Kerkermond Evolution 13
Kerkermond Evolution 13
Trashig-slashige Fanfiction und der Beweis, dass Männer und Frauen doch Freunde sein können
Hallihallo,
da bin ich schon wieder! ;-) Und einen kann ich noch…
Da nun ein paar anstrengende Tage Schichtdienst vor mir liegt, und ich nicht weiß, wie und ob ich zum Updaten komme, hier das Goodie zur Wochenmitte !
Und seht mal an: Die Kapitelüberschrift beginnt weder mit Remus noch mit Lucius…
Eine Runde Tränkemeister für Kassandra ;-)
13. Severus: Die Schlange im Orden
Von Grimmauldplatz aus flooten Remus und Tonks nach Hogwarts. Wie stets brachte der Kamin sie in MacGonagalls Büro, das den diskreten Zugang für den Orden in die Schule darstellte.
„Es ist noch früh", sagte Tonks. „Auf den Gängen könnten noch Schüler unterwegs sein."
„Dann werden sie schlimmstenfalls berichten, dass Lupin, der Werwolf, mit Snape in Richtung der Kerker gegangen ist, vermutlich, um sich mit Wolfsbann zu versorgen", sagte Remus. „Dass er den braut, ist kein großes Geheimnis."
„Du ersparst mir heute auch gar nichts", grinste Tonks und konzentrierte sich. Während schwarze Schatten ihre Haare überflossen, ihre Nase wuchs und sich in ihrem hübschen Gesicht zunehmend Snapes scharfe Züge heraus bildeten, sagte sie leichthin: „Die Schüler werden sich wochenlang das Maul über diese blaue Robe hier an Snape zerreißen."
„Du legst lieber einen Illusionszauber darüber, sonst zerreißt er uns bei der nächsten Ordenssitzung", sagte Remus.
„Ich denke nicht, dass wir so lange warten müssen", sagte Tonks dumpf und färbte ihre Robe dunkel.
So präpariert, folgte sie Remus durch die Gänge der Schule. Aus seinen Zeiten als Schüler und dem einen Jahr als Lehrer kannte er noch immer jeden Schleichweg, und so gelangten sie ungesehen bis zu den Kerkern.
Die Tür von Snapes Privatgemächern war wie stets verschlossen. Sie klopften mehrmals, erhielten jedoch keine Antwort.
„Kannst du die Schutzzauber lösen?", fragte Tonks. „Ihr Lehrer habt doch einen Generalzauber für alle Schlösser."
„Keine gute Idee, falls er nicht da ist und es hinterher merkt", sagte Remus. „Außerdem kann ich noch nicht wieder zaubern. Lucius hat mir doch den Stab mit der Silberader in die Hand gedrückt. Davon abgesehen, dass ich noch keinen neuen Zauberstab habe, dauert es sicher noch ein paar Tage, bis meine arkanen Bahnen wieder regeneriert sind."
„Du hast aber auch das Pech gepachtet", bedauerte ihn Tonks. Sie hob die Faust und hämmerte an die Tür.
„Machen Sie auf, Snape, wir wissen, dass sie da drin sind." Sie grinste. „Man kann es ja mal probieren", sagte sie leise zu Remus.
Tatsächlich spürte sie im nächsten Moment, wie sich die Siegel auf der Tür lösten. Es klackte, dann sprang die Tür einen Spalt auf. Laute Musik umspülte sie.
„Mozarts Requiem", stellte Remus fest. „Hört sich an, als wäre ein ganzes Symphonieorchester zu Gast."
Er machte zögernd ein paar Schritte in den Raum. „Severus?"
„Die Ungeschickte und das Biest", drang die Stimme des Tränkemeisters an sein Ohr. Trotz der Lautstärke der Musik war Snape bestens zu verstehen. „Was verschafft mir diese zweifelhafte Ehre?"
Remus und Tonks sahen sich um. In einem lederbezogenen, altväterlichen Ohrensessel entdeckten sie schließlich die hagere Gestalt des Tränkemeisters.
„Oh Merlin", sagte Tonks leise. Remus hörte sie dennoch. Und er erfasste mit einem Blick, was die junge Aurorin so aus der Fassung brachte. Snape sah aus, als habe er ebenfalls drei Wochen in Voldemorts Kerker hinter sich. Die Nase trat scharf aus dem schmalen Gesicht hervor, dunkle Schatten lagen unter Severus' Augen und an Stirn und Schläfen zogen sich weiße Strähnen durch die einst lackschwarzen langen Haare.
„Seid ihr gekommen, um mich anzustarren? Was willst du, Lupin? Wolfsbann? Ist noch etwas früh im Zyklus dafür. Kannst du nicht mehr ohne Begleitschutz kommen? Werfen Sie nichts um, Miss Tonks. Die Einrichtung hier drinnen ist Schuleigentum."
„Immerhin, Gift spritzen kann er noch", sagte Remus leise zu Tonks.
„Das habe ich gehört", erklärte Snape, und endlich ließ er die Musik mit einer Handbewegung leiser werden. „Was wollt ihr? Je eher ich es weiß, desto eher bin ich eurer Anwesenheit wieder ledig."
„Ich brauche deine Hilfe, Severus", sagte Remus.
„Wie üblich. Kann der Direktor dir kein Geld leihen?", ätze Severus.
„Das könnte er wohl. Aber da du mir ohnehin nichts geben würdest, hatte ich nicht vor, dich überhaupt zu fragen", gab Remus ruhig zurück. „Nein, es geht um eine Materie, bezüglich derer Albus die Hände gebunden sind."
Severus blickte zum ersten Mal auf. Seine schwarzen Augen wirkten so stumpf und leblos wie seine käsig bleiche Haut.
„Man hat Malfoy verhaftet", begann Remus.
„Die Meldungen des ‚Tagespropheten' sind mir bekannt", sagte der Tränkemeister. „Was hat das mit mir zu tun?"
„Wir müssen ihn aus Askaban befreien", fiel Tonks mit der Tür ins Haus. „Und wir dachten, wenn jemand eine Idee hat, wie man das bewerkstelligen könnte, dann Sie. Immerhin waren sie doch an der Planung des Massenausbruchs vor ein paar Monaten beteiligt."
„Ich war darüber informiert. Es war nicht viel Planung erforderlich, nachdem der Dunkle Lord die Macht über die Dementoren erlangt hatte. Aber davon abgesehen: Habe ich etwas übersehen? Malfoy ist ein Todesser, und nicht irgendeiner. Ihr seid Mitglieder des Phönixordens. Welchen Grund sollte es geben, ausgerechnet ihn befreien zu wollen?"
Der Tränkemeister sah lauernd von einem zum anderen.
„Es wäre zunächst einmal schon ausreichend ihn sprechen zu können", sagte Remus leise.
„Ich kann dich kaum verstehen, Lupin", schnarrte der Tränkemeister.
„Lucius ist Remus' Seelengefährte. Sie haben sich in Voldemorts Knast verliebt", antwortet Tonks lapidar.
Entsetzt sah Remus zu ihr hinüber. Das war nicht die Art der Gesprächsführung, die bei Snape zielführend sein würde. Tatsächlich aber hatte Tonks Aussage den Effekt einer Bombe. Mit einer fließenden Bewegung war Snape von seinem Sitz hochgekommen, und mit zornesweißem Gesicht stand er nun direkt vor Remus.
„Du bist tatsächlich noch schlimmerer Abschaum als ich es je für möglich gehalten hätte", zischte er. „Malfoy ist eine Kreatur, die es nicht wert ist, die Sonne zu sehen. Du hast dich zu seiner Hure gemacht? Wofür, Lupin? Für das bisschen wertloses Leben, das in dir steckt?" Er piekste Remus schmerzhaft mit seinem langen Zeigefinger in den Magen.
„Weißt du nicht, wer er ist?"
„Ich weiß sogar, was er ist", erwiderte Remus, und rang seine Wut mühsam nieder. „Und er ist nicht mehr Voldemorts Spezialist für Betrug, Bestechung und Erpressung. Er trägt nicht einmal mehr das Dunkle Mal."
„Das Dunkle Mal kann nicht entfernt werden. Es ist in deine Seele und dein Herz gebrannt, von dem Augenblick an, da du vor ihm kniest. Ich kann nicht fassen, dass du naiv genug bist, etwas anderes zu glauben, Lupin!" Snape schrie jetzt, ganz offenbar außer sich vor Wut.
„Voldemort wollte ihn umbringen. Er hat Crabbe und Goyle und später ein Duzend Dementoren auf ihn gehetzt. Dass wir überlebt haben, war nichts als eine glückliche Fügung!" brüllte Remus zurück.
„Eine glückliche Fügung für einen Mörder!" rief Snape. „Wer, glaubst du, hat den gewaltsamen Tod von Nora Shacklebolt eingefädelt? Du glaubst mir nicht? Malfoy macht nicht einmal vor seiner Familie halt: Er hat seine eigene Frau getötet!"
Remus starrte Severus an. Er war sicher, dass der Slytherin in diesem Punkt irrte – er hatte Malfoy gesehen, seine tiefe Trauer. So verhielt sich keiner, der seine Frau selbst getötet hatte.
„Das ist nicht wahr", sagte Remus ruhig. „Er hat mir gesagt, dass Voldemort sie umgebracht hat. Falls du mir jetzt nicht sagst, dass du gesehen hast, dass es Lucius war, werde ich ihm weiter glauben."
Severus starrte ihn an, noch immer schwer atmend, doch in sein Gesicht kehrte ein Hauch Farbe zurück.
„Du glaubst mir mehr als ihm?", fragte Snape, sichtlich erstaunt. „Ich habe es nicht gesehen", krächzte er anschließend und ließ sich wieder in seinen Sessel sinken, offensichtlich am Ende seiner Kräfte. „Meine Informationen stammen von Crabbe. Sag mir alles."
Tonks beschwor zwei Stühle, sie und Remus setzen sich, und dann gab Remus dem Tränkemeister eine knappe Zusammenfassung der Ereignisse in Voldemorts Kerker. Severus hörte aufmerksam zu. Bei der Schilderung des Gesprächs von Lucius mit den Kindern über Narcissas Tod und der Beschreibung, wie Remus ihm das Dunkle Mal ausgebrannt hatte, glühten seine Augen wie schwarze Kohlen.
Als Remus geendet hatte, sagte er: „Geht jetzt. Ich muss nachdenken. Finde ich dich morgen im Grimmauldplatz?"
„Sie können uns doch jetzt nicht rausschmeissen!" protestierte Tonks.
„Sie wären erstaunt, was ich alles kann", zischte Snape.
„Lass uns gehen, Dora", sagte Remus und nahm ihre Hand. Sie hatten weit mehr erreicht, als er gehofft hatte. Für heute war es genug. Snape sah aus, als würde er gleich vor Erschöpfung umfallen, und auch er selbst fühlte sich plötzlich ausgelaugt und unendlich müde.
„Ich sehe dich morgen, Severus", sagte er und zog die junge Aurorin mit sich hinaus.
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„Willst du noch eine Tasse Tee?", fragte Tonks und zog die alte Strickjacke, die über dem Stuhl gehangen hatte, enger um ihre Schultern.
Die Küche im Grimmauldplatz war immer noch kalt, trotz des Feuers, das im Kamin knisterte. Das ganze Haus war staubig und roch modrig nach Mottenkugeln. Nach Sirius' Tod hatte keiner von ihnen mehr die Energie gefunden, das Haus weiter bewohnbar zu gestalten. Remus hatte Wochen mit den schottischen Werwolfsrudeln verbracht, und jetzt kehrte er zurück in ein graues, abweisendes Haus. Und doch war es sein einziges Zuhause.
„Nein", beantwortete Remus die Frage. „Ich bin unendlich müde. Ich weiß nicht, ob ich schlafen kann, aber ich muss es versuchen. Ohne Schlaf werde ich Severus nicht gewachsen sein morgen."
„Er sah so schlecht aus wie noch nie", sagte Tonks nachdenklich. „Snape war ja noch nie ein Prince Charming, aber so derangiert habe ich ihn noch nicht gesehen."
„Noch mehr als sein Aussehen erstaunt mich seine ganze Reaktion. Derart emotional, das sieht ihm nicht wirklich ähnlich. Ich meine, er kann fürchterlich wütend werden, aber warum schien er Lucius regelrecht zu hassen? Er kannte Nora kaum." Remus schüttelte den Kopf.
„Glaubst du, er wird dir helfen?", fragte Tonks.
„Ich weiß es ehrlich nicht", erwiderte Remus. „Er muss einfach. Ich werde wahnsinnig, wenn ich mir Lucius in Askaban vorstelle. Er war schon gestern Morgen völlig am Ende. Haben sie ihn zumindest anständig behandelt?", fragte er, obgleich er Doras Antwort fürchtete.
„Lass es mich so sagen: Wenn man bedenkt, wer er ist, kann er sich nicht beschweren. Sie sind rüde und hart, aber sie halten sich an die Formalitäten. Einigermaßen, zumindest. Man will ihm keine Munition geben, um das Ministerium im Prozess schlecht aussehen zu lassen."
Tonks sah Remus mitleidig an, der bei den Worten ‚rüde' und ‚hart' sichtlich zusammengezuckt war.
„Ich könnte bei dir bleiben heute Nacht, weißt du", bot sie an. „Das heißt, wenn du geduscht hast."
Ein müdes Lächeln huschte über Remus' Gesicht. „Danke, Dora. Das wäre schön. Du bist die beste Freundin, die man sich wünschen kann."
Sie lachte. „Wenn du das mal weißt."
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Als sie eine halbe Stunde später in Remus' Bett lagen, aneinander gekuschelt wie halbwüchsige Hundewelpen, und Remus Doras Duft nach Jasmin und Ringelblumen einatmete, wurde er langsam ruhiger und entspannter.
„Wenn du nicht so alt und tierisch ernsthaft wärst, würde ich fast bedauern, dass du dich in einen Todesser verschossen hast", sagte sie gähnend.
„Für das Alter und den Ernst kann ich nichts, und für das ‚tierisch' auch nicht", antwortete Remus müde.
„Du bist das letzte bisschen Sirius, das mir geblieben ist", sagte sie, und er hörte die Traurigkeit in ihrer Stimme.
„Ich bin weniger als ein Schatten, wenn du diesen grausamen Vergleich schon ziehst", sagte er. „Sirius war ein Stern, ich bin nur ein alter Wolf, der den Mond anheult."
„Er hatte das größte Herz", sagte Tonks und schniefte.
„Das hatte er", bestätigte Remus, schon im Halbschlaf, und streichelte ihr sachte über das kurze Haar.
Mit den sehnsüchtigen Gedanken an das blonde, seidige Haar von Lucius glitt er schließlich in eine traumlose, schwere Dunkelheit davon.
Fortsetzung folgt
Danke für die Reviews zum letzten Kapitel: Glupit, Elementargeist und Lucy.
