6. Kapitel
Kiss With A Fist
Hier lag ich also. Splitter nackt, ausgepowert und körperlich so befriedigt wie schon seit langem nicht mehr.
Obwohl ich keinen Sauerstoff brauchte, zog ich die Luft so gierig in meine Lungen wie ein Ertrinkender den sie grade aus dem Wasser gefischt hatten.
Godric lag neben mir und hatte seinen Kopf auf den Ellenbogen gestützt damit er mich besser beobachten konnte, unsere Körper berührten sich nicht. Fast so als wollte er die Nähe die wir gerade miteinander geteilt hatten aus seinem Gedächtnis vertreiben. Als wäre es zu viel für ihn jemandem nah zu sein wenn es keine sexuelle Handlung beinhaltet. Sein perfektes Gesicht war wieder zu einer ausdruckslosen Maske geworden, nur seine Augen leuchteten mit einer Intensität die mir eine Gänsehaut bereitete. Ich kann offiziell sagen das er mich grade für alle Männer dieser Welt verdorben hatte. Nach dem dritten Orgasmus den er mir allein durch seine Fingerfertigkeit bescherte hatte, hatte ich aufgehört zu zählen und mich einzig und allein dem Gefühl von seinen Händen und seinem Mund auf mir hingegeben. Er spielte meinen Körper wie Beethoven sein Klavier, mit perfekten sicheren Bewegungen und unglaublicher Weise mit Hingabe. Konnte ich vielleicht sogar soweit gehen und behaupten es war Leidenschaft? Nein, ich denke das wäre zu viel des Guten gewesen. Jemand wie er hatte immer ein höheres Ziel, ein Motiv was nur aus Eigennutz bestand.
Keran hatte mich gewarnt. Mehrmals. Wenn ich in naher Zukunft unter Godric leiden würde, hätte ich niemanden außer mir selbst den ich dafür verantwortlich machen könnte. Darüber war ich mir im Klaren. Ich verfolgte nicht die romantische Vorstellung das Godric für mich etwas empfinden könnte was er nicht auch schon für tausende vor mir empfunden hatte. Es war nur Verlangen, Lust und der animalische Trieb den ein Vampir ausmachte. Ich war ein Spielzeug für ihn, eine weitere Figur in einem komplizierten Schachspiel dessen Regeln und Ziel nur er selber kannte. Ich wusste es und doch hatte ich ihn an mich heran gelassen. Hatte mich ihm hingegeben in einem Moment völliger Hilflosigkeit und Verzweiflung. Ich hatte ihn auf den Grund meiner Seele blicken lassen, ohne Mauern ohne Wiederstand. Wie dumm von mir, dabei hätte ich es doch so viel besser wissen müssen.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite und schaute ihn an. Er war noch komplett angezogen. Jeder Versuch meinerseits ihn zu entkleiden wurde schon im Keim erstickt und irgendwann hatte ich einfach aufgegeben und mich gefügt. Er war dominant und er duldete keinen Wiederspruch, weder im Alltag noch im Bett. Seine Bissstellen die über meinen Körper verteilt waren, waren Beweis genug dafür. Eine Wunde an meiner Brust war sogar so tief das ich mir sicher war das ich erst wieder etwas trinken musste damit sie sich richtig schloss. Doch es kümmerte mich nicht. Körperlicher Schmerz war etwas gutes um mich von dem emotionalem Schmerz abzulenken den ich empfand.
Es waren nun schon ein paar Stunden vergangen seit wir hier unten waren und ich hatte nicht einmal an Keran gedacht und die Dinge die in dieser Nacht passiert waren. Nun ja, bis jetzt. Sobald Godric mit mir fertig war, strömte die Erinnerung wieder in mein Hirn und verstörenden Bilder von dem wutverzerrten Gesicht meines Machers kamen wieder zurück. Wie er mich angesehen hatte. Fast schon hasserfüllt. Wie er mich zurück gewiesen hatte und der kalte Ausdruck in seinen Augen, die mich sonst immer so liebevoll anschauten.
Ich drehte mich wieder weg und stand auf um mich anzuziehen. Doch als ich an mir hinunter schaute und bemerkte das ich immer noch übersät war mit mittlerweile fest getrocknetem Blut, stöhnte ich auf und beschloss erst einmal eine Dusche zu nehmen bevor ich entschied wie es weiter gehen sollte.
Würde Keran mich einfach ziehen lassen? Würde er unseren Bund trennen? Würde er mich als sein Kind verstoßen? All dies waren mögliche Konsequenzen. Ich schloss kurz die Augen versuchte etwas zu fühlen, etwas das mir sagte wie Keran zu mir stand, aber die Verbindung war blockiert. Nur eine kalte harte Mauer wo sonst das so warme Licht in mir war das uns miteinander verband. Ich seufzte leise und schritt Richtung Badezimmer.
Godric versperrte mir in der Sekunde den Weg und zwang mich dazu ihn anzuschauen, indem er mein Gesicht grob in seinen Händen hielt.
„Er liebt dich du dummes Ding."
ich öffnete meinen Mund um etwas zu sagen doch da fuhr Godric schon fort.
„Du hast seinen Stolz verletzt und seine Autorität untergraben, aber er wird darüber hinweg kommen."
Ich zog die Augenbrauen zusammen. Woher wollte er das wissen? Er hatte nicht die Wut und den Hass gespürt, die Enttäuschung bevor Keran sich von mir abkapselte. Das war kein einfacher Streit, nichts was man hätte durch ein paar Entschuldigungen wieder grade biegen können. Ich hatte ihn verletzt, auf eine Weise die er nicht vergeben würde und er hatte mich verletzt, Wort wörtlich. Wir beide waren Stur, in vielerlei Hinsicht so gleich und doch verschieden.
„Ich bin eine Enttäuschung für ihn, nichts weiter als ein weiter Fehler in seinem langen Leben. Ich bin zu emotional und zu menschlich als das ich jemals seine Erwartung erfüllen könnte. Er hätte jemanden gebraucht wie Eric. Arrogant, kalt und so gefügig wie ein Hund. Nicht jemand der ständig Wiederworte gibt und genau das Gegenteil von dem tut was ihr beigebracht wurde."
Godric zog einen Mundwinkel nach oben und ließ seine Hände sinken.
„Ist das wirklich was du denkst? Ein Vampir macht keine Fehler wenn es um die Auswahl seines Kindes geht. Es ist Intuition, keine bewusst getroffene Entscheidung. Unsere Essenz entscheidet wer geeignet ist unsere Linie fortzuführen. Du kannst es nicht wissen aber wir verwandeln niemanden leichtfertig. Etwas so kostbares wie jemandem die Ewigkeit zu schenken ist kein Kinderspiel. Keran war sich sicher, dass du die Richtige sein würdest, obwohl er nie das Verlangen danach verspürte jemanden zu verwandeln. Nenn es Schicksal, göttliche Fügung wenn du willst, aber du bist die die du sein solltest für ihn, als Tochter, Schwester vielleicht sogar als Geliebte und Gefährtin. Du bist so jung und hast noch viel zu lernen über das Vampirsein. "
Ich war ganz ehrlich sprachlos. Was sollte man dazu auch sagen? Ich konnte nicht leugnen das seine Worte mir meine Hoffnung zurückgaben. Hoffnung das Keran mir verzeihen und wir wieder so sein könnten wie zuvor.
Ich schloss den kleinen Abstand zwischen unseren Körpern und nahm Godric in den Arm. Er versteifte sich augenblicklich und erwiderte meine Geste nicht. Es brach mir ein wenig das Herz das ihn so eine einfache Form der Zuneigung nach all seinen Jahren immer noch fremd zu sein schien. Fast unangenehm. Was hatte er erlebt das ihn so unnahbar machte? Ich löste mich nach kurzer Zeit wieder von ihm und legte meine Lippen sanft auf seine. Ein kurzer unschuldiger Kuss.
„Danke."
Und ich meinte es. Nicht nur für seine Worte, auch für seine Taten. Schließlich war er es gewesen der Keran von mir gezogen hatte, der mich gefunden hatte und versuchte mir Trost zu schenken, wenn auch auf eine ziemlich unkonventionelle Art und Weise. Godric schien die tiefere Bedeutung zu verstehen und gab mir ein kleines nicken mit dem Kopf. Mehr konnte ich wohl auch nicht erwarten. Also lief ich um ihn herum und verschwand im Badezimmer.
Das heiße Wasser auf meiner geschunden Haut fühlte sich einfach unglaublich gut an und ich duschte wohl weitaus länger las es nötig gewesen wäre.
Als ich mein Zimmer wieder betrat war Godric natürlich verschwunden und das einzige was Aufschluss darüber gab was hier passiert war, waren meine zerfetzten Kleidungsstücke die in der Ecke lagen. Wir hatten es nicht einmal bis auf mein Bett geschafft um die Laken zu zerwühlen.
Die Sonne würde bald aufgehen und ich war auch emotional zu erschöpft um jetzt noch zu überlegen wie es weitergehen sollte.
Also packte ich mein Telefon aus und setzte meine Kopfhörer auf in der Hoffnung alles andere mit genug lauter Musik ausblenden zu können.
Der nächste Abend gestaltete sich schwierig. Ich war erpicht darauf mir keine Schwäche ansehen zu lassen. Diese Genugtuung wollte ich Keran nicht geben. Wenn er kalt zu mir sein konnte, konnte ich das auch. Mal sehen wie ihm seine eigene Medizin schmeckt. Ich legte besonders viel Wert auf mein Aussehen, schließlich musste ich meine Selbstsicherheit aus irgendetwas ziehen wenn ich da hoch gehen wollte um mich der Situation zu stellen.
Ich hatte keine kleinen Brüste aber dennoch genug das ich mir zutraute einen tiefen Ausschnitt zu rocken ohne BH. Mein bevorzugter Körperteil war eindeutig mein Hintern. Rund, knackig und perfekt für eine hautenge Jeans. In dem Nachtclub in dem ich vor meiner Verwandlung arbeitete hatte ich viele Komplimente für meine Kehrseite bekommen, naja das lag vielleicht auch daran das ich als Stripperin gearbeitet habe. Aber ich war gut in dem was ich tat und ich traute es mir durchaus zu meine Vorzüge zu meinem Vorteil zu nutzen. In diesem Fall um mein Selbstvertrauen zu stärken. Mit einem letzten Blick in den Spiegel drehte ich um machte mich auf den Weg in die obere Etage.
Ich kann das.
Das übliche Treiben herrschte. Menschen in der Küche, Vampire auf der Couch, aber ich konnte meinen Macher nirgends sehen, genauso wenig wie Godric. Wen ich aber sah war Eric. Er stand an eine Wand gelehnt am anderen Ende des Raumes. Als er meinen Blick auf sich spürte hob er den Kopf und schaute über den Menschen hinweg der ihm grade versuchte etwas zu erklären. Er musterte mich und überraschender Weise lag dieses Mal kein gemeines Glimmern in seinen Augen sondern etwas anderes. War es Mitleid?
Als ob ich das nötig hatte. Ich richtete meine Haltung und zeigte ihm meinen Mittelfinger bevor ich mich in den Garten begab um dort auf Keran zu warten, denn es war deutlich das er nicht im Haus war. Wahrscheinlich war er wieder auf einer Missionen für Godric unterwegs.
Der Garten dieses Anwesens war einfach atemberaubend. Tausende Quadratmeter gefüllt mit wunderschönen nachts blühenden Blumen, exotischen Bäumen und einem Pool der eher einem See glich und das Beste, er war Privat. Nur den Bewohnern des Hauses war es gestattet ihn zu betreten.
Ich krempelte meine Hose hoch und ließ meine Beine in das Wasser hängen, als ich mich an den Rand setzte. Ich lehnte mich zurück und beobachtete die Sterne. Sie waren das einzige was sich niemals ändern würde. Eine trostspendende Konstante. Alles um einen herum ist ständig in Bewegung und verändert sich, aber die Sterne werden immer die gleichen sein. Unbeweglich in der Zeit gefangen, so wie ich, wie alle unserer Art. Ich konnte mir noch nicht vorstellen wie es sich anfühlen wird wenn hunderte Jahre von heute an nichts mehr so sein würde wie es jetzt ist. Alles bekannte, alles was ich liebte wäre fort. Die Plätze wo ich einst schöne Momente erlebte wären fort. Nur Keran wäre da so wie die Sterne. Aber wäre er wirklich da? Mit mir zusammen? Wenn etwas so lapidares wie mein Fehltritt von gestern genug war das er mich nicht mehr wollte. Ich konnte nur hoffen das Godric recht hatte mit den Dingen die er sagte.
Als die Eingangstür sich öffnete konnte ich die Stimme meines Machers hören und erhob mich. Es war Zeit. Mit sicheren Schritten ging ich ins Haus zurück und in die Richtung aus der ich ihn immer noch mit einem anderen Vampir sprechen hören konnte. Er konnte mich riechen in der Sekunde in der ich den Raum betrat, ich sah es an seiner steifen Haltung und daran wie sich seine Rückenmuskulatur anspannte. Die Hände an seiner Seite ballten sich kurz zu Fäusten bevor er sie wieder entspannte.
Kein gutes Zeichen.
Ich blieb etwa drei Meter hinter ihm stehen und wartete respektvoll darauf, dass er sein Gespräch beendete und meine Anwesenheit anerkennt. Unter normalen Umständen wäre ich einfach zu ihm gegangen und hätte ihm meine Arme um die Mitte gelegt, aber es herrschten keine normalen Umstände. Also hielt ich mich an das Protokoll wie man einen Höhergestellten zu behandeln hat. Unnötig zu sagen dass das ganz neues Terrain und absolute Theorie für mich bisher gewesen war.
Der mir unbekannte Vampir verabschiedete sich von Keran mit einer leichten Verbeugung seines Kopfes und verschwand. Fast schon wie in Zeitlupe drehte er sich zu mir um. Ich hielt meinen Blick gesengt. Respektvoll. Augenkontakt konnte schließlich auch als eine Herausforderung gesehen werden.
„Folge mir."
Ohne weitere Umstände ging er voraus. Wir hielten erst vor Godrics Bürotür, welche er leise öffnete und mir mit einer Handbewegung andeutete einzutreten. Der Sherif saß an seinem Schreibtisch und schaute nicht einmal auf. Er erwartete uns also.
Ich konnte das schlechte Gefühl in meiner Magengegend nicht abschütteln welches mir ganz deutlich zu verstehen geben wollte das hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Mein natürlichster Instinkt wäre gewesen die Flucht zu ergreifen, aber ich schluckte meine aufsteigende Panik hinunter und nahm auf einer braunen Ledercouch platz.
Keran und Godric setzten sich auf die zwei Sessel mir gegenüber. Ich mied Godrics Blick und versuchte mich auf meinen Macher zu konzentrieren. Schließlich war es nicht einmal 24 Stunden her das ich stöhnend und zitternd unter ihm gelegen hatte.
Wirklich eine ganz schlechte Idee jetzt daran zu denken, Pheonix.
„Weißt du warum du hier bist?"
Was? War das eine Fangfrage?
Etwas perplex schaute ich ihn an.
„Weil ich gegen den alten Kodex verstoßen und deine Autorität untergraben habe?"
Eigentlich sollte es nicht wie eine Frage klingen, aber ich konnte mir einfach nicht helfen.
„Nein, dazu kommen wir später." Antwortete Keran. Und Godric ergriff zum ersten mal das Wort.
„Du bist hier weil du gestern zwei Menschen getötet hast, obwohl du das Gesetz in meinem Territorium kennst. Schlimmer noch, du hast ihre verstümmelten Leichen einfach in der Gasse liegen lassen sodass sie von der Polizei gefunden wurden."
FUCK
Mir fiel die Kinnlade runter und ich wusste nicht was ich darauf erwidern sollte. Das hatte ich vergessen. Nach dem Drama mit Keran und alles was darauf folgte war mir das total entgangen.
Unglaublich, wie konnte ich so dämlich sein!
„Trotz fehlender Bisswunden war es schwierig die Menschen davon zu überzeugen, dass dies nicht die Tat eines meiner Untertanen war, aus offensichtlichen Gründen wie du dich vielleicht erinnerst. Stan und Paolo mussten 23 Polizisten und 7 Reporter bezirzen, ganz zu schweigen von dem Papierkram, damit die Sache heute nicht in der Zeitung steht."
Mein Mund stand immer noch offen.
Doppel Fuck
„…Ich…ich habe nur ein Kind gerettet. Sie haben auf sie eingetreten und…"
Das klang selbst in meinen Ohren lächerlich.
„Es liegt nicht in deiner Macht Urteile zu verhängen. Es wäre nicht nötig gewesen sie zu Töten und das weißt du. Meine Sorge gilt nicht den Menschen sondern unser eins, Pheonix. Du weißt von den Auseinandersetzungen die in meiner Stadt geschehen, wie fragil der Frieden zwischen unseren Rassen ist. Wenn wir diese Sache nicht so schnell in den Griff bekommen hätten, wäre es gut möglich, dass es der ausschlaggebende Vorwand gewesen wäre einen Krieg vom Zaun zu brechen. Dallas ist die Vampirhauptstadt Amerikas, sie steht repräsentativ für die gesamte Gesellschaft unserer Art.
Ich weiß du bist noch jung und Wut zu kontrollieren ist etwas das viel Übung braucht, dennoch bleibt mir nichts anderes übrig als dich zu behandeln wie jeden anderen meiner Untertanen."
Oh Gott, bitte nicht meine Zähne.
Ich wusste er hatte recht mit allem was er gesagt hat, also war es lächerlich zu diskutieren. Stattdessen versuchte ich tapfer zu sein und meinen Macher zur Abwechslung einmal Stolz zu machen.
Ich hob meinen Blick und schaute Godric in die Augen.
„Ich verstehe. Welche Strafe es auch sein wird, ich werde sie mit Würde tragen."
Ein kurzer Überraschter Ausdruck trat in sein Gesicht und verschwand genauso schnell wie er gekommen war. Meine Antwort war vielleicht überzeugend über meine Lippen gekommen aber innerlich war ein Wrack. Was würde er mit mir tun? Mich in Ketten legen und irgendwo für die nächsten fünf Jahre vergraben? Mich ausbluten lassen? Mit Silberkugeln auf mich schießen? Die Möglichkeiten waren endlos und keine davon war human.
„In Anbetracht der Umstände das du nächste Woche deine Rede halten wirst sehe ich von einer physischen Strafe ab. Jedoch ist es dir von nun an untersagt das Haus zu verlassen. Solange wie dein Aufenthalt in Dallas dauert wirst du dich keinen Meter von diesem Grundstück entfernen. Ich kann es nicht riskieren das du erneut die Kontrolle verlierst."
Hausarrest. Hausarrest?
Hat mir grade tatsächlich ein 2500 Jahre alter Vampir Hausarrest gegeben? Kurz überkam mich der Drang aus Unglauben zu lachen, aber glücklicher Weise konnte ich meine Fassade aufrechterhalten. Ich konnte es nicht fassen das ich so einfach davon kommen sollte. Aber nichts lies darauf schließen das er Späße machte. Also blieb mir nichts anderes übrig als mit einem knappen „Ok" meine Strafe anzunehmen.
„Gut. Mein Teil wäre somit erledigt."
Godric erhob sich und lies sich ohne ein weiteres Wort wieder hinter seinem Schreibtisch nieder um seiner Arbeit nachzukommen.
Die komplette Zeit über hatte mein Macher keinen Ton von sich gegebent aber mir war klar das es jetzt an der Zeit war dem Biest wieder gegenüber zu treten. Metaphorisch gesprochen.
„Pheonix sieh mich an."
Ich tat wie mir geheißen und fühlte wie alle verbliebene Luft meinen Lungen entwich. Der Ausdruck in seinen Augen war so intensiv das ich ihn nicht deuten konnte. Obwohl ich jeden Tag der letzten elf Jahre mit ihm verbracht hatte und dachte ich kannte alle Seiten die er zu bieten hatte. Er blinzelte nicht und mit einem Mal spürte ich wie die kalte Mauer in meinem Innern, die er errichtet hatte, in sich zusammen fiel und eine Flutwelle an Emotionen auf mich herein brach. Kerans Emotionen und sie waren genauso intensiv wie der Ausdruck in seinen Augen. Wut, Enttäuschung, Angst, Verrat, Resignation aber vor allem Liebe. Liebe für mich.
Ich sprang auf und schmiss mich regelrecht auf seinen Schoß. Mein gesamter Plan den ich früher am Abend geschmiedet hatte, ihm die kalte Schulter zu zeigen, flog zum Fenster hinaus. Das war einfach nicht ich. Ich war laut und emotional, impulsiv und überschwänglich. Das war es anscheinend was Keran brauchte, es war das Gegenteil von dem wie er war und vielleicht war genau das der Grund warum er mich gewählt hatte.
Ich bin die, die ich sein sollte.
„Es tut mir so leid" schluchzte ich an seiner Halsbeuge und begann viele kleine Küsse seinen Hals entlang zu verteilen. Ich spürte wie er seine Arme um mich schlossen und mich noch fester an ihn drückte. Mit einer Hand dirigierte er meinen Kopf sodass er mich anschauen konnte und seine andere lag auf meinem Rücken.
Sein Mund legte sich auf meinen und ich vergrub meine Hände in seinem Haar. Ich spürte seine Zunge die Kontur meine Unterlippe entlang fahren und nur zu bereitwillig öffnete ich sie um ihm Einlass zu gewähren. Ich packte all meine Gefühle in diesen Kuss und es schien mir als tue er das gleiche. Es war ein befreiendes Gefühl zu wissen das alles zwischen uns wieder gut werden würde. Das wir diesen Streit vergessen konnten, um da weiter zu machen wo wir aufgehört hatten. Ich löste mich von ihm und legte meine Stirn an seine. Seine Augen waren noch geschlossen und ich spürte durch die nun offene Verbindung das ihn dieser Kuss auch anderweitig berühret hatte. Es war ein erotischer Kuss gewesen aber hauptrangig zeigte er nur die Zuneigung die wir füreinander empfanden und wie wir uns danach sehnten uns wieder näher zu sein. Das die Distanz die sich in den letzten Wochen zwischen uns aufgebaut hatte keinem von uns gefiel. Ich spürte das er mehr wollte, wie er sich danach sehnte unsere Körper zu vereinen, so wie früher. Nicht auf eine Art wie ein liebendes Pärchen es tut sondern wie Vampire es tun. Als eine Form um Gefühle auszudrücken. Ich wollte es auch, aber etwas lies mich inne halten. Ein brennen in meiner Brust das mich zur Seite schauen lies.
Godric.
Er saß immer noch hinter seinem Schreibtisch aber betrachtete uns mit einem Blick gemacht wie aus flüssigem Metall. Waberndes grau mit blauen Aktzenten und den Kopf leicht schräg gelegt. War er wütend oder neugierig? Ich konnte ihn nicht lesen. Sein Gesicht war ein blankes Blatt Papier, dabei war ich mir so sicher das unter seiner Schale aus Eis so viel mehr zu finden war. Ein ganzer Wirbelsturm an Gefühlen die niemals das Licht sehen würden, gut verschlossen hinter Gittern und Mauern die schon Jahrtausende überwittert hatten. Ohne Risse ohne Schwachstellen und erneut machte es mich traurig. Für die Welt war er nichts weiter als ein geniales Gehirn in einer perfekten Verpackung, die jedermann fürchtete. Doch war er noch so vieles mehr. Seine Augen sagten es mir, sie schrien mich regelrecht an mehr zu sehen, genauer hinzusehen. Doch ich konnte nicht. Es war ein Spiel mit dem Feuer, welchem ich nicht gewachsen war. Jetzt nicht und vielleicht niemals.
Ich habe schon zu viel gesehen.
Man konnte ihn von weitem begehren, aber wer zu nah kam würde sich verbrennen und letztendlich zu Asche zerfallen.
Wieso interessierte es mich überhaupt was er dachte, was er fühlte? Ich war nichts für ihn und er war auch für mich nichts weiter als eine Ablenkung gewesen. Wie schön und mysteriös er auch sein mochte, ich brauchte mir nicht einbilden das jemals, in diesem oder allen anderen kommenden Jahrtausenden, mehr entstehen könnte. Ich sollte alle Gedanken an ihn am besten schon im Keim ersticken. Ich war zu schwach, zu schwach für eine Naturgewalt wie ihn. Wer war ich schon?
Das brennen in meiner Brust aber wurde nicht besser. Mein ach so menschliches weiches Herz wollte nicht loslassen. Ich wünschte ich hatte nur einen Bruchteil der Stärke den es brauchte um seine Emotionen wegzusperren, alles wäre leichter.
Ich stand auf um Keran meine Hand zu geben und ihn aus dem Büro hinaus zu führen. Ich wollte nicht länger hier sein. Nicht hier bei ihm, bei seinen bedeutungsvollen und doch nichtssagenden Blicken.
Er ist nichts für mich. Er darf nichts für mich sein.
Da erinnerte ich mich an Godris Worte von vor zwei Wochen.
„Du solltest es nicht genießen wenn ich dich berühre. Ich würde über dich hinweg fegen wie ein Hurrikane und es würden nichts als Trümmer von dir übrig bleiben."
Das hatte er zu mir gesagt und er meinte es. Ich wusste er hatte recht. Aber warum ging dann dieses brennen in meiner Brust nicht fort? War ich so masochistisch veranlagt? Ich wusste ich begehrte Godric, auf jede sexuelle Art die ich mir vorstellen konnte, aber wollte ich diesem Drang wirklich nachgeben? Die Antwort war nein, nicht noch einmal. Tausend und noch einmal tausendmal nein. Doch eine kleine Stimme in mir die sich mit meinem brennenden Herzen einig war sagte Ja.
