Kerkermond Evolution
Disclaimer: Alle Potterige gehört JK und ihren unheimlich reichen Verlagen. Schade, aber so ist es nun mal.
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Schönen Abend, die Damen und Herren! Herzlichen Dank an Jenn für das Review. Schon geht es hier weiter, und endlich darf Remus etwas Hoffnung schöpfen. Doch für wie lange?
3. Remus: Hoffnungsschimmer
Remus zögerte noch einen kurzen Moment, dann stürzte er den Becherinhalt hinab. Das Wasser war eiskalt, aber es war rein und gut. Er keuchte auf, als es seine ausgetrocknete Kehle hinab lief.
„Langsam, sonst erbrichst du es gleich wieder", mahnte Malfoy.
Der kühle, abschätzige Blick seiner grauen Augen bohrte sich in Remus' Gesicht.
„Wer ist das Mädchen?" fragte er schließlich.
„Shacklebolts Tochter", erwiderte Remus zögernd.
Was
interessierte es Malfoy, wen man hier noch gefangen hielt?
Musste er
nicht zudem wissen, was hier vorging?
Malfoy war
Voldemorts rechte Hand, jeder wusste das. Allerdings war Remus
durchaus bewusst, dass sich dieser Umstand offenbar grundlegend
geändert hatte.
„Warum helfen Sie mir?" fragte er den Slytherin.
Malfoy
zuckte die Schultern und wandte sich dann ab, um sich auf der
Pritsche, die an der rechten Zellenwand angebracht war, nieder zu
lassen.
Remus
bemerkte, dass er ein Bein nachzog. Der Mann musste Schmerzen haben,
doch er verzog keine Miene.
„Hast du nicht eine Unterhaltung zu führen, Werwolf?" fragte er mit provozierendem Unterton.
Remus
nickte nur stumm. Er wusste, er musste Malfoy um mehr Wasser bitten,
doch dieser hatte sich mit einem leisen Stöhnen auf der Liege lang
gestreckt und drehte ihm nun den Rücken zu. Es war offensichtlich,
dass er mit Remus weder sprechen wollte, noch wieder aufstehen würde,
um etwas für ihn zu tun.
Außerdem
hatte er Recht – Remus musste mit Dhakira sprechen. Er schleppte
sich wieder zur Tür und spähte auf den dunklen Gang.
„Dhakira?"
Stille.
„Dhakira, kannst du mich hören?"
„Ja." Ihre Stimme klang kläglich. „Papa. Wo ist Papa?"
„Sie
haben ihn weggebracht, Liebling."
‚In ein
anderes Gefängnis.' Sollte er ihr die Wahrheit sagen? Remus
verabscheute es eigentlich, Kinder anzulügen, aber Merlin, sie war
erst zehn, und heute Nacht würde eine Horde Dementoren über sie
alle herfallen.
„Dein Papa wird sich befreien, und dann kommt er dich holen. Bist du allein, Kira?"
„Hari und Babu sind auch hier. Wir haben so Hunger. Wo ist Mama?" fragte sie weinerlich.
„Eure Mama ist…im Krankenhaus", log Remus. „Sie hatte einen Unfall, Herzchen. Aber es geht ihr sicher bald wieder besser. Mach dir keine Sorgen. Morgen wird alles gut."
Remus hatte Mühe, seine Stimme zu beherrschen. Zum einen würgte er einen weiteren Hustenanfall hinunter, zum anderen steckten ihm seine Worte wie klebrige Karamellbonbons im Hals.
„Wir haben Angst. Und es ist so kalt hier."
„Ich
weiß."
Remus suchte krampfhaft nach etwas, um die Kinder
abzulenken.
„Habt ihr Decken?"
„Nein. Also Babu hat seine Kuscheldecke. Hari hat nur einen Rock. Sie friert ganz doll, und ich auch."
„Ich weiß etwas, das hilft gegen Kälte", sagte Remus. „Guckt mal, ob an der Wand Mörtelstücke lose sind. Das ist das Helle zwischen den Steinen."
Nach einem Moment rief das Mädchen: „Haben wir gefunden."
„Gut gemacht", lobte Remus. „Ihr könnt den Mörtel wie Kreide benutzen. Mach einmal einen Strich auf den Boden."
Nach zehn Minuten hatte Remus die Mädchen angeleitet, wie sie Kästchen auf den Steinboden ihrer Zelle malen konnten, und ihnen ein einfaches Muggelhüpfspiel beigebracht. Für eine Weile hörte er nur ihr angestrengtes Atmen, das Geräusch des Springens und einmal sogar Kichern, gefolgt von einem Streit zwischen Johari und Dhakira, wer denn nun gewonnen habe. Eine halbe Stunde lang blieb die Situation entspannt, dann begann Babu zu weinen, und die beiden Mädchen riefen erst nach ihrem Vater, dann nach Remus.
„Wann kommt Papa denn?" fragte Johari.
„Morgen, Hari", versuchte Remus zu trösten. „Hört mal, ihr solltet versuchen zu schlafen."
Wieder
wurde er von einem Hustenanfall geschüttelt. Den Schmerzen in seinem
Hals nach forderte die eisige Nacht, die er vor vier Tagen draußen
verbracht hatte, nun doch ihrem Tribut.
Vielleicht
konnte er die Kinder dazu bringen, zu schlafen. Draußen wurde es
dunkel, das Licht reichte jetzt ohnehin nicht mehr zum spielen. Remus
fragte sich, wie Kingsley es geschafft hatte, die drei über die Tage
hier im Kerker so ruhig zu halten. Andererseits war es manchmal so
laut gewesen durch die Schreie und das Klagen der anderen Gefangenen,
dass die zarten Kinderstimmen vermutlich untergegangen waren.
„Es ist aber so kalt. Kannst du nicht Licht zaubern, Remus?"
„Ich würde gerne, aber ich habe keinen Zauberstab", antwortete er.
„Wir haben einen, aber wir wissen nicht, wie es funktioniert", piepste Johari.
„Ihr
habt…?"
Mit diesem
einen Satz hatten die Kinder Remus' Resignation fortgewischt.
Götter, falls er an diesen Stab kommen könnte!
„Dhakira, hör zu: Ich muss euren Stab haben. Dann kann ich versuchen, uns hier heraus zu bringen."
„Soll ich ihn werfen?" rief das Mädchen.
„Nein!" schrie Remus entsetzt. „Warte damit!"
Merlin, wenn der Stab auf halbem Weg zwischen den Zellen liegen blieb, hatten sie endgültig verloren. Er schätzte den Abstand zwischen ihren Zellen auf gut fünfzehn Meter.
„Sag ihr, sie soll versuchen, unter den Gittern hindurch zu kriechen", hörte er plötzlich Malfoys Stimme.
„Was?" Remus wandte sich um.
Der blonde Zauberer musste völlig lautlos aufgestanden sein, sein malträtiertes Gesicht erschien nun wieder an der Luke.
„Malfoy, geben Sie mir etwas zu trinken", ergriff Remus die Gelegenheit, „und dann erklären Sie mir, wie das mit dem Kriechen gemeint ist."
Lucius Malfoy hob eine Augenbraue. Die Geste erinnerte Remus an den Tränkemeister.
„Bitte", setzte Remus hinzu.
Malfoy nickte, wobei er seltsam abwesend wirkte. Nach ein paar Minuten kehrte er mit einem fast vollen Becher zurück.
„Diesmal langsam, Werwolf. Ich bin kein Hauself."
Remus nahm den Becher entgegen und trank das kalte Wasser in kleinen Schlucken. Ihm fiel niemand ein, der so sehr wie Malfoy verdient hätte, wie ein Hauself zu leben und behandelt zu werden, aber er verkniff sich diese bissige Bemerkung. Immerhin schien Malfoy gewillt, ihn mit dem überlebenswichtigen Wasser zu versorgen.
„Auf der anderen Seite sind Gittertüren in dem Bereich, in welchem sich die Kinder befinden. Die untere Querstange hat soviel Bodenfreiheit, dass ein kleines Kind vielleicht darunter durch kriechen kann", erklärte Malfoy.
„Versuchen wir's", sagte Remus und reichte dem Slytherin den leeren Becher zurück.
Mit jedem
Schluck war sein Denkvermögen langsam zurück gekehrt.
Er sprach
mit Dhakira und erläuterte ihr seinen Plan.
„Ich komm nicht durch", jammerte sie kurze Zeit später.
„Was ist mit deiner Schwester?" fragte Remus zurück.
„Hari passt auch nicht", kam es weinerlich zurück.
„Babu kann unten durch!" rief das kleinere Mädchen. „Aber er will nicht. Wir haben's ihm schon gesagt, dass er soll, aber er macht nicht, was wir sagen."
„Babu!" rief Remus. „Babu, ich möchte, dass du mir den Zauberstab bringst."
Der Junge
begann zu weinen. Die Mädchen redeten auf ihren kleinen Bruder ein,
sie schimpften, aber schließlich weinten sie ebenfalls.
Remus'
Versuche, die Kinder zu beruhigen, scheiterten jetzt. Mittlerweile
war es ziemlich dunkel in seiner Zelle, und auf dem Gang herrschte
tiefe Finsternis, zumindest für menschliche Augen.
„Du bist wirklich ein jämmerlicher Pädagoge, Lupin", ließ sich Malfoy mit arrogantem Tonfall vernehmen.
„Machen
Sie mir einen Vorschlag, wie es besser geht!" knurrte Remus wütend
zurück.
Das
Letzte, was er jetzt brauchte, waren kluge Ratschläge aus dem Mund
eines solchen Menschen wie Malfoy.
„Kinder
sind keine Hauselfen, die funktionieren nicht auf Kommando."
„Nun, ich würde mal fragen, warum der Junge nicht kommen will. Vermutlich hat er bloß Angst in dem dunklen Gang allein zu sein."
„Fragen Sie ihn doch!" erwiderte Remus.
Der
Slytherin lachte leise.
„Dieses
Kind vertraut vermutlich eher einem Werwolf als einem Todesser. Nein,
Lupin, er kennt Sie, nicht mich. Wenn überhaupt, vertraut der Junge
Ihnen. Wie alt ist er?"
Remus hatte schon beinahe eine passende Antwort parat, als er sich besann. Malfoy hatte nicht Unrecht.
„Er ist drei", sagte er, um Malfoys Frage nach dem Alter Babus zu beantworten, dann wandte er sich wieder den Kindern zu.
„Babu, warum willst du nicht hierher kommen? Es sind nur ein paar Schritte", lockte er.
„Babu hat Angst im Dunkeln", jammerte Dhakira.
Remus warf einen Blick über die Schulter, aber Malfoy war verschwunden. Remus versuchte weiter, Kings' Jüngsten davon zu überzeugen, dass ihm auf dem dunklen Gang keine Gefahr drohte.
„Ich
hätte auch Angst, wenn ich drei Jahre alt wäre, in einem Gefängnis
eingesperrt und fremde Männer in Kutten meinen Vater weggeführt
hätten", hörte er Malfoy leise von seiner Kerkertür aus sagen.
Der Slytherin machte sich offenbar daran zu schaffen, denn Remus
hörte etwas klappern.
Dann
plötzlich bemerkte er erstaunt, dass Lucius Malfoy eine leise
Melodie summte. Die niedrige Eisenklappe, die in Bodenhöhe in der
Holztür zu Malfoys Zelle angebracht war, schwang hoch, und eine
manikürte Hand schob sich nach draußen. Der Slytherin hielt etwas
in seiner Handfläche verborgen – etwas Leuchtendes.
„Babu, so heißt du doch?" hörte Remus Lucius Malfoy ungewohnt sanft. „Sieh her, hier bei Remus und mir ist Licht."
„Wer bist du?" fragte Dhakiras Stimme ängstlich.
„Ich bin Lucius", antwortete der Zauberer.
„Du bist ein böser Mann, sagt Papa", verkündete sie bestimmt.
„Das ist nicht richtig", erwiderte Malfoy, und Remus hätte beinahe laut aufgelacht.
„Ich will nur nicht immer dasselbe wie euer Vater", bekannte der Todesser, „aber jetzt möchte ich euch helfen. Wir wollen alle hier heraus – und zwar möglichst bald."
Der Nachsatz hatte etwas Drängendes.
„Wie lange?" fragte Remus so leise, dass nur Malfoy ihn verstehen konnte.
„Sie sind bereits hier", erwiderte dieser ruhig. „Zwei Stunden, vielleicht drei."
Remus atmete tief durch.
„Ihr
müsst Lucius vertrauen", sagte er den Kindern.
„Ich
schwöre Ihnen, ich werde Sie umbringen, falls Sie den Kindern etwas
antun", knurrte er leise in Malfoys Richtung.
„Unwahrscheinlich,
dass du dazu Gelegenheit bekommst, Werwolf", erwiderte der
Slytherin.
„Lux", flüsterte er dann.
Und jetzt erkannte Remus, dass es eine kleine leuchtende Murmel war, die er in der Hand hielt.
„Babu", sagte Malfoy. „Ich tausche die Lichtkugel gegen euren Zauberstab."
Für einen Augenblick war es ganz still, dann hörte Remus Rascheln und schließlich tappende Schritte, die sich zögernd näherten.
„Merlin sei Dank", flüsterte Remus. „Babu, komm zu mir!"
Doch der kleine Junge blieb vor Malfoys Zelle stehen, fasziniert von dem sanften Licht. Malfoy lobte den Jungen für seinen Mut und ließ die Leuchtkugel in dessen Richtung rollen. Remus hörte das Klappern eines hölzernen Gegenstandes, und dann langte Babus kleine Hand im Lichtschein nach der Murmel, und er rannte damit zurück zu seinen Schwestern.
„Haben Sie den Stab?" fragte Remus in die Dunkelheit.
„Oh ja, den habe ich", erwiderte Lucius Malfoy, und seine Stimme hatte den sanften Klang verloren. Stattdessen war der kühle Triumph in seinen Worten kaum zu überhören.
Remus lief
es eiskalt den Rücken hinunter.
Was hatte
der Slytherin vor?
Fortsetzung folgt
