Wichtig: Natürlich verdiene ich an dieser Geschichte kein Geld! Außer Jessica Bodes und John Hawkins gehört mir an dieser Story nahezu nichts, J.K. Rowling besitzt dafür umso mehr.

Auch wichtig: Ich halte mich größtenteils nicht an die Bücher, besonders nicht an die letzten Ereignisse (dürfte man ja an Dumbledore gemerkt haben).

Vielen Dank für die Kommis!

Die Alpträume kamen schnell und auch gleich zuhauf. Sie träumte von Draco Malfoy, den Snape in Zaubertränke neben sie setzte und der Jess eine Tasse Kaffee anbot. Im nächsten Moment stand Snape drohend mit einem Besen vor ihr, gleich darauf verwandelte er sich in Joe, der sie anlächelte, sich auf den Besen setzte und davonflog.

Als Jess hochschrak, fand sie sich glücklicherweise genau dort wieder, wo sie eingeschlafen war. Mit dem Unterschied, dass Hawkins nicht neben ihr lag, sondern am Fenster stand und sie musterte. Auf ihren fragenden Blick antwortete er lediglich: „Ich bin nicht müde." Jess legte sich wieder hin und schloss die Augen, lugte aber immer wieder zu ihrer Aufsicht hinüber, die in Gedanken versunken in die Nacht hinausstarrte.

„John, schön Sie zu sehen. Was führt Sie zu mir?" Während John Hawkins zum Schreibtisch von Albus Dumbledore schritt, wurde er ausführlich von den Gemälden rund um ihn gemustert und ein leises Tuscheln setzte ein, während die ehemaligen Schulleiter sich hier und da zu den Ohren ihrer Nachbarn streckten.

„Es geht um Jessica Bodes." – „Ja, das dachte ich mir bereits. Was bereitet Ihnen Sorgen?" – „Nun ja...", er zögerte kurz und holte tief Luft. „Ich wurde etwas spät hinzugezogen und nächste Woche beginnen bereits die Sommerferien." Dumbledore wartete darauf, dass er weitersprach. „Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass Professor Snape in den nächsten Wochen meine Aufgabe übernimmt." Dumbledore lächelte. „Ich würde an ihrer Stelle wohl genauso denken. Sie können Severus jedoch vertrauen, er mag zwar wie ein Misantroph erscheinen, aber er ist doch am Wohl seiner Schüler interessiert." Hawkins verzog keine Miene, doch als könnte Dumbledore seine Gedanken lesen, sagte er: „Ich werde nicht davon absehen, Severus die Bestimmung des Strafmaßes oder die Aufsicht über Jessica abzunehmen. Ich vertraue ihm." So sicher, wie der Direktor klang, war er gar nicht. Er war sich durchaus bewusst, dass Snape und Jessica sich hassten. Aber er hoffte, ihr Verhältnis zueinander würde sich bessern, wenn sie sich erst ein wenig besser kannten. Insofern das möglich war.

Nach einer Weile setzte Hawkins erneut an: „Genau dazu hätte ich etwas zu sagen, Sir…"

Als Jess sich nach den ersten zwei Unterrichtsstunden des Tages (Wahrsagen) auf den Weg in Snapes Kellerräume machte, freute sie sich einzig und allein auf die Abkühlung dort unten. Es war bereits schrecklich warm, doch Jess lief noch immer mit Umhang umher.

Nicht nur das bescherte ihr abfällige Blicke oder Kopfschütteln. Hawkins hingegen, der neben ihr ging, wurde neugierig beäugt. Besonders von einigen Mädels des Kurses. Es war eigentlich auch kein Wunder. Jess konnte von Hawkins unmöglich behaupten, dass er nicht gutaussehend wäre. Er hatte sehr markante, sehr selbstbewusste Gesichtszüge, war enorm gut gebaut, groß und sein Blick war so durchdringend, dass man dachte, er wüsste alles über einen. Er schien unnahbar zu sein. Sein Benehmen war daran sicherlich nicht unschuldig.

Er blieb mit Jess in einiger Entfernung stehen und beäugte, etwas missmutig, wie es schien, die Truppe vor dem Klassenzimmer. Er sah unheimlich unpassend aus, wie er mit Jeans, weißem Shirt und festen Schuhen dastand, wo doch alle anderen Schuluniformen trugen. Allerdings war auch Jess ein wenig anders gekleidet, denn sie trug anstelle eines Rockes eine Hose. Trotz der Temperaturen.

Jess hörte hinter sich Schritte, sie wusste, dass es Snape war. Als er an ihr vorbeirauschte, würdigte er sie keines Blickes. Er schloss die schwere Holztür auf und öffnete sie, ohne den Raum zu betreten. Er ließ die Schüler an ihm vorbeiziehen, um sicher zu gehen, dass sich niemand aus dem Staub machte. Jess trat, gefolgt von Hawkins, als Letzte ein und sah ihren Lehrer nicht eine Sekunde lang an, dieser tauschte dafür giftige Blicke mit Hawkins.

Die erste Unterrichtsstunde war vergangen und es herrschte allgemeine Verwirrtheit über Snapes Verhalten gegenüber Jessica Bodes. Er motzte nicht an ihr herum, er stellte sie nicht bloß, er machte keine einzige abfällige Bemerkung. Strenggenommen redete er überhaupt nicht mit ihr oder über sie. Auch die zweite Stunde verlief völlig ereignislos.

Eine weitere Auffälligkeit an diesen zwei Stunden war, dass Snape seine Schüler mit Theorieunterricht quälte. Er ließ sie Rezepte auf- und abschreiben und ellenlange Texte und Anleitungen lesen, aber er ließ sie nicht brauen. Es gab natürlich durchaus Schüler, die sich sehr darüber freuten (Longbottom beispielsweise).

Als das Ende der Stunde endlich da war, standen Jess und Hawkins auf, doch Snapes Stimme hielt sie vom gehen ab: „Miss Bodes, ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen." Jess hielt inne und biss die Zähne zusammen. „Allein." Sie machte innerlich drei Muggel-Kreuze. Hawkins nickte ihr kurz zu und verließ dann den Raum, Jess und Snape waren allein. Sie sah ihn an und wartete darauf, dass er sprechen würde. Sie hatte den Eindruck, dass er nicht wusste, was er sagen wollte. Obwohl oder gerade weil er keine Regung zeigte.

„Sir?"

Seine Augen verdunkelten sich. Am liebsten würde er ihr irgendeinen sehr gemeinen Kommentar reindrücken, aber zumindest für diesen Moment hatte er klare Anweisung, etwas ganz anderes zu tun. „Ich entschuldige mich hiermit für den unverzeihlichen Fluch, mit dem ich Sie belegt habe." Jess stutzte, ließ es sich aber nicht anmerken. Sie drehte sich einfach um und ging zu Tür. Als sie ihre Hand auf die Klinke legte, blieb sie stehen und neigte den Kopf etwas zur Seite. „Sie brauchen jetzt nicht ihr verloren gegangenes Image zu beweinen, ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Sie es aufrichtig bereuen und diese Entschuldigung von Ihnen kommt." Sie verließ den Raum.

Snape betrachtete die geschlossene Türe ein paar weitere Sekunden, bevor er dann zu seinem Pult rauschte und sich auf seinen Stuhl setzte. Er schlug mit der Faust auf den kalten Stein. Er war wütend. Er wusste nicht, ob er selbst oder Albus Dumbledore der Grund dafür war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Jess zu ihm gelaufen war und ihm von der Crutiatus-Sache erzählt hatte, es war auch ganz egal, woher er es wusste. Das Ärgerliche war, dass er es wusste. Auch wenn Snape nicht sonderlich erfreut darüber war, dass er das erste Mal so dermaßen die Beherrschung gegenüber einer Schülerin verloren hatte, entschuldigt hätte er sich niemals. Albus hatte ihn allerdings auch nicht darum gebeten, er hatte es ihm befohlen. So zornig hatte er seinen Vorgesetzten selten erlebt. Und er war auch nicht gewillt, ihn bald wieder so zu erleben. Er konnte sich glücklich schätzen, seinen Job behalten zu dürfen.

Gleichzeitig hatte er sich damit aber eingebrockt, weiterhin den Spion spielen zu dürfen. Dumbledores Überlegung, Snape von dieser Aufgabe so weit wie möglich zu entlasten (er dachte an Snapes vorgetäuschten Tod), hatte das Schuloberhaupt verworfen.

„Vielleicht bist du ein besserer Todesser, als ich es für möglich gehalten habe, Severus.", hatte er gesagt. Seine Stimme war eisig gewesen.

Und dann wurde es ihm klar. Dass er da nicht früher dran gedachte hatte, grenzte an mentale Blindheit. „Hawkins!"