5. Kapitel
Within And Without
„AHHHH wie zur Hölle soll ich diese Sülze nur überzeugend rüberbringen?"
Ich lies mich zurück auf den Stuhl fallen und schmiss den Stapel Papiere den ich in der Hand hatte wieder auf den Schreibtisch. Das konnte doch alles nicht wahr sein.
Vor ein paar Tagen hatte mir Isabel die Vorschrift des Vortrags gegeben den ich bis zu der Demonstration am 17. auswendig lernen sollte. Heute war der 11. und ich war kurz davor mir die Haare auszureißen. Das einprägen der pauschal 25 Seiten war dank meines tollen Vampirgedächtnisses kein Problem gewesen, allerdings stellte sich heraus das ich es tatsächlich nicht drauf hatte gekonnt zu lügen.
Seit Tagen saß ich jetzt schon im meinem Zimmer und tat nichts anderes als mich laut mit mir selber zu unterhalten und immer und immer wieder meinem Spiegelbild die Zeilen vorzutragen. Eine einzige gottverdammte Katastrophe würde das werden und Godric war Schuld! Ich hatte ihn gewarnt. Ich hatte ihm gesagt das ich das nicht bringen konnte, aber er wollte ja nicht auf mich hören.
Nicht das ich seit dem Zwischenfall in seinem Büro überhaupt mit ihm darüber hätte sprechen können oder die Möglichkeit gehabt hätte auf meinen Knien rutschend um Gnade zu winseln. Nein. Wenn ich dachte er hatte mich vorher schon ignoriert, dann war das nichts zu dem, wie er sich jetzt mir gegenüber verhielt. Sobald ich ´ausversehen` einen Raum betrat in dem er sich aufhielt konnte ich nicht einmal bis 3 zählen, da suchte er schon das Weite.
Mit Keran war es auch nicht unbedingt besser. Alle Blicke die er mir zuwarf sahen aus als wollte er mich am liebsten in irgendeine Zelle stecken und anketten. Also war ich diejenige die ihm aus dem weg ging. Ich verschanzte mich in meinem Zimmer und tat das einzige was ich tun konnte. Üben. Der einzige Kontakt zur Außenwelt den ich momentan hatte, war wenn Isabel mir etwas zu trinken brachte und mir einen mitleidigen Blick zuwarf bevor sie wieder verschwand.
Ich war wirklich am Ende mit meinem Latein. Ich war genervt, untervögelt, hungrig und total unausgelastet vom vielen herumsitzen. Ich musste hier raus und das schnell, bevor ich anfing das Mobiliar zu zerlegen.
Ich schnappte mir meine Umhängetasche, zog mir meine Schuhe an und sauste hoch ins Erdgeschoss. Schon als ich die Tür aufmachte war das erste was ich sah, natürlich, Godric´s Rücken. In seinen weißen Leinensachen wirkte er irgendwie ein kleines bisschen göttlich. Oder wohl doch eher wie der Teufel in Verkleidung….
Er bemerkte meine Anwesenheit genau in der Millisekunde in der ich ihn sah. Das erkannte ich an sein Haltung die sich plötzlich komplett versteifte und Eric, mit dem er sich gerade in dieser skandinavischen Sprache unterhielt, mich kurz fragend ansah.
Ich rollte die Augen und noch bevor Godric sich eine Ausrede einfallen lassen konnte um sich schnell aus dem Staub zu machen nahm ich die Sache selber in die Hand.
„Keine Umstände, SHERIFF, ich hatte nicht vor zu bleiben." Es klang etwas zickiger als ich beabsichtigt hatte aber dennoch ging ich ohne die Beiden auch nur anzusehen, schnurstrancks zur Haustür. Ich konnte zwar brennende Blicke in meinem Rücken spüren, tat aber so als ob es mich nicht weiter kümmern würde. Sobald ich den Gartenweg unter den Füßen hatte sprintete ich los. Ich hatte in der Zeitung gelesen das heute im Einkaufzentrum Mitternachtsshopping war und das passte gerade gut in meinen Plan um auf andere Gedanken zu kommen. Zum Glück hatte ich Keran seine Kreditkarte noch nicht zurück gegeben.
Es war gerade viertel nach Neun und in der Mall war kräftig was los, als ich dort ankam. Dem Strom der Menschen folgend klapperte ich ein Geschäft nach dem anderen ab. Ein paar neue Shirts und ein paar Bücher. Dennoch war ich nicht wirklich motiviert bei der Sache, was ziemlich untypisch für mich war. Selbst die tollen Sonderangebote konnte meine Stimmung nicht heben und bevor ich noch mehr Geld in unnütze Dinge investieren konnte die mich eh nicht glücklich machten, wollte ich lieber wieder zurück und weiter üben.
Mit meinen Tüten in der Hand schlenderte ich zum kleinen Hinterausgang, der eher selten benutz wurde und bog in die unbeleuchtete Seitenstraße ein als ich einen Schrei hörte. Normaler weise wäre mir sowas egal gewesen, doch war der Schrei viel zu hoch, als das er von einem Erwachsenen stammen konnte, und so wurde ich neugierig. Ich rannte etwa einen halben Kilometer, bis ich auf einem schäbigen Hinterhof eines noch schäbigeren Ladens kam. Ich blähte meine Nasenflügel und nahm den Geruch von frischem Blut genau in dem Moment wahr, als auch schon ein zweiter Schrei zu hören war, diesmal aus unmittelbarer Nähe. Ich stellte meine Tüten ab um mich geräuschlos bewegen zu können und spähte um die Ecke.
Da standen zwei große in schwarz gekleidete Männer, eindeutig keine Vampire, weil ihr nach Alkohol stinkender Atem schon jetzt bis zu mir gezogen war. Beide schienen so um die 40 zu sein, soweit ich das aus dieser Distanz sagen konnte.
Einer der beiden Männer holte mit seinem Bein aus und trat auf ein zusammengerolltes Bündel Mensch ein, das auf dem Boden lag. Ein leises wimmern war zu hören.
„Du kleines Biest wirst uns nicht noch einmal bestehlen."
Und es folgte ein zweiter und ein dritter Tritt.
Schon unbewusst hatte ich mich aus meiner Deckung begeben und wenn einer der Beiden sich umgedreht hätte, hätten sie mich auf jeden Fall gesehen.
Der Größere von Beiden zündete sich eine Zigarette an und zog genussvoll daran, als er sich runter bückte.
„Das wird dir eine Lehre sein!"
Und er drückte die Glut genau in das Gesicht des Kindes. Ich ballte die Hände zu Fäusten und unterdrückte das knurrende Geräusch das sich aus meiner Kehle bahnte. Das Mädchen, kann nicht älter als 10 gewesen sein.
Als sich die Zigarette in ihre Haut brannte riss sie die Augen auf und ihr Blick traf genau auf den meinen. Sie hatte IHRE Augen. Die selbe Farbe, die selbe Form, selbst der gebrochene Ausdruck in ihnen, der mich anflehte ihr zu helfen, war identisch. Das Biest in mir schrie und tobte als würde es kein morgen geben.
In diesem Augenblick war das Schicksal der beiden Männer besiegelt und es war nur noch die Frage wie schnell und qualvoll ich sie töten würde. Alles andere war vergessen. Alles andere war unwichtig. Ich sah nur diese Augen und konnte das Monster in mir keine Sekunde länger halten. Es wollte Blut sehen und Fleisch reißen. Ich würde ihm diesen Wunsch erfüllen. Ich war stark, schnell, nicht mehr klein und wehrlos. Dieses mal konnte ich es besser machen!
Ich schoss nach vorne und riss den Mann mit der Zigarette zurück. Er flog gegen die nächste Mauer und ich hörte zufrieden wie seine Knochen brachen.
Der anderen wirbelte herum und wusste erst gar nicht was passiert ist bis er mich entdeckte und mir in mein hassverzehrtes Gesicht blickte. Ich denke an Hand meiner Fangzähne fiel es ihm nicht schwer zu erkennen was ich war.
Er riss panisch die Augen auf und wollte eine Waffe aus seinem Hosenbund ziehen, als ich mit einem Tritt gegen sein Knie sein Gelenk zersplitterte. Sein Bein knickte sich unnatürlich in der Mitte nach hinten weg und er sackte auf den Boden. Die qualvollen Schreie waren zauberhafte Musik in meinen Ohren.
Das Mädchen was immer noch am Boden war gab ein piepsendes Geräusch von sich. Ich drehte meinen Kopf zu ihr und versuchte irgendwie mit der Raserei in meinem Gesicht nett auszusehen.
„Schließ die Augen, Kleines."
Ohne auch nur kurz drüber nach zu denken, tat sie wie ihr befohlen wurde und krümmte sich noch ein bisschen mehr zusammen.
Ich wendete mich wieder dem Mann zu der mittlerweile versuchte von mir weg zu kriechen, aber in seiner Panik nicht wirklich von der Stelle kam. Da ich es nicht eilig hatte ging ich langsam auf ihn zu und schubste ihn mit meinem Fuß auf den Rücken.
„Ich habe Geld. In meiner Tasche. Du kannst es haben. Nimm es dir. Nimm es dir." Er sprach so schnell und hektisch das selbst ich ihn kaum verstand. Daraufhin lachte ich kurz und setzte mich breitbeinig auf seinen Bauch.
„Ich will dein Geld nicht…"
Sein Herzschlag ging mittlerweile so schnell das es sich anhörte als hätte er einen Propeller in der Brust und der Angstschweiß klebte in einer Menge an ihm als wäre er gerade aus einem Pool gestiegen. Widerlich diese Menschen.
Ich hatte Keran oft zugesehen wie er tötete. Ich wusste wie ich den Tod so lange herauszögern konnte bis einfach irgendwann das Herz vor Anstrengung versagt. Ich wusste wie ich in kurzer Zeit jemandem die meist möglichen Schmerzen zufügen konnte indem ich die Hauptnervenpunkte bearbeitete. Und was hier an allerwichtigsten war, ich wusste was das schlimmste ist für jemanden der Sterben muss.
Ich beugte mich über ihn und starrte ihn kalt an.
„Du weißt ich werde dich töten nicht wahr?"
Daraufhin fing er an zu heulen und bettelte und flehte das ich ihn verschonen würde.
„Du bist nichts als Abschaum und wenn es einen Himmel gibt wirst du ihn nie sehen."
Er jammerte und winselte nur noch mehr bis es mir zu bunt wurde und ich ihm kurzer Hand die Zunge heraus riss.
Ja das schlimmste war, wenn man MERKT wie man ganz langsam stirbt und das es nichts gibt das einen retten kann.
Gurgelnde Geräusche kamen aus seiner Kehle, als ihm das Blut die Luftröhre versperrte.
Bei seinem herum gezappel wurde mein beiges Top von oben bis unten vollgespritzt als er versuchte das Blut auszuhusten, aber ohne Erfolg. Es war einfach zu viel und es floss zu schnell in dieser Position seine Kehle hinab, in der ich ihn mit meinem Gewicht hielt.
Ich war immer noch über ihn gebeugt und schaute ihm starr in die Augen als er elendig erstickte und das letzte Funke leben ihn verlies. Jedes Mal aufs neue faszinierte es mich.
Hinter mir war ein schlurfen zu hören und ich sprang auf, gerade in dem Moment als der zweite Mann, den ich an die Mauer geschmissen hatte, mit einer riesigen Eisenstange ausholte und mir den Schädel zertrümmern wollte.
Lächerlich, als ob mich sowas ernsthaft verletzten könnte. Ich grinste belustigt und wich gekonnt einem zweiten Schlag aus. Seine Haltung lies darauf schließen das mindestens 4 Rippen und sein Schulter gebrochen waren. Trotzdem wollte er hier lieber noch einen auf den großen Macho machen, als versuchen weg zu rennen. Männer sind Idioten.
„Ich kill dich du Schlampe."
Mein grinsen wurde nur noch breiter.
Seinen nächsten Schlag fing ich mit der Hand ab und zog ihm die Stange weg, welche ein paar Meter weiter klappernd auf der Erde landete.
Es wurde langsam Zeit das hier zu beenden. Leise waren wir hier nicht gerade gewesen und das letzte was ich gebrauchen könnte wären Zuschauer oder Polizisten.
Mit Genugtuung lies ich meinen Arm nach vorne schnellen und riss mit einem ruck seine halbe Wirbelsäule durch seinen Brustkorb raus. Unnötig zu erwähnen, das selbst das letzte bisschen an mir was nicht schon mit Blut beschmiert war, jetzt nur so triefte. Das matschige Stück Knochen das ich in der Hand hielt lies ich achtlos zu Boden fallen und ging wieder zu dem Mädchen zurück das immer noch zusammengekauert auf dem Boden lag. Sie hatte mittlerweile die Augen noch fester zusammen gepresst und sich die Hände über die Ohren gelegt.
Ich kniete mich hin und berührte sie leicht an der Schulter, woraufhin sie zusammen zuckte und mich ängstlich anschaute.
„Ich tu dir nichts."
Ich zog meine Fangzähne ein, so das sie es sehen konnte und half ihr dabei eine etwas aufrechtere Position einzunehmen. Sie starrte mir die ganze Zeit völlig unbewegt ins Gesicht. Vielleicht hatte sie einen Schock? Ich war bestimmt auch nicht der schönste Anblick im Augenblick.
„Kannst du aufstehen?"
Die Frage schien sie ein wenig in die Realität zurück zu holen und sie versuchte sich auf ihre Beine zu stützen, nur um sich dann mit einem Aufschrei den Bauch zu halten.
Ich spitze schnell alle meine Sinne und merkte wie ihr Herzschlag, der gerade noch von dem Adrenalin angekurbelt worden war, immer schwächer und langsamer schlug.
Sie musste innere Blutungen haben von den Tritten die ihr verpasst wurden. Und wie zur Bestätigung fing sie an zu husten und spuckte Blut.
So eine verdammte Scheiße, da hatte ich sie gerade vor diesen zwei Typen gerettet nur damit sie jetzt an ihren Verletzungen starb? Das konnte einfach nicht sein. Selbst wenn ich alles gab was meine Beine hergaben, würde ich mit ihr das nächste Krankenhaus nicht schnell genug erreichen.
Ich wusste es war verboten und ich wusste Keran würde mich später dafür töten aber ich konnte sie nicht einfach sterben lassen. Nicht wie ich SIE hatten sterben lassen.
Also biss ich kurzerhand in mein Handgelenk, da wo die Hauptschlagader entlang lief und drückte ihr die Wunde auf den Mund.
Ohne Worte schien sie zu verstehen was ich von ihr wollte und sie trank. Mit jedem Schluck wurde sie kräftiger und gieriger, bis ich ihr meine Hand wegreisen musste, damit sie nicht zu viel zu sich nahm.
Keine fünf Sekunden später sah ich wie die Verbrennungen in ihrem Gesicht heilten, die aufgeschürften Stellen an ihren Armen und Beinen verschwanden und ihr Herzschlag immer kräftiger wurde.
Sie lag auf dem Rücken auf dem kühlen Asphalt und atmete so schnell als wäre sie gerade einen Marathon gerannt. Aber ich hatte jetzt keine Zeit mehr. Wir mussten hier weg und das zügig.
Also hob ich sie auf meine Arme.
„Wo wohnst du Kleine?"
Sie sah mich wieder mit diesen ungläubigen Rehaugen an, die mir in dieser Nacht so zum Verhängnis geworden waren.
„Wo wohnst du?"
Ich wurde langsam ungeduldig und sie schien das zu merken, denn mit ihrer kleinen Kinderstimme antworte sie mir leise.
„3204 Skillman Street."
Das kannte ich, es war ein Kinderheim nicht weit von hier und ich war schon öfter bei meinen Streifzügen durch die Stadt daran vorbei gekommen.
Keine drei Minuten später standen wir vor dem großen eisernen Tor und ich setzte das kleine Mädchen runter. Als ich mich umdrehte und gerade wieder das weite suchen wollte, ergriff sie aber meine Hand und hielt mich fest.
„Wie heißt du?"
Ich konnte ihr unmöglich auch noch meinen Namen sagen, sie hatte schon genug gesehen und gehört heute Nacht. Also beugte ich mich zu ihr runter.
„Du kannst mich nennen wie immer du möchtest."
Da breitete sich auf ihrem Gesicht das erste Mal ein strahlendes Lächeln aus und wenn ich nicht gewusst hätte das mein Herz kalt und Tod war, hätte ich schwören können es wäre gerade ganz warm geworden.
„Ich heiße Toni!"
Ich lächelte zurück und drückte ihr einen blutigen Kuss auf die Wange.
„Pass in Zukunft besser auf dich auf. Leb wohl!"
Und ich verschwand so schnell das sie nicht mehr gesehen haben kann als einen Farbenschleier.
Als ich langsam wieder einen klaren Kopf bekam und mir der Wind ins Gesicht peitschte, wurde mir erst einmal klar was hier in den letzten 20 Minuten passiert war und Panik stieg in mir auf.
Ich hatte heute so ziemlich alle wichtigen Regeln gebrochen die es hier gab. Ich hatte gegen Godrics Gesetze verstoßen. Ich hatte gegen die Gesetzte der AVL verstoßen. Ich hatte getötet, Zeugen zurück gelassen, mich in die Angelegenheiten von Menschen eingemischt und mein Blut einer Sterblichen gegeben. Ich war so was von am Arsch!
Ich konnte meine Taten noch nicht einmal verschleiern! Keran werde ich schon alarmiert haben mit den Gefühlen der Rage und Mordlust. Das Blut würde ich so schnell auch nicht von mir abbekommen, zumindest nicht so das sie es nicht mehr riechen würden. Und mein Macher musste mir nur Befehlen im die ganze Wahrheit zu erzählen und jede Einzelheit würde aus mir raussprudeln.
Ich konnte nirgends hin. Weg rennen war sowieso ausgeschlossen. Er würde mich überall finden.
Es gab nichts was ich hätte tun können.
Vor der Tür angekommen atmete ich noch einmal tief durch und drückte die Klinge herunter. Zu meinem Glück war der Eingangsbereich leer und die Meute von vorhin schien abgezogen zu sein. Doch da ich aussah als hätte ich ihn Blut gebadet würden es nur noch Millisekunden sein bis der erste das Massaker auf meiner Haut riechen würde. Und genauso war es auch.
Ich hatte es noch nicht einmal bis zur Couch geschafft als zwei Hände mich an der Kehle packten und rückwärts auf den Boden katapultierten. Zwar hatte ich es nicht nötig zu atmen, dennoch entfuhr mir ein stranguliertes Geräusch und ich umklammerte die Handgelenke meines Peinigers um den Druck etwas zu mindern. Erst da bemerkte ich wer mich da überhaupt attackiert hatte. Es war Keran und er schaute mich mit so einem brennden Blick an, das wenn es möglich gewesen wäre, ich mir in die Hose gepinkelt hätte. Er hatte die Zähne gefletscht und sein ganzer Körper war so angespannt das jede einzelne Sehne zu sehen war.
„WAS hast du getan?"
Er knurrte die Worte, da er nicht in der Lage war seine vor Wut aufeinander gepressten Kiefer zu lockern. Natürlich konnte ich nicht antworten, denn zum reden braucht man Luft!
Der Druck den er auf meinen Hals ausübte wurde immer stärker und es fehlte nicht mehr viel, dann würde er mir die Luftröhre zertrümmern. So aggressiv war er vorher noch nie zu mir gewesen! Natürlich hatte er mir schon das ein oder andere Mal ein Arm oder ein Bein gebrochen, aber das war nichts im vergleich zu dem hier! Der Hals, genau wie das Herz, sind die einzigen Schwachstellen eines Vampires. Wenn er mit seinen Händen einfach die Stelle dort durchtrennte und mein Kopf nicht mehr auf meinen Schultern sitzt, wäre es aus mit mir!
Ich versuchte mich zu wehren und ihn irgendwie von mir runter zu bekommen aber es war total aussichtlos. Die 1800 Jahre Altersunterschied zwischen uns waren noch nie so deutlich gewesen wie in diesem Augenblick.
Wollte er mich etwa wirklich töten? Mein Verstand sagte mir das er so etwas niemals tun würde, schließlich war ich SEIN Kind! Aber meine aufsteigende Panik und die kochende Wut in seinen Augen ließen mich langsam dran zweifeln. Nicht wegen dem Schmerz, aber wegen dem Unglauben und der Angst, stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich hört und spürte das erste knacksen in meiner Kehle und mir liefen die Tränen über die Schläfe.
„KERAN, hör sofort auf!"
Aus dem Augenwinkel sah ich wie etwas weißes auf uns zukam und mit einem kräftigen Ruck meinen Macher von mir runter holte. Durch mein Blut verschmierten Augen konnte ich kaum etwas sehen und das wütende Gebrüll das gerade entstanden war, drang zwar an meine Ohren aber nicht in mein Hirn. Wie eine Statue lag ich hier immer noch auf dem Boden und hielt mir mit einer Hand meine angebrochene Kehle, die dabei war sich wieder zu richten.
Mein Macher, mein Vater, mein ein und alles. Er hätte mich töten können wenn ihn nicht jemand gestoppt hätte.
Langsam stand ich auf und versuchte meine Gedanken wieder in die Gegenwart zu holen, denn das hier war noch nicht vorbei.
„…HALT DICH DA RAUS, DAS IST NICH DEINE VERSCHISSENE SACHE!"
War das erste was ich wieder mitbekam. Ich hob meinen Blick, nur um Godric und Keran zu sehen die sich gegenüber standen. Keran vor rage zitternd und Godric, zwar ruhig, aber auch am ganzen Körper angespannt. Dennoch war seine Tonlage als er sprach das genaue Gegenteil zu der von meinem Macher.
„Das ist mein Haus! Ich bin hier die Autorität und ich werde das nicht dulden!"
Selbst wenn Godric hier gerade versuchte das Sturmfeuer auf sich abzulenken, konnte ich es ertragen. Als ich sprach war meine Stimme nicht mehr als ein weinerliches flüstern.
„Keran, bitte…ich…."
Ich wusste nicht genau was ich sagen wollte, oder sollte. Er fuhr zu mir herum und starrte mich an, als ob er sich gerade selber zurückhalten musste mich nicht schon wieder zu attackieren.
„Ich habe sie nur getötet weil….."
Er unterbrach mich wieder und schrie so laut das ich dachte mir müsste das Trommelfell platzen.
„ES INTERESSIERT MICH NICHT WEN ODER WARUM DU GETÖTET HAST. DU HAST DEIN BLUT EINEM MENSCHEN GEGEBEN. DEIN BLUT, UNSER BLUT! DAS HEILIGSTE WAS DU BESITZT. DU HAST GEGEN ALLES VERSTOSSEN WAS ICH DIR BEIGEBRACHT HABE, ALS DU MIT DIESEM STRERBLICHEN EINE VERBINDUNG GESCHLOSSEN HAST!"
Er wusste es. Natürlich wusste er es. Wir hatten eine Verbindung die stärker war als alles andere und er muss die Veränderung in mir gemerkt haben in der Sekunde als mein Blut in das System des Mädchen gedrungen ist. Ich selbst war zu sehr abgelenkt gewesen um es zu merken, aber der Bund zwischen ihr und mir war da, und mit jeder Minute die verging wurde es deutlicher fühlbar. Für Keran war das Blut eines Vampires heilig und ich wusste das. Ich wusste das es verboten ist diese Kostbarkeit den Menschen zugänglich zu machen. Keran hatte mir erklärt das es die Seele für immer verändert wenn man sich erst einmal mit jemanden verbunden hatte. Es machte einen angreifbar und viel zu verletzlich.
Ich schaute meinem Macher hilflos in die Augen, wusste nicht was ich darauf sagen sollte. Denn er hatte recht. Ich wusste das es falsch war, ich wusste das es verboten war, ich wusste das es gefährlich war. Aber all das hatte mich nicht interessiert. Ich hatte nur diese Augen gesehen und es war als ob ich automatisch handeln würde. Ich KONNTE sie einfach nicht sterben lassen.
„Sie ist doch nur ein Kind!"
Meine Stimme war noch immer nicht mehr als ein flüstern. Keran wusste das Kinder für mich ein sensibles Thema waren, seit dem das mit meiner Schwester passiert war und doch wollte ich ihm gerne erklären, warum ich so handeln musste. Aber ich konnte nicht. Nicht vor all den anderen Vampiren die hier waren. Ich lies meinen Blick durch den Raum schweifen und sah nicht nur Godric, sondern auch Eric, Isabel, Stan und Katherin. Ich konnte hier nicht vor allen so einen Seelenstriptease hinlege.
Er schaute mich einfach nur weiter an, als ob ich gar nichts gesagt hätte.
„Keran bitte, lass es mich dir erklären."
„Du brauchst mir nichts erklären Phoenix. Ich verstehe deine Beweggründe aber das ändert NICHTS an der Tatsache. Deine Schwester ist schon lange tod und EGAL WAS DU TUST, du kannst es nicht ändern! Nichts wird sie wieder lebendig machen, selbst wenn du alle Kinder dieser Welt rettest. Warum willst du das nicht begreifen? ES SIND NUR MENSCHEN."
Er konnte einfach nicht verstehen wie mein Herz immer noch an etwas hängen konnte das es gar nicht mehr gab und dazu auch noch etwas sterbliches gewesen war. Er war schon so alt, das er vergessen hatte wie es war menschlich zu sein, eine menschliche Familie zu haben und menschliche Gefühle. Aber ich erinnerte mich!
„Du bist schon so lange Tod Keran, das du nicht mehr weißt was es heißt zu lieben. Ich mag vielleicht viel zu emotional für einen Vampir sein, aber wenn das der Preis dafür ist den ich zahlen muss um nicht so ein kaltherziger Bastard zu werden wie du, dann zahle ich ihn liebend gern."
Dieses Gespräch verlief in eine völlig falsche Richtung und es gefiel mir ganz und gar nicht. Ich wollte mich nicht mit ihm streiten. Ich wollte das er mich in den Arm nimmt und mir sagt das alles gut wird. Aber er tat es nicht. Ich spürte wie er sich von mir zurückzog und sich abschottete. Ich LIEBTE ihn und ich hätte alles für ihn getan, was auch immer er für scheiße angestellt hätte, ich würde ihn niemals hängen lassen. Blut hin oder her. Aber er? Er hielt gerade nicht zu mir, und das nur, weil ich einem Menschen mit meinem Blut das Leben gerettet hatte. Anscheinend hatte ich seine liebe zu mir überschätzt.
„Trotz all deiner Weisheit und Erfahrung bist du nicht im Stande einfaches Mitgefühl zu empfinden. Empathie Keran! Jeder deiner ach so verabscheuungswürdigen Menschen kann etwas das du nicht kannst. Nicht einmal bei mir schaffst du es. Ich bin dein Kind! Und obwohl du fühlen kannst was ich fühle, ist es dir nicht möglich mich zu verstehen. Sei wütend weil ich das lokale Gesetz gebrochen habe, bestrafe mich dafür das ich mich in Gefahr gebracht habe ohne die Konsequenzen zu bedenken. Aber wage es nicht über eine Sache zu urteilen die du NICHT verstehst und wahrscheinlich auch niemals verstehen wirst. "
Ich versuchte schnell mit dem Handrücken die Tränen von meinem Gesicht zu wischen, leider ohne Erfolg. Nun, wenigstens fiel es nicht weiter auf, weil ich sowieso aussah als ob ich die einzige Überlebende eines Terroranschlags war.
„ZUR Hölle mit diesem verschissen HEILIGEN BLUT!"
Ich konnte diese Situation keine Sekunde länger ertragen. Es fühlte sich an, als würde ich innerlich zerreißen. Selbst meine Beine wurden langsam schwach und ich musste mich an die Couch anlehnen um mich zu halten.
„Ist dir dass wirklich mehr wert Keran? Ist dir dieser bescheuerte Kodex mehr wert als ich?"
Ich schaute ihm direkt in die Augen und wartete darauf das er etwas sagte, irgendwas. Ich hoffte immer noch das er gleich lachen würde und dass das alles nur ein blöder Witz gewesen war. Aber er sagte gar nichts. Er tat nichts. Er stand nur da und schaute mich mit wutverzerrter Miene an.
Und das war alles was ich an Bestätigung brauchte. Manchmal sagen Taten mehr als Worte und diese Situation war das perfekte Beispiel.
Ohne Vorwarnung rannte ich an der Gruppe der Schaulustigen vorbei, bevor mir das erste Schluchzen entweichen konnte. Ich rannte die Treppe in das Untergeschoss hinunter und in mein Zimmer, wo ich anfing wie ein Tornado mein Hab und Gut in meine Tasche zu schleudern. Ich musste hier weg. Weg von Keran und dem ganzen beschissenen Dallas.
Einige meiner Sachen schmiss ich in dieser Aktion zu hart und sie zerfetzten oder zersplitterten, so wie meine Haarbürste und meine Uhr. Doch ich nahm keine Notiz davon.
Kurz bevor auch das letzte meiner Teile sein Ende in meiner Tasche finden konnte, wurde ich mitten in meiner Bewegung von zwei Armen am weiter machen gehindert. Meine Augen, aus denen immer noch die Tränen liefen wurde groß, als ich Godric sah, der mich mit fast schon weichem Blick musterte.
„Tu das nicht."
Es war alles was er sagte und ich war mir nicht ganz sicher was er damit meinte. Vielleicht mein Verhalten, vielleicht aber auch die Tatsache das ich gerade im Begriff war Abzureisen.
Es war auch egal. Alles war mir gerade egal. Ich hatte soeben alles verloren was ich an Familie hatte, was spielte also das drum herum für eine Rolle? Scheiß auf alles!
Ich schmiss mich Godric um den Hals und presste fast schon animalisch meine Lippen auf seine. Kurz dachte ich er würde mich von sich schubsen, aber stattdessen fanden seine Hände den Weg in meine Blut verklebten Haare.
Es war kein romatischer oder liebevoller Kuss, sondern einer der genau zeigte wie verzweifelt, wütend, frustriert und verletzt ich war. Ich brauchte das hier jetzt. Ich brauchte IHN, mit allem was er hatte.
Ich schob meine Zunge unsanft in seinem Mund und es war, als erwartete er mich schon. Ich biss in seine Lippe und konnte das Blut schmecken welches aus der kleinen Wunde trat und saugte daran. Er schmeckte so süß. So verrucht. So einmalig .
Er stöhnte auf und sein Griff in meinem Haar wurde schmerzhaft. Ich hatte ihn gerade heraus gefordert und er nahm an.
Mir war klar, er wollte mich in diesem Moment genauso bedingungslos wie ich ihn. Komplett, ganz und ohne Kompromisse. Das hier würde kein „Liebe machen" werden. Es würde brutal sein und alles vergessend.
Ja, jemand wie Godric LIEBT nicht, er verzehrt. Und genau das wollte ich jetzt. Verzehrt werden. Pure Ablenkung damit ich diese Gefühle nicht mehr spüren musste.
Dieses Mal war er derjenige der mein Oberteil mit einer schnellen Bewegung von meinem Körper riss. Unsere Lippen verließen dabei nicht einmal die des anderen.
Mit einem ruck kickte er mir die Füße weg, so das ich mit einem krachen und seinem Gewicht auf mir, auf den Boden Aufschlug. Ich spreizte meine Beine, sodass er genau zwischen ihnen zu liegen kam und ich wieder einmal seine Erektion genau an meiner empfindlichsten Stelle spüren konnte. Dieses mal war es an mir zu stöhne als er seine Hüfte in kleinen starken Kreisen bewegte um mich nur noch mehr zu reizen.
Godric hatte seine Fangzähne draußen, genau wie ich und die Messerscharfen spitzen ritzten mir bei unserem wilden Kuss den Mund und die Zunge auf. Ich konnte mein eigenes Blut und das von Godric gleichzeitig schmecken und es machte mich schier verrückt.
Gerade als ich seinen Oberkörper genauso entblößen wollte wie er es bei mir getan hatte, schnappte er sich meine Handgelenke und pinnte sie rechts und links neben meinem Kopf fest, und das mit soviel Kraft das meine Gelenke brachen. Der Schmerz war kurz und ging genauso schnell wieder vorbei wie er gekommen war, doch steigerte dieses Gefühl meiner Gier auf ihn nur noch mehr.
Er trennte unsern Kuss und lächelte mit einem blutverschmierten Mund auf mich hinunter. Es gefiel ihm mich so hielflos und halb nackt unter sich zu haben.
Ohne meine Handgelenke zu lösen, wanderten seine vollen, weichen Lippen fast schon liebevoll von meinem Mundwinkel über meinen Hals zu meiner Brust und fingen dort an mit Hilfe seiner Zunge meinen Nippel zu bearbeiten.
Ein bisschen genervt darüber das ich ihn nun nicht mehr anfassen konnte, schlang ich meine Beine um sein Becken und drückte ihn enger gegen mich, als ich mit seinen kreisenden Hüftbewegung im Einklang, auch ihn stimulierte.
Mein Verlangen steigerte sich von Sekunde zu Sekunde mehr. Ich wollte kein Vorspiel, ich wollte das er mir mein verdammtes Hirn aus dem Schädel vögelt und mich von dem penetranten Pochen zwischen meinen Beinen befreite.
„Godric…bitteee…" mehr konnte ich zwischen wimmern und stöhnen nicht heraus bringen als seine Erektion wieder genau über meine Mitte rieb. Obwohl wir beide unsere Hosen noch an hatten, würde er es bestimmt trotzdem hinkriegen mich so zum Orgasmus zu bringen. Aber so wollte ich es nicht.
Natürlich verstand er was ich meinte den ich konnte das grinsen seiner Lippen auf meiner Haut spüren.
Ich war ungeduldig. Ich wollte ihn. Jetzt, hier. Auf der Stelle. In mir.
Ohne Warnung entlies er meine Hände aus seinem eisernen Griff und schredderte das Material meiner Hose und meines Slips entzwei. Ich lag nun nackt und komplett unter Godrics Gnade auf dem kalten Fußboden und hoffte er würde endlich Mitleid mit mir haben als ich auch schon spürte wie er zwei Finger kraftvoll bis zum Anschlag in mich stieß.
Mein Rücken bog sich durch, mein Mund öffnete sich und eine Geräusch das halb stöhnen und halb schreien war, löste sich aus meiner Kehle.
Er bog seine Finger leicht und begann schnell und hart in mich zu stoßen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, das es nur maximal 20 Sekunden dauerte bis er mich mit seiner talentierten Hand bis an meine Grenzen trieb. Er wusste was er tat. Er wusste wie er mich am effektivsten und schnellsten in den Wahnsinn treiben konnte. Die Genauigkeit und Präzession seiner harten Bewegungen liesen keinen Zweifel daran, dass er ein gottverdammter GOTT auf diesem Gebiet war und die Anatomie des weiblichen Geschlechts besser kannte als jede Frau selbst. Obwohl er seine Hand drehte und wendete verfehlte er meinen G-Punkt nicht ein einziges Mal.
Als er dann auch noch mit seinem Daumen meinen Kitzler umkreiste brachen bei mir alle Dämme. Mit einer gewaltiger Kraft entlud sich die aufgebaute Spannung und es explodierte ein Feuerwerk in mir. Ich schrie seinen Namen und Welle nach Welle purer Ekstase überfluteten mich, als bunte Lichter hinter meinen Augenliedern entlang zuckten.
TADDAAAAAAA! Die erste wirklich intime Szene. Es hat eine Weile gedauert bis ich mich da reinfinden konnte, aber nun ist es vollbracht! Was haltet ihr davon? Zu viel des Guten? Zu wenig? Zu lang? Zu kurz?
Ihr wisst ja, Feedback ist immer gerne gesehen. Und falls ihr mal eine oder ein paar mehr schöne Ideen für diese Geschichte habt, würde ich mich freuen sie zu hören :)
Bis zum nächsten Mal meine fleißigen Leser.
