A/N: Hier kommt auch schon Kapitel 4!!! Viel Spaß damit!
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Kapitel 4 – Verschwindibus
Das Erste,
was Velvet Stunden später wahrnahm, war ein sanfter Ruck an ihrem
Arm, der langsam aber sicher stärker wurde. Sie schlug schließlich
widerwillig die Augen auf und sah Mick über sich gebeugt
stehen.
„Was ist los?" Vollkommen verschlafen fuhr sie sich
über die Augen und blinzelte schließlich.
Mick sah sie
freundlich an. „Es ist 12 Uhr.", informierte er sie. „Ich
dachte, du willst jetzt vielleicht gerne feste Nahrung zu dir nehmen.
Beth kommt gleich und bringt was mit. Ich hab ja nichts da!"
Sie
sah ihn an. „Wie kommst du so kurz nach dem Aufstehen schon so
aktiv sein?", fragte sie und gähnte herzhaft. „Wir sind doch
erst bei Sonnenaufgang schlafen gegangen ..." Dann erinnerte sie
sich an seine Worte. „Wer ist Beth?", fragte sie schließlich
zögernd.
„Eine Freundin.", sagte er und dabei stahl sich ein
verträumter Ausdruck auf sein Gesicht.
Sie lächelte ihn
verschlagen an und fragte in übertrieben unschuldigem Ton: „Nur
eine Freundin?"
Er sah sie verwirrt an und wollte gerade zu
einer Antwort ansetzen, als es an der Tür klopfte. „Ich mache
auf!", seine Stimme klang deutlich erleichtert.
Er verschwand in
Richtung Eingangstür und kam kurze Zeit später mit einer hübschen
blonden Frau zurück, die einen Weidenkorb über dem Arm trug.
„Das
ist also Velvet?", fragte sie und sah Mick fragend an. Als dieser
nickte, strahlte sie die Rothaarige an. „Freut mich, dich kennen zu
lernen. Ich bin Beth! Beth Turner."
Velvet erhob sich und wollte
Beth die Hand schütteln, als ihr plötzlich einfiel, dass sie ihre
Hose ausgezogen hatte. Schnell riss sie die Decke vom Sofa und
schlang sie sich um die Hüften. Dann reichte sie Beth die Hand und
lächelte schüchtern. „Sie sind also Micks Freundin."
Beth
sah sie verwirrt an. Dann begriff sie, worauf Velvet hinaus wollte,
und lief rot an. „Nein. So ist es nicht zwischen uns ... Ich meine
..." Sie lachte verlegen.
Velvet erschrak. „Es tut mir leid,
wenn ich ihnen zu nahe getreten bin.", entschuldigte sie sich. „Ich
wusste ja nicht ..." Ein leichtes rot färbte ihre Wangen.
„Ist
schon okay.", sagte Beth und warf Mick einen bedeutungsvollen Blick
zu. „Das konntest du ja nun wirklich nicht wissen!"
Mick
fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. „Ich muss noch ein
paar Dinge erledigen.", stammelte er und wandte sich Beth zu.
„Josef wollte später vorbei kommen. Und ich würde Velvet wirklich
nur ungern alleine hier lassen. Würde es dir etwas ausmachen, bei
ihr zu bleiben?"
Beth lächelte. „Nein, es macht mir nichts
aus. Aber ich muss um 16 Uhr in der Redaktion sein. Maureen wollte
irgendwas mit mir besprechen."
„Bis dahin bin ich längst
wieder hier.", sagte er schnell. Dann wandte er sich Velvet zu.
„Egal, was passiert, du bleibst auf jeden Fall hier!"
„Ja,
ja.", murmelte Velvet und verdrehte die Augen. „Aber, wenn Josef
wieder Durst auf ein Gläschen Sangria frisch aus der Vene hat,
garantiere ich für nichts!"
Beth sah fragend zwischen den
beiden hin und her. Sie war offensichtlich nicht über alles
informiert. Schließlich fragte sie leicht amüsiert: „Hab ich
irgendwas verpaßt?"
Mick seufzte. „Josef hat versucht, sie
anzuzapfen, als sie bewusstlos war. Zu seinem Pech ist sie früher
aufgewacht und sie hat ihn auf den Boden befördert, als ich
zurückkam."
„Da wäre ich gerne dabei gewesen!", sagte sie
und schmunzelte, als sie an Josefs verwirrtes Gesicht dachte, dass er
in diesem Moment gehabt haben musste.
„Wolltest du nicht was
erledigen?", fragte Velvet plötzlich mit unschuldigem,
engelsgleichem Gesichtsausdruck. Doch das täuschte, in ihren Augen
blitzte der Schalk, als sie Mick direkt in die Augen sah.
Er
nickte ihr kurz zu und war dann auch schon durch die Tür
verschwunden.
Als die Tür ins Schloss fiel, ließ Velvet sich
seufzend auf das Sofa fallen. Der unschuldige Gesichtsausdruck war
einem breiten, zufriedenen Grinsen gewichen.
Beth setzte sich
Velvet gegenüber in einen Sessel und stellte den Korb vor sich auf
dem Boden ab. Ruhig begann sie, den Inhalt auf dem Wohnzimmertisch
auszubreiten.
„Ich wusste nicht, was du magst. Also habe ich von
allem was mitgebracht!", sagte sie, als sie schließlich fertig
war. Plötzlich fiel ihr Blick am Tisch vorbei auf den
zusammengerollten, schlafenden Wolf zu Velvets Füßen. „Oh mein
Gott!"
Velvet folgte ihrem Blick und sah ihr dann beruhigend in
die Augen. „Das ist schon in Ordnung. Er wird dir nichts tun!"
Ihre Stimme war vollkommen ruhig.
Beth schüttelte den Kopf. „Ich
wollte eigentlich fragen, ob ich ihn oder sie streicheln darf. Wer
weiß, wann ich das nächste mal einen Wolf zu Gesicht bekomme? Und
dann auch noch so nahe ..."
Velvet lächelte. Dann berührte sie
den Wolf ganz leicht zwischen den Ohren und er schlug die Augen auf.
Träge erhob er sich und trottete zu Beth hinüber, vor deren Füßen
er sich auf sein Hinterteil fallen ließ.
Vorsichtig streckte Beth
eine Hand aus und berührte das warme Fell des Wolfes. Begeistert sah
sie Velvet an. „Wie heißt er? Oder sie?"
Velvet lächelte.
„Er ist ein Männchen." Sie griff nach einem Apfel und biß
herzhaft hinein. „Sein Name ist Dorian.", kam es schließlich aus
ihrem vollen Mund. „Nicht gegen die Haarwuchsrichtung streicheln!
Das mag er nicht." Dann wandte sie sich wieder konzentriert ihrem
Apfel zu, während Beth ihr Gesicht genießerisch ins Fell steckte
und ihn ausdauernd streichelte.
„Hast du keine Angst vor
Dorian?", fragte Velvet schließlich, als sie die Reste des Apfels
auf eine Serviette legte. „Ich meine, er ist ein wildes Tier und
die meisten Leute hätten sicher Angst vor ihm."
Beth hob ihr
Gesicht aus dem Fell und sah sie direkt an. „Nein.", war die
klare Antwort. „Nicht mehr, seit Mick mich gerettet hat, als ich 4
Jahre alt war." Das Lächeln, das nun auf ihren Lippen erschien,
war verträumt. Genau wie zuvor bei Mick.
Velvet sah sie fragend
an. „Was ist damals passiert?"
„Ich wurde von Micks Ex-Frau
Coraline entführt. Sie hat sich eingebildet, dass aus ihr, Mick und
mir eine Familie werden könnte, wenn sie mich verwandeln würde."
Sie lachte trocken. „Aber Mick hasst sie, weil sie ihn in ihrer
gemeinsamen Hochzeitsnacht verwandelt hat. Ohne seine
Zustimmung!"
„Da bekommt die Sache mit ewiger Treue eine ganz
andere Bedeutung ...", murmelte Velvet.
Beth kraulte den Wolf
jetzt zwischen den Ohren. „Ja." Sie sah die Frau an, die ihr
gegenüber saß. „Jedenfalls hat Mick mich damals gerettet. Und
sein Ex-Frau dabei getötet!"
Velvet öffnete eine Flasche und
nahm einen Schluck daraus, ohne wirklich auf ihren Inhalt zu achten.
Als sie die Flasche sinken ließ, fragte sie: „Wieso kannst du dich
überhaupt an ihn erinnern? Ich meine, du warst damals erst 4
..."
Beth lächelte. „Ich hab in Micks Karteien
herumgeschnüffelt und eine Akte mit meinem Namen gefunden. Gefüllt
mit Bildern aus meiner Kindheit und dem Teenageralter." Sie sah
Velvet in die Augen. „Ich hatte immer das Gefühl, einen
Schutzengel zu haben, der auf mich aufpaßt. Und dann fand ich
heraus, dass er es war. Er war es die ganze Zeit!"
„Dann
verstehe ich nicht, warum ihr nicht zusammen seid.", sagte Velvet
schließlich und sah sie mit durchdringendem Blick an.
Beths
Gesichtsausdruck sprach Bände. Sie hatte sich das auch schon
gefragt. Doch sie nahm nur vorsichtig ihre Finger aus dem Fell des
Wolfes. „Ich weiß es nicht."
Velvet sah sie entgeistert an.
Gerade, als sie zu einer Bemerkung ansetzen wollte, öffnete sich die
Wohnungstür und Mick trat ein. Um ihm nicht an die Kehle zu
springen, trank sie lieber noch etwas aus der Flasche.
Als die Tür
ins Schloss fiel, stand Beth auf und sah ihn an. „Hast du alles
erledigt, was du erledigen wolltest?"
„Ja.", kam seine
einsilbige Antwort.
Sie nickte und sagte dann schnell: „Wenn ihr
mich kurz entschuldigt, ich muss mal für kleine Mädchen ..."
Damit verschwand sie in Richtung Badezimmer.
Sobald sich die Tür
hinter ihr geschlossen hatte, setzte Mick sich in den anderen
Sessel.
Nun erst stellte Velvet die Flasche ab. Sie stand auf,
ging um den Tisch herum und boxte Mick gegen die Rippen. Mit
unveränderter Miene setzte sie sich wieder auf das Sofa.
Mick
rieb sich die Rippen und sah sie verwirrt an. „Wofür war das
denn?", zischte er und sein Blick wurde deutlich fordernder. Er
wollte eine Antwort.
„Ich hätte nie gedacht, dass einer alleine
so stur sein kann!", sagte sie und sah ihn wütend an. „Oder
dämlich. Kommt ganz auf den Standpunkt an!"
„Wie meinst du
das?" Er verstand nicht, was sie ihm damit sagen wollte.
„Beth!",
fauchte sie.
Er seufzte. „Es geht nicht. Ich kann keine
Beziehung mit ihr haben."
„Warum nicht?", kam die
verständnislose Frage. „Du liebst sie. Wo ist dein Problem?"
Er
schüttelte niedergeschlagen den Kopf. „Sie ist sterblich." Sein
Blick spiegelte den Schmerz wider, den ihm diese Erkenntnis
offensichtlich bereitete. „Und ich hab mir geschworen, nie jemandem
diese verfluchte Existenz als Vampir anzutun."
Das war zu viel.
Velvet warf die Flasche um, die vor ihr auf dem Tisch gestanden
hatte. Gut, dass sie vorher den Deckel wieder drauf geschraubt hatte.
„Scheiß auf deinen Schwur! Schwüre sind da, um gebrochen zu
werden."
Sein Schweigen war Antwort genug. Er würde nicht von
seinem Standpunkt Abstand nehmen.
Sie schlug die Hände vor ihr
Gesicht, ihre Stimme nur ein Flüstern, als sie sagte: „Du stehst
dir selbst im Weg! Dir und dem Glück, das du mit ihr finden
könntest." Sie sah ihn wieder an. „Das ist aber nicht nur deine
Entscheidung. Es betrifft nicht nur dich. Du machst sie dadurch auch
unglücklich!"
Er sah sie mit großen Augen an und murmelte: „Du
hörst dich schon wieder an wie Josef!"
In diesem Moment öffnete
sich die Badezimmertür und Beth kam zurück.
„Das war gemein!",
preßte Velvet zwischen zusammen gepreßten Zähnen hervor. „Jeder
Vergleich zwischen mir und dem dämlichen Blutsauger ist
überflüssig!"
Beth ließ sich wieder in ihrem Sessel nieder
und sah fragend zwischen den beiden hin und her.
Velvet griff nach
ihrer Umhängetasche und legte sie um. Dann griff sie nach ihren
Schuhen und ihrer Hose. Sie wandte sich Beth zu. „Danke für das
Frühstück." Im nächsten Moment sprang sie auf und sprintete ins
Badezimmer.
„Dorian!", kam plötzlich ihre Stimme aus dem Bad.
Der Wolf erhob sich und trottete hinterher und verschwand ebenfalls
im Bad.
Mick hörte, wie die Tür sich schloss und der Schlüssel
herumgedreht wurde. Kurze Zeit später begann das Wasser zu laufen.
Seine konzentrierte sich nun auf Beth.
„Worüber habt ihr euch
unterhalten, während ich mich frisch gemacht habe?", fragte sie
leise.
„Ach, über dies und das ...", versuchte Mick eine
direkte Antwort zu vermeiden. „Nichts wichtiges. Small Talk halt
..."
„Du willst nicht darüber reden.", stellte sie fest und
sah ihn enttäuscht an. „Das ist okay! Du hättest es nur sagen
müssen." Dann räusperte sie sich und fragte jetzt
geschäftsmäßiger: „Was hältst du von ihr?"
Er überlegte
kurz. „Sie ist mehr, als sie jemals zugeben würde. Weniger, als
sie sein könnte. Sie nutzt bei weitem nicht ihr gesamtes
Potential."
„Ja. Das ist mir auch aufgefallen.", sagte sie.
„Sie hat so eine Art, die es einem unmöglich macht, etwas vor ihr
zu verbergen." Sie schmunzelte. „Aber selbst das ist nur ein
kleiner Teil ihrer Fähigkeiten. Der Teil, der direkt an der
Oberfläche sitzt ..."
„Was hältst du von ihr?", fragte er
sie nun mit ehrlichem Interesse.
Sie überlegte kurz. „Schwer zu
sagen." Sie machte eine kunstvolle Pause. „Sie hat offensichtlich
schon eine ganze Menge in ihrem Leben erlebt. Dinge, über die sie
nie ein Wort verlieren wird!" Wieder hielt sie inne. „Das macht
es sehr schwer, sie einzuschätzen. Auch, was das Alter angeht. Aber
sie scheint trotz allem niemand zu sein, der vor seinen Problemen
wegläuft. Oder sich vor ihnen versteckt."
Er sah sie lächelnd
an. „Ja. Aber ich glaube trotzdem, dass sie vor irgendwas davon
läuft. Irgendwas verfolgt sie. Etwas, vor dem sie schon sehr lange
auf der Flucht ist."
Bevor Beth über eine Bemerkung dazu
nachdenken konnte, klopfte es energisch an der Tür. Genervt sprang
Mick auf und ging hin, um zu öffnen.
Draußen stand Josef, einen
Ordner in der Hand und mit eindeutig gehetztem Gesichtsausdruck.
„Was
ist los, Josef? Bist du von einem Fackel tragenden Mob durch die
Straßen gejagt worden?", fragte Mick sichtlich amüsiert und ließ
seinen Freund eintreten.
„Nein.", kam die knappe Antwort von
Josef. Er atmete tief ein und entdeckte einen ihm wohl bekannten
Duft. Mit einem Lächeln wandte er sich Beth zu. „Meine
Lieblingssterbliche! Hallo Blondie!"
Sie erwiderte sein Lächeln
und antwortete überschwenglich freundlich: „Josef Kostan! Wenn ich
gewußt hätte, dass du heute hier bist, hätte ich etwas anderes
angezogen und frische Blumen in eine Vase gestellt, damit wir das
gebührend feiern können."
Er warf Mick einen Blick zu, der
deutlich sagte: „Du solltest sie wirklich besser erziehen!"
Dann
fiel Josefs Blick auf den Wohnzimmertisch. „Mick! Hast du deine
Essgewohnheiten geändert, oder hat Beth unserer Kleinen was zu essen
gebracht?" Er sah Beth an. „Ich tippe auf letzteres!"
Mick
ging nicht weiter darauf ein und sagte statt dessen: „Velvet hat
das Blut abgelehnt, das ich ihr angeboten habe. Sie sagte, dass die
Grenze zur Sucht bei ihr sehr niedrig ist!"
Josef zog die
Augenbrauen hoch und murmelte dann: „Man lernt halt nie aus!"
Dann blinzelte er und setzte sich auf das Sofa. „Logan hat mir
heute morgen einiges über die Kleine zu gemailt." Er sah sich um,
während Mick sich setzte. „Wo ist sie eigentlich? Ich kann auch
das gemeingefährliche Biest nirgendwo entdecken. Sie werden sich
doch nicht etwa in Luft aufgelöst haben?" Ein verschmitztes
Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Sie ist duschen
gegangen.", informierte Beth ihn.
Er nickte nur und wandte sich
dann Mick zu. „Ich hätte sie gern dabei, damit ich sie mit den
Dingen konfrontieren kann, die Logan herausgefunden hat."
Mick
erhob sich und ging zur Badezimmertür. Vorsichtig klopfte er an.
„Velvet?", fragte er mit leicht erhobener Stimme. „Josef ist
hier und würde sich gerne mit dir unterhalten."
Aus dem
Badezimmer war keine Reaktion zu vernehmen. Alarmiert warf er Josef
einen Blick zu. Dann warf er sich mit der Schulter gegen die Tür.
Das Schloss gab mit einem gewaltigen Krachen nach.
Er stolperte in
den Raum und kam schließlich kreidebleich wieder heraus.
„Was
ist?", fragten Josef und Beth gleichzeitig. Sie klangen
alarmiert.
Mick schluckte und sagte dann mit brüchiger Stimme:
„Sie ist weg!"
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A/N:
Eigentlich sollte dieses Kapitel gar nicht offen enden, aber
irgendwie hat das alles nicht so geklappt, wie ich es wollte...na
ja...vielleicht beim nächsten Mal!!
Es wäre irgendwie cool, wenn
ihr mir ein Review dalassen würdet, wie es eurer Meinung weitergehen
wird. Aber ich bin auch immer offen für Kritik in jeglicher
Form...*g*
