Kerkermond Evolution 20

Kerkermond Evolution 20

Trashig-slashige Fanfiction, in der Remus, der Mann, dem man androhte, er werde eines Tages an seinen Konjunktiven ersticken, dem Tränkemeister endlich mal ein paar Takte sagen darf; das wurde auch Zeit!


Vielen Dank für eure Reviews: So macht schreiben richtig Spaß! Danke an Sunuxal, Lucy, Glupit, Jenn und Slytherenes Nicole ;-): Das ich von dir ein ‚ergreifend' lese, weiß ich wirklich zu schätzen!

Beta: Slytherene ;-)

Im letzten Kapitel hatte ich all das Kursiv gesetzt, was Remus durch Severus' doppelten Legilimens sieht. Diesmal habe ich darauf verzichtet. Nur Lucius' Erinnerungen sind kursiv, wenn sie lange zurück liegen.

Man stelle sich das sonst in aller Unübersichtlichkeit vor: Ein Zauberer (Remus) hat eine gedankliche Verbindung mit einem zweiten (Severus), der ihm zeigt, was er im Kopf eines Dritten (Lucius) gesehen hat. Und dann erinnert sich dieser Dritte an etwas, das fünfzehn Jahre in der Vergangenheit liegt. Da ich das nicht kursiv, gerade und am Ende mit Kapitälchen setzen wollte, erkennt ihr es einfach an der Zeitform:

Remus' Perspektive: Vergangenheit

Lucius' Perspektive: Präsens

Einige haben mir geschrieben, sie fanden es sehr spannend, die Zeit im Kerker einmal aus Lucius' Perspektive zu sehen. Nun, hier ist der Rest der Vollmondnacht. Enjoy!


Lucius: Wolfsnacht

Lucius zieht den Umhang mit dem Nerzbesatz zurück. Die Kinder schlafen friedlich, das Mondlicht lässt ihre kleinen dunklen Gesichter wie mit Perlmutt bepudert strahlen. Sein Blick wandert zu Remus, der am Boden kauert und sich immer mehr von dem Menschen entfernt, den Lucius in den letzten Tagen kennen gelernt hat. Mit beinahe wissenschaftlichem Interesse beobachtet er, wie der Wolf den Rest des Menschen abstreift.

Lucius wirft einen Blick zum Himmel. Der Mond steht rund und silbrig zwischen den von eiligen Winden getriebenen Wolken. Der Wolf kommt indessen torkelnd auf die Füße. Es ist ein großes, etwas abgerissenes Tier. Die langen weißen Fänge heben sich deutlich von dem falben Fell mit den silbriggrauen Grannen ab, und die bernsteinfarbenen Augen erinnern Lucius an flüssigen Honig.

Der Wolf hebt die Schnauze und wittert. Sein hungriger Blick fixiert die Kleinen. Lucius stellt sich ihm in den Weg. Jetzt wird sich zeigen, was das Ritual wert ist.

„Remus, nein. Lass die Kinder."

Der Wolf hebt den Blick.
Lucius sieht seine eigene Spiegelung in den seltsam gemaserten Augen: Eine schlanke Gestalt, deren helle Haare das blasse Mondlicht reflektierten.
Der Wolf knurrt drohend. Er spannt seine Muskeln, bereit zum Sprung. Doch plötzlich hält er inne. Ihre Blicke verschmelzen miteinander und die Bestie – das Tier vielmehr, denn anders wirkt er nicht auf Lucius als ein etwas zu groß geratener, unsicherer Wolf – scheint sich zu beruhigen.

„Nein, Remus nicht. Komm nicht näher."

Lucius ist dankbar für den festen und sicheren Klang seiner Stimme. Er hat die Faust um den Zauberstab geballt, aber er weiß jetzt schon, dass er ihn gegen Remus nicht einsetzen muss. Er hat den Gefährten erkannt hinter der Maske des Wolfes – und er spürt ihre Verbindung.

Der Wolf senkt den Kopf und lässt die Zunge aus dem Maul hängen. Langsam tappt er näher, winselnd. Lucius lächelt und streckt vorsichtig die Hand aus. Er ist neugierig, wie sich das Fell des Werwolfs anfühlt, er könnte schwören, dass es dicht und weich ist wie Pelz, und dass es angenehm sein wird, ihn zu streicheln.

„Remus", ruft er den Wolf zu sich. Doch bevor er ihn erreicht, veränderte sich plötzlich etwas im Raum. Lucius spürte die Kälte und die Aura von Bedrohung und Gefahr. Mit einem einzigen Satz ist der Wolf hinter Lucius, die Rute eng zwischen die Hinterbeine geklemmt.

Lucius hat keinen Blick mehr für den pelzigen Feigling in seinem Rücken, denn die Tür knirscht in den Angeln. Ein riesiger Dementor, verhüllt und düster, erscheint im Türrahmen. Langsam gleitet er auf Lucius zu.

Lucius konzentriert sich. Es ist die immer gleiche Erinnerung, seit mehr als fünfzehn Jahren:

Lucius steht ganz vorne an der riesigen grauen Schieferplatte. Es ist ein uralter Opferstein aus druidischer Zeit, und die weißen Tauben in ihrem Käfig flattern unruhig auf und ab. Obwohl er jeden einzelnen Schritt der Zeremonie minutiös auswendig kennt, ist Lucius nervös.
Sein Schwur ist hundertmal in die Nacht geflüstert, aber jetzt muss er ihn fehlerfrei zuwege bringen, und es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass Lucius, der Perfektionist, angesichts von Narcissas Schönheit und Liebreiz kläglich scheitern wird.

Mit dieser Hand nehme ich Kummer von dir fort.
Dein Becher wird niemals leer sein, denn ich werd sein dein Wein.

Mit dieser Kerze erleuchte ich deinen Weg mit hellem Schein.
Mit diesem Ring bitte ich dich zu werden mein."

Lucius sucht die Augen seines Vaters, und dieses eine Mal findet er nicht Verachtung und Missgunst in dem eisigen Grau, sondern Stolz und Zufriedenheit. Die junge Narcissa Black ist trotz ihres missratenen Cousins eine gute Wahl für einen Malfoy.

Die Gesichter der Gäste sind nur bleiche Schatten in Lucius' Erinnerung. Einzig Severus' dunkler Blick und Bellatrixens klassisch-schönes, stark geschminktes Gesicht stechen hervor. Doch auch sie verblassen, als Cissy an der Seite ihres Vaters unter dem Bogen aus schwarzen Rosen auftaucht. Als sie ihm zulächelt, weiß Lucius, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat.

„Expecto patronum!"

Silberner Nebel schießt aus Lucius' Zauberstab, und der Seelensauger weicht zurück. Doch Lucius kann seine eisige Präsenz spüren, die sich im ganzen Raum weiter ausbreitet. Es sind noch mehr von ihnen da, und sie ziehen den Kreis um die Zelle enger.

Hinter ihm legt der Wolf den Kopf in den Nacken und heult.

Lucius fühlt, wie sein Arm unnatürlich schwer wird. Ganze Bäche von kaltem Schweiß rinnen ihm am Körper hinab und er versucht, sich auf Narcissas Gesicht zu konzentrieren. Ein Schrei hallt in seinen Ohren wieder, und er sieht, wie sich ihre Züge in namenloser Qual verziehen, und dann brennt sie.
Merlin, sie drehen ihm jede einzelne Erinnerung im Kopf in grässliche Bilder um! Alles, woran er sich stets festhalten konnte, Cissys Gesicht, ihre Augen, werden zu einer Fratze aus Flammen. Lucius kämpft. Er konzentriert sich. Eine glückliche Erinnerung: Wenn nicht an Narcissa, dann an Draco. Er denkt an Dracos Geburt.

Er hastet die Treppe von Malfoy Manor hinauf, und zum ersten Mal in seinem Leben nimmt er sich nicht die Zeit, die Reitstiefel auszuziehen.

Master Lucius, oh schnell!" piepst Missy aufgeregt und hüpft neben ihm die Marmortreppe nach oben.

Er stößt die Tür zum Schlafzimmer auf und hört Narcissa schreien. Als sie ihn sieht, legt sich ein schimmernder Glanz über ihr schweißnasses Gesicht.

Merlin sei dank, du bist da."

Er zieht seinen Stab und spricht einen ‚Dolorcalmus', dann umarmt er seine Frau und stützt sie hoch. Zauberer hin oder her, Kinder werden nun mal genau so wie bei den Muggel geboren. Man kann sie nicht aus dem Körper der Frau heraus zaubern. Es ist vier Wochen zu früh für dieses Kind.
Sie verkrampft sich, presst ein letztes Mal, und dann geht alles sehr schnell.

Minuten später legt Missy ihnen eine sauber gewickeltes, in weiße Roben gekleidetes Baby in den Arm. Es hat die winzigsten Fingerchen, die Lucius je gesehen hat, und sie schließen sich fest klammernd um seinen Zeigefinger.

„Expecto…"

Doch das Kindergesicht verwandelt sich plötzlich vor seinen Augen, aus blauen Babyaugen werden rotglühende Schlitze, und ein hohes, kaltes Lachen füllt die Luft.

Lucius versteht, sie werden ihn überrennen mit ihrer bösen Macht, alles Gute in etwas Grässliches zu verwandeln. Er hat eine letzte Waffe, doch sie ist stumpf. Zu sehr hat er die Kraft, die in seiner Seele wohnt, ausgeschöpft zwei Nächte zuvor. Dennoch spricht er den Zauber der arabischen Wüste, versucht die Tür zum Kern dieser Magie, die so anders ist als sein arkanes Fluidum, ein weiteres Mal aufzustoßen. Er spürt, dass er versagt. Er wird es nicht schaffen.
Er ist gezwungen, vor dem Dementoren zurück zu weichen, schon stößt die Pritsche an seine Kniekehlen.

Der Wolf hinter ihm knurrt. Eine dunkle, unmissverständliche Warnung.

Lucius geht vor dem finsteren Feind auf die Knie. Als die riesige Gestalt sich über ihn beugt und rasselnd Atem holt, bittet Lucius still um ein Wunder.

Das Wunder ist schon da. Etwas Graues fliegt förmlich durch die silberhelle Nacht und laut knurrend schießt der Werwolf an ihm vorbei und verbeißt sich in den Hals des Dementors. Für einen Moment scheint es, als gewinne der Werwolf die Oberhand über den überraschten Wächter Askabans. Doch dann dringen lange Fingernägel in das Fell des Tieres, Remus knurrt, doch ein langgezogenes, qualvolles Jaulen durchdringt die Zelle.

Lucius kämpft gegen die Kälte und Schwärze, die ihn einhüllen. Er weiß, was das klägliche Jaulen bedeutet, und er kann es nicht zulassen: Kann nicht zulassen, dass die Kinder auf diese Art sterben, und vor allen nicht dulden, dass sein Gefährte dieses grausame Ende findet.
Gefährte – Lucius wird den Dementoren etwas geben, das stark ist und einmalig, eine dunkle Kraft, die ihrer eigenen gleicht und sich doch so grundsätzlich unterscheidet. Ein letztes Mal konzentriert er sich.

Es ist nicht lange her, dass er den Wolf, der jetzt schlaff in den Klauen des Dementors hängt, lebendig und warm Haut an Haut bei sich gespürt hat. In dem Augenblick, in welchem Lucius die Erkenntnis zulässt, dass diese Stunden mit Remus Lupin ein Lichtblick waren in der Düsternis des Kerkers, dass sie – jetzt, wo die beiden Männer aneinander gebunden sind – glückliche Stunden sind, löst sich etwas in ihm.
Die Starre bricht, und eine Macht, strahlend und hell, bricht aus dem gemeinsam modifizierten Stab hervor.

„Expecto patronum!"

Ein riesiges silbriges Tier drängt sich zwischen den Wolf und die dunkle Gestalt des ersten Dementors. Das Licht des Patronus überstrahlte das bleiche Antlitz des Mondes, und es jagt Bosheit und Kälte aus dem Raum. Gleichzeitig öffnet sich das Tor in Lucius' Innern, und entlässt einen Sturmwind wüstengeborener Magie.

Lucius sieht nach Remus. Der Werwolf ist ohne Besinnung, doch er kommt schnell wieder zu sich, und er fühlt sich warm und kräftig an.

„Behüte die Kinder!", sagt er zu Remus, dann geht er auf die Jagd. Nicht ein einziger Dementor wird in diesem Gebäude verbleiben, schwört er sich. Lucius folgt dem silberhellen Glanz seines Patronus, ein warmer Wind zerrte an seinem Haar, der hier drin gar nicht sein dürfte.
Feiner weißer Sand legte sich auf das Wolfsfell und die Pritsche mit den Kindern, bedeckt den Steinboden wie frisch gefallener Schnee.

Als Lucius Stunden später zurückkehrt, auf dem Fuße gefolgt von dem riesigen, silberhell schimmernden Wolfspatronus, berührt sein Fuß den hellen Sand, der sich wie ein schützendes Tuch über den Werwolf und die Kinder gelegt hat.

Lucius weiß um die Fähigkeiten eines gestaltlichen Patronus, Nachrichten zu überbringen. Er hat jedoch gesehen, wie sich Remus' magerer Wolfspatronus immer wieder an Voldemorts Barriere erschöpft hat. Sein Blick ruht auf dem viel größeren, mächtigeren Tier, das er selbst beschworen hat. Er ist so fest und stark, dass Lucius nicht einmal den Zauber wiederholen muss. Er fragt sich, ob die Anwesenheit des silbernen Begleiters bedeutet, dass er endgültig die Fronten gewechselt hat.

Dies zieht die Frage nach sich, wem er diesen Patronus schicken könnte. Wem kann Lucius noch vertrauen?

Seine ‚Freunde' scheiden aus, bis auf Severus, dem er stets blind vertraut hat, doch der Tränkemeister hat Lucius im letzten Jahr gemieden, ohne dass es eine Erklärung dafür gibt. Sein Sohn – nein, Draco hat noch nicht die Erfahrung, derer es hier bedarf. Außerdem ist er viel zu nahe an seiner Tante Bellatrix, und Familie ist damit eine ziemlich schlechte Option.

Und doch…vielleicht ist ‚Familie' doch keine so schlechte Wahl, wenn man den Begriff großzügig auslegt.

Vor Lucius' innerem Auge manifestiert sich ein Gesicht, umrahmt von feuerrotem Haar. Nymphadora Tonks. Sie gehört immerhin zur Familie, und sie ist eine Vertraute für Remus, an dessen Überleben Lucius jetzt auch mitdenken muss.

Lucius dirigierte den Patronus zum Fenster hinaus. Ein paar Mal bricht sich das silbrige Wesen an der unsichtbaren Mauer, die das Gefängnis umgibt, doch dann gleitet er hindurch und verschwindet in der dunklen Nacht. Dieser Patronus speist sich aus zwei Seelen, natürlich ist er stark genug, die Wand zu durchdringen, denkt Lucius.
Lucius sieht ihm nach, dann wendet er sich Wolf und Kindern zu. Er ist plötzlich zu Tode erschöpft, und die Augen drohen ihm im Stehen zuzufallen. Sein Wolf begrüßt ihn mit ekstatischem Belecken seiner Hände, und Lucius streichelt ihm sanft über den zottigen Kopf.

„Die Dementoren sind fort. Hoffen wir nur, dass dein silbriger Kollege die Auroren schneller erreicht als die Kunde von ihrem Versagen den Dunklen Lord."

Er dirigiert die Matratze neben die Pritsche und steckt den Zauberstab ein. Abwartend verharrt Remus am Kopf der Pritsche. Lucius streckt sich aus, und er bewundert das silbrige Schimmern der grausilbernen Haare des Wolfs im verblassenden Licht der Sterne.

„Remus. Komm."

Der Wolf lässt ein kurzes Fiepen hören, dann legt er sich neben Lucius und bettete den grau beharrten Kopf mit der langen Schnauze in seine Armbeuge. Er schnüffelt, seufzt zufrieden auf und schließt die Augen.

Lucius nimmt den Geruch der Kreatur wahr, doch er stört ihn nicht. Das Gewicht der Schnauze auf seiner Schulter und die Wärme des pelzigen Körpers versichern ihn der Anwesenheit des Gefährten, und es ist seltsam tröstlich, dieser Welt nicht mehr alleine die Stirn bieten zu müssen.

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Remus trat einen Schritt zurück, als die Verbindung zwischen ihm und Severus nur noch Dunkelheit an sein Hirn sandte. Das letzte Bild, das er empfangen hatte, zeigte Lucius in Askaban, eine schlanke Silhouette im Fensterkreuz vor einem fahlen Vollmond. Nur sein helles Haar leuchtet im Mondlicht.

„Wie rührend", drang Severus' Stimme sarkastisch an sein Ohr. „Wie eine misslungene Karikatur eines Pierrot. Ihm fehlt nur noch die Clowsbemalung."

„Du bist ungerecht, Severus", sagte Remus bestimmt. „Unsere Entscheidung hat Dhakira, Johari und Babu das Leben gerettet. Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben. Was denkst du: Gibt es eine Möglichkeit, Lucius aus Askaban zu befreien?"

Der Tränkemeister schüttelte den Kopf. „Ich habe keine gesehen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm."

„Du hast einen Stab an den Wachen vorbei geschmuggelt", wandte Remus ein.

„Einen Legilimentenstab. Er wirkt nur für diesen einen Zauber und besteht aus schwach magischem Holz, ohne einen Kern wie Einhornhaar oder Drachenherzfasern. Jeder andere Stab wäre schon beim Ablegen nach Askaban von den Detektoren aufgespürt worden. Außerdem, selbst wenn ich wüsste, wie man Malfoy befreien könnte – welchen Grund sollte ich haben?"

„Was hat Lucius getan, dass du ihn derart verabscheust?", fragte Remus zurück.

„Falls du nicht jede Erinnerung an deine Zeit vor deiner Gefangenschaft verdrängt hast, Lupin, Malfoy war über Jahre die rechte Hand des Dunklen Lords", zischte Snape. „Er hat mehr Unheil über die Zauberergesellschaft gebracht, als er jemals gutmachen kann. Ich bin absolut davon überzeugt, dass er eine harte Strafe verdient."

Remus fixierte die schwarzen Augen seines Gegenübers. „Insbesondere dafür, dass er die Frau geheiratet hat, die du…"

„Schweig, Werwolf!", schrie Snape ihn an, weiß vor Wut.

„Merlin, Severus, sind wir wieder soweit?", fragte Remus provozierend ruhig. „Weißt du nicht, dass du dich nicht besser fühlen wirst, wenn du mich zu beleidigen versuchst? Im übrigen: Ja, ich bin ein Werwolf. Und weißt du was, ich habe mich daran gewöhnt. Es ruiniert mein Leben, aber ich kann es nicht ändern. Und so sehr ich meine Lykantrophie bedaure, eines habe ich eben gelernt: Wäre ich nicht, was ich bin, hätte ich den Dementor in diesem Kerker niemals angegriffen, und Lucius, die Kinder und meine unwürdige Wenigkeit lägen jetzt bestenfalls in der geschlossenen Abteilung des St. Mungos, unserem Tod entgegen dämmernd."

Er packte Snape am Arm und zerrte ihn in Richtung des Schreibtischs. Sein Puls raste.

„Ich kann verstehen, dass du mir nicht helfen willst. Was immer ich auch tue, Du verachtest mich, und dies wird sich nicht ändern. Es ist nicht in Ordnung, aber ich kann damit umgehen.
Du hasst Lucius, deine Weigerung, auch nur einen Finger für ihn krumm zu machen, ist insofern nachvollziehbar. Aber vielleicht stellst du dir mal die Frage, was Narcissa, die dich genug geliebt hat, um für dich in den Tod zu gehen, für Lucius gewollt hätte. Hat sie ihn ebenso gehasst wie du? Würde sie wollen, dass er in Askaban verrottet? Ich habe in deinem Kopf gesehen, wie sie ihn angesehen hat, als er in Voldemorts Thronsaal auftauchte, und für mich sah das nicht nach Verachtung, Abscheu oder abgrundtiefem Hass aus. Sie hat dich geliebt, und doch hat sie ihm vertraut. Es mag dir nicht gefallen, aber diese beiden waren bis zum Schluss einander verbunden. Er hat alles riskiert, um sie zu retten, obwohl er in diesem Moment dort unten wusste, dass sie ihn betrügt.

Wenn dir das egal ist, dann kümmere dich um die Aufsätze hier auf deinem Schreibtisch. Solltest du jedoch zu dem Schluss kommen, dass du ihm doch mehr als die Unterbringung seines Sohnes fernab von Voldemort schuldest, weißt du, wo du mich findest."

Mit diesen Worten ließ er den Tränkemeister stehen und eilte zur Tür hinaus. Er bedauerte Severus, ja er bemitleidete ihn zutiefst für den grässlichen Verlust, den er erlitten hatte. Aber dieses eine Mal würde er keine Rücksicht auf ihn, den Orden oder das „große Ganze" mehr nehmen können. Wenn er Lucius retten wollte, musste er jede Chance ergreifen, die sich ihm bot.

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„Snape wird uns also nicht helfen?", stellte Gawain fest, nachdem Remus seinen Bericht beendet hatte.

Er saß mit dem jungen Werwolf und Tonks im Grimmauldplatz in der Küche, und Remus hatte ihnen – ohne eine der Informationen preis zu geben, die Severus hätten diskretitieren können – berichtet, dass Lucius weder seine eigene Frau noch Nora Shacklebolt getötet hatte, und dass es dem Slytherin den Umständen entsprechend gut ging.

„Hast du einmal über die legale Möglichkeit nachgedacht?", fragte Tonks.

„Was meinst du?", erkundigte sich Remus.

„Es ist nicht gesagt, dass der Wizzen Gamot ein ungerechtes Urteil fällen wird", erklärte sie. „Ich verstehe, dass du dies nach deinen negativen Erfahrungen mit dem Ministerium voraus setzt, aber das Interesse an dem Prozess wird enorm sein. Das Ministerium steht unter der Beobachtung ganzer Heerscharen internationaler Reporter, man wird ihn nicht einfach so verurteilen können. Gawain hat sich auch vor Gericht durchsetzen können."

Sie ergriff die Hand des anderen Zauberers.

„Das war vor einem amerikanischen Gericht, Tonks", erwiderte Gawain. „Wir haben ein relatives striktes Verständnis von Gerechtigkeit. Ich war ein Werwolf und unschuldig. Malfoy hingegen ist oder war ein Todesser und - sorry, Remus, aber es ist die Wahrheit – definitiv schuldig. Ich glaube, er wird den Kopf auch dann nicht aus der Schlinge ziehen können, wenn er einen gerechten Prozess bekommt."

„Mir ist egal, was er getan hat. Ich kann nicht ertragen, ihn in Askaban verrotten zu sehen", erwiderte Remus heftig.

„Es fällt mir um deinetwillen schwer, dies hinzunehmen, Remus", sagte Tonks und legte ihre Hand auf die seine. „Aber wenn ich ehrlich sein soll, hat er's verdient, und zwar der Rettung von King's Kindern zum Trotz." Sie sah ihn ernst an. „Versteh' uns nicht falsch, wir halten zu dir, aber dies ist unsere ehrliche Meinung."

Hilflos griff Remus zu seinem Rotweinglas. Was sollte er nur tun, wenn selbst seine Freunde ihm nicht helfen wollten oder vielmehr, dies für den falschen Weg hielten?

„Wenn du eine Möglichkeit siehst, deinen Freund zu befreien, kannst du auf mich zählen, Remus – und auf das Rudel", sagte Gawain in die unerfreuliche Stille hinein. „Aber derzeit weiß ich nicht, wie wir mit ein paar Männern Askaban stürmen sollen, oder den Gerichtssaal des Zauberergamots."

Fortsetzung folgt


Ein Wort an meine lieben Severus-Fangirls: Nachdem so nachdrücklich für ihn Partei ergriffen wurde, werde ich extra für euch ganz am Ende ein Severus-zentrisches Kapitel schreiben. Und ihn vielleicht ein bisschen glücklich machen(sorry, Nicole – aber es gibt noch ungefähr 20 Kapitel, also genug Zeit, mich vom Gegenteil zu überzeugen ;-)). Wenn er ab jetzt schön brav ist…na, schauen wir mal. ;-)

Ach ja: Eine Tafel Schokolade an denjenigen, der mir zuerst sagen kann, aus welchem Film Lucius' Eheversprechen ist. ;-)