1. Kapitel

Many Rivers To Cross

Ich hatte meine Augen geschlossen als ich meinen Kopf zur Seite lehnte und den Fahrtwind aus dem geöffneten Fenster auf meiner Haut genoss. Ich war hungrig wie schon seit Jahren nicht mehr, da ich meinen ersten Schluck TruBlood gestern Nacht gleich wieder prustend ausgespuckt hatte. Ich konnte das Zeug einfach nicht schlucken mit diesem unnatürlichen Geschmack. Es fühlte sich falsch an. Gab es wirklich Vampire die das freiwillig tranken? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Ein Verbrechen an der Natur ist dieser Mist.

Also zog ich es vor ohne vorher etwas zu essen ins Bett zu gehen. Keran hatte in der Zeit eine Menge Spaß in seinem Zimmer mit dem Snack den er sich bestellt hatte. Anscheinend war der Zimmerservice in diesen Hotels nicht nur zum sättigen da. Das ständige Gestöhne und das wiederholte Krachen von einem Metallbett das an die Wand schlägt konnten mich auch nicht von dem schlechten Gefühl ablenken welches ich hatte wenn ich an die kommenden zwei Monate dachte. Konnten Vampire eigentlich verhungern?

Ich wünschte mein Magen könnte vor Hunger laut knurren, denn dann hätte ich eine Sache gehabt mit der ich Keran die ganze Autofahrt über schön auf die Nerven gehen könnte. Aber wie gewohnt war das Glück nicht auf meiner Seite.

Als wir in Dallas ankamen folgte Keran dem Navi zu der Adresse die sein Freund Godric ihm gegeben hatte. Kurz hatte ich am Morgen überlegt ob ich nicht etwas mehr aus mir und meiner Erscheinung machen sollte aber lies es dann doch bleiben. Durch die vier stündige Fahrt die wir da vor uns hatten, wäre eh alles wieder ruiniert gewesen. Ich schwöre, zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Also zog ich nur ein schlichtes cremefarbenes kurzes Kleid an. Es ließ mich irgendwie unschuldig aussehen und das gefiel mir.

Mein langes blondes gelocktes Haar ließ ich offen über meinen Rücken fallen, da ich keine Lust hatte mich mit einem Zopf auseinander zu setzen. Als Keran aus seinem Zimmer kam und mich anschaute wusste ich genau was er dachte. Ein Dämon in Engelsgestalt und er liebte es.

Als wir in die Straße einbogen in der das Haus vom Sherif stehen sollte, fielen mir als erstes die Villen auf. Eindeutig eine Gegend für Wohlhabende. Aber was anderes war ja auch nicht zu erwarten gewesen.

Wir parkten gegenüber von einem riesigen hochmodernen Gebäude das irgendwie hauptsächlich aus Glas zu bestehen schien. Sehr Futuristisch.

Sollte es das tatsächlich sein? Ein bisschen arg Merkwürdig für eine Vampirunterkunft war es ja schon. Was passierte mit all den Fenstern wenn die Sonne aufging? Hatten sie ihre Schlafzimmer etwa Unterirdisch?

Ich wollte schon austeigen als Keran mich schnell mit seiner Hand wieder in den Sitz presste. Ich glaubte so etwas wie Nervosität von ihm zu spüren als er mich eindringlich ansah.

"Benimm dich!"

Ich rollte mit den Augen, denn ich hatte es schon die letzten 100 Mal verstanden als er mich auf dem Weg hier her daran erinnert hatte.

"Ich werde nichts tun was dich blamieren oder mich den Kopf kosten könnte."

Naja wollen wir es zumindest hoffen. Ganz überzeugt war ich selber nicht von mir.

Er seufzte ein letztes Mal bevor wir endgültig ausstiegen und zu der gewaltigen schwarzen Eingangstür gingen. Ich lief in sicherer Deckung hinter ihm her.

Ruhig Pheonix, atmen. Sag am besten nichts. Fass nichts an. Alles wird gut.

Noch bevor Keran die Chance hatte zu klopfen wurde die Tür von einer schwarzhaarigen Schönheit geöffnet die uns freundlich lächelnd begrüßte.

"Willkommen. Godric erwartet dich bereits."

Sie neigte leicht ihren Kopf in einer demütigen Begrüßung und trat einen Schritt zur Seite um uns durchzulassen.

Bei Vampiren war es nicht üblich sich die Hände zu schütteln, was in einem krassen Kontrast stand zu dem wie ich von meinen leiblichen Eltern erzogen worden war.

Also schenkte ich ihr nur ein freundliches Lächeln und nickte ihr kurz zu um nicht gleich in das erste Fettnäpfchen zu treten. Ich ging hinter meinem Macher in das Haus und schaute mich erst einmal neugierig um. Natürlich ganz dezent und achte penibel darauf hinter Keran´s breiten Schultern in Deckung zu bleiben.

Die Einrichtung war hauptsächlich in weiß und genauso modern und clean gehalten wie das Haus von außen. Ein Flachbildfernseher hing gegenüber der riesigen ledernen Sitzecke an der Wand und ein Kamin in dem ein Feuer brannte ließ das ganze arg gemütlich wirken. Teuer aussehende Gemälde zierten die Wände und sie waren die einzigen Dekoelemente.

Ich wurde bei meiner Musterung unterbrochen als ein Mann aus einer Tür zu unserer linken trat. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber das ganz sicher nicht. Der Mann war in zeitloses weißes Leinen gekleidet, vom äußeren Erscheinungsbild her schien er nicht älter als 23 und doch merkte ich das prickeln auf meiner Haut als seine Aura den Raum füllte. Kraftvoll, mächtig. Ich bekam eine Gänsehaut auf meinen Armen als ich die Ladung der Energie empfing die allein sein Alter mit sich brachte. Beeindruckend.

"Keran, es ist zu lange her!"

Und er legte ihm eine Hand auf die Schulter. Die Mimik meines Machers konnte ich nicht erkennen, da ich immer noch hinter ihm stand, doch ich sah wie er den Kopf in Demut beugte, tief. Er BEUGTE seinen verdammten Kopf! Das hatte ich vorher noch nie gesehen. Er war sonst immer derjenige vor dem gebeugt wurde. Ich hatte stark damit zu kämpfen das mir nicht die Kinnlade runterklappte.

Als er wieder hochschaute sprach er.

"Godric, gut siehst du aus." Ich konnte an seiner Stimme erkennen das auch er lächelte. Natürlich hatte er einen kleinen Witz gerissen, denn bekannter Weise ändert kein Vampir jemals sein äußeres Erscheinungsbild.

Godric lachte kurz auf. Ein tiefes bass Ton der wie Samt in den Ohren klang.

"Ja du auch. Eine Schande das die Umstände unseres Wiedersehens keine Guten sind. Aber genug davon. Sag wen hast du da mitgebracht? Deine Partnerin?"

Bevor Keran die Chance hatte ihm zu antworten entwich mir auch schon ein ziemlich undamenhaftes Schnauben. Mein Macher und eine feste Partnerin. Die Hölle friert zu bevor dieser Mann sich auf romantischer Ebene an eine Frau bindet. Im Duden würdest du ein Bild von ihm finden unter ´beziehungsuntauglich´.

Beide Männer schauten mich an. Godric eher etwas verwundert und Keran so als ob er mir liebend gerne eine gescheuert hätte. Gut das war denn Wohl Fehltritt Nr.1 und das schon nach nicht einmal zehn Minuten. Selbst für mich war das ein neuer Rekord.

GO Pheonix!

Keran fing sich schnell wieder bevor er sprach.

"Nein. das ist Phoenix. Meine Tochter."

Jetzt musterte mich Godric von oben bis unten mit einem undefinierbarem Ausdruck in seinem schönen Gesicht. Es kam mir vor als würde sein Blick bis zu meinen Knochen brennen, als ob er mehr sehen würde als nur das Äußere und ich kam mir nackt vor. Also rutschte ich noch etwas näher an Keran heran, sodass ich ihn fast berührte.

"Dein Kind, tatsächlich? Das ist in der Tat eine Überraschung. Ich erinnere mich noch gut an eine Unterhaltung die wir einmal hatten in der du meintest das du kein Interesse daran hättest jemals ein Macher zu werden."

Seine Worte waren zwar für Keran bestimmt aber trotzdem hielt er Blickkontakt mit mir. Ich denke selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich nicht wegschauen können. Er hatte etwas Hypnotisches an sich das ich noch bei keinem anderen Vampir wahrgenommen hatte. Seine Augen waren von einem hellen graublau die strahlten als hätten sie die ganze Welt in sich.

"Nun um ehrlich zu sein war das auch eher eine spontane Entscheidung."

Ich wusste schon gar nicht mehr auf was er da eigentlich antwortete. Meine komplette Aufmerksamkeit hing an dem Vampir vor mir. Er war schön. Nicht hübsch oder süß. Einfach nur unglaublich schön. Hohe Wangenknochen. Eine grade Nase über perfekt geformten vollen Lippen. Dichte schwarze Wimpern und einen Körperbau aus dem Träume gemacht sind.

Perfekt. Wie kann jemand so Perfekt aussehen?

Er trug keine Schuhe. Jemand der so alt war wie er, hatte es wahrscheinlich nicht nötig sich mit so profanen Dingen wie der zeitlichen Mode zu beschäftigen. Seine komplette Erscheinung strahlte so viel Würde aus, dass ich mir gerade ziemlich winzig vorkam.

Ich bemerkte das ich ihn immer noch anstarrte und starren war in jeder bekannten Gesellschaft unhöflich und provozierend. Ich senkte schnell den Kopf wie Keran es vorher getan hatte und fixierte meine Füße.

Da nahm Godric meine Hand hauchte einen Kuss darauf der kaum als Berührung zu definieren war.

"Es ist mir ein Vergnügen."

Was sollte ich jetzt machen? Etwa einen Knicks? Auf so eine Situation hat mich niemand vorbereitet. Ich spreche nicht Mittelalterlich.

Ich schaute kurz zu ihm hoch nur um den Schalk in seinen Augen zu sehen und nuschelte ein kurzes "Ebenso Sherif." Anscheinend fand er das ganze sehr amüsant. Na danke aber auch.

Er ließ meine Hand genauso schnell wieder los wie er sie genommen hatte und wendete sich ab. Ich wagte es nicht noch einmal hoch zu schauen weil ich langsam wirklich Angst bekam das Keran mir gleich an die Kehle gehen würde wenn ich mich weiter so bescheuert benahm.

"Setzt euch. Seid ihr vielleicht hungrig? Ich könnte nach ein paar Menschen schicken lassen."

Oh ja Musik in meinen Ohren. Aber halt, da war was!

"Danke Godric, ich habe bereits gut gegessen. Und Phoenix gibt sich mit einem TruBlood zufrieden. Nicht wahr mein Kind?"

Ich wollte am liebsten schreiend aufspringen und mir die Haare ausreißen. Wenn Blicke töten könnten würde Keran jetzt als blubbernde Masse am Boden liegen. Er würde es tatsächlich durziehen mich zwei Monate lang zu quälen. Falls überhaupt möglich sank meine Laune noch weiter in den Keller.

Statt ihm eine Antwort zu geben knirschte ich mit den Zähnen und gab mir die allergrößte Mühe Blitze mit meinen Augen zu produzieren. Leider ohne Erfolg.

"Wie du befiehlst." quetschte ich zwischen meinen immer noch zusammen gebissenen Zähnen hindurch.

Godric nickte der Frau zu, die uns die Tür geöffnet hatte und eine Minute später hatte ich eine frisch aufgewärmte Flasche in der Hand.

Er nahm die Gelegenheit war, um sie uns gleich einmal vorzustellen.

"Das ist Isabel. Sie ist mein 1. Leutnant. Falls ihr irgendetwas braucht während eures Aufenthalts hier wendet euch an sie."

Und dann sprach er zu Isabel.

"Danke. Du kannst jetzt gehen." Und er entließ sie für ihre freie Abendgestaltung.

Ich schaute voller Ekel auf die offene Flasche in meinen Händen und kämpfte mit mir etwas davon zu trinken. Dadurch das ich noch so jung war, war mein Bedarf an Blut weit höher als der eines alten Vampires. Während diese mal ohne Probleme ein paar Tage ohne Nahrung auskommen konnten, machten sich bei mir schon sehr schnell erste Hungererscheinungen bemerkbar.

Kurz gesagt wenn ich diese eklige Brühe heute Abend nicht in mich rein bekommen sollte, würde ich spätestens morgen einen Nervenzusammenbruch haben, der damit endet das ich ein Blutbad anrichte. Und was das zur Folge hätte, hatte mir mein Macher ja großzügiger Weise schon erklärt.

Keran und Godric hatten die ganze Zeit meinen inneren Kampf still mit angesehen.

„Ich denke das ist ein passender Zeitpunkt um euch eine Regel zu nennen die in meinem Territorium herrscht und auf deren Einhaltung ich bestehe."

Keran nickte kurz um ihm anzudeuten das er fortfahren soll.

"Es ist verboten Menschen zu töten. Nähren könnt ihr euch von ihnen, doch keine Leichen. Es gibt hier in Dallas mehr als genug Spender die sich freiwillig einem Vampir anbieten."

Ich wusste nicht ob ich lachen oder heulen sollte. Zum Lachen war definitiv Keran´s Gesichtsausdruck. Wenigstens war ich nicht mehr die einzige die die nächste Zeit über zu leiden hatte. Ich meine natürlich tötet mein Macher nicht immer wenn er sich nährte, doch NUR auf Freiwillige angewiesen zu sein war unter seiner Würde. Wo sollte da der Spaß bleiben?

„Versteh mich nicht falsch Godric, ich respektiere deine Gesetze und werde dir immer loyal ergeben sein. Doch warum spielt das Leben eines Menschen für dich eine Rolle? Sie sind Nahrung für uns, wir scheren uns nicht um ihre Belange, noch um ihr Wohlergehen. Ich dachte auch du teilst diese Einstellung, mehr als alle anderen noch."

Auf Kera´s Worte folgte eine unangenehme Stille die mich unruhig werden ließ. Nach allem was mein Macher mir über Godric erzählt hatte war auch er kein Sympathisant der Menschen. Er tötete und zerstörte wo er nur konnte, ohne sich um die Folgen zu kümmern. Ein Vampir in seiner Position konnte es sich auch erlauben so zu handeln. Mir war neu das es überhaupt so etwas gab, wie Vampire die sich ernsthaft für die Menschenrechte einsetzten. Natürlich gab es diejenige die sich Menschen hielten, doch war das meiner Meinung nach nur aus Spaß, denn entweder wollten sie das Blut oder den Körper desjenigen für sich beanspruchen. Also purer Eigennutz.

„Wir haben uns über 50 Jahre nicht gesehen Keran. Dinge ändern sich. Die Welt, die Menschen ändern sich. Ich bin es leid das wir Vampire immer noch an den selben Werten halten wie schon vor tausenden von Jahren. Ohne jegliche Veränderung. Sag mir was hat uns das gebracht?"

Keran überlegte nicht lange.

„Freiheit! Und die Unabhängigkeit von Dingen die vergehen. "

Godric lächelte kurz.

„Nein. Freiheit ist ein Zustand des Geistes, nicht die Freiheit von etwas. Ich kann zwar nicht für alle Vampire sprechen, aber das was mich am meisten angetrieben hat war Hass und der Wille mich für Dinge zu rächen die ich nicht rückgängig machen kann. Egal wie grausam und blutrünstig ich war, ich fühlte mich niemals wirklich befriedigt. Ich habe den Dingen die ich am meisten verachtete die Macht gegeben mein Leben zu bestimmen. Das ist weder Unabhängigkeit noch Freiheit. Ich finde keine Genugtuung mehr in sinnlosem töten."

„Aber es liegt in unserer Natur Godric. Das Töten ist das wofür unser Körper geschaffen wurde. All die Kräfte die uns bei der Verwandlung gegeben werden, sind dazu gemacht worden um zu dominieren. Wir stehen über den Dingen, gerade weil wir uns nicht verändern. Menschen sind doch keine Spur besser als wir. Sie führen sinnlose Kriege. Sie töten Kinder und schänden Frauen. Sie zerstören alles leben um sich herum, indem sie ihre Städte immer größer bauen und ihr Machthunger und ihre Gier nimmt kein Ende. Alles was unter ihnen steht behandeln sie genauso wie Dreck. Sie scheren sich noch nicht einmal um das Befinden ihrer eigenen Art. Warum sollten wir es tun?"

Ganz ehrlich gesagt war ich ein bisschen verwirrt. Ich hatte niemals die Natur des Vampires angezweifelt. Töten war für uns das alltäglichste der Welt. Natürlich hatte Keran mit seiner Meinung einen großen Einfluss auf mich, da er derjenige war der mir alles beigebracht hatte was ich wusste. Doch verstand ich Godrics Punkt. Das töten befriedigte uns nicht wirklich, es führte nur mehr und mehr zu Chaos.

„Nun das ist unter anderem eine Sache die ich später mit dir besprechen wollte, aber da wir jetzt schon einmal beim Thema sind. Die Situation in meiner Stadt zwischen den Rassen ist kritisch und steht kurz vor der Eskalation. Viele meiner Untertanen denken genau wie du. Doch diese Einstellung könnte schneller als uns lieb ist zu einem Krieg führen. Die Zahl der Anhänger der Anti-Vampirsekten steigt täglich und ich wäre blind wenn ich die aufsteigende Gefahr nicht erkennen würde und dumm dazu wenn ich sie unterschätzen würde. Noch mögen sie keine Gegner für uns sein, doch macht die Masse die Stärke und nicht der Einzelne. Ihre Waffen sind sehr wohl in der Lage es mit uns aufzunehmen.

Ich kann nicht überall zur selben Zeit sein und brauche daher Leute bei denen ich mir sicher sein kann das sie zu 100% hinter mir stehen. Du biste einer der ältesten Vampire auf diesem Kontinent und ich weiß das dein Einfluss großes bewirken könnte."

Keran nickte und überlegte kurz bevor er antwortet.

„Ich verstehe worauf du hinaus willst, ein Krieg wäre wirklich das Letzte was wir gebrauchen könnten. Ich vertraue deinem Urteil und du kannst darauf zählen das ich jede Aufgabe die du mir gibt's gewissenhaft erfüllen werde."

Sollte ich mich vielleicht einmal räuspern? Die beiden schienen mich ganz vergessen zu haben.

Als hätte mein Macher meine Gedanken gehört hat wandte er sich plötzlich an mich.

„Phoenix dieses Thema ist nichts für dich. Du bist zu jung um dich jetzt schon mit politischen Strategien zu befassen. Sei so gut und geh dich eine Weile umsehen solange ich mit Godric spreche."

Wollte er mich etwa auf den Arm nehmen? Ich bin doch kein kleines Kind mehr. Ich bin zwar ein neugeborener Vampir aber dennoch hatte ich als Mensch das Erwachsenenalter erreicht, wenn auch nur knapp. Ich holte schon Luft um ihm zu wiedersprechen als er mich unterbrach.

„OHNE Diskussion oder ich verlängere deine Strafe um weitere zwei Monate. Nun geh und Finger weg von den Menschen, du weißt ich kann es riechen falls du dich von einem von ihnen nähren solltest."

Ohne ein weiteres Wort verließ ich in Vampirgeschwindigkeit das Haus durch die Eingangstür, welche ich laut hinter mir zu krachen lies. Es war mir ehrlich gesagt gerade einmal scheißegal ob das unhöflich war oder nicht. Sollten sie froh sein das die Tür überhaupt noch hing.

Da bemerkte ich das ich immer noch die inzwischen kalte Flasche TruBlood in der Hand hielt.

Ok ich kann das, Luft anhalten und auf Ex…..1…2..3. Mit einer fast schon heldenhaften Willenskraft hob ich die Flasche an meinen Mund und trank sie in einem Zug leer.

Zum Glück war es für Vampire unmöglich zu kotzen sonst hätte ich mit Sicherheit die schöne weiße Fassade des Hauses besudelt.

Ich schmiss die Flasche in eine nahe stehende Mülltonne und sprintete los in der Hoffnung ein wenig Unterhaltung zu finden. Die Nacht war warm und klar, doch vermisste ich die frische Briese auf meinem Gesicht beim rennen. In Dallas war es immer so scheiße heiß das ich wohl solange ich hier war nicht auf den Genuss kommen würde.

Fünf Minuten später hatte ich auch schon die Innenstadt erreicht und starrte mit großen Augen auf ein Plakat das Werbung für eine Vampirbar eine Straße weiter machte. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen! In menschlicher Geschwindigkeit schlenderte ich in die angegebene Richtung. Die Straßen waren nicht besonders voll, schließlich war es Dienstag und mitten in der Nacht.

Es dauerte nicht lange bis ich die Vampirbar erreichte und mich in der kurzen Schlange anstellte. Es ging zügig vorwärts sodass ich bald an der Reihe war und vor dem Türsteher stand. Er schaute kurz an meiner unschuldigen Aufmachung hinunter und grinste mich frech an.

„Das ist ein verdammt guter Köder Kleines!" Natürlich hatte er mich anhand meines Geruchs gleich als eine seiner eigenen Rasse identifiziert. Er trat einen Schritt zur Seite um mich durch zu lassen und ich murmelte ein leises „Danke" bevor ich ins Innere des Clubs ging.

Es war laut, stickig, verdammt voll und es gefiel mir! Der Bass dröhnte so laut dass der Boden vibrierte und überall klebten verschwitze Körper aneinander die sich im Takt der Musik bewegten. Hier und da konnte ich ein paar Vampire ausmachen die sich gerade ihr Abendessen besorgten.

Ich war schon seit guten fünf Jahren in keinem Club mehr gewesen da Keran den Menschenaufläufen nichts abgewinnen konnte. Also beschloss ich mich unter die Tanzenden zu mischen und einfach ein bisschen locker zu lassen.

Es dauerte auch nicht lange bis ich das erste Mal angetanzt wurde. Es war ein hübscher junger Mann so um die 25 mit einem sonnigen Teint. Er konnte sich gut bewegen das musste man ihm lassen. Als er näher kam und sich unsere Haut berührte, merkte er wie kalt die meine war. Doch schien ihn das nicht abzuschrecken, ganz im Gegenteil, denn ein schmutzigen Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus als er noch näher an mich ran tanzte.

Für ein Gespräch war die Musik viel zu laut, aber das störte auch nicht weiter, denn schließlich war ich hier um mich abzulenken und nicht um mir die Geschichte irgendeines Sterblichen anzuhören die mich eh nicht interessierte. Mir war klar das der Kerl vor mir ein Musterbeispiel eines Fangbangers war und trotzdem gefiel mir was er da mit seinem Körper tat, der sich immer wieder wie zufällig an mir rieb. Ich unterstützte ihn tatkräftig als ich ihn an seinem Shirt packte und näher an mich ran zog.

Ich konnte ein leises Stöhnen hören und spürte seine wachsende Erektion, ja ich konnte es sogar riechen. Und ich gebe zu das lies mich nicht kalt. Wir tanzten noch eine Weile, nur um uns weiter aufzuheizen, in dem völligen Einverständnis das wir beide mehr wollten.

Irgendwann wanderten seine Hände runter zu meinem Hintern und packte fest zu. Das war der Moment in dem meine Fangzähne plötzlich rausschossen und ich arge Schwierigkeiten hatte sie nicht in der Halsschlagader meines Gegenübers zu versenken. Anscheinend merkte er wo gerade mein Problem lag und flüsterte ein „komm" in dem Wissen das ich ihn trotz der lauten Musik hören konnte.

Er führte mich zu einem Hinterausgang der in einer dunklen Gasse endete. Wie klischeehaft. Kaum das wir draußen waren presste ich ihn an die kalte Mauer und überfiel ihn mit einem gierigen Kuss. Meine Fangzähne musste ich schnell wieder einziehen, damit ich nicht ausversehen seine Lippe anritze. Hätte ich jetzt Blut geschmeckt, wäre ich bestimmt nicht mehr in der Lage gewesen zu wiederstehen.

Er drehte seinen Kopf zur Seite sodass ich besseren Zugang zu seinem Hals hatte. Was sollte das?

Ich nahm meine Hand zur Hilfe die schon an seiner Hose zugange war um seinen Kopf wieder in meine Richtung zu drehen. Ich küsste ihn noch einmal und da drehte er schon wieder seinen verdammten Schädel zur Seite so dass meine Lippen auf seinem Hals landeten.

„Beiß mich!"

Das war das erste Mal das ich diese Worte hörte und ich fand es verdammt abturnend. Sonst hieß es immer nur „beiß mich nicht" oder „ AAHHHHHHHHH" was ich viel mehr bevorzugt hätte.

Ich machte keinen weiteren Versuch ihn zu küssen und riss stattdessen wütend sein Hemd auf.

„Nein."

Er stoppte mitten in der Bewegung meinen Slip von meinem Hintern zu entfernen und guckte mich an.

„Wie meinst du das `nein´?"

„Ich meine damit, dass ich dich nicht beißen werde Idiot. Und jetzt zieh deine Hose runter."

Gibt es sowas? Der wollte ernsthaft mit mir diskutieren während ich meine Titten an ihn presste.

Der Kerl bekam einen bockigen Gesichtsausdruck und löste sich von mir.

„Bin ich dir etwa nicht gut genug?"

Was? Ziemlich verdattert schaute ich ihn an.

„Das hat damit nichts zu tun, ich bin quasi auf einer speziellen Diät."

Warum zur Hölle hatte ich das Bedürfnis mich zu rechtfertigen vor diesem Wurm? Warum riss ich ihm nicht einfach den verdammten Kopf von den Schultern. Ach ja, Godric sagte keine Leichen.

„Verarschen kann ich mich alleine. Erst mich aufgeilen und dann sowas. Frauen sind doch alle gleich."

Er drehte sich um und verschwand wieder im Club.

Ich dachte ernsthaft dass ich mir das gerade alles nur eingebildet hatte. Er hat mich hier einfach stehen lassen. Ich habe ihm guten, schnellen, unabhängigen Sex angeboten und er lässt mich einfach stehen weil ich ihn nicht beißen wollte.

Was zur Hölle ist aus dieser Welt geworden? Drehen jetzt hier alle völlig durch?

Ich stand noch eine Weile an Ort und Stelle als ich einen Schwall der besten Ausdrücke losließ die mir gerade einfielen und mir mit der Hand durch die Haare fuhr.

Nicht das ich in letzter Zeit schon genug bestraft worden war, nein, jetzt kam auch noch zu meiner Situation sexuelle Frustration dazu. Ich schaute nach oben in den Himmel nur um festzustellen, dass es nur noch knapp eine Stunde bis Sonnenaufgang war. Ich sollte besser wieder zurückgehen, schließlich musste mir jemand noch mein vorrübergehendes Zimmer zeigen bevor ich mich schlafen legen konnte.

Ich beeilte mich jedoch nicht wirklich. Mit gemütlichen Schritten schlenderte ich durch die Stadt als mich plötzlich eine Welle der Übelkeit überkam und ich am ganzen Körper einmal kurz zitterte.

Keran rief mich, und ich hasste es wenn er das tat. Jetzt blieb mir nämlich keine andere Möglichkeit als loszurennen. Wenn ein Macher sein Kind ruft ist das wie ein direkter Befehl den man nicht ignorieren kann, selbst wann man gerne wollte.

Eine Minute später war ich auch schon vor Godrics Haus und lies mich selber rein.

Keran stand mit verschränkten Armen an die Couch gelehnt und hatte eine finstere Miene aufgesetzt. Godric konnte ich nirgends ausmachen.

„Wo zur Hölle warst du so lange? Es ist fast Dämmerung."

„Ich weiß, ich war schon auf dem Weg als du mich gerufen hast, also reg dich nicht auf."

Ein kleines tiefes knurren klang aus seiner Brust als er in dem Bruchteil einer Sekunde direkt vor mit stand und tief durch die Nase Luft holte.

„Sein Gestank klebt überall an dir."

Ich zog eine Augenbraue hoch. Das, war ein ganz schlechtes Thema Freundchen!

„Eifersüchtig?" Ich wusste das ich ihn provozierte aber das wir mir grade herzlich egal.

Mir war klar das er sich einfach nur Sorgen gemacht hatte, denn er mochte es nicht wenn er nicht wusste mit wem ich mich abgab und das war seine Art es auszudrücken, doch ich hatte einfach keinen Nerv mehr. Ich wollte gerade noch einen draufsetzten als Godric den Flur entlang kam. Wieder blieb mir nichts anderes übrig als ihn anzugaffen. Oh heilige Scheiße war der lecker! Nach meiner versauten Nummer hinter dem Club war ich definitiv nicht mehr Herrin meiner Libido und Gott ja sie schien es auf den über 2500 Jahre alten Vampir abgesehen zu haben. Mit seinem schlanken kräftigen Fingern allein, könnte er mich wahrscheinlich schon in Sekunden in den siebten Himmel schicken. Oh sweet Jesus und erst dieser Mund…

Ich fühlte wie langsam meine Knie weich wurden allein schon von dem Blick in seinen Augen mit dem er mich fesselte. Der leiseste Ansatz eines Grinsens zierte seine Mundwinkel, als wüsste er ganz genau was sich in meinem Kopf gerade abspielte. Fuck, wusste er es etwa wirklich?

Ich biss mir so fest auf die Unterlippe das ich Blut schmecken konnte. Zur Hölle wollte ich gern meine Hände in seinem Haar vergraben.

„Phoenix hörst du mir zu?"

Mit einem großem ´Plop` platze die Seifenblase die mein gutes Kopfkino enthielt.

„Was?"

Ich schenkte etwas irritiert meine Aufmerksamkeit wieder meinem Macher der anscheinend versucht hatte mir etwas mitzuteilen. Er rollte mit den Augen.

„Ich sagte das ich dir jetzt dein Zimmer zeigen werde, also beweg deinen Hintern."

Oh ja am liebsten auf Godrics Schoß. Ich konnte das Lächeln nicht aufhalten das sich bei diesem Gedanken auf meinem Gesicht ausbreitete.

„Gerne!"

Keran packte mich am Arm und zog mich hinter sich her, weil ich immer noch keine Anstalten machte mich zu bewegen und lieber den sexy Vampir weiter anstarrte.

„Ich glaube der Mangel an Menschenblut schlägt dir aufs Gehirn."

Auf die Aussage hin musste ich lachen.

„Da hast du verdammt nochmal Recht." Anders konnte ich mir nämlich mein Verhalten selber nicht erklären.

Mit einem letzten schmachtenden Blick zu Godric, bog ich mit Keran in einen langen Flur ein der zu einer Treppe ins Kellergeschoss führte. Also hatte ich recht gehabt mit meiner Vermutung, hier wurde unterirdisch geschlafen. Das war ein beruhigender Gedanke, denn es behagte mir überhaupt nicht nur geschützt von dünnen Betonwänden in einer Stadt voller vampirhassender Freaks und verrückten Fangbanger zu ruhen.