Snape's Augen verengten sich zu bedrohlichen Schlitzen und er bestätigte ihr zischend, was sie bereits geahnt hatte: „Das wird noch Folgen haben, Miss Bodes!" Dann stand er auf und entfernte sich fast lautlos von der Krankenstation.
Jess ließ ihren Kopf in das Kissen sinken und schloss die Augen. Angestrengt nachdenkend versuchte sie, sich an den Vorabend zu erinnern. Rasch fiel sie in einen unruhigen Halbschlaf, wobei bruchstückhafte Erinnerungen hochkamen. Es gab nicht ein Bild ohne Marcus Flint.
„Flint?!" Jess fuhr erschrocken hoch und begann noch im gleichen Atemzug zu fluchen: ihr Kopf schmerzte wieder höllisch. Snape's Trank war anscheinend nur eine bestimmte Zeit lang wirksam. Gerade lang genug, um jemanden ungestört zu verhören…
Beunruhigt und noch missgelaunter legte sie sich abermals nieder. Was sollte sie jetzt tun? Wenn sich ihr Verdacht bestätigen sollte, dann hätte sie ein schwerwiegendes Problem: scheinbar hatte sie gestern Nacht nähere Bekanntschaft mit Marcus gemacht, was ihr alles andere als angenehm war. Noch nie hatte sie diesen Jungen ausstehen können und ihr war nicht danach, das zu ändern. Ihr war ganz und gar nicht danach.
Andererseits konnte es natürlich auch sein, dass da nichts zwischen ihr und Marcus gelaufen war. Vielleicht hatten sie sich einfach nur unterhalten, Jess konnte aus den Sekunden der Erinnerung nicht viel schließen.
Grübelnd die Decke anstarrend merkte sie nicht, wie die Tür des Krankenflügels sich langsam und leise öffnete. Marcus Flint trat vorsichtig herein und schlich zu der Kranken ans Bett. „Hey Jess…" Diese erschrak, weil sie Marc nicht gesehen hatte, fiel allerdings vor weiterem Schrecken fast vom Bett, weil sie nicht mit ihm gerechnet hatte. „Hm… Hey Marc.", antwortete sie widerwillig. Für ihren abweisenden Tonfall erntete sie direkt einen verwunderten und fragenden Blick, den sie aus vollster Absicht nicht erwiderte. „Ähm…wie geht's Dir so?", fragte Marc vorsichtig. „Gut." Jess hoffte, mit kurz angebundener Konversation ihren unverhofften Besucher so schnell wie möglich loszuwerden, doch diesem stand der Sinn gar nicht danach. „Ja…äh…das freut mich. Dumbledore meinte, Du hättest ne Gehirnerschütterung und das Du Dich nicht mehr an gestern Abend erinnern könntest." Zwar versuchte Jess den fragenden Unterton in seiner Stimme zu ignorieren, doch sein stetiger Blick machte deutlich, dass es keine Feststellung gewesen war.
„Ja, vollkommen richtig." Sie wurde ungeduldig. „Und ich will auch nicht daran erinnert werden, okay?! Vergiss es einfach, egal, was war." Der Tonfall ihrer Stimme war kalt und abweisend, was Marc erst zurückweichen und dann verwirrt nickend, aber schnellen Schrittes den Raum verlassen ließ. Erleichtert atmete Jess auf. Ohne jedoch zu wissen, dass die folgenden Tage die reinste Hölle für sie werden würden…
