Siegesball

Alvarez war zwar schon seit mehreren Monaten besiegt, doch man war erst vor kurzem dazu gekommen, einen Ball ihm Ehren zum Sieg zu organisieren. Mit dem Wiederaufbau sämtlicher Gildenhäuser und einigen Städten sowie die Beerdigungen der Kriegsopfer hatte den Magiern Fiores ganz schön viel Zeit verlangt. Doch nun war es an der Zeit zum Feiern, schliesslich hatten die Magiergilden gewonnen und den schwarzen Magier Zeref endgültig besiegt.

Der grosse Tag war schliesslich angekommen und Yukino konnte nur darüber staunen, wie prunkvoll Prinzessin Hisui diesen Ball organisiert hat. Zusammen mit Minerva stand die weisshaarige Stellarmagierin im neuerbauten Ballsaal des Palastes und staunte nicht schlecht über die riesigen Kronleuchter aus Kristall, die im Licht einen Regenbogeneffekt bekamen, das üppige Büffet mit Spezialitäten aus allen Ländern Earthlands, dem reinen Marmorboden, den glitzernden Silbersäulen und der glänzend bemalten Decke, die Bilder aus der Geschichte Fiores zeigte, vom Anfang bis hin zum Kampf gegen Alvarez.

Prinzessin Hisui hatte den Ball mit einer Rede eröffnet, in der sie die Gefallenen des Krieges die Ehre erwies und mit der Vision einer Zukunft im Licht und in der Hoffnung beendete. Yukino konnte dem nur beistimmten. Der Krieg und die Verstorbenen hatten in allen Überlebenden Narben hinterlassen, doch nun war das Königreich bereit wieder einen Schritt nach vorne zu tun.

Nach Hisuis Rede erklang melodische Tanzmusik aus der Ecke mit dem Orchester, was den Beginn des Balles anzeigte. Yukino sah, wie einige Paare sich auf der Tanzfläche versammelten und der Rest der Ballgäste teilte sich in kleine Gruppen auf um zu plaudern oder bediente sich am Büffet. Wie auch Natsu Dragneel, der im Moment Cremetörtchen aus Minstrel in sich reinstopfte. Der Feuerdragonslayer war während dem Krieg schwer verletzt worden und eigentlich war er immer noch nicht richtig auf den Beinen. Zum Ball war er in einem eleganten weissen Anzug gekommen, aber auch mit Krücken, Gipsbein und einem verbundenem Arm. An und für sich ein komischer Anblick.

Neben ihm stand Lucy, sehr hübsch in ihrem schwarz-goldenen Ballkleid mit einem tiefen Décolleté, auch wenn Yukino vermutete, dass ihre Freundin sehr heiss darin haben musste. Es sah eher schwer aus und im Ballsaal war es ziemlich warm.

Yukino strich zufrieden über ihr eigenes Ballkleid, ein Geschenk von Minerva. Es war weiss, schulterfrei und mit zahlreichen winzigen Silbersternchen bestickt. An den Rändern stritten sich diese Sterne um den besten Platz, auf dem restlichen Kleid waren nur einzelne zu sehen. Dazu trug Yukino nur eine silberne Rose im Haar, mehr Schmuck hatte sie nicht gewollt, auch wenn Minerva sie fast dazu überredet hätte. Die Schwarzhaarige trug selber ein schlichtes, aber prunkvolles rubinrotes Kleid mit einem weissen, schwarzgetupften Kunstfell an den Säumen, das wie Hermelinfell aussah. Dazu trug sie eine Kette mit Rubinen und dazu passende Ohrringe und Diadem.

All das waren Geschenke von Sting. Yukino wollte lieber nicht wissen, wie viel von seinem gesparten Geld er dafür ausgegeben hatte. Aber da Minerva und Sting seit kurzem ein Paar waren, fand die Weisshaarige eine solche Geste eher süss. Doch solche teure Geschenke wären nichts für sie, obwohl sie es gerne hätte, wenn ein Mann ihr eine ähnliche Geste machen würde.

Dabei dachte sie sofort an Rogue. Yukino seufzte lautlos. In den vergangenen Monaten nach dem Krieg hatte sie viel Zeit mit Rogue verbracht und dabei war ihr etwas Spezielles aufgefallen. Ihr Herz klopfte immer besonders schnell wenn er nah bei ihr war und auch wenn sie nur an ihm dachte. Kurz nach dem Krieg hatte sie sich schrecklich Sorgen um ihn gemacht, als einige seiner Verletzungen sich fast entzündet hatten. Und wenn sie Rogue glücklich sah, so war auch sie glücklich für ihn.

Yukino war nicht dumm. Ihr war schnell klar geworden, dass sie sich in den Schattendragonslayer verliebt hatte. Doch fühlte er dasselbe wie sie oder war sie nur wie eine Schwester für ihn, wie sie es für Sting, Rufus und Orga war? Rogue zeigte selten seine Gefühle und auch wenn er zwar offener wurde seit Sting der Master von Sabertooth wurde, so konnte niemand wirklich ahnen, wie es innerlich in ihm aussah. Wie sollte Yukino da erkennen, ob er ebenfalls in ihr verliebt war?

Kurz streichelte sie die silberne Rose in ihrem Haar. Rogue hatte sie ihr geschenkt. Vor ein paar Monaten, als noch kein Gedanke an einem Siegesball verschwendet wurde. Und nur ihr hatte er etwas geschenkt. Erst hatte sie gedacht, es handelte sich um ein Trostgeschenk, weil sie wieder von ihrer Schwester getrennt worden war. Seit dem Ende vom Krieg gegen Alvarez hatte sie Sorano nicht mehr gesehen, nur kleine Zettel die Yukino sagten, ihr ginge es gut. Sie hatte ihre Sorge um ihre grosse Schwester nur Rogue anvertraut, von daher dachte sie es wäre ein Trostgeschenk.

Doch je mehr sie darüber nachdachte, war sich Yukino darüber nicht mehr sicher. Schliesslich hatte Rogue sie schon früher ab und zu mal getröstet und nie hatte er ihr dabei etwas geschenkt. Yukino getraute sich nicht wirklich sich darüber Gedanken zu machen, aber könnte es bedeuten, dass sie für Rogue mehr bedeutete als irgendeine andere Frau?

„Yukino, träumst du?", wurde sie plötzlich aus ihren Gedanken gerissen. Minerva wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht.

„Nein, alles in Ordnung, Minerva. Was hast du gesagt?"

„Die Gildenmaster werden mit der Prinzessin und Arcadios einen Walzer eröffnen und da ich Stings Begleitung, muss ich dich nun lassen. Kommst du alleine zurecht. Mit den Magiern von Fairy Tail kann man nie sicher sein, ob Ball oder nicht."

„Geh schon, ich komme schon alleine klar. Und einen Kavalier werde ich sicher noch finden. Viel Spass Minerva."

Während Hisui und die Gildenmaster den Walzer eröffneten, liess sich Yukino Rosensirup servieren und betrachtete die tanzenden Paare. Sie lächelte, als sie Stings Grimassen sah. Tanzen konnte er noch nie gut, Minerva war also jene die führte, sehr zu seinem Verdruss. Sicher trampelte er oft auf ihre Füsse, doch die Schwarzhaarige verzog keine Miene, sie lächelte sogar.

Ein anderes Paar stach Yukino jedoch ebenso ins Auge. Laxus und Cana. Der Blitzdragonslayer war nach Makarovs Tod der neue Master von Fairy Tail und Lucy hatte ihr mal erzählt, dass er wirklich lange gebraucht hatte um über den Verlust seines Grossvaters hinwegzukommen. Sicher war er heute noch etwas in Trauer, doch jetzt lächelte er leicht amüsiert.

Seine Tanzpartnerin war eigentlich eine Überraschung für Yukino. Eigentlich hätte sie Mirajane an seiner Seite erwartet. Zwar sah man gut, dass zwischen ihnen nur Freundschaft war, doch Yukino hatte immer gefunden, dass sie ein hübsches Paar abgeben würden. Doch auch Cana passte irgendwie wundervoll zu ihm. In ihrem goldgelben Kleid mit den schwarzen Rändern passte sie auch äusserlich ganz gut zu Laxus, der eine elegante schwarze Festuniform trug mit schlichten gelben Verzierungen.

Etwas neidisch starrte Yukino ihnen hinterher. Wie gerne hätte sie ebenfalls mit Rogue getanzt, oder zumindest mit ihrer Schwester plaudern können. Doch keiner von ihnen war gerade zu sehen. Sorano war sicher wieder mit Crime Sorciere in fernen Ländern unterwegs und Rogue diskutierte womöglich mit Gajeel oder Rufus. Trotz dem vielen Leuten im Saal fühlte sich Yukino plötzlich allein. Vielleicht sollte sie sich keine Gedanken machen und einfach nur Spass haben. Vielleicht sollte sie irgendeinen Kavalier aussuchen und tanzen gehen oder sich einer Gesprächsgruppe anschliessen.

„Überraschung!", trällerte plötzlich eine Stimme hinter ihr. Erschrocken drehte sich Yukino um und strahlte sofort auf, als sie ihre Schwester erkannte. Sorano trug nicht mal einen Umhang oder wenigstens eine Maske um sich zu verhüllen. Genau wie alle anderen war sie festlich gekleidet. Ihr Haar war zu einem komplizierten, aber eleganten Knoten hochgesteckt, der mit kleinen Federchen aufgepeppt war. Ihr Kleid war blassblau und schlicht, aber mit einem tiefen Ausschnitt, noch tiefer als bei Lucy. Dazu trug Sorano eine weisse Federboa. Als Schmuck trug sie nur silberne Ohrringe mit weissen Federn daran.

„Nee-Chan", hauchte Yukino, bevor sie ihrer grossen Schwester um den Hals fiel, die sie fest gegen sich presste. Diesmal verneinte Sorano nicht sie zu kennen. Vielleicht hatte sie für alle ihre Sünden endlich fertig gebüsst? Yukino hoffte es fest, sie hatte so viele Jahre mit ihrer Schwester nachzuholen. Allein die Tatsache, dass Sorano hier unmaskiert aufgetaucht war, war doch ein gutes Zeichen.

„Du siehst toll aus, Nee-Chan", hauchte Yukino, als sie sich ein Stück von ihrer Schwester entfernte, um sie noch einmal anzusehen.

„Du auch, Yukino", lächelte Sorano, während sie die Stellarmagierin von Kopf bis Fuss bewunderte. Yukino errötete leicht, sie war schliesslich ein wenig stolz darauf, dass sie ihrer Schwester gefiel. Doch eine andere Frage brannte ihr auf der Zunge: „Wie kommt es..."

„Wie kommt es, dass ich hier einfach so auftauche, als wäre ich endgültig frei?", unterbrach Sorano sie lachend. „Weisst du... nach dem Krieg gegen Alvarez hat uns der Rat rufen lassen. Durch unsere Hilfe gegen Zeref und seine Spriggans haben wir in ihren Augen unsere Schuld gebüsst und sie haben uns freigesprochen. Unter der Bedingung, dass jeder von Crime Sorciere sich einer offiziellen Gilde anschliesst. Dafür mussten wir durch viel Papierkram durchkommen, aber heute bin ich offiziell eine freie Frau. Tschuldige, dass ich nichts von mir habe hören lassen, aber ich wollte dich überraschen."

„Ach Sorano, das sind doch wundervolle Neuigkeiten", lachte Yukino, ihre Schwester wieder umarmend. „Weisst du dann schon, welcher Gilde du dich anschliessen willst?"

„Na deiner, du Dummerchen! Mein Freund und ich werden nach dem Ball zu deinem Master gehen, damit er uns als Mitglieder von Sabertooth eintragen kann."

Yukino lächelte, Freudetränen füllten ihre Augen. Einer ihrer grössten Träume war endlich wahr geworden. Sie war mit ihrer Schwester endlich wieder vereint und Sorano würde Mitglied von Sabertooth werden, gemeinsam mit ihrem... Freund?

„Du... hast...", stammelte die Stellarmagierin. Das war irgendwie zu viel fröhliche Neuigkeiten auf einem Mal. Doch Soranos leicht rote Wangen waren Antwort genug.

„Er heisst Ra... äh, Sawyer und er war immer mit mir in einer Gilde, sowohl in Oracion Seis als auch in Crime Sorciere. Wir sind nach dem Sieg erst zusammen gekommen, doch wir waren uns schon früher... näher gekommen."

Yukino ging nicht auf dem letzten Satz ein, das ging nur ihre Schwester und ihren Freund etwas an. Stattdessen umarmte sie ihre Schwester abermals und lächelte: „Das sind doch wundervolle Nachrichten. Kannst du mir bitte meinem zukünftigen Schwager vorstellen?"

„Wenn du mich meinen zukünftigen Schwager vorstellst", erwiderte Sorano mit einem Zwinkern. Yukino senkte mit roten Wangen ihren Kopf und flüsterte: „Ich habe noch keinen..."

„Aber jemanden hast du schon im Kopf, nicht wahr? Versuch nicht zu verneinen, ich erkenne diesen Blick nur zu gut. Komm, ich stelle dich Sawyer vor und dann wirst du mich verraten, welcher Ritter dein Herz erobert hat."

Yukino lachte, als Sorano sie hinter sich herzog. Sie hoffte wirklich, dass Rogue ihrer Schwester gefallen würde... und dass Rogue ihre Gefühle erwidern könnte.

Xxx

Kinana spazierte durch die dunklen Gänge des Palastes, allerdings blieb sie immer in der Nähe des Ballsaales. Es war so ruhig, so angenehm. Kinana hatte zwar ab und zu nichts gegen solche grosse Feste wie dieser Ball zu Ehren zum Sieg über Zeref und Alvarez. Aber es war einfach nicht ihr Ding und über längere Zeit fühlte sie sich unwohl unter so vielen Leuten. Da konnten Mira und Laki sagen was sie wollten, jetzt brauchte Kinana einfach eine Pause von diesem Festrausch.

Die Lilahaarige hatte sich zwar gefreut über diese Einladung zum Ball und das Kleid, das Mira ihr vor Kurzem geschenkt hatte, war perfekt für einen solchen Anlass. Es war ein glänzendes, smaragdgrünes A-Linien-Kleid, schlicht und ohne Rüschen. Dazu trug sie passende Handschuhe die bis zu ihrem Ellebogen reichten und Mira hatte ihr sogar einen grünen Stirnreif auftreiben können. Kinana musste selber zugeben, dass sie wirklich wunderschön aussah.

Mira hatte ihr dies versichert und hinzugefügt, dass sie womöglich heute Abend ihren Traumprinz finden würde. Dann war sie mit Fried auf der Tanzfläche verschwunden. Kinana hatte ihr nur traurig nachgeschaut. Beim Wort "Traumprinz" hatte Mira ihr einziger Grund zur Trauer wieder aufgeweckt. Eigentlich hatte Kinana schon seit längerer Zeit ihren Traumprinzen gefunden.

Allerdings gab es da ein Problem. Es handelte sich um Erik, ehemals Cobra von der dunklen Gilde Oracion Seis, jetzt Mitglied von Crime Sorciere. Zwar erinnerte sie sich nicht mehr an der Zeit, als sie eine Schlange gewesen war, also an ihre Zeit mit ihm. Doch Kinana wusste nur zu gut, dass ein ganz besonderes Band zwischen ihnen gab.

Sie konnte sich nicht erinnern, wie ihre Gefühle für Erik als Schlange gewesen waren. Sicher waren sie nicht über Freundschaft hinausgegangen. Doch jetzt fühlte sie sicher anders an als früher... Angefangen hatte es im Krieg gegen Alvarez. Kinana und Erik hatten sich mitten in einer Schlacht wieder gefunden und als Team weiter gekämpft. Da die Lilahaarige Schlangen-Take-Over-Magie gelernt hatte, war sie dem Giftdragonslayer eine grosse Hilfe gewesen, so wie früher.

Beide waren allerdings schwer verletzt worden und hatten sich eine Zeit lang ein Krankenzelt geteilt. Während diesen beiden Wochen hatten sie sich irgendwie wieder kennen gelernt und Kinana hatte auch seine Freunde aus Crime Sorciere kennen gelernt.

Doch die unabhängige Gilde hatte bald weiter gehen müssen, Jellal hatte etwas von „Sachen mit dem Rat klären" gemurmelt, und sofort hatte Kinana angefangen Erik schrecklich zu vermissen. Es war ihr schnell klar geworden, dass sie sich in den Giftdragonslayer verliebt hatte. Und das nicht nur ein wenig, jetzt hatte sie jedenfalls eine Vorstellung davon, was Juvia für Gray fühlte.

Erik hatte selten eine Nachricht hinterlassen und obwohl nicht viel anderes drin stand als dass es ihm gut ging, hatte Kinana dies immer ein wenig beruhigt. Doch etwas mehr Informationen hätten ihr natürlich besser gefallen.

Aber lieber bildete sie sich nichts ein. Crime Sorciere bestand aus ehemaligen dunklen Magiern die für ihre Verbrechen büssten. Sicher mussten sie sehr gut aufpassen um ihre Freunden aus offiziellen Gilden nicht in Schwierigkeiten zu bringen.

Aber Erik fehlte ihr trotzdem besonders stark. Sie hätte so gerne mit ihm getanzt, den Abend mit ihm verbracht. Wann würde sie ihn endlich wiedersehen?

„Ich würde sagen... jetzt", erklang plötzlich eine Stimme aus der Dunkelheit. Eine Stimme, die Kinana nur zu gut kannte, hatte sie diese doch seit über acht Jahren immer in ihren Träumen und in ihren Gedanken gehört. Trotzdem wagte sie es kaum zu glauben, dass er wirklich da war.

Erik trat aus dem Schatten und Kinana quietschte erschrocken auf, als sie ihn ohne Kapuzenumhang entdeckte, aber dafür balltauglich bekleidet. Der Dragonslayer trug rote und schwarze Kleidung, das ein wenig an eine Uniform für Festtage erinnerte, er trug sogar ein kleiner, einseitiger Schulterumhang, was sehr elegant wirkte. Sein rotbraunes Haar allerdings war wie immer verwuschelt.

Kinana blieb einen Moment lang voller Überraschung erstarrt. Dann kam wieder Bewegung in ihr und sie warf sich an seinem Hals. Erik erwiderte sofort ihre spontane Umarmung, legte seine Arme um ihre Hüften und presste sie noch stärker gegen sich.

Die Lilahaarige spürte, wie Freudetränen ihre Augen füllten. Er war wieder da, bei ihr. Sie hatte dies kaum zu hoffen gewagt und jetzt war ihre Freude umso grösser. Nach einer unbestimmten Zeit löste sie sich etwas von ihm und fragte: „Wie kommt es, dass du hier bist und dazu noch unmaskiert?"

„Die Ratheinis waren der Meinung, dass wir in Crime Sorciere mit dem Beistand gegen Alvarez genug gebüsst hätten und haben uns nach einem Krieg gegen den Papierkram endlich freigesprochen. Allerdings mit der Bedingung, dass wir uns einer offiziellen Gilde anschliessen?"

„Einer... offiziellen... Gilde?", stammelte Kinana. Unbändige Hoffnung wuchs in ihr, das war alles viel zu schön um wahr zu sein. Die Lilahaarige wusste, dass es wirklich die Wahrheit war, als Erik weiterfuhr: „Jellal möchte natürlich Mitglied von Fairy Tail werden, sowie Meldy. Und wenn die zu den Feen geht, dann wird Midnight ihr bestimmt folgen. Sorano und Sawyer werden sich den Tigern anschliessen, hat etwas mit Soranos Schwester zu tun, soweit ich weiss. Und Richard möchte nach Lamia Scale gehen, da er sich sehr gut mit dem Kartoffelkopf verstanden hat."

„Und was ist mit dir?", fragte Kinana unsicher. Sie gab sich Mühe ihre Hoffnung zu bändigen, schliesslich wollte nicht wieder zu sehr enttäuscht werden. Erik sah sie lange an, streichelte ihre Wange. Schliesslich murmelte er: „Da du in Fairy Tail bist, muss ich mich wohl denen anschliessen um nicht von dir getrennt zu werden."

Das war zu viel. Nun flossen endgültig Freudetränen ihre Wangen runter. Mit Elan warf sie sich wieder an seinem Hals. So stark, dass Erik gleich ein paar Schritten nach hinten machen musste, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

„Ich wusste ja gar nicht, dass du dich gleich so stark freuen würdest", murmelte Erik etwas fassungslos. Kinana kicherte, wenn er nur wüsste, wie viel er ihr bedeutete. Er war für sie das Wichtigste auf dieser Welt. Dabei dachte sie nicht daran, dass er ihre Gedanken hören konnte. Erik war zwar überrascht, als er diese Gedanken wahrnahm, doch rasch huschte ein erleichtertes Lächeln über seine Lippen.

„Was ist, gehen wir in den Ballsaal zurück?", fragte Kinana schliesslich nach einer weiteren Umarmung. Schliesslich hatten sie etwas zu feiern.

„Lieber nicht, viel zu laut", murrte Erik sofort, was die Lilahaarige kichern liess. Er hatte doch ein so gutes Gehör, da war ihm der Ball selber schon viel zu laut. All die Geräusche mussten sicher extrem unangenehm für ihn sein.

„Dann gehen wir doch in den Garten", schlug sie stattdessen vor. Anstatt auf eine Antwort zu warten hakte sie sich bei ihm ein und Erik liess sich ziehen, amüsiert von ihrer so fröhlichen Laune.

Xxx

Gray seufzte schwer, während er an seinem Glas Fruchtsaft nippte. Die Versuchung sich mit Alkohol abzufühlen war zwar gross, doch heute musste er einen klaren Kopf halten. Das war er Juvia schuldig. Dieser Ball war perfekt um ihr endlich eine Antwort zu geben.

Klar, er hatte ihr Versprochen nach dem Krieg zu geben. Und obwohl der Sieg über Alvarez nun schon Monate her war, es war trotzdem immer noch nach dem Krieg. Eigentlich würde er sein Versprechen halten. Doch trotzdem fühlte er sich wie ein totaler Feigling. Aber wollte, dass es etwas Schönes und Besonderes wurde, wenn er Juvia seine Antwort gab. Ihr zuliebe wollte er dies tun, obwohl es ganz und gar nicht seine Stärke war. Der Ball war die beste Gelegenheit dafür und es passte mehr dazu als während einer Beerdigung (sein Herz verkrampfte sich kurz als er an jene von Master Makarov dachte) oder während einer Bauarbeit nach der anderen.

Bis jetzt hatte er jedoch noch keine Gelegenheit bekommen mit Juvia alleine zu reden. Kaum hatte der Ball angefangen hatte sich sofort Meldy bei der Wassermagierin eingehakt. Gray war überrascht gewesen, dass sie und somit auch die anderen Mitglieder von Crime Sorciere hier unbeschwert auftauchen würden. Aber von Jura und Richard hatte der Eismagier erfahren, dass die unabhängigen Magier nach dem Sieg über Alvarez vom Rat freigesprochen wurden, unter der Bedingung sich einer offiziellen Gilde anzuschliessen. Richard würde sich sicher Lamia Scale anschliessen, doch bei den restlichen ehemaligen Oracion Seis war sich Gray nicht sicher. Allerdings würden Meldy und Jellal sicher sehr bald neue Mitglieder von Fairy Tail werden. Da würde sich Erza sicher freuen.

Die Rothaarige hatte Gray seit längerem nicht mehr gesehen, jedenfalls konnte er ihr türkis-goldenes Kleid, das einem sofort ins Auge stach, nirgendwo auffinden. Und auch Jellal war noch aufgetaucht, obwohl fast alle anderen von Crime Sorciere sich schon unter die Gäste gemischt hatten. Wahrscheinlich waren die beiden an einem Ort um endlich etwas Zweisamkeit zu geniessen.

Jedenfalls änderte dieses Wissen nichts an der Tatsache, dass Meldy und Juvia seit wer wusste wie lange pausenlos miteinander plapperten. Und er getraute sich nicht die beiden zu unterbrechen. Meldy war eine von Juvias besten Freundinnen und da sie sich bis jetzt nicht sehr oft treffen konnten, gönnte Gray ihnen diesen Moment. Doch warum bei Mavis mussten Mädchen immer so viel miteinander diskutieren? Dass sich keine dabei zu Tode langweilte.

Allerdings hatte er auch ein wenig Angst, dass Lyon irgendwann auftauchen und sich Juvia schnappen würde. Zwar hatte der Eismagier von Lamia Scale gesagt, dass er es aufgegeben hatte um Juvias Herz zu kämpfen, doch Gray traute ihm noch nicht ganz. Solange Lyon noch Single war, könnte er wieder anfangen Juvia schwulstige Liebesbriefe zu schreiben.

Gray hatte seinen Adoptivbruder noch nirgendwo entdeckt, aber bald huschte dessen silberweisses Haar in seinem Blickfeld. Lyon war auf der Tanzfläche, sehr elegant in seinem weiss-blauen Anzug. Gray hätte fast seinen Fruchtsaft wieder ausgespuckt, dass der Weisshaarige tatsächlich mit einer Frau tanzte, die NICHT Juvia war.

Ihr dunkles Haar war zu einem aufwendigen Knoten geflochten und sie trug ein dunkelviolettes Kleid mit silbernen Stickereien, doch Gray hatte Kagura sofort erkannt. Und so wie Lyon die Magierin von Lamia Scale ansah, hatte er sicher sein Herz an ihr verloren. Dieses Paar war nun wirklich überraschend, doch Gray war erleichtert, dass Lyon wieder jemanden gefunden hatte.

Der Schwarzhaarige wandte sich wieder Meldy und Juvia zu. Waren die beiden überhaupt dazu fähig irgendwann mal aufzuhören? Sie hatten sich wirklich sehr lange nicht mehr gesehen, aber trotzdem! Vielleicht sollte er mal kurz keinen Gentleman sein und das Geplapper über deren Ballkleider mal kurz unterbrechen. Über Kleider zu reden war sowieso so alt wie die Welt selber, auch wenn Gray zugeben musste, dass beide sehr hübsch aussahen.

Meldy trug ein schwarzes Kleid mit ein paar blassrosafarbenen Verzierungen und schwarzer Spitze. Ihr pinkes Haar trug sie frei, nur ein schwarzes Band hielt ihre Mähne zurück. Recht hübsch, doch bei weitem nicht so hübsch wie Juvia. Die Wassermagierin trug ein Ozeanblaues Kleid, das mit tropfenförmigen Perlen geschmückt war. Ab der Taille öffnete sich das Kleid und liess einen eisblauen Rock erscheinen. Ihr seidiges blaues Haar war zu unzählige Korkenzieherlocken gedreht worden und dank einem kleinen Diadem mit tiefblauen Kristallen zurückgehalten. Die Wassermagierin war heute Abend eindeutig die schönste Frau in diesem Ballsaal, in seinen Augen.

Trotzdem musste er das Gespräch der beiden Frauen unterbrechen, sonst würde er womöglich niemals die Gelegenheit bekommen Juvia seine Antwort zu geben. Doch jemand anderes nahm ihm diesen Job ab. Überrascht sah Gray, wie Midnight, mit einer schwarz-silbernen Festuniform bekleidet, sich zu den Mädchen gesellten und Meldy leicht auf der Schulter tippte.

Das Lächeln, welches diese dem Gothic schenkte, kannte Gray nur zu gut. Es war das gleiche Lächeln, das Juvia ihm so oft schenkte. Während Midnight und Meldy auf der Tanzfläche verschwanden, sah Gray ihnen nach. Wenn die beiden anscheinend ein Paar waren, dann würde der Illusionsmagier sicher auch ein Mitglied von Fairy Tail werden. Der Arme würde vielleicht kleine Probleme mit Natsu und Erza bekommen. Aber Gray versprach sich Midnight mit offenen Armen willkommen zu heissen. Dank dem Illusionsmagier war nun Juvia endlich frei und er könnte endlich mit ihr reden.

„Juvia?", fragte er vorsichtig während er sich näherte. Juvia drehte sich um und strahlte mit der Sonne um die Wette, als sie ihn erkannte: „Gray-Sama!"

„Darf ich dir um diesen Tanz bitten?", fragte er. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass ein Liebesgeständnis während eines Tanzes Juvia besonders gefallen würde. Diese nahm überglücklich seine Hand und beide gingen sie zur Tanzfläche. Kaum hatten sie ihren Platz eingenommen begann auch schon eine langsame, romantische Melodie.

Während den ersten Minuten lag Juvia einfach in seinen Armen und liess sich mit geschlossenen Augen von der Musik gleiten. Gray sagte nichts, auch er genoss den Moment. Doch als der Tanz langsam sich seinem Ende näherte, hustete er leicht und flüsterte: „Juvia... ich hatte dir doch versprochen, dir nach dem Krieg eine Antwort zu geben. Tut mir Leid, dass ich es erst jetzt tue, aber so ein Ball war für mich einfach die perfekte Gelegenheit dafür."

Juvia sagte nichts. Sie sah ihn hoffnungsvoll an, auch wenn er etwas Angst in ihrem Blick bemerkte. Natürlich, so gemein wie er sie manchmal behandelt hatte, war es normal dass sie auch eine Abfuhr abwarten könnte. Doch das wollte Gray ihr nicht geben. Leider wusste er nicht, wie er es formulieren konnte, schliesslich war das doch nicht sein Ding. Verdammt, er hatte die ganze Zeit nur darüber nachgedacht, welcher der beste Moment sein würde und nie hatte er sich Gedanken um die Formulierung selber gemacht. Wie hätte er es auch einfach so tun können, er war doch nicht Fried!

Na gut, dann würde er einfach nichts sagen, sondern es schlicht zeigen. Seufzend bückte er sich ein wenig nach unten und presste seine Lippen gegen ihre. Juvia blieb nur einen Moment lang erstarrt, bevor sie ihre schlanken Arme in seinen Nacken verschränkte um den Kuss noch mehr zu vertiefen. Beide achteten nicht darauf, dass sie immer noch mitten auf der Tanzfläche standen und das der nächste Tanz schon angefangen hatte. Sämtliche Paare mussten sich an ihnen vorbeikämpfen.

Doch selbst wenn Gray das wissen würde, es wäre ihm total egal. Endlich hatte er seinen Schatten überwunden. Viele der Personen die er geliebt hatte waren gestorben und um ein Haar hätte Juvia dasselbe Schicksal erlebt. Doch sie war hier in seinen Armen, lebendig und mehr denn je in ihn verliebt. Seine Zukunft erschien ihm auf einmal voller Licht zu sein, mit Juvia an seiner Seite.

Xxx

Levy blickte etwa zum zehnten Mal auf den Zettel in ihrer Hand. Was wollte Gajeel bloss von ihr? Warum wollte er sie in der Bibliothek des Palastes treffen? Allein? Einerseits war sie darüber nicht erfreut gewesen, schliesslich fand gerade der Ball statt und Lucy hatte ihr extra zu diesem Anlass ein neues Ballkleid geschenkt. Levy liebte ihr neues Kleid, es war leicht und bauschig in einem zarten Blassrosa und frühlingsgrünen Säumen. Dazu trug sie ein Haarband in den gleichen Farben. Sie hatte sich schon so fest darauf gefreut mit diesem Kleid tanzen zu gehen.

Aber andererseits hatte sie sich schon immer gewünscht die Bibliothek des Palastes zu sehen. Sie wurde nicht enttäuscht. Diese Bibliothek war riesig, sie nahm etwa zwei Stockwerke ein und noch nie hatte Levy so viele Bücher auf einmal gesehen. Seit etwa mehr als einer Stunde hatte sie in mehrere Bücher gestöbert und hatte nicht aufhören können zu lesen.

Allerdings konnte sie sich jetzt nicht mehr richtig darauf konzentrieren. Abermals starrte sie den Zettel an, den Gajeel vor anderthalb Stunden ihr in die Hand gedrückt hatte und der sie bat ihn etwa in einer Stunde in der Bibliothek zu treffen.

Warum kam er dann nicht, wenn er mit ihr allem Anschein nach alleine sein wollte? Manchmal fragte Levy sich wirklich, warum sie sich in Gajeel verliebt hatte. Und wie jedes Mal sobald ihr dieser Gedanke kam, gab sie sich innerlich eine Ohrfeige. Der Eisendragonslayer konnte ihr wirklich tierisch auf den Geist gehen, doch all das änderte nichts an der Tatsache, dass die kleine Scriptmagierin ihn jeden Tag seit sie ihn kannte immer mehr liebte.

Wie so oft seit dem Krieg gegen Alvarez dachte sie an den einen Moment, als Gajeel vor ihren Augen fast gestorben wäre und ihr gesagt hatte, dass er sein Leben mit ihr verbringen wollte. Bis zu diesem Augenblick hätte sie nie daran gedacht, dass auch er etwas für sie empfinden würde. Zwar hatte er sie nach dem Krieg nicht mehr darauf angesprochen, aber man redete hier von Gajeel. Wann würde er romantisch werden und ihr seine tiefe Liebe gestehen?

Die Antwort darauf war niemals. Levy war sich zwar immer sicherer, dass Gajeel in ihr verliebt war, doch damals, als er gestanden hatte, er wolle sein Leben mit ihr verbringen, sah alles danach aus, als ob er sterben würde. Und meistens erkannte man die Liebe natürlich erst, wenn es zu spät war und man sie nicht mehr haben konnte.

Diese Situation war alles andere als angenehm für Levy, doch sie getraute sich nicht Gajeel darauf anzusprechen. Die Angst, dass seinen Stolz und seinen Sturkopf ihn dazu bringen würde dieses Geständnis damals zu verneinen war einfach zu gross...

„Na, nicht am Lesen, Shrimp?"

Erschrocken drehte sich Levy um, einige Bücher fielen von ihrem Schoss. Warum musste er sich immer so anschleichen und sie erschrecken? Eine Sekunde lang registrierte Levy, wie gut er doch aussah. Seine schwarze Mähne hatte er in einem Pferdeschwanz gebändigt und er trug eine schwarz-dunkelgraue Festuniform mit einem kleinen Umhang auf der rechten Schulter.

Gleich darauf aber erinnerte sie sich, dass sie eigentlich wütend auf ihn war und zischte: „Du Idiot! Hättest du nicht schon früher kommen können? Ich wäre lieber auf dem Ball anstatt meine Zeit zu vergeuden auf dich zu warten!"

„Oho, ganz schön bissig heute Nacht. Sorry, aber da unten hat man viel zu wenig Privatsphäre und ausserdem brauchte ich Zeit um darüber nachzudenken, wie ich... es dir am besten sagen kann", erwiderte Gajeel. Am Anfang grinste er, doch gegen Schluss war er schnell ernster geworden. Für Levy war das der Beweis, dass da etwas im Busch war. Warum würde er sie sonst in die Bibliothek beten, an einem Ort wo sie alleine sein konnten?

Levy sah ihn abwartend an. Äusserlich wirkte sie ruhig, doch innerlich brannte sie vor Ungeduld. Konnte es sein, dass er... Die Blauhaarige straffte sich zusammen. Seit dem Krieg gegen Alvarez und dem Tod von Master Makarov getraute sie sich nicht mehr zu viel zu hoffen, aus Angst wieder eine viel zu grosse Trauer und unmenschlicher Schmerz zu spüren.

Gajeel seufzte schliesslich und setzte sich neben Levy. Ganz nah. So nah, dass es überall auf Levys Körper kribbelte.

„Weisst du... als ich damals gesagt hatte, ich möchte mein ganzes Leben mit dir verbringen... ich meinte das ernst."

Levy konnte ihn fassungslos anstarren. Hatte er das wirklich gerade gesagt? Das sah ihm doch gar nicht ähnlich! Diskret zwickte sich Levy in den Arm, nur um sich zu vergewissern, dass sie nicht träumte. Tat sie nicht, den ihr Arm schmerzte leicht.

Gajeel war doch kein Mann der grossen Worte, doch vielleicht war dieses Geständnis vorhin genau darum ernst gemeint. Er hatte sich sicher viel überwinden müssen, einfach um ihn das zu sagen. Levy war völlig baff, sie wusste nicht was sie darauf antworten sollte.

Gajeel sah sie einen Moment lang abwartend an, bevor er genervt seufzte: „Ich bin nicht so gut mit Wörtern wie du, kein Wunder dass du es wohl nicht verstehst. Aber sicher wirst du DAS verstehen."

Stürmisch zog er sie mit dem Nacken zu sich und presste seine Lippen hart und fordernd gegen ihre. Einen Moment lang versuchte Levy zu verstehen, was da gerade passiert war. Ihr Verstand brauchte Zeit um diese unerwartete Situation registrieren zu können. Dann aber schaltete ihr Hirn komplett aus und sich gab sich dem Kuss hin.

Levy wusste nicht, wie lange sie sich geküsst haben, doch auf einmal schaltete sich ihr Hirn wieder ein, da es ihr einen grossen Sauerstoffmangel signalisierte. Keuchend löste sich sie sich von Gajeel. Irgendwie waren während dem Kuss auf dem Boden gelandet und die Blauhaarige erinnerte sehr wage daran, dass sie sich wohl auch gerollt haben.

„Kannste ganz schön wild sein, Shrimp", grinste Gajeel, während er sich aufsetzte. Wenn er keine roten Wangen bekommen hätte, würde sie meinen, dass er sie wie üblich einfach nerven würde. Trotzdem fragte sie zaghaft: „Sind wir... nun... zusammen?"

„War der Kuss etwa noch nicht klar genug? Ich muss wohl noch einen Schritt weiter gehen, um es verständlich zu machen. Gihi, nichts dass ich etwas dagegen hätte. Ausserdem sind wir ja allein im Raum."

„GAJEEL!"

Wahrscheinlich hätte sie ihn wieder angeschrieen, wenn er nicht wieder von ihren Lippen Besitzt ergriffen hätte. Levy seufzte wohlig in den Kuss hinein. Gajeel war sicher ein Idiot, aber er war ihr Idiot.

Xxx

Yukino hatte sich in der letzten Stunde prächtig amüsiert. Sie hatte viel mit ihrer Schwester reden können (Sorano hatte sie beinahe pausenlos über "diesen Rogue" ausgefragt) und hatte ihren wohl zukünftigen Schwager kennen gelernt. Sawyer hatte sich wohl zwischen den beiden Frauen, aber Yukino hatte er warm angelächelt und hatte sie auch einmal zum Tanzen aufgefordert. Jetzt tanzte jedoch Sorano wieder mit ihm und Yukino beobachtete die beiden.

Sie sahen so glücklich miteinander aus. Die Stellarmagierin freute sich sehr, dass ihre geliebte Schwester trotz ihrer Vergangenheit als Verbrecherin die Liebe hatte finden können. Allerdings war sie auch ein kleines bisschen neidisch.

Das was zwischen Sorano und Sawyer war, hätte sie so gern auch mit Rogue fühlen können. Doch sie hatte ihn immer noch nicht gesehen und hatte sich schon daran resigniert, dass sie den Schattendragonslayer heute Abend nicht mehr sehen würde. Wenigstens hatte sie ihre Schwester wieder finden können und freute sich auf die gemeinsame Zukunft in Sabertooth.

„Darf ich um diesen Tanz bitten?"

Erschrocken drehte sich Yukino um und quiekte leicht auf, als sie Rogue hinter entdeckte. Der Dragonslayer trug einen eleganten, altmodischen weinroten Anzug mit glänzenden schwarzen Stiefeln. Er war also doch hier? Und er hatte sie gerade zum Tanzen aufgefordert?

Die Stellarmagierin beruhigte sich schnell und gab ihm lächelnd die Hand. Wie in Trance liess sie sich von ihm über den Marmorboden gleiten und genoss erst einmal diesen einen Moment in den Armen ihres geheimen Schwarms.

„Wo bist du eigentlich die ganze Zeit gewesen?", fragte sie jedoch schliesslich. Rogue liess sie drehen, bevor er antwortete: „Sting war wegen dem Ball etwas gestresst, also habe ich mich noch um den heutigen Papierkram gekümmert. Und dabei waren zwei Anfragen von Crime Sorciere, damit zwei von ihnen in Sabertooth aufgenommen werden können. Ich habe einfach alles so arrangiert, damit diese beiden Magier schon morgen eintreten können."

Yukino sah ihn fassungslos an. Hatte er etwa wirklich alles getan, damit Sorano und Sawyer so früh wie möglich Sabertooth beitreten konnten? Die Weisshaarige warf schnell einen Blick auf ihre Schwester und ihren Freund, doch das Paar hatte nur Augen für sich. Ahnten sie überhaupt, dass sie ab morgen schon zu den Tigern gehören würden?

Yukino wandte sich wieder Rogue zu. Seine Augen funkelten amüsiert, als ob ihm ein besonders guter Streich gelungen wäre. Sie konnte nicht anders als ihn anzulächeln, schliesslich brauchte sie nicht nach dem Grund zu fragen, warum er das freiwillig getan hatte, obwohl er sonst immer genervt war sobald er Stings Papierkram übernehmen musste.

Sie hatte ihm viel von ihrer Schwester erzählt und darüber, wie sehr Sorano ihr gefehlt hatte. Dass er freiwillig durch den lästigen Papierkram durchgegangen war, damit die beiden Schwestern so schnell wie möglich wieder vereint sein konnten, bedeutete ihr viel. Irgendwie war es auch ein Liebesbeweis seitens Rogue. Yukino brauchte nicht mehr zu wissen. Wohlig schmiegte sie sich enger an den Schattendragonslayer, schloss die Augen und murmelte ein geseufztes: „Danke."

Ihre Knie wurden weicher als Pudding, als sie spürte wie er ihr einen Kuss auf den Kopf drückte. Er liebte sie auch und das allein war schon wundervoll.

Xxx

Die Gärten des Palastes waren wunderschön und die Blumen voll erblüht. Nichts zeigte an, dass hier noch erst vor ein paar Monaten noch Krieg geherrscht hatte. Niemand war sonst hier zu sehen und Kinana genoss die Ruhe, die im Garten herrschte. Eine leichte, warme Brise wehte und trug die Musik des Balles in die Nacht hinaus.

Kinana schmiegte sich noch etwas an Erik, der einen Arm um ihre Schulter gelegt hatte. Sie waren ruhig geblieben während ihres Spazierganges und die Lilahaarige hatte das Gefühl, dass sie sich auch ohne Worte verstehen konnten. Auch wenn sie sich nicht an ihre gemeinsame Vergangenheit erinnern konnte, sie liebte dieses ganz spezielle Band zwischen ihnen. Kinana liebte zwar ihre Freunde in Fairy Tail, doch mit keinem von ihnen hatte sie diese Verbindung, die sie mit Erik hatte.

Die Lilahaarige starrte in den Himmel, gerade als eine Sternschnuppe auftauchte und eine glitzernde silberne Spur hinterliess. Das erinnerte ihr an Eriks Versprechen mit der Sternschnuppe. Sie kicherte leicht, als sie daran dachte. Eigentlich hörte es sich total kitschig an, auch wenn es bewies wie viel sie Erik bedeutet hatte. Zwar war er damals ein gefährlicher, skrupelloser dunkler Magier gewesen, doch allein wegen den glücklichen Moment die sie zu dieser Zeit geteilt hatten, wünschte sich Kinana ihre verlorenen Erinnerungen wieder finden zu können.

Sie spürte, wie Erik sie fester gegen sich presste. Sicher hatte er ihre Gedanken gehört und versuchte sie wohl ein wenig aufzumuntern. Schliesslich beschloss Kinana die Stille zu unterbrechen und fragte: „Erik, könntest du mir einmal von unserer gemeinsamen Vergangenheit erzählen?"

„Werde ich eines Tages, wir werden ja viel Zeit dafür haben", erwiderte er lächelnd und drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Nase. Kinana errötete leicht. Dies schien zwar ein freundschaftlicher Kuss zu sein, doch Erik hatte seine Lippen etwas länger darauf liegen gelassen als normal...

Kinana gab sich einen Ruck. Es war an der Zeit ihre jetzige Beziehung zueinander zu klären. Ihr war klar, dass sie die besten Freunde gewesen waren als sie noch eine Schlange gewesen war. Doch es könnte durchaus Veränderungen geben, da sie jetzt eine junge Frau war. Sie war froh ihn als besten Freund zu haben, doch Kinana hoffte auch auf mehr.

„Erik...", begann sie zaghaft. Erik hielt an und sah sie abwartend an. Eigentlich könnte er ihre Gedanken lesen, doch anscheinend wollte er von ihr selber hören, was sie zu sagen hatte. Kinana atmete ein paar Mal tief durch, bevor sie ins kalte Wasser sprang: „Sind wir immer noch beste Freunde, auch wenn ich keine Schlange mehr bin? Oder ist es nun anders?"

Erik antwortete nicht sofort. Leise seufzte er und sah den Vollmond an, als ob er darin die passenden Worte für seine Antwort suchte. Kinana liess ihm Zeit. Innerlich war sie zwar nervös. Egal was er ihr antworten würde, das Band zwischen ihnen würde sicher bleiben.

Schliesslich sah Erik sie ernst an, nahm ihre Hände in seine bevor er leise sprach: „Kinana... früher waren wir die besten Freunden und nichts auf der Welt kann diese Tatsache ändern. Aber jetzt ist es etwas anders. Ich habe in den letzten Monaten gründlich darüber nachgedacht und habe meinen Entschluss gefasst. Kinana, für die Schlange empfand ich Freundschaft, aber von die Frau vor mir möchte ich geliebt werden."

Erik gab ihr nicht Zeit zu reagieren, sondern drückte ihr sofort einen sanften Kuss auf die Lippen. Kinana erwiderte den Kuss nur zu gern und presste sich noch mehr gegen ihn. Endlich waren sie wieder zusammen.