4. Kapitel
Path Full Of Surrow
Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne versanken gerade hinter dem Horizont, als ich aus meinem traumlosen Schlaf erwachte. Ich dachte nicht daran aufzustehen, also unterzog ich die Maserung der Decke einer genauen Inspektion.
Heute war Tag 1. Der erste Tag an dem ich mich seelisch und körperlich prostituieren würde, für den vielleicht insgeheim mächtigsten aller Vampire. Einem Mann der Dinge gesehen und getan hatte die ich mir in meinen wildesten Fantasien nicht vorstellen konnte. Ab heute an würde ich drei ganze Wochen lang nicht mehr mir selber gehören, denn genau das hieß es eine Sklavin zu sein. Dein Leben war nicht dein eigenes, geschweige denn dein Wille. Hätte ich mehr nachgedacht als ich Godric meinen Deal vorgeschlagen hatte, hätte ich ein anderes Wort als Sklavin gebraucht. Etwas das weniger demütigend klang und weniger Selbstaufgabe forderte.
Godric war jemand der es sehr genau nahm mit den Dingen die man sagte und unter Vampiren gelten mündliche Abkommen etwa genauso viel wie Bluteide. Es war nicht so wie bei den Menschen das alles schriftlich dokumentiert werden musste um irgend einen Wert zu haben. Schrift verblasst und Papier zerfällt mit der Zeit aber das Gedächtnis eines Vampirs hält eine Ewigkeit. Zumindest rein theoretisch gesehen. Bürokratie wurde erst in der Neuzeit auch für uns wirklich relevant, als das Leben ohne gültigen Ausweis, Bankkonten und Besitzurkunden nicht mehr möglich war. Soviel hatte mein Macher mir über die Vergangenheit erzählt. Und übereilt und unüberlegt wie ich sein konnte hatte ich quasi meine Seele verkauft an jemanden der nicht nur über 2000 Jahre Erfahrung mit Folter, Qual, Manipulation und Schmerz hatte, sondern selber auch einmal ein Sklave gewesen war. Jemand der als kleiner Junge gefangen genommen und sein komplettes menschliches Leben lang wie eine Kakerlake behandelt wurde. All diese Dinge in Kombination machten ihn in meinem Augen zu demjenigen, dem man sich unter gar KEINEN Umständen als Sklavin anbieten sollte.
Leider kam diese Erkenntnis pauschale 17 Stunden zu spät und ich musste jetzt wohl oder übel da durch. Ich war mehr als besorgt darüber was er wohl aus der ganzen Situation machen würde bzw was er mit MIR machen würde.
Leider konnte ich nicht den ganzen Tag über in meinem Zimmer bleiben und so tun als würde ich schlafen oder krank sein. Spätestens sobald die Sonne unter geht wacht jeder Vampir auf. Ohne Ausnahme. Einerseits praktisch, weil man dadurch niemals verschlafen konnte, in meinem Fall jedoch eher hinderlich. Über das krank sein brauchen wir gar nicht erst reden. Lächerlich an diese Ausrede überhaupt zu denken. Andererseits, wenn ich Keran erzählen würde das ich Fieber hätte oder denke ich bekomme eine Erkältung würde er mich wahrscheinlich für völlig verrückt erklären und mich tatsächlich irgendwo in einer Zwangsjacke aus Silber wegsperren lassen, so würde ich meinen 3 Wochen entgehen.
Selber enttäuscht von meinem Mangel an Fantasie was Ausflüchte betraf, drehte ich mich auf den Bauch und vergrub mein Gesicht in einem Kissen während ich mir ein anderes auf den Kopf presste.
„Hast du die Hoffnung du könntest dich ersticken?"
Wie von der Tarantel gestochen schoss ich in eine aufrechte Position nur meinen Macher zu sehen der in seiner vollen arroganten Schönheit neben der Tür stand. Er trug eine Jeans und ein schwarzes enges Muskelshirt. Obwohl es etwas ungewohnt an ihm aussah konnte ich nicht leugnen, das es verdammt vorteilhaft seinen Körper betonte.
„Was willst du hier?"
„Ich wollte nur schauen warum du noch nicht auf bist. Die Sonne ist schon vor über einer Stunde untergegangen."
Hatte ich tatsächlich so lange hier rum gelegen und gegrübelt?
„Ich habe nicht gemerkt wie die Zeit vergangen ist. Irgendwie war ich wohl in Gedanken verloren."
Ich strich mir fix meine verwurschtelten Haare aus dem Gesicht, schlug die Decke zurück und seufzte ein letztes Mal ergeben. Zu meinem Glück hatte ich ausnahmsweise mal nicht nackt geschlafen sondern in einem Tangtop und Pants. Mit nackten Füßen die auf dem Fußboden leise platschende Geräusche machten schlenderte ich zu meinem Macher und legte den Kopf an seine Schulter. Er fragte nicht nach, da er genau zu wissen schien was mich bedrückte. Stattdessen strich er mir einmal wie einem kleinen Kind über den Kopf.
„Du hättest doch besser mich wählen sollen!"
Und mit einer flinken Bewegung klatschte er mir auf den Hintern.
„Jetzt mach dich fertig und nimm es wie ein Mann." Damit verschwand er aus meinem Zimmer und ich machte Augen wie eine Kuh.
Idiot.
Dennoch nahm ich mir seine Worte zu Herzen. Mich hier wie ein kleines Mädchen zu verstecken war wirklich ziemlich arm, also fasste ich mir ein Herz und machte mich im Hochgeschwindigkeitsmodus fertig. Duschen, Haare bändigen, anziehen.
Als ich die große Wendeltreppe mit meinem Frühstück in der Hand nach oben ging konnte ich langsam die ersten Geräusche ausmachen die daraufhin deuteten das im Erdgeschoss gerade Hochbetrieb herrschte.
Natürlich war der Aufenthaltsraum wieder mit Leuten gefüllt. Vampire und Menschen gleichen teils. In einer Ecke stand Isabell welche kurz zum Gruß die Hand hob als sie mich bemerkte. Leider zog ihr Geste auch die Aufmerksamkeit ihres Gesprächpartners auf mich der mir noch kurz vorher den Rücken zu gedreht hatte.
Für den fiesen Blick und das gehässige Grinsen was er auf seinem Gesicht hatte, hätte ich ihm gerne meinen Mittelfinger gezeigt. Stattdessen tat ich allerdings etwas was ziemlich untypisch für mich war. Ich nickte kurz lächeln mit dem Kopf und sagte „Einen wunderschönen Tag wünsch ich auch dir Eric." Und stolzierte weiter in das Wohnzimmer. Nichts um alles in dieser Welt würde ich mir vor ihm die Blöße geben und mir anmerken lassen wie es wirklich in meinem Innern aussah. Hätte mein Macher gerade mitbekommen wie perfekt ich meine wahre Emotion übergespielt hatte, wäre er verdammt zufrieden mit mir gewesen. Da war ich mir sicher. Elf Jahre harte Erziehung schienen langsam aber sicher Früchte zu tragen. Oder vielleicht war es auch nur ein Versehen gewesen das ich mich gerade bändigen konnte. Wer weiß das schon.
Lange konnte ich darüber allerdings nicht nachdenken, denn ich war vor dem allerheiligsten Büro des Sheriffs angekommen. Der Ort dem ich mir noch vor kurzem geschworen hatte, das ich ihn nie betreten würde.
Wie ein gepeinigter Hund stand ich mit hängendem Kopf vor der Tür die mich von meinem Verderben trennte und hob die Hand zum klopfen als die Tür auch schon auf ging und mich zwei grau blaue Augen musterten.
„Komm rein, ich habe dich schon erwartet."
Es überraschte mich nicht wirklich das er mich gehört hatte bevor ich überhaupt auf mich aufmerksam machen konnte und es überraschte mich auch nicht das er mich schon erwartet hatte, was mich aber überraschte war die Tatsache das er lächelte. Es war kein herzliches oder nettes Lächeln, sondern eher eins der Sorte das sagt ‚ich-werde-so-was-von- meinen- Spaß-haben ´.
Er ging ein Stück zur Seite um mich einzulassen. Fast hatte ich erwartet den Vampir von letztens als matschige Masse irgendwo rumliegen zu sehen, aber natürlich war da nichts. Nur der ganz leichte Geruch von Bleiche verriet einem, das hier ordentlich sauber gemacht worden war. Und das wahrscheinlich nicht zum ersten Mal. Ein bisschen schlecht wurde mir bei diesem Gedanken schon.
Godric ging um einen überdimensional wirkenden Schreibtisch herum und setzte sich in einen Ledersessel. Er deutete mir mich in den Stuhl auf der anderen Seite zu setzten. Aus Unbehagen zögerte ich kurz bevor ich der Anweisung nach kam.
Obwohl Vampire nicht schwitzen können, wurde mir ziemlich heiß und ich zog mir schnell meine Strickjacke aus und legte sie auf meinen Schoß. Ich musste das hier jetzt wohl oder übel durchziehen.
Ich stütze mich mit dem Ellenbogen auf der Armlehne ab und hielt mir mit der Hand die Stirn. Konnte ich eigentlich Kopfschmerzen bekommen? Godric sagte gar nichts, er schaute mich nur an wie der verschissene Yoda persönlich und wartete anscheinend darauf das ich etwas sagte.
Ich nahm meinen Kopf von meiner Hand um ihn besser ansehen zu können.
„Also….hier bin ich." Ich nahm einen großen Schluck von meinem TruBlood in der Hoffnung das es den selben Effekt haben würde wie Whiskey.
„Wieso bist so nervös?"
Ich lachte einmal sehr humorlos auf und sah ihn an als ob er mich veräppeln wollte.
„Weil du der wahrscheinlich gefährlichste aller Vampire bist und jetzt mit mir machen kannst was immer du willst."
Sein Mundwinkel zuckte.
„Wohl wahr! Aber ich habe dir schon einmal gesagt das ich kein Interesse daran habe dir das Leben unnötig schwer zu machen."
„Und warum schaust du dann gerade aus wie ein 5-jähriger im Süßigkeitenladen?"
Ich sollte langsam aber sich wieder mal aufpassen was da aus meinem Mund sprudelt. Konzentration!
„Du hast eine merkwürdige Art deine Methapern zu umschreiben. Aber dennoch wird das in kürze vom Vorteil sein."
Meine Augenbrauen wanderten in die Höhe. Was sollte das jetzt bitte für eine kryptische Andeutung sein? Ich entschloss mal ein bisschen Licht in die Sache zu bringen und die wichtigste Frage überhaupt zu stellen.
„Wieso hast du dich überhaupt auf diesen Deal eingelassen? Was könntest du von jemanden wie mir wollen? Du hast doch schon genug LEUTE (in Wirklichkeit dachte ich: Speichellecker und Arschkriecher) um dich herum die dir jeden Wunsch von den Augen ablesen."
„Nun wenn du die Wahrheit wissen willst, ich kenne keinen einzigen Vampir der so menschlich ist wie du. Deine…..Gefühlsausbrüche, dein Temperament, dein loses Mundwerk, die Unfähigkeit dich zu kontrollieren. Das alles sind Eigenschaften die dich teilweise sehr human wirken lassen und das ist genau das was ich zur Zeit brauche. Ich habe die Verbindung zu dieser Zeit schon lange verloren, aber du bist ein Kind der neuen Welt."
Er legte eine dramatische Pause ein um mir die Chance zu geben etwas zu sagen, aber irgendwie wollte mein Gehirn gerade nicht mit meinem Mund interagieren.
„In zwei Wochen gibt es eine große Demonstration in der Innenstadt für die Vampirrechte. Es wird eine Menge Presse anwesend sein und es wird eine landesweite Live Übertragung geben. Ich brauche eine offizielle Stimme, die die Leute davon überzeugen kann das wir nicht die Bestien sind für die sie uns halten, sondern das wir auch nur lebende Wesen sind die auf dieser Welt wandeln und genauso Gefühle haben wie sie. Ich brauche eine unschuldige Leitfigur die uns repräsentieren kann. Du wärst perfekt dafür. Du bist hübsch, hast ein sehr einnehmendes Wesen, bist intelligent und du beherrschst diesen unschuldigen Blick.
Ich könnte natürlich auch jemand Älteren und Erfahreneren nehmen für diese Sache, aber ehrlich gesagt wäre eine perfekte Miene in einem akkurat auswendig gelerntem Vortrag, von jemanden der so unnahbar ist wie der Großteil unserer Art, absolut Kontraproduktiv. "
Ich lachte einmal herzhaft auf. Das musste hier gerade ein schlechter Witz sein.
„Ich soll mich tatsächlich dort auf ein Podium stellen und den Leuten erzählen das wir keine Gefahr sind, das sie uns völlig zu unrecht fürchten und wir total missverstanden werden in dieser grausamen Welt."
Ich konnte nicht anders, aber ich musste schon wieder lachen. Das war einfach zu gut.
„Ja." Er verzog keine Miene.
„Das meinst du doch nicht ernst? Kennst du nicht das Märchen mit dem Wolf, der versucht sich als Schaf auszugeben?" Ich beugte mich weiter nach vorne und zog meine Augenbrauen hoch. Sein schweigen nahm ich als ein Nein.
„Dann lass dir mal von mir sagen, das es damit endet das der verdammte Wolf mit einem Bauch voll Steine von den süßen Lämmchen ersoffen wird. Ich habe keine Lust die verdammte Zielscheibe in dieser verrückten Stadt zu werden. Ganz davon abgesehen das meine Geduld, gerade was Menschen betriff extrem begrenzt ist. Dazu kommt die erschwerende Tatsache hinzu das auch mein Gemüt unter meiner erzwungenen ´Diät` leidet.
Was glaubst du würde passieren wenn ich vor laufenden Kameras einfach durchdrehe? Das wäre ein katastrophale Katastrophe!" Ich wedelte zur Bekräftigung meiner Wort dramatisch mit dem Armen durch die Luft.
Godric lehnte sich in seinem Sessel zurück und es trat ein Ausdruck in seine Augen, den ich nur als lehremäßig beschreiben kann.
„Nun du scheinst dir ja über deine Schwächen und die Wichtigkeit dieser Aktion im klaren zu sein. Ich denke also nicht das das du, wie du so schön sagtest, ´durchdrehen` würdest."
Wie konnte er nur so viel vertrauen in mich setzten? Eine Frau die er gerade mal ein paar Wochen kannte und die in dieser Zeit sicherlich auch nicht den besten Eindruck hinterlassen hatte. Es gab 100 vielleicht sogar 1000 Vampire auf diesem Kontinent die geeigneter für diese Aufgabe gewesen wären als ich. Es wollte einfach nicht in meinen Schädel rein…
Ich schüttelte meinen Kopf.
„Bei allem Respekt Sheriff, aber das ist eine bescheuerte Idee! Wenn nicht sogar die bescheuertste Idee, seit ich als kleines Kind im Winterurlaub beschlossen habe an einem Metallgeländer zu lecken."
Was erzählte ich da für ein Mist? Himmel ich kann mich nicht konzentrieren wenn er mich so anschaut.
Ich seufzte deprimiert und lies den Kopf wieder in meine Hand sinken.
„Nun dann lass es mich so audrücken Phoenix. Du wirst in zwei Wochen auf diesem Podium stehen und einen Vortrag halten und du wirst es einzig und allein aus dem Grund machen, weil ich es dir befehle."
Sein Ton wurde scharf.
„Und wage es nicht mir auch nur noch ein einziges Mal in dieser Sache zu wiedersprechen oder meine Entscheidungen anzuzweifeln. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Ich schluckte und murmelte : „Glasklar."
„Gut. Dann kannst du gehen."
Ich presste meinen Kiefer aufeinander um dem Schwall der Wiederworte daran zu hindern aus mir raus zu sprudeln. Zu meinem Glück funktionierte es auch.
Natürlich konnte jeder sofort an dem Ausdruck in meinem Gesicht und Blick in meinen Augen sagen, das ich mehr als unglücklich über den Ausgang dieses Gespräches war und dennoch hatte ich mein Temperament im Zaum.
Ich stand auf um aus dieser Folterkammer zu entkommen, als mich ein Gedanke innehalten lies.
„Eins noch." Sagte ich .
Godric zog eine Augenbraue in Unglauben hoch. Sprach aber nicht.
„Wie soll ich das Keran erklären? Er ist versessen darauf mich aus alledem hier rauszuhalten. Er redet nicht mit mir, nicht wie sonst. Er schirmt sogar seine Gefühle vor mir ab, damit ich bloß nichts mitbekomme und du malst mir einen fettes Fadenkreuz auf die Stirn bevor du mich mittenrein schubst."
Grob betrachtet waren das keine Wiederworte, nur eine ganz sachliche Feststellung!
Godric stand auf und kam wie in Zeitlupe auf mich zu. Augenblicklich versteifte ich mich. Ganz knapp vor mir blieb er stehen als er seine Hand hob. Ich zuckte kurz vor ihm zurück, nur um zu merken wie er mir eine Strähne hinters Ohr strich. Er beugte sich vor und flüsterte.
„Mach dir keine Sorgen und überlass das mir."
Er war zu nahe, einfach zu verdammt nahe. Ich inhalierte den Duft seiner Haut, der mich stark an frischen Frühlingsregen erinnerte. Mein Bauch zog sich fast schmerzhaft zusammen als ich die leiseste Berührung seiner Lippen an meinem Ohr bemerkte. Wem wollte ich eigentlich etwas vor machen? Dieser Mann war für mich die pure Erotik.
Wieder presste ich meine Kiefer so fest ich konnte aufeinander. Dieses Mal allerdings nicht um Worte, sondern meine Fangzähne daran zu hintern sich zu zeigen.
Mein innerstes tobte. Was zur Hölle tat er da eigentlich? Ich würde doch nicht bekommen was ich wollte und ich war mir fast sicher das es ihm Spaß machte mich zu quälen, ganz egal ob er das Gegenteil behauptete. Und mein hormongesteuerte Körper lies es einfach mit sich machen, das war mehr als frustrierend.
Als ich sprach klang meine Stimme als hätte ich eine fette Halsentzündung.
„Gut. Dann….geh ich…jetzt."
Ich wollte zwar, aber meine Beine verweigerten mir ihren Dienst.
Godric legte seine Hand auf meine Wange und strich mit seinem Daumen über meine Unterlippe, so vorsichtig als würde ich unter der Berührung gleich zerbrechen.
„Du weißt du gehörst jetzt mir." Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.
„Und ich könnte alles mit dir tun ." Seine Augen legten sich auf meinen Mund.
Ich schloss meine Lieder und hoffte das mein Gehirn bald wieder anspringen würde.
„Du bist so jung.
So gesteuert von deinen Trieben. Ich könnte Dinge mit dir tun, die du dir in deinen wildesten Träumen nicht ausmalen könntest."
Innerlich schrie ich. Tu es doch. Tu es endlich und laber nicht so viel.
Und dann passierte etwas wirklich merkwürdiges mit mir. Völlig unbewusst ergriff ich die Initiative. Er hatte es schließlich drauf angelegt. Ich schloss den kurzen Abstand zwischen unseren Körpern und presste mich an ihn. Meine Hand schien sich selbstständig zu machen, als ich sie unter sein T-Shirt schob und seinen Rücken ein Stück hinauf wanderte. Ich spürte wie seine Muskeln an der Stelle zuckten an der ich sie berührte.
Mittlerweile hatte ich meine Augen wieder geöffnet und konnte das anzügliche Grinsen in seinem Gesicht trohnen sehen.
Meine andere Hand wanderte in sein kurzes Haar und es fühlte sich besser an als ich es mir ausgemalt hatte.
Es war ein seltsamer Zustand in dem ich mich befand. Es war eine Mischung aus Erregung und …Angst, was die Sache sogar noch interessanter machte.
Meine Fingernägel kratzen über seinem Rücken und hinterließen Striemen, die sofort wieder heilten. Genau das war der Moment wo Godric mich herum wirbelte und mich ziemlich unsanft auf seinem Schreibtisch warf, ohne unseren Kontakt zu unterbrechen. Er unterwarf mich mit dieser Geste, denn mir war klar das er niemand war der sich, in was für einer Situation auch immer, dominieren lies.
Ich schlang meine Beine um seine Hüfte und presste dadurch seine wachsende Erektion nur noch fester an mich. Ich konnte eindeutig spüren das er mehr als gut ausgestattet war.
In Blitzgeschwindigkeit setzte ich mich wieder auf und riss in einer einzigen fließenden Bewegung sein Shirt entzwei und warf es in die nächste Ecke. Und der Ausblick der sich bot ließ meine Fangzähne letzten Endes doch raus schnappen. Heilige Mutter Gottes. Seine tätowierte Brust, sein muskulöser Bauch, seine starken Arme um die sich ebenfalls die uralten Symbole schlängelten. Perfekt wie eine Marmorskulptur geschnitten.
Er ließ seine Hand in meine Haare wandern und packte fest zu. Er bog meinen Kopf seitlich nach hinten, sodass ich gezwungen war ihm meine Kehle schutzlos zu präsentieren.
Seine Hüfte bewegte sich leicht und rieb genau an der richtigen Stelle zwischen meinen Beinen über den empfindlichsten Punkt. Ich konnte ein leises Stöhnen nicht mehr unterdrücken als er nun auch seine Fangzähne zeigte und damit über die Haut an meinem Hals fuhr.
Ich war mir ziemlich sicher das ich diesmal doch bekommen würde was ich wollte, die Grenze war spätestens da überschritten als er mich auf dem Schreibtisch pinnte.
Nun ich hätte es bekommen, wenn in diesem Moment nicht ein vor Wut kochender Keran die Tür zu Godrics Büro auf geschmissen hätte, mit soviel Wucht das ich kurz überrascht war das sie noch in den Angeln hing. Er starrte uns mit zu schlitzen verengten Augen an. Godric und ich verharrten eine Millisekunde wie eingefroren in unsere Position, bevor er den Griff in meinen Haaren lockerte und den Kopf hob um meinen Macher ansehen zu können.
Ich wusste nicht so recht warum Keran so wütend war, aber sein Auftreten und das was in fast sichtbaren Wellen von ihm ausging, ließ mich fühlen als hätte ich etwas furchtbares getan. Godric hingegen war die Ruhe in Person, mit einem entspannten Gesichtsausdruck und einer lässigen Haltung.
Die beiden Männer schauten sich in die Augen und ich wusste nicht so recht was ich mit mir anfangen sollte.
Ich hätte gerne an der Stelle weitergemacht an der wir unterbrochen worden waren, aber meine Intuition sagte mir dass das eine mehr als dumme Idee gewesen wäre. Mein Macher hat zwar kein Recht mir vor zu schreiben mit wem ich intim werden durfte und wem nicht, aber dennoch ließ mich seine Reaktion irgendwie schlecht fühlen. War es vielleicht deshalb, weil er nicht wollte das ich es mit seinem besten Freund trieb? Weil er ein Sheriff war? Weil er manipulativ und gefährlich war? Wollte er vielleicht mitmachen? Ich war ganz ehrlich total ratlos. Es war doch nur Sex. Sex war für uns so unbindend und natürlich wie trinken. In diesen Sachen gab es so gut wie keine Tabus. Es ging einzig und allein um den Spaß.
Ohne den Blickkontakt mit Godric zu unterbrechen sagte Keran:
„Phoenix lass uns allein."
Ich setze an um zu fragen wo sein Problem war, doch wurde je unterbrochen von seiner donnernden Stimme.
„ICH BEFEHLE ES."
Godric rückte netter Weise von mir ab um mich durch zu lassen und ich verschwand schnell aus dem Büro, wo auch gleich die Tür hinter mir zugeschmissen wurde.
Was sollte dieses Theater?
Ich konnte es zwar nichts hören, aber ich spürte eine Erschütterung die aus dem inneren des Büros kam. Ich überlegte kurz nachsehen zu gehen ob alles in Ordnung war, entschied mich aber dagegen. Es war nicht das Beste wenn man zwischen zwei Naturgewalten im Streit stand. Also wartete ich Geduldig an die gegenüberliegende Wand angelehnt.
Als nach einer dreiviertel Stunde immer noch niemand raus kam wurde es mir zu blöd. Ich schnappte mir die „Dallas Morning News" im vorbeigehen von einer Kommode und ging in die Küche um zu schauen was da so los war. Meist hielten sich da nur die Menschen der anderen Vampire auf, dennoch waren die für meinen Geschmack die besseren Gesprächspartner. Meine Artgenossen hier hatten sehr selten nur mal andere Themen als Politik und Blut. Mit einigen der Menschen konnte man sich meist ziemlich spaßig Unterhalten. Keran mochte es nicht sonderlich wenn ich mit einem der Sterblichen herum spaßte. Er meinte es wäre auf Dauer nicht gut weil sie so zerbrechlich sind und schnell sterben. Er wollte nicht das ich mich emotional an etwas so vergängliches Binde. Nun das war seine Meinung.
Als ich in die Küche kam war diese ziemlich voll. Einige von Ihnen waren gerade am Kochen und andere saßen am Küchentisch und spielten Karten. Ich schwang meinen Hintern auf die Arbeitsplatte, wo gerade eine meiner Lieblinge stand und gelangweilt auf einer Karotte rum kaute. Ihr Name war Lisa. Ihr kurzes braunes Haar war strubbelig auf ihrem Kopf und in ihrem herzförmigen Gesicht hatte sie kleine wache Augen und eine süße Stubsnase. Sie roch immer so verdammt gut weswegen ich es genoss in ihrer Nähe zu sein. Zu meinem bedauern gehörte sie leider schon Paolo.
„Hallo Phoenix, was treibt dich hier her?" Sie schenkte mir ein strahlendes Lächeln was ihre Grübchen deutlich zeigte. Ich grinste zurück.
„Ich bin auf der Suche nach etwas Ablenkung. Hast du irgendeine Idee?" Sie zog die Augenbrauen zusammen, so als ob sie grade angesprengt nachdachte.
„Da drüben spielen sie gerade Poker, hast du vielleicht darauf Lust?"
„Sicher, warum nicht." Ich legte meine Zeitung beiseite und schlenderte zu dem Küchentisch, wo drei Männer saßen die ich hier vorher noch nicht gesehen hatte.
Nach den Blicken zu urteilen erkannten sie mich gleich an der bleichen Farbe meiner Haut. Durch die vielen Bissspuren mit denen sie überseht waren, ging ich doch mal stark davon aus das es sich um erstklassige Fangbanger Callboys handelte. Wer sie allerdings hier her gebracht hatte war mir ein Rätsel.
Wir spielten gute 3 Stunden durch und ich hatte wirklich meinen Spaß. Lisa war irgendwann ausgestiegen und saß schmollend neben mir. Sie hatte einfach kein Talent im bluffen. Wir spielten zwar nur ganz billig um Kronkorken aber anscheinend ging Ihr der Verlust ihrer ziemlich nahe. Komische Menschen.
Plötzlich überkam mich ein zittern, so stark, das mir meine Karten aus der Hand fielen.
„Ist alles in Ordnung?"
Ich antworte nicht und ließ nur ein wütendes Knurren raus.
„Wahh ich HASSE es wen er das tut. Wir befinden uns doch sogar im selben Haus, mein Gott"
Ohne ein weiteres Wort stand ich auf und folgte dem Ruf von meinem Macher in den großen Garten wo er schon mit verschränkten Armen stand und wartete.
„Langsam wird es wirklich kindisch Keran. Erst stürmst du wie ein Berserker in Godriks Büro und dann DAS! Du weißt ich hasse es und es war total unnötig. Was habe ich dich dir denn getan das du so reagieren musst? Ich war so brav in letzter Zeit wie nie zuvor in meinem verdammten Leben. Ich töte niemanden, ich trinke nur dieses blöde TruBlood, ich hab mich in keine lebensbedrohlichen Situation gebracht, ich habe niemanden beleidigt, bis auf Eric, der es aber absolut verdient hatte, ich BEKLAGE mich noch nicht einmal mehr über meine Bestrafung und DU hast nichts besseres zu tun als mir eine verdammt gute Nummer zu versauen, wo ich wenigstens etwas Frust hätte ablassen können. Also was habe ich getan um das zu verdienen, hm?"
Ich hatte die Hände in den Hüften und schaute ihn mit funkelnden Augen an. Dieses mal würde ich nicht so einfach klein beigeben, Ich hatte NICHTS falsch gemacht, und er sollte sich verdammt noch eins entschuldigen. Ich war doch nicht sein kleines Hündchen was er durch die Gegend schupsen konnte wie er wollte, wenn es ihm gerade passte.
Sein harter Gesichtsausdruck wurde weicher und er löste seine Arme aus der Verschränkung.
„Ich muss wohl etwas klarer werden mit meiner Warnung die ich dir gegeben habe, betreff Godric."
„Was…."
Er unterbrach mich je.
„Als wie hier angekommen sind habe ich ihn gebeten die Finger von dir zu lassen und zwar aus dem ganz einfachen Grund weil ich wusste, das du perfekt in sein Beuteschema passt. Ich kenne ihn schon sehr lange und ich kenne dich besser als du dich selbst. Du bist dem nicht gewachsen was er mit anstellen würde."
Ich holte empört Luft und wollte gerade wieder ansetzten, als er mich wieder unterbrach.
„Versteh das nicht falsch. Ich meine damit nicht das du schwach bist. Aber Godric schläft nicht einfach so mit einer Frau. Nenn es einen Fetisch wenn du willst. Er würde deine Begierde dafür verwenden um dich zu manipulieren, dich abhängig zu machen. Er würde dir schmerzen zu fügen um dich zu unterwerfen und deinen Willen zu brechen, und das würde er so lange tun bist du nur noch sein willenloses Spielzeug bist und er dich wegwerfen kann.
Ich habe schon oft erlebt wie er das getan hat und ich versuche wirklich nur dich vor einem großen Fehler zu bewahren. Du bist nicht geschaffen für diese Art von Beziehung, du würdest daran kaputt gehen und das werde ich nicht zulassen. Ich habe gesehen wie du ihn ansiehst und ich habe auch gespürt wie du auf ihn reagierst. Du steckst schon zu tief drin!
Du kannst von mir aus mit jeden Mann und jede Frau bespringen die dir über den Weg läuft, aber du wirst dich nicht noch einmal Godric hingeben. Und das ist mein letztes Wort."
„Du hast ihm gesagt er soll sich von mir fernhalten? Deshalb war es so distanziert mir gegenüber! Und außerdem hat er mich nicht manipuliert!"
Keran schaute mich skeptisch an.
„Glaubst du das wirklich? Er ist verdammt alt und er weiß genau was für Knöpfe er drücken muss um von einer Person zu bekommen was er will. Nur weil er keine Menschen mehr tötet heißt das nicht, das es ihm keinen Spaß mehr macht sie zu brechen. Er hat sich nicht wirklich geändert seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe und du wärest mehr als dumm wenn du nicht auf mich hören würdest."
Und somit drehte er sich um und verschwand raus in die Nacht.
So das war es mal wieder. Lasst euch von diese Kapitel nicht abschrecken, denkt dran, das es unter der Kategorie „Romanze" steht, auch wenn es keine herkömmliche sein wird Ich steh einfach nicht auf das typische Mary Sue Ding mit viel Blümchen und Regenbogen, hehee.
Aber ich freue mich trotzdem zu hören was ich darüber denkt!
Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.
