2. Kapitel: Verhängnisvolle Begegnung...
Sie blickte in einen der Spiegel über dem Waschbecken. Ihre eisblauen Augen bildeten einen außergewöhnlich starken Kontrast zu ihrem schwarzen Haar. Durch die häufige Einnahme des Dunklen Morgen war sie enorm blass geworden. Nur die Droge verlieh ihren Wangen eine schöne Röte. Doch eigentlich war es ihr völlig egal, wie sie aussah. Jetzt zumindest. Ihre Augen hatten den eiskalten Ausdruck gegen einen munteren eingetauscht und strahlten sie jetzt nahezu an.
Und so kehrte sie gut gelaunt wieder zum Quidditchfeld zurück, ihre Sinne benebelt und ihr Herz erleichtert. Sie blickte zum Lehrerblock und sah zum ersten Mal, wie Snape sie mit eiskaltem Blick fixierte. Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt, zum einen durch die Droge, zum andern wegen dem Schock. Snape wandte seinen Blick nicht von ihr ab und Jessy zwang sich zur Ruhe, obwohl ihr jetzt sehr danach war, lauthals für Slytherin zu jubeln, denn sie führten 200:60. Während des restlichen Spiels schoss Snape ihr noch einige prüfende Blicke zu, doch ansonsten verlief alles normal. Wäre Jess nicht benebelt, hätte sie sicherlich geahnt, was Snape im Sinn hatte.
Jessy verließ noch immer bestens gelaunt das Spielfeld und ging auf einigen Umwegen in Richtung Gemeinschaftsraum. Jetzt wurde nach dem erfolgreichen Sieg mit Sicherheit groß gefeiert, denn Draco Malfoy, Slytherins Sucher, hatte dem Sucher der Hufflepuffs den Schnatz elegant vor der Nase weggeschnappt.
Jessy ging langsam und gemächlich durch das Schloss, sie liebte diese Ruhe auf den Korridoren, wenn alle Schüler in den Gemeinschaftsräumen waren. Sie stellte sich an ein Fenster und blickte in den strahlend blauen Himmel. Das Wetter war heute ganz ausgezeichnet und Jessy spielte mit dem Gedanken, den Nachmittag am See zu verbringen, was sie sonst nie tat. Während sie noch über diese Idee nachdachte, hörte sie hinter sich diese unverkennbar eiskalte Stimme, deren arroganter Tonfall nicht mehr übertroffen werden konnte: "Miss Bodes. Was haben sie nach einem erfolgreich beendeten Quidditch-Spiel auf dem Gang verloren? Und das an einem so schönen Tag wie heute..." Snape! Jessy lief es eiskalt den Rücken hinunter. Sie drehte sich um und sah in Snapes Augen, die so schwarz und unergründlich waren, dass Jessy sich für einen Moment fast darin verloren hätte. "Ich genieße die Aussicht, Professor!" entgegnete sie fest und lächelte ihn dabei an.
Wenn Snape erstaunt war, weil ein Lächeln oder gar Grinsen bei Jessy mehr als selten war, so ließ er es sich nicht anmerken. "Miss Bodes... Kennen sie den Trank, der sich 'Dunkler Morgen' nennt?" Er sah sie durchdringend an und Jessy wurde irgendwo in ihrem benebelten Kopf bewusst, dass sie diesen Kampf irgendwann verlieren würde. Sie schüttelte langsam den Kopf und sah Snape mit gespielter Ratlosigkeit an. "Nun, Sie riechen sehr verdächtig nach dieser Droge und zudem weisen Sie alle Merkmale auf, die nach der Einnahme üblich sind..." Jessy gab vor entrüstet und für einen Moment sprachlos zu sein, bis sie sich gekonnte wieder fasste und fragte: "Die da wären?" Sie wusste genau, wie sie vorgehen würde und fühlte sich gleich viel sicherer.
"Umschlagende Laune, verändertes Verhalten und... gerötete Wangen." Snape grinste siegessicher. Jessy lächelte ihn erklärend an und erklärte: "Ich bin, wie wohl alle Slytherins, gut gelaunt, weil wir soeben das Quidditch-Spiel gewonnen haben und deshalb verhalte ich mich natürlich auch anders. Ich bin fröhlich, denn wer wäre das nach einem so grandiosen Sieg nicht? Und meine Wangen sind deshalb gerötet, weil ich so hocherfreut bin. Reicht Ihnen das als Erklärung, Professor?" Jessy sah ihn fragend an und Snape trat einen weiteren Schritt auf sie zu. Er stützte sich mit den Händen links und rechts von ihr ab und sah ihr durchdringend in die Augen. "Ich werde Sie im Auge behalten, Miss Bodes! Glauben Sie ja nicht, dass das alles war!" Er starrte sie noch einmal durchdringend an, doch Jess legte ihre Maske nicht ab, es gab kein verräterisches Funkeln der Angst in ihren Augen. Mit einem tiefen Gefühl des Grolls und Hasses ging er von dannen und als er außer Reichweite war, atmete Jessy erleichtert auf.
Jetzt hatte sie erst recht einen Grund zum Feiern!
