Neues Leben

Die Drachen haben den Krieg gewonnen. Die Zukunft konnte nicht gerettet werden. Viele Magier verloren im Kampf dabei ihr Leben. Wieder andere jedoch konnten die Schlacht überleben. Sie waren schwer verwundet, jedoch lebten sie...

Es war an der Zeit, ein neues Leben zu beginnen...

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Kinana rannte über die steinernen Trümmer, zahlreiche Tränen in den Augen. Die Schlacht wurde verloren und die Lilahaarige hatte viele ihrer Freunde verloren. Laki, Max, sogar Master Makarov... so viele liessen in der Schlacht ihr Leben. Kinana rannte weiter, ihr Schluchzen hallte über die Ruinen von Crocus. Da sie keine Magie besass, hatte man ihr verboten mitzukämpfen. Nun hatte sie überlebt und hatte auf dem Schlachtfeld zahlreiche Körper ihrer Gildenkameraden entdeckt, alle völlig leblos.

Schliesslich liess sie sich gegen einen Felsbrocken fallen und fing hemmungslos zu schluchzen an. Es war ungerecht. Warum hatte sie überlebt, während ihre Freunde gestorben waren? Sie hätte an ihrer Seite kämpfen und sterben sollen! Doch sie besass keine Magie und wäre ihnen keine grosse Hilfe gewesen. Ausser servieren und Hausarbeiten konnte sie nichts tun. Nun war sie allein. Auch wenn sie sich gut mit den anderen verstanden hatte, so war sie eher eine Einzelgängerin gewesen. Ihr grösster Wunsch war immer gewesen, ihre Erinnerungen wieder zu finden und auch der Mann, der ihre Stimme immer wieder hören wollte, den sie immer in Gedanken hörte. Erik...

Ob Erik auch gestorben war? Kinana hatte seinen Körper bis jetzt nicht gefunden. Hoffentlich war er noch am Leben. Auch wenn sie sich nicht erinnern konnte, wer er für sie war, so wusste sie wenigstens, dass Erik – oder Cobra, wie die anderen ihn nannten – die wichtigste Person in ihrem Leben war. Immer noch mit tränennassem Gesicht stand sie auf und begab sich auf die Suche. Sie wusste, dass er irgendwo sein musste.

Es dauerte eine Weile, bis sie ihn gefunden hatte. Genauer gesagt hatte er sie gefunden. Eine Hand voller Blut hatte sich auf ihre Schulter gelegt. Dieses Gefühl schien irgendwie familiär. Langsam drehte Kinana sich um. Cobra stand vor ihr. Viele Verletzungen waren auf seinem Körper zu sehen, eine ging quer über seine Brust, die schlimmste schien fast sein linkes Bein zu zerfetzten. Doch er konnte noch stehen, wenn auch etwas wackelig, und sein einziges gesundes Auge war noch ganz.

„Du... du lebst", flüsterte Kinana, bevor sie seine starken Arme um ihre Taille spürte.

„Cuberos", murmelte der Rothaarige.

„Kinana", erwiderte das zierliche Mädchen lächelnd. Cobra liess diesen Namen auf seinen Lippen gleiten. Welch wunderschöner Name. Vorsichtig presste sie sich gegen seine Brust. Etwas Blut schmierte ihr grünes Kleid, doch das war vollkommen unwichtig. Die Lilahaarige spürte, wie der Giftdragonslayer ganz leicht zusammenzuckte. Auch keuchte er schwer und sein linkes Bein schien sein Gewicht nicht mehr zu halten.

„Du musst dich hinlegen!", rief Kinana alarmiert. Cobra wollte protestieren, doch die Lilahaarige liess sich nicht beirren. Auf einem glatten Stein half sie ihn sich hinzulegen und riss sofort ein grosses Stück von ihrem Kleid weg, um die Beinwunde zu verbinden. Mit einem anderen zerrissenen Kleidstück begann sie das Blut von Cobras Wunden wegzuwischen.

„Ich befürchte, das Bein muss amputiert werden", murmelte Cobra, während er die Schäden an seinem Körper begutachtete. Kinana begann fast wieder zu schluchzen. Die Vorstellung, dass der Mann, der ihr mehr als alles andere bedeutete, für den Rest seines Lebens als Krüppel gehen würde, war unerträglich. Doch die Wunde sah wirklich schlimm aus.

„Was wirst du nun tun?", fragte sie leise. Die Lilahaarige hatte Angst, dass er sie wieder alleine lassen würde. Beim letzten Mal hatte sie wenigstens noch ihre Kameraden von Fairy Tail, doch jetzt war sie allein. Sie hatte kein zu Hause mehr, wo sie zurückgehen konnte.

„Da das Gefängnis höchstwahrscheinlich nun in Trümmern ist, denke ich, dass sich nach Süden gehen werde", antwortete Cobra mit neutraler Stimme. „Falls dieses verdammte Bein doch amputiert werden soll, der Süden ist bekannt für seine mechanischen Prothesen. Ausserdem... ich komme von dort, vielleicht leben einige meiner Familie noch..."

Wann war das letzte Mal, dass er an seine Familie gedacht hatte? Seit dem Tower of Heaven hatte er sie irgendwie vergessen. Was für ein Trottel war er bloss gewesen? Es wäre das Beste für ihn, wenn er endlich zurückgehen würde.

„Wirst du mich wieder alleine lassen?", fragte das zierliche Mädchen traurig. Wieder glitten Tränen ihre blassen Wangen hinunter. Cobra schmerzte es, sie so zu sehen. Er erhob sich ein bisschen, was eher qualvoll war, und legte eine Hand auf die Wange seiner einzigen Freundin, um die Tränen zu entfernen.

„Ich hatte gehofft... dass du mit mir kommen würdest", murmelte er, leicht errötend. Kinana starrte ihn überrascht an. Er wollte, dass er mit ihr kam. Vor lauter Fassungslosigkeit und Freude brachte sie kein Wort heraus. Da ihre Antwort auch sich warten liess, sprach der Rothaarige weiter: „Ich weiss nicht, ob du dich noch erinnerst, aber du warst mein einziger Freund seit ich ein kleiner Junge bin. Mein Wunsch war immer gewesen, deine Stimme zu hören. Ich weiss nicht, was du vorhast, doch ich würde mich freuen, wenn wir wieder ein Team werden könnten..."

„Ich... ich will nichts sehnlicher, als endlich wieder mit dir zu sein", schluchzte Kinana auf und presste sich gegen Cobra. Etwas zu stark, er zuckte schmerzhaft zusammen. Doch er lächelte glücklich wie seit Jahren nicht mehr. Kinana würde mit ihm kommen. Endlich würde er seine beste Freundin wieder an seiner Seite haben. Obwohl... jetzt wo sie eine Frau war, wollte er irgendwie, dass sie mehr als das war. Cobra seufzte. Schon seit ihrer letzten Begegnung hatte er sich zu ihr angezogen gefühlt, doch irgendwie war ihm noch nicht klar gewesen, was sie für ihn werden würde. Vielleicht war es auch besser, wenn sie mehr als Freunde wurden. Damit er sich zu einem besseren Menschen veränderte, um Kinana würdig zu sein.

„Ich wünschte, ich könnte mich erinnern", flüsterte sie gerade schluchzend gegen seine Brust. Liebevoll lächelnd streichelte er über ihren weichen Haaren.

„Das ist unwichtig... ich werde dir neue Erinnerungen geben", erwiderte Cobra. Mit diesen Worten nahm er Kinanas Kopf zwischen seinen Händen und legte seine Lippen auf ihre. Der Kuss war sanft und weich, beinahe schüchtern. Doch er genügte um das Band, das die beiden schon seit langer Zeit aneinander fesselte, noch zu verstärken. Als sie sich wieder trennten, beugte sich der Dragonslayer zu ihrem Ohr runter und flüsterte: „Deine Stimme ist noch schöner als die der Engel und der Meerjungfrauen zusammen..."

Glücklich küsste Kinana Cobra erneut. Der Kuss war diesmal leidenschaftlicher, beide legten all ihre Liebe für den anderen darin. Sie wussten nicht, was auf sie zukommen würde, doch eines war klar. Dieses Mal würden sie zusammen ein Leben beginnen.

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„Gajeel, wach auf! Bitte Gajeel! Wach auf, wach endlich auf!"

Weinend schüttelte Levy den schwerverwundeten Eisendragonslayer an den Schultern, während Pantherlily wie in Trance daneben sass und nicht wusste, was er nun machen sollte. Der Kampf gegen die Drachen endete in einer schweren Niederlage und viele ihrer Kameraden von Fairy Tail kamen in dieser Schlacht ums Leben. Jet und Droys Leichen hatten sie schrecklich entstellt zwischen mehreren Ruinen entdeckt. Levy hatte schrecklich geweint, und machte sich Sorgen um Lucy und Gajeel gemacht. Gemeinsam mit Lily hatte sie sich auf der Suche nach den beiden gemacht. Lucy fanden sie nicht, Gajeel hingegen schon. Zwischen den Trümmern hatten beide den Schwarzhaarigen schwer verwundet gefunden. Er blutete aus vielen Verletzungen und er hatte sein rechtes Bein bis in der Mitte des Oberschenkels verloren.

Levy rüttelte immer noch an Gajeel, immer mehr Tränen fielen auf die blutige Brust des Dragonslayers. Beinah hatte die Blauhaarige die Hoffnung aufgegeben, da regte sich Gajeel tatsächlich.

„Verdammt Shrimp, musst du unbedingt so laut plärren?"

Überglücklich fielen Levy und Pantherlily dem Schwarzhaarigen um den Hals. Etwas zu stark, den er liess ein schmerzhaftes Knurren von sich.

„Oh, tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid!", schrie Levy entsetzt aus und benutzte sofort ihre Magie, um saubere Verbände für ihn herzuzaubern.

„Du hast uns ganz schön erschreckt, Kumpel", flüsterte Lily erleichtert. Gajeel setzte sich etwas auf und liess einen kritischen Blick über seinen Körper schweifen.

„Habe schon besser ausgesehen", murrte er. Danach sah er die beiden besorgt an und fragte: „Was ist mit... Fairy Tail?"

Er hatte noch nie wirklich gezeigt, dass er sich um diese Gilde sorgte. Doch heute hatten die Magier eine ihrer schwersten Niederlage erlitten, da konnte er es sich nicht leisten, seine gefühllose Maske aufzusetzen. Levy senkte den Blick und schluchzte auf. Es war schwer, über solche Sachen zu reden. Das übernahm der schwarze Exceed. Mit jedem Wort wurde Gajeels Blick trauriger. Er bereute es, dass er nie richtig gezeigt hatte, wie sehr diese Gilde ihm bedeute. Unschlüssig starrte er auf den Stummel, der Mal sein Bein gewesen war. Mit seiner Magie war es für ihn ein Kinderspiel, sich eine eiserne Prothese zu zaubern. Vielleicht war es auch die Zeit, sich auf der Suche nach Metallicana zu machen. Doch er konnte Levy und Lily doch nicht zurücklassen.

„Ihr kommt mit mir", sagte er knapp. Zwei erstaunte Augenpaare starrten ihn an.

„Ich will mich auf der Suche nach... meinen... Vater... machen und ich habe keine Lust, euch hier zu lassen. Da wir nicht zurück nach Fairy Tail gehen können, ist es wohl besser, dass wir ein neues Leben beginnen."

„Wir?", fragte Levy überrascht. Ihr war klar, dass Dragonslayer und Exceed immer gemeinsam bleiben würden, doch warum wollte Gajeel, dass sie mitkam. Der Schwarzhaarige sah sie kurz an, bevor er sie grob am Nacken packte und sie fordernd küsste. Levy konnte sich nach einer Erstarrunge nur noch dem Kuss hingeben, den Lily mit einem „wurde aber auch Zeit", quittierte. Als sie sich nach fünf Minuten wegen Luftmangel voneinander lösten, flüsterte Gajeel Levy finster grinsend zu: „Begnüg dich erstmal damit als Liebeserklärung. Sobald ich meine Prothese habe, mache ich mit dir alles, was du willst..."

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Juvia verstärkte ihren Griff um Grays Hals. Dieses Massaker, das vor ihren Augen lag, liess sie leise Tränen weinen. So viele ihrer Gildenkameraden hatten in dieser Schlacht ihr Leben verloren. In einer Ecke hatten Gray und Juvia sogar die Leblosen Kadaver von Natsu und Lucy entdeckt, auf schrecklicher Weise entstellt. Auch Lyon, Meldy und Ultear hatten den Tod gefunden.

Traurig blickte Juvia auf ihre rechte Hand. Von zwei Finger waren nur noch Stummel übrig und sie spürte diese Hand gar nicht mehr. Sie konnte diese Hand noch bewegen, aber nicht mehr fühlen. Doch Gray hatte es noch schlimmer erwischt. Er hatte durch einer Laserattacke seinen linken Oberarm verloren und um Juvia noch vom Schlachtfeld fortzutragen, hatte er sich eine Eisprothese gemacht. Juvia tat es weh, ihren geliebten Gray-Sama so zu sehen.

„Was wird jetzt aus uns, Gray-Sama?", fragte die Wassermagierin mit leiser und wimmernder Stimme. Der Schwarzhaarige blickte sie einen Moment lang traurig an, bevor er antwortete: „Leider sind wir auf uns alleine gestellt. Da Fairy Tail nun unerreichbar ist, schlage ich vor, in den Süden zu gehen."

„In den Süden, Gray-Sama?"

„Die Städte des Südens sind bekannt für ihre mechanischen Prothesen, die auch für Magier geeignet sind. Ich habe auch gehört, dass sie sogar mechanische Finger herstellen", antwortete der Eismagier. Juvia blickte ihn verwundert an und lächelte in der nächsten Sekunde.

„Was werden wir dann tun?", fragte die Blauhaarige dennoch. Ihre Zukunft war ziemlich unsicher, doch das war Juvia egal. Schliesslich würde Gray mit ihr sein, wo immer sie auch hingingen.

„Ich weiss nicht. Doch das ist egal. Lasst uns mal spontan entscheiden, was wir machen werden", grinste Gray leicht, glücklich seine Juvia endlich lächeln zu sehen. Seine Juvia... Vielleicht war es an der Zeit, endlich zu seinen Gefühlen zu stehen. Sachte beugte er sich zu ihrem Mund runter und versiegelte seine rauen Lippen mit ihren weichen. Sein neues Leben war noch unsicher, doch dieses Mal würde er zu seinen Gefühlen stehen. Es war Juvia und er gegen den Rest der Welt.

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Rogue, Yukino und Frosch hatten sich in den Hügel rund um Crocus zurückgezogen. Von hier aus starrte der Schattendragonslayer ungläubig auf die Ruinen, während Frosch auf seinen Schoss schlief und Yukino seine Wunden mit zerrissenen Bändern ihres Umhanges verband. Rogue konnte von Glück reden, dass sie drei nur leicht verletzt waren. Doch dort unten lag Sting, begraben unter tonnenschweren Steinen. Der Schwarzhaarige wusste, dass sein bester Freund nicht mehr unter den Lebenden weilte. Er musste sich mit dieser Tatsache abfinden, doch momentan konnte er es einfach nicht. Er wusste nicht, was aus Lector, Rufus und Orga geworden war, doch er bezweifelte, dass sie noch lebten.

Rogue drehte sich zu Yukino um. Obwohl er sie nicht gegen Gemna verteidigt hatte, als sie verbannt wurde, kümmerte sie sich kommentarlos um seine Wunden. Der Schwarzhaarige machte sich Sorgen um die schöne Stellarmagierin. Sie war immer allein gewesen und er wollte nicht, dass sie nach dieser Tragödie alleine blieb.

„Was wirst du nun tun?", fragte er sie mit leicht besorgter Stimme.

„Ich denke, ich werde mich auf der Suche nach meiner Schwester machen. Ich habe sie verloren, als unser Dorf von Sklavenhändler angegriffen wurde. Sorano hat mich das Leben gerettet, ich muss wissen, ob sie noch lebt", flüsterte Yukino und Rogue konnte ein leises Schluchzen in ihrer Stimme erkennen.

„Lass Frosch und mich mit dir gehen", sagte der Dragonslayer bestimmt. Als Yukino ihn schockiert anstarrte, konnte er es nicht anders. Er nahm ihr aussergewöhnliches blasses Gesicht zwischen seinen Händen und legte seine Lippen auf ihren weichen Mund. Zu seiner Freude und Überraschung erwiderte die Weisshaarige den Kuss ohne zu zögern. Nach einer Weile entsiegelten sie ihre Lippen und Rogue flüsterte Yukino zu: „Sieh das als Entschuldigung dafür, dass ich dich nicht gegen Gemna und Sabertooth verteidigt habe. Ich liebe dich..."

„Es gibt nicht zu verzeihen, Rogue. Ich liebe dich auch...", entgegnete Yukino mit einem leichten Lächeln, bevor sie ihren Drachen abermals küsste. Keiner von beiden wusste, was sie in dieser grossen Welt erwarten würde, doch sie waren nicht allein. Rogue und Yukino wussten, dass sie für immer auf den anderen zählen konnten.

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Nach dieser schrecklichen Schlacht begaben sich vier Paare in den Süden, nichts voneinander ahnend. Doch sie hatten dasselbe Ziel... Ein neues Leben...