Bright Snow

„Hast du was gesagt?"

Kinana antwortete ihm nicht, sondern schlief in aller Seelenruhe weiter. Cobra rieb sich über die Stirn. Er war unglaublich müde und hatte keine Ahnung, was ihn geweckt hatte, wenn nicht seine Freundin. Dabei wäre Schlaf die beste Idee, die er im Moment haben konnte. Crime Sorciere hatte in den letzten Wochen schrecklich viel zu tun gehabt mit den schwarzen Gilden und Fairy Tail war wohl nicht der beste Ort um sich für ein paar Tage auszuruhen.

Aber das war auch die perfekte Gelegenheit gewesen, Kinana wiederzusehen. Cobra lächelte, als er seine schlafende Freundin betrachtete. Er hatte sie schrecklich vermisst in den letzten Wochen. Zwar hatten sie ihre kleine Kommunikationslacrima, mit der sie in Kontakt bleiben konnten, aber es war einfach nicht dasselbe wie sie wirklich bei sich zu haben. Ihre Beziehung war wirklich nicht einfach, was erwartete man auch von einem ehemaligen Verbrecher und Flüchtling, der sich in eine Magierin einer offiziellen Gilde verliebte. So nebenbei war er auch mal Erzfeinden jener Gilde gewesen.

Aber nichts auf der Welt hätte Cobra davon abgehalten, trotz der komplexen Situation eine glückliche Beziehung mit Kinana zu führen. Weder das Misstrauen einiger Magier Fairy Tails noch Jellal Skepsis. Und vor allem nicht seine eigene Zweifel. Wenn er Kinana wegen seiner dunklen Vergangenheit nicht lieben durfte, welches Licht würde noch haben können? Was könnte ihm sonst motivieren besser zu werden?

Seufzend drehte sich Cobra zum Fenster. Die Vorhänge waren nicht zugezogen und der Vollmond strahlte ins Zimmer hinein. Mit dem Schnee, der über Magnolia lag, hätte es genauso gut Tag sein können, so hell war es draussen. Es würde sicher ein Weilchen dauern, bis er wieder einschlafen würde. Warum konnte Kinana nicht mit geschlossenen Vorhängen oder so schlafen?

Cobra mochte es nicht besonders, über Nacht wach zu liegen. Er fing immer an nachzudenken, oft ganz ohne Absicht. Er dachte über sein Leben nach. Seine schwere Vergangenheit, die ihn immer noch in seinen Albträume plagen konnte. An die Gegenwart und an die ungewisse Zukunft. Würde er jemals wirklich eine Vergebung vom Rat bekommen? Würde seine Verbrechen ihn bis an sein Lebensende belasten?

Der Dragonslayer kniff sein gesundes Auge zusammen und konzentriere sich stattdessen auf Kinana. Immer wenn er an sie dachte, sie bei sich fühlte, ihre Stimme hörte, konnte er sich beruhigen. Er konnte sogar Hoffnung bekommen, dass er eines Tages wirklich freigesprochen werden würde. Cobra wollte nicht so pessimistisch werden wie Jellal, auch wenn er seinen Master manchmal wirklich sehr gut verstehen konnte (das würde er natürlich niemals zugeben, ein bisschen Stolz wollte er noch behalten). Doch mit Kinana schaffte er es auch positiv zu sein.

Lächelnd streichelte der Giftdragonslayer die Wange seiner schlafenden Freundin. Die Berührung war kaum leichter gewesen als ein Schmetterling, trotzdem weckte sie Kinana auf. Die schöne Lilahaarige öffnete langsam ihre Augen und gähnte ein paar Mal, bevor sie sich an Cobra wandte.

„Welche Zeit ist es?"

„Es ist noch mitten in der Nacht, schlaf weiter."

„Du bist ja selber wach."

Kinana kuschelte sich an seine Brust und Cobra konnte nicht umhin, sie fest an sich zu drücken. Wenn sie in Fairy Tails Gildenhalle Zeit verbrachten, kam es eher selten zu solchen Umarmungen. Manchmal schon, sie haben sich auch schon vor all ihren Kameraden geküsst. Aber da Kinana die meiste Zeit an der Bar oder mit Servieren beschäftigt war und Cobra oft in einer Prügelei reingezogen wurde oder mit jemandem ein Bier trank, konnte das nicht die ganze Zeit stattfinden.

Dafür tauschten sie dann umso mehr intime Gesten und Blicke aus, was Cobras Herz genauso schnell klopfen liess wie bei einer wilden Nacht. Er genoss jede verliebte Blicke, die sie dann austauschten. Jede flüchtige Berührung ihrer Hände, jedes diskrete Einhaken ihrer kleinen Finger. Kinana machte ihn so glücklich, dass er sich für seine romantische Ader nicht mehr schämte und sogar stolz darauf war. Aber wenn Hoteye ihn dazu lobte und sogar weinte, war es schon ziemlich peinlich.

Eine Weile lang lagen Cobra und Kinana einfach eng umschlungen im Bett und genossen die Wärme des anderen. Draussen schien die Welt unter der Schneedecke wie kurz still zu stehen, der Mond schien hell und die Sterne strahlten.

„Warst du wieder am nachdenken?", liess sich Kinana schliesslich verlauten. Cobra lächelte. Sie kannte ihn nun wirklich zu gut.

„Wie immer. Es ist ja nicht so, als ob ich ein sorgenfreies Leben hätte. Aber mach dich keine Sorgen, sobald ich an dich denke, geht sehe ich nicht mehr so schwarz."

Kinana errötete und Cobra lachte kurz auf, als er ihre Gedanken hörte. Nach all der Zeit und nach all den gemeinsamen Nächten war sie immer etwas unschuldig. Besonders am Anfang ihrer Beziehung, sie war sich einfach noch nie gewohnt gewesen, dass irgendein Mann ihr so viel Aufmerksamkeit schenkte. Kein Wunder, wenn sie meistens eher zurückgezogen war. Aber Cobra war auch froh darum. Er wusste nicht ob es an seinen Dracheninstinkten lag oder schlicht an seiner Natur, aber seine Eifersucht wurde gross wenn ein anderer Mann gewisses Interesse gegenüber seiner Kinana hegte. Zum Glück war dies selten passiert und er vertraute Kinana, sie würde niemand anderen wollen.

Aber so unschuldig wie am Anfang war sie nicht mehr. Vor allem was das gemeinsame Schlafen anging, da hatte sie nach einigem Zögern rasch Gefallen gefunden, zu Cobras grosser Freude. Ein anzügliches Grinsen schlich sich langsam auf seine Lippen bei diesem Gedanke, welcher jedoch von einen leichten Faustschlag seitens Kinana unterbrochen wurde.

„Ich weiss genau, an was du gerade denkst. Denk nicht mal daran, du brauchst Schlaf. Eure letzte Mission hat euch alle erschöpft und ich werde darauf achten, dass du zu deiner Erholung kommst."

„Schon gut, reg dich nicht auf. Du weisst ja, dass ich nicht nur auf das fixiert bin. Und bei dir kann ich mich sowieso immer am besten erholen."

Abermals errötete sie, was Cobra wieder leicht zum Lachen brachte. Himmel, sie war so süss wenn sie verlegen war. Kinana sah ihn vorwurfsvoll an als er lachte und um sich zu entschuldigen, küsste er sie einfach. Er hatte es auch nicht böse gemeint. Die Lilahaarige erwiderte die Berührung sofort und kuschelte sich noch enger an ihm. Sie hatte ihn schon vergeben.

Cobra liebte es wenn er Kinana küsste. Er liebte den Geschmack ihrer weicher Lippen und das atemberaubende Glücksgefühl das ihn heimsuchte bei jedem Kuss, egal ob wild oder sanft. Nur sie konnte ihm dieses Gefühl geben, tatsächlich geliebt zu sein und obwohl er oft dachte, dass er das nicht verdiente, der Giftdragonslayer wollte dieses Glück mit all seiner Kraft festhalten.

Kinana schmolz in seiner Umarmung, schmiegte sich an ihm. Tatsächlich schaffte es Cobra sich zu entspannen während er sie küsste. Er schmeckte ihr Gift in seinem Mund, roch ihren zarten, süssen Duft. Kinana war sein Licht...

Nach einer Weile mussten sie den Kuss unterbrechen, da ihre Lungen nun lautstark nach Luft reklamierten. Doch sie blieben eng aneinander gekuschelt. Kinana hatte ihren Kopf auf seine Brust gelegt und Cobra streichelte ihr weiches Haar, während sie ihr Blick zum Fenster wandten. Der Vollmond immer noch in all seiner Kraft die schneebedeckte Stadt und liess damit die Nacht im hellen Licht erleuchten. Das war doch ziemlich romantisch. Cobra war sonst überhaupt kein Romantiker, aber in solchen Momenten, mit Kinana in seinen Armen, machte er gerne Ausnahmen. Einfach weil es sich gut anfühlte. Aber nur mit seiner Geliebten, anderen würde er nie diese Seite von sich zeigen.

Sie schwiegen wieder eine Weile und genossen die Ruhe, bis Kinana wieder die Stille mit sanfter Stimme unterbrach: „Erik?"

„Hm..."

„Ich habe mir morgen frei genommen... du hattest ja eine anstrengende Zeit hinter dir und ich weiss, dass du auch Pausen von den anderen brauchst. Wollen wir endlich mal wieder einen ganzen Tag unsere Zweisamkeit geniessen?"

„Nichts könnte mich glücklicher machen."

Cobra lächelte glücklich, Kinana kannte ihn einfach zu gut. Es war auch wunderschön, wie gut sie sich verstehen konnten, ohne wirklich zu reden oder dass er seinen ausgeprägten Hörsinn benutzte. Am Anfang war es ihm noch unangenehm gewesen, aber heute war er glücklich, mit ihr diese Vertrautheit zu teilen. Und ihre Idee klang wie ein Traum in seinen Ohren...

Einen ganzen Tag alleine mit ihr, das war mehr Glück als er sich eigentlich erhoffen sollte. Keine Ahnung ob er es verdient hatte, aber das war egal. Kinana war wichtig und keinen der Momenten, die er mit ihr geniessen konnte, wollte er verpassen.

Cobra zog Kinana wieder zu sich hoch um ihre Lippen zu versiegeln, dieses Mal sanfter. Der Mond liess das weisse Licht ins Zimmer scheinen und beleuchtete das junge, glückliche Paar.