Was beobachtet Jess wohl gerade? Könnt ihr es euch denken?
Mal sehen...
Kommentare erwünscht.
MJ stocherte gedankenverloren in ihren Cornflakes herum. Die Gespräche am Tisch der Ravenclaws nahm sie nur am Rande war. Das hätte auch noch so weitergehen können, wäre nicht Luna neben ihr auf die Bank gesunken.
"Warum bist du traurig?" waren die ersten Worte, die ihren Mund verließen. Auf ihre ruhige und sanfte Art war sie MJ schnell ans Herz gewachsen und die Beiden verband eine innige Freundschaft.
"Was?" MJs Kopf ruckte nach oben. "Das… ich weiß nicht was du meinst! Es ist doch alles in Ordnung." Zum Beweis lächelte sie in Lunas Richtung.
Zur Antwort zuckte Luna nur mit den Schultern. "Deine Augen sind aber ganz traurig.""Ach das bildest du dir nur ein…" Schnell schob sich MJ noch einen Löffel in den Mund, nur um das Gespräch nicht fortsetzten zu müssen.
"Oh sieh mal, da kommt Fred!" sagte sie in ihrem üblichen verträumten Tonfall, stand auf und setzte sich einige Plätze entfernt wieder an den Tisch.
Erst da registrierte MJ den genauen Sinn ihrer Worte. Fred kam? Tatsächlich? Wo?
Verstohlen suchte sie ihre Umgebung ab, konnte ihn aber nicht entdecken. Naja, Luna mit ihren Hirngespinsten. Wahrscheinlich… naja, eigentlich konnte sie sich keinen Grund ausdenken, warum Luna etwas einfach so sagte.
Seufzend wendete MJ sich wieder ihrem Frühstück zu und hätte eben dieses beinahe über den kompletten Tisch gespuckt, als jemand die Hände von hinten über ihre Augen legte.
"Wer bin ich?"
Oh mein Gott. MJs Herz setzte einen Schlag aus. Diese Stimme kam ihr nur allzu bekannt vor. Vorsichtig tastete sie nach seinen Händen und versuchte sie von ihren Augen zu ziehen.
"Schummeln gilt nicht Jane! Lass Tarzan seinen Spaß und rate!!"
Kichern lies sie ihn los. "Na gut Tarzan. Wie viel Versuche habe ich denn?"
"Hm…" Seine Haut fühlte sich angenehm in ihrem Gesicht an. "Weil du bis eben so traurig aussahst, drei!" Sie konnte das Lächeln förmlich hören.
"Ich hab überhaupt nicht traurig ausgesehen…" versetzte sie sofort mit Nachdruck. "Ist ja gut, Jane. Mach Tarzan die Freude und fang an zu raten." beschwichtigte er sie gekonnt.
"Hm… ist dein Name Tarzan?"
"Uhuhuh!" Bei seiner unglaublich lächerlichen Imitation eines Affen, musste sie lachen. "Ich glaube nicht!"
"Du glaubst?" Sie spürte den Druck seines Kinns auf ihrem Kopf. "Ist ja gut!! Bist du… Professor Snape?"
"Sie wagen es, mich zu duzen, Miss Carter? Dafür gibt es Nachsitzen!!! Und 20 Punkte Abzug, weil Sie kein Slytherin sind!" Wieder musste sie lachen. Den Professor Snape bekam er ganz gut hin. "Aber wenn ich es recht bedenke, bin ich gar nicht Professor Snape."
"Puh… Das ist aber schwer." Übertrieben gestresst wischte sie sich den nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn. "Einen Versuch hab ich noch und schön langsam glaube ich zu wissen, wer du bist!"
"Ach ja?" lachend stand der große Unbekannte weiterhin hinter ihr.
"Gib es zu Fred! Ich weiß, dass du Harry Potter bist!"
"OH NEIN! Wie hast du das denn nur erraten??? War es denn so offensichtlich??" Mit geschocktem Gesichtsausdruck lies Fred sich neben sie fallen.
"Och naja. Ich hab deine Narbe gesehen, Mister Harry." gab sie mit einem abwertenden Wedeln ihrer Hand zu.
"OH! Ich hab ja ganz vergessen, dass du auch am Hinterkopf Augen hast.. Verzeih mir meine Unwissenheit, Liebste."
"Schon gut." Scheinbar total ruhig widmete MJ sich wieder ihren Cornflakes. Doch in ihrem Inneren tobte ein Orkan der Gefühle. Liebe. Wut. Enttäuschung. Verwirrung. Freude. Alles wirbelte wird durcheinander, und näherte sich langsam der totalen Überlastung.
"Wie war das Quidditch mit deinen Jungs?" fragte sie, mehr um überhaupt etwas zu sagen, als aus Interesse. Naja… interessant war seine Antwort bestimmt.
"Ich habe gewonnen." war Freds kurze Antwort. Er grinste, schwang ein Bein über die Bank und stützte sich mit dem Ellbogen auf dem Tisch auf. "Was hast du denn gestern noch so gemacht?"
"Ich…" …hab ich mir wegen dir die Augen aus dem Kopf geheult und komme mir deswegen heute schon ziemlich komisch vor! Eigentlich weiß ich nicht was ich denken oder fühlen soll. Geschweige denn, was ich von dir halten soll! "… hab noch ein bisschen mit meiner Schwester geplaudert."
Das entsprach zumindest der Wahrheit.
"Dud, ich muss leider wieder los. George und ich müssen noch was dringendes besprechen! Und Harry wollte vorhin auch noch was von mir. Außerdem muss ich mich noch vor Hermine und ihrem seltsamen BELFER verstecken."
Äußerlich blieb sie cool wie ein Eiswürfel, aber innerlich kochten ihre Gefühle wieder über. Aber für ein Spezielles konnte sie sich wieder nicht entscheiden.
"Ich seh schon! Du bist ziemlich beschäftigt. Dann geh lieber, bevor George dich holen kommt, Harry dich verhext und Hermine dich findet." Sie zwinkerte ihm zu, dann versenkte sie ihre Nase wieder in ihrem Frühstück.
"Wahre Worte!" Grinsend stand er auf und stellte sich hinter sie. Er beugte sich über ihre Schulter und gab ihr überraschend einen Kuss auf die Wange. Das wiederum brachte sie dazu den Löffel Milch, den sie gerade im Begriff war zu schlucken, vor lauter Schock wieder in die Schüssel zu spucken. (Omg, dass reimt sich auch noch. Ich bin so ein Genie!)
"Ich hätte nichts dagegen, wenn wir das von gestern irgendwann mal wiederholen könnten!"
Die Zeit schien stehe zu bleiben. Aber die Welt wäre ein einziger Regenbogen, wenn in solchen Momenten nicht irgendwas dazwischen kommen würden.
Schneller als sie reagieren konnte, hatte er sich hinter ihr geduckt. Mit den Händen hielt er sich an ihrer Hüfte fest damit er nicht umfiel und nutzte ihren Körper als Deckung.
"Ich hoffe du hast einen guten Grund dafür meine Hüften anzutatschen!" zischte sie ohne sich umzudrehen.
"Da hinten ist Hermine und sucht mich! Ich will keinen BELFER-Anstecker. Rette mich!" Kam Freds verzweifelt klingende Stimme von irgendwo aus ihrer Leistengegend.
"Na gut… Sie dreht sich gerade um. Das ist deine Chance! Verzieh dich."
"Danke MJ."
Und schon war Fred dabei hinter dem Tisch der Ravenclaws weg zu kriechen. Oh man… Jungs brauchen sogar beim Untertauchen Hilfe! dachte MJ kopfschüttelnd. Eben wollte sie nach ihrem Müslilöffel greifen, als ihr wieder einfiel, dass sie dort eben noch reingespuckt hatte! Igitt… es war zwar ihre eigene Spucke, aber - igitt! Angewidert schob die die Schüssel von sich.
Naja, zumindest war die ganze Situation von niemandem bemerkt worden. Bei dem Gedanken seufzte sie erleichtert auf, hob den Blick und - erstarrte. 98% der Ravenclaws starrten sie interessiert an. Die Meisten waren mitten in ihren Aktionen erstarrt und hatten mit dem Toast auf halbem Weg zum Mund gestoppt. Peinlich berührt schoss ihr die Röte in die Wangen.
Na toll… das würde bestimmt einige Tage lang für Gesprächsstoff sorgen.
Jess - und so ungefähr halb Hogwarts - beobachteten erstaunt die beiden Turteltäubchen. Vielleicht war ja doch nicht alles so, wie MJ glaubte. So wie das eben ausgesehen hatte, ganz bestimmt nicht. Aber das würde sich noch heraus stellen.
Jess kam sich langsam ziemlich blöd vor. Zumal ihr die Slytherins immer noch nachstarrten. Ok… das wird jetzt peinlich… aber ich werde das Beste draus machen! Hoff ich mal…
Mit einem lautlosen Seufzer wandte sie sich um und stolzierte zurück an ihren Tisch; genau auf Draco zu. Mittlerweile war Flint wieder dabei an seinen angestammten Platz zurück zugerutscht, aber es kam anders als geplant.
"Hey Draco! Ist der Platz noch frei?" fragte sie mit einem zuckersüßen Lächeln an den Blonden gewandt. Der grinste nur breit und drehte sich zu Flint. "Ich will nicht neben dir sitzen, Flint. Ich will neben IHR sitzen! Also mach Platz!!!" Und schon wurde der arme Flint wieder weggedrängt.
"Danke Draco." sagte Jess augenzwinkernd. Dann entschuldigte sie sich grinsend bei Flint: "Tut mir wirklich leid Flint…"
"Schon gut." murmelte er errötend. Dem unglaublichen Charme dieses Mädchens konnte sich kein Junge entziehen.
Selbst etwas rot anlaufend zwängte sie sich in die neu entstandene Lücke. Ganz dicht an Draco gedrängt wurde sie leicht verlegen. Es sah bestimmt seltsam aus. Die gegenüberliegende Tischseite war ziemlich spärlich besetzt und sie wurde zwischen dem Eisprinzen und einem Typen mit schiefen Zähnen eingequetscht. Aber schön war es ja schon.
"Und Jess? Sollen wir das von gestern nochmal wiederholen?" Wieder lag alle Aufmerksamkeit auf diesem Pärchen.
Ein schüchternes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
"Aber gerne doch!"
