Kerkermond Evolution

Slashig-trashige Fanfiction, in der Kingsley Shacklebolt eine potentiell schwerwiegende Entscheidung trifft und für Anwälte gilt: Nomen est omen.


Das Gute daran, wenn man eine Nachteule als Beta hat, sind die fertig korrigierten Versionen, die man morgens vorfindet. Diese hier wurde zuletzt um 02:33 Uhr bearbeitet. Danke, Slytherene ;-)

Hier also nun die Wahrheit über die Wertschätzung, die der Phönixorden Remus entgegenbringt. Ein Club der Gutmenschen demaskiert sich, und Unterstützung kommt aus gänzlich unerwarteter Richtung.


25. Remus: Unerwartete Begegnung

Als Remus die Tür hinter sich schloss, starrten ihm an die zwanzig Augenpaare neugierig entgegen. Er konnte die Spannung, die in der Luft lag, mit Händen greifen.

Einige der Mitglieder wichen seinem Blick aus, als er ihn direkt auf sie richtete, andere hielten ihm stand oder versuchten, unbeteiligt zu wirken.

„Remus, du weißt, warum du heute während dieser Sitzung nicht anwesend warst. Bitte nimm Platz", forderte Dumbledore ihn auf und wies auf einen Stuhl zu seiner Linken.

Der alte Zauberer wartete, bis Remus seiner Weisung Folge geleistet hatte, dann sprach er weiter: „Die Ereignisse vor zwei Wochen haben eine Menge Unmut hervor gerufen. Ich konnte und wollte aus übergeordneten Gründen die Motive für dein Verhalten nicht offen legen. Und auch wenn insbesondere derjenige, der am Stärksten unter deinem Fehlverhalten zu leiden hatte, sich hier vehement für dein Verbleiben im Orden eingesetzt hat, so haben wir doch entschieden…."

„Ich sage immer noch, euer Beschluss ist idiotisch", fiel Gawain Dumbledore in Wort. „Schaut euch doch um: Wir sind so wenige! Auf Remus zu verzichten, ist einfach dumm."

„Wir haben Ihnen vorhin lange und geduldig zugehört, Mr. Gray", sagte Molly Weasley. „Sie sind ein Fremder und wissen nicht, wie es ist, gegen Dunkle Magier zu kämpfen. Wir können es uns nicht leisten, Harry zu verlier…"

„Gawain ist ein ausgebildeter Auror. Wenn er nicht gegen die Dunklen Künste vorgehen kann, wer dann? Außerdem frage ich mich gerade, wann du das letzte Mal einem Todesser gegenüber gestanden hast, Molly", wandte Kingsley ein.

„Die Diskussion ist beendet. Es wurde bereits eine Entscheidung getroffen", sagte Dumbledore bestimmt.

„Ich weise nochmals darauf hin, dass die, die Lupin jetzt verurteilen, sich nicht die Mühe gemacht haben, ihn wenigstens einmal erklären zu lassen, was ihn zu seinem Handeln bewogen hat", sagte eine kühle Stimme aus dem Hintergrund des Raums. Es war Snape, der mit seinem dunklen Umhang beinahe mit den Schatten an der Wand verschmolz. „Mr. Gray hat Recht, wir können auf Lupins Beitrag nicht verzichten."

„Welcher Beitrag?", fragte Emmeline Vance. „Die Werwölfe zu befrieden war wohl kaum sein Verdienst."

„Hattest du aktuelle Karten, als du den Zeitumkehrer aus Parkinson Mansion gestohlen hast, Emmeline? Hattest du exakte arithmantische Berechnungen, als du unsere Eulen mit einem Unauffindbarkeitszauber belegt hast, Sturgis? Hattest du Gold, um die Fluchbrecher zu bezahlen, die den Unfruchtbarkeitszauber von eurem Haus genommen haben, den Bellatrix Lestranges dort gewirkt hatte nach Ronalds Geburt, Molly?"

Snape rauschte zur Tür und Mollys Gesichtsfarbe wetteiferte mit ihren roten Haaren.

„Das war jetzt nicht notwendig, Severus", mahnte Arthur betroffen.

„Nun", schnappte der Tränkemeister, „was glaubt ihr, wer eure Karten – und sich auszukennen, kann über Leben und Tod entscheiden – pflegt? Was denkt ihr, wer sich um sämtliche arithmantischen Berechnungen und jedes Stück Zauberkunst, jedes magische Artefakt, das wir brauchen, kümmert und dessen Sicherheit überprüft? Und wer, meint ihr, verwaltet die knappen Finanzen unserer Organisation? Darüber hinaus: Von euch allen hier, Albus Dumbledore einmal ausgenommen, ist es Lupin, den ich mir als Rückendeckung in einem ernsthaften Kampf mit Anhängern des Dunklen Lords wünschen würde. Euch – Molly und Emmeline - ganz sicher nicht."

Und mit diesen Worten rauschte Snape hinaus und schlug die Tür hinter sich zu.

Die Mitglieder des Ordens atmeten hörbar aus. Molly Weasley presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und Albus räusperte sich.

„Severus hat seine Meinung deutlich gemacht, denke ich", sagte Albus. „Wie dem auch sei… Remus, wir haben entschieden, dich für die Dauer eines halben Jahres zu suspendieren. Du kannst selbstverständlich hier im Haus bleiben, immerhin warst du Sirius' engster Freund und hast keine andere Bleibe. Ich muss dich aber bitten, das Haus während Ordenssitzungen zu verlassen. Ich werde dir weiterhin Aufgaben zuteilen, aber ich kann dich zukünftig nicht mehr über die Hintergründe dieser Arbeit aufklären. Du wirst an Aktionen nicht mehr teilnehmen. Aber insbesondere bitte ich dich, dich von Harry fern zu halten. In sechs Monaten werden wir diese Entscheidung prüfen, und falls dein Verhalten bis dahin untadelig sein sollte…"

Remus erhob sich. „Entschuldigt bitte, aber unter den gegeben Umständen verzichte ich auf jede weitere Mitarbeit im Phönixorden. Ich kann nicht fassen, dass eine Mehrheit von Euch ein derartiges Urteil über mich gefällt hat. Ich hatte verdammt gute Gründe, Kontakt zu Greyback zu suchen. Dass mir eine für Gawain folgenschwere Fehleinschätzung unterlaufen ist, bedaure ich. Aber er und ich haben diese Angelegenheit miteinander bereinigt. Der einzige, der das Recht hätte, mich zu verdammen, ist Severus. Er wurde ebenfalls durch meinen Leichtsinn verletzt. Seine Auffassung habt ihr gehört."

Er holte tief Luft.

„Nach fast zwanzig Jahren im Orden führt mein erster gravierender Fehler dazu, dass Ihr euch bemüßigt fühlt, den „unbeherrschten Werwolf" zu disziplinieren. Hättet Ihr ähnlich entschieden, wenn diese Fehleinschätzung Arthur oder Kingsley unterlaufen wäre? Ich glaube kaum. Wenn es ernst wird im Kampf gegen Voldemort, ruft mich. Bis dahin hinterlasse ich meine neue Adresse bei Tonks und Kingsley."

Er wandte sich zur Tür.

„Remus!" rief Albus. „Was soll das denn, diese Reaktion ist doch völlig überzogen, mein Junge."

„Überzogen?", knurrte Remus. „Denken Sie einmal über überzogene Reaktionen nach, bevor sie die meinen kritisieren, Albus. Und im Übrigen – ich bin schon sehr lange kein ‚Junge' mehr."

Damit hastete er aus dem Raum und knallte die Tür, und dies deutlich lauter, als Snape es getan hatte.

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Schwer prasselte der Regen an die Fenster der alten Villa im bunten Londoner Theaterviertel, und Remus zog die Decke über den Kopf. Seit Tagen hatte er sein Zimmer kaum verlassen, und nicht einmal Gawain, der das Haus ‚organisiert' hatte und hier mit ihm wohnte, hatte vermocht, ihn aus seiner selbst gewählten Isolation zu locken.

Ein Geräusch, das nicht von den seit Tagen unentwegt hernieder fallenden Wassermassen kam, ließ Remus aufhorchen. Ein Klopfen, das unregelmäßig und nachdrücklich seine Aufmerksamkeit forderte. Genervt stieg er aus dem Bett und stakste zum Fenster. Normalerweise kamen die Eulen stets durch den Wintergarten im oberen Stockwerk, weil dort das breite, überdachte Fenstersims zum Verweilen einlud.

Doch der graue Steinkauz, der auf der schmalen Fensterbank hockte und mit einem ‚Impervius' offenbar hervorragend gegen den Regen geschützt war, klopfte unbeeindruckt weiter an das Glas.

Fluchend öffnete Remus das Fenster. Er entfernte das geschäftsmäßig aussehende Pergament vom Bein des Eulenvogels, der sofort begann, sein graues Gefieder mit wichtiger Miene zu putzen.

Das Siegel des Briefs war Remus gänzlich unbekannt: Eine Schlange, die sich um ein Paragraphenzeichen ringelte.

„Lawbender, Solicitor und Partner, Rechtsanwälte und Notare", las er. Sofort begann sein Herz schneller zu schlagen. Es gab nur eine Person, die über einen Anwalt mit ihm kommunizieren würde.

Sehr geehrter Mr. Lupin,

im Auftrage meines Mandanten, Sir Lucius A. Malfoy, bitte ich Sie, sich heute Nachmittag um sechzehn Uhr im Zaubereiministerium, Abteilung für magische Strafverfolgung, einzufinden. Ihre Aussage wird für die Vorbereitung des anstehenden Prozesses benötigt, und die Verteidigung hat noch einige Fragen an Sie, die sich anhand der vorliegenden Protokolle Ihrer Vernehmungen nicht beantworten lassen.

Ihr Erscheinen wäre uns eine große Hilfe.

Mr. Malfoy bat mich, Ihnen seine Grüße entbieten zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrage

Reprobate Lawbender

Fachanwalt für magisches Strafrecht

Remus hatte Mühe, seine Aufregung in den Griff zu bekommen. Mit zitternden Händen las er das Schreiben immer wieder und wieder. Bis sechzehn Uhr hatte er noch ein paar Stunden Zeit. Mehr als alles andere hoffte er, dass Lawbender mehr als nur Grüße von Lucius zu bestellen hatte, und dass er die Gelegenheit haben würde, unter vier Augen mit dem Anwalt zu sprechen.

Zum ersten Mal seit Tagen verwendete Remus mehr Mühe auf sein Aussehen, als einen schlampigen Reinigungszauber zu wirken. Als er sich um zwei Uhr auf den Weg ins Zaubereiministerium machte, war er nicht nur geduscht, gekämmt und rasiert, sondern er hatte auch die neue grüne Robe angelegt, die Sirius ihm im letzten Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte, und die er eigentlich niemals hatte tragen wollen, weil wirklich jeder denken musste, dass ein arbeitsloser Werwolf sich ein derartig edles Kleidungsstück nicht leisten konnte. Doch heute war ihm das völlig egal. Er würde vor Lucius' Anwalt nicht wie ein Bettler dastehen!

Um halb vier betrat er das Ministerium.

„Sie wünschen?", sagte einer der Wachzauberer am Empfang gleichmütig.

„Ich habe einen Termin in der Abteilung für magische Strafverfolgung", sagte Remus nervös.

Der kleine Zauberer überflog eine Liste, und schließlich blieb sein Finger an einer Zeile hängen. „Mr. Lupin?"

Remus nickte.

„Sie sind früh dran. Wenn Sie bitte noch einen Augenblick im Wartebereich Platz nehmen würden?"

Er wies auf eine Reihe bunt durcheinander gewürfelter Stühle. Remus nickte und begab sich dorthin. Er hatte sich noch nicht gesetzt, als eine Gruppe in formelle graue Roben gekleidete Männer aus einem der prächtigen Marmorkamine heraustrat, die sofort seine Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Sie drei Zauberer schritten auf die Anmeldung zu. Offenbar waren sie keine Unbekannten, denn der Wachzauberer sprang sofort von seinem Platz auf, als er ihrer ansichtig wurde.

„Guten Tag, Sirs", grüßte er eilfertig.

„Guten Tag, James", erwiderte der älteste der drei Zauberer. „Wir haben einen Termin bei Aurorin MacGonagall und der Staatsanwaltschaft."

„Selbstverständlich, Mr. Lawbender", buckelte der Wachzauberer. „Sie können natürlich bereits hinaufgehen zum Sicherheitscheck. Ihr Zeuge ist übrigens auch schon hier, er sitzt dort hinten."

Doch Remus war bereits auf dem Weg zu ihm.

„Guten Tag", grüßte Lawbender verbindlich und musterte Remus interessiert. „Mr. Lupin, nehme ich an?"

Remus nickte und schüttelte die dargebotene Rechte des Anwalts. Lawbender war ein großer, schlanker Mann mit sehr kurz geschnittenen, eisgrauen Haaren und einem exakt gestutzten Schnauzbart.

„Darf ich Ihnen meine Kollegen vorstellen? Mein Partner Dr. Solicitor und mein Mitarbeiter Rascal Rogue."

Die beiden anderen Männer begrüßten Remus ebenfalls per Handschlag. Dr. Solicitor war ein kleiner, energisch wirkender Mann mit rabenschwarzem Haar und wachen blauen Augen. Rascal Rogue wirkte, als wäre er der Leibwächter der beiden anderen. Er überragte Remus, der nicht eben klein war, um mehr als eine Haupteslänge und hatte breite, wirklich sehr breite Schultern. Auch sein strohblondes Haar war militärisch kurz geschoren.

„Darf ich fragen, warum wir uns hier treffen mussten?", erkundigte sich Remus auf dem Weg nach oben.

„Selbstverständlich", erwiderte Lawbender. „Da Sie im Prozess als Zeuge benannt sind, dürfen wir Sie nur in Anwesenheit des Ministeriums befragen, Mr. Lupin. Diese generelle Bestimmung wird in der Regel sehr großzügig ausgelegt, aber in diesem besonderen Fall bestand die Anklage auf dieser Maßnahme."

Sie traten aus dem Aufzug in einen blitzsauberen Gang, der an einem maurisch geformten Rundbogen endete.

„Das ist die Sicherheitsschleuse", erklärte Rogue mit tiefer Stimme und händigte einem grimmig dreinsehenden Auror seinen Zauberstab und die Aktentasche aus.

Remus und die Anwälte mussten ihre Umhänge ausziehen, die ebenfalls sorgsam von den Auroren durchsucht wurden, und dann durch das runde Tor gehen.

„Tragen Sie einen Reservestab, Mr. Rogue?", fragte eine arrogante schwarzhaarige Hexe in grauer Aurorenuniform.

„Ja, und ich habe eine Genehmigung dafür", antwortete der Hüne kühl.

„Diese gilt nicht für den Sicherheitsbereich", erwiderte sie schnippisch und streckte ihre Hand aus. Rogue zuckte die massigen Schultern und händigte ihr seinen zweiten Stab aus. Dr. Solicitor lächelte ihr verbindlich zu.

Remus folgte den drei Zauberern, nun von zwei Auroren begleitet, den nüchternen Korridor entlang. Vor einer schmucklosen Eichentür hielten sie an. Bevor Lawbender klopfen konnte, ertönte ein herrisches ‚Herein'.

„Bitte warten Sie hier", sagte Solicitor zu Remus. „Es wird eine Weile dauern."

„Merlin", sagte eine schneidende Männerstimme in dem Büro. „Die Haute Societé der Strafvereitelung. Wenn Sie hier auftauchen, Mr. Lawbender, kann es ja nur um den ach so ehrenwerten Mr. Malfoy gehen."

„Ich freue mich auch, Sie zu sehen, Staatsanwalt Berkins", erwiderte Lawbender formell und auf Höflichkeit bedacht. „Officer MacGonagall." Lawabender deutete eine Verbeugung an. „Guten Tag. "

Remus hielt für einen Moment den Atem an. Grant Berkins war der Ankläger, der die Beweisaufnahme gegen Lucius leitete. Berkins, dessen ganze Familie vor fünfzehn Jahren von Voldemorts Todessern ausgelöscht worden war, galt als scharfer Hund. Zudem war er zweifellos befangen, da die Gruppe Todesser, die seine Familie überfallen hatte, von Lucius Malfoys Vater angeführt worden war, nach allem, was man wusste.

Die Tür schloss sich, und Remus konnte nicht mehr hören, was dahinter gesprochen wurde.

Der Gang lag still und wie ausgestorben.

Nach über einer Stunde rief man Remus endlich hinein. Zu seiner Überraschung befanden sich nur Diane MacGonagall und Dr. Solicitor im Raum. Die Aurorin begrüßte ihn knapp, aber nicht unfreundlich.

„Mr. Lawbender verhandelt mit der Anklage", erläuterte der kleine Anwalt. „Ich werde Ihre Aussage noch einmal mit Ihnen durchgehen, Mr. Lupin. Mich interessiert besonders, was Sie uns über Mr. Malfoys Absichten und Motivation erzählen können."

Remus begann noch einmal, die Ereignisse in Voldemorts Kerker zu berichten. Er achtete sorgfältig darauf, keine Information preis zu geben, die er nur dem Gespräch mit Snape entnommen hatte, und dennoch ließ er das Wissen daraus in soweit einfließen, wie es möglich war, ohne direkt auf den Legilimenten verweisen zu müssen. Er war sich bewusst, dass er Lucius' Verteidiger vermutlich wenig Neues zu bieten hatte, da dieser die Ereignisse zweifelsohne direkt von Lucius erfahren hatte.

Bereits nach einer Dreiviertelstunde waren sie fertig. Solicitor bedanke sich höflich, und MacGonagall begleitete Remus zur Tür.

„Sie können durch den Sicherheitsbogen hinaus gehen, dort erhalten Sie auch ihren Stab zurück", sagte sie.

Er nickte und trat in den Gang. Er war noch keine zehn Meter gelaufen, als eine Tür zu seiner Linken plötzlich geöffnet wurde.

„Remus!"

Eine große, dunkelhäutige Hand griff nach seinem Umhang und zerrte ihn in das Zimmer.

„Kingsley! Merlin, du hast mich erschreckt", sagte Remus.

„Komm mit", erwiderte der hünenhafte schwarze Auror anstelle einer Begrüßung und zog Remus zu einem Wandschrank. Kingsley wirkte nervös und angespannt.

„Wie geht es den Kindern?", fragte Remus. „Tut mir leid, dass ich noch nicht vorbei gekommen bin. Die letzten Tage waren…schwierig."

„Das glaube ich dir gerne", brummte Kingsley und tippte mit seinem Zauberstab auf eine Reihe von Aktendeckeln. Wie von Zauberhand schwang der Schrank zur Seite und offenbarte ein rechteckiges Loch im Boden, das in einen dunklen Schacht führte.

„Was ist das?" fragte Remus interessiert.

„Spring einfach", erwiderte Kings und gab ihm einen Stoß, während er auch selbst einen Schritt in die Luft trat.

Sie stürzten in die Dunkelheit, und Remus war so verblüfft, dass er vergaß, zu schreien.

„Ganz ruhig, mein Freund. Wir werden weich landen", beruhigte ihn Kingsley.

Schon nach ein paar Sekunden verlangsamte sich ihre Fallgeschwindigkeit, und ein warmer Luftzug drang unter Remus' Robe. Die Luft unter seinen Füßen verdichtete sich zusehends, er hatte das Gefühl, durch Wasser zu gleiten, bis sie schließlich auf einer Art Plattform Halt fanden, die leise surrend mit ihnen in die Tiefe glitt.

Als sie schließlich mit einem Ruck anhielt, schlug ihnen dumpfe, feuchte Luft entgegen.

„Wo sind wir?", fragte Remus neugierig.

„Unterhalb der Mysterienabteilung im Keller", erwiderte der Auror.

Er führte Remus durch einen düsteren Gang, der nur unzureichend von Fackeln beleuchtet war. Der Boden neigte sich jedoch aufwärts, und bald erreichten sie einen Bereich, der von kaltem magischem Licht taghell erleuchtet war. Sie bogen um eine Ecke, und Kingsley hieß Remus in einer Nische warten. Er selbst ging weiter, Remus hörte, wie sich seine Schritte entfernten, und gleich darauf drang der Bass des Freundes an sein Ohr.

„Hey, Drongo. Wie lässt es sich an?"

„Oh, hallo, Kings", erwiderte eine zweite Männerstimme. „Alles ruhig. Wann soll es denn oben weiter gehen?"

„Kann noch eine Weile dauern", erwiderte Kingsley.

„Shit, und ich hätte so gerne eine Kippe. Aber hier unten geht ja gleich der Alarm los, wenn du dir nur eine Flamme anzündest", klagte er.

„Also…" Kingsley schien zu zögern. „Es ist zwar gegen die Vorschriften, aber ich könnte dich für eine halbe Stunde ablösen."

„Wirklich? Großartig. Ich könnte was Essen gehen und eben eine rauchen oder zwei."

„Hm. Also schön, eine Stunde, aber dann musst du gelegentlich ein Wochenende für mich übernehmen", verhandelte Kingsley.

„Ein ganzes Wochenende?", rief der andere aus.

„Nur Rufbereitschaft", sagte Kingsley. „Ich lass die Kinder gerade nicht so gerne allein."

„Also schön, wenn ich dir einen Gefallen damit tu", erwiderte der andere Mann großzügig. „Aber dann verschaff mir jetzt ne richtige Mittagspause, eine gute Stunde, okay?"

„Geht klar", stimmte Kingsley zu.

Schritte entfernten sich, und plötzlich tauchte Kingsleys Gesicht wieder vor Remus auf.

„Schnell jetzt." Er zerrte ihn zu einer schweren Metalltür und schlug mit dem Stab dagegen. Ein Schloss klickte deutlich hörbar.

„Hinter dir mach ich wieder zu. Du hast eine knappe Stunde, Remus, nicht länger. Dir ist hoffentlich klar, was mich das hier kosten kann. Und jetzt beeil dich."

Er schob Remus durch die Tür, und sie fiel hinter ihm mit einem unangenehmen Geräusch ins Schloss.

Remus befand sich in einem kleinen weißgetünchten Raum, der nichts als einen Stuhl und einen fest im Boden verschraubten Tisch enthielt. Doch er hatte keinen weiteren Blick mehr für die Einrichtung, denn an der Wand lehnte - ein feines Lächeln auf den Lippen – Lucius Malfoy.

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„Remus. Ich habe nicht wirklich geglaubt, dass dieser Plan funktioniert", sagte Lucius.

Remus erwiderte gar nichts. Viel zu erstaunt und überwältigt war er davon, dass sein scheinbar unerreichbarer Wunsch, Lucius zu sehen, zu sprechen und - Merlin, auch zu berühren - sich gerade als um Greifen nah entpuppte.

Sein Blick glitt über den Slytherin, jede Einzelheit gierig aufnehmend. Lucius war blass und augenscheinlich erschöpft, dunkle Ringe lagen unter seinen Augen. Doch er trug ganz offensichtlich wieder seine eigenen Kleider, und auch sein Haar war gekämmt und sauber.

Die Spannung im Raum zwischen den beiden Männern war beinahe mit Händen zu greifen. Remus war sich nicht sicher über Lucius' Empfindungen. Würde der Slytherin ihn wegstoßen, wenn er versuchte, sich ihm zu nähern?

Remus' Puls raste, hart hämmerte das Herz in seinem Brustkorb, seine Eingeweide vollführten einen irren Tanz, er hatte eindeutig Schmetterlinge im Bauch und eine Heidenangst. Er wusste, wie er selbst fühlte; doch hatte der Zauber von Glenkill bei Lucius, dem als Mensch viel unabhängigeren Teil ihrer Schwurgemeinschaft, einen auch nur annähernden Effekt? Natürlich, Lucius hatte ihn geküsst, am Morgen ihrer Befreiung, aber hatte sich dieser Zauber erhalten?

‚Er hat meinen Vornamen benutzt', durchzuckte es Remus. ‚Er hat das Bild verzaubert, so dass es bei mir und Hari lebendig wird.'

„Wie ich sehe, hat mein Freund Lawbender dir meine Grüße bestellt", sagte der Slytherin seidig, immer noch anwartend an der Wand lehnend.

Remus nickte nur wortlos. Oh Merlin, sein verdammter Hals war wie zugeschnürt.

„Du siehst gut aus", setzte Lucius sanft hinzu und trat einen Schritt vor. „Die Freiheit bekommt dir."

Das reichte. So zurückhaltend Lucius auch war, seine Körpersprache war Remus zugewandt und in den grauen Augen stand eindeutig eine Einladung geschrieben. Außerdem konnte Remus die sorgfältig verborgene Unsicherheit seines Gegenübers förmlich wittern. Er trat rasch auf den blonden Zauberer zu und nahm ihn bei der Hand.

„Ich bin unendlich froh, dich zu sehen", sagte er heiser.

Lucius lächelte, und seine Finger verschränkten sich mit denen des Werwolfs. Mit der Linken strich er ihm sachte eine Strähne hinters Ohr, dann glitt seine Hand zu Remus' Gesicht. Als seine Fingerspitzen Remus' Wange berührten, hatte dieser das Gefühl, mit warmem Feuer überschüttet zu werden. Ihm war nicht entgangen, dass auch Lucius' Hand zitterte. Mit einer

raschen Bewegung zog Remus den blonden Zauberer zu sich heran. Als ein Aufleuchten in den grauen Augen flackerte, berührte Remus vorsichtig, noch flüchtig, die Lippen seines Gegenübers.

„Ich kann nicht fassen, dass du hier bist", flüsterte er. „Oh Merlin, ich habe gedacht, sie bringen dich um, bevor ich auch nur noch einmal mit dir sprechen kann."

Lucius lachte leise. „Ja, so unwahrscheinlich war das auch gar nicht. Aber jetzt bin ich hier."

Remus wiederholte seinen Kuss, allerdings keineswegs so scheu und zurückhaltend wie zuvor. Lucius öffnete willig seine Lippen und erlaubte Remus' Zunge den Zugang zu seinem Mund. Remus spürte sofort, wie seine Knie weich wurden und sich eine äußerst erregende Verbindung von seinem Mund zu seinem Unterleib aufbaute, als seien diese Körperteile über eine elektrische Leitung verbunden. In die nicht aufkeimende, sondern geradezu orkanartig anschwellende Lust mischte sich ein so dringendes Bedürfnis, dem anderen nahe zu sein, wie Remus es bisher nicht gekannt hatte. Ihm war bewusst, dass er völlig unter dem Bann des Bindungs-Zaubers stand, aber er sah nicht die geringste Veranlassung sich zu wehren.

Sie schälten einander aus den Kleidern, Hunger im Blick und - zumindest was Remus betraf – mühsam dem Verlangen widerstehend, sie dem anderen einfach vom Körper zu reißen. Die Wärme von Lucius' Körper direkt an dem seinen zu spüren, die Weichheit seiner Haut, erinnerte Remus an die ersten Frühlingssonnenstrahlen nach einem verdammt langen Winter, und doch war es noch unendlich viel besser.

Er bedeckte die blasse Haut mit Küssen und zarten Bissen, und die Reaktion des anderen Zauberers bestätigte, dass er auf dem richtigen Weg war. Dennoch kehrte er immer wieder zu den Lippen des Slytherins zurück, um ihm in die Augen sehen und sicher sein zu können, dass seine Wünsche mit denen von Lucius' kompatibel waren. Genau genommen waren sie immer noch Fremde, und Remus wollte keine Grenzen überschreiten, ohne eine eindeutige Zustimmung seines Gegenübers. In der Ritualnacht hatten die Umstände ihn getrieben, aber das hier war absolut freiwillig. Seine Selbstkontrolle hielt so lange, wie Lucius eher passive Zurückhaltung andauerte. Doch als der Slytherin begann, ihn mit geschickten Fingern zu reizen, vergaß Remus jede Zurückhaltung. Leidenschaftlich küssten, bissen und streichelten sie einander, und Remus hatte das Gefühl, zu einer warmen Pfütze am Boden zerfließen, als Lucius begann, seinen harten Schaft mit sanften Händen und rhythmischen Bewegungen zu massieren. Geschickt bugsierte der blonde Mann Remus zu dem Tisch.

„Welch ein trefflicher Zufall, dass er im Boden eingelassen ist", flüsterte Lucius an Remus' Ohr, und der warme Atem, der über die empfindliche Haut hinter dem Ohr strich, jagte Remus einen weiteren Schauer über den Rücken.

Lucius drückte Remus nach hinten auf den Tisch, ohne seine Tätigkeit an dessen Glied für eine einzige Sekunde zu unterbrechen.

Remus japste nach Luft, als Lucius warme Hand plötzlich verschwand, und der Slytherin Sekunden später mit einem runden Tiegel und einem maliziösen Lächeln im Gesicht wieder auftauchte.

„Du schuldest mir noch etwas, mein Schöner", sagte er mit samtweicher Stimme, und Remus wusste, was ihn erwartete.

„Merlin, verdammt, ja", flüsterte Remus und zog Lucius zu sich auf die Tischplatte.

„Du hast das alles geplant", keuchte er mit Blick auf Lucius' Finger, an denen das Gleitgel feucht schimmerte. „Die ganze Nummer mit den Anwälten und der Aussage - nur um mich hier zu treffen?"

Lucius lächelte, und seine Arroganz hatte in diesem Augenblick etwas Tröstliches für Remus. Sein Liebhaber war ungebrochen, er hatte den Geist, eine solche Aktion zu planen, und die Beziehungen, sie auch umzusetzen.

„Es hat auch ein paar andere nützliche Nebeneffekte", flüsterte Lucius und seine Zunge tat etwas in Remus' Mundwinkel, das dem Werwolf ein Stöhnen entlockte. „Aber ich gebe zu, meine Gedanken kreisen seit Wochen um diese Begegnung."

Remus wusste nicht, ob er wollte, dass Lucius ihm weiter auf diese sehr verklausulierte, aber doch eindeutige Art erklärte, dass er die gleiche Sehnsucht, dasselbe Verlangen empfand wie er selbst, oder ob er nicht einfach in einem wilden Strudel aus Leidenschaft und Lust vergehen wollte. Lucius' Härte zwischen seinen Beinen beantwortete ihm diese Frage schlagartig.

Sie sahen einander in die Augen, Lucius' Arm war um Remus' Nacken geschlungen und seine Lippen taten etwas mit Remus' Brustwarze, das ihm beinahe ein Winseln entlockt hätte.

„Ich habe leider keinen Dolorcalmus für dich", sagte Lucius leise und in seinen Augen stand zu Remus' Erstaunen immer noch eine Frage.

„Lucius, verflucht, das ist mir egal", presste Remus zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor und hob sich seinem Liebhaber entgegen. Ihm bedeutete Schmerz nichts, wenn er Lucius nur so nah wie irgend möglich bei sich haben konnte.

Tatsächlich war der brennende Schmerz unerwartet stark, aber Lucius hatte Remus gleichzeitig mit seinem Eindringen in die Schulter gebissen, und dieser zweite Reiz lenkte den Werwolf ab, zumal der Biss ihn zusätzlich erregte. Lucius hielt seine Hüften still, bis Remus sich an die Dehnung gewöhnt hatte, dann begann er aufreizend langsam, sich zu bewegen.

Ihre Blicken verschlangen sich ineinander wie ihre Körper.

Lucius fuhr mit einer Hand durch Remus' Haare und küsste immer wieder seinen Mund mit einer Intensität und hungrigen Zärtlichkeit, die fast etwas Rührendes hatte.

„Weißt du, dass deine Augen die Farbe von flüssigem Honig haben?", fragte Lucius keuchend. „Sie sind…wunderschön."

Remus spürte, wie ihm das Blut in die Wangen schoss, die sich ohnehin heiß anfühlten. So sehr er Lucius wollte, die ungewohnte Situation – allein die Umgebung, das Wissen um die Konsequenzen, die eine Entdeckung für sie beide hätte, der schöne, aber fremde Körper in seinen Armen, seine mangelnde Erfahrung beim Zusammensein mit einem Mann – verursachte eine gewisse Unsicherheit. Und jetzt auch noch ein Kompliment.

„Du bleibst in jeder Lage Gentleman, Lucius, nicht wahr?", fragte er, nur um im nächsten Augenblick lustvoll aufzustöhnen. Lucius hatte sich tief in ihn hinein geschraubt und einen Punkt getroffen, der Remus Sterne sehen ließ. Er keuchte laut auf und schlang die Arme um den schweißnassen Körper seines Geliebten, der jetzt seinen Rhythmus beschleunigte.

Remus konnte sehen, dass Lucius nicht mehr lange brauchen würde. Seine grauen Augen färbten sich dunkel vor Erregung und Lust, und seine Stöße kamen jetzt kürzer, härter und immer schneller, bis er seinen Rhythmus verlor und sich mit einigen letzten tiefen Stößen heiß und stöhnend in Remus ergoss.

Keuchend bettet er seine schweißüberströmte Stirn auf Remus' Brust, schwer atmend und mit geschlossenen Augen.

Remus zog Lucius' Kopf nach einem Moment zu seinem Gesicht hinauf.

„Lucius", sagte er nur, jedes weitere Wort wurde geschluckt von einer Welle aus Emotionen, die ihm einen Kloß im Hals verursachte.

Lucius ließ ein beinahe raubtierhaftes Grinsen sehen und glitt an Remus Körper in die Tiefe.

„Du musst nicht…", keuchte Remus, um im nächsten Augenblick laut aufzuschreien vor Lust, als sich Lucius' Lippen warm um seinen Schwanz legten. Es dauerte nur eine kurze Zeit, bis Remus, der bereits bis an die Grenzen des Erträglichen erregt war, spürte, wie sich seine Hoden zusammenzogen. Er warnte Lucius mit einem heiseren Schrei und kam stöhnend und zuckend in seiner Hand.

Mit Beinen so weich wie Pudding ließ er sich vom Tisch gleiten, das Herz schlug ihm bis zum Hals und sein Mund war trocken von seinen Versuchen, hastig wieder zu Atem zu kommen. Er kniete sich zu Lucius, der erschöpft und ausgepumpt auf dem Boden hockte, ein strahlendes Leuchten in den nebelgrauen Augen, die Wangen gerötet, die Arme weit ausgebreitet. Sie hielten einander noch eine Weile, lasziv-zärtliche Küsse austauschend und beide für den Moment berauscht. Zumindest Lucius war jedoch anzusehen, dass er gleichzeitig völlig am Ende seiner Kräfte war.

„Oh Merlin", keuchte Lucius nach einer Weile, „ich wünschte, wir müssten das nicht immer nur unter Zeitdruck in irgendwelchen vergitterten oder fensterlosen Zellen tun."

Remus war nicht fähig, überhaupt etwas zu sagen. Jede Faser seines Körpers schien noch zu vibrieren von der intensiven Lust und der Welle an Emotionen, die ihn überrollt hatte.

„Ich kann dich nicht gehen lassen", presste er schließlich hervor. „Wenn Kingsley diese Tür öffnet..."


Fortsetzung folgt

Danke für die Reviews zum letzten Kapitel: Lucy, Glupit, Lola, Sunuxal, Jenn und Nicole. Wo immer möglich, beantworte ich sie direkt.

Lola: Du warst von Molly enttäuscht. Kein Wunder bei ihrem Verhalten. Es tat mir ein bisschen Leid, ihr die Rolle der 'Bösen' zu geben, aber sie eignet sich dafür und einer musste es tun (meinem Plot zuliebe). Und ich verliere gerade den Überblick, hattest du mich gefragt, ob ich "Bartimäus' gelesen habe? Ja, habe ich, aber der Name 'Mandrake' entstammt der ersten 'Kerkermond' Fiction.

Nicole: Thema durchdachte Rettungsaktion - Remus kann immer nur so gut denken, wie es den Fähigkeiten der Autorin entspricht. Wie schön, dass du ihm gnädigerweise ein liebestrunken vernebeltes Hirn als Entschuldigung zugestanden hast. (Stellt sich die Frage nach den romantischen Interaktionen der Autorin, ich weiß.)
Was Gawain betrifft - nein, nein, nein, keine Cellulite! Gawain Blond 007 bleibt so unrealistisch, wie er ist.
Was Remus-Sue betrifft: Ich habe ihm honigfarbene Augen und ein Kompliment von Diva Lucius geschrieben. Und ein Rückgrat. Und ich reduziere seine Konjunktive drastisch. Hab' Geduld ;-)