Kerkermond Evolution

Slashig-trashige Fanfiction (mit Zitaten von Shakespeare), in der Lucius eklatante Mängel in der Kenntnis nordischer Mythologie offenbart


Hier noch einmal mit den letzten Sätzen der vorherigen Kapitels, damit der Start leichter fällt…

„Oh Merlin", keuchte Lucius nach einer Weile, „ich wünschte, wir müssten das nicht immer nur unter Zeitdruck in irgendwelchen vergitterten oder fensterlosen Zellen tun."

Remus war nicht fähig, überhaupt etwas zu sagen. Jede Faser seines Körpers schien noch zu vibrieren von der intensiven Lust und der Welle an Emotionen, die ihn überrollt hatte.

„Ich kann dich nicht gehen lassen", presste er schließlich hervor. „Wenn Kingsley diese Tür öffnet..."


26. Lucius: Entscheidungen

„Wirst du mit ihm gehen und dabei sorgsam sein, dass ihr nicht erwischt werdet", fiel ihm Lucius ins Wort. „Wir müssen dankbar sein, dass er überhaupt seinen Hals für uns riskiert. Was glaubst du geschieht, wenn das hier auffliegt?"

Remus ging überhaupt nicht auf Lucius' Einwand ein, stattdessen nahm er das schöne Gesicht des blonden Zauberers zwischen seine Hände und küsste seine Lippen. Wie schon die ganze Zeit führte er einen aussichtslosen Kampf gegen den Sturm der Gefühle, die ihn zu überwältigen drohten.

„Du kannst dich doch nicht auf ewig von denen hier einsperren lassen", flehte er Lucius an. „Du magst glauben, deine sicher vorzüglichen Anwälte könnten etwas erreichen, aber ich kenne die Stimmung dort draußen, Lucius. Nicht einmal meine Freunde zweifeln daran, dass es richtig ist, dich bis zum Jüngsten Tag einzukerkern. Und das sind die, die annähernd ermessen können, was du für Kingsleys Kinder getan hast."

Lucius machte sich von Remus los und stand auf, dann zog er den Gryffindor auf die Füße.

„Jetzt hör' mir zu, Remus Lupin. Mir ist bewusst, dass die Magische Gesellschaft mir alles andere als wohlgesonnen ist. Aber die Verbrechen, die man mir zur Last legt, müssen erst einmal bewiesen werden. Gerüchte werden mich nicht nach Askaban bringen, da kannst du sicher sein. Das einzige, was ich beim besten Willen nicht verleugnen kann, ist, dass ich ein Todesser war. Doch dies gilt auch für Snape, Karkaroff und McNair. Sie alle sind meines Wissens nicht in Askaban."

„Ihre Prozesse liefen vor über zehn Jahren. Die Stimmung ist jetzt eine andere", widersprach Remus.

„Die Stimmung war damals auch hochaggressiv", erwiderte Lucius. „Der Mob hat die Fensterscheiben von Malfoy Manor eingeworfen, und ohne die Hilfe des Ministeriums hätten sie das Haus vermutlich dem Erdboden gleich gemacht. Hab ein bisschen Vertrauen in die Institutionen, Remus. Man muss sie benutzen, mit ihnen spielen."

„Ist dein Leben oder deine Seele nicht als Einsatz etwas hoch?", fragte Remus heftig.

„Kein Spaß ohne Risiko." Malfoy zuckte die Achseln. „Siehst du nicht, dass ich indirekt alles zugeben würde, was man mir vorwirft, wenn ich jetzt versuchte zu fliehen? Und wo sollen wir hin, ein gesuchter Todesser, dessen Konterfei in jeder Filiale der Eulenpost in der gesamten zivilisierten Welt hängt, und ein Werwolf, der seine Verwandlungen nicht kontrollieren kann? Wir würden unsern Häschern in die Arme laufen, entweder Auroren oder noch schlimmer – Dienern des Dunklen Lords."

„Die Magische Welt ist nicht alles", sagte Remus.

„Lieber sterbe ich, als das Leben eines Muggels zu führen", entgegnete Lucius.

Remus schluckte.

„Außerdem – willst du den Kindern wirklich jetzt auch noch den Vater nehmen, Remus? Man würde Shacklebolt die Schuld geben für mein Entkommen. Verrätst du damit nicht alles, wofür gerade du all die Jahre gekämpft hast?", fragte Lucius.

Er ließ sich auf den Stuhl sinken und stützte den Kopf auf den Armen ab. Remus konnte sehen, dass er wenig geschlafen hatte in den Nächten zuvor.

„Glaube mir", sagte Lucius müde, „zu erkennen, dass alles, woran du geglaubt hast, wofür du jahrelang gearbeitet hast, eine Lüge ist, eine wahnwitzige Vision eines Irren, ist ein schmerzhafter Prozess. Doch ist es ungleich grausiger, Ziele zu verraten, von denen du weißt, dass sie richtig sind. Dich würde es umbringen."

„Dich zu verlieren wird mich ebenfalls töten", sagte Remus.

„Vielleicht", lächelte Lucius. „Aber dann wäre dein Tod im Interesse der guten Sache. Warst du nicht immer bereit, dafür zu sterben?", spielte er mit Remus' Hang zur Selbstaufopferung.

Er erhob sich, ging auf Remus zu und schloss ihn in eine innige Umarmung.

„Lass dich nicht von mir provozieren. Ich bin ein unheilbarer Sarkast. Ich kann nur erahnen, wie es um dich steht, aber sei versichert, ich fühle ähnlich. Glaubst du nicht, dass mich die kalten Nächte in dieser einsamen Hölle quälen? Denkst du, nur du kennst Sehnsucht und Verzweiflung?"

„Diese Gefühle sind...nur magischer Natur", gab Remus zu bedenken.

„Magie ist meine Natur", erwiderte Lucius und betrachtete Remus ruhig. „Hast du mit Severus gesprochen?"

Remus nickte.

„Er war so großzügig, mir einen Blick in seine Gedanken zu ermöglichen."

„Freiwillig?", fragte Lucius zweifelnd.

„Nein. Ich habe ihn erst...von meinem Informationsbedürfnis überzeugen müssen", erwiderte Remus, der langsam seine Fassung zurück gewann.

Lucius lächelte. „Er wäre auch so zu dir gekommen. Er hatte es mir versprochen, und Severus stand in all den Jahren immer zu seinem Wort."

„Du vertraust ihm, obwohl er ein Todesser ist?", fragte Remus.

„Wir sind schon so lange Freunde – er hat mein Vertrauen niemals missbraucht", erwiderte Lucius.

Remus stöhnte innerlich auf. Lucius ahnte ganz offensichtlich nicht, dass es Severus war, mit dem seine Frau ihn betrogen hatte, und er konnte es ihm nicht sagen, weil ihn sein Versprechen band.

„Im Übrigen, was den ‚Todesser' angeht", setze Lucius hinzu, „gelange ich mittlerweile zu der Überzeugung, dass Severus nicht so eindeutig auf der Seite des Dunklen Lords steht, wie er mich stets glauben ließ. Ist es nicht so, Remus?"

Remus sah in Lucius' fragende Augen, doch dies war eine Frage, die er nicht beantworten konnte, nicht beantworten durfte. Er starrte stumm auf seine Hände.

Lucius lachte leise. „Schon gut, ich werde dich nicht bitten, deinen Orden zu verraten. Severus ist ein ganz besonderer Mensch", setzte er hinzu. „Ich weiß, er hat seine menschlichen Schwächen, und hinzu kommt diese idiotische Rivalität mit Sirius Black. Aber wusstest du, dass er dich schätzt, deiner Lykantrophie zum Trotz? Ich erinnere mich an ein Gespräch im Manor, es ging um deinen Unterricht in Hogwarts. Er sagte, du seiest gut und die Schüler würde eine Menge mitnehmen – natürlich waren einige von uns drauf und ran, nach Hogwarts zu reisen und dich persönlich per Silberkugel zu exekutieren, aber er hat stets die Hand über dich gehalten."

„Per Silberkugel?", fragte Remus erstaunt. „Snape hat erst am Ende des Schuljahrs ‚versehentlich' gegenüber einigen Slytherin-Schülern fallen lassen, dass ich ein Werwolf bin."

„Das stimmt", bestätigte Lucius. „Aber Greyback weiß, wen er gebissen hat. Ich wusste noch vor Beginn des Schuljahres, was du bist."

Er lächelte, doch seine Miene war nachdenklich, als er hinzufügte: „Ohne Severus' Fürsprache hätte ich die anderen Schulräte mobilisiert. Du wärst schneller in Umbridges Abteilung gelandet, als du ‚Expelliarmus' hättest sagen können."

„Dann hat er mich nicht verraten, als er seinen Schülern sagte, was ich bin...sie wussten es längst?"

„Die Schüler wussten es sicher nicht. Ich vermochte die Eltern, die davon Kenntnis hatten, zu Stillschweigen zu veranlassen."

Lucius schüttelte den Kopf.

„Die Durchgriffsstrukturen unter meinesgleichen sind rigide. Du machst dir keine Vorstellung davon, was es bedeutet, in der Hierarchie ganz oben zu stehen. Es gab Tage, da konnte ich mir selbst im Spiegel nicht mehr ins Gesicht sehen."

„Hast du dich nicht ein einziges Mal gefragt, ob der Weg, den du gehst...nun, der richtige ist?"

„Es gab wenig Gelegenheit dazu, oder zumindest habe ich sie nicht gesucht", erwiderte Lucius. „Anfangs ging es nur darum, den Platz zu behaupten, den mein Vater unserer Familie gesichert hatte. Als der Dunkle Lord dann verschwand, war es notwendig, die Integrität der Familie nach außen wieder herzustellen. Ein ziemlich schwieriges Unterfangen mit einem dunklen Mal auf dem Unterarm. Reichtum und Einfluss sind dabei hilfreich, aber nicht alles entscheidend. Ich hätte nie gedacht, dass der Dunkle Lord zurückkehrt. Wie die meisten Todesser waren wir längst wieder in die Magische Gesellschaft reintegriert, als Pettigrew ihn aufspürte."

„Warst du froh über die Rückkehr Voldemorts?", fragte Remus.

Lucius zuckte bei der Nennung des Namens zusammen.

„Als ich bei der Quidditch-WM das Dunkle Mal am Himmel sah, war ich sprachlos. Mir hat schon der Tumult im Vorfeld nicht gefallen. Diese Muggel in aller Öffentlichkeit zu quälen war mehr als dumm. Nicht mal von den Kindern konnten diese Idioten ihre Finger lassen. Leider kam ich zu spät hinzu, um es zu verhindern. Ich konnte mir ja schlecht die Maske vom Kopf reißen und wie ein Feldherr Befehle brüllen. Später in der Nacht habe ich lange mit Narcissa gesprochen, über das, was uns nun erwartete und darüber, wie wir uns verhalten sollten. Sie hatte große Angst; wir beide hatten den Dunklen Lord zur Blütezeit seiner Macht erlebt. Damals trafen wir den retrospektiv unseligen Entschluss, ihm zu folgen, falls er wieder an die Macht gelangen sollte."

Er zuckte die Schultern und sein Lächeln hatte beinahe etwas Entschuldigendes.

„Du weißt selbst, wie teuer uns diese Entscheidung zu stehen gekommen ist. Und es ist noch nicht zu Ende."

„Glaubst du an seinen Sieg?", fragte Remus und nahm Lucius' Hand zwischen seine beiden Hände. Sie war schmal und kühl.

Lucius lehnte sich gegen die Wand, den Kopf nach hinten gelegt.

„Er hat mit jedem Jahr an Boden gewonnen. Potter ist fast noch ein Kind. Ja, ich glaube an seinen Sieg und ich fürchte ihn. Wenn es soweit ist, wünschte ich dich sicher irgendwo im Ausland. Doch ich fürchte, du bist ebenso todgeweiht wie ich es bin. Und nicht zuletzt deswegen will ich diesen Prozess. Er wird eine Bühne sein, auf der man das Stück von der unaussprechlichen Grausamkeit des Dunklen Lords aufführen kann wie ein Drama von Shakespeare'scher Gewalt."

Er stieß sich von der Wand ab und suchte Remus' Blick.

„Ich werde natürlich versuchen, mit ansatzweise heiler Haut aus diesem Prozess heraus zu kommen. Du kennst Lawbender und Solicitor nicht. Sie sind die besten Ihres Faches. Aber dennoch will ich auch versuchen, denen da draußen die Augen öffnen. Denen, die keine Ahnung haben, welchen Gewittersturm des Bösen der Dunkle Lord mit sich bringt. Erst wenn sie sehen, was mit einem geschah, der die besten Voraussetzungen hatte, an seiner Seite zu triumphieren, werden sie begreifen, was es für sie – die diese Möglichkeiten nicht haben – bedeuten wird, unter seiner Herrschaft zu stehen."

„Das klingt sehr nobel", sagte Remus trocken. „Ich wünschte dennoch, du würdest mit mir durchbrennen."

Lucius betrachtete ihn mit einer Mischung aus Amüsement und Bedauern. „Du von allen müsstest doch am besten wissen, wie es ist, seine eigenen Interessen für die Belange der guten Sachen hintan zu stellen", sagte er. „Außerdem - ‚Durchbrennen' – was sind wir? Verliebte Teenager vor dem ersten Mal? Romeo und Julia?"

Lucius lachte leise und zitierte: „Welch Wunderwerk, ich fühle mich getrieben, den ärgsten Feind auf's zärtlichste zu lieben..."

„Shakespeare hat nur ein tragisches Ende zu bieten für seine Helden", erwiderte Remus. „Das Leben ist mehr als Drama und Tragödie. Und vor dem ersten Mal trifft es auch nicht. Aber wenn ich mit einem Paar verliebter Teenager tauschen könnte, ich würde es tun."

Lucius lächelte spöttisch.

„Du würdest mit mir durchbrennen, Remus? Ich kann dir nichts bieten, weißt du?", ging er auf das Spiel ein. „Meine Familie wird mich enterben, weil ich mich für einen Wolfsjungen entschieden habe. Wir werden im Wald hausen müssen und uns von Kräutern und Wurzeln ernähren, und von ein paar angebissenen Rehen und Hasen, die du alle 28 Tage mit nach Hause bringst."

„Das wäre mir egal, solange wir nur zusammen sind."

Remus brachte sein Gesicht so dicht vor das von Lucius, dass er seinen warmen Atem auf der Haut spüren konnte.

„Ich habe einen Eid geschworen, Lucius. Dich zu schützen, koste es, was es wolle. An deiner Seite zu stehen, was auch immer geschieht."

„Aber das wirst du", flüsterte Lucius. „Wenn es soweit ist, werde ich dein Gesicht in der Menge suchen und mich an deinem Blick festhalten. Ich werde nicht allein sein, weil ich weiß, dass ich einen Teil von dir in mir trage."

Ihre Lippen trafen sich in einem zärtlich-hungrigen Kuss.

„Ich habe sehr wohl verstanden, dass Glenkill mehr beinhaltet, als dich an Vollmond kontrollieren zu können. Doch anders als du empfinde ich eine Schuld dieser Magischen Gesellschaft gegenüber, und was immer ihr anderen uns Slytherins nachsagen mögt – wir begleichen unsere Schuld. Immer."

Remus schluckte. Er hatte fast gleichlautende Worte aus Severus' Mund gehört. Und er wusste, es war sinnlos, sich gegen diese Entschiedenheit zu stellen.

„Unsere Zeit läuft ab", sagte er zu Lucius.

„Ich weiß. Ich werde versuchen, dich vor dem Prozess noch einmal zu sehen, aber ich kann es dir nicht versprechen. Mein Einfluss auf das Ministerium war auch schon mal besser."

Lucius grinste sarkastisch und berührte Remus mit beinahe theatralischer Geste unterm Kinn, um ihn zu zwingen, ihn anzusehen.

„Kopf hoch. Sind nicht die Nornen die Schwestern des Fenriswolfs? Vielleicht kannst du ihnen ein paar ihrer Schicksalsfäden abschmeicheln und dein eigenes Muster weben."

„Deine Kenntnisse in nordischer Mythologie sind verbesserungsbedürftig", antwortete Remus. „Merlin weiß, wie sehr ich mir wünschte, Zeit zu haben, dich in Mythen und Legenden zu entführen."

„Deckt das Studium der Arithmantik diese Themen mit ab? Ich bin überrascht", entgegnete Lucius, ein Zwinkern im Augenwinkel.

Ein Klopfen an der Tür ließ sie aufhorchen.

„Das muss Kings sein", sagte Remus heiser.

Lucius nickte nur und zog ihn ein letztes Mal zu sich heran, um ihn zu küssen. Seine Finger in Remus' Haaren und auf seiner Haut waren federleicht, seine Zunge in Remus' Mund warm und vertraut.

„Du musst jetzt gehen", murmelte Lucius nach einer Weile an seinem Mund. „Dringend."

„Du wirst mir unendlich fehlen", flüsterte Remus, dann wandte er sich um.

Kingsley, der die Tür geöffnet hatte, sah sie mit einem merkwürdigen Blick an, sagte jedoch nichts.

Widerstrebend ließ Remus Lucius' Hand los und trat einen Schritt zurück. Ein letzter Blick in die grauen Tiefen von Lucius' Augen, die nun nicht mehr eisig und abweisend wirkten, sondern wie ein sanfter Herbstnebel, dann drehte er sich auf dem Absatz herum und verließ den Raum.

Er hörte Kingsley hinter sich einen Verschlusszauber murmeln, dann war der große Auror an seiner Seite. Schweigend hasteten sie den Gang entlang, und grelles Licht wechselte wieder zum Flackern weniger Fackeln in düsterer Dämmerung.

Am Eingang zu dem merkwürdigen Fahrstuhl räusperte sich Kingsley und sagte: „Du fährst einfach hoch und verlässt die Plattform am ersten Halt. Du steigst am Zugang zur Mysterienabteilung aus, dort, wo wir die Wache gewechselt haben, wenn wir die Prophezeiung geschützt haben. Pass auf, dass dich niemand sieht. Deinen Stab sende ich dir per Eileule später heute Abend. Merlin, Remus, ich hatte ja keine Ahnung, dass eure Beziehung dieser Natur ist."

„Stört es dich?", fragte Remus.

Er hatte bisher schlicht ignoriert, dass neben der Tatsache, dass Lucius ein angeklagter Todesser war, auch noch die sozial geächtete Erschwernis hinzukam, dass sie beide Männer waren.

„Ihr habt meine Kinder gerettet. Ich würde euch persönlich auf die Bahamas fliegen, wenn es in meiner Macht stünde", erwiderte Shacklebolt. „Davon abgesehen habe ich nie geglaubt, dass du und Sirius nur Freunde ward. Aber ich hatte keine Ahnung, dass Malfoy schwul ist. Ich habe ihn ein paar Mal bei offiziellen Empfängen mit seiner Frau gesehen, und er hatte niemals Augen für irgendjemand anderen als für Narcissa. Das war schon in Hogwarts in der letzten Klasse so."

„Ich wusste nicht, dass du ihn näher kennst", sagte Remus.

„Kennen ist zuviel gesagt. Er war mit mir in einem Jahrgang. Kluger Kopf, aber ein aristokratisches Arschloch durch und durch. Hatte allerdings wenig übrig für Quidditch."

„Das war aber nicht mein Eindruck", erwiderte Remus.

„Dann kann ich dir etwas über Malfoy erzählen, das bestimmt niemand sonst weiß", sagte Kingsley grinsend. „Auf einem der vorgenannten Empfänge hat Nora mich begleitet. Ich fiel aus allen Wolken, als Malfoy sie begrüßte und mit ihrem Vornamen ansprach. Später hat sie mir erzählt, dass sie ihn aus dem Reitverein des Diplomatischen Corps in London kennt. Du weißt ja, ihr Vater war amerikanischer Militärattache an der Botschaft hier."

„Deine Frau war eine Muggel", sagte Remus nachdenklich. „Ich gehe wohl davon aus, dass dieser Verein nicht magisch-nichtmagisch gemischt war?"

„Das siehst du völlig richtig", sagte Kingsley und seufzte. „Ich vermisse Nora. Unsere Ehe war nicht gerade eitel Sonnenschein, aber sie fehlt vor allem den Kindern natürlich fürchterlich."

„Es tut mir sehr, sehr leid", sagte Remus.

Sie hatten den Schacht erreicht.

„Ich muss zurück", sagte Kingsley. „Drongo wird jeden Moment aus seiner Mittagspause kommen."

„Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll", sagte Remus. „Du hast ein großes Risiko auf dich genommen."

„Ich habe gegen ein paar Vorschriften verstoßen, ja. Aber du warst unbewaffnet und Malfoy auch. Ich wäre mit einem Verweis und einer Degradierung davon gekommen. Wenn ich heute Abend nachhause komme und in die Gesichter meiner Kinder sehe, war es das alle mal wert. Ich werde es wieder tun, wenn es notwendig sein sollte", sagte Kingsley mit grimmiger Miene.

oxoxoxoxoxoxoxoxo

Doch eine weitere Möglichkeit, Lucius zu sehen, ergab sich in der folgenden Woche nicht. Remus hatte große Mühe, ihre kurze, aber heftige Begegnung zu verarbeiten. Es war wundervoll, zu wissen, dass Lucius seine Gefühlte erwiderte, auch wenn ihnen beiden nur zu bewusst war, dass sie unter dem Einfluss des Glenkill-Zaubers standen. Mit dieser neuerlichen Begegnung war jedoch auch die Sehnsucht, den Slytherin wieder zu sehen, drängender denn je.

Und so war Remus zwar erschrocken, aber auch irgendwie erleichtert, als Tonks in der nächsten Woche verkündete, dass der Prozess gegen Lucius Malfoy am Ersten des kommenden Monats beginnen würde.


Fortsetzung folgt


Danke für Eure Reviews. Ich habe mich wie immer bemüht, ein jedes persönlich zu beantworten.

Nicole: Der Plot verdickt sich leider gar nicht. Mein Spannungsbogen lässt sich hängen und Remus' Weg zum strahlenden Helden ist ein steiniger. Aber dafür gibt es jede Menge ‚soziale Interaktion' und Spaß beim Fabulieren. Aber du hast ein Mantra zum dran-festhalten.
Schön, dass jemand meine ‚sprechenden Namen' bemerkt hat :-))
Was den Slash angeht, so wurde das in etlichen Foren bis zum Vomitus diskutiert, ich spare mir die Antwort und verweise auf die bunte Welt in Fanfiktion-Internet-Foren. Aber ich habe nicht abgeschrieben, sondern schon selbst fabuliert, was meine lüsterne Fantasie hergab ;-)

Lola: Das waren ja wieder Theorien – wild! Aber ich musste sehr lachen über deinen Hinweis/ deine Frage, ob Lucius die Gleitcreme selbst beschworen hat oder seinen Anwalt danach fragen musste. Soweit hatte ich ehrlich nicht gedacht. Ich fürchte, wenn ich konsequent bin, musste er fragen. Und diese Szene…naja, die gibt es vielleicht als komischen Outtake irgendwann mal extra ;-)