Kerkermond Evolution 11

Kerkermond Evolution

Trashig-slashige Fanfiction mit außergewöhnlichem Pairing und ungewissem Ausgang


Hi, Ihr Lieben, auch wenn es schon einmal ‚on' war, hier das Update zum Wochenende.

Danke für die Reviews und Mails:
Elementargeist, Lucy, Glupit und Grinsekatz

Betagelesen von Slytherene ;-)


11. Remus: Der Morgen danach

Remus erwachte mit den üblichen schweren Kopfschmerzen, die eine Vollmondnacht nach sich zog. Trübes Licht flutete in den Raum, und ein kühler Windstoß fegte durchs Fenster. Unwillkürlich zog er die Decke ein Stück höher und schmiegte sich an den warmen Körper an seiner Seite – und erstarrte. Neben ihm lag Lucius Malfoy. Wirre blonde Haare fielen ihm ins Gesicht, auf seiner Wange zeichnete sich die Spur eines Faustschlags in dunkel violetter Schattierung deutlich von der hellen Haut ab, und seine Kleidung war ziemlich unvollständig.
Unvollständig? Remus sah an sich selbst hinab. Er war nackt. Oh Merlin! Die Erinnerungen an den Vorabend fielen albtraumhaften Wesen gleich über ihn her. Das Ritual, der Rotwein, ihr Spiel – und dann: Schwärze. Remus erinnerte sich nicht, was danach geschehen war.

Doch der Slytherin neben ihm schlief tief und fest, und die Kinder…

Remus fuhr auf. Alle drei lagen eng aneinander geschmiegt wie junge Kätzchen unter Malfoys nerzbesetztem Umhang, und nur ihr ruhiger Atem und die rosigen Wangen verrieten, dass es ihnen gut ging.

Irgendwie, irgendwie hatten sie alle diese Nacht heil überstanden. Remus erinnerte sich an die Erzählung von Dornröschen und den Traumzauber, den Malfoy gewirkt hatte. Vorsichtig rückte er von dem Schlafenden ab und suchte nach dem Zauberstab und dem Vlies aus Veelahaaren. Beides war schnell gefunden. Doch bevor Remus den Fluch aufheben konnte, der die Kinder träumen und schlafen ließ, blieb sein Blick noch einmal an Malfoy hängen.

In seinem Inneren zog sich etwas zusammen und ein warmes Gefühl überflutete ihn. Das Verlangen, den blonden Zauberer zu berühren, wurde übergroß. Sachte ließ er sich wieder auf das Lager sinken und lehnte die Wange gegen die Schulter des anderen. Besser, viel besser.

Remus stellte erschrocken fest, wie sehr er sich danach sehnte, dass Lucius aufwachte, nur um seine Augen sehen zu können. Gleichzeitig fürchtete er diesen Moment. Ihm war bewusst, dass seine plötzlichen Gefühle ein Resultat des Rituals waren, doch sie waren deshalb nicht weniger real.
Der Mensch in seiner solchen Bindung war oft viel weniger betroffen von den emotionalen Veränderungen als der Werwolf. Was würde geschehen, wenn Lucius erwachte? Würde er vor ihm zurückweichen, voller Abscheu, so wie er es am Vortage getan hatte?

Remus bekam es plötzlich mit einer dumpfen Angst zu tun, sein Herz schlug schnell und Schweiß brach ihm aus.

Er schlang die Arme um Lucius, fassungslos angesichts der Intensität seiner Empfindungen. Sie waren nicht angemessen, nicht erwünscht, nicht natürlich, aber er konnte sich nicht wehren. Was in aller Welt sollte er tun, wenn er für Lucius weiterhin nur ein Tier, nur Bestandteil einer aus Not geborenen Gemeinschaft war?

Remus wusste, es würde ihn umbringen. Nicht sofort, aber langsam, schleichend, wie ein besonders heimtückisches Gift.

Ein Zittern lief durch den Körper des anderen, seine Lider begannen zu flattern und er regte sich unruhig. Doch er erwachte nicht.

Remus sah ihn an, prägte sich jede Einzelheit in dem markant-schönen Gesicht sorgsam ein. Er ließ den Blick schweifen. Der Ärmel von Lucius' Robe war zurück geschlagen. Erstaunt stellte der Gryffindor fest, dass dort, wo vor Stunden noch eine offene Wunde die Stelle angezeigt hatte, an welcher das Dunkle Mal gewesen war, feine rosa Haut den Unterarm bedeckte. Remus konnte sich keinen Reim darauf machen, doch natürlich musste es eine Erklärung geben. All ihre Heilzauber hatten am Tage zuvor kläglich versagt.

Vorsichtig berührte er die Narbe.

Lucius gab ein schnaubendes Geräusch von sich und drehte sich zu ihm. Sein Arm fiel über Remus' Mitte und blieb dort liegen, schwer und warm. Er vergrub das Gesicht in Remus' Halsbeuge und schlief weiter.

Remus wusste nicht, wohin mit seinen Händen und seinen Lippen, alles in ihm schrie danach, Lucius zu berühren. Schließlich vergrub er seine Hände in den wirren, blonden Strähnen und küsste behutsam seine Lippen.

In seinem Bauch explodierten Farben und Wärme, und sein Unterleib signalisierte klar sein Begehren. Für einen Moment war er versucht, sich selbst Erleichterung zu verschaffen, doch seine Gedanken wurden schlagartig in andere Bahnen gelenkt, als plötzlich jemand seinen Namen rief.

„Remus! Remus Lupin! Wo bist du, verdammt?"

Er erkannte diese Stimme. Merlin, er kannte sie!

Hastig packte er Lucius bei den Schultern und schüttelte ihn sanft.

„Lucius! Lucius, wach auf. Der Orden ist hier!"

Malfoy öffnete mühsam die Augen. Für einen Augenblick schien er desorientiert, doch dann fixierten sich seine grauen Augen auf Remus' Gesicht.

„Du bist hier. Gut. Bist du in Ordnung?"

„Ja. Ja, es geht mir gut."

Oh Merlin und heilige Circe! Lucius' erste Frage galt wirklich und tatsächlich ihm.

„Remus! Remus Lupin!", rief es von draußen. „Melde dich! Komm ans Fenster, falls du kannst!"

„Das ist Dora", sagte er. „Tonks, meine ich."

„Fantastisch. Blut ist doch dicker als Wasser", knurrte Malfoy. „Nymphadora wird höchst erfreut sein, mich zu treffen."

„Nicht, wenn du sie ‚Nymphadora' nennst", gab Remus zu bedenken. Er fluchte leise, gleichzeitig stand er auf und suchte seine Kleider zusammen.

Accio", sammelte Lucius seine Hose auf und schlüpfte hinein.
„Soll ich die Kinder wecken?"

„Wenn du sie ruhig halten kannst", sagte Remus. „Lass mich zuerst mit den anderen vom Orden reden. Die reagieren möglicherweise über, wenn sie dich sehen."

Finite incatatem!" hob Malfoy den Traumschlaf der drei Kleinen auf.
„Guten Morgen, ihr Rangen."

Noch müde rieben sich die Kinder die Augen.

„Du bist aber verstrubbelt, Lucius", stellte Dhakira fest. „Kannst du keinen Kammzauber?"

„Später vielleicht", sagte er. „Passt gut auf, es wird gleich Hilfe kommen und uns hier herausholen."

„Kommt Papa?" fragte Johari.

Die Frage löste helles Quietschen bei Babu aus. „Papa, Papa, Papa!"

„Ich weiß nicht, ob euer Vater dabei ist", sagte Lucius. „Aber Nymphadora Tonks haben wir gehört."

„Du darfst sie niemals ‚Nymphadora' nennen", erläuterte Johari ihm wichtig. „Das mag sie gar nicht. Da werden ihre Haare immer ganz rot!"

„Gut zu wissen", lachte Lucius.

Remus stand indes am Fenster. Er rief nach Tonks, und kurze Zeit später war das Rauschen eines Besens zu vernehmen, und Dora tauchte vor ihm auf.

„Remus, bist du das? Ich kann nicht hinein sehen, da liegt ein Bann auf dem Gemäuer."

„Dann bist du furchtbar leichtsinnig", schrie er sie an. „Ich könnte sonst wer sein. Pass auf, wir sind hier in einer Art Zelle. Es gibt einen Gang, in den wir ausweichen könnten, wenn ihr die Mauern sprengen wollt, aber sie sind ziemlich gut geschützt. Es gibt einen Zugang, aber den hat Voldemort mit einem magischen Siegel verschlossen, das jeden Zauberstab zum Glühen bringt. "

„Wir haben einen Fluchbrecher von Gringotts dabei", erwiderte sie. „Einen der besten." Sie lächelte.

„Bill ist bei euch?"

„Ja! Aber Remus, wir sind mit dem Ministerium hier. Auf der anderen Seite stehen zwei Duzend Auroren bereit. Sie werden eine Menge Fragen haben. Letzte Nacht war Vollmond. Remus – was ist mit den Kindern?"

Der besorgte Ausdruck in ihren Augen ließ Remus erschaudern. Dora hielt ihn zwar nicht für eine Bestie, aber auch ihr musste bewusst sein, dass er letzte Nacht unter normalen Umständen nicht kontrollierbar gewesen sein konnte. Sie konnte ja nichts ahnen von dem Ritual.

„Sie sind in Ordnung", antwortete er.

„Gut, dann kommen wir jetzt rein!" Sie verschwand.

Remus' Gedanken rasten. Er würde alles offen legen müssen, verhört werden von irgendwelchen Auroren, die ihm wahrscheinlich kaum freundlicher gesonnen waren als der Rest des Zauberereiministeriums. Tonks war nur eine junge Aurorin niederen Rangs, sie würde ihm wenig helfen können. Und Dumbledores Einfluss war innerhalb des Ministeriums mehr als begrenzt. Doch all das war nichts im Vergleich zu dem, was mit Lucius geschehen würde.

Er sah sich um.

„Du wirst dich verteidigen müssen", sagte er. „Du hast ja gehört, was sie gesagt hat."

Doch Lucius schüttelte den Kopf.

„Gegen über zwanzig Auroren, alle mit der Lizenz zum Töten, sobald sie einen Todesser nicht anderweitig kriegen können? Nein, Remus. Ich habe nicht eine einzige Nacht richtig geschlafen, seit mehr als einer Woche, ich habe meine gesamte Magie ausgeschöpft bis zur Neige, und nicht einmal im Vollbesitz meiner Kräfte hätte ich eine Chance. Du überschätzt meine Fähigkeiten bei weitem." Er lächelte. „Irgendwo da draußen ist Draco, ein Malfoy ohne Dunkles Mal und mit besten Kontakten. Askabans Mauern sind nicht mehr undurchdringlich, seit das Ministerium die Dementoren von ihrer Aufgabe dort ‚entbunden' hat."

„Lucius, ich kenne das Ministerium. Sie werden nicht fair sein. Umbridge hat mit Sicherheit noch irgendwo einen Dementor im Ärmel. Und dann ist Askaban nur eine von zwei möglichen Optionen. Bitte, versuche zu fliehen! Ich werde deinen Rückzug decken."

Vom Portal am Ende des Ganges hörten sie Stimmen und laute Zauber.

„Sie kommen. Bitte, Lucius!" flehte Remus.

Der Gedanke, die plötzliche Angst, dass sie Malfoy dem Dementorenkuss unterziehen könnten, ließ ihn jede Vernunft vergessen.

Doch Lucius bewahrte kühlen Kopf. Er stand auf und drückte Remus den Zauberstab in die Hand. Die Aktion geschah plötzlich, Remus spürte das Silber in seiner Handfläche, wie schon am Abend zuvor, und dann traf ihn die Erkenntnis, dass nun endgültig alle arkanen Ströme in seinem Körper jetzt in diesem Augenblick zusammen brachen. Er war so hilflos wie ein Squib, mit oder ohne Stab. Er ließ das Holz fallen.

„Verzeih' mir. Aber es erschien mir notwendig, dich zu entwaffnen."

Lucius stand direkt vor ihm.

„Es ist besser, wenn keiner von uns einen Zauberstab in der Hand hat, wenn sie kommen. Und es wäre klug, die Natur unserer…'Beziehung' möglichst nicht zu offensichtlich werden zu lassen – in deinem ureigensten Interesse. Sag ihnen, du hast einen Deal mit mir gemacht. Ich sorge dafür, dass du die Kinder nicht angreifst, und du legst im Gegenzug ein gutes Wort beim Prozess für mich ein."

Lucius beugte sich vor und berührte Remus' Lippen in einem zarten Kuss.

„Du hast ja Remus geküsst!" rief Dhakira erstaunt.
„Aber ihr seid doch beides Jungs!"

Lucius drehte sich um und trat zu den Kindern.
„Pssst, Prinzessin. Das ist ein Geheimnis, dass ihr Kinder unbedingt bewahren müsst. Wollt ihr mir das versprechen?"

Er kniete vor der Pritsche und nahm Johari in den Arm, zu der er offensichtlich ein besonders inniges Verhältnis aufgebaut hatte.

„Wir versprechen es", beteuerte sie feierlich.

„Gleich kommen ein paar Kollegen eures Vaters. Ihr müsst ganz lieb sein und brav hier sitzen bleiben, bis sie euch abholen, ja? Remus und ich werden ihnen entgegen gehen und sie schon einmal begrüßen. Wie sagt eure Mama immer?"

„Ooooo-kay!" strahlte Babu.

Remus schluckte. Die Mutter der Kinder war Amerikanerin gewesen, Lucius wusste das offenbar. War er gar in die Planung ihrer Entführung involviert gewesen?

„Okay", wiederholte Malfoy, und in seinem vornehmen Oxfordakzent klang es irgendwie komisch. Die Kinder lachten.

„Ihr seid tolle Kinder. Lasst euch von niemandem etwas anderes erzählen", sagte er.

Er erhob sich.

„Zeit, zu gehen", sagte er zu Remus.

„Wäre es nicht sicherer für dich, hier bei ihnen zu bleiben?" erwiderte Remus leise.

„Nein. Ich will, dass sie aus der Schusslinie sind, und außerdem sollen sie nicht sehen, wie die Auroren mich festnehmen. Komm jetzt."

Remus winkte den drei Kindern, dann folgte er Lucius auf den Gang.

xoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxo

Sie hatten gerade die Tür hinter sich geschlossen, als mit einem lauten Krach das Siegel am Ende des Ganges barst. Eine Staubwolke wälzte sich ihnen entgegen.

„Remus!"

Tonks lief aus den Schwaden auf sie zu, grau gepudert, Sorge im Gesicht. Dann blieb sie plötzlich wie angewurzelt stehen.

„Lucius!" rief sie, und in ihrer Mine spiegelten sich Überraschung und Erschrecken.

„Verwandtschaft, wie schön. Ich sehe, du bist begeistert, Nymphadora", sagte Malfoy, der mit verschränkten Armen an der Mauer lehnte.

Remus war mit ein paar langen Schritten bei ihr.
„Nimm ihn fest, schnell, bevor noch etwas geschieht", bat er inständig.
Immer noch besser, Tonks tat es, als die anderen Auroren, die jetzt aus dem Staub auftauchten.

Tonks war zwar schnell von Begriff, aber diese Situation überforderte sie.

„Ich bin unbewaffnet. Falls du die Meriten für die Familie ernsten möchtest, würde ich an deiner Stelle nicht zögern", bemerkte Lucius kühl.

Schließlich ließ sie mit einem Schlenker des Zauberstabs einige dünne Seile aus dem Holz hervor schießen. Sie schlangen sich eng um Lucius' Hände und seinen Leib.

„Merlin, ist das Malfoy?" Einer der Auroren kam eilig näher, den Zauberstab gezückt. „Habt ihr ihn sicher?"

„Das war keine Kunst, er hat keinen Widerstand geleistet", sagte Remus.

„Trotzdem, gute Arbeit, Tonks." Der Mann kam vorsichtig näher. Ihm folgten sogleich noch weitere Auroren, und mit ihnen auch Bill Weasley.

„Remus, alles in Ordnung?" fragte er.

Remus nickte stumm. Mit Widerwillen beobachtete, wie die Auroren Lucius zu einem regelrechten Paket verschnürten. Raues Gelächter war zu hören.

„Hübsches Veilchen, Malfoy. Hat Lupin dir das verpasst?"

„So ein Werwolf hat bestimmt ordentlich Wumm hinter seinem Schlag."

Der Slytherin hatte recht gehabt, seine Entscheidung, die Kinder in der Zelle zu lassen, war mehr als vorausschauend gewesen.

„Ich wüsste nicht, dass wir so eng befreundet wären, um per du zu sein", bemerkte Lucius eisig zu dem Auror.

Ein lautes Klatschen ließ erahnen, dass einer der Auroren ihm ganz offenbar ins Gesicht geschlagen hatte.

Unter normalen Umständen hätte Remus Verständnis für die Auroren gehabt: Malfoy war der ranghöchste Todesser seit Jahren, der ihnen in die Hände fiel. Seine Festnahme war für das Ministerium ein Riesenerfolg. Jetzt aber hatte Remus Mühe, seine Wut zu beherrschen. Alles in ihm schrie danach, Lucius zu Hilfe zu eilen. Er ballte die Fäuste, bis die Knöchel weiß hervor traten.

„Remus, wo sind die Kinder?" drang Bills Stimme von weit weg an sein Ohr. „Merlin, Remus, was ist los? Bist du verletzt? Du bist ganz weiß im Gesicht."

Remus hielt sich krampfhaft an Bills Schulter fest. Er konnte sehen, dass einige der Auroren sich anschickten, Lucius wegzubringen, während andere die Zellen zu durchkämen begannen.

„Ich glaube, wir brauchen einen Heiler. Mr. Lupin scheint es nicht gut zu gehen." Bill hatte Mühe, Remus festzuhalten, der Malfoy und den Auroren folgen wollte.

„Merlin, wo willst du denn hin?" flüsterte er leise. „Tonks, komm mal her!" schrie er im nächsten Moment.

„Remus, was ist los?" Die junge Aurorin war sofort zur Stelle.

„Geh mit Malfoy", zischte Remus ihr zu. „Pass auf, dass sie ihn anständig behandeln. Bitte! Er hat die Kinder gerettet."

Dora riss erstaunt die Augen auf.

„Geh' schon. Ich kümmere mich um Remus", sagte Bill.

Tonks nickte und folgte ihren Kollegen nach draußen.

„Die Shaklebolt-Kinder sind hier drinnen!" rief eine Aurorin mit blondem Pferdeschwanz aus der Zelle, in der sie die letzten Tage verbracht hatten.

Sofort stürzten etliche der Auroren in die angegebene Richtung. Die Ereignisse überschlugen sich jetzt. Remus hatte das Gefühl, in einer Zeitblase gefangen zu sein. Er bemerkte die Heilerin, die nach ihm sah und ihm eine Phiole mit einem türkisfarbenen Trank einflößte, er hörte Johari weinen, als man sie weg brachte, ohne sie noch einmal zu Remus zu lassen, er registrierte die Verwunderung, die das Patronusbild bei den Auroren auslöste.

„Können wir ihn jetzt mitnehmen? Wir haben eine Menge Fragen", hörte Remus einen der Auroren.

„Ich hätte ihn lieber eine Nacht im St. Mungos unter Beobachtung", widersprach die Heilerin. „Mr. Lupin bracht dringend Ruhe und er hat auch eine erhöhte Körpertemperatur. Wenn er morgen früh stabil ist, können Sie ihn gerne im Krankenhaus befragen."

Der Auror sah nicht begeistert aus. „Wenn es ihm morgen besser geht, werden wir ihn ins Ministerium mitnehmen. Und ich werde zwei Leute zu seinem … Schutz abstellen, die Sie ins St. Mungos begleiten werden."

„Einverstanden", nickte die Heilerin. „Kommen Sie, Mr. Lupin. Unser Portschlüssel ist unten. Ich denke, die Treppen sollten kein unüberwindliches Hindernis darstellen."

Resolut packte sie Remus am Arm und zog ihn auf die Füße. „Mr. Weasley, wenn Sie mir bitte helfen würden?"

Bill war sofort an ihrer Seite. Zwei der Auroren folgten ihnen auf einen Wink des ersten Aurors hin. Immerhin steckten sie ihre Zauberstäbe jetzt ein.

„Eines müssen Sie mir aber noch verraten, bevor Dr. Jenkins Sie entführt", sagte der Auror und vertrat ihnen den Weg. „Wir wissen, was Sie sind. Letzte Nacht war Vollmond. Wie haben die Kinder das überlebt?"

„Lucius..." sagte Remus gepresst, „Lucius Malfoy hat sie vor mir beschützt. Vor mir und vor den Dementoren. Ich weiß nicht, wie er das geschafft hat, aber er hat sein Leben für die Kinder riskiert."

„Aber Malfoy ist ein Todesser!" rief der Auror aus. „Wir glauben, dass er an der Organisation der Entführung von Auror Shacklebolts Frau beteiligt war. Warum sollte er irgendetwas riskieren, um ausgerechnet diese Kinder zu retten?"

„Das müssen Sie ihn schon selbst fragen", entgegnete Remus. „Soweit ich weiß, hat er sich mit Voldemort überworfen. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden?"

Er lehnte sich schwer auf Bill, seine Beine drohten unter ihm wegzuknicken. Jetzt erst merkte er, wie sehr er über seine Grenzen gegangen war in den vergangenen Tagen. Der Gedanke, dass Lucius mit Sicherheit ebenso am Ende war wie er selbst, im Gegensatz zu ihm jedoch ein Verhör im Ministerium oder gar in Askaban vor sich hatte, bereitete ihm körperliches Unwohlsein. Er hoffte inständig, dass Tonks ihm irgendwelche Grausamkeiten ersparen konnte.

Als Remus das Gefängnis verließ, und kühler Wind ihm über das Gesicht blies und an seinen Haaren zerrte, konnte er kaum glauben, dieser Hölle entronnen zu sein. Und doch hatte er das Gefühl, dass in den nächsten Tagen und Wochen noch Abgründe ganz anderer Art auf ihn lauerten.

Fortsetzung folgt