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Kerkermond
Vielen Dank für die lieben Reviews an Jenn T., Glupit, und die liebe Elementargeist.
Malfoy zeigt ein weiteres Element seiner pädagogischen Skills und Remus beschäftigt sich effektiv mit seiner Vergangenheit. Und dann wollte ich schon immer mal etwas schreiben, in dem die Rollen völlig verdreht sind. Remus ist doch der Pazifist, und Malfoy der skrupellose – oder doch nicht?
7. Remus: Eine schreckliche Entdeckung
Remus hatte das Gefühl, eben erst eingeschlafen zu sein, als jemand ihn am Arm schüttelte.
„Remus!" flüsterte Dhakira nah an seinem Ohr und piekste ihn mit dem Finger in die Seite.
Er schlug die Augen auf und setzte sich. Draußen verschwand die Sonne in einem Wirbel aus Pink und seltsam kaltem Orange am Horizont.
„Kira, alles in Ordnung?"
„Ja", wisperte sie. „Lucius sagt, du musst kommen. Es wird dunkel." Sie wies zum vergitterten Fenster.
Remus streckte sich und kam etwas mühselig und steif auf die Füße. Merlin, er wurde nicht jünger. Im Nebenraum traf er Lucius und die kleineren Kinder dabei an, wie sie mit Fingerfarben die Wände bemalten. Während Remus sich noch fragte, woher Malfoy die Farben besorgt haben mochte, wurde sein Blick von den Motiven gefesselt, die die Kerkermauern zierten. Babu hatte eine dicke, gelbe Sonne gemalt, deren Strahlen bis an den Boden reichten. Johari zeichnete mit großer Sorgfalt ein vierbeiniges Tier, dass mit einiger Mühe als Einhorn zu erkennen war. Die dunkelhäutige Familie am linken Bildrand mussten die Shacklebolts sein und war vermutlich Dhakiras Werk. Doch auch Malfoy war nicht untätig geblieben. Zwischen einigen magischen Pflanzen versteckt hatte er jede erdenkliche Schutzrune untergebracht, die Remus kannte – und einige, die ihm bis dahin fremd waren.
„Wie findest du unser Bild, Remus?" fragte Dhakira nicht ohne Stolz.
„Ich bin ehrlich beeindruckt", sagte er. „Wo habt ihr die Farben her?"
„Ein bisschen Verwandlungskunst", erklärte Malfoy. „Mörtel- und Gipspulver lagerten im Keller. Merlin weiß, wozu das gedacht war."
„Was bewirkt das Bild, abgesehen davon, dass ihr Kinder sehr schön gemalt habt?" erkundigte sich Remus.
„Wenn es optimal funktioniert, sollten die Farben und die glücklichen Erinnerungen der Kinder zusammen mit den Runen die Dementoren außerhalb dieser Zelle halten. Zumindest jedoch hoffe ich, dass es ihr Eindringen hemmt."
„Ein gemalter Patronus?" staunte Remus.
„Ich denke nicht, dass er derart wirksam sein wird", meinte Malfoy mit leichtem Kopfschütteln. „Wir sind heute Nacht auf Ihren Wolf angewiesen, Lupin. Ich kann bedauerlicherweise nicht mehr als ein paar dünne Nebel zu unserem Schutz beisteuern."
Remus nickte und atmete tief durch. „Hoffentlich hält Ihr Kunstwerk, was es verspricht, Malfoy."
Der Slytherin lachte leise. „Es ist ein Prototyp."
„Darf ich Sie etwas fragen?" Remus wartete Malfoys Antwort gar nicht ab. „Wie steuern die Anhänger von Sie-wissen-schon-wem die Dementoren? Davon ausgehend, dass sie alle keine gestaltlichen Patroni beschwören können, sollte die Arbeit mit diesen Kreaturen doch ein ziemlich risikoreiches Unterfangen sein."
„Der dunkle Lord bedient sich hierzu einiger Leute, die nicht in seinen inneren Zirkel zählen. Zum Teil sind sie erpressbar, zum Teil wird ein ‚Imperius' verwendet. Außerdem beugen sich die Dementoren direkt seinem Willen."
Malfoy setze sich neben Babu und reinigte mit einem Schlenker des Stabes dessen Finger von der gelblichen Farbkruste, bevor der Junge sie ein weiteres Mal in den Mund stecken konnte.
„Du isst besser nichts von der Farbe. Ich will sehen, dass ich zum Abendessen noch etwas organisiere", versprach er dem Kleinen. „Und danach gibt es Zahnputzzauber, letzte Nacht habt ihr mich davon abgelenkt. Ich hoffe, ihr habt heute Morgen wenigstens daran gedacht?"
Im nächsten Augenblick jedoch hielten sie alle den Atem an. Von einem Wimpernschlag zum nächsten war es bitterkalt geworden im Raum. Malfoy drückte Remus den Zauberstab in die Hand. Die Kinder schrieen und weinten diesmal nicht, aber sie drängten sich ängstlich an Lucius, der ihnen leise Trostworte zumurmelte.
Knarrend und quälend langsam öffnete sich die Tür. Remus konzentrierte sich bereits auf eine glückliche Erinnerung, bevor er die Dementoren sah – er konnte sie jedoch schon wittern.
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Es ist der Morgen nach dem Vollmond, und Remus erwacht auf der Krankenstation.
„Wie geht es Ihnen, Mr. Lupin?" fragt eine noch junge Madam Pomfrey und beugt sich über ihn, um ihren Zauberstab mit einem Diagnosezauber über seinen Körper gleiten zu lassen. „Nun, ich denke, Sie können Besuch empfangen", sagt sie schließlich und steckt den Stab in ihre weiße Schürze.
Nur eine halbe Minute später stürmen sie herein: James, die Brille schief, Sirius, das Haar zerzaust vom Wind, und hintenan Peter, der wild seinen rotgoldenen Schal schwenkt.
„Wir haben es geschafft! Moony, wir haben es ihnen gezeigt! Der Quiddichpokal gehört Gryffindor, " quiekt Peter.
„Slytherin hat 190 zu 125 die Hosen voll gekriegt", lacht Sirius.
„Du konntest dir keinen blöderen Tag aussuchen, um krank zu sein, hm?", fragt James und grinst.
„Der Vollmond lässt sich so schlecht verschieben", sagt Remus. „Aber ich gratuliere euch!"
Und obwohl er das Spiel des Jahres verpasst hat, ist er glücklich. Seine drei Freunde wissen erst seit zwei Monaten, was er ist, und es scheint, als hielten sie unverbrüchlich zu ihm.
„Wir wollen dich abholen", sagt James.
„Ich weiß nicht, ob Madam Pomfrey mich schon gehen lässt", sagt Remus unsicher.
„Das haben wir bereits geregelt", lacht Sirius. „Sie wird die nächsten Stunden damit beschäftigt sein, Snivellus zu betreuen. Der Arme leidet an einem doppelten Schneckenkotzfluch – sie kommen vorne und hinten heraus!"
„Ist das nicht ein bisschen unfair?", fragt Remus. „Außerdem, wenn er euch verpetzt?"
„Ach, papperlapapp", sagt James. „Jetzt komm schon, Moony. Keine Fete ohne uns alle vier. Hopp, aus den Federn!"
Es wird eine rauschende Feier, die beste, an die Remus sich erinnern kann. Gryffindor hat den Quiddichpokal und Remus Lupin, der Werwolf, hat endlich richtige Freunde!
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„Expecto patronum!"
Der zottige Wolf schoss aus der Stabspitze hervor. Der Dementor, der bis eben auf der Türschwelle seltsam abwartend verharrt hatte, wich rasch zurück.
„Bleib an der Tür", dirigierte Remus seinen Patronus, und tatsächlich hielt der silbrig glänzende Wolf inne und bewachte die Tür.
Die Zeit schien still zu stehen, oder vielleicht flossen die Minuten auch nur träge wie Blei vorüber. Die Situation blieb unverändert. Dem Gestank nach mussten mehrere Dementoren auf dem Gang sein, aber es war immer nur eine der finsteren Kreaturen, die sich im Eingang zu dem Kerker blicken ließ.
„Können wir etwas singen?" fragte eine Kinderstimme.
Remus glaubte, dass es Johari war, doch er war zu fokussiert auf den Dementor. Diesmal fiel es ihm leichter, die Konzentration aufrecht zu halten. Auch hatte er es stets nur mit einem einzigen der Seelensauger zu tun.
Er registrierte, dass Lucius sich um die Kinder kümmerte, mit ihnen sang, ihnen eine Geschichte über einen – Remus konnte es kaum glauben – Phönix erzählte, und sie schließlich, den Dementoren vor der Tür zum Trotz, irgendwann einschliefen.
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Remus erinnert sich an vieles aus seiner Schulzeit: Quiddich- und Hauspokalfeiern, einen fulminanten Halloweenball an der Seite von Rolanda Hooch, die nicht nur Besen trefflich zu reiten weiß, einen wirklich gelungenen Auftritt in der Prüfung für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, und immer wieder an Abende vor dem Vollmond, in denen seine Freunde, anfangs so lange, bis Pomfrey ihn abholt, später als Animagi die ganze Nacht über, an seiner Seite sind. Die Freundschaft zu Sirius, James und Peter, später auch zu Lily, ist ein glitzernder roter Faden, der sich zuverlässig durch die Jahre in Hogwarts zieht. Zuverlässig, und stark genug, ihn glücklich zu machen.
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„Expecto patronum!" Immer wieder.
„Sie können aufhören. Sie sind alle weg."
Malfoys Stimme dicht hinter ihm.
Wie in Trance ließ Remus den Zauberstab sinken. Seine Knöchel waren weiß vor Anstrengung, so sehr hatte er sie um das Veelavlies und den dünnen Holzstab gekrallt.
„Es ist noch dunkel", stellte Remus erstaunt fest.
„Sie scheinen aufgegeben zu haben", erwiderte Malfoy ruhig. „Sie wissen, dass es keinen Sinn hat, sich heute Nacht um etwas zu bemühen, das sie morgen sehr einfach bekommen werden."
„Was? Wovon sprechen Sie?" Remus war irritiert. „Es wird morgen nicht einfacher für sie sein als heute. Es war kein Problem, sie in Schach zu halten."
Remus warf einen Blick zur Pritsche, auf der die Kinder friedlich schliefen. Sie schienen nicht einmal schlecht zu träumen. Malfoy indes sah aus, als stehe er unter enormem Druck und habe tagelang nicht wirklich geschlafen – was vermutlich auch zutraf.
„Ihr Runenbild sollten Sie zum Patent anmelden, Malfoy. Die Dementoren draußen zu halten war nicht schwerer, als eines Irrwichts Herr zu werden", lobte Remus.
Als er die Miene des anderen sah, der jetzt ans Fenster trat, begann Remus allerdings, sich Sorgen zu machen.
„Malfoy, was ist los?"
„Ich schlage vor, Sie werfen einmal einen Blick zum Himmel", presste der Slytherin mit gedämpfter Stimme hervor.
Remus trat nun ebenfalls ans Fenster. Was er dort sah, verschlug ihm allerdings den Atem. Der Mond stand noch hoch am Himmel, zunehmend und beinahe voll. Es fehlten nur noch ein paar Stunden, und er würde sich in ganzer Pracht präsentieren. Jetzt verstand Remus Malfoys Sorge.
„Oh Merlin. Aber ich hätte ihn doch spüren müssen."
Hastig rechnete Remus zurück. Tatsächlich, er war beinahe drei Wochen hier, und man hatte ihn etwa eine Woche nach dem letzten Vollmond gefangen genommen.
„Die Apparitionssperre des Dunklen Lords hält auch Strahlungen ab, in jede Richtung, sowohl ins das Gefängnis hinein als auch heraus", erläuterte Malfoy. „Ich befürchte allerdings, gegen die Macht eines ausgewachsenen Vollmondes wird sie nicht ausreichen. Zumindest haben Greyback und seine Spießgesellen sich hier stets verwandelt, auch wenn sie im Vorfeld nicht über die üblichen Symptome geklagt haben."
Das erklärte, warum Remus nichts gespürt hatte. Aber bei allen Göttern, er hätte den Zyklus im Kopf haben müssen!
„Wir haben ein Riesenproblem", sagte Remus leise.
„Genau genommen sind es zwei", präzisierte Malfoy. „Wir haben einen Zauberer, der keinen gestaltlichen Patronus zuwege bringt, und einen, der zusätzlich zu den Dementoren versuchen wird, uns alle aufzufressen."
„Ich fresse keine Menschen", widersprach Remus.
„Ich korrigiere mich", sagte Malfoy trocken. „Wir werden nicht gefressen, nur zerrissen. Ein enormer Fortschritt."
„Sie müssen selbst mit den Dementoren fertig werden, Malfoy. Ich weiß, dass Sie es können. Sie haben ein ganzes Duzend von denen zur Tür hinaus gejagt!"
„Ich sagte Ihnen bereits, dass ich hierfür Kräfte mobilisieren musste, die mir nicht dauerhaft zur Verfügung stehen. Ich kann diese Reserven nur unter einer Wüstensonne wieder aufladen", sagte Malfoy scharf.
„Wenn das hier vorbei ist, bekommen Sie so viel Wüstensonne, wie Sie wollen", erwiderte Remus tonlos.
„Sie haben nicht zugehört, Lupin", fauchte Malfoy leise. „Mehr als einen ganz normalen gestaltlosen Patronus werde ich heute Abend nicht zuwege bringen, Veelablut hin oder her. Meine Möglichkeiten sind erschöpft."
Unruhig lief Malfoy zu Tür und kehrte ans Fenster zurück. „Und selbst wenn ich einen Weg finde, uns die Dementoren irgendwie vom Hals zu halten - ich werde kaum einen ausgewachsenen Werwolf ausschalten können."
Remus verließ wortlos die Zelle und inspizierte die Türen und Schlösser der verfügbaren Kerker. Doch er wusste bereits, was er finden würde: Keines der Verliese würde ihn halten, wenn er erst einmal verwandelt war und Beute roch.
Als er in die Zelle der Kinder zurückkehrte, stand Lucius Malfoy immer noch regungslos am Fenster.
„Die Türen bieten keinen Schutz. Ich habe es mir gestern Abend bereits angesehen", sagte er.
„Sie haben mir nichts gesagt?", fragte Remus entgeistert. „Sie wussten es schon gestern und haben geschwiegen?"
„Ihre Aufgabe letzte Nacht war es an etwas Glückliches zu denken", zischte Malfoy. „Wie sinnvoll wäre es wohl gewesen, Ihnen zu eröffnen, dass sie einen Tag später Shacklebolts Kinder umbringen werden?", setzte er leiser hinzu.
Sie standen sich jetzt direkt gegenüber. Malfoys Augen funkelten feindselig, und doch hatte Remus das unbestimmte Gefühl, dass es vor allem die Ausweglosigkeit der Situation war, die dem blonden Zauberer zusetzte.
„Sie werden mich vor der Verwandlung töten müssen", sagte Remus. Er wunderte sich, wie selbstverständlich und ruhig diese Worte über seine Lippen kamen. Es war ganz offensichtlich, für die Kinder gab es keine andere Chance.
„Oh nein", entgegnete Malfoy entschieden. „Sie werden sich nicht derart einfach aus der Affäre stehlen, Lupin. „Wenn ich Sie töte, wird mein Patronus überhaupt nichts mehr wert sein."
„Es ist keine Frage eines falsch verstandenen Pazifismus, Malfoy", sagte Remus. „Die negativen arithmantischen Vorzeichen ergeben sich durch die Motivation des Tötens, nicht durch den Vorgang selbst. Wenn Sie mich töten, um die Kinder zu retten…"
„Verdammt, Lupin, ich bin ein Todesser! Unter keinen Umständen kann ich einer Übermacht von einem Duzend Dementoren eine ganze Nacht lang standhalten! In diesem Fall wäre es gnädiger, die Kinder mit einem AK vorher vor diesem Leiden zu bewahren und sich selbst am Gitter zu erhängen."
Malfoy hatte während dieser Worte seinen Unterarm entblößt, auf dem das Dunkle Mal wie ein hässliches Geschwür prangte. Zuckend ringelte sich die Schlange aus dem Maul des Totenschädels hervor.
„Das Ding scheint zu leben", entfuhr es Remus.
„Oh ja, das verdammte Ding hat in der Tat ein Eigenleben", zischte Malfoy.
„Gut!" sagte Remus und fixierte Malfoys eisengrauen Blick. „Wenn es lebt, dann werden wir es töten. Vielleicht schießt das die arkanen Bahnen für einen vernünftigen Patronuszauber frei."
Remus hatte den Satz kaum ausgesprochen, als ihm die ungeheuerliche Logik dieser Theorie geradezu ins Auge sprang.
Malfoy ging es offenbar genauso.
„Wie in aller Welt wollen Sie das bewerkstelligen?" fragte er verblüfft. „Man kann es nicht entfernen. Außerdem würde der Dunkle Lord jede Manipulation spüren. Sie würden ihn geradezu herbei rufen."
„Das Risiko gehe ich ein. Schlimmer kann es kaum werden", entschied Remus. „Was denken Sie, Malfoy: Hilft ein ‚Vipera evanesca'?"
Malfoy schwieg einen Moment, dann schüttelte er den Kopf. „Kaum", seufzte er. „Selbst wenn man auf diese Art und Weise die Schlange entfernen könnte, bliebe der Totenkopf."
Remus dachte einen Moment nach. Womit tötete man Schlangen und vernichtete Knochen?
„Feuer", sagte er leise.
„Oh nein", sagte Malfoy.
„Oh doch", beharrte Remus. Er streckte Malfoy seine Handfläche hin, in deren Zentrum sich eine Narbe über der Stelle erstreckte, an der er zwei Tage zuvor die Flamme beschworen hatte, um das Silber für den Zauberstab zu schmelzen.
„Sie werden wohl zu etwas in der Lage sein, das ein lausiger Werwolf auch vermochte?" provozierte er den Slytherin.
Malfoy holte tief Atem. „Also gut, auf dem Gang, solange die Kinder schlafen. Versuchen wir's."
Sie verließen die Zelle. Malfoy lehnte sich gegen die Wand und schlug den Ärmel seiner Robe zurück.
„Am besten umfassen Sie das Gitter hier", schlug Remus vor. Der Slytherin nickte wortlos und umschloss mit der Faust einen der schweren Eisenstäbe.
„Was geschieht, wenn Ihr ehemaliger Herr und Meister uns einen Besuch abstattet?" fragte Remus.
„Daran möchte ich lieber nicht denken", erwiderte Malfoy.
„Bereit?" fragte Remus.
Der andere nickte. „Schnell und so heiß wie möglich", sagte er.
Remus konzentrierte sich. Mit dem Zauberstab würde es schnell gehen. Wie tief konnte das Dunkle Mal in die Haut hinein reichen? Einen halben Zentimeter? Einen ganzen? Oder war es doch nur ein Zeichen, ein Symbol für eine Bindung, die viel tiefer lag?
„Inflammare infernis!"
Der Stab fauchte auf, und eine weiße Stichflamme schoss aus der Spitze. Malfoy keuchte, als das Feuer zischend seine Haut versengte. Remus packte das Handgelenk des anderen und hielt es mit eisernem Griff. Der Gestank verbrannten Fleisches stach ihm in die Nase. Malfoy stöhnte vor Schmerz und seine Finger krallten sich um den Gitterstab, so dass die Knöchel bleich hervor traten.
„Grillt ihr was?" fragte plötzlich eine zarte Stimme von der Kerkertür aus. „Was macht ihr da?"
Neugierig kam Dhakira näher. „Aber…du verbrennst Lucius ja!"" rief sie entsetzt.
„Es ist in Ordnung", presste Malfoy zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Finite incantatem", sagte Remus.
Malfoy sank gegen das Gitter. Er hatte die Augen geschlossen und konnte doch die Tränen nicht ganz zurückhalten. Remus hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, welche Schmerzen er litt.
Dhakira strich Lucius tröstend über das Haar.
„Ihr habt deinen Totenkopf verbrannt. Wolltest du den nicht mehr, weil Du-weißt-schon-wer deine Frau getötet hat?"
„So ungefähr", flüsterte Malfoy.
„Kira?" Joharis Stimme drang ängstlich aus der Zelle. „Remus?"
„Geh mal und beruhige deine kleine Schwester. Ich kümmere mich um Lucius", forderte Remus das Mädchen auf.
Als sie gegangen war, sagte er: „Es tut mir sehr Leid, Malfoy. Ich meine, das mit Ihrer Frau."
Malfoy nickte nur stumm. Plötzlich zog er die Knie an, schlang er die Arme darum und verbarg sein Gesicht.
Für einen Moment nur war Remus versucht, ihm tröstend eine Hand auf die Schulter zu legen, doch er zog die ausgestreckten Finger sofort zurück.
Sie waren keine Freunde und würden es nie sein, und ganz sicher wollte Malfoy nicht den Zuspruch eines Geschöpfes, das er verachtete.
Diskret zog Remus sich zurück, behielt dabei jedoch den Gang im Blick. Wenn die Kinder überleben sollten, musste er darauf achten, dass sich kein Dementor über den Slytherin hermachte, der in diesem Zustand und ohne Stab eine leichte Beute war.
Remus lehnte sich gegen die Kerkertür, lächelte den Kindern zu, die sich gegenseitig kitzelten und herum balgten, ohne jedoch seine Aufmerksamkeit von Malfoy abzuwenden. Sie hatten zwei Nächte überstanden, er musste einfach einen Weg finden, auch die dritte zu überleben.
Fortsetzung folgt
