Kerkermond Evolution
Trashig-slashige Fanfiction, heute mit einem verzweifelten Werwolf und purem Sex – allerdings der Heterosorte. Remus mal anders – wohl bekomm's!
Hey, danke für die lieben Reviews:
Lucy, Glupit und Sunuxal
Die (noch virtuelle) Schokolade geht an Sunuxal, die als einzige "Corpse Bride" gesehen hat, und sich an Victors Schwur erinnerte. Ein zuckersüßer, wunderschöner Film übrigens, gleichzeitig ein echter Tim Burton. Loben und hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf Sunuxals Fanfiction Lupus est homo homini. Slytherin durch und durch und sehr außergewöhnlich, vor allem aber auch abseits jedes Klischees meisterhaft geschrieben.
21.Remus: Ein Akt der Verzweiflung
Als Remus am übernächsten Morgen bereits um halb sechs in die Küche schlich, war er mehr als verblüfft, dort auf Gawain zu treffen. Der Amerikaner hatte Kaffee, Corn Flakes, Milch, Honig und Toast auf ein Tablett geladen, und war eben damit beschäftigt, einen filigranen Strauß Frühlingsblumen in einer Vase zu arrangieren.
„Hey Remus", grüßte er verblüfft. „Du bist aber früh auf den Beinen."
„Das kann man von dir auch sagen", gab Remus zurück. „Was wird das?"
Gawain grinste. „Frühstück im Bett. Tonks muss zur Frühschicht, und gestern Abend war es spät. Ich dachte, ich lasse sie so lange schlafen wie möglich."
„Und wofür die Blumen?", erkundigte sich Remus.
Das sah dem auf Formlosigkeit bedachten jungen Werwolf so gar nicht ähnlich. Doch Gawain überraschte seinen Mitbewohner.
„Es sind zwei Monate", sagte er. „Als Mann musst du dein Mädchen schon ein bisschen verwöhnen, damit sie bei dir bleibt. Das Spiel solltest du doch kennen."
„Du meinst als Lykantroph?", fragte Remus nach.
Auf Gawains Gesicht spiegelte Erstaunen. „Nein, ich meinte als Kerl ganz generell. Du glaubst doch nicht, dass eine wie Tonks wegen des bisschen Mondsucht einen Unterschied macht?"
Remus erwiderte nichts. Er hatte ganz andere Erfahrungen gemacht, aber vielleicht hatte er die Sache in der Vergangenheit auch völlig falsch angepackt. Er beneidete Gawain um die Selbstverständlichkeit, mit der er seine Lykantrophie lebte, und er gönnte ihm und Tonks ihr junges Glück von Herzen.
„Wo willst du eigentlich hin?" fragte Gawain, als er Remus jetzt etwas genauer betrachtete.
Es war nicht gerade Usus, dass der ältere Werwolf in Muggelklamotten herum lief, und schon gar nicht in Jeans und langem Ledermantel.
„Es ist Sirius' Mantel", sagte Remus. „Sein Motorrad steht ein paar Straßen weiter in einer Muggelwerkstatt. Zumindest stand es vor einem dreiviertel Jahr noch dort. Er hat den Krümmer nicht reparieren können, weil ihm Ersatzteile fehlten."
„Na, das werden die längst verscheuert haben", sagte Gawain. „Was ist es denn?"
„Eine Enfield", erwiderte Remus.
„Dann könntest du Glück haben", meinte Gawain. „Die reverse Schaltung will kaum jemand fahren. Ich muss hoch", sagte der junge Zauberer mit einem Blick auf seine Armbanduhr, ließ das Tablett vor sich her schweben und stieg die Treppe hinauf.
Remus atmete tief durch, entschied, dass er keine Tee mehr wollte und machte sich auf den Weg. Endlich hatte er einen Plan.
oxoxoxoxoxoxoxo
Er apparierte in ein ziemlich heruntergekommenes Industriegebiet im Osten Londons. Kein Mensch begegnete ihm auf seinem Weg zwischen verlassenen Fabrikhallen und illegalen Müllhaufen. Remus musste sich nicht mal konzentrieren, um die Orientierung zu behalten. Er war schon einmal hier gewesen, und jeder Werwolf würde einen Ort wie diesen blind wieder finden. Er überquerte einen Parkplatz, auf dem ein paar Autowracks vor sich hin rosteten, trat durch einen schmalen Durchgang in einen Hinterhof, ignorierte eine paar panisch flüchtende Ratten, die seine Schritte offenbar aufgescheucht hatten und ging direkt auf die schmale Treppe zu, die über zwei Duzend tiefer Stufen zu einer abgeschabten Feuerschutztür hinab führen.
Mit der schwarz behandschuhten Faust schlug er grob gegen die Tür. Es dauerte einige Sekunden, dann hörte er, wie ein Schlüssel gedreht wurde.
Die Tür öffnete sich einen Spalt, und ein Geruch nach Schweiß, Tabak und billigem Fusel drang ihm entgegen, zusammen mit einem geschmeidigen Saxophonlauf auf sattem, souligem Klangteppich.
„Noch zwei Tage bis zum Mond", sagte Remus in den Spalt hinein.
Die Tür wurde weiter geöffnet, Remus holte noch einmal tief Luft, dann ging er hindurch.
In der Bar empfingen ihn schwülstige Musik und rötliches Licht. Er sah sich um. Die runden Tische mit den abgeschabten Sesseln aus bordeauxfarbenem Samtimitat waren leer bis auf die überquellenden Aschenbecher und ein paar halbleere, vergessene Gläser. Am Tresen saßen ein paar gebeugte Gestalten mit unrasierten Gesichtern und langen Mänteln, wie auch Remus einen trug. Am Dresscode hatte sich offenbar in fünfzehn Jahren nichts geändert. Aus einem Hinterraum klang das Klacken von Billiardkugeln und in einer Ecke flackerte und tönte ein Flipper.
„Diamond light, lover boy…", tröpfelte es aus der Musikanlage. ‚Sade', dachte Remus. Auch an der Musik hatte sich offenbar nichts verändert.
Auf der Tanzfläche drehte sich ein letztes Paar zum Takt der Musik. Remus bestellte beim Barkeeper, einem dünnen, blassen Mann mit den typischen Ringen um die Augen, die jetzt auch in Remus' Gesicht bereits zu sehen sein mussten, ein Pint.
Er beobachtete das Paar auf der Tanzfläche. Die Frau, eine zierliche Asiatin, hatte die Beine um die Hüften ihres Partners geschlungen. Sein Mantel verdeckte nur unzureichend, dass ihr kurzer Rock sehr weit hoch gerutscht war, ihr Stringtanga sehr weit seitlich saß und der grauhaarige Mann, der sie hielt, seine Hose ebenfalls geöffnet hatte. Sie bewegten sich rhythmisch und selbstvergessen, mit geschlossenen Augen, ganz offenbar ohne einen Gedanken an ihr Publikum zu verschwenden. Remus konnte sehen, wie sich der feucht glänzende Schaft des Werwolfs zwischen den Beinen der Frau bewegte, vor und zurück, immer schneller und schneller, bis sie schließlich den Kopf in den Nacken legte und ein schrilles Jaulen ausstieß. Ein tiefes Knurren und etwas wie ein Grunzen antwortete ihr, und ihr Partner leckte ihr beinahe zärtlich über Kinn und Mund. Er hatte die Hände unter ihren Pobacken, und er schien kein Bedürfnis zu verspüren, die Frau wieder abzusetzen. Sein nun schlaffes Glied rutschte aus ihrer Scheide und Sperma tropfte auf den Boden der Tanzfläche.
„Na, mein kleiner Wolf, macht dich das an?", hauchte eine tiefe, laszive Stimme an Remus' Ohr, und eine Hand legte sich weich und warm auf die harte Wölbung in seiner Hose.
Remus blickte auf und starrte in ein paar irisierend grüne Augen. Instinktiv wich er zwei Schritte zurück. Der Geruch – er hätte gewarnt sein müssen. Doch die Luft war so übersättigt mit Düften und Gerüchen, dass seine Wahrnehmung bereits überreizt war. Vor ihm lehnte eine große, schlanke Farbige an der Bar. Sie war schön wie eine Ebenholzschnitzerei, mit hohen Wangenknochen und ausdrucksvollen Katzenaugen. Sie trug ein ärmelloses, enges Top, dass ihre kleinen, runden Brüste mit den hervorstehenden Warzen mehr betonte als bedeckte. Ihr rechter Arm war bis zur Schulter mit einer Leopardenmustertätowierung verziert – wenn es denn ein Tattoo war.
„Ich habe dich hier noch nie gesehen", sagte sie mit rauchiger Stimme, die ihm einen Schauer über die Haut trieb. „Wie heißt du, Wolf?"
„Remus", erwiderte er.
Es war sinnlos, sie anzulügen, der Schwarzlichtzauber am Eingang scannte und registrierte die nummerierten Metallplättchen, die das Ministerium jedem Werwolf unter die Haut am Unterarm implantieren ließ.
„Also, Remus, was hat dich in unsere schöne Moonshine-Lodge geführt?", fragte sie, umkreiste ihn und schlang von hinten die Arme um seine Taille und seine Brust. Er spürte ihre Brüste an seinem Rücken.
„Ich heiße übrigens Tanita", schnurrte sie in sein Ohr und leckte kurz die empfindsame Haut dahinter. „Ich bin hier die Hausdame."
„Ich suche einen alten Bekannten", antwortete Remus und nahm einen Schluck von seinem Bier. „Vielleicht kennst du ihn ja. Sein Name ist Fenrir."
„Kein besonders ausgefallener Name", flüsterte sie, während ihr heißer Atem Remus' Hals streifte.
Remus wehrte sich nicht gegen die Erregung, die ihr sexualisiertes Verhaltens und die Atmosphäre der Bar auf ihn ausübten. Er hatte vorher um die Regeln an diesem Ort gewusst, und es war der Preis, den er zu zahlen hatte. Die Atemluft war hundertprozentig mit Pheromonen angereichert, und er mochte seine Biologie vielleicht verachten, aber er konnte sie nicht ignorieren.
„Nein, kein seltener Name", stimme Remus zu, und er merkte, wie heiser seine Stimme klang. „Greyback", setzte er leiser hinzu.
Die Werkatze – und dass er eines der seltenen Geschöpfe vor sich hatte, war Remus längst klar – hielt einen Moment inne, dann begann sie wieder, ihre Finger unter Remus T-Shirt zu schieben, begierig, über seine Haut zu streichen und zu kratzen.
„Ah", schnurrte sie, „Greyback war schon eine Weile nicht mehr hier."
Sie nahm einen Schluck aus Remus' Glas und sah ihn provokant an. „Fenrir Greyback kommt überhaupt nicht mehr hierher", sagte sie. Dann lächelte sie, und es war eindeutig das Zähneblecken eines Raubtiers. „Aber ich weiß zufällig, wie ich ihn erreichen kann."
Remus straffte die Schultern. „Nun, in diesem Fall", sagte er weich, „würdest du ihm wohl eine Nachricht überbringen, Tanita?"
„Ich könnte wohl", schnurrte sie und bettete ihren Kopf mit den schwarzen Locken an Remus' Schulter. „Aber wie du weißt, gibt es nichts im Leben geschenkt."
„Nenn mir deinen Preis", sagte Remus heiser. Er hatte sich wohlweislich mit einer Bankvollmacht des Ordens versorgt. Minerva würde vermutlich schäumen, wenn sie erfuhr, wofür er das Geld benutzen wollte.
„Gold interessiert mich nicht", sagte sie lächelnd. „Aber der Mond ist nah und ich bedarf eines starken Liebhabers. Außerdem langweile ich mich. Die anderen werden erst wieder heute Nachmittag in nennenswerter Qualität hier eintröpfeln." Sie ließ ihre Hand abermals über seine enge Jeans gleiten. „Du scheinst mir ein geeigneter … Zeitvertreib."
„Das kommt nicht in Frage", sagte er düster. „Ich bin gebunden."
„Aber sind wir das nicht alle, Herzchen?", gurrte sie.
Sie machte sich von ihm los und trat einen Schritt zurück. Ihre Ausdruck bekam etwas Hartes und ihre Augen glänzten metallisch, als sie sagte: „Hinterzimmer. Ansonsten wirst du Fenrir eine Eule schicken müssen, und au weia, wenn die sich verfliegt in den Netzen des Ministeriums, dann hast du einen wirklich bösen Werwolf kontaktiert."
Sie hatte den Punkt getroffen. Genau das war der Grund, warum Remus eben dies nicht getan hatte. Fenrir stand unter Kontaktsperre, man wusste, dass er ein Todesser und ein Werwolf war. Falls Remus ihn kontaktierte und es heraus kam, würde das mindestens eine Anhörung bei Umbridge nach sich ziehen, die ewig dauern konnte, und - schlimmer - es würde ihn als Zeugen für Lucius' Prozess völlig unglaubwürdig machen. Das Risiko war zu groß. Außerdem brauchte er Fenrirs Vertrauen, zumindest für ein Gespräch, und das bedeutete, dass er sich wie ein ‚normaler' Werwolf verhalten musste.
Er nickte und folgte der Afrikanerin durch eine lederbespannte Tür in einen kleinen Raum, in dem ein Schreibtisch und ein Panzerschrank standen – offenbar die Kasse des Clubs – und zudem ein abgewetztes Ledersofa in einer Ecke stille Zwiesprache mit einem nicht weniger abgenutzten Couchtisch hielt.
Tanita nahm eine Kristallflasche vom Regal und schenkte ihnen beiden eine großzügige Portion Feuerwhisky ein.
„Es geht auf Vollmond zu. Ich kann niemals genug kriegen", sagte sie lasziv, und ließ dabei offen, ob sie das Getränk oder häufigen Sex mit wechselndes Partnern meinte.
Remus nahm einen großzügigen Schluck. Dies hier war Werwolfsleben, in vollen Zügen, und er verabscheute es noch genau so wie vor fünfzehn Jahren. In den Katakomben der kleinen, dunklen Moonbars trafen sich die Lykantrophen der Stadt, um schmutzige Geschäfte und schnellen, seelenlosen Sex zu verbinden. Eine Subkultur, in der Wildheit für Grazie und Grausamkeit als Eloquenz galt.
Trotzdem ließ er jetzt den Mantel von den Schultern gleiten. Werkatzen galten als unersättlich, aber ihre soziale Funktion war ebenso unersetzlich. Es gab weitaus mehr männliche Werwölfe als weibliche, und um den Vollmond herum nahm der Trieb einen Großteil ihres Denkens ein. Die Katzen waren ausschließlich weiblich, und sie boten ein Ventil über die überschäumenden Energien und Hormone ihrer vielen männlichen Partner. Ohne sie hätte die feine magische Gesellschaft seine Spezies vermutlich vor Jahrhunderten bereits ausgerottet.
Tanita zog das Top über ihren Kopf und drängte Remus an die Wand.
„Ausziehen", kommandierte sie heiser kichernd. „Schneller."
Sie half ihm mit geschickten Fingern, bevor sie sich auf ihrer engen Hose schälte. Ein moschusähnlicher Geruch schlug Remus aus ihrem Schoß entgegen, eine Mischung ihrer eigenen Pheromone und von canidem Sperma.
Sie musste seinen Blick bemerkt ab, denn sie lachte und sagte: „Empfindlich, hm? Du hast nicht wirklich geglaubt, du wärest heute mein Erster?"
Sie betrachtete ihn mit lüsternem Blick.
„Nicht schlecht, aber ich habe es gerne noch etwas größer", sagte sie, wandte sich um und zog eine Schublade auf, der sie ein kleines Päckchen entnahm.
„Hier", warf sie es ihm zu.
Remus fing es aus der Luft und riss die Blisterpackung auf. Er war noch nie in seinem Leben dankbarer für ein Kondom gewesen, auch wenn dieses dickwandige Etwas mit den nach außen hervorstehenden harten Plastiknoppen ihm mehr ein ausgefallenes Spielzeug als ein zweckmäßiges Hilfsmittel dünkte.
Tanita lachte dunkel, ging vor ihm auf die Knie und nahm ohne viel Federlesens sein Glied in ihren Mund. Remus wand sich innerlich, auch wenn sein Körper schnell auf ihr Saugen und Lecken reagierte.
Mit geübten Fingern schob sie ihm das Präservativ über den Penis, trat zurück, betrachtete ihn wohlgefällig und legte sich rittlings auf das Sofa.
Sie spreizte die Beine.
„Komm, Werwolf, besorg's mir."
Remus betrachtete sie einen Augenblick, dann zerrte er sie grob in die Höhe.
„Ein bisschen anstrengen musst du dich schon", knurrte er dunkel und presste sie gegen die Wand.
„Oh, du bist ein harter Junge", erwiderte sie, halb spöttisch, halb erstaunt, aber ihr Ausdruck spiegelte pure Zufriedenheit.
Mit einer einzigen Bewegung drang er in sie ein, drückte ihren Kopf gegen die Wand und begann, sich hart und schnell zu bewegen. Merlin, wie sehr er es hinter sich bringen wollte!
Sie gab zunächst schnurrende, dann fauchende und wimmernde Töne von sich, während Remus sich auf seinen Rhythmus konzentrierte. Der Gedanke, was Lucius wohl über ihn denken würde, wenn er ihn jetzt sähe, hielt Remus zuverlässig in der Realität fest. ‚Vermutlich würde das all seine Vorurteile bestätigen', dachte Remus. Und doch – er musste das hier tun. Der Orden konnte oder wollte ihm nicht helfen, Lucius aus Askaban zu befreien. Aber Voldemort hatte schon einmal die Mauern der dunklen Festung geknackt, und Remus beabsichtigte, ihn ein weiteres Mal dazu zu bringen. Er brauchte Verbündete, und es war ihm egal, mit wem er dieses Wagnis unternahm. Irgendwie würde Lucius fliehen können, wenn sie erst einmal aus den Klauen des Ministeriums heraus waren. Sein Leben war dafür ein geringer Preis.
Minuten vergingen. Tanitas runde Brüste rieben über Remus' schweißnasse Brust, ihr Jaulen wurde lauter und riss ihn aus seinen finsteren Gedanken. Noch immer stieß er ihr seine Erektion in den Leib, aber er spürte jetzt, wie sie sich enger um ihn zusammenzog.
„Härter", schrie sie. „Schneller, tiefer!"
Remus tat ihr den Gefallen.
Sie kam stöhnend, fauchend, spuckend, und ihre Kontraktion trieben auch ihn schließlich in einen kurzen, harten Orgasmus.
Keuchend zog er sich sofort aus ihr zurück, streifte das Kondom ab und warf es angewidert auf den Boden.
„Sag Fenrir, dass Remus Lupin ihn sprechen will", sagte er zwischen abgehackten Atemzügen, während er sich anzukleiden begann. „Ich werde heute in drei Tagen wieder hier sein."
„Komm abends", erwiderte sie. „Er wird dich erwarten."
Damit zog sie ihr Top wieder über und verließ den kleinen Raum. Remus folgte ihr kurze Zeit später, doch beim Hinausgehen sah er sie nirgends in der schummrigen, verqualmten Bar.
„Smooth Operator…", klang die laszive Musik in seinen Ohren, bis er die Feuerschutztür hinter sich wieder geschlossen hatte und die Treppe ins blendende Tageslicht hinauf stieg.
Er apparierte in die Nähe des Parks, in dem er mit Gawain gelegentlich Frisbee spielte, und ging eilig zum Grimmauldplatz zurück. Kaum in der Haustür, begegnete ihm Gawain.
„Na, Glück gehabt?", fragte er und musterte Remus mit kritischem Blick.
Remus betete, dass der andere den typischen Geruch der Moonlodge nicht witterte.
„Leider nein. Der Mechaniker hat sie verkauft, nachdem Sirius ein halbes Jahr lang nichts von sich hat hören lassen", log er.
„Das ist Pech", sagte Gawain. Er trat näher an Remus heran. „Sag mal, ist das Pott und Feuerwhisky, was ich da rieche? Hast du ein Problem, über das du reden möchtest, Remus? Ich meine, es ist halb acht Uhr morgens. Ist das nicht ein bisschen früh zum Trinken?"
„Was bist du, ein Blaukreuzler?", schnappte Remus barsch und wich dem jungen Werwolf aus. „Ich muss mich hinlegen." Damit ließ er Gawain stehen.
Merlin sei Dank hat er nur den Feuerwhisky gerochen, dachte Remus. Doch ein merkwürdiges Gefühl blieb, als er die Treppe hinauf ging.
Remus ging nicht in sein Zimmer, sondern ins Bad. Er warf die Kleider angewiderte auf einen Haufen – er würde sie später waschen – und stellte sich unter die Dusche. Mit dem heißen Wasser kam die Erkenntnis, dass er sich jetzt tatsächlich zu Lucius' Hure gemacht hatte, allerdings in einem völlig anderen Wortsinn, als Severus es ihm vor Wochen vorgeworfen hatte. Doch nur, wenn er sich wie ein Werwolf verhielt, würde Greyback ihm ansatzweise vertrauen, und die Methode der Kontaktaufnahme war eine Gewähr, dass man sein ‚artgerechtes' Verhalten zur Kenntnis nehmen würde. Remus versuchte, den Dreck, Schweiß, und vor allem den Geruch der Moon-Lodge von seiner Haut und aus seinem Haar zu waschen, und er missbrauchte Tonks Bodypeeling mit Mandelkernen, bis seine Haut fast wund war. Doch er wusste: Er selbst würde diesen Geruch noch wochenlang in seinem Kopf haben.
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Drei Tage später betrat er gegen acht erneut die Kellerbar. Es herrschte reger Betrieb, die Nachwirkungen des Vollmonds wurden mit reichlich Alkohol heruntergespült, und die Musik war heute Abend nicht lasziver Soul, sondern schneller, treibender Rock.
Tanita hatte alle Hände voll zu tun hinter ihrem Tresen, zusammen mit dem blassgesichtigen Barkeeper. Als sie Remus sah, schenkte sie ihm ein katzenhaftes Raubtierlächeln und stellte ihm ungefragt ein Pint hin.
„Hallo Remus, mein Darling", begrüßte sie ihn mit ihrer tiefen Stimme. „Ich denke, du solltest mal eine Runde Pool-Billiard spielen gehen."
Er nickte, nahm sein Bier und machte sich auf den Weg in den Nebenraum. Im Poolzimmer standen fünf Tisch, von denen vier beleuchtet waren. Um jeden standen Männer in Paaren oder Gruppen und wechselten sich am Koe ab. Allen Gästen war ein eher abgerissenes, wildes Aussehen gemein. Niemand hier sah wirklich gesund aus, so kurz nach dem Mond.
Rechterhand vergnügte sich eine Gruppe junger Leute beim Dartspiel, unter ihnen waren auch zwei Frauen, ein eher seltener Anblick.
„Remus Lupin", grollte eine Stimme direkt hinter ihm, und eine Pranke mit langen, gelblichen Nägeln legte sich auf seine Schulter. Remus drehte sich rasch um und starrte die bernsteinfarbenen Augen seines alten Feindes.
„Fenrir", sagte er knapp und senkte den Blick für einen Moment, um dem Alpha zu zeigen, dass er seine Dominanz anerkannte.
Greyback trug die langen grauen Haare zu einem Zopf im Nacken gebunden, in den ein Lederband eingeflochten war. Er zeigte seine angeschliffenen, gelben Zähne, in denen noch die Reste einer ziemlich blutigen Mahlzeit hingen.
„Es ist lange her, dass ich dich in einem Ledermantel gesehen habe", sagte er ruhig.
Wie immer übte die Präsenz des alten Alpha eine seltsam beruhigende Wirkung auf Remus aus. Er hasste Greyback, aber er empfand keinen Zorn, solange sie sich direkt gegenüber standen.
„Wie ich höre, folgst du wieder dem Ruf deiner Natur."
„Die magische Gesellschaft bietet wenig Perspektiven für meinesgleichen", sagte Remus. Dies war keine Lüge. Er musste vorsichtig sein, denn wenn er log, würde Fenrir dies zumindest ahnen.
„Du hast es lange genug versucht", grinste der Alte. „Lass uns spielen."
Er berührte den Stab, der in der Brusttasche seines verwaschenen Hemdes stak, und das Licht über dem fünften Billiardtisch leuchtete auf.
Remus nahm einen Koe aus der Halterung, prüfte die Spitze, rieb sie mit Kreide ab und legte ihn auf die Seite des Tisches. Fenrir holte die Kugeln aus dem Tisch und platzierte sie in das Dreieck.
„Willst du anstoßen, Junge?", fragte er jovial.
Sie spielten, und Remus war klar besser. Pool hatte ihm stets gelegen. Er wusste nicht, ob Fenrir ihn mit Absicht gewinnen ließ, aber dem alten Wolf schien es nichts auszumachen, dieses Spiel zu verlieren.
Sie sprachen über das Ministerium, über die Zigarettenpreise und die Jagdreviere im schottischen Norden, als wären sie gute Bekannte. Es gehörte dazu, sich zu beriechen zu Beginn.
Nachdem Remus im zweiten Spiel die Hälfte der halben Kugeln versenkt hatte, knurrte Greyback leise.
„Ich sehe, du besitzt noch immer ein scharfes Auge, Remus Lupin, und eine ruhige Hand. Gute Qualitäten für einen Mann. Wie man hört, bist du nicht auf den Kopf gefallen. Was willst du von mir, nach all den Jahren?"
„Ich brauche deine Hilfe", entgegnete Remus und visierte die weiße Kugel mit seinem Koe an. „Ich will Lucius Malfoys Kopf."
Klappernd stieß Geyback sein Koe auf den Boden. „Ich kann dir versichern, du bist nicht der Einzige, der das will."
Remus' Stoß ging einen halben Fingerbreit daneben. Greyback übernahm, und jetzt plötzlich schien es ihm keine Mühe mehr zu bereiten, eine volle Kugel nach der anderen zu versenken.
„Nur Interessehalber: Welches Recht hast du auf ihn?", fragte Greyback. „Es gibt einige Leute, die ihn gerne auf den Knien sehen würden."
„Beute", sagte Remus kurz. „Ich hatte Beute gemacht. Drei Stücke, so gut wie geschlagen."
„Dann stimmt es, dass er dir die Shacklebolt-Rangen in der Vollmondnacht abgenommen hat?", erkundigte sich Greyback grinsend. Für einen echten Werwolf war das eine ziemliche Schmach.
„Er wollte gut dastehen vor dem Ministerium", erwiderte Remus. „Hat die Seiten gewechselt, als es ihm opportun erschien. Er behauptet der Dunkle Lord" – Remus benutzte mit Absicht den Todesser-Jargon – „hätte seine Frau ermordet."
„Das mag stimmen oder auch nicht", sagte Fenrir vage. „Wie hat er dir die Kinder weggenommen?"
„Er ist ein Veela-Abkömmling. Er hat Dunkle Magie gegen die Kraft des Mondes gestellt."
Remus' Worte hatten die erwünschte Wirkung. Greyback knurrte so laut, dass die Männer von den anderen Tischen herüber schauten.
„Das ist …ein Verbrechen", schnaufte der alte Werwolf. „Wir stellen uns niemals gegeneinander. Aber Veela…das waren schon immer unzuverlässige, heuchlerische Gestalten mit unklaren Loyalitäten. Glauben sie sind was Besseres, nur weil sie auf dem Wind reiten können."
„Malfoy hat nur wenig Veelablut", sagte Remus ruhig. „Er kann sich definitiv nicht verwandeln, sonst hätte er's getan. Aber ich war schwach, Pettigrew hat mich fast verdursten lassen."
„Du bist ein Feind, was erwartest du?", grinste Greyback kalt.
„Ich bin immer noch ein Wolf", erwiderte Remus heftig, und zu seinem eigenen Erstaunen war sein Zorn echt. Fenrir hatte ihn ‚gemacht', er war verantwortlich für Remus, nach den Regeln der Rudel. Er hätte ihn selbst bestrafen können, aber es nicht einem Dritten überlassen dürfen.
„Manchmal müssen unsere Gesetze den Wünsche einer höheren Autorität nachgeordnet werden", antwortete Greyback leise. „Es hat mir nicht gefallen, was die Ratte getan hat, aber mir waren die Hände gebunden."
„Ich nehm's dir nicht übel", sagte Remus rau. Natürlich, er selbst brach die Rudel-Gesetze, allein mit seinen Versuchen, sich zu integrieren. „Manchmal muss man einem Ziel gehorchen."
Fenrir legte ihm eine Pranke auf die Schulter.
„Was genau hast du dir vorgestellt?", fragte er.
„Einen Überfall. Nicht auf Askaban, wobei ich glaube, selbst das wäre für Du-weißt-schon-wen kein Ding der Unmöglichkeit. Aber irgendwann werden sie Malfoy ins Ministerium bringen müssen, zum Prozessbeginn. Jeder Transport ist verwundbar. Ich kann heraus bekommen, wann sie ihn verlegen wollen. Ich habe gute Kontakte ins Aurordepartment. Shacklebolt schuldet mir was. Er denkt, ich wäre an der Rettung der …kleinen Biester beteiligt."
„Und warst du's?", fragte Greyback misstrauisch.
„Ich habe die Dementoren vertrieben, so lange ich konnte. Aber verflucht, ich hatte keine Lust, das Futter dieser verrotteten Kuttenträger zu werden", erwiderte Remus mit der gebotenen Heftigkeit.
Fenrir nickte verstehend. Ja, für Selbsterhaltung hatte er etwas über, und Remus' Behauptung war in sich schlüssig. Außerdem, das hatte sich Remus überlegt, wusste Voldemort sicher über Lucius' Herkunft und Fähigkeiten bescheid. Somit hatte Remus eine scheinbar vertrauliche Information weiter gegeben, die seine Glaubwürdigkeit stärkte, aber dem Feind nicht wirklich neu war. Doch dies konnte Fenrir nicht wissen.
„Deine Information über den Zeitpunkt könnte tatsächlich interessant sein", knurrte Greyback leise. „Was ist deine Bedingung?"
„Ich töte ihn, niemand anderer legt Hand an ihn. Und ich mache es auf meine Art. Auf unsere Art", setzte er bedeutungsvoll hinzu.
Fenrir ließ ein kehliges Lachen ertönen und wandte sich wieder dem Pooltisch zu. Nachdem er die schwarze Acht in der richtige Tasche versenkt hatte, sagte er zu Remus: „Das wird der teuren Mrs. Lestranges überhaupt nicht gefallen. Dafür könntest du dir eine Silberkugel einfangen, sobald dein Rücken ungedeckt ist."
„Das ist mir meine Rache wert", sagte Remus und sah Greyback fest in die Augen. „Ich gehe jedes Risiko ein, um ihn zu kriegen."
„Wenn das so ist, werden meine Männer dir den Rücken stärken. Eine solche Aktion wird die feine Mrs. Lestrange für eine Weile zum Schweigen bringen", knurrte Fenrir.
Remus konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Voldemorts ‚Innerem Zirkel' nicht gerade eitel Sonnenschein unter allen Todessern herrschte. Machtkämpfe – typisch Slytherins!
„Nun", sagte Fenrir, „ich werde deine Wünsche vortragen. Wir treffen uns in genau drei Tagen wieder hier. Und Lupin – keine Tricks. Wir wissen genau, dass du in Dumbledores Dreckhaufen mitten drin steckst – oder gesteckt hast."
Er sah ihn warnend an.
„Ich will nur Malfoy", entgegnete Remus leise, aber überdeutlich. „Alles andere interessiert mich nicht."
Fenrir fixierte ihn, und diesmal hielt Remus dem Blick des Alpha stand. Wegzusehen hätte einem Geständnis geglichen, und Remus hatte absolut die Wahrheit gesagt. Alles, das er wirklich wollte, war Lucius.
Greyback glaubte ihm. Er grinste und entblößte dabei noch einmal sein Furcht erregendes Gebiss.
„Das ist mein Junge", sagte er und warf sich in die Brust. Dann spuckte er eine Portion Kautabak auf den Boden, tätschelte Remus ein letztes Mal wie einem braven Welpen die Schulter und verschwand in Richtung des vorderen Zimmers.
Remus atmete tief durch. Er hatte es geschafft. Teil Eins seines Plans war umgesetzt – erfolgreich. Wenn er Greyback überzeugen konnte, der jede seine Regungen zu riechen vermochte, dann würde er auch Voldemort hinters Licht führen können.
„Ich werde dich da raus holen, Lucius", flüsterte er. „Und wenn es das letzte ist, was ich tue."
Fortsetzung folgt
Hm, ob das eine gute Idee ist? Interna aus dem Ministerium – die Remus noch nicht einmal hat – an den Dunklen Lord auszuplaudern, und zu glauben, dass er mit Lucius einfach abhauen kann, sobald sie zusammen mit einer ganzen Gruppe Todesser geflohen sind? Hoffentlich erlebt unser Lieblingswerwolf da nicht sein ganz persönliches Waterloo.
Aber immerhin, er handelt endlich, er hat Greyback als Verbündeten und vielleicht hilft ihm ja im entscheidenden Augenblick das Überraschungsmoment.
