Kerkermond Evolution
Danke an Lucindana und Glupit für die Reviews. Ich habe mich gefreut, dass so viele Leute diese Geschichte mit einem Alert versehen haben, oder sie gleich zu ihren Favs gelistet haben. Ja, Ihr im Dunkel, ich kenne Euch ;-)
Bin ich fix? Aber hallo! Hier die Karfreitagsausgabe. Erfahrt Dinge über Lucius und Remus, die so nicht erwarten waren ;-)
4. Lucius: Veelamagie, Stimmzauber und MayGyver
Remus musste nicht lange warten, bis er Lucius Malfoy wieder lachen hörte. Es war ein leises, nicht einmal unangenehmes Lachen, dem etwas Resigniertes anhaftete.
„Hast du Angst vor dem, was ich mit diesem Stab tun könnte, Lupin?" fragte er unvermittelt, und die Drohung in seiner Stimme war unverhohlen.
Remus biss sich auf die Lippen.
„Es gibt nicht viel, womit mich ein Todesser noch schrecken könnte", erwiderte er schließlich und zwang ein Höchstmaß an Ruhe seine Stimme.
„Ein Cruciatus bei einem der Kinder?" fragte Malfoy höhnisch.
„Bei allen Göttern, Malfoy! So abgebrüht können doch nicht einmal Sie sein!" rief Remus.
„Vielleicht nicht, vielleicht doch. Wie sicher bist du dir, Werwolf?"
Remus heftete seinen Blick auf Malfoys blasses Gesicht. Seine grauen Augen waren kalt und unbeteiligt.
Remus atmete tief durch. Malfoy spielte offenbar ein grausames Spiel, und er hatte alle Trümpfe in der Hand. Remus konnte nur bluffen.
„Ich würde Ihnen drohen, wenn es irgendeine Aussicht auf Erfolg hätte. Aber ich bin mir fast sicher, dass es unnötig wäre. Kinder zu quälen liegt ganz sicher unter der Familienehre eines Malfoy."
Merlin, lass ihn den Köder schlucken! flehte Remus still.
„Was weiß einer wie du schon über Familienehre?" sagte Malfoy hart. „Hier, Werwolf, hol das Stöckchen."
Er warf etwas durch die Gitterstäbe in Remus' Zelle, und es fiel klackernd zu Boden. Der Zauberstab?
Hastig und zugleich wutentbrannt eilte Remus dorthin, wo er das Geräusch gehört hatte. Er tastete, und plötzlich stießen seine Fingerspitzen gegen einen schmalen, länglichen Gegenstand. Es war tatsächlich der Zauberstab.
Als Remus die Hand darüber gleiten ließ, verstand er, warum Malfoy dieses Werkzeug so einfach aus der Hand gegeben hatte. Das Ding, in das er all seine Hoffnung gesetzt hat, war nichts weiter als ein Kinderspielzeug.
Jeder machtvolle Zauber – und einen Patronus zu rufen, bedurfte Unmengen arkaner Energieströme - würde ihn einfach in Flammen aufgehen lassen. Man konnte bunte Funken damit sprühen, ein bisschen Licht machen – aber mehr auch nicht.
Verzweiflung erfasste Remus und griff mit kalter Hand nach seinem Herzen. Er würde nichts für die Kinder tun können – nichts. Entmutig und vollständig ratlos ließ er sich auf den kalten Steinboden sinken, zog die Beine an, legte die Arme darüber und ließ seine Stirn auf dem Handrücken ruhen. Fast wünschte er sich die Dementoren herbei, damit sie alle es endlich hinter sich hätten.
Er ließ der dunklen Flut, die aus ihm hervorquoll freien Lauf. Es war ihm egal, ob Malfoy ihn hörte. Er hatte nichts mehr zu verlieren und auch nichts mehr zu geben in dieser Welt.
Remus hätte nicht sagen können, wie lange er so gesessen hatte, aber plötzlich rief jemand seinen Namen.
„Lupin, verdammt, hör auf zu heulen!"
Malfoy. Was wollte dieser Kerl denn noch?
„Kümmere dich um dein eigenes Ende, Todesser", knurrte Remus düster.
„Ich würde selbiges lieber abwenden", ließ sich Malfoy vernehmen. „Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit."
Remus blickte auf. Er konnte die Gestalt des anderen jetzt schemenhaft hinter den Gittern wahrnehmen.
„Komm schon her, Werwolf. Und bring dieses Spielzeug mit. Ich könnte geneigt sein, einen weiteren Becher köstlichen Wassers meines dunklen Gebieters zu offerieren."
Malfoys Bezeichnung Voldemorts als seinen ‚Gebieter' hatte einen derart sarkastisch-bitteren Unterton, dass Remus stutzig wurde.
„Was wird das?" fragte er. „Der Feind meines Feindes ist mein Freund?"
„Wir beide werden niemals ‚Freunde' sein", erwiderte der Slytherin düster. „So etwas wie dich jage ich in Vollmondnächten mit einer Armbrust und Silberpfeilen. Aber wenn du willst, dass Shacklebolts Rangen überlegen, hilfst du mir besser."
Remus erhob sich.
„Sie wollen meine Hilfe?"
„Schande auf mein Haupt", erwiderte Malfoy, und sein Tonfall troff geradezu vor Ironie. „Ich werde nie wieder zwischen meinen Seidenlaken einschlafen können, ohne mich dafür zu schämen." Wieder dieses leise Lachen.
Remus trat an die vergitterte Luke.
„Es ist nur ein Gedanke", sagte Lucius. „Warum explodieren Kinderzauberstäbe, wenn man richtig mit ihnen zaubert? Sie sind doch aus den gleichen Holzarten wie die Stäbe der Erwachsenen."
„Ja, aber sie enthalten nur einen schwach magischen Kern, wie Knarlstachelmehl oder Skarabäusbeine", sagte Remus. „Das weiß doch wirklich jedes Kind."
Malfoy nickte. „Stimmt es eigentlich, dass Werwölfe außergewöhnlich stabile Nägel besitzen?"
„Sie meinen Fingernägel?" fragte Remus.
„Wenn dein Hirn nicht mit Eisennägeln gefüllt ist, ja", schnarrte Malfoy. „Die Verwandlungen modifizieren die Fingernägel und geben ihnen die Festigkeit von Krallen, habe ich gelesen."
Remus zuckte die Schulter. „Ich hab's nie ausprobiert. Und wozu sollte es gut sein?"
„Der Stab würde funktionieren mit einem vernünftigen magischen Kern. Wenn man ihn aufschlitzen würde, dass Knarlstachelpulver entfernen und etwas Stärkeres einsetzen könnte, erhielte man einen belastbaren Zauberstab."
„Falls Sie an Werwolfsherzfasern dachten, das funktioniert nicht", sagte Remus kühl. „Diese Stäbe haben nur bei Vollmond magische Kräfte und sind ausschließlich für Angriffszauber verwendbar. Heute ist weder Vollmond, noch kann man einen Dementor mit einen Cruciatus in die Flucht schlagen."
„Ich dachte überhaupt nicht an Herzfasern", entgegnete Malfoy trocken. „Außerdem könnte ich sie hier nicht entsprechend behandeln. Nein, ich dachte an etwas deutlich Feineres. An Veelahaar."
„Tolle Idee, Malfoy. Und wo wollen Sie jetzt und hier eine Veela her bekommen?"
„Mach mal die Augen auf, Werwolf", erwiderte Malfoy herablassend.
Remus starrte ihn an. Zum ersten Mal wurde ihm bewusst, wie blond Lucius war. Sein Haar schien beinahe so etwas wie eine eigene Phosphoreszenz zu besitzen.
Wortlos starrte der Slytherin zurück. Schließlich sagte er sehr ruhig: „Du musste es allein hinbekommen, Lupin. Mein Freund Crabbe war so rücksichtsvoll, mir das linke Handgelenk zu brechen."
„Immerhin können Sie noch schreiben", erwiderte Remus trocken.
„Ich bin Linkshänder", fauchte Malfoy.
Remus musste gegen seinen Willen lachen. „Wie abartig", bemerkte er, um hinzu zu setzen:
„Es ist skurril: Ein Linkshänder mit Veelavorfahren und ein Werwolf basteln an einem Kinderzauberstab, um dem Angriff von Dementoren zu entgehen, die der Große Meister des Halb-Veela – sagt man eigentlich der Veela, Malfoy? – bestellt hat."
„Deine Scherze sind schlecht, Lupin", sagte Malfoy. „Liegt vermutlich daran, dass bei Caniden das Riechhirn weite Teile des Großhirns dominiert."
Remus ließ den Stab sinken, in den er an einer Seite bereits sorgfältig eine kleine Furche hinein geschnitzt hatte.
„Ich bin ein Mensch, Malfoy. Hüten Sie ihre Zunge, sonst…"
„Sonst was? Lässt du den Stab wie er ist? Nein, Lupin, du willst die Kinder retten. Ich könnte dich hier beleidigen, bis die Dementoren kommen, du würdest es erdulden. Außerdem brauchst du eine Haarsträhne von mir, schon vergessen?"
„Apropos vergessen", überhörte Remus die Unverschämtheiten seines Gegenübers, „womit versiegeln wir den Stab? Eigentlich nimmt ein Stabmacher dafür magischen Leim. Das magischste, was wir haben, ist Werwolfsspucke."
„Magischer Leim enthält Edelmetall als wirksame Komponente", sagte Malfoy.
Er langte unter seine zerrissene Robe und zog eine schmale Kette hervor, an der ein Medaillon baumelte. Er nahm den Anhänger ab und steckte ihn in die Tasche.
„Der Schmelzpunkt von Silber liegt bei 960 °C. Das entspricht ungefähr der Temperatur einer Kerzenflamme. Wie gut bist du stablos, Lupin?"
Remus sah Malfoy verblüfft an. „Woher wissen Sie, dass ich überhaupt stablose Magie wirken kann?"
„Mmm, nur eine Vermutung", sagte Malfoy.
„Ich kann eine Kerze entzünden, aber die Flamme selbst halten…" Remus schüttelte den Kopf.
„Gut, ich tu's", lenkte Malfoy scheinbar bereitwillig ein. „Dann halten Sie das Silber über die Flamme und lassen es in den Schlitz im Stab tropfen."
„Sie wissen, dass das unmöglich ist", sagte Remus. „Also schön, verbrennen wir meine Haut."
Malfoy verzog die Lippen zu einem ironischen Lächeln. „Braver Wolf."
Eine Stunde später hatte Remus es tatsächlich geschafft, eine Rille in das biegsame Holz des Stabes zu kratzen. Hunderte feiner Splitter steckten unter seinen Fingernägeln, aber schließlich konnte er den feinen Knarlstachelstaub aus dem Stab wie aus einer Vanilleschote herauskratzen und – pusten. Eine Strähne von Malfoys langen Haaren als neuen Kern hinein zu legen, war kein Problem, doch jetzt folgte der schwierigste Teil des Unterfangens: Sie mussten die Furche im Holz mit Silber versiegeln.
Remus konzentrierte sich auf die Beschwörung einer Flamme. Plötzlich hielt er inne.
„Wenn das Silber auf meine Hände tropft, bindet es meine Magie über Stunden. Was nutzt uns ein Zauberstab – falls er überhaupt funktioniert – wenn niemand hier einen gestaltlichen Patronus beschwören kann?"
„Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es geschieht", antwortete Malfoy. „Hier, diese Stelle mit dem Verschluss ist besonders filigran."
Er hielt die feine Silberkette über Remus' Hand. „Versuchen Sie ein Elbenfeuer zu beschwören, dass ist oben heiß und unten deutlich kühler."
Sie begannen. Während Remus die Zähne zusammenbiss, um die Hitze des Feuers auszuhalten, hielt Malfoy mit der unverletzten Hand die Silberkette in die heißeste Stelle der Flamme.
Der Zauberstab lag auf dem schmalen Sims zwischen ihnen.
„Wie lange?" knurrte Remus, als sich nach zwei Minuten keine Erweichung des Metalls bemerkbar machte.
„Noch mindestens fünf Minuten, das Silber muss sich geschmeidig in die Form des Holzes einfügen."
„Oh Merlin", keuchte Remus, der spürte, wie seine Haut verbrannte.
Ohne ein weiteres Wort legte Malfoy Mittel- und Zeigefinger seiner zweiten, gebrochenen Hand auf Remus Handballen, nahe dem Feuer.
Er intonierte eine leise Melodie, wie er bereits getan hatte, als er die leuchtende Murmel aus dem Nichts beschworen hatte. Remus spürte, wie sich plötzlich eine angenehme Kühle über seine Handfläche legte. Nur im Zentrum der Flamme war der Schmerz noch vorhanden, wenn auch deutlich gelindert.
„Sie verfügen über Stimmmagie", stellte Remus gegen seinen Willen beeindruckt fest. Malfoy antwortete nicht, sondern konzentrierte sich auf die komplizierte Melodie.
Die Gabe des Stimmzaubers war selten, und ihre Anwendung wie so vieles, was das Ministerium nicht glaubte, beherrschen zu können, verboten.
Es dauerte nicht lange, da begann sich die silberne Kette zu biegen, die einzelnen Glieder leuchteten weiß glühend auf.
„Ars agens, ars metallica", flüsterte Malfoy, und er wiederholte die seltsame Formel mehrfach, bis er plötzlich die Kette über den Zauberstab hielt.
Die Kettenglieder verschwammen, und eine zähe Masse senkte sich zischend in die Ritzen des Holzstabes.
Der Geruch verbrannten Haares stieg Remus in die Nase.
„Die Haare!" rief er.
„Außen verbrennen sie, aber die innersten sollten die Prozedur überstehen", sagte Malfoy.
„Zeig mir deine Hand, Werwolf", forderte er.
„Wir waren schon beim ‚Sie'", informierte ihn Remus, dem diese sprachliche Feinheit durchaus nicht entgangen war.
„ZeigenSie mir Ihre Hand, Werwolf", konterte Malfoy. „Verdammt, ich werde dir helfen, also stell dich jetzt nicht an, Lupin. Wir brauchen einen schlichten, aber sanften Zauber, um den Stab einzustellen."
Er richtete den immer noch dampfenden Stab auf Remus' Hand.
„Sanitas!"
Remus schrie auf, als mit einem einzigen Ruck die verbrannten Haut- und Fleischbezirke sich ablösten, um rosafarbenes, schimmerndes Narbengewebe freizugeben. Der zu Beginn reißende Schmerz ebbte sofort ab.
„Unter ‚schlichter' Magie stelle ich mir einen Schwebezauber vor. Ist Ihnen eigentlich klar, wie komplex ein ‚Sanitas' ist?" knurrte Remus.
„Ich bin des arkanen Profils durchaus bewusst", schoss Malfoy zurück.
Dann plötzlich lächelte er, und es hatte nichts von dem überheblichen Grinsen, das er sonst zur Schau trug.
„Er funktioniert. Ich habe selbst nicht dran geglaubt. Das war ein ordentliches Stück Arbeit und Härte, Lupin, und ein bemerkenswertes Elbenfeuer. Kompliment."
Er reichte Remus den Stab. „Ein simpler Zauber also. Ich empfehle ‚Alohomora', versuchen Sie's. Die Kinder warten sicher schon sehnsüchtig auf Sie."
Remus griff nach dem Stab, ließ ihn jedoch sofort wieder los, als hätte er sich ein weiteres Mal verbrannt.
„Verflixt. Da ist Silber auf der Oberfläche."
Er wickelte ein Stück Stoff seiner zerfetzten Robe um die Finger und fasste nun den Stab an, drehte ihn hin- und her, schüttelte schließlich den Kopf und reichte ihn Malfoy zurück.
„Ich kann ihn nicht benutzen. Die Metalleinlage zieht sich rings herum. Ich muss ihm aber komplett umfassen, um damit etwas so Schwieriges wie einen Patronus zu beschwören."
„Merde!" fluchte Malfoy.
Dann ging er langsam zur Tür. Er tippte sie an, sagte ruhig ‚Alohomora', und mit einem Klicken sprang das Schloss auf. Remus hörte ihn den Gang hinab zu den Kindern gehen, langsam, weil sein Bein ihn offenbar behinderte.
„Hallo", sagte er. „Ich bin Lucius. Du musst Dhakira sein, du bist schon groß, fast alt genug für Hogwarts."
„Ich komme nächsten Herbst hin, sagte Mama", erwiderte das Mädchen.
„Ich bin sicher, McGonagalls Eule findet dich", erwiderte Lucius sanft. „So, und du bist Babu, wir kennen uns ja schon. Du warst wirklich mutig vorhin. Ich hatte als Junge auch manchmal Angst im Dunkeln, das macht nichts. Es verliert sich, wenn du größer wirst. Und wen haben wir da?"
Stille.
„Das ist Johari", sprang Dhakira für ihre kleinere Schwester ein.
„Guten Abend, Johari", sagte Malfoy freundlich. „Ich habe gehört, dass du sehr frierst. Du kannst meinen Umhang haben."
Einen Augenblick war es still, dann hörte Remus Joharis leise Stimme.
„Der ist ganz weich."
„Man nennt es Nerz", erwiderte Malfoy. „Lass dir nie etwas Schlechteres schenken, wenn du später eine Lady bist."
„Danke", piepste sie.
„Ist mir ein Vergnügen", erwiderte Malfoy förmlich. „Wollen wir zu Remus herüber gehen? Er freut sich sicher, euch zu sehen. Nehmt alles mit, was ihr hier noch an Kleidern, Decken und vielleicht Geschirr habt – oh, ich sehe, da sind nur zwei Blechnäpfe mitzunehmen. Egal, die tun es für heute Nacht auch."
Remus konnte die kleine Gruppe über den Gang schlurfen hören. Die Kinder mussten zum Umfallen müde und erschöpft sein.
Malfoy öffnete Remus' Zellentür.
Remus ging den Kindern entgegen, weil er nicht wollte, dass sie in seine Zelle hineinliefen, die nach zwei Wochen Gefangenschaft einem Tierkäfig mehr glich als einem von Menschen genutzten Raum.
Quietschend umarmten ihn die Kinder, Dhakira vorneweg, zu der er ein besonders gutes Verhältnis hatte.
Er begutachtete die Kinder. Sie waren ebenso schmutzig und verlaust wie er selbst, aber davon abgesehen hatte man sie offenbar nicht die ganze Zeit hungern lassen.
„Gehen wir hier hinein", sagte Malfoy und öffnete seine Kerkertür.
„Sollten wir nicht versuchen, hier raus zu kommen?" fragte Remus.
„Der Trakt hier ist vom Dunklen Lord persönlich mit einer Apparitionssperre belegt, und an den Zugängen liegen seine magischen Siegel auf den Türen. Wir würden es vergeblich versuchen. Falls wir morgen noch nicht...hier heraus sind, können wir es bei Tageslicht probieren."
Remus gab Malfoy Recht. Voldemorts Siegel waren vermutlich mehr als haltbar. Sie konnte nicht hoffen, sie rechtzeitig vor Auftauchen der Dementoren zu knacken. Sie mussten sich den Seelensaugern stellen. Und hier lag das nächste Problem. Malfoy war ein Todesser. Es hieß, dass Zauberer, die sich der Dunklen Seite verschrieben hatten, keinen gestaltlichen Patronus beschwören konnten. Auf einen solchen würde sie jedoch zwingend angewiesen sein.
Doch Malfoy hatte scheinbar andere Dinge im Kopf.
„Setzt euch auf die Pritsche", wies er die Kinder an. „Stellt euch einfach vor, das wäre eine samtbezogene Chaiselongue."
„Ein Kuschelsofa", flüsterte Dhakira Babu kichernd ins Ohr.
Müde krabbelten die Kinder hinauf und schmiegten sich eng aneinander. Malfoy nahm eine fleckige Decke, die auf dem Boden lag, und breitete sie über die drei.
„Gut. Habt ihr noch Hunger?"
„Doll Hunger", rief Babu.
„Gut, dann wird Maitre Lucius euch jetzt ein Keller-Diner zubereiten."
Remus ließ unterdessen Wasser aus der defekten Leitung in den Zinnbecher tropfen. Er war unendlich durstig, und mittlerweile in der Lage, mehr zu trinken.
„Wo willst du etwas zu essen herbekommen?" fragte er den Slytherin. „Du kannst es nicht aus dem Nichts beschwören."
„Stimmt. Aber ich kenne mich aus, und über uns ist die Küche für die Wachmannschaften. Irgendetwas werden die schon dagelassen haben. Ich muss nur genau das beschwören, was auch vorhanden ist."
Binnen zehn Minuten hatten sie ein paar schrumpelige Äpfel, braunfleckige Bananen, einen Zipfel Salami, einen halbverlaufenen Camembert und ein paar harte Brote. Die Kinder stürzten sich auf das Obst, und Remus machte sich über den Käse her. Malfoy aß nichts. Remus vermutete, dass er am Morgen vielleicht noch in seinem Haus von silbernen Tellern gespeist hatte, aber er wollte nicht fragen.
Wenn sie das hier überlebten, würde er irgendwann erfahren, warum Malfoy derart in Ungnade gefallen war. Jetzt spielte es erst einmal keine Rolle.
Malfoy ließ sich Remus gegenüber auf dem Boden nieder.
„Du als Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, erkläre mir, wie es kommt, dass manche Menschen einen gestaltlichen Patronus hervor bringen und andere nicht, obwohl sie geübte Zauberer sind?"
Also war Malfoy das Problem auch bewusst!
Remus sah zu den Kindern hinauf, die mittlerweile dicht aneinander gekuschelt auf der Pritsche lagen. Zumindest die beiden Kleinen schienen zu schlafen.
„Manche sagen, es hätte etwas mit der Reinheit der Seele zu tun", sagte Remus vorsichtig.
„Was erklärt, warum Snape einen gestaltlichen Patronus zustande bringt? Die Reinheit der Seele in Person", sagte Malfoy zynisch. „Ich habe ihn Dinge tun sehen..."
Er vollendete den Satz nicht.
„Es kommt nicht allein auf die Taten an, vermute ich", erklärte Remus vage. Er musste vorsichtig sein, wie viel er preisgab. Severus war unverzichtbar für den Orden.
„Wie lange kann man einen angriffswilligen Dementor mit einem gestaltlosen Patronus aufhalten, was schätzt du?" fragte Malfoy.
„Ich weiß es wirklich nicht. Wenn der Zauberer mächtig ist..."
„Ist er", unterbrach ihn Malfoy trocken.
„...dann mag es eine Weile gut gehen. Es hängt vermutlich auch von der Zahl der Dementoren ab und von der Attraktivität der Opfer." Remus warf den Kindern einen kurzen Blick zu.
„Ich wünschte, du könntest den Zauber ausführen", sagte Malfoy in die Dunkelheit. „Kannst du nicht ein Tuch um deine Hand wickeln?"
„Die normalen Fasern blockieren die Magie. Es müsste schon aus magischem Stoff sein", erwiderte Remus. „Trollseide, Hexenflechte, oder etwas ähnliches."
„Oder etwas ähnliches", wiederholte Malfoy nachdenklich. „Trollseide stellt man aus dem Fell mongolischer Steppentrolle her."
„Leider fehlen uns ungefähr fünfzehn mongolische Steppentrolle", sagte Remus trocken.
Malfoy lachte leise.
„Das stimmt. Versuchen wir also Veelaseide."
Mit einem Schlenker des Stabes hatte er seine langen Haare auf Kinnhöhe abgetrennt.
„Wie webt man die zusammen? Ich bin kein Hauself."
„Ich weiß nicht", sagte Remus. „Aber vielleicht...weben...kann ich nicht, aber wir könnten es filzen. Ich kenne einen Zauber zum entfilzen, wenn man den arkan umkehrt ... lassen Sie mich rechnen."
Für einen Moment war Remus ganz in die arithmantische Aufgabe versunken, dann wusste er die Lösung. Er demonstrierte die Handbewegung und die Formel.
„Sie lautet: „Intexo."
Malfoy richtete den Stab auf Haare. Er sprach die Formel, und sofort begannen die einzelnen Strähnen, untereinander her zu kriechen, um schließlich ein dichtes Gewirr von Strängen und Knoten zu bilden.
Zögernd griff Remus nach dem Gewebe. Es fühlte sich weich, seidig und überraschend fest an. Er ergriff den Stab damit, sagte „Accio Becher!" und der inzwischen wieder halb gefüllte Becher flog in seine Hand.
„Merlin sei Dank", seufzte Malfoy. „Ich kann fast nicht glauben, dass wir soweit gekommen sind."
„Ja, es hat was von MacGyver", sagte Remus. „Jetzt müssen wir nur noch die Nacht überleben und uns morgen hinaus sprengen."
Malfoy sah ihn fragend an. Vermutlich hatte er niemals einen Muggelfernseher gesehen, von amerikanischen Serien ganz zu schweigen. Da sie ohnehin nichts Besseres zu tun hatten, und um sich von dem erwarteten Dementorenangriff abzulenken, begann er Malfoy zu erklären, wer MacGyver war und weshalb ihre Situation ihn an diese Serie erinnerte.
Fortsetzung folgt
Ja, ja, ich hatte ja gesagt, dies wird eine trashige Fiction, und offensichtlich hatte Remus zu viel Zeit, um Muggelfernsehen zu schauen, irgendwann in den späten Achtzigern ;-)
Ich werde hier jede skurrile Idee umsetzen, die ich habe, gnadenlos, ohne Rücksicht auf Dramaturgie und literarischen Wert ;-)
Meine Beta sagt, sie könnten die Zeit auch für so vernünftige Dinge wie Reinigungszauber oder ‚Patroni beschwören üben' nutzen, anstatt sich über MacGyver zu unterhalten, aber hej. Ich LIEBE MacGyver! Außerdem ist Lucius nicht besonders gut in Haushaltszaubern, dafür hat er ja seine Hauselfen zuhause. Oder er lässt Narcissa nacktputzen, wer weiß.
Au! (Das war Slytherene, die haut mich gerade virtuell.)
MacGyver
gehört Paramount. Erfinder ist Lee David Zlotoff. Ich verneige mich, bis meine Nase die Knie berührt, ehrlich.
