Kerkermond Evolution
Kerkermond Evolution
ooo Trashig-slashig komische Fanfiction mit romantische Anwandlungen ooo
Danke an Euch fürs Reviewen: Grinsekatz und Elementargeist
Wie immer betagelesen von Slytherene :-)
So, jetzt wird es langsam spannend. Der Vollmond dräut, und es ist klar Remus' Aufgabe, sich etwas einfallen zu lassen. Tatsächlich brütet unser aller Lieblingswolf auch etwas aus, doch die vermeintliche Lösung ist nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Die Frage ist: Wird Lucius Malfoy sich auf ein derartig gefährliches Spiel einlassen? (Und das, ganz ohne seinen Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen zu können?)
8. Ein letzter Ausweg
Sobald Malfoy seine Contenance wieder gefunden hatte, versorgte Remus die hässliche Brandwunde an seinem Arm mit einem Heilzauber. Allen Bemühungen zum Trotz jedoch blieb eine offene Wundfläche, die sich jeder Heilmagie widersetzte.
Schließlich blieb ihnen nichts anderes übrig, als aus einem Stück von Malfoys Robe einen sauberen Verband zu hexen und das Handgelenk damit zu versorgen.
„Es hat wohl wenig Sinn, jetzt den Erfolg dieser Maßnahme zu überprüfen", sagte Lucius eisig, und Remus entging der bittere Unterton in seiner Stimme nicht.
„Geben Sie sich ein paar Stunden Zeit", erwiderte Remus ruhig.
Falls nötig würde er dem Slytherin einen kleinen Stimmungsaufhellzauber in den Rücken jagen. Trauerarbeit war sicher notwendig, offenbar hatte selbst ein Todesser wie Malfoy ernsthafte Gefühle für seine Frau gehegt, doch jetzt war der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um zu trauern.
‚Es ist auch ein beschissener Zeitpunkt für den Vollmond', setzte Remus in Gedanken hinzu.
Lucius Malfoy, der bald sein kühles, reserviertes Selbst Remus gegenüber wieder fand, versorgte die Kinder zum Frühstück mit Nudeln, unterhielt sie mit kleinen Verwandlungstricks und faszinierte sie schließlich mit der Geschichte von Herkules, dem griechischen Helden.
Indes zermarterte Remus Lupin sich über Stunden den Kopf, wie er der drohenden Verwandlung in der bevor stehenden Vollmondnacht entgehen könnte. Doch so sehr er auch nach einer Lösung suchte – unter den gegeben Umständen war an Wolfsbann ebenso wenig zu denken wie an eine Flucht.
Er hatte nach dem Frühstück mit Malfoy und den Kindern nach einem Ausweg aus Voldemorts Kerker gesucht, doch auf der westlichen Seite des Ganges, der ihren Zellentrakt vom Rest des Gebäudes trennte, waren sie auf ein Gitter mit zentimeterdicken Stahlstreben gestoßen, dass derart mit Zaubern und magischen Siegeln belegt war, dass selbst eine Berührung nicht möglich war. Beim Versuch begann ihr improvisierter Zauberstab zu qualmen, und nach einer kurzen Diskussion brachen sie die Aktion ab. Sie mussten sich gegen die Dementoren verteidigen können, und der Stab war hierzu unerlässlich.
Auf der östlichen Seite waren sie auf einen blinden Gang gestoßen, der in einem zugemauerten Erker endete. Remus' Versuch, die Mauern mit einem „Destructo" zu zerstören, hinterließ lediglich einen schwachen Abrieb von Mörtel und einen gewaltigen Staubwirbel, der sie alle hustend, niesend und grau bepudert zurückließ.
„Ich habe Ihnen ja gesagt, dass ein spezieller Stabilisierungsbann auf den Mauern liegt. Der Dunkle Lord hat lange an dieser Festung gefeilt. Zu glauben, man könne sich mit einem Explosionszauber befreien, ist naiv."
Malfoy schüttelte sich genervt den Staub aus den Haaren.
„Aber wenigstens haben wir es versucht", hatte Remus resigniert geantwortet.
xoxoxoxoxoxoxoxoxo
Jetzt hockte er hier und versuchte verzweifelt irgendetwas zu ersinnen, das sie doch noch aus der verfahrenen Situation befreien konnte. Sie brauchten ein Wunder, und er bezweifelte seit jeher die Effizienz von Gebeten. Götter hatten zu keinen Zeiten dazu geneigt, einen wie ihn zu erhören.
Im Nebenraum nahm die ‚Unterrichtsstunde' in griechischer Mythologie ihren Fortgang.
„Was haben die Menschen denn ihren Göttern damals geopfert?" fragte Dhakira neugierig.
„Das kam darauf an, welchen Gott sie gnädig stimmen wollten", erklärte Malfoy. „Demeter zum Beispiel war die Göttin der Fruchtbarkeit, die Menschen glaubten, sie ließe im Frühling das Korn wachsen. Also brachte sie ihr Ähren und Blumen. Mars hingegen war ein Kriegsgott. Die Rituale, die ihm zu Ehren abgehalten wurden, waren eher mit Kämpfen verbunden."
Plötzlich Remus achtete nicht mehr darauf, was der Slytherin den Kindern noch erzählte. Der letzte Satz hatte ihn an etwas erinnert: Sorgfältig, mühsam und unter Qualen bewusst verdrängtes Wissen, von dem Remus lange geglaubt hatte, es niemals in irgendeiner Weise zu gebrauchen. Doch jetzt...
‚Ritual' war das Stichwort gewesen. Remus hatte sich nie viel mit Mystik beschäftigt, auch nicht mit den Kulten, denen manche Werwölfe anhingen, und die oft germanischer Abstammung und zumeist mit literweisem Vergießen von Blut verbunden waren. Doch jetzt erinnerte er sich plötzlich an ein Buch über Lykantrophie, dass er als junger Student einmal in einer Bibliothek in Schottland entdeckt hatte.
Dort war ein Ritual beschrieben, dass beinahe unblutig war und den Zweck verfolgte, Familien mit einem Werwolf vor ihren eigenen Partnern, Eltern oder Geschwistern in der Vollmondnacht zu schützen.
Das Ritual, das aus der Zeit vor der Erfindung des Wolfbanntranks stammte, beruhte auf der freiwilligen Verschmelzung der Seele des Werwolf mit einem – möglichst dem arkan stärksten – Mitglied der Familie. Diese Person sollte dadurch in die Lage versetzt werden, die anderen durch seine mentale Verbindung mit dem Werwolf zu schützen.
Der Zauber galt als zuverlässig, erlangte jedoch außerhalb der abgeschiedenen Höfe Schottlands nie eine größere Bedeutung, da der Werwolf nach wie vor für jeden Fremden eine lebensbedrohliche Gefahr blieb und weiterhin seinem Jagdtrieb nachgab.
Remus erinnerte sich nur zu gut sich an die Einzelheiten des Rituals. Er sah die vergilbten Seiten des alten Zauberbuchs vor seinem geistigen Auge. Wie sehr hatte ihn das Wissen um die Möglichkeit damals in den Bann geschlagen, wie bitter war es gewesen, sich über die Jahre von der Idee zu verabschieden, dass er eine Frau finden würde, die ihn trotz des Fluchs, der auf ihm lastete, liebte – und der er so sehr vertrauen konnte, dass er einen Teil seiner Seele in ihre Obhut geben würde.
Unter gar keinen Umständen wäre er jemals auf den Gedanken gekommen, dass er sich mit diesem Ritual im Zusammenhang mit einem Feind erneut beschäftigen müsste.
Vermutlich war es völlig überflüssig, Malfoy einen derartigen Vorschlag zu unterbreiten. Remus war sich nicht einmal selbst sicher, ob er diesen Zauber vollziehen konnte, selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass Malfoy zustimmte.
Und dann…ausgerechnet Malfoy! Ein schwarzer Magier, der kaum etwas – von Hauselfen vielleicht einmal abgesehen – so verachtete wie Werwölfe. Darüber, dass er ein Mann und keine Frau war, wollte Remus lieber erst gar nicht nachdenken.
Verzweifelt drehte und wendete er alle Möglichkeiten in Gedanken hin und her. Ob er ein derartig intimes Ritual überhaupt würde durchführen können, hier, mit den Kindern in der Nähe…oh Merlin.
Und doch…betrachtete man das mögliche Resultat, so war es die eine Möglichkeit die Kinder zu retten. Wenn Remus in seiner Wolfsgestalt Malfoy als Seelenverwandten akzeptieren konnte, und falls Malfoy seinerseits in der Lage wäre, nur für eine einzige weitere Nacht die Dementoren in Schach zu halten – gab es eine Chance. Morgen Nacht würde Remus hoffentlich in der Lage sein, die Kinder wieder zu schützen.
Sie hatten längst die Hoffnung aufgegeben, sich aus eigener Kraft zu befreien. Es blieb nur, durchzuhalten, zu überleben und auf den Orden zu hoffen.
Und falls die Todesser zurückkehrten? Würden die Dementoren Voldemort nicht Bericht erstatten, dass ihre Opfer sich immer noch wehrten?
Erschöpft und resigniert lehnte Remus den schmerzenden Kopf gegen die kühle Wand. Wie sehr er sich wünschte, sich die vermutlich höhnische Antwort Malfoys ersparen zu können! Wenn er schwieg, würde dieser ihn vermutlich allen Bedenken zum Trotz bei Einbruch der Nacht töten. Die Option erschien ihm beinahe annehmbarer als die Alternative einer Seelenverbindung mit dem Slytherin. Doch ersteres bedeutete den Tod der Kinder. Malfoy mochte die Dementoren einmal aufhalten, aber Remus glaubte ihm, dass er am Ende seiner Kraft war. Unwahrscheinlich, dass einer wie Malfoy freiwillig eine derartige Schwäche zugab. Sie brauchten einen Zauberer, der einen gestaltlichen Patronus beschwören konnte. Und selbst falls die Verbrennung des ‚Dunklen Mals' Malfoy diese Option eröffnete – der blonde Zauberer war in einem derart labilen psychischen Zustand, dass er kaum einen Patronus würde hervorbringen können, der diesen Namen auch verdiente – nicht einmal einen ohne Gestalt.
„Lupin."
Remus blickte auf.
Malfoy lehnte in der Tür, blass und mit dunklen Schatten unter den Augen.
„Es ist Mittag. Die Kinder schlafen." Er trat näher, dann nahm er einen Apfel aus der Tasche seiner Robe und warf ihn Remus zu. „Es ist der letzte", sagte er.
„Wir müssen reden", entgegnete Remus und biss ein Stück der etwas mehligen, süßlichen Frucht ab.
Malfoy ließ sich in einiger Entfernung von ihm zu Boden sinken und lehnte sich müde gegen die kahle Mauer.
„Werden die Dementoren Sie-wissen-schon-wem nicht mittlerweile Mitteilung gemacht haben, dass sie ihren Auftrag noch nicht erfüllt haben?" begann Remus.
„Kaum", erwiderte Malfoy. „Der Dunkle Lord neigt dazu, Fehler unerbittlich zu bestrafen. Dementoren sind austauschbare Geschöpfe mit einem hohen Selbsterhaltungstrieb. Und sie sind intelligent genug, einen Mondkalender zu lesen."
Remus seufzte. Sie waren bereits am Kern des Problems angekommen.
„Unter Umständen", sagte Malfoy, „kann ich die Dementoren für ein paar Stunden aufhalten. Falls der Morgen früh genug kommt."
„Wäre halb vier früh genug?", erwiderte Remus, „Ich kann Sie ablösen, wenn der Mond untergeht."
Erstaunt sah Malfoy ihn an. „Wo gedenken Sie die Zeit bis dahin zu verbringen? Ich spreche von den Stunden, in denen Sie jedem von uns ohne Zögern die Kehle heraus reißen werden."
„Genau hier", erwiderte Remus.
Malfoy hob fragend eine Augenbraue, eine Geste, die Remus nur zu sehr an Snape erinnerte.
„Es wird keine verletzten Kehlen geben, solange Sie mir nachdrücklich verbieten, zu töten." Remus versuchte, irgendwie Sicherheit in seine Stimme zu legen.
„Ich nehme an, mit einem schlichten ‚pfui! aus, du böser Werwolf!' ist es nicht getan?" erkundigte sich Malfoy spöttisch.
Remus schüttelte den Kopf.
„Es gibt einen sehr alten Wolfsbannzauber", begann er. „Man verwandte ihn früher, um in einsamen Gegenden eine Familie zu schützen, wenn ein Elternteil lykantroph war."
Da Malfoy weder etwas sagte noch sein Gesichtsausdruck eine Regung verriet, sprach Remus weiter.
„Grundlage des Zaubers ist ein Ritual, das den verwandelten Werwolf seinem menschlichen Partner arkan unterordnet. Da Wölfe eine Rangordnung stets akzeptieren, entscheidet der Gefährte über die Handlungen des Wolfes, wobei dieser jedoch versucht, sich der Kontrolle durch Fluch zu entziehen. Aber der Werwolf wird weder seinen arkanen Gefährten noch diejenigen angreifen, die unter dessen direktem Schutz stehen."
„Haben wir alle Gegenstände, derer wir für dieses Ritual bedürfen?" fragte Malfoy.
„Ja. Allerdings beinhaltet die… die Durchführung einige schmerzhafte Prozeduren", warnte Remus.
„Die werden kaum mit dem mithalten, was Sie mir heute bereits zugemutet haben, Lupin", sagte Malfoy mit süffisantem Lächeln und einem vielsagenden Blick auf seinen verbrannten Unterarm.
„Da unterliegen Sie allerdings einem Irrtum", entgegnete Remus. „Der Lykantroph muss die andere Person beißen, und zwar am Tage des Vollmonds, vor dem Mondaufgang."
„Das ist nicht ihr Ernst", rief Malfoy konsterniert. „Ich lasse mich doch nicht von einem...einem…von Ihnen beißen! Wissen Sie, wie ansteckend Werwolfsspeichel ist?"
„Natürlich weiß ich das!" knurrte Remus. „Zufällig beschäftige ich mich mein ganzes Leben schon mit dieser Krankheit! Seien Sie versichert, die Infektiosität ist an die Zeit zwischen Mondauf- und –untergang gebunden."
Malfoy schüttelte den Kopf. „Wer das glaubt… Nur mal theoretisch: Gibt es weitere Auswirkungen dieses Fluchs, abgesehen von der arkanen Verbindung?"
„Magie dieser Art ist nicht immer berechenbar. Es ist lange her, dass ich über diesen Zauber gelesen habe. Er schafft eine stabile emotionale Bindung zwischen Lykantroph und Zauberer", erklärte Remus.
„Fantastisch, davon habe ich schon immer geträumt. Blutsbrüderschaft mit einem Werwolf", meinte Malfoy sarkastisch.
„Blutsbrüderschaft", sagte Remus kühl, „beschreibt die Natur dieser Verbindung nur unzureichend. Es handelt sich um ein Ritual, das für Lebensgemeinschaften entwickelt wurde. Früher hat man damit Verbindungen zwischen Lykantrophen und ihren Ehepartnern besiegelt."
Malfoy starrte Remus an, und sein Gesichtsausdruck ließ den Gryffindor erahnen, dass der andere ernsthaft an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifelte.
„Die emotionalen Folgen sind insbesondere für den lykantrophen Partner sehr weitreichend", fuhr Remus schnell fort. Bei Merlin, er wollte es hinter sich bringen.
„Um es gleich zu sagen, das Ritual erfordert neben dem Biss auch ein gewisses Maß an…sexuellen Handlungen."
Remus fixierte Malfoy. Der Slytherin sah aus, als hätte er einen Schlag in den Magen bekommen. Dann sprang er plötzlich auf die Füße.
„Nichts auf der Welt wird mich dazu bringen, einem derartig perversen Ansinnen zuzustimmen, Lupin", zischte er, das Gesicht weiß vor Wut.
„Großartig!" schrie Remus ihn an, sprang ebenfalls auf und drückte ihm den Zauberstab in die Hand. „Dann bringen wir es am besten hier und jetzt hinter uns. Töten Sie mich! Na los, machen Sie schon, dann habe ich es hinter mir und muss wenigstens nicht damit leben, die Kinder auf dem Gewissen zu haben."
Malfoy rührte sich nicht.
„Die Formel ist ganz einfach", schrie Remus hitzig. „Sie lautet ‚Avada kedavra', und das wird Ihnen ja vermutlich nicht das erste Mal über die Lippen kommen!"
„Was macht ihr da?" unterbrach sie eine zarte Kinderstimme weinerlich von der Tür. „Warum streitet ihr denn?"
Johari stand dort, Lucius' Umhang wie eine Schleppe hinter sich herziehend, mit Tränen in den Augen wie eine ziemlich traurige…
„Prinzessin, komm her."
Lucius war in die Hocke gegangen und hatte die Arme ausgebreitet. Das kleine Mädchen lief auf ihn zu und schmiegte sich in seine Umarmung. Tröstend streichelte er ihr über die Haare.
„Ist gut, kleine Lady. Shhht. Alles wird gut."
Seine Stimme klang nun ebenso sanft, wie sie zuvor vor unterdrückter Wut gezittert hatte. Über Joharis Schulter hinweg traf sein grauer Blick den bersteinfarbenen des Gryffindors.
„Ist die Bindung reversibel?" fragte Malfoy.
Remus schüttelte den Kopf. „Nicht, solange beide Zauberer leben", sagte er leise.
Malfoy entblößte die Zähne in einer Grimasse eines Grinsens. „Dann befreit mich ein AK?"
„Zusammen mit einem ‚Obliviatus' sogar von jeder Erinnerung", sagte Remus kühl.
Lucius verschwand mit Johari auf dem Arm im Nebenraum. Remus bemerkte erst jetzt, dass seine Hände zitterten.
Fortsetzung folgt
Spannend, hm? Lasst mir ein paar Reviews da, dann gibt es zeitig ein Update. ;-)
