Heal the Wounds
Juvia konnte es immer noch kaum glauben. Nach dem Sieg über Zeref hatten sie alle tatsächlich geschafft Acnologia zu besiegen, gemeinsam. Die Dragonslayer waren mit der Seele fertig gekommen und alle anderen mit dem Körper, der in Magnolia sein Unwesen getrieben hatte.
Kaum zu glauben, dass dieser schreckliche Kampf noch vorgestern passiert war. Seither schien die Zeit langsam zu vergehen, jedenfalls hatte Juvia dieses Gefühl. Und sie war bestimmt nicht die Einzige. Aber es waren tatsächlich nur zwei Tage seither vergangen.
Trotzdem merkte man, dass hier ein Kampf, sogar ein Krieg gewütet hatte. Von Magnolia waren nur noch Ruinen übrig geblieben und alle waren während der Schlacht verletzt worden. Trotzdem, alle hatten überlebt, was einem Wunder gleichkam. Doch einige hatte es schlimmer erwischt als andere. Master Makarov war so geschwächt, dass Juvia befürchtete, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Womöglich blieben ihm noch Wochen, Monaten, vielleicht ein ganzes Jahr. Aber nicht noch mehr.
Überhaupt war trotz dem Sieg niemandem nach Feiern zumute. Warum denn auch? Dieser Kampf war der Schrecklichste, denn alle Magier hier überhaupt erlebt hatten und er hatte tiefe Wunden hinterlassen, in jedem der gekämpft hat. Welche die mit der Zeit verschwinden würden und andere, die wahrscheinlich für das Leben lang eingebrannt waren.
Gestern hatten alle dabei geholfen Zelte aus allem Möglichen aufzustellen, um ein provisorisches Lager aufzustellen. Irgendwann würde man die Ruinen wieder aufbauen, aber zuerst mussten alle wieder zu Kräften kommen. Alle waren noch zu schwach um auch nur eine Stadt wieder aufzubauen, selbst die Stärksten. Besser war sich zuerst selber zu erholen.
Seit heute Morgen hatte sich ein gewisser Alltag in den Ruinen installiert. Die weniger Verletzten kümmerten sich um die schlimmeren Wunden und sonst versuchte jeder sich irgendwie zu beschäftigen. Vorhin hatte Juvia Meredy gesehen, die mit Midnight irgendwelche Figuren aus Steinchen zusammenlegte. Heute Morgen hatte sie Lyon entdeckt, der überraschenderweise nicht von Kaguras Seite gewichen war und ihr mit ihren Krücken half. Oder Cana, die Laxus half sich um den verschwächten Makarov zu kümmern. Manchmal half auch Gildarts mit, aber da er im Kampf gegen Acnologia ein Bein verloren hatte konnte er nicht viel tun. Trotzdem beklagte er sich nicht. Juvia hatte bis jetzt keine einzige Klage gehört. Waren sie alle selbst dafür zu schwach? Oder hatte es einfach keinen Sinn mehr sich zu beklagen?
Die Wassermagierin kannte die Antwort darauf nicht. Wahrscheinlich tat es niemand. Sie wusste nur, dass sie alle sich ausruhen mussten und den anderen beistanden. Die Bände die zwischen den Mitgliedern Fairy Tails und auch jenen anderer Gilden bestanden, waren seit vorgestern noch stärker geworden. Zusammen würden alle es schaffen neu anzufangen und ihr Leben weiterzuführen. Irgendwann würde es vielleicht wieder besser gehen und sie könnten ihr Zuhause, ihr Leben wieder aufbauen. Doch jetzt war es einfach zu früh, der Kampf war noch zu frisch.
Juvia fragte sich, wie es Gray wohl ging. Sie hatte ihn kurz gesehen, gestern, als das Lager aufgebaut wurde. Aber sie war zu erschöpft gewesen um mit ihm zu reden. Kaum standen die Zelte, hatte sie sich auf die nächste Matratze geworfen und war durch Erschöpfung eingeschlafen.
Sie hatte nicht vergessen, dass er ihr noch eine Antwort schuldete. Doch nach allem was sie erlebt hatten wäre es falsch ihn daran zu erinnern. Auch er brauchte Zeit um sich zu erholen, vielleicht mehr als einige andere. Die Antwort konnte warten.
Juvia seufzte, während sie durch die Ruinen Magnolias und Zelte marschierte. Was würde sie nicht für Gray tun? Nach dem Kampf gegen Acnologia war ihr Wille für ihn da zu sein noch stärker geworden. Sie brauchte ihn mehr den je und umgekehrt war es hoffentlich genauso.
„Juvia?"
Eine kalte Hand hatte sich auf ihre verbundene Schulter gelegt. Eine kalte Hand, die ihr jedoch so vertraut war. Gray...
Wortlos drehte sie sich zu ihm. Sie war überglücklich ihn zu sehen, doch noch zu erschöpft um ihre Freude zu zeigen. Seine Stirn war verbunden, genauso wie seine Brust. Überall auf dem Körper hatte er Schürfungen, Prellungen und blaue Flecken, aber sonst schien er gesund zu sein.
Sein Blick war unsicher, doch irgendwie glänzte in seinen Augen einen Hauch von Entschlossenheit. Juvia legte sanft ihre Hand auf seine und hauchte: „Juvia ist so glücklich dich wohlauf zu sehen, Gray-Sama..."
„Dasselbe könnte ich dir sagen", lächelte Gray leicht. „Ich habe dich gestern kurz gesehen. Aber wir waren alle zu erschöpft, ich konnte nicht mit dir reden. Dabei schulde ich dir noch eine Antwort."
Da war es also. Der grosse Moment war gekommen. Doch Gray sah noch so erschöpft aus und sicher fühlte er sich im Moment verpflichtet ihr endlich eine Antwort zu geben. Doch Juvia wollte es nicht unter diesen Umständen.
„Es ist schon gut, Gray-Sama. Juvia kann noch warten, bis es dir wieder gut geht."
„Aber ich kann nicht mehr warten", erwiderte Gray. Die Entschlossenheit in seinem Blick war grösser geworden und sie spürte es auch, als er fest nach ihrer Hand griff. „Komm mit."
Juvia hätte ihm gerne gefragt wo er sie bringen würde, aber er liess ihr keine Zeit dafür. Mit raschem Schritt ging er vorwärts, die Wassermagierin hinter sich herziehend. Sie gingen über die Wege, die mal die Strassen und Gassen von Magnolia gewesen waren. Doch jetzt waren es nur unregelmässige Steinwege, die auch Löcher aufwiesen.
Sie gingen an Zelten und Verwundeten vorbei, die sich gegenseitig halfen und sich so gut es ging beschäftigten. Allerdings hatten beide die letzten Zelte bald hinter sich gelassen und Juvia fühlte sich deswegen unwohl. Im Lager hatte sie sich geborgen gefühlt, aber ausserhalb... hier wurde es einem noch klarer, welch schrecklicher Kampf hier stattgefunden hatte. Juvia fühlte sich hier unsicher und verängstigt. Klar, eigentlich hatte sie nichts mehr zu befürchten. Acnologia und Zeref waren nicht mehr und die überlebenden Spriggans waren rasch hinter Gitter gebracht worden. Trotzdem...
„Gray-Sama, warum führst du Juvia hierher? Sie fühlt sich nicht wohl hier...", murmelte Juvia, sich nun fest an ihm klammernd.
„Ich weiss... Auch ich mag es nicht ausserhalb des Lagers zu gehen. Aber ich möchte mit dir an einem Ort reden, wo wir wirklich ungestört reden können."
Schliesslich hielten sie in einer Ruinen an, die einst wohl ein grosses Gebäude gewesen war. Die Kathedrale von Kardia? Juvia konnte sich nicht noch mehr darüber Fragen stellen, da hatte Gray sie sanft und gleichzeitig fest an die Schulter gepackt, schaute ihr nun tief in die Augen.
„Juvia... erst einmal möchte ich mich für alle Male entschuldigen, bei denen ich dich so mies behandelt habe. Du musst wissen... ich hatte Angst. Alle Menschen, die mir viel bedeutet haben, sind immer gestorben. Meine Mutter, mein Vater, Ul, Ultear... Ich hatte Angst, dich ebenfalls zu verlieren da du mir so viel bedeutest. Darum habe ich dich so mies behandelt. Und das war der grösste Fehler, den ich je habe begehen können. In diesem Krieg habe ich für kurze Zeit verloren und die Tatsache, dass ich nie offen mit meinen Gefühlen war, hat das Ganze noch schlimmer gemacht. Juvia... es kommt sicher etwas rasch für dich, aber ich kann das nicht mehr hinauszögern! Ich... ich liebe dich."
Der Eismagier liess ihr keine Zeit auf seine Antwort zu reagieren, er versiegelte bloss seine Lippen mit ihren. Juvia blieb einen Moment lang erstarrt, aber dann erwiderte sie den Kuss mit aller Leidenschaft die sie gerade aufbringen konnte.
Gray hatte Recht, seine Liebeserklärung und der Kuss hatten sie ziemlich überrumpelt, doch das war ihr egal. So glücklich war sie, dass der Schwarzhaarige ihre Gefühle erwiderte. Zum ersten Mal seit dem Krieg gegen Alvarez empfand sie pure Freude.
Xxx
Als Levy aufwachte, war Gajeel schon verschwunden. Nur Lily war noch im Zelt, der schwarze Exceed schlief tief und fest. Der leere Platz neben ihr auf der Pritsche war allerdings noch warm, also war er erst vor kurzem weg.
Seit die Dragonslayer Acnologia besiegt hatten und verwundet, aber lebend zurückgekommen waren, war die Blauhaarige nicht von der Seite des Eisendragonslayers gewichen. Nicht mal als das provisorische Lager aufgebaut wurde und sie beschlossen hatten ein Zelt zu teilen. Zweimal hatte sie ihn fast verloren und nun wollte sie einfach sicher sein, dass er da war. Sie hatte einfach seine Nähe gebraucht.
Vor allem, als er sich gestern Nacht neben ihr auf der Pritsche gelegt hatte und sie vor dem Einschlafen geküsst hatte. Auf dem Mund. Der letzte, endgültige Beweis, dass auch er in sie verliebt war. Sie war nach einem kurzen Schock selig eingeschlafen.
Aber warum hatte er sie nicht aufgeweckt? Es hatte bestimmt einen guten Grund, was auch immer es war. Nach diesem schrecklichen Krieg gegen Alvarez und Zeref sowie die Schlacht gegen Acnologia danach, war Levy nicht mehr fähig ihm etwas vorzuwerfen. Überhaupt konnte sie niemandem irgendwelche Vorwürfe machen, egal zum welchen Thema. Dieser Krieg hatte Narben hinterlassen und bevor alles mehr oder weniger wie früher werden konnte, mussten sie alle sich selber wieder aufbauen.
Levy trat aus dem Zelt. Es überraschte sie nicht, Freunde oder Bekannte zu sehen, die sich mit irgendetwas beschäftigten, sei es spazieren oder mit Steinchen zu spielen. Es war irgendwie ein Bedürfnis nach einer so schrecklichen Schlacht sich mit etwas beschäftigen zu wollen, ob nützlich oder nicht. Auch die Scriptmagierin hatte Lust sich zu beschäftigen, allerdings hatte sie noch keine Bücher zur Hand. Lesen hätte ihr wirklich gut getan und ihr geholfen eine Gewohnheit wieder aufzubauen. Doch im Moment wollte sie lieber Gajeel suchen. Sie brauchte ihn einfach.
Auf ihrem Weg zwischen den Zelten, traf sie auf Jet und Droy, die gegenseitig ihre Wunden kontrollierten. Levy war erleichtert, dass es nicht schlimm um die beiden stand. Zumindest körperlich, geistlich werden bestimmt alle Narben vom Kampf behalten.
Etwas weiter, vor einem Zelt, war Mira. Sie hatte irgendwie einen verbeulten kleinen Kessel ausfindig machen können und nun kochte sie etwas, was wie eine Suppe oder einen Eintopf aussah. Lisanna, Elfman und die drei Raijins sassen um sie herum und begutachteten den Inhalt des Kessels. Es roch nicht speziell, aber der Duft war lecker für Levy. Egal was gekocht wurde, nach dem Krieg war ihr jede Nahrung lecker.
Lucy entdeckte sie allerdings nirgends. Vielleicht war sie bei Natsu. Auch die Blonde hatte nicht von seiner Seite weichen können und Levy hoffte, dass sie nun ein Paar waren. Nach einem so schrecklichem Ereignis fand sie, dass Liebe jedem gut tun könnte. Ihr jedenfalls gab es Hoffnung, Freude und einen Sinn im Leben. Doch wo war Gajeel?
Sie entdeckte den Schwarzhaarigen hinter einem Mauerrest, allein. Er sass einfach auf dem Boden, gegen die Mauer gelehnt und starrte nachdenklich in den bewölkten Himmel hinauf. Das sah Gajeel eigentlich gar nicht ähnlich, aber nach allem was sie erlebt hatten war es vielleicht wieder normal.
Levy sagte nichts. Was hätte sie auch sagen können? Stattdessen setzte sie sich neben ihm, legte den Kopf auf seiner Schulter. Seine Nähe war wie Balsam für ihre seelische Wunden und sie genoss es. Wer hätte gedacht, dass sie Gajeel eines Tages so sehr brauchen würde?
Der Dragonslayer sagte nichts. Er legte einfach einen Arm um ihre Schultern und lächelte, als ob er ihr Kommen erwartet hätte. Mit einem wohligen Seufzen schloss die Blauhaarige ihre Augen. Sie liebte ihn so sehr und war glücklich nun mit ihm zusammen zu sein.
Xxx
„Sorano, bist du sicher, dass es nun gut für dich ist? Ich kann noch bleiben, wenn du willst."
„Schon gut Yukino. Ich muss zwar im Bett bleiben, aber sonst geht es mir blendend. Du solltest dich auch mal ausruhen."
Die weisshaarige Stellarmagierin nickte zögernd. Es war ihr unangenehm ihre Schwester zu lassen, auf dieser harten Pritsche in diesem kleinen Zelt. Sorano hatte während dem Kampf gegen Acnologia die beiden Beine gebrochen und es würde sicher noch sehr lange dauern, bis sie wieder auf ihre beiden Füsse stand. Ausserdem hatte sie erst wieder ihre geliebte Schwester gefunden, da fiel es Yukino gleich doppelt so schwer Sorano alleine zu lassen.
Obwohl... alleine war Sorano ja nicht. Yukino tauschte einen Blick mit dem Mann, der ihr gegenüber sass und Soranos Hand hielt. Sawyer, ein Gildenkamerad ihrer Schwester und auch Liebhaber, wie sie vor kurzem erfahren hatte.
Der Schnelligkeitsmagier nickte ihr zu. Sie hatten nicht viel miteinander gesprochen, doch die gemeinsame Pflege um Sorano hatten die beiden schon noch nah gebracht. Yukino stand erleichtert auf. Ihrer Schwester würde es gut gehen, trotz den gebrochenen Beinen. Bevor sie jedoch das Zelt verliess, sah sie wie Sawyer sich über Sorano beugte und sie küsste.
Lächelnd verliess Yukino das Zelt. Es war fast ein Wunder, dass trotz diesem schrecklichen Krieg noch Liebe stark bleiben konnte. Oder vielleicht war sie deswegen noch stärker geworden. Yukino war froh darüber, es bewies einfach, dass selbst nach den schrecklichsten Zeiten wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben konnte.
Da fiel ihr ein... Mit der Liebe hatte sie auch noch eine Sache zu erledigen. Hoffentlich fand sie Rogue irgendwo in diesem Lager.
Wahrscheinlich war sie schon seit langem in ihm verliebt. Doch erst, als sie ihn fast verloren hatte, als er gegen Acnologia gekämpft hatte, war es ihr klar geworden. Die Angst, dass er vielleicht nicht überleben würde und die Unsicherheit waren so unerträglich gewesen. Sie war dann so erleichtert zu wissen, als sie erfahren hatte, dass er überlebt hatte. Gestern, während das Lager aufgebaut wurde, hatte sie ihn kurz gesehen und der Dragonslayer hatte sie angelächelt. Yukino hatte sein Lächeln erwidert, doch sie hatte keine Zeit gehabt mit ihm zu reden, Sorano hatte sie gebraucht.
Aber jetzt... Es war an der Zeit mit ihm über ihre Gefühle zu reden. Sie wusste nicht, ob Rogue dasselbe empfand, nach all der Sorge und Erleichterung der letzten zwei Tage fand Yukino, dass der Schwarzhaarige das Recht hatte davon zu erfahren. Sie hoffte natürlich, dass er ihre Gefühle erwiderte. Doch die Freundschat zu ihm war ihr genauso wertvoll. Sie würde womöglich nicht wirklich etwas verlieren.
Während sie durch das Lager marschierte, entdeckte die Weisshaarige Sting und Minerva, die sich kurz küssten und dann in einem Zelt verschwanden. Yukino lächelte. Früher war die Beziehung der beiden als Bettgeschichte zu bezeichnen gewesen. Doch während dem Krieg hatte Yukino das Gefühl gehabt, dass es mehr zwischen den beiden gab als nur Sex.
Sorano und Sawyer, Sting und Minerva... vielleicht gab es auch andere Paare, die sich gefunden hatten oder deren Liebe sich jetzt noch verstärkt hat.
Schliesslich entdeckte sie Rogue. Der Schattendragonslayer stand vor einem Zelt und wiegte Frosch hin und her. Besorgt starrte Yukino den grünen Exceed an. Sie hatte schon immer eine besondere Zuneigung für Frosch gehabt und Yukino hoffte, dass es ihr gut ging.
Zum Glück schien Frosch nur zu schlafen, jedenfalls konnte sie keine Verletzung entdecken. Yukino lächelte erleichtert. Gott sei Dank war ihr nichts Schlimmes passiert.
Rogue schien sie nun bemerkt zu haben. Er lächelte sie warm an und bedeutete ihr mit einer Kopfbewegung näher zu kommen. Noch nie hatte Yukino ihn so warm lächeln sehen. Hatte vielleicht Erleichterung ihn offener gemacht. Es würde tatsächlich zum Rogue passen, den sie kannte und liebte.
Yukino gesellte sich neben ihm und streichelte Frosch sanft über den Kopf. Sie war so niedlich und unschuldig. Kaum zu glauben, dass ein Geschöpf wie Frosch Rogues Partner geworden war. Doch der Schwarzhaarige war immer ein herzensguter Mensch gewesen und das war wohl einer der Gründe warum Yukino sich in Rogue verliebt hatte.
„Rogue, ich...", setzte sie nach einer Weile an, um endlich die drei magischen Worten zu sagen. Doch er kam ihr zuvor, unterbrach sie: „Ich dich auch, Yukino..."
Überrascht starrte die Stellarmagierin ihn an. Doch dann begann sie wieder zu lächelnd, dieses Mal jedoch strahlender. Das war eindeutig das Beste, was ihr nach diesem Krieg hatte passieren können. Glücklich legte sie den Kopf auf Rogues Schulter und genoss diesen Moment, der voller Hoffnung und Freude war.
Xxx
„Pass auf Erik, es wird wohl etwas brennen."
„Schlimmer als Acnologias Schläge kann es nicht sein."
Kinana nickte. Da hatte Erik Recht. Acnologia hatte ihm und den anderen Dragonslayern ziemlich übel mitgespielt. Da war eine einfache Pflege mit Alkohol ein Kinderspiel dagegen.
Behutsam legte sie den nassen Lumpen auf die Schulter des Giftdragonslayers. Er hatte dort einen saftigen Hieb erwischt und wenn die Wunde nicht schlecht desinfiziert wurde, könnte er es schlimm für ihn werden. Doch Kinana wollte nicht, dass Erik noch mehr litt. Während der Schlacht hatte er schon genug erdulden müssen und sie würde alles tun damit er schnell wieder auf die Beine kam.
Erik zuckte kurz zusammen, als der Lumpen die Wunde berührte. Doch mehr schien es ihm nicht auszumachen. Kinana war darüber wirklich sehr erleichtert. Erik war hart im Nehmen und sie bewunderte ihn dafür. Alle hatten tapfer gekämpft doch sie hatte das Gefühl, dass er der Mutigste von allen war. Während sie nun eine weiche Salbe auf die Wunde strich, dachte Kinana über die letzten Tagen nach.
Sie war so erschrocken gewesen, als sie erfahren hatte dass Erik gegen Acnologias Geist kämpfte. Zwar waren die anderen Dragonslayer an seiner Seite und sie anderen hatten selber alle Hände voll zu tun um Magnolia gegen Acnologias Körper zu schützen.
Wie sie gewonnen hatten wusste Kinana nicht, sie war während dem Kampf ohnmächtig geworden. Und eigentlich wollte sie es auch nicht wissen. Diese Stunden im Kampf waren so schrecklich gewesen, sie wollte nicht noch jede Einzelheit erfahren. Es war schon schlimm genug, dass alle verletzt worden waren und dass Master Makarov so geschwächt war, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Darüber wollte Kinana im Moment einfach nicht nachdenken.
Sie war erst gestern Abend aufgewacht, als das provisorische Lager fast fertig errichtet wurde. Sie war in diesem Zelt gewesen, hatte auf der Pritsche gelegen, auf der Erik gerade sass. Der Giftdragonslayer hatte sich um sie gekümmert, während sie ohnmächtig gewesen war. Kinana war ihm dafür dankbar, sie war sowieso so glücklich gewesen, ihn endlich wiederzusehen. Sie hatte nach ihrem Treffen im Krater vor einem Jahr Informationen über ihn gesammelt und gebetet, ihn eines Tages wiederzusehen. Zwar war es kurz nach dem Krieg, doch sie war glücklich, dass ihr Gebet sich nun erfühlt hatte.
Sie hatte letzte Nacht durchgeschlafen, um wieder zu Kräften zu kommen. Nachdem sie aufgewacht war, hatte sie Salbe, Verbände und andere Pflegemittel ausgelehnt, um sich um Erik zu kümmern. Nachdem er sie getragen und sich um sie gekümmert hatte während sie noch ohnmächtig war, musste sie einfach dasselbe für ihn tun. Für ihren Freund aus ihrer Vergangenheit.
Vergangenheit, von der sie und Erik heute haben reden können. Früher hatte sie Angst gehabt etwas über ihre verlorene Erinnerungen zu erfahren, doch seit sie ihn wieder getroffen hatte, wollte sie darüber erfahren. Wenn auch nur, was sie mit Erik verband.
Er hatte ihr erzählt, wie er sie als kleine Schlange im Tower of Heaven gefunden hatte, wie sie sein liebster Freund geworden war. Wie sie in einer dunklen Gilde gekommen waren und er den Decknamen Cobra bekam. Wie sie sich verloren hatten nach der ersten Niederlage von Oracion Seis und warum er verneint hatte sie zu kennen, als sie sich damals im Krater wieder getroffen hatten und die beiden Mitglieder des Rates ihn festgenommen hatten.
Kinana war ihm dankbar. Für alles, was er jemals für sie getan hat, ob als Schlange oder Frau. Sie erinnerte sich natürlich nicht an all seine Taten und ihre gemeinsame Zeit als noch eine Schlange gewesen war. Doch sie war ihm für alles dankbar. Auch für sein Opfer, als er verneint hatte sie zu kennen. Erik hatte sie doch vor dem Gefängnis gerettet. Das war der schönste Freundschaftsbeweis, den Kinana je bekommen hatte und ihn Fairy Tail hatte sie noch einige erfahren.
Während sie die Wunde an seiner Schulter verband, bemerkte Kinana wie Erik nachdenklich wirkte. Schon den ganzen Tag schien er etwas in Gedanken zu sein, sogar während ihren Gesprächen. Bedrückte ihn etwas? Hat es etwas mit ihr zu tun? Oder machte er sich Sorgen um seine Kameraden von Crime Sorciere? Sawyer kümmerte sich um Sorano, Meldy um Midnight, sie hatte Richard vor einer Stunde gesehen wie er Laki beim Kochen half und Jellal war irgendwann mit Erza in den Ruinen verschwunden. Ihnen ging es soweit gut, jedenfalls so gut wie es nach einem Krieg gehen konnte, doch seine Sorge konnte sie verstehen. Sie machte sich ja auch Sorgen um ihre Freunde von Fairy Tail.
„Ich mache mich schon Sorgen, doch darüber zerbreche ich mich nicht den Kopf."
Ups, sie hatte vergessen, dass er ja ihre Gedanken hören konnte. Abwartend sah sie ihn an. Er schien irgendwie mit sich selber zu kämpfen, bevor er nach ihrer Hand griff und sie festhielt. Kinana zuckte zusammen, als er sie zu sich auf die Pritsche zog und sie nun entschlossen anschaute.
„Im Kampf gegen Acnologia habe ich deine Stimme gehört, Kinana", fing er an. Die Lilahaarige blickte ihn überrascht an. Es stimmte, sie hatte gebetet, dass er überlebte als sie vom Kampf erfahren hatte. Doch obwohl der Giftdragonslayer ein gutes Gehör hatte, er hatte anderswo gekämpft, in Acnologias Welt. Wie hatte er sie also hören können?
„Ich weiss es auch nicht. Irgendwie hatte ich das Gefühl dich in meinem Herzen zu hören. Und das hat mir Kraft gegeben, Kinana. Du hast mir Kraft gegeben um weiter zu kämpfen, um Acnologia zu besiegen. Du hast mir einen Sinn zum Leben geschenkt. Mir war in dem Augenblick klar geworden, wie viel du mir bedeutest. So viel mehr aus früher..."
„Oh, Erik", hauchte Kinana, gerührt von seinem Worten. Dass sie ihm wichtig war, hatte sie schon immer geahnt. Aber nie hätte sie gedacht Erik so wichtig zu sein, dass sie zu seinem Sinn zum Leben geworden war. Ihr Herz pochte wie wild in ihrer Brust und sie umarmte Erik glücklich. Wobei sie allerdings aufpassen musste, dass sie nicht zu fest gegen seine Wunde drückte.
Erik erwiderte die Umarmung erleichtert und genauso glücklich wie sie. Eine Weile lang blieben sie einfach so umschlungen, genossen die Nähe des anderen. Schliesslich löste sich der Dragonslayer etwas, ohne sie jedoch loszulassen. Langsam näherte er sein Gesicht ihrem.
Kinana schloss die Augen bevor Erik ihren Mund berührte. Seine Lippen waren rau und sein Kuss fordernd, doch gleichzeitig war er so liebevoll, dass Kinana den Verstand verlor. Sie setzte all ihre Leidenschaft in diesem Kuss und schmiegte sich noch mehr an ihrem Drachen.
Auf diesen ersten Kuss folgte noch einer und noch einer. Mit der Zeit legten sie sich beide auf die Pritsche, von deren Härte sie allerdings nichts mehr spürten. Stundenlang lagen Erik und Kinana da, in den Armen des anderen, während der allererste Sonnenstrahl seit dem Krieg sie durch die Zeltöffnung beleuchtete.
