Dragons Bride
Yukino wachte auf, als sie spürte wie Rogue sich von seiner Seite des Bettes erhob. Die Matratze quietschte, von irgendwo her klingelte ein Handy. Mühsam setzte Yukino sich auf und rieb sich die Augen. Eigentlich war sie eine liebevolle Person, doch im Moment hätte sie dem Anrufer am liebsten den Kopf abgerissen. Was wollte dieser auch in aller Herrgottsfrühe von ihrem Verlobten?
Wie viel Zeit war es überhaupt? Sicher noch verdammt früh. Sie war nämlich noch nicht ausgeschlafen, was auch kein Wunder war nach der intensiven Liebesnacht mir Rogue.
Vom offenen Fenster aus drang das Rattern eines Zuges und so wie es sich anhörte war es der Schnellzug der von Magnolia aus ohne Zwischenstopp bis nach Crocus fuhr. Es war noch sehr früh am Morgen und der Schnellzug fuhr morgens immer um 7:45 Uhr an ihrem Haus vorbei. Na, wenigstens wusste sie jetzt welche Uhrzeit es war.
Das Rattern wollte nicht aufhören, der Schnellzug war eben lang. Lang und laut. Yukino verfluchte es manchmal im Industriegebiet Magnolias zu leben und dann noch fast direkt an den Schienen. Aber wenn man in einer Gang lebte, die nicht gerade wegen Legalität glänzte, hatte man wohl keine andere Wahl. Das hatte sie jedenfalls gelernt, seit sie bei den Dragons lebte.
Wie es manchmal noch passierte dachte Yukino daran, wie sie darin hinein geraten war. Mit ihren Eltern und ihrer Schwester hatte sie in ihrer Kindheit ein langweilig normales Leben geführt. Bis zu diesem schrecklichen Zugunfall, der ihr Leben verändert hatte. Yukino erschauderte, als diese schrecklichen Bilder wieder auftraten, die zum Glück nur noch unscharf waren.
Ihre Eltern waren während dem Unfall gestorben und sie war von Sorano getrennt worden, ihre über alles geliebte Schwester. Jahrelang hatte Yukino gedacht, auch sie wäre seit diesem Tag nicht mehr unter den Lebenden.
Da Yukino keine Verwandten hatte, wurde sie in ein Waisenhaus gebracht. Sabertooth. Es war kein schöner Ort gewesen, die Stärksten hatten die Macht und die Schwachen hatten sich alles gefallen lassen müssen. Und der tyrannische Direktor des Heimes, Gemna Orlando, hatte dieses Verhalten auch immer gelobt und berechtigt. Die Weisshaarige hatte zu den Schwächeren gehört und da sie so zart war, war sie immer ein bevorzugtes Opfer gewesen.
Als sie sich langsam von einem Kind zur jungen Frau heranwuchs, hatte sie mit der Angst zu tun bekommen. Denn mit den schwachen jugendlichen Mädchen wurde in Sabertooth noch anderes getan in Sabertooth... Als Kind hatte Yukino noch nächtelang wach und verängstigt im Bett gelegen, während im Nebenzimmer über ein älteres Mädchen hergefallen wurde. Und der Gedanke, dass auch sie eines Tages dazu gehören würde, hatte sie jahrelang gefoltert.
Doch dieses Schicksal war nicht für sie gewesen zum Glück. Kurz vor ihren vierzehnten Geburtstag war nämlich Minerva Orlando im Waisenhaus aufgetaucht. Die eigene Tochter von Gemna. Die Schwarzhaarige hatte sich vor Jahren von ihrem schrecklichen Vater weggerissen um auf eigene Beine zu stehen. Ein ehrliches Leben hatte sie trotzdem nicht gehabt, da sie als Prostituierte in einem Bordell von Magnolia arbeitete. Doch trotz dem strengen, höhnischen Auftrittes hatte sie dennoch ein gütiges Herz und es passierte alle paar Jahren wieder, dass sie während der Abwesenheit ihres Vaters zum Waisenhaus kam und jene, die nicht schon verdorben waren, rettete.
Das war das erste Glück in Yukinos zerstörtem Leben gewesen. Minerva hatte sie mit sich in ihr Bordell gebracht und hatte sie als ihren Schützling angenommen. Doch Yukino hatte nie als Hure arbeiten müssen, darauf hatte die Schwarzhaarige aufgepasst. Stattdessen hatte Minerva Stück für Stück ihre Naivität abgebaut. Dank ihr hatte Yukino gelernt wie es in der Welt von Gangs, Drogen und Prostitution vor sich ging. Minerva hatte ihr auch sehr schnell beigebracht, wie sie einen Mann verführen konnte oder ebenfalls wie sie mit einem Vergewaltiger fertig werden konnte.
Yukino erinnerte sich, wie Minerva sie und sich selber immer wieder nackt vor dem Spiegel gestellt hatte und ihr beigebracht hatte, welche verschiedene Reize sie hatte und wie man sie nutzen konnte. Am Anfang war es Yukino noch ziemlich peinlich gewesen, doch wenn man in einer Welt von Gaunern, Huren lebte, die nach Illegalität nur so stank, war dieses Wissen beinahe lebenswichtig.
Doch die Weisshaarige war trotzdem keine Hure geworden. Minerva wollte ihr diese Chance geben, die sie nie hatte. Yukino hatte mit Minerva in deren Zwei-Zimmer-Wohnung im Bordell gelebt und von deren Lohn als Prostituierte hatten sie immer knapp aber genug Essen können.
Vier Jahre hatte dieses Leben gedauert. Bis Minerva einen Kunden bekommen hatte, der sie immer wieder verlangte. Sting Eucliffe, Mitglied der Dragons. Es war selten, dass Kunden wieder kamen und noch seltener, dass sie dieselbe Hure verlangten. Yukino hatte schnell verstanden, dass das vielleicht einen Abschnitt in ihrem Leben bedeuten könnte.
Monatelang änderte sich nicht viel, Minerva und Sting trafen sich immer wieder. Bis der Blonde eines Tages seinen Kumpel Rogue mitbrachte. Den genauen Grund kannte sie bis heute nicht, aber sie konnte ihn erahnen. Während sein Freund mit Minerva beschäftigt gewesen war, war Rogue gelangweilt auf eine Dachterrasse des Bordells gegangen. Da wo auch sie sich gerade hingesetzt hatte um ein wenig zu zeichnen. Ein Hobby, das während ihrem Leben fast lebenswichtig geworden war. Nach einer anfänglichen Überraschung und schnell beiseite gelegten Missverständnissen waren Rogue und Yukino sehr schnell ins Gespräch gekommen. In den nächsten Tagen war er immer wieder ins Bordell gekommen, manchmal sogar ohne Sting, nur um mit ihr zu reden. Jahrelang war nur Minerva nett zu ihr gewesen und für Yukino war es ein wahres Wunder einen anderen netten Menschen kennenzulernen. Dazu einer, der vielleicht ein Gauner war und trotzdem so etwas wie Ehre und Ritterlichkeit besass.
Mit der Zeit war ihr klar geworden, dass sie sich immer mehr in ihn verliebte je häufiger ihre Treffen waren. Dass es in dieser illegalen Welt überhaupt möglich war sich zu verlieben, hätte Yukino nie geglaubt. Doch es war tatsächlich geschehen. Zuerst hatte sie kurz gezögert Rogue ihre Liebe zu gestehen, doch durch Minervas spezielle Erziehung hatte dies nicht zu lange gedauert.
Wie selig war sie gewesen als Rogue ihr gebeichtet hatte sie ebenfalls zu lieben. Nur um mit ihr zu sein war er so oft mit Stings ins Bordell gegangen, obwohl er solche Orte missachtete. Danach war es sehr schnell zu ihrer aller ersten Liebesnacht gekommen und Yukino lächelte während sie sich daran erinnerte. An diese Nacht, in der sie einem wundervollen Mann ihre Jungfräulichkeit geschenkt hatte.
Rogue hatte sie mit zu den Dragons mitnehmen wollen und Yukino, die nun volljährig war, hatte mit Freude zugestimmt. Minerva war mit ihr gekommen, weil ihr Schützling ihr so fest ans Herz gewachsen war, dass sie sich gar nicht von ihr hatte trennen wollen.
Seit drei Jahren lebte sie nun bei den Dragons. Diese Gang hatte zwar nicht gerade legale Jobs, doch sie beschäftigten sich nur mit Drogenhandel, Fälschung und Schmuggel. Menschenhandel und Mordaufträge waren bei ihnen tabu. Yukino hatte sich sehr schnell da wohl gefühlt in dieser chaotischen Gruppe. Das älteste Mitglied war Makarov Dreyar, ein netter und lustiger alter Mann, der mal der Anführer gewesen war. Doch wegen seines hohen Alters hatte er die Krone an Metallicana weitergegeben, ein wilder, aggressiver Mann, der aber auch einen weichen Kern hatte. Zu dessen Generation gehörte auch seinen lebensfrohe Sekundanten Igneel, den gebildeten Skyadrum, der ausserdem Rogues Vater war, den kämpferischen Vater von Sting Weisslogia, der lustige Gildarts und die liebevolle Grandine, die auch die Heilerin der Truppe war.
Zu Yukinos Generation gehörten neben Sting, Rogue und auch Minerva andere Mitglieder, die zu ihren besten Freunden geworden waren. Gajeel, Metallicanas Sohn, ein harter Kerl mit einem guten Herz und dessen Verlobte Levy McGarden. In der Gang wurden die Männer aus einer Liebesbeziehung immer aus irgendeinem Grund "Verlobte" genannt und die Frauen "Drachenbräute". Yukino kannte der Grund nicht, doch die Bezeichnung als Drachenbraut gefiel ihr.
Vor kurzem waren Gajeel und Levy sogar die Eltern von Zwillingen geworden, welche die neue Generation ankündigten.
Laxus, ein blonder Hüne der ebenfalls das Zeug zu einem Anführer hatte, war Makarovs Enkel und dessen Braut Cana war ausserdem die Tochter von Gildarts, der sie wie sein Augapfel beschützen wollte. Sehr zu ihrem Ärger, was zu lustigen Szenen am Esstisch brachte.
Yukino hatte sich schnell mit einer anderen Drachenbraut befreundet, Kinana. Auch sie war mal durch Minerva zu den Dragons gekommen und auch wegen Liebe. Ihr Verlobter war Erik genannt Cobra, ein zynischer, ruhiger Kerl, der jedoch weich und herzlich mit seiner Braut umging.
Dann gab es noch Natsu, Igneels Sohn, ein lustiger und kämpferischer Bursche, der jedoch in der Liebe sehr naiv war. Seine Drachenbraut in Spe war Lucy Heartfilia, eine wunderschöne Blonde, die mal zu den extrem reichen Familien gehört hatte, aber nach dem Tod ihrer Mutter war sie vor ihrem tyrannischem Vater geflohen und hatte sich den Dragons angeschlossen. Sie war schrecklich in Natsu verknallt, doch für ihn war sie nur seine beste Freundin. Ihre Liebe erkannte er aus purer Naivität noch nicht.
Zu guter Letzt hatte es hatte es noch die jüngsten ihrer Generation, Grandines Tochter Wendy und deren beste Freundin Chelia, von denen man nicht denken könnte, sie wären Gaunerinnen.
Yukino hatte sich sehr gut eingelebt und dank Minervas Erziehung hatte sie sehr schnell den Beruf lernen können. Sie hatte gelernt, dass es auch andere Gangs in Magnolia gab, mit denen sie meistens verfeindet waren. Aber es gab auch befreundete Gangs, mit denen die Dragons immer wieder gerne abhängten.
Eine dieser Gangs waren die Demons.
In dieser Truppe hatte es Sorano verschlagen. Bei ihrem ersten Besuch hatte Yukino ihre ältere Schwester sofort erkannt. Ihre Freude war riesig gewesen, sie endlich wieder zu sehen. Auch Sorano hatte ein schlimmes Leben hinter sich, vielleicht sogar noch schlimmer als ihr eigenes. Doch dank ihrem jetzigen Lebensgefährte Sawyer hatte sie ihr Leben wieder aufrichten können, wenn auch nicht legal.
Wäre Rogue nicht gewesen, hätte Yukino sich am Liebsten den Demons angeschlossen, einfach um bei ihrer Schwester zu sein. Doch in der Zwischenzeit war ihr Verlobter ihr genauso wichtig geworden wie Sorano. Somit haben die beiden Schwestern sich damit abfinden müssen verschiedene Wege zu gehen. Wenigstens waren ihre Gangs befreundet, das war mehr als man hier erwarten konnte.
„Verdammt, Sting, wegen dem rufst du mich in aller Herrgottsfrühe an?", riss Rogues genervte Stimme sie aus ihren Gedanken. Hoppla, sie war wahrscheinlich wieder eingenickt. Dass passierte immer, wenn sie über den Verlauf ihres Lebens nachdachte oder sich einfach erinnerte. Vieles daran war schlimm, doch sie wollte es nicht wirklich vergessen. Wäre ihr Leben nicht diesen Weg gegangen, hätte sie niemals so treue Freunde wie Minerva und den Dragons gefunden. Und sie hätte Rogue niemals kennengelernt.
Mit einem Seufzen setzte sie sich auf und streichelte das kleine grüne Kätzchen ihres Verlobten, Frosch, das auf den Kopfkissen vor sich hin schlummerte. Sie fand es bewundernswert, dass die grüne Katze so fest schlafen konnte obwohl Rogue und Yukino sich in der letzten Nacht stundenlang innig und wild geliebt hatten. Aber Frosch war auch bloss eine Katze die sich durch wenig stören liess.
„Von Natsu kann ich es noch verstehen, dass er sich einen Liefertermin falsch merkt, aber du? Komm schon, du bist doch um einiges Klüger als er! ... Eine wilde Nacht mit Minerva, das ist deine Entschuldigung? Komm mir nicht mit dieser lahmen Ausrede. ... Doch, du hast einfach das Datum verwechselt, gib es doch einfach zu! ... Komm einfach zurück mit der Ware, übermorgen muss es sowieso geliefert werden. ... Hey, es nicht meine Schuld, dass du für nichts gehetzt hast! ... Okay, wenn du dich so weiter beklagst, werde ich Makarov bitten dir eine spezielle Kleidung für die Lieferung zu geben. ... Doch das werde ich tun! ... Du hättest mich halt nicht so früh anrufen müssen, Schwachkopf! Und jetzt zisch ab, ich will noch etwas Ruhe haben bevor Natsu das Haus aufweckt weil er sein Frühstück will!"
Mit einer Bewegung klappte Rogue sein Handy zu und legte es abrupt auf den Schreibtisch, bevor er sich entnervt über die Stirn rieb.
„Was hat Sting wieder angestellt?", fragte Yukino mitleidig. Zwar machte Natsu die grössten Dummheiten im Beruf, doch Sting hatte in dieser Kategorie eindeutig die Silbermedaille gewonnen und das Datum zu verwechseln war eigentlich noch harmlos.
„Nichts Schlimmes, er hat bloss vergessen wann er das Heroin für die Bar Quattro Cerberus an Bacchus liefern musste", murmelte Rogue und legte sich bäuchlings auf die Matratze. Er schien etwas verspannt zu sein und Yukino begann sofort seine Schultern und seinen Nacken zu massieren. Der Schwarzhaarige seufzte wohlig auf. Er liebte ihre Massagen, die er als göttlich bezeichnete.
„Naja, so schlimm ist es nun doch nicht, oder? Du erinnerst dich doch an Natsu letzte Woche, der mit der Droge am falschen Ort aufgetaucht war und fast von der Polizei geschnappt wurde", kicherte Yukino. Dieses peinliche Erlebnis würde sicher noch lange an Natsu kleben.
„Vielleicht, aber dafür ist es umso nerviger. Aber Sting ist sowieso fähig jeden in aller Herrgottsfrühe anzurufen. Und dann beklagt er sich, sobald man dasselbe mit ihm macht", murrte Rogue unzufrieden, doch unter ihren Händen spürte sie wie er sich langsam wieder entspannte.
Schliesslich setzte er sich kurz auf, aber nur um sie an der Taille zu nehmen und sie unter sich zu bringen. Yukino lächelte vergnügt, wusste sie doch was Rogue nun wollte. Glücklich erwiderte sie seinen hungrigen Kuss, während er ihr Nachthemd zur Seite streifte.
Es nicht immer ein einfaches Leben wenn man eine Drachenbraut war. Doch allein wegen diesen Momenten fand Yukino, dass es das illegale Leben wert war.
