Kapitel 3 –

A/N: Also, erstmal danke ich meinen Reviewern. Fühlt euch digital von mir umarmt! :P
Dann möchte ich mich entschuldigen, dass es diesmal so lange gedauert hat, bis ich wieder ein neues Kapitel hochgeladen hab. Aber ich hatte neben der Schule einfach sehr wenig Zeit. Hoffe, dass es jetzt wieder etwas ruhiger wird...aber versprechen kann ich nichts... :(

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Kapitel 3 – Katz und Maus

Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie aufwachen würde. Ihre Hand an seinem Hals war für ihn vollkommen überraschend gekommen.
Nun hatte er keine andere Möglichkeit, als in ihre weit geöffneten schwarzen Augen zu blicken. Der durchdringende Blick, der ihn fesselte, war nicht das, was er erwartet hatte.
Langsam öffnete sie den Mund und legte zwei Reihen perfekter weisser Zähne frei, als sie leise, aber deutlich, sagte: „Ich bin keiner deiner Freshies, dämlicher Vampir!"
In diesem Moment hörten sie Schritte näher kommen. „Ich hab den Lappen gefunden, Josef!", ertönte Micks Stimme, in dem Moment, als er durch die Tür kam.
Als er die Szene vor sich erblickte, ließ er den Lappen sinken und sah zwischen Josef und Velvet hin und her. „Was ist hier los?", fragte er sichtlich verwirrt.
Velvet sah ihn kurz an und stieß Josef dann mit der Hand, die um seinen Hals lag, so fest von sich, dass er mit dem Rücken auf dem Boden aufschlug.
Sofort sprang der Wolf knurrend auf seinen Brustkorb und drückte ihn wieder auf den Boden zurück, als er versuchte auf zu stehen.
Bei jedem erneuten Versuch seinerseits, auf zu stehen, schnappte der Wolf nach seiner Kehle, sodass er schließlich einfach auf dem Rücken liegen blieb.
Velvet setzte sich langsam auf und sah auf die Szene vor sich auf dem Boden hinab. Ein leichtes Lächeln spielte dabei um ihre Mundwinkel.
„Könntest du eventuell deinen Wolf zurück rufen?", kam Micks leise Frage. Er fand die Szene vor sich nicht weniger amüsant als sie, aber er sah auch den Blick aus Josefs zusammen gekniffenen Augen, der auf ihm ruhte, sodass es ihm nicht schwer fiel, ein aufkommendes Lächeln einfach zu verbergen.
Sie sah Mick kurz an und nickte dann, nach einem prüfenden Blick in Josefs Gesicht. „Es ist in Ordnung, Dorian. Du kannst den Blutsauger jetzt loslassen. Er wird mir nichts tun!" Ihre Stimme war ruhig. Sie sollte den Wolf besänftigen, ihn beruhigen.
Sein Kopf drehte sich zu ihr, seine gelben Augen versenkten sich in ihre. Er schien nach einer Bestätigung für ihre Worte zu suchen.
Als sie schließlich leicht nickte, sprang er von Josefs Brust und trabte auf leisen Pfoten zum Sofa. Er ließ sich direkt neben ihr nieder und legte seinen Kopf auf ihre linke Schulter, während seine Augen wachsam auf Josef gerichtet waren.
Dieser erhob sich und klopfte sich angeekelt die Hinterlassenschaften des Wolfes, in Form von Haaren, von seinem Designeranzug.
Mick trat zu ihm und sah ihn durchdringend an. „Was ist hier passiert, während ich in der Küche war?"
Bevor Josef antworten konnte, war Velvet schon für ihn eingesprungen, ein humorloses Lächeln auf den Lippen. „Er hatte plötzlich Durst auf ein Schlückchen Blut direkt aus der Vene!", sagte sie schlicht. „Und weil ich gerade da war, hat er sich gedacht, dass ich das ja nicht mitbekommen würde, weil ich bewusstlos war." Ihr Ton war eiskalt. „Nur hat er nicht damit gerechnet, dass meine natürlichen Instinkte mich aufwecken würden. Also war er einigermaßen überrascht, als er dann meine Hand um den Hals hatte..."
Sie sah Josef spöttisch an. „Hab ich irgendwas vergessen? Irgendwelche Ergänzungen? Klarstellungen?"
Josef schüttelte den Kopf, was Mick überraschte, denn sonst war sein Freund nicht gerade auf den Mund gefallen. Er hatte immer etwas ironisches zu sagen.
„Ich sollte euch jetzt vielleicht miteinander bekannt machen...", begann Mick, als ihm einfiel, dass die beiden sich bisher nicht vorgestellt hatten.
Doch er wurde von Velvet unterbrochen: „Nicht nötig! Ich weiß, wer er ist." Sie sah Josef abschätzend an und sagte dann nach dieser kunstvollen Pause: „Josef Kostan. Junggeselle. Ungefähr 400 Jahre alt. Aktiv in der Wirtschaft. Nagt nicht am Hungertuch." Sie lächelte, als ihr die Doppeldeutigkeit ihrer letzten Worte auffiel. „Sehr beliebt bei den Ladys. Zumindest bei denen, die es mögen, benutzt oder gebissen zu werden. Meistens beides." Sie musterte ihn erneut und fügte dann noch hinzu: „Paranoid!"
Mick und Josef starrten sie mit offenen Mündern sprachlos an.
„Was?" Ihr Gesichtsausdruck spiegelte deutlich ihre Ratlosigkeit für die Reaktionen der beiden aus.
Josef löste sich als Erster aus seiner Starre und fragte schließlich tonlos: „Was bist du?"
Sie sah ihn fragend an. Als sie seinen starren Gesichtsausdruck sah, zeichnete sich ein Lächeln auf ihren Lippen ab. „Ich bin, was ich bin."
Sein Blick war durchdringend und einen Moment lang dachte sie, er würde ihr im nächsten Moment an die Kehle springen. Doch nichts geschah. „Woher kommst du?"
„Ich wurde in Dublin geboren." Als sie seinen verständnislosen Gesichtsausdruck bemerkte, fügte sie leise hinzu: „Irland!"
Nun schaltete Mick sich wieder ein: „Wie alt bist du wirklich?"
„Man fragt eine Frau nicht nach ihrem tatsächlichen Alter.", antwortete sie und lächelte versonnen.
„Das ist keine Antwort auf meine Frage."
Sie sah ihn freundlich an. „Wenn du es wissen willst, wirst du es wohl selbst herausfinden müssen. Ich werde es dir nicht sagen."
„Woher beziehst du deine Informationen?", ertönte nun wieder Josefs Stimme. Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, was seine Frage eigentlich war: ein Befehl.
„Anonym!" Ihr Lächeln war bei seinem harschen Ton verschwunden. „Meine Quelle will nicht genannt werden."
Nun meldete Mick sich wieder zu Wort: „Was genau tust du hier in LA?" Sein Tonfall war ruhig und stand im genauen Gegensatz zu Josefs. Er forderte nicht.
Ihr Lächeln erschien wieder, als sie ihm ihre Aufmerksamkeit zuwandte. „Ich suche etwas." Sie hielt kurz inne, als überlege sie, wie viel sie preisgeben durfte. „Ich hoffe, hier einen Hinweis auf den Ort zu finden, wo es sich befindet."
„Was soll das sein?", fragte Josef und bekam damit wieder ihre volle Aufmerksamkeit, aber dadurch schaffte er es auch, dass ihr Lächeln genauso schnell wieder verschwand, wie es aufgetaucht war. „Den heiligen Gral?"
Doch statt ihm eine Antwort zu geben, hob sie eine Hand und kraulte den Wolf hinter den Ohren. Dieser hatte seine gelben Augen immer noch aufmerksam auf Josef gerichtet und ließ jetzt ein sehr zufriedenes Knurren hören.
„Was genau hat es mit diesem Wolf auf sich?", fragte Mick mit ruhiger Stimme.
Sie sah ihn an, hörte aber währenddessen nicht auf, den Wolf zu kraulen. „Ich hab ihn gefunden, als er noch ein Welpe war. Seine Mutter lag erschossen neben ihm." Die unterschiedlichsten Gefühle zeigten sich auf ihrem Gesicht. „Es dauerte ein paar Tage, bis er mich nahe genug an sich heran ließ. Aber schließlich folgte er mir nach Hause." Ihr Blick klärte sich und sie atmete tief durch. „Und er hat mich nie verlassen. Er passt auf mich auf. Anscheinend wecke ich seinen Beschützerinstinkt ..."
Nun meldete Josef sich sehr vorsichtig zu Wort: „Mick hat mit von deinen besonderen ... Fähigkeiten erzählt. Weißt du, woher sie kommen? Was der Auslöser dafür ist?"
Sie sah ihn kurz an und nickte dann. „Ich glaube, ich weiß, was du meinst." Sie schenkte ihm ein schmales Lächeln. „Das hängt irgendwie mit meinen Genen zusammen. Aber mehr weiß ich darüber leider auch nicht. Sie sind einfach da, meine Fähigkeiten."
„Was soll das heißen?", fragte Josef und sah sie nun wieder durchdringend an. Es war deutlich zu sehen, dass er mit ihrer Erklärung nicht zufrieden war.
Sie sah ich einfach nur an. „Genau das, was ich gesagt habe. Ich weiß es nicht! Sie sind einfach da!"
Nun wandte Josef sich Mick zu. „Nimm sie mit zu dir! Sie wird bei dir übernachten." Als Velvet gerade zum Protest ansetzen wollte, sagte er: „Darüber wird es keine Diskussion geben!"
Sie schloss den Mund wieder. Sein Tonfall hatte eine Endgültigkeit gehabt, die es ihr unmöglich machte, etwas zu sagen. Statt dessen erhob sie sich und glättete ihre Anziehsachen.
„Ich warte im Auto.", sagte sie zu Mick und wandte sich dann Josef zu. „Ich wünschte eine erholsame Ruhe, Mr. Kostan!" Sie wandte sich ihrem Wolf zu. „Komm, Dorian!" Dann verließ sie das Haus, den Wolf unmittelbar auf den Versen.
Sobald die Tür sich geschlossen hatte, sah Mick seinen Freund an. „Was sollte das denn? Warum soll sie ausgerechnet bei mir übernachten?"
„So können wir sie im Auge behalten.", sagte Josef und seine Stimme verriet deutlich, dass er Micks Frage ausgesprochen lächerlich fand. „Ich werde in der Zwischenzeit Logan kontaktieren."
Mick nickte. „Gut. Aber sag mir Bescheid, sobald sich irgendwas ergibt!"
„Mache ich das nicht immer?" Der gespielt gekränkte Tonfall, in dem Josef diese Frage stellte, brachte Mick zum Schmunzeln.
Er drehte sich um und ging zur Tür, als Josef ihm noch nach rief: „Ich schaue Morgen auf einen Drink bei dir vorbei."
Als Antwort bekam er ein Nicken und dann fiel die Tür ins Schloss.

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Mick öffnete die Tür zu seiner Wohnung und ließ Velvet und den Wolf schweigend eintreten.
Die ganze Fahrt über hatten sie kein einziges Wort miteinander gesprochen. Sie hatte seltsam abwesend gewirkt, als würde sie über irgend etwas nachdenken. Er hatte sie dabei nicht stören wollen und hatte sich schweigend auf die Straße konzentriert.
Die Tür fiel ins Schloss und er ging auf direktem Weg in die Küche. Er brauchte jetzt dringend einen Drink!
Also öffnete er den Kühlschrank und holte eine Konserve heraus. Gerade als er sie öffnen wollte, fiel sein Blick auf Velvet. „Kann ich dir was anbieten?", fragte er und hielt unbeholfen die Blutkonserve in seiner Hand hoch. „Blut?"
„Nein. Danke!", antwortete sie. „Die Grenze zwischen Genuß und Sucht ist bei mir in Bezug auf Blut sehr schmal. Ich will das Risiko nicht eingehen!" Sie sah ihn an und seufzte dann, als sie sein schuldbewußtes Gesicht. „Ein Glas Wasser wäre gut."
Er nickte und nahm ein Glas aus einem der Schränke, füllte es mit Leitungswasser und hielt es ihr hin. „Etwas anderes habe ich momentan leider nicht im Haus.", sagte er entschuldigend.
Sie nahm es an und nippte vorsichtig daran. „Ist schon in Ordnung. Es schmeckt gut."
„Ich rufe gleich noch eine Freundin an, damit du morgen wenigstens ein ordentliches Frühstück bekommst!", sagte er schnell und ging dann in den Nebenraum.
Als er zurückkam, hatte er einen Arm voll Decken bei sich. „Ich kann dir leider nur die Couch anbieten. Ein Bett besitze ich nicht."
„Hätte mich auch sehr gewundert!", meinte sie und nahm ihm dann lächelnd die Decken ab, nachdem sie ihr Glas auf dem Wohnzimmertisch abgestellt hatte.
Sie bückte sich und errichtete auf dem Boden neben dem Sofa ein kleines Nachtlager. Als sie fertig war, pfiff sie kurz und der Wolf trottete herbei und ließ sich auf den Boden fallen. Vollkommen entspannt schlossen sich seine Augen.
Mick hatte das Geschehen gespannt beobachtet und zuckte nun zusammen, als er sich an die Blutkonserve in seiner Hand erinnerte. „Ich gehe dann mal ins Bett ... Ich meine, in die Kühltruhe ... Schlaf gut!", stammelte er und ging eilig davon.
Velvet schüttelte nur den Kopf und stellte ihre Umhängetasche neben dem Sofa ab. Dann begann sie, auch ihr eigenes Nachtlager einzurichten.
Als sie damit fertig war, ließ sie sich auf dem Sofa nieder. Sie nahm ihre Tasche und begann fieberhaft nach etwas zu suchen.
Schließlich fand sie, wonach sie gesucht hatte: eine schwarze Pillendose mit weissen Ornamenten. Aus dieser entnahm sie drei weisse Tabletten und legte die Dose dann in die Tasche zurück, die sie dann auf den Boden zurück stellte.
Sie griff nach dem Glas und schob sich die erste Tablette in den Mund, die sie dann mit Hilfe des Wassers hinunter spülte. Auf die gleiche Art nahm sie auch die beiden anderen Tabletten ein.
Dann stellte sie das Glas zurück auf den Tisch und zog ihre Schuhe aus. Dann folgte ihre Hose, die sie ordentlich zusammen und dann auf die Schuhe legte.
Sie sank in die Kissen und deckte sich mit bereits geschlossenen Augen zu.

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Am anderen Ende der Stadt war für Josef noch nicht an Schlaf oder etwas Flüssiges zu denken. Auf dem Flachbildschirm vor ihm liefen die Aufnahmen der Überwachungskameras der letzten Stunden in vielfacher Geschwindigkeit ab.
Er war auf der Suche nach einer Aufnahme von Velvet, auf der man ihr Gesicht deutlich erkennen konnte, die er an Logan schicken konnte.
In diesem Moment fand er es. Sie sah genau in die Kamera. Ohne einen emotionalen Ausdruck auf dem Gesicht. Einfach perfekt!
Er machte einen Screenshot und speicherte das Bild auf dem Desktop. Dann öffnete er sein E-Mail-Programm, öffnete eine neue Mail und lud das Bild hoch. Er fügte dem Bild die Bitte um Informationen über die abgebildete Person und eine entsprechende Angabe über die Honorarsumme bei, sollte Logan sich mit dieser Anfrage beschäftigen.
Mit einem eiskalten Lächeln auf den Lippen schickte er die Mail ab und schloss das Programm. Zeitgleich schloss sich das Programm, das Zugriff auf die Aufnahmen der Überwachungskameras hatte.
Nun saß er einfach nur da und betrachtete sein neues Hintergrundbild. Von seinem Bildschirm blickte ihm eine zufriedene lächelnde Velvet entgegen. Das Bild war zu dem Zeitpunkt entstanden, als sie sein Haus wieder verlassen hatte.
Er lehnte sich entspannt zurück und wünschte, er wüßte, was sie in diesem Moment gedacht hatte.
Ihr Geruch hing immer noch im Raum. Er schien auf seltsame Art und Weise am Sofa zu haften.
Sein eigenes Seufzen erschreckte ihn derartig, dass er entsetzt aufsprang und im nächsten Moment an der geöffneten Tür stand.
„Was passiert hier?"

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A/N: Weil ihr so lange warten musstet, stelle ich auch gleich das 4. Kapitel online. Also, weiterlesen!!!