Kerkermond Evolution

Trashig-slashige Fanfiction, in der Remus gleich mehrfach die Beherrschung verliert.


Vielen Dank für die Reviews an Lucy, Lola, Sunuxal, Glupit und Nicole!

Heute ein etwas kürzeres Kapitel, das nächste (längere) liegt schon zum Betalesen vor. Für Remus steht das Gespräch mit Tonks an. Man darf gespannt sein, wie sie auf ihn reagiert, nachdem er Gawains lebensgefährliche, vielleicht tödliche Verletzung verschuldet hat.

Und wer war die mysteriöse dunkle Gestalt, die Pettigrews Todesfluch im letzten Moment verhindert hat und daraufhin angegriffen wurde und verschwand?


23. Remus: Verlorenes Vertrauen

Zurück im Grimmauldplatz, betrat Remus die Eingangshalle und ging direkt zu Phineas Nigellus' Portrait.

„Wo ist Dora?", fragte er ungeduldig.

Nigellus kicherte.

„Unsere kleine Halbblutschande? Oh, die ist sehr überstürzt aufgebrochen, nachdem MacGonagalls Katzenvieh-Patronus hier mit so unerfreulichen Neuigkeiten herein schneite. Hoffentlich stirbt der räudige Werwolf. Hoffentlich gehst du gleich mit drauf, Lupin. Hoffentlich…"

Stupor!"

Das Bild verstummte.

Remus musste sich eingestehen, dass eine Menge Verzweiflung, Wut und Scham in diesem Fluch gelegen hatte. Die Leinwand qualmte. Er schob einen Kältezauber hinterher, dann hängte er Sirius' Mantel, der ihm auf einmal lächerlich martialisch vorkam, an die Garderobe und nahm seinen alten, geflickten Umhang.

Er warf eine Prise Floopulver in den Kamin und rief:

„Hogwarts, Minervas Büro!"

Das Feuer flackerte grün auf und er trat in die warmen Flammen, doch gleichzeitig zitterte er vor Kälte und Nervosität vor dem, was ihn in Hogwarts erwartete.

xoxoxoxoxoxoxoxoxoxox

Das Büro der Verwandlungslehrerin war leer. Natürlich, sie war vermutlich bei ihrem Neffen auf der Krankenstation. Hastig strebte Remus die verlassenen, langen Korridore entlang.
Er erreichte die Tür zur Krankenstation und klopfte. Geräuschlos wurde ihm geöffnet.

Gleich im ersten Zimmer standen mehrere Personen um ein Bett. Weiße Vorhänge waren an der Fußseite zugezogen, so dass Remus nichts von Gawain erkennen konnte. Doch er sah Dora, die in sich zusammen gesunken mit mausbraunem kurzem Haar und rot geweinten Augen auf der Bettkante hockte. Neben ihr stand Minerva, stocksteif, mit zusammen gepressten Lippen, und auch ihre Augen waren rot gerändert.

Auf einer flachen Liege etwas abseits lag Snape. Sein Gesicht war totenfahl, sein Oberkörper entkleidet, und ein dicker Verband, mit dunkelrotem Blut durchtränkt, war um seinen Brustkorb geschlungen.

Poppy eilte zwischen den beiden Betten hin und her, professionelle Kompetenz ausstrahlend. Aber auch sie wirkte besorgt und zudem bereits erschöpft.

„Auf dich haben wir gerade noch gewartet", schnarrte Snape, als er Remus erblickte.

„Severus, bitte", sagte eine tiefe Stimme, und Albus Dumbledore betrat hinter Remus die Krankenstation. „Die Lage wäre um nichts besser, wenn Remus anstatt Gawain dort läge."

„Oh, ich weiß nicht", zischte Snape. „Einmal davon abgesehen, dass Mr. Gray sicher nicht derart naiv in eine Falle getappt wäre, hätten wir mit ihm das schottische und das Londoner Rudel jetzt noch unter Kontrolle und es würde nicht ein Haufen Verwandtschaft mit verweinten Augen an diesem Bett stehen. Der einzige Trauernde wäre unser geschätzter Freund Lucius Malfoy, und der ist ohnehin bald unter der Erde."

„Merlin, Severus, wie kannst du nur so gemein sein?", hörte Remus Tonks' Stimme, und im nächsten Augenblick schlangen sich ihre Arme um seinen Nacken.
„Ich weiß, dass du das hier nicht gewollt hast, Remus. Hör nicht auf die alte Fledermaus."

Sie warf Snape einen giftigen Blick zu.

Remus' Selbstbeherrschung brach in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Er spürte, wie ihm Tränen die Wangen herunter liefen, und seine Schultern sich verkrampften in dem Versuch, ein Schluchzen zu unterdrücken. Dass von allen Menschen auf der Welt ausgerechnet Tonks ihm hier zur Seite stand, ging über seine Kraft.

Er hielt sich an ihrer schlanken Gestalt fest, beinahe wie ein Ertrinkender.

Indes redete Albus leise auf Snape ein, der immer wieder mit wütendem Blick den Kopf schüttelte.

„Wie geht es Gawain, Dora?", fragte Remus leise, als er sich ansatzweise wieder unter Kontrolle hatte.

„Er kämpft", erwiderte Tonks. „Komm."

Sie führte ihn zum Bett. Gawain lag bleich und wächsern zwischen den Laken. Es war ein Schock, ihn so zu sehen. Zum ersten Mal überhaupt ähnelte der sonst stets lebhafte, vitale junge Mann der landläufigen Vorstellung eines Werwolfs, mit dunklen Schatten unter eingesunkenen Augen und der schwindsüchtigen Aura, die viele seiner Spezies umgab.

„Er hat Chancen, zu überleben, wenn er die Nacht übersteht", sagte Minerva, die immer noch seine Hand hielt.

„Es tut mir entsetzlich Leid", sagte Remus leise.

„Und mir erst", entgegnete sie schmallippig. „Halt dich bloß ein paar Tage von mir fern, Remus Lupin, oder ich vergesse mich."

Dora war inzwischen wieder an Gawains Bett nieder gesunken und hockte auf der Kante. Aus einer fingerlangen Wunde an seiner Seite sickerte bläuliche Flüssigkeit in eine Schüssel. Der Zaubertrank wurde von oben mit einem Schlauch direkt in die Wundöffnung zugeführt. Silberantidot.

Die Tür zur Krankenstation wurde aufgestoßen.

„Wo ist er?", rief eine schrille, energische Frauenstimme.

„Diane", erklang Dumbledores Bass. „Willkommen. Bitte beruhigen Sie sich. Er liegt hier vorne."

Dumbledore führte die Aurorin zu dem Bett, um das sie nun mit einer ganzen Gruppe von Personen standen.

„Aurorin Tonks!", entfuhr es Diane MacGonagall überrascht. Sie trat noch näher und betrachtete ihren Neffen.
„Was ist mit ihm passiert, Minerva?", fragte sie ihre Schwester eindringlich und strich Gawain eine Strähne des verschwitzen, blonden Haares aus der Stirn.

„Rangordnungskämpfe", erwiderte Minerva.

Ihre Schwester warf ihr einen warnenden Blick zu und sah dann zu Tonks herüber.

„Miss Tonks ist im Bilde", sagte Minerva spitz. „Sie ist Gawains…Freundin."

Diane blickte zu Dora.
„Sie wissen, dass Sie aus dem Dienst ausscheiden müssen, wenn Sie diese…. Freundschaft legalisieren oder auch nur öffentlich machen?"

„Haben Sie deswegen solche Skrupel, mit ihm gesehen zu werden?", schnappte Tonks zurück. „Wissen Sie, wie sehr in das verletzt hat?"

„Gawains Psyche ist derzeit nicht das Problem", erstickte Minerva den Konflikt im Keim.
„Greyback hat ihn mit einer Silberklinge erwischt."

„Oh, diese verfluchte Lykantrophie!", rief die alte Aurorin aus. Dann blitzte sie Remus an. „Hatten Sie etwa Ihre Finger da mit im Spiel?"

„Das wäre zu diplomatisch formuliert", schnarrte Snape. „Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Lupin an dem ganzen Unglück Schuld ist."

„Severus!", rief Dumbledore entsetzt. „Bedenke, mit wem du sprichst und was du sagst."

„Das ist doch völliger Unsinn", sagte eine ruhige, tiefe Stimme hinter Remus und eine große schwarze Hand legte sich warm auf seine Schulter.

„Wir beobachten Gray, seit er nach England gekommen ist. Seine Akten, die uns das Ministerium aus Washington geschickt hat, sprechen Bände. Tut mir leid, Diane, aber dir als seiner Verwandten durfte ich nichts sagen", bekundete Kingsley, der mit MacGonagall gekommen sein musste.

„Das heute Nacht war wirklich keine Glanzleistung von dir, Remus", meinte Kingsley. „Aber Gray hat es seit Monaten auf eine Konfrontation mit Greyback zulaufen lassen. Er wusste genau, was er tat. Nachdem er Greyback vor zwei Monaten an Vollmond in Schottland oben formal duelliert hat – und zwar ohne Zauberstäbe – und den Kampf gewann, hat er ihn zur Persona non grata in allen seinen Revieren erklärt. Natürlich war ihm bewusst, dass der alte Alpha es wieder versuchen würde.

Diane, Tonks, Minerva: Gawain arbeitet für das amerikanische Ministerium. Genau genommen für den amerikanischen Secret Magical Service. Seine Aufgabe ist es, die britischen Werwölfe davon abzuhalten, mit den Todessern gemeinsame Sache zu machen. Das ist ein Beitrag, den Washington leistet, um eine Machtübernahme Voldemorts zu verhindern. Sie haben erkannt, dass wir hier ein Problem haben, das auf ihr Territorium übergreifen könnte. Und bisher hat Gawain seine Sache hervorragend gemacht."

Minerva und Diane sahen aus wie vom Donner gerührt, Tonks weinte leise, und Remus' Gedanken rasten.

„Was ist mit dieser Alicia, Kings? Ist sie ebenfalls eine Agentin?", erkundigte er sich.

„Rhees-Sharp ist seine Partnerin, ja", gab Kingsley zu. „Man kann schon sagen, die USA haben uns ihr Dreamteam geschickt, was Lykantrophie angeht."

„Jemand hätte Lupin informieren müssen", sagte Snape und erhob sich mit zusammen gebissenen Lippen von seiner Liege. „Gray wusste vermutlich, dass Greyback nach dem verlorenen Kampf den Gesetzen seiner Spezies abgeschworen hatte. Jeder Werwolf in diesem Rudel wusste es. Hätte Lupin das auch nur geahnt, wäre er niemals auf diesen irrsinnigen Plan verfallen."

„Woher weißt du darüber bescheid, Severus?", bemerkte Minerva indigniert.

Doch der Tränkemeister schüttelte den Kopf. „Ich wusste es bedauerlicherweise bis heute Abend auch nicht. Ich erfuhr es vorhin zufällig. Ich war…zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

Mehr brauchte er nicht zu sagen. Alle Ordensmitglieder verstanden, dass Severus es von einem der Todesser erfahren haben musste, ganz kurz vor dem Überfall auf Remus.

Letzterer hingegen erinnerte sich an die dunkle Gestalt, deren ‚Expelliarmus' ihm das Leben gerettet hatte, als Pettigrew zum Todesfluch ansetzte, und die daraufhin von Bellatrix' ‚Sectum sempra', getroffen worden war. Hiermit erklärte sich auch Severus' Verletzung, und deswegen waren Remus die Bewegungen der dunklen Gestalt auch so vertraut vorgekommen.

„Wir brauchen neues Silberantidot", sagte Snape mit Blick auf die Infusion. „Ich bin in meinem Labor."

„Ich denke, ich werde dir assistieren", sagte Dumbledore sanft und folgte seinem Lehrer für Zaubertränke nach draußen.

Snapes Blick verriet, dass er über seinen neuen Assistenten ganz und gar nicht erfreut war, doch er schien nicht verärgert genug, um zu widersprechen. Oder seine Verletzung war doch zu ernsthaft, um allein zu arbeiten.

„Diane, es gibt ein paar Dinge, über die wir sprechen müssen", sagte Kingsley. „Und nicht im Büro."

„Ich verstehe", nickte die Aurorin knapp.

„Der Orden könnte eine so gute Aurorin wie dich gut gebrauchen", sagte Minerva zu ihrer Schwester. „Aber falls du diesen Weg nicht gehen möchtest, gibt es Möglichkeiten, dich nach London zurück zu bringen, ohne dass dein neues Wissen dich belastet."

„Oh, ich sagte doch, ich habe verstanden, Minerva", erwiderte Diane scharf.

„Ich möchte Sie alle um etwas Ruhe bitten", unterbrach Madam Pomfrey die hitzige Unterhaltung und machte sich an Gawains Drainage zu schaffen.

Sie fischte zwei Phiolen mit unterschiedlich gefärbten Flüssigkeiten aus ihrer gestärkten Kittelschürze und reichte sie Tonks und Minerva.

„Hier, tut etwas für ihn. Erst die grüne, dann die weiße."

Nachdem sie Gawain die Tränke verabreicht hatten, begann das Warten.

Diane beschwor sich einen Stuhl, der genau so schlicht und streng war wie der, auf dem Minerva saß.

Remus stand am Bett hinter Tonks, die sich gegen ihn lehnte. Vorsichtig legte er die Arme um ihre Schultern. Während er Gawains bleiches Gesicht mit den flatternden Lidern ansah und sich ihrer unverbrüchlichen Freundschaft bewusst war, schämte er sich so abgrundtief wie noch niemals zuvor in seinem Leben.
Was hatte er nur angerichtet? Severus hatte völlig Recht, ihn zu verdammen. Und doch war es auch der Tränkemeister gewesen, der ihm schließlich den Rücken gestärkt hatte, als er erfuhr, welche Art von Information Gawain dem älteren Werwolf vorenthalten hatte.

Severus hatte Remus das Leben gerettet, und dieser hatte sich noch nicht einmal bedankt. Vermutlich legte der Slytherin ohnehin keinen Wert auf Remus' Dank.

Seine Worte klangen in Remus' Ohren nach: „Hätte Lupin das auch nur geahnt, wäre er niemals auf diesen irrsinnigen Plan verfallen."

Es stimmte. Aber auch das Adjektiv ‚irrsinnig' war mehr als zutreffend.

Remus hatte einen guten Teil des Vertrauens, dass die anderen in ihn setzten, verspielt. Er hatte das Leben seiner Freunde aufs Spiel gesetzt und er war seinem Ziel, Lucius aus Askaban zu befreien, nicht einen Schritt näher gekommen.

Er drückte Tonks, küsste sie sanft auf die Wange und erhob sich. Niemand rief ihn zurück oder fragte, wo er hin wollte, als Remus die Krankenstation verließ. Sein Weg führte ihn heraus aus dem alten Gemäuer der Zaubererschule, hinunter zum See. Still und glatt wie ein Spiegel lag die dunkle Wasseroberfläche vor ihm. Niemals war er einsamer gewesen, niemals bedrückter als in dieser Nacht.

Falls Gawain starb… Er mochte gar nicht daran denken.


Fortsetzung folgt