Kerkermond Evolution
Fanfiction von Lady of the Dungeon
Schon geht es weiter. Lucius ist wie immer inspiriert von der meisterhaften Malfoy-Darstellung TheVirginians, deren ‚Mysterium' ich nur wärmstens empfehlen kann. Mein Dank geht an Lucindana und Morti für die ersten Reviews.
Betagelesen wurde dieses Kapitel wie immer von Slytherene. ;-)
2. Remus: Verzweiflung
Während
Remus im Halbschlaf vor sich hin dämmerte, nahm er dennoch die
nahenden Vorbereitungen der Verlegung der Gefangenen wahr. Die
meisten ließen sich offenbar widerstandslos abführen. Entweder
waren sie völlig eingeschüchtert oder man hatte sie mit einem
‚Imperius' gefügig gemacht.
Aufruhr
gab es nur, als sie Hagrid wegbrachten. Er war gemeinsam mit Remus in
eine brillant eingefädelte Falle getappt: Bei dem Versuch, Kingsleys
Frau zu retten, die von Todessern um Pettigrew entführt worden war,
hatte man sie festgesetzt und schließlich überwältigt. Nora war
bereits tot gewesen, wie sie entsetzt feststellen mussten.
Hagrid tobte und wehrte sich nach Kräften. Es bedurfte ein weiteres
Mal einer Übermacht von sechs Todessern, um ihn zu betäuben.
„Moony."
Peters Gesicht erschien vor der vergitterten Öffnung der schweren Holztür.
„Wie weit bist du mit dem Sterben?" Er lachte hämisch. „Ich muss nun doch früher weg. Aber wenn ich dich so ansehe, ist es spätestens morgen Mittag ohnehin vorbei. Ich wünsch dir einen schönen Tod, mein Freund."
Sein Gelächter klang noch über den Gang, als er längst verschwunden war.
Es wurde bald sehr still in dem dunklen Kerker – und eiskalt. Das müssen die Dementoren sein, dachte Remus. Oder es war der Tod? Remus spürte, dass er nicht mehr lange durchhalten würde. Peter hatte ganz richtig beobachtet, und wozu auch sollte er sich noch wehren?
Geschrei und eine tumultartige Geräuschkulisse rissen Remus aus seiner Starre. Mit einem lauten Krach prallte die Eisentür der benachbarten Zelle gegen die steinerne Mauer.
„Rein da, Verräter!" hörte er Goyles dumpfen Bass.
Bitte nicht! dachte Remus, und ein Gefühl tiefer Verzweiflung ließ seine Eingeweide sich zusammenziehen. Merlin, lass das nicht Severus sein!
„Fass mich an, und es wird dir sehr, sehr Leid tun", schnarrte eine glatte, befehlsgewohnte Stimme.
Nein, es war nicht der Tränkemeister, auch wenn der Mann ähnlich klang.
„Ey, lass ihn nicht los!" war im nächsten Moment Crabbes heiseres Organ zu vernehmen. „Er hat uns nichts mehr zu befehlen, du hast doch den Dunklen Lord gehört."
„Nimm deine Dreckspfoten von mir…", protestierte die zweite Stimme nun wieder, doch im nächsten Augenblick hörte Remus einen Schlag, und etwas knallte gegen die Mauer.
„Los, machen wir ihn fertig!" grollte Crabbe.
„Crucio!" Triumph schwang in Goyles Fluch mit, und nach etwa einer halben Minute begann der zweite Mann zu schreien.
„Finite incantatem!"
Remus hörte das Stöhnen und Keuchen des Gefolterten.
„Na, wie gefällt dir das, Lucius?"
„Das wird euch noch Leid tun, ihr Kretins!" fluchte Malfoy. „Der Dunkle Lord wird nicht hinnehmen…"
„Der Dunkle Lord", herrschte Goyle ihn an, „hat deine Exekution befohlen. Was glaubst du, haben wir zu befürchten?"
Crabbe lachte böse. „Ich wollte dir schon immer mal richtig in den Arsch treten, du arrogantes, aristokratisches Arschloch. Endlich bekommst du, was du verdient hast. Und ich glaube nicht mal, dass ich einen Zauberstab dafür brauche. Verpass ihm einen Bindezauber, Goyle."
Remus
hörte das Zischen dünner Seile, und dann begann im Raum nebenan ein
Gewaltexzess, wie Remus ihn selbst bei Pettigrew noch nicht erlebt
hatte.
Irgendwann
verstummte Malfoys Stöhnen, die beiden anderen Zauberer holten ihn
mit einem „Enervate!" zurück, heilten mit Magie seine gröbsten
Wunden und begannen dann von neuem, ihn mit Schlägen und Tritten zu
traktieren.
Remus stellte zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass es für ihn kaum einen Unterschied machte, ob er den Folterungen eines Todessers oder eines Ordensmitgliedes lauschen musste. Er hasste jede Art sinnloser Gewalt. Wenn er doch nur seine Ohren hätte verschließen können. Stunden, so schien es ihm, waren vergangen, bevor die beiden Folterknechte von ihrem Opfer abließen.
„Er lebt immer noch. Zäher Hund", konstatierte Crabbe.
„Den Rest erledigen heute Nacht die Dementoren", meinte Goyle. „Der Dunkle Lord will ihnen um Mitternacht freie Hand lassen."
„Schade, dass wir nicht zusehen können. Wir sollen um sechs bereit sein, ins Hauptquartier zu apparieren. Dann wird Malfoys Apparitionssperre deaktiviert."
Beide lachten. „Viel Spaß beim Küssen, Lucius", sagte sie hämisch.
Eine schwere Gittertür schlug zu, dann entfernten sich ihre Schritte.
Oh Merlin, die Dementoren! dachte Remus. Pettigrew hatte es angekündigt. Zum ersten Mal seit langem verspürte Remus echte Angst. Er war bereit zu sterben, als Mitglied des Phönixordens musste er jederzeit darauf gefasst sein. Doch den Kuss der Dementoren zu empfangen war etwas gänzlich anderes. Hatte es eine Auswirkung darauf, was nach dem Tod geschah? Er würde den Kuss kaum lange überleben, sein Körper war am Ende. Doch eine Ewigkeit ohne Seele? Er war nicht religiös, aber er fürchtete etwas derart Unbekanntes wie das, was der Dementorenkuss bedeutete.
Doch ihm blieb nicht viel Zeit, sich mit seiner ausweglosen Situation auseinander zu setzen. Wieder erhob sich Gebrüll und das Zischen von Flüchen vom Gang her. Dann hörte er Kingsley Shacklebolts Stimme.
„Nein! Nein, dass könnt ihr doch nicht machen! Bitte, nein, lasst sie nicht allein hier. Ich bitte euch, ich werde alles sagen, was ich weiß!"
„Es gibt nichts, was wir nicht schon wüssten, das du uns noch erzählen könntest", höhnte McNair. „Und jetzt wirst du mitkommen.Imperio!"
„Was ist, McNair, geht es nicht weiter? Wo bleibst du denn?", hörte man kurz darauf eine weitere Stimme.
„Shacklebolt widersteht meinem Imperius", beschwerte sich der Henker. „Verdammter Instinkt, der will seine Brut schützen."
„Warte, ich helfe dir."
Nach mehreren Betäubungszaubern hatten sie den großen Auror überwältigt und schleiften ihn hinaus.
„Der
will seine Brut schützen", klang es in Remus' Kopf nach.
Merlin, hatten sie etwa Kings' Kinder hier drinnen eingekerkert?
Dhakiya,
das größere Mädchen, war zehn, ihre Schwester Johari war sechs und
der kleinste, Babu, fünf Jahre alt. Remus hat jedes der Kinder auf
seinem Schoß geschaukelt, Seifenblasen für sie gezaubert und ihnen
Schokolade mitgebracht.
Die
Dementoren würden sich sofort auf die wehrlosen Kinder stürzen, er
musste etwas tun! Doch was konnte er tun? Ausgezehrt und halb
verdurstet, ohne seinen Zauberstab, würde er hilfloser Zeuge eines
grausamen Schauspiels werden.
Er lauschte auf den Gang hinaus, und tatsächlich konnte er das Weinen eines Kindes hören.
„Dhakira!"
Seine Stimme klang heiser, und das Rufen löste in seinem trockenen Hals einen heftigen Hustenreiz aus. Als er endlich nicht mehr hustete, rief er erneut.
„Dhakira?"
Das Weinen verstummte.
„Dhakira, ich bin's, Remus."
„Wir sind hier", rief sie mit zittriger Stimme. „Kannst du kommen?"
Remus schloss die Augen vor Verzweiflung. Natürlich konnte er nicht durch die hölzerne Zellentür.
„Nein,
ich bin eingesperrt…"
Der Rest seiner tröstenden Worte ging in
einem qualvollen Hustenanfall unter. Er wollte das Mädchen fragen,
ob sie alleine war oder ihre Geschwister bei ihr, ob sie verletzt
waren, und wenigstens versuchen, ihnen einen Teil der Angst zu
nehmen. Aber er brachte nur noch ein Krächzen hervor.
„Lupin!"
Remus fuhr herum.
Hinter den
Gitterstäben des kleinen Fensters, das seine mit der Nebenzelle
verband, tauchte Malfoys blasses Gesicht auf. Remus sog scharf die
Luft ein. Der Anblick, den der Slytherin bot, war erschreckend: Sein
blondes Haar war blutverkrustet, sein rechtes Augen schwarz-blau
geschlagen und geschwollen, die Unterlippe war aufgeplatzt und
blutete, außerdem hatten Crabbe und Goyle ihm ganz offenbar die Nase
gebrochen. Ein fast fingerlanger Cut zog sich über die rechte
Augenbraue. Doch das war es nicht, was Remus einen Aufschrei
entlockte.
In der
Hand hielt Malfoy einen Zinnbecher, der mit Wasser gefüllt war.
Remus hatte sich an das quälende Geräusch und die Witterung des
tropfendes Wassers, das in der Nebenzelle aus einer defekten Leitung
quoll, schon gewöhnt und es in den letzten Tagen geschafft, es
völlig auszublenden. Aber jetzt hielt ihm Malfoy den offensichtlich
gefüllten Becher hin. Wie hypnotisiert wankte er zu der Luke.
Er starrte
auf das Gefäß.
„Ich hatte keine Zeit, es zu vergiften", schnarrte Malfoy. „Trink, bevor ich es mir anders überlege, Werwolf."
Fortsetzung folgt
