Kerkermond Evolution 14
Trashig-slashige Fanfiction mit einer undefinierten Anzahl von Werwölfen
Hallihallo! Das letzte Kapitel hat ja einiges an Rätselraten hervorgerufen: Wieso sieht Severus so fertig aus, warum wird er derart wütend, als er von Remus' Beziehung zu Lucius erfährt, und wie kann er dem Werwolf möglicherweise helfen? Nun, wie stets werden die Lösungen auf dem – sorry, Remus! – Silbertablett serviert. Aber erst in einem der nächsten Kapitel ;-)
Jetzt aber viel Vergnügen mit Kapitel 14 – American Werewolf!
14. Remus: American Werewolf
Als Remus am Morgen erwachte, war Tonks bereits fort. Trübes graues Licht fiel durch den schmalen Spalt zwischen den Vorhängen. Er stand auf, wusch sich und putze die Zähne, zog sich an und ging dann in die Küche, um Tee zu kochen.
Im Vorratsschrank fanden sich ein paar Konserven und neben einer Packung Haferflocken noch eine angebrochene Packung mit Hundekuchen. Nun, er würde zumindest Milch kaufen müssen. Er musste essen, auch wenn er keinerlei Appetit verspürte.
Im Haus gab es ein Schraubglas, in dem stets ein paar Pfund Muggelgeld deponiert waren. Wenigstens um die kleinen Dinge des täglichen Bedarfs musste er sich keine Sorgen machen, dennoch blieb er stets sparsam. Es war nicht sein Geld, und er war sich dessen schmerzlich bewusst.
Remus machte sich auf den Weg zu dem kleinen indischen Muggel-Lebensmittelgeschäft am Ende der Straße. Er wählte Toast, Milch, Butter und Äpfel. Die Sonne, die sich hinter den Wolken hervorschob, bemerkte er auf dem Rückweg durch den nahen Park ebenso wenig wie die Osterglocken und Tulpen, die die Köpfe aus dem dunklen Einerlei der immergrünen Bodendecker erhoben.
Als er nach Nummer Zwölf zurückkehrte, warnte ihn ein fremder Geruch im Flur. Jemand war gekommen. Ein Fremder. Der Geruch erinnerte ihn an etwas, doch er konnte den Eindruck nicht zuordnen, so sehr er sich auch bemühte. Remus zögerte. Ohne Stab hatte er keine Chance, sich zu verteidigen, aber andererseits konnte niemand ins Haus, der dazu nicht autorisiert war.
Aus der Küche drang fröhliches Pfeifen und der Duft frisch gebrühten Kaffees. Angespannt stieß Remus die Tür auf.
Am Herd stand ein junger Mann und hantierte mit dem Kessel. Der Fremde mochte etwa Anfang zwanzig sein. Er hatte zerzauste blonde Haare, war von mittlerer Größe, schlanker Statur und trug verwaschene Muggeljeans, aus deren Tasche ein Zauberstab hervorragte.
„Guten Morgen", sagte Remus förmlich.
Der junge Mann blickte auf.
„Oh hi!" sagte er mit breitem Lächeln, das auch in eine Zahnpastareklame gepasst hätte. „Erschrick nicht, ich bin nur Besuch hier, keine Gefahr."
Er wischte seine Hände an den Hosen ab und ging auf Remus zu.
„Ich bin Gawain. Du musst Remus sein, der legendäre Werwolf des Phönixordens", sagte er mit breitem amerikanischem Akzent und bot Remus die linke Hand. Jetzt erst fiel Remus auf, dass die rechte fehlte.
„Und Sie sind…?", fragte Remus, während er zögernd die Hand des jungen Zauberers schüttelte.
„Gawain Gray. Minervas Neffe, Großneffe, exactly. Ich bin ein paar Monate in London, um euch zu helfen, Voldemort zu bekämpfen. Außerdem wollte ich schon immer mal Europa kennen lernen."
„Also eine Bildungsreise?", konstatierte Remus trocken.
„Yeah, mit Praktikum beim Phönixorden", lachte Gawain.
Es war das offene Lachen eines Menschen, der nichts davon ahnte, was es bedeutete mit Voldemorts Terror zu leben.
„Voldemort und seine Anhänger eignen sich nicht besonders als Studienobjekte", wandte Remus kühl ein.
Merlin, wie konnte Minerva nur so einen Grünschnabel in diesen Hexenkessel einladen?
„Ich will sie nicht studieren, sondern ihnen ordentlich eins überbraten", versicherte Gawain, noch immer mit einem jugendlichen Lächeln in den himmelblauen Augen.
Remus enthielt sich des bissigen Kommentars, der ihm auf der Zunge lag und begann, seine Einkäufe auszupacken.
Ein Rauschen im Kamin in der Halle draußen kündigte weiteren Besuch an. Gawain ging zur Tür, um einen Blick auf den Neuankömmling zu werfen. Hastig schloss er die Tür wieder.
„Circes Rock, das ist die alte Fledermaus", flüsterte er.
Demonstrativ öffnete Remus daraufhin die Tür. Ihm war klar, dass nur einer so bezeichnet werden konnte.
„Guten Morgen, Severus."
Snape nickte nur flüchtig, als er an ihm vorbei rauschte. Gawain Gewahr werdend, blieb er auf dem Absatz stehen.
„Wer hat den denn hier herein gelassen, Lupin? Oder ist die Anwesenheit von Mr. Gray ein Symptom deines neu erwachten Hangs zu blonden Männern?"
Remus ließ die Teekanne auf den Tisch fallen, wo sie mit lautem Klirren zerschellte.
„Du bist schwul?" fragte Gawain interessiert. „Das nenn' ich mal cool, ein Werwolf und schwul. Wow, du hast es bestimmt nicht immer leicht."
Dann wandte er sich Snape zu. „Müssen Sie nicht kleinen Kindern das Fürchten beibringen um diese Zeit?"
Blitzschnell hatte der Tränkemeister seinen Stab gezogen, doch zu Remus' grenzenlosem Erstaunen war Gawain noch schneller. Snapes Stab flog durch die Luft und landete auf Gawains Hacke, der ihn elegant in die Spüle kickte.
Snapes Gesicht war weiß vor Zorn.
„Wie können Sie es wagen,…?", begann er, aber Gawain fiel ihm ins Wort.
„Ich habe nicht angefangen, Mr. Snape. Und ich habe auch nicht über Anwesende in der dritten Person gesprochen. Das ist unhöflich, hat Ihnen das noch nie jemand gesagt? Für einen Engländer sind Sie wirklich ein Rüpel."
Zu Remus' Verblüffung ließ sich der zurecht gewiesene Tränkemeister wortlos auf die Küchenbank sinken.
„Tee?" fragte Remus und hatte das Gefühl, mit einer explosionsgefährlichen Mischung aus Nitroglyzerin und Schwarzpulver zu kommunizieren.
„Oder doch lieber einen guten amerikanischen Kaffee?" bot Gawain mit einem Lächeln an, als hätte es die Auseinandersetzung vor einer Minute nie gegeben.
Er schob Snape eine Tasse vor die große Nase und grinste.
„Also, was gibt es Neues vom Wahnstein?"
„Wahnstein?", fragte Remus irritiert.
„Mr. Gray meint damit das Hauptquartier des Dunklen Lords", erläuterte Severus. „Deine Irritation ist nachvollziehbar, Lupin. Man versteht diesen jungen Mann nicht immer. Abscheulicher amerikanischer Akzent und schlechter Ausdruck."
„Yo. Sagt einer, dem der Arbeiterslang von Manchester in den Mundwinkeln hängt. Sie sprechen auch nicht eben reines Oxfordenglisch, Mr. Snape."
Remus sah von einem zum anderen. Gray war nicht auf den Mund gefallen, und über Severus konnte er nur staunen. Warum grillte der Tränkemeister den Amerikaner nicht einfach? Doch Snape schien bar seiner sonstigen Energie.
„Mr. Gray, ich habe etwas Privates mit Lupin zu besprechen, also warum gehen sie nicht in den Hinterhof und spielen einen Runde…wie heißt es noch…Basketball", sagte er müde.
„Hey, das ist der erste vernünftige Vorschlag aus Ihrem Mund", erwiderte Gawain, und tatsächlich erhob er sich, beschwor mit seinem Stab einen großen, orangefarbenen Ball, prellte diesen dreimal schnell auf den Boden und trollte sich.
„Kaum zu glauben, dass er mit Minerva verwandt sein soll", grollte Snape. „Den haben sie doch in der Wiege vertauscht."
Er legte die schlanken Finger um die Tasse, nahm einen Schluck des schwarzen Kaffees, schloss die Augen und atmete hörbar aus.
„Danke, dass du gekommen bist", sagte Remus schlicht.
Draußen zischte es wieder, als der Kamin aufflackerte. Sekunden später fiel etwas dumpf zu Boden, eine weibliche Stimme fluchte und Tonks erschien in der Tür, heute mit lila Haaren und in einem ungewöhnlich eleganten Muggelkostüm.
„Eine Überwachung bei einer Matinee des London Symphony Orchestra", erklärte sie den ungewöhnlichen Look. „Guten Morgen, Mr. Snape. Hallo, Remus. Wie geht's? Gut geschlafen?"
Sie küsste Remus auf die Wange.
„Iiih, kannst du dich nicht rasieren? Du piekst."
Sie ließ sich unter Snapes missbilligendem Blick auf einen Stuhl sinken und nahm sich eine Tasse Tee.
„Ich habe keine guten Nachrichten für dich", sagte sie zu Remus. „Das Ministerium handhabt Besucherscheine für Askaban äußerst restriktiv. Man würde nur einen Verwandten oder einen Anwalt zu Lucius Malfoy lassen. Du bist weder das eine noch das andere."
„Polyjuice", sagte Remus sofort und sah den Tränkemeister an. „Kannst du ihn für mich brauen?"
„Das könnte ich", erwiderte der Slytherin. „Aber wessen Gestalt willst du annehmen?"
„Die Familie Malfoy ist weit verzweigt, oder?", antwortete Remus.
„Aber du brauchst DNS von ihnen, zum Beispiel ein paar Haare. Und ich kann schlecht bei der nächsten Versammlung des Dunklen Lords dem jungen Malfoy eine Strähne ausreißen", wandte Severus ein.
Im Laufschnitt näherte sich jemand der Tür. Sie wurde schwungvoll aufgestoßen und Gawain trabte in die Küche.
„Lasst euch nicht stören. Hab die Coke light vergessen", sagte er, um dann wie angewurzelt stehen zu bleiben und Tonks anzustarren.
„Hey, ich wusste gar nicht, dass der Orden auch derart coole Ladies zu bieten hat. Könnte mir einer die Dame vorstellen?"
„Ich bin Tonks", sagte Dora und starrte zurück.
Gawains Gesicht hellte sich auf zu einem unsagbar breiten Grinsen. Er nahm Tonks' Hand und platzierte einen galanten Kuss darauf.
„Ich bin unendlich erfreut, Miss Tonks", sagte er strahlend. „Mein Name ist Gawain Gray. Ich bin Minis Neffe und studiere für ein paar Monate in London."
„Mini?", fragte Tonks perplex.
„Minerva MacGonagall", erklärte er.
„Ja", sagte Tonks wenig geistreich, und ihr Blick glitt über den amerikanischen Zauberer, von den blonden Haaren über das gebräunte Gesicht, die weiten Bluejeans bis zu den Turnschuhen.
„Sie sind nicht zufällig mit Lucius Malfoy verwandt?", fragte sie plötzlich.
„Nicht, dass ich wüsste", gab er achselzuckend zurück. „Würde das meine Chancen auf ein Date mit Ihnen erhöhen? Dann sehe ich sofort in meinem Stammbaum nach."
„Für ein paar Haare von Malfoys Verwandtschaft würde ich mir glatt überlegen, mit dem am schlechtesten gekleideten Zauberer Londons auszugehen", erwiderte sie mit hintergründigem Lächeln.
„Wen muss ich rupfen?", fragte er gut gelaunt.
„Miss Tonks, zum Beispiel", meldete sich Snape sauertöpfisch zu Wort. „Falls es euch entgangen ist, Sie sind selbst über ihre Mutter mit ihm verwandt, Nymphadora."
Snape betonte Tonks Vornamen und wartete dann lauernd auf ihre Reaktion.
Doch statt eines Wutanfalls und des üblichen „Nennen Sie mich niemals - Nymphadora!", war nur Gawains Lachen zu hören.
„Nymphadora? Sorry, aber wer denkt sich den so etwas aus? ‚Gold-Nymphchen', na, ich würde meinen Eltern was erzählen."
„Wie würden Sie mich denn nennen?", fragte Dora, und nun hatte ihr Blick etwas Lauerndes.
„Na, Tonks ist doch cool", erwiderte Gawain gelassen. „Tonks Tonks. Supertonks sozusagen."
Zu Remus' Erstaunen lachte Dora hell auf. „Nur Tonks ist also cool?"
Gawain nickte und grinste. „Sehr."
„Da seht Ihr's!" rief sie aus und blickte triumphierend in die Runde.
„Bekomme ich eine Strähne dieses wunderbaren lila Haares?", bettelte Gawain. „Wenn Sie mir eine Strähne schenken, Miss Tonks, könnte ich Supertonks zum Essen ausführen."
„Ich fürchte, daraus wird nichts", mischte sich der Tränkemeister ein. „Miss Tonks ist ein Metamorphmagus, Lupin beherrscht ihre veränderbare DNA nicht. Er beherrscht ja nicht mal seine eigene."
„Als Werwolf kannst du sowieso keinen Polyjuice nehmen", sagte Gawain zu Remus. „Verträgt sich nicht mit den lykantrophen Zellen, kann eine Verwandlung außerhalb des Vollmonds auslösen."
„Darüber ist mir nichts bekannt", sagte Snape kühl.
„Machen Sie nichts draus, auch der beste Tränkekoch kann nicht alles wissen", erwiderte Gawain.
Severus hoch verletzte Miene trieb selbst Remus ein Lächeln in die Mundwinkel. Der Ausdruck „Tränkekoch" allein war schon bitter, aber eine solche Information nicht zu kennen, musste Snape wirklich unangenehm sein.
„Wie kommen Sie auf diese Theorie?" fragte Severus, und Remus war erstaunt, dass er die Aussage nicht mit dem Adjektiv ‚abstrus' belegte.
„Na ja, empirisch. Ein ... Freund von mir hat es ausprobiert", sagte Gawain.
Zum ersten Mal überhaupt zeigte der junge Zauberer eine leichte Unsicherheit. Seine Augen flackerten für einen Wimpernschlag zu Tonks hinüber und hefteten sich dann auf Remus' Gesicht.
„Ich kann's dir echt nicht empfehlen, Remus. Gab einen Riesenaufstand auf der Highschool und hat ihm einen Eintrag in seine Akte eingebracht, der ihn fast den Studienplatz gekostet hätte."
„Damit scheidet dann auch meine Mutter aus", sagte Tonks, und ihr Blick flog zwischen Remus und Gawain hin- und her. „Sie ist immerhin Lucius' Schwägerin. Aber wenn Remus ohnehin keinen Polyjuice verträgt…"
Ratlos sah sie Snape an.
„Ich sehe keine andere Möglichkeit", meinte dieser, direkt zu Remus gewandt. „Entweder du riskierst eine Verwandlung außer der Reihe, oder dein Besuch in Askaban ist gestorben. Allerdings - ob Mrs. Andromeda Tonks auch nur eine Locke abgibt, um unter Umständen am Ende als Werwölfin zu gelten, wage ich zu bezweifeln."
„Das können wir mit Mutter nicht machen", stimmte Tonks dem Tränkemeister zu. „Das Risiko ist nicht tragbar. Remus, es tut mir Leid." Sie erhob sich. „Ich muss zurück ins Ministerium", sagte sie. „Wir sehen uns heute Abend, wenn du willst, Remus. Machst du Spaghetti?"
Remus antwortete nicht. Er konnte sich weder mit der Planung des Abends befassen, noch über die Speisefolge nachdenken. Alles, woran er denken konnte, war Lucius. Lucius, den er jetzt vermutlich bis zu seinem Prozess nicht mehr wiedersehen würde. Lucius, den er so sehr vermisste, dass es wehtat und um den er sich entsetzlich sorgte. Plötzlich hatte er das Gefühl, als wäre alle Farbe aus der Welt gewischt.
Er sah einen grauschwarzen Snape aufstehen und sich knapp verabschieden, immerhin mit dem Versprechen, über das Zusammenwirken zwischen Polyjuice und Lykantrophie nachzuforschen.
Er hörte Tonks anbieten, für den Fall, dass Spaghetti keine gute Idee seien, eine Pizza zu bestellen.
Er hörte sich selbst sagen, dass er nichts essen wolle und lieber allein bliebe, obschon er eigentlich nichts so sehr fürchtete, wie einsam in den düsteren Haus den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert zu sein.
„Ich würde als Esser gerne einspringen", bot Gawain an, nachdem Snape offenbar schon fort gefloot war. „Ich liebe Spaghetti und Pizza."
Tonks antwortete mit einem hörbaren Lächeln in der Stimme: „Sie geben nicht leicht auf, oder? Aber es tut mir Leid, ich habe ein Problem damit, mit dem Neffen meiner Chefin auszugehen."
„Du arbeitest für Tante Mini?" fragte er interessiert.
„Nein, eher für Tante Di", erwiderte Tonks.
Er lachte. „Die heißt Tante Diana. Eine Abkürzung würde sie niemals dulden. Und keine Angst, ich werde nicht petzen bei der nächsten Familiefeier."
Tonks lächelte. „Es tut mir wirklich Leid, Gawain. Aber ich glaube, ich möchte Remus heute Abend nicht alleine lassen."
„Okay", sagte er. „Dann geh' am Wochenende mit mir aus, und ich werde mir etwas ausdenken, um ihn nach Askaban zu bringen."
„Ich werde es mir überlegen", erwiderte Tonks.
„Ist das ein ‚Ja'?", erkundigte er sich hoffnungsvoll.
„Es ist ein entschiedenes ‚Vielleicht'", sagte sie. „Auf Wiedersehen, Mr. Gray."
„Gawain", korrigierte er sie. „Bis bald, Supertonks."
Remus hörte den Kamin fauchend aufflackern, nachdem Tonks das Floopulver hinein geworfen hatte.
Kurze Zeit später kehrte der Amerikaner in die Küche zurück.
„Was für eine coole Frau. Metamorphmagus, das ist natürlich…ungewöhnlich."
„Du hast einen Freund, der lykantroph ist, habe ich das richtig verstanden?", fragte Remus nach. Irgendetwas machte ihn misstrauisch an Gawain Gray.
Dieser zuckte die Achseln. „Es gibt Schlimmeres, oder?"
Remus antwortete nicht.
„Hey, es gibt Wolfsbann und die Amerikanische Verfassung. Warum sollte man einen Menschen nach nur einem von achtundzwanzig Tagen beurteilen?", fragte Gawain entspannt.
„Ich wusste gar nicht, dass die USA so eine außergewöhnlich liberale Werwolfspolitik haben", erwiderte Remus.
„Naja, natürlich ist es regional sehr unterschiedlich", gab Gawain zu. „Als Werwolf in Texas zu leben ist nicht eben ein Zeichen von Intelligenz. Aber hey, es gibt ja noch New York, Rhode Island, Minnesota und natürlich Kalifornien. Ihr seht das ganze Problem einfach viel zu verkrampft hier in Großbritannien."
„Offensichtlich", konstatierte Remus trocken. Er hatte nicht übel Lust, dem jungen Mann ein mehrwöchiges Praktikum in Umbridges Abteilung zu empfehlen.
Gawain machte sich indessen unverkrampft an den eben erworbenen Toast heran.
„Ich kann auch einkaufen", sagte er mit vollem Mund kauend. „Das hier ist ja kein Frühstück. Wo sind denn die Cornflakes?"
„Wir haben hier nur begrenzte Ressourcen, Mr. Gray, die für eine Weile ausreichen müssen, und…"
„Gawain", verbesserte ihn der junge Zauberer und spülte den Toast mit einem Schluck Kaffee hinunter. „Und ich brauch' kein Geld vom Orden, um einzukaufen. Meine Ressourcen sind okay, Merlin sei Dank. Aber was mich interessieren würde: Malfoy ist doch der blonde Musterreinblüter mit dem protzigen Landsitz in Willshire. Tante Mini sagt, das ist ein Ultra."
„Ein Ultra?", fragte Remus nach. langsam begann er Severus' Beurteilung der Sprache des Jungen zu teilen.
„Ein Extremtodesser, du weißt schon, mit Dunklem Mal und dem ganzen Symbolik-Mist. Warum willst du den denn unbedingt in Askaban besuchen?"
Er musterte Remus interessiert mit seinen blauen Augen.
„Das ist…". ‚Privat' hatte Remus sagen wollen, aber schließlich beendete er den Satz mit „eine längere Geschichte." Er erhob sich. „Müssen Sie nicht…irgendetwas arbeiten?"
„Allerdings, Al hat mich um ein paar Bücher aus der Black'schen Bibliothek gebeten, deshalb bin ich überhaupt nur hier."
„Al?", fragte Remus nach, und er hatte eine sehr bestimmte Ahnung, die ihn schon im Voraus mit einem unfreiwilligen Lächeln kämpfen ließ.
„Albus natürlich. Er hat mir auch gesagt, ich kann hier wohnen. Ich habe mir übrigens den Dachboden oben zurecht gemacht. Ich hab's gerne hell und luftig. Stank am Anfang ziemlich nach Hippogreif da oben, aber als die Federn und der Mist draußen waren, ging's wieder. Ich hoffe, du hast nichts dagegen, wenn ich da wohne? Al meinte zwar, es sei kein Problem, aber ich will dir auch nicht auf die Nerven gehen. Ist das Haus von Sirius Black, hab ich gehört. Muss ein cooler Typ gewesen sein. Tante Mini mochte ihn sehr."
„Wir haben ihn alle sehr gemocht", sagte Remus.
‚Sirius', dachte er, ‚wie sehr ich dich jetzt an meiner Seite bräuchte. Dir würde sicher etwas einfallen, wie wir nach Askaban kommen. Vermutlich würdest du irgendetwas anstellen, und dich dann für ein paar Wochen dort einsperren lassen.'
Doch nein, es wäre das letzte, was Sirius tun würde. Wie konnte Remus nur die zwölf Jahre vergessen, die sein Freund unschuldig in dieser Hölle verbringen musste?
„Willst du mitkommen, ein paar Körbe werfen?", drang Gawains Stimme von fern an sein Ohr. „Ist ziemlich schön draußen. Sonnig und klar, zwar'n bisschen kalt, aber wenn man sich bewegt, geht's."
Remus schüttelte nur den Kopf.
„Ich helfe dir, die Bücher zu suchen, die Albus benötigt", sagte er.
Arbeit war das einzige, das Remus davor bewahren würden, den Kopf zu verlieren und etwas sehr Dummes und Sinnloses zu tun.
Fortsetzung folgt
Danke für die lieben Reviews vom letzten Kapitel:
Elementargeist, Glupit und Lucy
Literaturangabe (hier wird nicht geklaut!):
Die Idee mit dem Schraubglas voller Muggelgeld in Nummer Zwölf stammt ursprünglich von Textehexe, und den Nachnamen des süßen Gawain Gray – die erste One-Wolf-Boyband der Fanfiction-Geschichte - habe ich mir bei Slytherenes 'Hintertreppenwolf' ausgeliehen.
Ich verrate mit dem Titel natürlich etwas über Gawain, wovon Tonks noch nichts ahnt, aber Ihr habt bestimmt alle erraten, was sein Geheimnis ist, oder?
