Vielen, vielen Dank an alle Reviewer. Weiter so, ich bitte darum.

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Jess musste feststellen, dass die letzte Schulwoche ohne größere Ereignisse, aber eindeutig zu schnell verstrichen war. Es war nun Freitagnachmittag und sie saß mit ihrem relativ guten Zeugnis auf ihrem Bett. Ihre Noten waren zwar ein wenig schlechter als vergangenes Jahr, aber da sie sich trotz der Drogen angestrengt hatte, war es nicht sonderlich viel schlechter geraten. Während sie sich ihre Zensuren erneut ansah, begannen ihre Hände so stark zu zittern, dass sie das Zeugnis weglegen musste. Parallel dazu stand plötzlich Hawkins vor ihr, hatte seine Jacke übergezogen und seinen Koffer neben sich gestellt.

„Dumbledore erwartet uns." Er nickte ihr zu, was sie erwiderte und beide machten sie sich wortlos auf den Weg zum Direktor.

Als sie sein Büro betraten, war Snape bereits anwesend. Er ließ Jess ein boshaftes Grinsen zukommen, bevor er Hawkins dann sehr lange mit einem überaus zornigen Funkeln in den Augen betrachtete. Jess kam der Gedanke in den Sinn, dass Snape ihren Aufpasser vielleicht noch mehr hassen könnte, als sie selber. Dumbledore hingegen lächelte beide einladend an und wies auf zwei Sessel ihm gegenüber. Jess setzte sich zuerst und mit Absicht in den Sessel, der unmittelbar neben Snape stand. Sie legte ihre Arme auf die Lehnen und ließ ihre Hände ein wenig überstehen. Als Snape ihr Zittern bemerkte, konnte er sich ein schadensfrohes Grinsen nicht verkneifen, was Jess allerdings völlig entging, da sie mit Magenschmerzen auf die Worte des mächtigen Magiers ihr gegenüber wartete.

„Die Sommerferien brechen nun an und wir haben einige Dinge zu regeln, wenn Professor Snape für die nächsten Wochen Ihre Position einnehmen soll, John.", fing Dumbledore an und nickte letzterem zu. „Ich denke, es wäre ratsam, mit der Schlafsituation zu beginnen." Jess zuckte innerlich zusammen, ließ sich aber nichts anmerken. Sie hatte diesen Gedanken so gründlich vermieden, dass er sie nun mit voller Wucht traf. Dumbledores nächste Worte machten es nicht besser: „Ich habe zuerst daran gedacht, wir könnten alles so belassen, wie es jetzt ist?", sagte er und blickte fragend in die Runde. „Auf keinen Fall!" ertönte es gleich dreifach und der Direktor konnte sich ein mildes Grinsen nicht verkneifen.

„Nun, das war auch mein zweiter Gedanke. Professor Snape kann unmöglich im Turm seines Hauses und schon gar nicht im gleichen Bett wie Jessica nächtigen. (An dieser Stelle wanderten Snapes Mundwinkel gleich zwei Mal eine Etage tiefer, während Jess so etwas wie Erleichterung spürte) Deshalb habe ich mir überlegt, dass Professor Snapes Schlafgemach ein wenig abgeändert wird und Jessica für die Dauer der Sommerferien dort übernachtet." Wieder streifte sein fragendes Augenpaar seine drei Gesprächspartner. Snape sah ein wenig wie ein trotziges Kind drein, überlegte aber noch, ob es eine bessere Idee gab, bevor er sich beschwerte. Jess war eine Note blasser geworden und hatte plötzlich nur noch Luft im Kopf, während Hawkins ausgesprochen unzufrieden aussah. „John, was sagen Sie dazu?" Dieser räusperte sich kurz und fing dann an: „Dass Professor Snape nicht ein Bett mit Jess im Turm seines Hauses teilen kann, ist mir durchaus bewusst. Dennoch gefällt mir die andere Variante nicht, was weniger daran liegt, dass sie nicht geeignet wäre, sondern daran, dass es sich bei der Aufsichtsperson um Professor Snape handelt, was mir persönlich sehr zuwider ist."

Während Snape so aussah, als würde er Hawkins am liebsten alle schmerzhaften Flüche auf den Hals hetzen, zeigte Dumbledore gesteigertes Interesse. „Was genau ist Ihnen daran so zuwider?" Jess warf Hawkins einen Seitenblick zu und hoffte inständig, dass seine Antwort Dumbledore dazu bringen würde, sich eine andere Aufsicht einfallen zu lassen. „Obwohl ich Professor Snape nicht näher kenne, beunruhigt mich der Gedanke instinktiv sehr, dass er Jessicas Aufsicht übernehmen soll. Ich habe nicht den Eindruck, als würde es ihr dabei gut gehen." ‚Davon war auch nie die Rede', dachte sich Snape im Stillen. Jess ahnte bereits, was jetzt kommen würde. „Was sagen Sie dazu, Jessica?" Diese dachte fieberhaft nach. Wenn sie ehrlich mit ‚Stimmt' antworten würde, würde Snape sie ganz sicher noch mehr hassen, was sich spätestens in sechs Wochen auswirken würde. Andererseits könnte sie ihn mit einem ‚Ich habe nichts dagegen' milde stimmen und ihn die nächsten sechs Wochen 24 Stunden am Tag am Hals haben. Oder dieselbe Antwort würde seine Boshaftigkeit noch ankurbeln, was wahrscheinlicher war.

„Jessica?"

Offenbar hatte sie etwas lange nachgedacht. Sie sah Dumbledore an und hörte sich selbst „Es ist mir egal." sagen. Sie erschrak über sich selber. Hawkins sah auch nicht so aus, als habe er damit gerechnet. Dumbledore lächelte milde. „Gut. Gibt es also Einwände, was die Schlafsituation angeht?" Jessica war sehr verwundert darüber, dass Dumbledore ihre Antwort einfach so hinnahm, offenbar hatte er größtes Interesse daran, dieses Gespräch schnell zu beenden. Es blieb still und Dumbledore lächelte erneut. „Jetzt überlasse ich Ihnen die Ansprache weiterer ‚Problempunkte'." Er lächelte ermutigend in die Runde. Jess war viel zu aufgewühlt, um ernsthaft entscheiden zu können, welches Problem grade ihr Größtes war, während Snape nichts erhebliches mehr einfiel, denn er musste sich nun einmal mit einer immensen Einschränkung seiner Privatsphäre abfinden, wenn er diese einmalige Chance, Jessica Bodes wie nie zuvor zu demütigen, ergreifen wollte. Hawkins hingegen sah auch keine größere Problematik mehr, ganz abgesehen davon, dass es hier um Snape ging.

Dumbledore lehnte sich zurück. „Wenn Ihnen also nichts mehr einfällt, würde ich vorerst angenehme Ferien wünschen und sie gleichzeitig daran erinnern, dass ich keine Eule abweisen werde, wenn es doch noch etwas gibt, worüber Sie sprechen möchten." Die beiden Männer zu ihrer Rechten und Linken nickten dem Direktor zu, während Jess sich nicht in der Lage fühlte, darauf zu reagieren. „Also dann." Dumbledore erhob sich und automatisch taten es ihm die drei gegenüber gleich. „John, ich wünsche Ihnen einen angenehmen Urlaub, schreiben sie doch mal einen Brief, wie es Ihnen geht." Dumbledore drückte Hawkins' Hand und lächelte ihn an. Dann nickte er Snape und Jess zu und alle drei verließen das Büro.

Draußen angekommen wandte Hawkins sich sofort an Jess. „Entschuldige uns bitte kurz." Dann nickte er Snape zu und entfernte sich mit ihm einige Meter von Jess, sodass sie die beiden nicht verstehen konnte. Hawkins stellte sich mit dem Rücken zu Jess, sodass diese nur Snape sehen konnte, welcher sich mit verschränkten Armen und einem gefährlichen Funkeln in den Augen vor Hawkins aufgebaut hatte. „Sie wissen sehr genau, wie ich zu Ihnen stehe und ich rate Ihnen daher, Dummheiten gegenüber Jess zu vermeiden, denn wir wollen doch beide nicht, dass es in sechs Wochen zu einer unangenehmen Situation kommt." Snape funkelte genauso zornig zurück, wie Hawkins es tat. „Ihre Impertinenz ist nicht zu übertreffen, Mr. Hawkins. Halten Sie sich aus meinen Angelegenheiten raus, denn ich weiß sehr genau, wie ich mit so speziellen Schülern wie Miss Bodes umzugehen habe." Hawkins sagte nichts mehr, aber seine Augen sprachen Bände. Dann drehte er sich langsam um und ging zu Jess, welche die Szene sehr gespannt beobachtet hatte. Hawkins stellte sich vor sie und reichte ihr seine Hand, welche Jess ohne zu zögern ergriff. „Pass auf dich auf" war alles, was er sagte, bevor er ohne einen Blick zurück ging.

Snape sah ihm kurze Zeit sehr erbost nach und Jess war sich sicher, dass das Gespräch der beiden Männer Snape keinesfalls milde gestimmt hatte.

„Folgen Sie mir." Nachdem er diesen Befehl ausgesprochen hatte, legte er ein Höllentempo zum Gemeinschaftsraum der Slytherin vor. Er knurrte das Passwort und trat mit Jess im Schlepptau ein, woraufhin sofort Stille herrschte. Ohne einen Kommentar gingen die beiden hoch in Jess' Zimmer. „Packen Sie Ihre Sachen." – „Geht das auch etwas freundlicher?" Die beiden funkelten sich an. „Hüten Sie Ihr Mundwerk, Miss Bodes.", zischte ihr Hauslehrer. Wo Jess ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden hatte, wusste sie selbst nicht. Für sie stand aber sehr klar fest, dass sie sich nicht von Snape unterkriegen lassen würde.

Was auch immer er vorhatte.