Under the Waves

Das salzige Nass klatschte Gray mitten ins Gesicht. Die Wellen waren wirklich wild, heute. Eigentlich genau richtig für einen Strandausflug, den Makarov extra für Fairy Tail organisiert hatte. Und in letzter Sekunde auch für Crime Sorciere, die gerade kurz vor dem Aufbruch aufgetaucht waren und völlig überrumpelt mitgeschleift wurde.

Keine Ahnung, woher der Master die von einem Strandausflug her hatte. Aber es war nicht überraschend, dass er manchmal spontane Einfälle hatte. Allerdings hatte Gray den Verdacht, dass Mirajane dahinter steckte. Sie war nämlich die einzige gewesen, die bei der Ansprache des Masters nicht überrascht gewesen war. Wollte diese verdammte Verkupplerin etwa schon wieder Paare bilden?

Gray schüttelte den Kopf. Das wäre ja wirklich typisch Mira. Aber egal ob am Strand oder im Gildengebäude, der Eismagier war sich sicher, dass dieses Vorhaben gleich schwer bleiben würde. Und mit den Mitgliedern von Crime Sorciere hatte Mira gleich sechs weitere Verkupplungsopfer und einen Helfer in Richard gewonnen. Das könnte ja heiter werden.

Der Schwarzhaarige liess rasch den Blick umher schweifen. Unter den Verkupplungskandidaten von Mira sah er niemand, der wohl am Ende des Tages Hand in Hand mit der geliebten Person heimkehren würde. Jellal und Erza sassen zwar nebeneinander, doch redeten nicht miteinander. Stattdessen beobachtete der Blauhaarige wie Romeo und Wendy gemeinsam eine Sandburg bauten. Währenddessen unterhielt sich Erza gerade eifrig mit Meldy, auf deren Schoss Midnight schlief.

Okay, die beiden würden sicher Hand in Hand heimkehren, aber das zählte nicht. Schliesslich waren sie lange schon zusammen und das ohne Miras Zutun. Die beiden waren also keine Verkupplungsopfer und Gray beneidete sie deswegen ein wenig.

Lucy und Natsu waren noch Kandidaten, aber so naiv wie das Flammenhirn in der Liebe war, würde das noch lange dauern, bis sich daraus etwas ergeben sollte. Natsu hatte die protestierende Lucy über seine Schultern geworfen und rannte mit ihr gerade ins Wasser, nur um sie wie ein Sack fallen zu lassen und sie wild abzuspritzen. Gray grinste, der Pinkhaarige war so ein Idiot.

Hinter Natsu folgte Erik und Gray machte runde Augen, als er Kinana neben dem ehemaligen Feind erblickte. Klar, die Oracion Seis waren nun irgendwie ihre Freunde geworden, doch soweit er wusste hatte Kinana nie etwas mit ihnen zu tun gehabt. Doch sie schien aus irgendeinem Grund perfekt mit Erik klar zu kommen, denn sie strahlte den Giftdragonslayer so an, wie sie noch nie jemanden sonst angestrahlt hatte. Gray wusste nicht was er davon halten sollte, doch Erik war seit langem kein Feind mehr und gehörte zu Jellals Gilde, also sollte er sich wahrscheinlich keine allzu Sorgen machen. Ausser wenn Mira sie ebenfalls als Verkupplungsopfern aufgelistet hatte, natürlich.

Gray liess weiter den Blick schweifen. Levy hatte sich unter einem Sonnenschirm gesetzt und las als hinge ihr Leben davon ab. Der Schwarzhaarige konnte nicht verstehen, warum sie selbst am Strand Bücher mitbrachte. Lesen war doch nicht die Hauptbeschäftigung an einem Strand. Neben ihr lag Gajeel, der einfach gelangweilt in den Himmel starrte und Eisen mampfte. Auch dieses Paar würde nicht so schnell zusammen kommen, vor allem wenn Jet und Droy sich immer wieder einmischten.

Wo war den eigentlich Juvia? Eigentlich hatte er erwartet, dass sie längst neben ihm aufgetaucht wäre. Ein wenig Sorgen machte er sich schon, vor allem seit sie ein halbes Jahr lang miteinander gewohnt hatten. Schnell suchte er mit dem Blick den Strand ab. Sorano und Evergreen lagen nebeneinander, nahmen ein Sonnenbad und schienen sich sonst irgendwie gut zu verstehen. Elfman posaunte wieder irgendetwas über Männlichkeit, während sich Sawyer neben ihm gelangweilt die Ohren zuhielt. Mira liess sich von Fried den Rücken eincremen, Laxus wurde von Bixlow und Cana ins Wasser gezogen, Lisanna sammelte Muscheln... Aber nirgendwo war Juvias seidiges blaues Haar zu sehen.

Es könnte auch sein, dass sie ins Wasser getaucht ist, schliesslich war dies das Element ihrer Magie. Trotzdem gefiel es Gray nicht sie nicht zu sehen. Seit einigen Monaten hatte er endlich aufgehört seine Gefühle für die schöne Wassermagierin zu ignorieren. Es hatte sowieso keinen Sinn. Natürlich hatte er immer noch Angst sie zu verlieren, genauso wie er Ul, Ultear und seine Eltern verloren hatte.

Doch langsam war er zum Schluss gekommen, dass er Juvia genauso verlieren würde, wenn er seine Liebe weiterhin ignorierte. Es war ihm schwer gefallen wegen seinem Stolz, doch er hatte es schliesslich eingesehen. Allerdings war er nich Lyon, er wusste nicht wie man seine Liebe gestand. Doch wenn er weiterhin so zögerte, könnte Juvia endgültig aufgeben und etwas mit dem Eismagier von Lamia Scale anfangen. Gray ballte die Fäuste. Nur über seiner Leiche. Lyon hatte zwar gesagt, dass er die Wassermagierin aufgegeben hatte, doch solange dieser Idiot noch Single war, wollte Gray ihm nicht so richtig glauben.

„Gray-Sama", hörte er plötzlich eine nur zu bekannte Stimme, gleichzeitig spürte er, wie eine kleine Hand seine eigene nahm.

„Juvia hat dich überall gesucht. Wo warst du denn?", fragte die Blauhaarige strahlend. Gray schluckte schwer. Juvia trug einen weissen, trägerlosen Bikini der ihre weiblichen Formen perfekt unterstrich. Verdammt, wenn sie so nah mit ihren Reizen spielte fand er keine Worte. Warum musste sie bloss so attraktiv sein? Okay, blöde Frage, schliesslich störte es ihn ja nicht, eigentlich.

„Juvia hatte Angst, dass Gray-Sama womöglich lieber Zeit mit ihrer Liebesrivalin verbringen wollte, doch Lucy wird von Natsu zurück gehalten."

„Juvia, wie oft soll ich es dir noch sagen? Lucy ist nur eine Freundin, mehr nicht", brummte Gray. Er hatte wirklich keine Ahnung, war Juvia die Blonde immer als Liebesrivalin bezeichnete. Dass sie in einem Team waren lag es nicht, sonst hätte Erza sicher ebenfalls diesen Titel bekommen. Er hatte wirklich keine Ahnung, woher das kam.

„Das weiss Juvia, aber sie kann es einfach nicht anders. Gray-Samas Herz will sie niemals teilen müssen", strahlte Juvia, während sie sich an ihm schmiegte.

Teilen wirst du mein Herz niemals, hatte Gray sagen wollen, doch die Worte blieben Gedanken. Warum war es bloss so schwer? Er schämte sich ja nicht mehr für seine Liebe zu Juvia. Aber seine Zunge machte ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Wenn es nur so einfach wäre seine Liebe rumzuposaunen, wie Lyon es immer gemacht hatte. Wobei, das hatte immer lächerlich ausgesehen, also war Gray eher erleichtert das nicht zu können.

„Möchte Gray-Sama vielleicht gerne mit Juvia in die Wellen tauchen?", riss ihn Juvia gerade aus seinen Gedanken.

„In die Wellen tauchen?"

„Ja, Juvia liebt es zu tauchen und am meisten Spass macht es mit solchen wilden Wellen wie heute. Komm, Juvia zeigt es dir."

Gray hatte keine Zeit etwas zu erwidern, schon hatte Juvia seine Hand noch fester gepackt und hatte den Eismagier in eine gerade grosse Welle gezogen. Das kam so überraschend, dass Gray dieses eklige Salzwasser schluckte und sofort fortgespült wäre, hätte Juvia seine Hand nicht fest gehalten. Keuchend und hustend tauchte er wieder auf. Diese Frau würden ihn eines Tages noch umbringen, mit ihrer verrückten Fantasie und den wahnsinnigen Ideen.

„Oh, Juvia tut es leid, sie hätte Gray-Sama etwas mehr vorbereiten sollen", murmelte die Blauhaarige, die gerade wieder neben ihn auftauchte, allerdings ohne seine Hand loszulassen. Sie schien wirklich enttäuscht zu sein und das gefiel dem Eismagier ganz und gar nicht.

„Hey, mach nicht so ein Gesicht, es war gar nicht so schlimm. Es... ähm, ich habe einfach zu langsam kapiert was du wolltest, sorry. Machen wir es einfach nochmals."

Juvia strahlte ihn an, was Gray leicht lächeln liess. Genauso hatte er seine Meerjungfrau am Liebsten. Hand in Hand rannten sie wieder auf eine ziemlich grosse Welle zu um abzutauchen. Und während der Eismagier sich mitreissen liess, dachte er daran, dass heute Abend vielleicht doch ein neues Paar Hand in Hand heimkehren würde...