Kerkermond Evolution


Irgendwie scheine ich diesmal am Publikumsgeschmack vorbei zu schreiben, oder seid Ihr alle Skifahren? So wenige Reviews hatte ich ja noch nie. Aber ich will nicht Publikumsschelte betreiben, ich freue mich über jeden, der hier auch still genießt (ich stell mir einfach vor, Ihr wäret ganz viele…).

Danke an Glupit und Elementargeist für Eure Reviews zu Kapitel 4!

Irgendwie werden die Kapitel immer länger, ich weiß gar nicht, woran das wieder liegt, aber dieses hier muss Euch auch jetzt mindestens zwei Tage reichen.

Nun also ‚Manege frei' für Remus ‚The Wolf' Lupin mit seinem sechs zahmen Dementoren!


5. Remus: Expecto patronum!

Die Stunden schienen dahin zu kriechen. Die beiden Männer schwiegen schon eine Weile, als sich plötzlich ein Schatten über den ohnehin dunklen Raum legte. Remus sah zu der defekten Wasserleistung hinauf, die sich jetzt mit einer dünnen Schicht Eis überzog.

„Sie kommen", sagte Malfoy leise.

Remus schloss die Finger eisern um das feine Gewebe aus Veelahaaren, das ihn vor der Silberader in dem Zauberstab schützte. Die Kinder, die bis eben friedlich geschlafen hatten, waren plötzlich wach und begannen zu weinen. Lucius setzte sich zu ihnen auf die Pritsche und redete beruhigend auf sie ein.

„Ich habe Angst!" piepste Johari.

„Was ist das?" fragte Dhakira weinerlich.

„Das sind Dementoren", hörte Remus den Slytherin antworten. „Sie machen Angst, das ist ihr stärkster Zauber. Aber euch kann nichts passieren, solange Remus und ich hier sind. Versucht, nicht so große Furcht zu haben. Am besten wehrt ihr euch, indem ihr ein Lied singt – ein fröhliches oder lustiges. Das mögen sie nicht."

Remus versuchte sich zu konzentrieren. Er konnte die Dementoren weder hören noch sehen, doch er spürte ihr Nahen und er nahm ihre Witterung auf. Sämtliche Nackenhaare stellten sich auf, als der faulige Gestank unter der Tür hindurch quoll. Eine glückliche Erinnerung, das war es, was er nun brauchte.

„Ich weiß gar kein Lied."
Joharis Stimme, voller Angst.

„Was ist mit dem Katzentatzentanz?" fragte Lucius.

„Ja, den kennen wir", sagte Dhakira.
Sie klang entsetzlich unsicher.

Eine glückliche Erinnerung. Konzentriere dich, Remus.

„Das dachte ich mir."
Malfoys Stimme, in der nicht ein Quäntchen Unsicherheit lag. Wieder begann der Zauberer zu singen.

„Kommt der Igel zu der Katze,
bitte reich mir deine Tatze."

Seine Stimme klang tief, und im nächsten Moment sang er eine Oktave höher weiter, die Stimme der Katze imitierend.

„Mit dem Igel tanz ich nicht,
ist mir viel zu stachelig."

Die Kinder hatten aufgehört zu weinen.

„Guck, die Katze tanzt allein, tanzt allein auf einem Bein,
guck, die Katze tanzt allein, tanzt allein auf einem Bein!"

Malfoys Gesang klang so vergnügt, als sitze er im Garten seines Hauses auf einem Kindergeburtstag.

„Der Igel neigt sich vor, sagt der Katze was ins Ohr", flüsterte Johari.

Der Griff der Tür drückte sich nach unten. Im Raum wurde es jetzt eisig kalt und stockdunkel.

Eine glückliche Erinnerung.
Remus sitzt in Hogwarts am See und lässt die Füße vom kühlen Wasser umspülen. Es ist ein heißer Sommertag, und die Ferien stehen kurz bevor. Er ist sechzehn, und zum ersten Mal sitzt er hier weder allein noch mit seinen Freunden. James ist mit Lily hinter den Gewächshäusern verschwunden, Sirius und Peter schwimmen um die Wette. Sirius wird gewinnen, wie immer.
Das Mädchen neben Remus jedoch hat keinen Blick für den sich spreizenden Blacksprößling übrig, den ganzen Nachmittag schon müht er sich vergeblich. Mary-Sue Brown hat nur Augen für Remus, mit dem sie stundenlang über arithmantische Grundlagen diskutiert oder überlegt, wie alte Runenrituale in moderne Stabzauber umgewandelt werden können. Seit gestern Abend sprechen sie nicht mehr nur über Schulfächer und Wissenschaft. Mary-Sue hat ihren braunen Lockenkopf an Remus' Schulter gelegt. Seit gestern Abend küssen sie sich auch, und Mary hat Remus gesagt, wie sehr sie ihn mag.

Die Tür öffnete sich quietschend. Eine langfingrige, verrottende Hand, nur sichtbar mit Remus' scharfen Nachtsichtaugen, glitt am Rand der Tür entlang. Der Dementor holte rasselnd Atem.

Expecto patronum!"

Aus der Spitze des aufgerüsteten Kinderzauberstabes brach ein silbrig leuchtender Wolf hervor. Er war mager und zottig, hatte das Fell gesträubt und die Lefzen drohend zurückgezogen. Remus hörte ihn knurren, dann fiel ihm ein, dass Patroni stumm sind, wenn man sie gegen einen Dementor richtet. Er selbst musste geknurrt haben, tief und drohend.

„Und dann tanzen sie zu zweien,
über Stock und über Stein,
und dann tanzen sie zu zweien,
und dann gehen alle heim."

Kindergesang. Jemand pfiff eine übermütige Melodie. Sie addierte sich zu Remus' Gedanken.

Marys weiche Locken an seiner Wange. Ihre Lippen streifen die seinen, vorsichtig, zärtlich, und sie duftet nach Vanille und Erdbeer-Kaugummi.

Der Dementor wich zurück. Mit einem Klacken fiel die Tür ins Schloss. Der Patronus jagte durch die Klappe unten in den Holzbrettern. Die Temperatur im Raum stieg sofort spürbar an.

„Isser weg?" fragte Dhakira und versuchte, Remus in der Dunkelheit auszumachen.

„Fürs Erste", sagte Lucius leise. „Aber er wird wiederkommen. Merlin sei dank war es nur einer."

Remus bemerkte erst jetzt, dass ihm die Knie zittern. Er war nicht sicher, ob der Stab tun würde, was er sollte. Ob er sich gut genug an Mary-Sue würde erinnern können, hier drinnen. Ob das Silber in dem Stab, vor dem er sich fürchtet, wirklich durch die Veelahaare abgehalten würde. Doch bisher hatte es funktioniert. Merlin sei dank.

„Wir werden ein bisschen weiter singen, das hat prima geholfen", lobte Malfoy die Kinder. „Wer weiß, wie das Lied weitergeht? Babu?"

„Der Hase!" piepste Johari, bevor ihr kleiner Bruder etwas sagen konnte.

„Dann sing mal los", forderte Malfoy sie auf.

„Kam der Hase zu der Katze:
Bitte, reich mir deine Tatze!
Mit dem Hasen tanz ich nicht,
ist mir viel zu zappelig."

Joharis Stimme klang wie ausgewechselt. In Gedanken hatte sie offenbar den feuchtkalten Kerker weit hinter sich gelassen.

Remus lehnte sich gegen die Wand und griff nach dem Zinnbecher. Er trank; es war eisig kalt, aber es tat gut.
Sekunden später stießen seine Lippen auf eine solide Eisschicht. Die Tür öffnete sich, diesmal schneller, und eine riesige, schwarz gewandete Gestalt glitt rasch auf ihn zu.

Mary, die sich gegen ihn lehnt. Die Luft duftet nach Heu, es ist bereits dunkel. Grillen zirpen. Eigentlich müssten sie längst in ihren Schlafsälen sein, sie in Ravenclaw, er in Gryffindor, doch heute Nacht wird Remus die Schulregeln brechen.

Expecto patronum!"

Der Wolf war da, vor ihm. Doch er war unruhig. Diesmal waren es zwei, und er musste zwischen ihnen hin und herlaufen. Den einen von Remus abhalten, den anderen von den Kindern. Er hechelte, es war anstrengend.

„Guck, die Katze tanzt allein, tanzt allein auf einem Bein,
Guck, die Katze tanzt allein, tanzt allein auf einem Bein!"

Da war etwas in dem Gesang der Kinder, dass den Wolf leichter atmen, schneller laufen ließ.

„Und dann tanzen sie zu zweien,
über Stock und über Stein,
und dann tanzen sie zu zweien,
und dann gehen alle heim."

Es klang nach Lachen und ausgelassener Fröhlichkeit, nach unbeschwerten Stunden.

Magst du eigentlich Kinder, Remus?"
Klar. Kinder sind toll. Niemand kann sich so sehr auf den Augenblick einlassen wie sie."
Mary-Sues blaue Augen leuchten. Remus kann sich nicht satt sehen an diesem Strahlen hinter den runden Brillengläsern, er kann nicht genug bekommen von der logischen Klarheit ihrer Gedankengänge und ihrer Begeisterungsfähigkeit.

Die Tür schloss sich wieder.
Remus sah zu den Kindern hinüber. Sie waren völlig auf Malfoy konzentriert, der sie jetzt wieder lobte und fragte, welches Tier denn als nächstes zu der Katze gekommen sei. Remus verlor den Anschluss, irgendwo zwischen Hamster, Hofhund und Wildschwein, die alle zu der tanzwütigen Katze kamen.
Er taute die Wasserleitung mit einem Zauber und füllte den Becher. Als dieser voll war, ging er zu den anderen.

„Habt ihr Durst?"

„Ja, vom Singen!" bestätigte Dhakira.

Sie teilten den Becher, und Remus holte ein zweites Mal Wasser, diesmal für Malfoy, der es geistesabwesend entgegen nahm und vorschlug, das Lied von dem Mädchen, das in der Kaffeekanne um die Welt fliegt, zu singen.
Eine Minute später waren die Kinder wieder in einer Welt bunter Lieder versunken, und Remus fragte sich, ob der legendäre Rattenfänger von Hameln wohl ein Malfoy gewesen sein könnte.

In der nächsten halben Stunde bewegte sich der Todesser elegant zwischen Kindergeburtstag und fröhlicher Bootsfahrt, und als er schließlich inne hielt, waren die Kinder müde vom Singen. Babu schlief ein, Johari war auf Malfoys Schoß gekrabbelt, hatte die Augen geschlossen und summte. Dhakira versuchte zu enträtseln, warum Seehunde sich nie die Nase putzen müssen.
Irgendwann hörte Johari auf, zu summen, und Dhakira lag ebenfalls still. Sachte bettete Malfoy die kleinere Schwester neben Babu und deckte die Kinder zu.

„Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll", bemerkte Remus mit gerunzelter Stirn.

„Worüber?" fragte Malfoy kühl zurück.

„Sie haben eine Art mit Kindern, die ich nur selten gesehen habe. Es…entspricht nicht dem Bild, dass ich von einem Anhänger Voldemorts habe."

Malfoy zuckte bei der Nennung des Namens zusammen. „Nicht. Der Dunkle Lord bleibt besser ungenannt."

„Die Dinge nicht bei ihrem richtigen Namen zu nennen, vergrößert nur die irrationale Angst vor ihnen", zitierte Remus Dumbledores Worte.

„Namen sind nicht ohne Kraft und Magie. Dieser Name, hier unten ausgesprochen, wird nicht uns stärken, sondern die andere Seite", entgegnete Malfoy. „Akzeptiere diese Regeln, Werwolf, sonst…"

„Voldemort!" sagte Remus laut.

Malfoy gab einen zischenden Laut von sich, der beinahe gequält klang.

Remus warf Malfoy einen herausfordernden Blick zu.
„Für jedes ‚Werwolf' werde ich Sie-wissen-schon-wen bei seinem Namen nennen. Und wir sind nicht per du."

Der Slytherin starrte ihn an.
„Also schön, Lupin. Mit Erpressung kann ich umgehen, dieses Mittel ist mir selbst nicht fremd. Ich stelle fest, Sie haben sich schnell an die Regeln in diesem Haus angepasst." Es klang höhnisch.

Remus ging nicht auf die Provokation ein. „Sie wollen mich auf dem Boden sehen, Malfoy, und den Gefallen werde ich Ihnen nicht tun. So einfach ist das", erklärte er ruhig.

Malfoy schien sich für den Moment geschlagen zu geben und schwieg. Sie wussten beide, dass sie hier zusammen arbeiten mussten, wollten sie eine Chance haben, jemals lebend aus dieser Hölle heraus zu kommen.

Diesmal dauerte es länger, bis es im Raum wieder eisig kalt wurde. Doch nach etwa zwei Stunden schien die feuchte Luft im Raum zu kristallisieren.

„Merlin, das müssen mehrere sein!" rief Malfoy. Sekunden später begannen die Kinder laut vor Angst zu schreien.

Eine glückliche Erinnerung! disziplinierte sich Remus und versuchte, die Schreie aus seinem Kopf zu verbannen. Vor ihm bauten sich zwei düstere Gestalten auf, ihr fauliger Atem verpesstete die Zelle und hinter ihnen quollen noch mehr Seelensauger durch die Türe. Ein halbes Duzend – Remus hatte nie mit mehr als zweien zur gleichen Zeit zu tun gehabt.

Eine glückliche Erinnerung:
Die blaue Sommernacht erstreckt sich endlos und mit ihrer Kühle lindernd über das vom Tage noch erhitzte Land. Ihr Gewand ist mit Tausenden silbrig schimmernden Sternen besetzt, die sich im Wasser des Waldsees spiegeln. Mary-Sue presst sich an Remus, und die glitzernden Wassertropfen auf ihrer hellen Haut erregen ihn zusätzlich, dabei hat er sich schon kaum mehr im Griff.
Er spürt die Rundungen ihrer kleinen festen Brüste an seiner Brust; sie ist fast so groß wie er. Die warme Zungenspitze, die sie ihm sanft in den Mund schiebt, erinnert in daran, was er am liebsten tun würde. Sie spürt seine Erregung an ihrer Körpermitte, Merlin, sie muss es spüren. Noch ein paar Milliliter Blut, noch ein Kuss, und sein Glied wird platzen. Plötzlich sind da ihre Hände und umfassen ihn, sie reibt, und Remus spürt die Welle, die er nicht aufhalten kann und schon gar nicht will. Er ist sechzehn, und er ist nicht aus Stein. Hinter seinen Augen explodiert der Sternenhimmel, Remus verströmt sich in die Enge und er klammert sich an Mary-Sue, die seinen Namen flüstert.

Expecto patronum!"

Der Wolfspatronus strich an den Dementoren entlang, hielt sie auf Distanz, zuverlässig, ein zuversichtliches Leuchten ausstrahlend.

„Higgelty, Piggelty, Pop und Pu
fahren über's Meer in einem Schuh."

Das Repertoire von Lucius Malfoy schien noch lange nicht ausgereizt, und auch Dhakiras Stimme fiel zögernd wieder mit ein. Doch dieses Mal blieb der Raum eisig kalt, die Dementoren drängten sich um den Patronus, der zu flackern begann. Es waren einfach zu viele. Remus versuchte, sich ein weiteres Mal zu konzentrieren.

Eine glückliche Erinnerung:
Wieder spannt sich das Sternenzelt über die Ländereien von Hogwarts, wieder spiegeln sich die Himmelstaler in den Fluten des Sees. Mary steht Remus gegenüber, ihre Hände fühlen sich warm und vertraut an. Doch irgendetwas stimmt nicht. Plötzlich entzieht sie sich seinem Griff, die Wassertropfen auf ihrem Gesicht sind viel zu salzig, ihre Stimme viel zu schrill, und diese Worte…

„Nein!" keuchte Remus. „Das macht ihr nicht mit mir!"

Sein Wolf war erloschen, Dunkelheit gähnte zwischen ihm und den Dementoren, die jetzt wie auf Kommando rasselnd Atem holten.

Expecto patronum…"

Nur Nebel quoll aus Remus' Stab, diffus und transparent. Er konnte die Dementoren dahinter sogar noch erkennen!

Ich weiß jetzt, was du bist, Remus! Meine Mutter hat es gehört, bei ‚Flourish and Blotts'. ‚Die armen Lupins', hat dort ein Mann gesagt. ‚Der jüngere Sohn ein Squib und der ältere ein Werwolf.' Nun, der Squib scheidet ja wohl aus, ich habe dich oft genug zaubern sehen, Remus Lupin!"
Remus spürt, wie sich seine Eingeweide zusammen ziehen. Er hat es ihr sagen wollen, aber sie reagiert genau so, wie er befürchtet hat. Und er hatte entsetzliche Angst vor diesem Augenblick, der nun über ihn herfällt wie ein mordlüsterner Drache und ihn zu verschlingen droht.

Mary-Sue, so hör doch", presst Remus mühsam hervor. „Es ist wahr, und ich wollte es dir sagen, aber ich wusste nicht, wie."
Und wann wolltest du damit heraus rücken, Remus Lupin? In unserer Hochzeitsnacht?"
Sie schreit, ihre Stimme ist schrill, und in ihrem Gesicht ist ein Ausdruck, den er dort noch nie gesehen hat: Ablehnung, Wut, gepaart mit…Angst.

Angst, die sich jetzt um Remus zusammenzieht wie ein viel zu dickes Seil, wie eine bösartige Anakonda.
Angst.

Du bist eine Bestie, kein Mensch!"

Angst, und eisige Kälte.

Angst, eisige Kälte. Ungebremst hielten zwei der Demetoren auf Remus zu. Seine Knie gaben nach, er wollte schreien, aber sein Mund war trocken wie Staub.
Einer der Dementoren musste ihn umrundet haben, er zerrte ihn erst nach hinten, dann wurde Remus der Stab aus den Fingern gewunden.

Expecto patronum!!"

Malfoys Schrei riss Remus aus seiner Erstarrung. Die ganze Zelle war mit einem silbrigen Nebel gefüllt, der ein beinahe taghelles Licht abstrahlte. Die Kälte floh einer Hitze, die an den afrikanischen Schirokko, einen heißen Wüstenwind, erinnerte. Die Dementoren hatten sich davon gemacht. Der ganze Raum flirrte vor arkaner Energie.
Vor dem vergitterten Fenster hatten die Sterne ihre Farbe und ihren Glanz wieder gewonnen.

Im Zentrum des Nebels stand Lucius Malfoy, den Stab hoch erhoben, mit dem er nun den Nebel aus der Tür und den Gang hinunter in Richtung der Seelensauger dirigierte.

„Remus!" Dhakiras Ruf klang dringend.

Mechanisch setzte sich Remus in Bewegung. Seine filzige Robe klebte ihm am schweißnassen Körper und seine Beine zitterten vor Anstrengung. Mit einer fahrigen Bewegung fuhr er ihr durchs Haar.

„Ich bin hier."

„Da waren ganz viele", flüsterte sie. „Plötzlich ging die Tür weit auf, und alles war voll. Es hat so gerochen, und ich war ganz traurig."

„Geht es dir besser?" fragte Remus besorgt.

„Ja. Aber ich habe Angst. Lucius soll mit uns spielen", verlangte sie.

„Lucius muss eine Runde Dementoren verscheuchen", flüsterte Remus leise. Er zog die Decke ein Stück weg, unter der er Babu und Johari schluchzen hören konnte. Sanft zog er die beiden kleinen Kinder auf den Schoß und wiegte sie, bis die Erschöpfung sie schließlich einschlafen ließ.
Dhakira jedoch war so überdreht, dass er sie nicht zum einschlafen überreden konnte. Wenn Remus ehrlich war, so war er eigentlich froh, dass sie ihn mit ihren Fragen und kleinen Geschichten wach hielt. Er war am Ende seiner Kräfte.

Das Leuchten, das vom Gang aus hereindrang, sagte ihn, dass Malfoy die Situation offenbar immer noch im Griff hatte. Remus hatte keine Ahnung, wie der Slytherin das schaffte. Er konnte nur beten, dass keiner der Dementoren die schimmernde Barriere durchbrach. Ohne Stab waren Remus und die Kinder schutzlos.

Erst, als der Morgen dämmerte, erschien Malfoy wieder in der Tür. Er war bleich und unter seinen Augen lagen dunkle Schatten.

„Sie haben sich zurückgezogen. Tageslicht mögen sie nicht besonders. Für ein paar Stunden sollten wir sicher sein."

Er stürzte einen Becher Wasser herunter, dann ließ er sich an der Wand hinab auf den Boden gleiten. Er warf Remus den Zauberstab zu.

„Können Sie Wache halten, Lupin? Ich muss ein paar Stunden schlafen."

Malfoy zog sich die verlauste Decke über die Schultern, die am Fußende der Pritsche lag. Sein Umhang war noch über die Kinder gebreitet. Er schloss die Augen, und Sekunden später sagte Remus das regelmäßige, ruhige Heben und Senken von Malfoys Brust, dass der blonde Zauberer schlief.

Remus blieb allein mit dem beschämenden Gedanken, versagt zu haben. Ohne Malfoy wären sie jetzt alle stammelnde, seelenlose Wracks, mehr tot als lebendig. Niemals hätte er geglaubt, dass ein gestaltloser Patronus so mächtig sein könnte. Kein Wunder, dass Voldemort dem Slytherin als seine rechte Hand gewählt hatte.
Lucius Malfoys Gesicht war entspannt, aber die Strapazen der Nacht hatten sich in seine Züge gegraben. Dieser Patronusnebel schien ihn ernstlich Substanz gekostet zu haben. Remus hatte das unbestimmte Gefühl, dass Malfoy mehr als Stabmagie bemüht hatte, um der Bedrohung Herr zu werden.


Fortsetzung folgt


Katzentatzentanz und Co.: Die Lieder, die Malfoy hier mit den Shacklebolt-Kindern singt, gibt es auch für Muggel. Genauer gesagt, ein Muggel hat sie sich ausgedacht. Ihr findet sie auf der CD „Anne Kaffeekanne" von Frederik Vahle. Ganz sicher mit das Beste, das man mit kleinen Kindern singen und spielen kann.