Kerkermond Evolution

Slashig-trashige Fanfiction, in der heute an Lucius' Beispiel deutlich wird:
Hände weg von psychedelischen Drogen!


Nachdem Lucius im letzten Kapitel ja so einen Coup gelandet hat, wäre es jetzt Zeit für die Ankläger, einmal zu triumphieren. Und tatsächlich scheint es, als brächte Berkins Lucius um die Beherrschung. Doch wer wird von dem Ausbruch des Slytherins am Ende profitieren?

Danke für die Reviews: Lucy, Sunuxal (auch wenn ich nicht draus schlau geworden bin, vielleicht doch mal auf der anderen Plattform reviewen?), Glupit, Nicole und Lola.

Nicole: Glenkill – ja, dass dir das jetzt erst aufgefallen ist. Der Widder…mal sehen, wen wir hier noch kastrieren können. Aber wäre ja dann ein Hammel. Eine Kerkerromanze hatten wir bereits am Anfang, insofern: Nein, wir werden die beiden nicht 40 Jahre in Askaban begleiten. Eher bringe ich Lucius um. Und was den Märchenkönig angeht – der hatte doch was mit dem Leibarzt, und dann passt es wieder ;-)

Lola: Das mit der Beziehungskiste musst du mir noch mal erläutern – was meinst du damit? Und was Lucius' „Aufspringen" bei Narcissa angeht. Er mag damit rechnen, aber er ist eben nur äußerlich ein kühler Taktiker. Warte mal ab, bis die Drogen ihn enthemmen ;-)


28. Lucius: Veritaserum

Eine gute Stunde später fanden sich Gericht, Zuschauer, Anklage und Verteidigung wieder in dem großen Saal zusammen.

Die Anklage hatte das Wort, und Berkins persönlich verlas die Anschuldigungen, die im Zusammenhang mit der Quidditch-Weltmeisterschaft gegen Lucius erhoben wurden. Man warf ihm vor, die Krawalle nicht nur initiiert und angestachelt zu haben, sondern persönlich federführend beteiligt gewesen zu sein.

Als Beweis rief Berkins einige Ministeriumszauber in den Zeugenstand, die die Vorkommnisse am Rande der Veranstaltung beschrieben. Arthur Weasley, der für die Dauer seiner Vernehmung von der Protokollführung entbunden war, schilderte im Wortlaut, was Draco Malfoy Harry und Ron im Wald gesagt hatte.

Lawbender erhob Einspruch. „Die Verteidigung bestreitet in keiner Weise den Wahrheitsgehalt der Aussagen von Mr. Weasley. Doch aus der Tatsache, dass es den jungen Herren Weasley und Potter so erschien, als sei Lucius' Sohn überzeugt, seine Eltern wären Teil des Mobs, der die Muggel gequält habe, ist nicht zu schließen, dass dies auch den Tatsachen entspricht."

„Man sollte aber doch davon ausgehen, dass ein Vierzehnjähriger einen gewissen Überblick über die Gepflogenheiten seines Elternhauses hat", wandte Berkins mit glattem Lächeln ein.

„Es wird nicht bestritten, dass im Hause Malfoy eine gewisse Ansicht im Bezug auf die Einschätzung der sozialen Wertigkeit von Muggeln herrschte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der junge Draco zumindest vermutete, dass seine Eltern ebenfalls unter diesen Masken steckten. Aber Draco, der über ein gewisses Geltungsbedürfnis verfügt, mag sich auch nur vor den anderen Schülern aufgespielt haben. Und selbst er hat nicht gesagt, dass seine Eltern definitiv unter den illegal handelnden Zauberern waren. Mein Mandant bestreitet jede initiative Beteiligung an den Krawallen und an den quälerischen Schwebezaubern, die auf die Muggel angewendet wurden."

„Nun, ich denke, das Gericht hat genug gehört, um sich ein eigenes Bild hierzu machen", sagte Berkins glatt.

Lawbender beugte sich herüber zu Dr. Solicitor, sie besprachen sich kurz, dann erhob sich Solicitor. „Herr Vorsitzender, wir beantragen, unseren Mandanten zu diesem Themenkomplex unter Veritaserum befragen zu lassen."

Ein Raunen ging durch die Menge. Dies war ein bemerkenswertes Vorgehen. Veritaserum unterlag strengen Regularien, und ausschließlich die Verteidigung durfte es verlangen. Die Staatsanwaltschaft konnte es anregen, doch eine Ablehnung der Verteidiger durfte nicht als Schuldanerkenntnis gewertet werden.

„Merlin, Lucius riskiert eine Menge, wenn er das tut", flüsterte Severus. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nicht dabei war."

Remus schwieg. Wenn es stimmte, was Lucius ihm im Keller des Ministeriums erzählt hatte, konnte er zu diesem Anklagepunkt tatsächlich wahrheitsgemäß aussagen, ohne sich zu belasten.

„Dann bitte ich die Verteidigung und die Anklage zu mir ins Richterzimmer, damit die Fragen an den Angeklagten festgelegt werden können", sagte Whiteman. „Die Verhandlung ist solange unterbrochen."

Berkins und die Nadelstreifenhexe erhoben sich, ebenso Dr. Solicitor und Lawbender. Rogue und Lucius blieben ebenso auf ihren Plätzen wie die Auroren und der Gamot. Da die Türen des Saales nicht geöffnet wurden, behielten auch die Zuschauer Platz. Kingsley kam zu Remus und Severus hinunter gestiegen.

„Es wird nicht lange dauern", sagte er. „Sie werden nur den Anklagepunkt verhandeln, um den es gerade geht. Die Fragen werden ausgehandelt. Die Anklage darf nur das fragen, womit sich die Verteidigung einverstanden erklärt. Allerdings darf der Vorsitzende fragen, was er will. Der Angeklagte kann die Antwort verweigern. Man darf dies nicht als Schuldanerkenntnis auslegen; da der Gamot jedoch dabei ist, wird sich eine Weigerung natürlich negativ auswirken. Ich bin sehr neugierig, was Malfoy uns zu erzählen hat. Er muss sich ziemlich sicher sein, dass er im Punkt der Quidditch-WM eine weiße Weste hat."

Nach etwa einer halben Stunde kehrten Whiteman, die beiden Anwälte und die Ankläger zurück. Solicitor sprach kurz mit Lucius, der abwechselnd nickte und den Kopf schüttelte.

Whiteman hatte indes einen jungen Auroren losgeschickt, um die Tränkemeisterin des Ministeriums zu holen. Fünf Minuten später kehrte er in Begleitung einer alten Frau zurück: Es war niemand anders als die legendäre Madame Hoodia. Sie war eine grauhaarige Hexe von mindestens achtzig Jahren, und sie trug eine bodenlange schwarze Robe unter einem grünschimmernden Überwurf mit silbernen Applikationen, die das Zeichen des Ministeriums trugen sowie die Schlange Slytherins. Ein Teil der Zuschauer erhob sich und auch etliche Mitglieder des Gamots erwiesen der alten Tränkemeisterin diese Ehre.

Remus wusste, dass sie Severus' Professorin an der Universität gewesen war. Hoodia war eine lebende Legende. Sie hatte ihren Stab erhoben und ließ ein winziges Flakon mit einer kristallklaren Flüssigkeit vor sich herschweben. Als sie Lucius sah, lächelte sie. Es gab ihrem strengen Gesicht etwas beinahe freundliches.

„Lucius, mein Lieber", sagte sie, laut genug, dass man es zumindest in den ersten Reihen hören konnte. Sie reichte ihm die Hand. „Ich hoffe, sie haben dich ordentlich behandelt in Askaban? Du siehst aus, als hättest du eine Menge Gewicht verloren."

„Madame Hoodia." Lucius, der bereits aufgestanden war, verbeugte sich vor ihr. „Es ist mir eine besondere Freude, Sie wieder zu sehen. Ich würde allerdings andere Umstände bevorzugen." Er lächelte. „Und es besteht kein Grund, sich um meine Ernährung zu sorgen."

„Wie möchtest du dein Veritaserum?" fragte sie. „In einem Martini, kein Eis, geschüttelt, nicht gerührt?"

„Wasser wird völlig ausreichend sein", erwiderte Lucius mit einem Lächeln.

Sie nickte und beschwor ein Glas. Remus konnte sehen, wie nervös die Auroren waren, als die alte Hexe mit ihrem Stab direkt vor Lucius' Gesicht herumfuchtelte.

„Sie glauben nicht wirklich, ich würde versuchen, der ehrenwerten Madame Hoodia ihren Zauberstab abspenstig zu machen?", meinte er laut und hob fragend eine Augenbraue. „Ich kann Ihnen versichern, Sie überschätzen meine Fähigkeiten als Duellant maßlos."

Hoodia dosierte mittels einer Pipette vorsichtig zwei Tropfen Veritaserum in das Glas. „Es könnte sein, dass dir übel wird", dozierte sie. „In diesem Fall versuche nicht zu erbrechen, die Übelkeit verfliegt binnen Minuten. Dir wird vermutlich etwas warm werden, auch das ist normal. Andere als diese Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Falls dennoch welche auftreten sollten, liegt es daran, dass jemand das Serum vergiftet hat - kleiner Scherz, Lucius."

Lucius rang sich ein Lächeln ab, aber es war deutlich, dass er nicht ernsthaft über diese Art von Scherzen lachen konnte. Er trank das Glas in zwei Zügen leer. Hoodia nicke zufrieden.

„Viel Glück, Lucius", sagte sie. „Lass dich nicht unterkriegen."

„Wir würden dieses Veritaserum gerne einer Untersuchung unterziehen", drang plötzlich Berkins' Stimme durch den Saal. „Nichts für ungut, Madame Hoodia, aber Sie scheinen doch eine erhebliche Sympathie für den Angeklagten zu hegen."

Hoodia fuhr herum. Energischen Schritts rauschte sie auf Berkins zu, wobei ihre Robe hinter ihr herwehte wie das Haar einer Furie.

„Mr. Berkins, es stimmt, ich kann Lucius Malfoy gut leiden. Er war ein fleißiger Schüler und ich kenne ihn als höflichen jungen Mann, der stets rührend um seine Frau besorgt war, die im Übrigen ebenfalls eine hervorragende Schülerin war. Beide waren Zierden des Hauses Slytherin und ich glaube nicht ein Wort von ihrer lächerlichen Anklage. Aber das ist meine persönliche Meinung, und diese wird niemals und in keiner Weise meine Arbeit beeinflussen oder gar meine Loyalität gegenüber dem Ministerium. Aber bitte, lassen Sie mein Veritaserum untersuchen."

Sie knallte den Flakon vor ihm auf sein Pult. Dann rauschte sie mit wehrendem Umhang zur Tür hinaus. Jetzt war Remus auch klar, von wem Snape diese Geste abgeschaut hatte.

„Das war wirklich nicht notwendig, Mr. Berkins", rügte Whiteman. „Destille Hoodia ist nun wirklich über jeden Zweifel erhaben. Aber bitte, wenn sie das Serum untersuchen lassen wollen, empfehle ich Professor Severus Snape von der Hogwarts Schule für Zauberei und Hexerei. Er ist eine anerkannte Kapazität auf seinem Gebiet."

„Severus Snape ist der Pate von Mr. Malfoys Sohn. Er hat ihn in Askaban aufgesucht. Ich denke, Sie werden mir zustimmen, Euer Ehren, wenn ich eine gewisse Befangenheit nicht ausschließen kann. Wir werden ein anderes, nicht von einem Mitglied des Zaubertrank-Zirkels aus Slytherins geleitetes, Labor hinzu ziehen."

„Dann wird er sein Serum vermutlich bis nach Deutschland versenden müssen", schnarrte Snape leise.

Remus sah ihn an. „Habt Ihr das Monopol aufs Tränkebrauen?"

„Nein, aber wir sind die besten", erwiderte Snape.

„Was hat Lucius eigentlich studiert? Ich kann ihn mir so gar nicht zwischen blubbernden Kesseln vorstellen", sagte Remus leise.

„Tränkekunde ist Teil der Heilerausbildung", erläuterte Snape. „Lucius hat zwar in Paris studiert, aber für den Trankunterricht kam er lieber nach London. Außerdem…" Er zögerte, sprach dann aber doch weiter: „Außerdem war Narcissa hier."

Remus und Severus waren nicht die Einzigen im Saal, die sich leise unterhielten, solange man auf die Wirkung des Serums bei Lucius wartete. Der ganze Zuschauerraum summte und brummte wie ein Bienenstock vor lauter leise geführten Gesprächen, und auch die Anklagevertreter schienen heftig zu diskutieren.

Remus hatte Lucius stets im Blick. Er schien auf ein eng bedrucktes Pergament vor sich konzentriert, aber sein jetzt kreidebleiches Gesicht verriet, dass er mit der Übelkeit, die das Veritaserum auslöste, hinreichend zu kämpfen hatte. Seine Stirn und seine Oberlippe glänzen von feinen Schweißperlen, und Remus erlaubte sich für einen Moment die Vorstellung, wie gut es sich anfühlen würde, sie ihm vom Gesicht zu küssen.

Dr. Solicitor indes reichte Lucius ein Taschentuch, und Lucius begann eine leise Unterhaltung mit ihm, während langsam etwas wie Farbe in sein Gesicht zurückkehrte. Rogue stand auf und ging zum Richterstuhl, um Whiteman etwas mitzuteilen. Dieser nickte, und als Rogue seinen Platz wieder eingenommen hatte, setzte Whiteman die Verhandlung fort.

„Mr. Berkings, wenn Sie bitte Ihre Fragen an den Angeklagten stellen würden?"

„Ich will meine Frage direkt formulieren", sagte Berkins und erhob sich ebenfalls, um vor Gericht und Verteidigung auf und ab zu laufen. „Mr. Malfoy, befanden Sie sich unter den vermummten Zauberern, die am Abend nach dem Spiel bei der Quidditch-WM die Muggelfamilie des Campingplatzwartes folterten?"

Lucius stand auf, bevor er antwortete. Tatsächlich musste er sich mit einer Hand am Pult abstützen, und seine Gesichtsfarbe wurde wieder fahl. Doch er fing sich und setzte eine neutrale Miene auf.

„Allerdings, das war ich."

Berkins Lächeln war breit, als er sagte: „Ich habe hierzu keine weiteren Fragen mehr. Sie haben es ja alle gehört."

Lawbender ergriff das Wort. „Erlauben Sie, dass mein Mandant hierzu noch nähere Ausführungen macht?"

„Selbstverständlich", sagte Whiteman. „Anlügen kann er uns ja nun nicht. Mr. Malfoy, sicher hat Ihr Rechtsvertreter einen Grund, Sie um ergänzende Angaben zu bitten?"

„Das ist richtig", antwortete Lucius. „Meine Frau und ich waren nach dem Spiel noch mit dem damaligen Zaubereiminister Cornelius Fudge, seiner Frau, dem bulgarischen Zaubereiminister und dessen Delegation in einem der VIP-Restaurationszelte zum Dinner verabredet. Das Essen zog sich lange hin, und ich hatte mich danach mit Mr. Obalonsk zum Kaffee auf die Terrasse zurückgezogen, um einige geschäftliche Dinge zu besprechen."

„Um was für Geschäfte ging es da wohl?", fragte Berkins mit höhnischem Unterton.

„Einspruch", sagte Lawbender, „diese Frage ist nicht genehmigt."

„Ich beantworte sie trotzdem", sagte Lucius mit einem halben Lächeln. „Es ging um Stahlaktien und den Ausbau einer Verkehrsroute in den Osten des Landes. Wir bewegen uns hier im Muggelwirtschaftskreislauf, nur zur Erläuterung."

„Für jemanden, der die Muggel hasst, kennen Sie sich ziemlich gut aus in deren Geschäftswelt, wie es scheint", rief Berkins.

„Es geht hier um rein geschäftliche Beziehungen", erwiderte Lucius glatt. „Ich verfüge über ein paar Grundkenntnisse und die nötigen Mittel, mir gegebenenfalls externe Expertisen zu beschaffen. Im Übrigen weise ich Ihre Unterstellung, ich würde Muggel prinzipiell hassen, zurück. Sie ist unwahr."

„Mr. Berkins, bitte beschränken Sie sich auf die mit der Verteidigung und mir ausgehandelten Fragen", mahnte Whiteman milde. „Bitte, Mr. Malfoy, fahren Sie fort."

„Narcissa kam irgendwann zu mir und sagte mir, ich müsse dringend nach draußen kommen, Vergil Crabbe sei dort und es sei wirklich sehr dringend. Ich entschuldigte mich bei Mr. Obanlonsk und folgte ihr. Vor der Restauration trafen wir auf Crabbe, der sehr aufgeregt mitteilte, dass eine Gruppe ehemaliger Todesser und Sympathisanten auf dem Weg sei, die Muggel ‚aufzumischen'. Wir müssten unbedingt zu ihnen stoßen. Wir apparierten unverzüglich in den von ihm bezeichneten Bereich. Schon aus der Entfernung konnte man Johlen und Geschrei hören. Mein erster Gedanke war, sofort zwischen die Anwesenden zu gehen und die Aktion abzubrechen, aber Narcissa warnte mich. Sie sagte, ich könne dort unmöglich unmaskiert hingehen, denn wenn mich ein Mitarbeiter des Ministeriums dort sähe, würde man mir sofort die Rädelsführerschaft an den Unruhen anhängen."

„Wie kam Ihre Frau auf die Idee, dass man Ihnen dies unterstellen würde?", fragte Whiteman nach.

„Wir standen zu dem Zeitpunkt bereits unter erheblichem Druck. Der Name Malfoy war im letzten Krieg bedingt durch die Taten meines Vaters untrennbar mit der Bewegung um den Dunklen Lord verbunden. Außerdem gab es gut informierte Einzelpersonen, die wussten, dass ich ein Todesser war und diese Information immer wieder an das Ministerium weiter leiteten. Ich war dauernd damit beschäftigt, die Gerüchte zu zerstreuen. Meine Beziehungen zu Minister Fudge waren gut, aber seine Position war angeschlagen."

Whiteman nickte. „Das kann man so ausdrücken, ich erinnere mich. Bitte fahren Sie fort."

„Wir mischten uns unter die Menge, nachdem wir Masken und Umhänge beschworen hatten. Ich versuchte, mir bekannte Personen auszumachen und insbesondere heraus zu finden, wo die Anstifter dieses Mobs steckten. Dies stellte sich als unmöglich heraus. Die meisten unter den Kutten Verborgenen waren keine Todesser, sondern Mitläufer, die eine Gelegenheit sich auszutoben, beim Schopfe ergriffen."

„Wären es Todesser gewesen, hätte er sie mit Sicherheit disziplinieren können", sagte Snape leise.

Lucius wandte sich an den Gamot. „Ich hatte keine Möglichkeit, das Geschehen zu verhindern oder abzubrechen. Die Quälerei der Kinder war widerlich. Narcissa und mir blieb nur, dafür zu sorgen, dass die Schwebezauber aufrechterhalten wurden, bis die Beamten des Ministeriums endlich in ausreichender Anzahl da waren. Zuerst wurden sie noch mit Flüchen verjagt, es wurden auch Menschen verletzt. Dann plötzlich tauchte das Dunkle Mal am Himmel auf. Schlagartig leerte sich der Bereich. Narcissa und ich setzten die Kinder am Boden ab, die Eltern waren bereits an Stäbe von Auroren gebunden. Wir entkamen, bevor eine Apparitionssperre aufgebaut werden konnte, aber es war knapp."

„Sie wollen uns nicht ernsthaft glauben machen, Sie und Ihre Frau hätten diese Muggelkinder gerettet?" sagte Berkins höhnisch.

„Ich sagte, wir haben sie am Boden abgesetzt. Glauben Sie, was Sie wollen", antwortete Lucius und ließ sich auf seinen Platz sinken.

„Ich weise daraufhin, dass mein Mandant unter Veritaserum steht", sagte Lawbender zum Gamot gewandt.

„Ein Serum, das noch zur Prüfung ansteht", meinte Berkins bissig. „Und wie schade, dass uns Mrs. Malfoy als Zeugin nicht zur Verfügung steht, aber dafür hat Ihr Mandant ja vorausschauend gesorgt, als er seine eigene Frau umbrachte."

Lucius war so schnell aufgesprungen und zu Berkins Platz …appariert, obwohl das eigentlich unmöglich war ohne seinen Zauberstab, dass die Auroren kaum Zeit hatten, ihre Stäbe zu erheben.

Er krallte seine Finger in die Kante des Pultes, wohl um sie nicht in Berkins' Hals stattdessen zu versenken, und seine Stimme, obschon mehr ein leises Zischen als laute Sprache, drang durch den Saal.

„Jetzt hören Sie mir zu, Sie debiler, rachsüchtiger Idiot. Ich habe Narcissa nicht getötet und es auch nicht befohlen. Ich hätte ihr niemals, hören Sie, niemals etwas antun können."

Vier Auroren hatten Lucius erreicht und zerrten ihn mit roher Gewalt von Berkins weg, der mit weißem Gesicht und zitternd an seinem Platz hockte.

„Mr. Malfoy, wenn Sie das noch einmal tun, werde ich Ihnen Ketten anlegen lassen", tönte Whitemans Stimme ärgerlich durch den Saal. „Merlin, wofür haben wir hier zwei Duzend Auroren? Wenn er gewollt hätte, hätte Mr. Malfoy den Staatsanwalt erwürgen können. Mr. Lawbender, machen Sie ihrem Mandanten unmissverständlich klar, dass er erstens an seinem Platz zu bleiben hat und zweitens eine Ordnungsstrafe riskiert, wenn er den Staatsanwalt noch einmal derartig beleidigt."

Whiteman holte tief Luft und wandte sich der Anklagevertretung zu. „Und Sie, Mr. Berkins, unterlassen es zukünftig, den Angeklagten zu provozieren und Fragen zu stellen, die nicht im Vorfeld von mir genehmigt wurden, solange er unter Veritaserum steht. Das ist hier ein Gerichtssaal und kein Kindergarten."

Er erhob sich und trat zur Verteidigerbank. „Wenn wir schon dabei sind, dann klären wir gleich diesen Anklagepunkt. Wer hat ihre Frau getötet, Mr. Malfoy, können Sie uns das sagen?"

Lucius senkte den Kopf, eine für ihn gänzlich ungewöhnliche Geste. „Der Dunkle Lord hat sie…" Er kämpfte ganz offenbar um einen Rest Beherrschung. „Er hat sie bei lebendigem Leib verbrannt. Ich weiß nicht, ob sie dabei schon starb, sie wurde im Vorfeld bereits gefoltert und geschlagen. Ob sie am Ende durch die Cruciati starb, die man ihr auferlegte, oder ob sie ihren Verletzungen erlegen ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen."

Im Publikum herrschte betretenes Schweigen. Remus entging nicht, dass Snapes Hand so fest um die Stuhlkante gepresst war, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Der Slytherin hatte die Lippen zusammengepresst und sein Gesicht war eine einzige starre Maske. Er litt sichtbar ebenso wie Lucius.

„Ich kann sehen, dass es Ihnen schwer fällt, darüber zu sprechen, Mr. Malfoy", hörte Remus Whiteman sagen, „und trotz der angeklagten Verbrechen hege ich in diesem Moment wirkliches Mitgefühl, aber Ihre Aussage zu diesem Punkt ist für weitere Ermittlungen notwendig. Wer war an der Ermordung Ihrer Frau beteiligt, neben Tomas Riddle?"

Lucius schloss die Augen und blinzelte. Er schien einem Zusammenbruch nahe. Das Veritaserum setzte auch die Beherrschung seiner Mimik herunter. Er konnte seine Gefühle in diesem Augenblick nicht verbergen. Tatsächlich liefen ihm Tränen übers Gesicht, und das Klicken der Kameras machte Remus wütend.

„Bellatrix Lestrange und Peter Pettigrew", sagte er schließlich heiser.

„Bellatrix Lestrange ist die Schwester von Narcissa Malfoy. Sie wird kaum ihre eigene Schwester töten. Und Pettigrew ist tot!", rief Berkins. „Er wurde von Sirius Black getötet, zusammen mit einem Duzend Mugeln. Man hat nur noch seinen Finger gefunden."

Lucius starrte Berkins an, im Gesicht eine unverhohlene Mischung aus Wut und Abscheu. „Pettigrew lebt. Ich habe ihn gesehen. Er hat dem Dunklen Lord mit einem Blutzauber zu einem neuen Körper verholfen. Fragen Sie Harry Potter oder dessen Freundin, Miss Granger. Fragen Sie Remus Lupin. Fragen Sie Rodolphus Lestranges, falls sie ein Wort aus ihm heraus bringen. Sirius Black war im Übrigen unschuldig."

„Minderjährige, ein Werwolf und ein Todesser. Das sind ärmliche Zeugen, die Sie uns hier präsentieren, Mr. Malfoy!" rief Berkins.

„Ihre eigene Mitarbeiterin hat Professor Lupin heute morgen als Zeugen zitiert", konterte Lucius kalt. „Aber meinetwegen: Fragen Sie Albus Dumbledore und Minerva MacGonagall. Beide haben Barty Crouch junior verhört, bevor er dem Dementorenkuss ausgesetzt wurde. Und was Bellatrix betrifft: Sie alle wären entsetzt, wenn sie wüssten, wozu meine Schwägerin fähig ist. Erinnern Sie sich nur an die Longbottoms. Das war das Werk von Bellatrix Lestrange, dafür wurde sie vor diesem Gericht verurteilt."

Berkins schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Sie winden sich hier wie die sprichwörtliche Schlange, Malfoy. Selbst wenn Sie Ihre Frau nicht umgebracht haben, so haben Sie sie dennoch zu einem Leben als Todesserin genötigt und damit letztlich ihr grausames Ende mitverschuldet."

Lucius sah aus, als hätte Berkins ihm ins Gesicht geschlagen. Er wurde kreidebleich – ob vor Zorn oder aus Entsetzen, war nicht zu sagen. Aber ganz offensichtlich hatte Berkins einen Treffer gelandet.

„Ich halte fest, dass mein Mandant für den Tod seiner Frau juristisch nicht verantwortlich ist", rief Lawbender. „Bitte nehmen Sie das ausdrücklich zu Protokoll." Er wandte sich Lucius zu. „Merlin, Lucius, setz dich hin. Und nicht noch so ein Veelaausflug vor die Anklägerpulte, oder ich verpasse dir einen Klebezauber."

„Keine Sorge, ich habe mich im Griff", zischte Lucius.

„Merlin sei Dank muss ich dir das jetzt glauben", entgegnete Lawbender und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Ich stelle fest, das der Angeklagte zu den Anklagepunkte Beteiligung an der Folterung von Muggeln bei der Quidditch-WM und Ermordung seiner Ehefrau, Narcissa Black-Malfoy, unter Veritaserum ausgesagt hat und beide Taten ihm nicht zur Last zu legen sind", sagte der Vorsitzende. „Der Gamot wird sich jetzt zurückziehen, um das Gehörte zu besprechen und zu einem vorläufigen Ratsschluss zu kommen. Da die Zeit bereits deutlich fortgeschritten ist, wird die Verhandlung auf Morgen früh vertagt."

„Bitte erheben Sie sich", rief der lila gekleidete Zauberer, der stets Beginn und Ende der Gerichtstage sowie Einzug und Auszug des Wizzen Gamots ankündigte.

Remus und Severus standen wie alle anderen von ihren Plätzen auf. Die Zauberer und Hexen des Gerichts verließen in Zweier- und Dreiergruppen den Saal. Ihnen folgten die Ankläger, und schließlich die Auroren mit den Verteidigern und Lucius, die allerdings in die andere Richtung den Saal verließen. Erst als sich die Tür hinter Lucius geschlossen hatte, öffnete man die Türen für die Zuschauer.

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Gawain passte Remus am Ausgang ab.

„Lass uns in die Stadt gehen, noch etwas trinken", schlug er vor.

„Lieber nicht", sagte Remus. „Mein Kopf bringt mich um. Ich will nur noch schlafen."

Gawain zuckte die Schultern. „Was ist mit Ihnen, Snape? Ich verspreche auch, keine Werwolfsspelunke auszusuchen."

„So, wie das Befinden der meisten Lykantrophen heute Abend sein wird, dürfte Ihre ‚Werwolfsspelunke' ziemlich leer bleiben", antwortete Snape. „Aber bitte, ich könnte einen starken Drink gut gebrauchen."

Remus glaubte zuerst, sich verhört zu haben.

„War das ein ‚Ja', Severus?", fragte er verblüfft.

Snape antwortete nicht, aber er stimmt zu, als Gawain das „Excalibur" vorschlug, ein Muggelpub unweit des Ministeriums. Noch immer kopfschüttelnd disapparierte Remus, nachdem er seinen Zauberstab zurück erhalten hatte.

Daheim in der alten Villa, die er jetzt mit Gawain und zumeist auch Tonks teilte, verbrachte er einen ruhigen Abend mit einem ‚Dolorcalmus' und einer Kanne Tee. Er ging früh zu Bett und fand dank einer Portion ‚traumlosen Schlaf-Trankes' auch zeitig zur Ruhe. Er hörte Gawain nicht, als dieser spät in der Nacht zurückkehrte. Lediglich die unordentlich in der Diele abgestellten Schuhe verrieten ihm am nächsten Morgen, dass der junge Werwolf heimgekommen war.


Fortsetzung folgt

Übrigens: Wem das Warten auf das nächste Kapitel „Kerkermond Evolution" zu lange dauert, der kann mal in „Schattennacht" herein lesen, einer neuen, kurzen Geschichte (3-4 Kapitel), die ich gemeinsam mit Slytherene begonnen habe. Nur ein paar Tage im Leben des geheimnisumwitterten Tränkemeisters Severus Snape, aber was für welche!

Madame Hoodia is courtesy of Slytherene. Habe ich mir nur geborgt.