübsches Mädchen sollte besser aufpassen, wo es hinläuft." Mit einem ekelhaften Grinsen im Gesicht baute sich der Junge vor ihr auf.
Er war ein Slytherin in seinem letzten Schuljahr und spielte ihres Wissens nach in der Quidditchmanschaft. Seine braunen Haare waren übertrieben aufgestellt und mit zu viel Gel fixiert; seine ebenso braunen Augen musterten sie. Soweit sie wusste, war sein Name Miles Bletchley.
Sie sah sich vorsichtig um. Niemand war auf den Gängen unterwegs und sie standen ausgerechnet in einer der weniger beleuchteten Ecken. Irgendwie war ihr Miles unheimlich. Und nicht nur deshalb, weil er einen Kopf größer war als sie selbst. Seine ganze Art lies ihr einen Schauer über den Rücken laufen.
"Hallo Miles. Ich wollte gerade in den Gemeinschaftsraum…" Mutig starrte sie ihm in die Augen. Er sollte nur nicht bemerken, dass er ihr Angst machte.
"Aber du hast es doch bestimmt nicht eilig, Süße! Bleib doch ein bisschen bei mir." Uarg… Jess hätte sich am liebsten auf seine Schuhe übergeben. Nur über meine Leiche, dachte sie verärgert.
"Nein danke." gab sie so cool wie möglich zurück. Du kannst mich mal, schoss ihr zeitgleich durch den Kopf. Mit einem Schritt war er dicht vor ihr und drängte sie gegen die Wand. Reflexartig drückte sie mit der Hand gegen seine Brust, um ihn auf Abstand zu bringen, aber er griff sich ihr Handgelenk und hielt es mit Leichtigkeit außerhalb seiner Reichweite.
"Lass mich los, du Idiot." zischte sie erschrocken. Was fiel diesem Typen eigentlich ein? Verzweifelt zog und zerrte sie, aber besser wurde es dadurch nicht. Das gab bestimmt blaue Flecken!
"Aber, aber! Wer wird denn gleich zickig werden?! Vielleicht bist du ja sanftmütiger, wenn ich dir einen Kuss gebe." Sein schmieriges Grinsen wurde breiter und ihre coole Miene verrutschte.
Miles wollte doch sicher nicht… oder etwa doch? Jedenfalls kam er ihrem Gesicht gefährlich nahe. Mit einem erschreckten "Uarg!!" tauchte sie unter seinem Ellbogen weg und riss sich mit allem Schwung, den sie aufbieten konnte, von ihm los. Danach sah man(n) buchstäblich nur noch eine Staubwolke; so schnell war sie im nächsten Gang verschwunden. Miles Lachen schallte ihr hinterher.
Mit wild klopfendem Herzen, zitternden Händen und weit aufgerissenen Augen stolperte sie in den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Vor lauter Adrenalin und dem unüberwindbaren Drang sich zu verstecken, nahm sie die anderen Slytherins im Raum gar nicht war.
Draco war ebenfalls unter den wenigen Anwesenden und verfolgte ihren Weg mit skeptisch hochgezogenen Augenbrauen. Und natürlich kratzte es an seinem Stolz, dass sie ihn keines Blickes würdigte. Verwundert beobachtete er, wie sie und seine Jacke im Mädchenschlafsaal verschwanden.
Erst als Jess die Sicherheit ihres Bettes erreicht hatte, beruhigte sie sich wieder etwas. Ihr Herz klopfte zwar immer noch heftig und auch das Adrenalin in ihren Blutbahnen wurde nicht weniger, aber sie konnte wieder auf mehr als tierische Fluchtinstinkte zurückgreifen. Wie zum Beispiel auf geregeltes Atmen.
Tief durchatmend kauerte sie sich am Kopfende ihres Bettes zusammen und legte den Kopf auf die Knie. Ein- und wieder Ausatmen. Ganz langsam! versuchte sie sich zu beruhigen.
Und tatsächlich. Es klappte sogar!
Fröstelnd rollte sie sich unter ihrer Decke zusammen und drückte ihr Kissen fest gegen die Brust. Die Aufregung hatte sie viel Energie gekostet. Und obwohl sie steif und fest behauptete, dass sie kein Auge zutun könnte, war sie wenige Augenblicke später auch schon eingeschlafen.
Das Erste, das Jess am nächsten morgen wahrnahm, war: Stille!
Kein aufgeregtes Geplapper, kein Kleiderrascheln, keine laufende Dusche.
Verwundert schlug sie die Augen auf. Nichts. Alles verlassen.
Sie stemmte sich mit einer Hand nach oben und zuckte zusammen. Das tat ja weh! Verblüfft setzte sie sich auf und besah sich ihr rechtes Handgelenk. Da, wo am Tag zuvor Miles Finger gelegen hatten, waren nun ein Paar modische, lila-bläuliche Flecken. Und nicht etwa welche von der Art, die einfach nur schlimm aussahen! Nein, diese taten auch noch weh. Na toll… dachte Jess seufzend.
Noch etwas von der Rolle stand sie gänzlich auf und schielte auf ihren Wecker. Dort stand in großen digitalen Lettern: 10:00
So schnell ihre vom Schlaf noch leicht wackeligen Beine es zuließen, wankte sie ins Badezimmer um sich fertig zu machen. Nach einer ausgiebigen Dusche fühlte sie sich gleich frischer und natürlich auch sauberer. Das erste Lächeln des Tages bildete sich auf ihren Lippen und sie stolzierte mit fröhlich glänzenden Augen zu ihren Bett.
Halb unter der Bettdecke begraben fiel ihr etwas Schwarzes auf. Sah aus wie Leder…
Neugierig wühlte sie in den Laken herum, bis sie auf den Ärmel einer schwarzen Lederjacke stieß. Wie kam den die in ihr Bett? Ach ja… das war ja Dracos. Irgendwie muss sie die wohl als eine Art Teddyersatz benutzt haben. Hoffentlich hatte sie jetzt keine Sabberflecken!
Zärtlich drückte sie die Jacke ein letztes Mal an sich und machte sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum. Sie drückte sich selbst zwei Daumen, dass Draco in einem der Sessel faulenzte. Sonst beschuldigte er sie am Ende noch, dass sie seine Jacke klauen wollte.
Suchend schweifte ihr Blick durch den spärlich besetzten Raum. Kein Blondschopf mit wunderschönen Augen in Sicht. Mist!!
Unschlüssig stand sie herum und überlegte, was jetzt zu tun war. Naja, auch an einem Sonntag war ein Draco Malfoy bestimmt schon um Zehn beim Frühstück. Mit viel Glück. Vielleicht. Hoffentlich. BITTE BITTE!!
Mini-Jess: "Lass dich nicht demotivieren!"
Jess: "Leichter gesagt, als getan…"
Entschlossenen Schrittes machte sie sich auf den Weg in die große Halle. Wehe er war nicht da!Aber bei ihrem Glück heute Morgen…
Das übliche Geschnatter schlug ihr schon von Weitem entgegen. Zumindest waren alle da, die sie im Moment nicht suchte. Immerhin etwas! Wuhu…
Ihre Augen wurden - wie jeden Morgen - magisch vom Tisch der Slytherins angezogen und schon automatisch scannte sie die Umgebung nach ihm ab. DA! Da saß er zwischen seinem Gefolge und gab, seinem Gesichtsausdruck nach, gerade mit irgendetwas an.
Jess atmete einmal tief durch, strich ihr T-Shirt und ihre Haare glatt und ging erhobenen Hauptes auf ihn zu. Dabei versuchte sie sein hochnäsiges Lächeln zu kopieren.
Und da niemand einen Lachanfall bekam, konnte sie ihre Sache gar nicht so schlecht machen.
Unbemerkt kam sie bis direkt hinter seinen Rücken. Naja, vielleicht ja nicht ganz unbemerkt, aber zumindest sagte niemand etwas um den Eisprinzen zu unterbrechen. Angsthasen! dachte Jess abfällig. Ich zeig euch mal, wie das geht.
Ohne mit der Wimper zu zucken tippte sie Draco energisch auf die Schulter. Der unterbrach verwundert seinen Monolog und drehte sich mit dem Oberkörper um, um zu sehen, wer es wagte, ihn zu unterbrechen. Die Blicke des gesamten Tisches richteten sich auf sie.
Unschuldig hob sie den Arm, mit dem sie seine Jacke hielt und grinste frech. "Du hast gestern Abend deine Jacke vergessen, Draco."
Fast synchron klappten alle slytherinischen (HA - Wortneuschöpfung!) Kiefer nach unten.
Verstohlen lies Jess ihren Blick über die Anwesenden schweifen. He, die bekamen ja alle Stielaugen!
Draco war im ersten Moment verblüfft von ihrer absichtlichen Zweideutigkeit, hatte sich aber schnell wieder gefangen und entschloss sich dazu, in ihr Spiel einzusteigen.
"Was für ein Glück für mich, dass du sie mir vorbeibringst! Sonst hätte ich sie mir persönlich holen müssen." antwortete er lächelnd und stand, höflich wie er war, auf.
Bei diesen Worten schlugen die Kinne der anwesenden Slytherins fast auf der Tischplatte auf. Ja, sowas konnte man schon irgendwie auch anders auslegen!
Draco machte anstallten nach seiner Jacke zu greifen, doch Jess drückte sie schnell wieder an ihre Brust und zwinkerte ihm zu. "Vielleicht sollte ich sie dann noch behalten!" Scheinbar nachdenklich legte sie den Kopf schief und tippte sich mit einem Finger ans Kinn. "Am besten, ich vergrabe sie wieder unter meiner Bettdecke…" dachte sie laut. Die Betonung lag vor allem auf dem netten Wörtchen wieder.
Das war zu viel für die immerzu nette Pansy (kann man die Ironie raus lesen? Kann man?! Oh gut, dann kann ich ja auch den Satz endlich fertig schreiben) und sie rannte schluchzend und heulend aus der Halle. Die hatte aber überhaupt keinen Sinn für Humor!
Alle anderen Slytherins waren in eine Art ungläubige Starre verfallen und verfolgten gespannt die weiteren Geschehnisse. Wahrscheinlich würden die sich noch nicht einmal bewegen, wenn eine Eule auf ihren Kopf kacken würde!
Malfoys Grinsen wurde breiter und er nahm gut gelaunt seine Lederjacke entgegen. Zufrieden setzte er sich wieder auf seinen Platz. Ganz der Gentleman, der er nun mal war - naja, zumindest meistens - rutschte er ein bisschen hin und her, drängte mit den Schultern in beide Richtungen und schob den armen Flint schließlich mit dem ganzen Arm von sich. Leise beschwerden kamen von den Unglücklichen, die während dieses Manövers zusammengequetscht oder sogar unter den Tisch gezwängt worden waren, aber keiner traute sich, sich laut zu beschweren.
Schlussendlich war eine Lücke entstanden, in die Jess vielleicht gerade noch so hinein gepasst hätte. Natürlich nicht, ohne gegen Draco gequetscht zu werden. Hach… was für eine Vorstellung!
Doch statt sich dort niederzulassen, blickte sie nachdenklich zum Tisch der Ravenclaws hinüber. Die übermütige Stimmung wurde gedämpft, als sie MJ betrübt in ihrem Frühstück stochern sah.
Jetzt hieß es sich zu entscheiden: Draco oder MJ?
Entschlossen straffte sie die Schultern, drehte sich von einem total aus allen Wolken fallenden Draco weg und machte die ersten Schritte in Richtung ihrer Schwester.
Draco wurde gerade hart auf den Boden der Tatsachen zurück geholt und verstand die Welt nicht mehr. Jetzt hatte er dieser Blondine extra einen Platz frei gerempelt und was machte sie? Sie drehte sie um und ging!!!! Sie ging tatsächlich! Einfach so!!! Gewisse andere Mädchen mit einem dunklen Pagenkopf, deren Name mit P anfing und mit ansy aufhörte, hätte sich ein Bein ausgerissen um neben ihm sitzen zu dürfen!!! Und da verstehe einer die Frauen…
Unter den Blicke aller anwesenden Slytherins näherte sich Jess der versammelten Mannschaft der Ravenclaws, von denen sie ebenfalls angestarrt wurde. Ihr kleines Spielchen, das schließlich mit einer Rempelei geendet hatte, war wohl doch nicht ganz unbemerkt geblieben!
(Wie naiv ist die eigentlich? Als ob sowas bei den klatschsüchtigen Hogwartsschülern nicht bemerkt werden würde!)
Doch bevor Jess auch nur am Tisch der Hufflepuffs vorbei war, bemerkte sie, dass sie nicht die einzige war, die Kurs auf die deprimierte MJ nahm.
Von Rechts kam jemand, der nicht gerade unschuldig an MJs Laune war. Wie angewurzelt blieb Jess stehen und beobachtete verblüfft die Szene, die sich um ihre Schwester herum abspielte.
