Kerkermond Evolution
Trashig-slashige Fanfiction, in der nicht nur Lucius die Beherrschung verliert, und Severus einmal mehr seine Geistesgegenwart unter Beweis stellt.
Eldi: Hi an alle! Ich sitze hier in Slytherenes orangefarbenem Wohnzimmer, umgeben von hunderten Büchern und endlos vielen….nennen wir es „Dinge", und hacke auf ihrem PC herum. Ich weiß überhaupt nicht, wie sie hier arbeiten kann, mit diesem schwarzen Kater, der sich immer auf die Tastatur drängelt. Der ist ja süß, aber auch echt lästig. Danke für die Reviews zum letzten Kapitel. Sobald meine Email wieder funzt, werde ich sie auch wieder einzeln beantworten. Derzeit hat der Provider irgendein Problem. Aber auch das werden wir überleben. Ein Update gibt es trotzdem :-)). Viel Spaß!
Slytherene: Lüften wir das Geheimnis des Schreibens mit Kater auf der Tastatur? Vorgenannter schwarzer Klein-Predator verbringt seine Nächte draußen. Und das ist die Zeit, in der ich schreibe oder beta-lese. Es handelt sich also um zeitlich getrennte Arbeitsvorgänge (nämlich ‚Auf-der-Tastatur-liegen' und Schreiben). ;-)
30. Lucius: Die Schlinge zieht sich zu
„Remus!"
Tonks rannte hinter ihm her durch die überfüllte Einganghalle. Ihre Augen strahlten. „Das war ganz große Klasse", lobte sie.
„Falls Lucius überlebt, weiß er, wo er sich zu bedanken hat", ergänzte Severus trocken.
„Ich bin für morgen geladen", sagte Tonks. „Merlin, ich hoffe, ich kriege das so hin wie du."
„Sie müssen nur die Wahrheit sagen", bemerkte Snape. „Das sollte für eine Gryffindor nicht allzu schwer sein."
„Ich finde, das war ein gelungener Gerichtstag. Die Anklage sah heute richtig schlecht aus. Wir sollten das feiern", meinte Gawain, der eben zu ihnen stieß.
„Ich finde, du hattest letzte Nacht genug", sagte Tonks mit spitzbübischem Grinsen. „Was macht dein Kopfweh, mein Wölfchen?"
„Ich will auch nicht trinken, sondern essen und mit euch zusammen sitzen", präzisierte Gawain.
„Ich habe noch zu tun", erwiderte Snape.
„Ach komm, hab dich nicht so, Severus", maulte der junge Werwolf. „Wir können hinterher ins Moon-Lodge gehen und tanzen. Es ist Salsa-Nacht."
„Ich – tanze – nicht", erklärte der Tränkemeister entschieden.
„Aber Sie lieben Lasagne. Kommen Sie wenigstens mit zum Essen", lud Tonks ihn ein.
„Eure Gesellschaft schadet meinem Ruf", beschwerte sich Snape halbherzig. „Dem Ihren übrigens auch, Miss Tonks. Eine Aurorin und gleich zwei Werwölfe, dazu ein finsterer alter Slytherin…"
„Severus – komm mit oder lasse es. Ich verhungere", beendete Remus die Verhandlungen.
„Wartet einen Moment, ich möchte noch jemanden einladen", sagte Snape plötzlich und verschwand in der Menge.
Sie warteten, sehr neugierig, wen der Tränkemeister zum Lasagne-Essen mitnehmen würde, und sie staunten nicht schlecht, als er kurze Zeit später wieder erschien. An seinem Arm spazierte die legendäre Madame Hoodia.
„Guten Abend", grüßte sie mit einem charmanten Lächeln, das ihr strenges Gesicht völlig verwandelte. „Ich hoffe, es ist Ihnen recht, wenn ich Sie begleite? Severus war offenbar der Ansicht, Miss Tonks benötige eine Anstandsdame."
Dora und Gawain prusteten los, und auch über die Lippen des Slytherins huschte ein Lächeln. Remus fand, dies war ein typischer Schachzug des Tränkemeisters. Tatsächlich entschärfte Hoodias Gesellschaft die Brisanz ihrer kleinen Gruppe, und außerdem hielt sie die anderen Zauberer wirksam davon ab, ihm allzu genaue Fragen zu stellen.
Als sie später bei Rotwein und Pasta in einem kleinen italienischen Lokal saßen, Hoodia sich mit Snape über die neuesten Entwicklungen in der Tränkekunde austauschte, zwischendrin ein paar Anekdoten aus der Studentenzeit ‚ihrer' Slytherins preisgab (und die staunenden Gryffindors erfuhren, das auch Severus schon einmal einen Kessel zum schmelzen gebracht hatte), dachte Remus: Das könnte sie sein, die schöne, neue Welt der Zauberer. Ein amerikanischer und ein englischer Werwolf, eine Metamorphamaga, zwei Slytherins, zwei Gryffindors, und eine friedliche Unterhaltung bei Chianti und Nudeln. Fehlte nur noch Lucius an seiner Seite, und er wäre absolut glücklich.
xoxoxoxoxoxoxoxoxo
Am nächsten Morgen begrüßte der Londoner Himmel Remus mit etwas Seltenem: Sonnenschein.
Er konnte die Vögel im Hinterhof singen und Gawain in der Küche pfeifen hören. Die gute Laune des Amerikaners schien selten beeinträchtigt zu sein. Remus hätte sich gerne von der guten Stimmung anstecken lassen, doch etwas beunruhigte ihn. Der Prozess lief einfach zu gut. Konnte es sein, dass die Truppe um Grant Berkins noch einen Trumpf im Ärmel hatte?
Bisher hatten sie außer ein paar Formalitäten nichts, aber auch gar nichts gegen Lucius in der Hand. Er hatte Voldemort zwar erwiesenermaßen unterstützt, aber wie es bisher aussah, stets die Grenze der Legalität gewahrt. Zwar würde Lucius nie mehr als „unbescholtener Bürger" gelten, nach allem, was man ihm bisher hatte nachweisen können. Doch Remus hatte ein ungutes Gefühl, ohne dies jedoch begründen zu können.
Seine Sorgen schienen jedoch bedeutungslos, als der Prozess an diesem Morgen begann.
Minerva hatte es aufgegeben, ihn von Severus ‚bewachen' zu lassen. Sie war allerdings auch heute persönlich erschienen, und Remus sah sie inmitten einer Schar älterer Zauberer, die sie grüßten und mit ihr sprechen wollten.
Pünktlich um neun war der Zuschauersaal bis auf den letzten Platz gefüllt und die Türen wurden verschlossen.
Remus hatte Kingsley vor der Tür getroffen, zusammen mit den Kindern und der Nanny, Mary. Sie war eine junge Hexe von Anfang Zwanzig, mit einer angenehm runden Figur und einem sommersprossigen Gesicht. Dhakira war in der Schule, aber sie hatte Babu und Johari an der Hand, die sich von ihrem Vater verabschiedeten.
Der Wizzen Gamot war bereits versammelt, als die Staatsanwälte und die Verteidigung in den Saal kamen. Als Remus die besorgten, grauen Gesichter von Lawbender und Dr. Solicitor und die siegesgewissen Mienen der Ankläger sah, wusste er, dass ihn seine Ahnung am Morgen nicht getrogen hatte. Er beobachtete Lucius, der sich wie an den vorhergehenden Tagen ganz links neben seine Verteidiger setzte. Es war offensichtlich, dass auch er wenig geschlafen hatte in der vergangenen Nacht. Doch als sein Blick den von Remus traf, blitzte ein Leuchten in den Augen des Slytherin auf, und ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht.
Whiteman eröffnete die Sitzung und rief Tonks in den Zeugenstand.
Sie bestätigte, dass der Patronus, der das Ministerium über den Aufenthaltsort der Kinder sowie von Remus und Lucius informiert hatte, nicht der von Remus gewesen sei. Dann beschrieb sie die Situation bei der Befreiung der Gefangenen, den guten Zustand der Kinder und sie vergaß auch nicht, den auffälligen Sand am Boden des Kerkers zu erwähnen. Sie verlas den offiziellen Bericht ihrer Einheit über die Dementorenspuren in dem Gelände und das Gutachten des Fluchbrechers.
Bill Weasley hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass es Voldemort gewesen war, dessen Siegel er hatte brechen müssen, um den Auroren Zugang zu dem alten Gemäuer zu verschaffen.
Nachdem Tonks entlassen war, verhandelte man den Anklagepunkt des ‚Imperius' gegen den Ministeriumsangestellten Lennard Lakes. Lakes war ein ‚Unsäglicher' und im Vorjahr in der Mysterienabteilung tätig gewesen. Nach dem Kampf des Ordens mit den Todessern dort stellte sich heraus, dass er interne Informationen an Lucius Malfoy weiter gegeben hatte – gegen Geld. So war zumindest seine damalige Aussage gewesen. Lucius hatte daraufhin eine lächerlich niedrige Geldstrafe wegen Bestechung bezahlt – Fudge hatte dafür gesorgt. Der Vorgang war rechtskräftig abgeschlossen.
Und auch wenn etliche Ordensmitglieder ausgesagt hatten, dass sie Malfoy eindeutig erkannt hätten – er hatte eine Maske getragen. Fudge hatte die Hand schützend über seinen Gönner gehalten und jede weitere Untersuchung im Keim erstickt.
Lakes war ein paar Monate später auf unerklärliche Weise auf dem Weg zur Arbeit verschwunden.
Lucius beteuerte, mit diesem Verschwinden nichts zu tun zu haben. Lawbender erläuterte, dass Lucius nach Abschluss der Sache auch kein Interesse daran gehabt haben könne, Lakes zu beseitigen.
„Nun, das sieht die Staatsanwaltschaft etwas anders", widersprach Awuso, der farbige junge Staatsanwalt. „Kurz vor seinem Verschwinden erschien Lakes in meinem Büro. Er war suspendiert und hatte den Strafbefehl für die Weitergabe der Informationen an den Angeklagten erhalten. Dieser betrug nicht nur tausend Galeonen, sondern beinhaltete eine fristlose Kündigung seiner Stelle im Ministerium. Er sagte daraufhin aus, dass er Ihrem Mandanten, Mr. Lawbender, nur deswegen die Informationen beschafft habe, weil er von Mr. Malfoy massiv bedroht worden sei."
„Das können Sie nicht beweisen", entgegnete Lawbender sofort.
„Sie haben recht, ich kann es nicht", sagte Awuso. „Aber mir liegen die eidesstattlichen Aussagen von mehreren Schulräten der Hogwartsschule für Zauberei und Hexerei vor, wonach Mr. Malfoy auch ihre Familien vor zwei Jahren mit unverzeihlichen Flüchen bedroht haben soll. Damals ging es darum, dass er Mr. Rubeus Hagrid aus dem Schuldienst entfernen wollte, weil in dessen Unterricht sein Sohn Draco verletzt wurde.
Nun, Mr. Lupin hat uns gestern sehr eingängig seine Einschätzung geschildert, wonach Mr. Malfoy dazu neigt, gegenüber seiner Familie etwas …nennen wir es überprotektiv zu sein. Immerhin genügte ihm der Angriff auf seine Frau, um sich nach über fünfzehn Jahren treuer Gefolgschaft komplett mit Sie-wissen-schon-wem zu überwerfen. Ein wirklich gefährliches Unterfangen. Im Vergleich dazu sind so ein paar Bedrohungen geradezu lächerlich einfach."
Etliche Richter des Gamots nickten zustimmend. Awusos Argumentation – das musste auch Remus insgeheim zugeben – schien schlüssig und nachvollziehbar.
Lawbender tauschte einen Blick mit Lucius, dieser nickte. Dann sagte der Anwalt: „Es mag sein, dass Mr. Malfoy vor zweieinhalb Jahren bei den Gesprächen mit den Schulräten etwas über das Ziel hinaus geschossen ist, in seinem Bestreben, weiteres Unglück von anderen Kindern abzuwenden. Es wird jedoch energisch bestritten, dass er Mr. Lakes bedroht hat. Gold war völlig ausreichend, um ihn zum Reden zu bringen."
Awuso lächelte. „Ihr Image bröckelt, n'est-ce pas, Monsieur Malfoy?"
Lucius schwieg und hielt dem Blick des jungen Staatsanwalts stand.
„Euer Ehren, ich bitte darum, dass Mister Malfoy zu diesen beiden Punkten unter Veritaserum Stellung nimmt", verlangte Awuso.
Whiteman wandte sich Lawbender zu. „Herr Verteidiger?"
„Wir halten das für nicht zielführend. Die vermeintliche Bedrohung der Schulräte ist nicht Teil der Anklageschrift und der Fall Lakes ist rechtlich angeschlossen."
„Es wäre kein Problem, diesen Punkt der Anklageschrift hinzuzufügen, unter der Bedingung, dass die Verteidigung zustimmt", rief Awuso.
„Wir lehnen ab", sagte Lawbender.
„Warum wohl?", rief Awuso laut in den Saal. „Ihr Mandant war bisher so offen. Was dürfen wir denn aus dieser plötzlichen Verschlossenheit folgern?", fragte er laut den Wizzen Gamot. Viele der Zauberer und Hexen nickten zustimmend.
„Sie, Mr. Awuso, dürfen daraus folgern, dass Sie gerne von ihrem Recht als Staatsanwalt Gebrauch machen können, ein zweites Verfahren gegen meinen Mandanten anzustrengen. In dem hiesigen Verfahren hier werden wir den von Ihnen angesprochenen Tatbestand nicht verhandeln."
Lawbenders Stimme war ruhig und deutlich geblieben, doch man sah ihm seine Besorgnis an.
Niemand im Saal – nicht einmal Remus – glaubte an Lucius' Unschuld in diesem Punkt.
oxoxoxoxoxoxoxoxoxoxox
Nach der Mittagspause verkündete Whiteman, dass man nun den Überfall auf Nora Shacklebolt und ihre Kinder verhandeln würde.
Ein Auror verlas auszugsweise den Tatortbericht der Muggelpolizei sowie die Ermittlungsvermerke aus MacGonagalls Abteilung.
Remus kannte den Tathergang. Und er hatte Angst. Angst um Lucius, der hier unmöglich unter Veritaserum aussagen konnte. Und nach der Geschichte mit den Schulräten würde man ihm ohne die Droge nicht ein einziges Wort mehr glauben, das sich nicht einwandfrei beweisen ließ.
Whiteman entließ den Auror und erteilte der Staatsanwaltschaft das Wort.
„Sie müssen sehr zufrieden sein, Mr. Lawbender", begann Berkins. „Nach fast drei Tagen gibt es zwar jede Menge Hinweise auf die Schuld Ihres Mandanten, er hat auch einige Vergehen zugegeben – zumindest solche, die nicht justitiabel zu sein scheinen. Nun, formal mögen sie es nicht sein, aber Sie und ich wissen, dass diese Dinge in den Köpfen der Richter eine Rolle spielen werden. Und zwar dann, wenn wir dem Angeklagten auch nur ein einziges Verbrechen zweifelsfrei nachweisen können. Ich darf Ihnen sagen, dass wir einen Zeugen haben, der uns dies ermöglichen wird. Aber zuerst will ich Ihrem Mandanten die Möglichkeit einräumen, seine Taten zu gestehen."
„Dafür gibt es keinen Grund. Mr. Malfoy ist nicht schuldig des Kidnappings der Kinder und des Mordes an Nora Shacklebolt", sagte Lawbender.
„Wie Sie wollen", sagte Berkins kühl. „Ich rufe in den Zeugenstand: Rodolphus Lestranges."
Der Saal hielt den Atem an. Lucius und seine Anwälte verzogen nicht eine Miene. Sie schienen nicht im Mindesten überrascht.
„Er hat es gewusst", flüsterte Remus Snape zu. „Natürlich hat er das. Ohne meine Schwachsinnsaktion wäre Rodolphus jetzt nicht hier. Merlin, hoffentlich geht das gut."
„Rodolphus ist völlig wahnsinnig. Er wird Berkins nichts nützen, ich kann es mir zumindest kaum vorstellen", erwiderte Severus flüsternd.
Die Tür öffnete sich, und eine Gruppe Auroren erschien, in ihrer Mitte brachten sie den Gefangenen. Lestrange war ein dünner Mann mit dem faltigen Hals einer Schildkröte und wässrigen braunen Augen. Er hatte ein dünnes, dafür umso längeres, gezwirbeltes Oberlippenbärtchen. Trotz seiner Jahre in Askaban war sein langes Haar rabenschwarz.
Er grinste, als man ihn mit Ketten in den Zeugenstand fesselte. Es war offensichtlich, dass man ihn zwar für weniger bedeutend, allerdings deutlich unberechenbarer als Lucius hielt.
„Hallo Lucius", grüßte er jovial. „Ich soll dir die uneingeschränkte Wertschätzung des Dunklen Lords übermitteln. Es ist schon ein Kessel für dich angesetzt in seinem Hauptquartier. Er wird dich langsam in glühendem Öl rösten und dann den Werwölfen zum Fraß vorwerfen. Alle werden wir ein Stück von dir bekommen, und ich schenke meiner Frau dein Herz, denn sie ist eine echte Todesserin! Nicht so eine betrügerische Hure wie ihre Schwester…"
„Mr. Lestrange, mäßigen Sie sich!" rief Whiteman erbost.
„…Narcissa, das kleine Dreckstück. Willst du wissen, mit wem sie dich betrogen hat, Lucius? Willst du wissen, in wessen Arme sie schlüpfte, sobald du die Maske angelegt hattest?", geckerte Rodolphus.
„Mr. Lestrange! Wenn Sie nicht aufhören, werden wir Ihr Mundwerk mit einem Schweigezauber verschließen. Mr. Berkins, wirken Sie auf Ihren Zeugen ein!"
Whiteman war jetzt deutlich mehr als verärgert.
Aber Rodolphus Lestrange ließ sich nicht beirren. Lucius starrte ihn äußerlich völlig ruhig an, aber seine Hände waren um die Tischkante gekrallt und Rogue hatte vorsichtshalber seinen Oberarm wie mit einer Schraubzwinge umklammert.
„Ich kann es dir sagen, denn Bella hat die Beiden zusammen gesehen, zuerst ohne Verdacht zu schöpfen. Nachdem deine Cissy ein Aschehaufen war, haben wir uns ein bisschen umgesehen auf Malfoy Manor. Du hättest etwas misstrauischer sein sollen, Lucius. Es gab Briefe."
Plötzlich langte Rodolphus in die Innentasche seiner ungewaschenen Robe und fischte tatsächlich ein Bündel Briefe hervor. Er warf es – wie irre lachend und gackernd – in die Luft.
„Bringen Sie ihn zum Schweigen!", donnerte Whiteman angewidert.
Einer der Auroren richtete seinen Stab auf Lestrange und wirkte einen ‚Silencio'. Plötzlich bewegte Rodolphus nur noch die Lippen, brachte jedoch kein Wort mehr hinaus.
Dr. Solicitor war indes aufgestanden und hatte die Pergamente vom Boden aufgehoben. Er warf einen Blick darauf, und die Farbe wich aus seinem Gesicht. Er trat einen Schritt zurück, weg vom Pult, wo Lucius saß. Er war sichtlich erschrocken. Die Handschrift oder ein Name in dem Brief musste ihm bekannt sein.
Im Saal herrschte gespannte Stille. Es war so ruhig, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören.
Lucius sah seinen Anwalt an. Eine unmissverständliche Aufforderung lag in seinem Blick.
„Oh nein, Lucius, das willst du nicht wissen", sagte Solicitor.
„Das musst du schon mir überlassen", erwiderte Lucius leise, aber sehr bestimmt.
Aufseufzend reichte der kleine Anwalt ihm die Briefe. Lucius musste nur einen kurzen Blick darauf werden, um die Handschrift zu erkennen. Er ließ die Briefe fallen, als habe er sich verbrannt und hob dann den Blick ins Publikum.
Remus spürte, wie sich der Tränkemeister neben ihm verkrampfte. Dann trafen sich ihre Blicke, eisiger Nebel und kaltes Schwarz. Es war nur ein kurzer Augenblick, und Lucius wandte sich ab und sah Berkins direkt an. Seine Stimme war kalt und schneidend, als er zu sprechen begann.
„Ein ziemlich widerlicher Schlag unter die Gürtellinie, finden Sie nicht? Was haben Sie sich von dieser Aktion erhofft? Dass ich die Nerven verliere und den Liebhaber meiner Frau angreife, hier, vor Gericht, Publikum und zwei Duzend Auroren? Halten Sie mich für derart unbeherrscht oder dumm? Wem wollen Sie erzählen, dass Ihre Auroren diese Schriftstücke übersehen haben bei der Durchsuchung des Gefangenen, Mr. Berkins?"
„Ich muss sagen, ich teile die Abscheu von Mr. Malfoy", stellte Whiteman fest. „Ich werde mir diese Briefe gemeinsam mit dem Ausschuss des Gamot nicht-öffentlich ansehen, und für den Fall, dass die Identität des …der Affäre von Mrs. Narcissa Malfoy hier Relevanz hat, werden wir darüber reden müssen, ansonsten ist dies eine Privatangelegenheit."
Er atmete tief durch.
„Mr. Faber", sprach er einen der Auroren an, „heben Sie den Schweigezauber auf, und dann wollen wir hören, was uns Mr. Lestrange zu sagen hat."
„Finite incantatem", sagte der Auror und deutete mit seinem Stab auf Rodolphus.
„Ich werde nicht lange hier sein. Der Dunkle Lord wird mich befreien!", kündigte Lestrange laut an. „Und Malfoy wird brennen, er wird geröstet, und seine Eingeweide…"
„Das hatten wir schon, Rod", sagte Lucius, und etwas Zwingendes lag in seiner Stimme, das den anderen Todesser verstummen ließ. „Erzähl was anderes."
„Du!" kreischte Lestranges. „Du hast den Überfall auf Shacklebolts Haus geplant. Du kanntest doch seine Frau. Du hattest sogar mal was mit ihr! Und dann hast du sie und die blöden Bälger abgeschlachtet. Nanananananana! Böser, böser Lucius!"
„Berkins", sagte Lawbender. „Ihr Zeuge ist irre."
„Das erscheint mir auch so", sagte Whiteman. „Allerdings scheint Mr. Lestranges nicht ganz die Unwahrheit zu sagen, denn der Staatsanwalt hat gestern Abend neue Beweise in mein Büro gebracht. Miss Rochelle?"
Die schöne Anklägerin legte einen länglichen Gegenstand auf den Tisch und begann, ihn aus dem umhüllenden Tuch auszuwickeln. Zum Vorschein kam ein Gehstock, dessen Spitze ein silberner Schlangenkopf zierte. Sie zog daran, und er enthielt einen Remus wohlbekannten Zauberstab.
„Ist dies Ihr Stab, Mr. Malfoy?", fragte sie.
„Wenn Sie ihn mir in die Hand geben, könnte ich Ihnen diese Frage sicher beantworten", erwiderte Lucius nonchalant.
Sie lächelte souverän zurück. „Sie wissen, dies ist nicht möglich. Aber wir haben diesen Stab von Mister Ollivander überprüfen lassen und die Signaturen gescannt. Ich kann Ihnen versichern, dies ist Ihr Zauberstab, Mr. Malfoy. Wir stellen der Verteidigung das Gutachten gerne zur Verfügung. Wie Sie sich sicher vorstellen können, wurde bereits eine ‚Prior incantatem'-Prüfung durchgeführt. Und unter den mit Ihrem Stab durchgeführten Zaubern befinden sich ein Angriffsfluch und ein Unverzeihlicher."
Ein Raunen ging durch den Saal.
„Der letzte Zauber, ein ‚Portus', und somit ein illegaler Portschlüssel, datiert vom 7. Februar. Wir gehen davon aus, dass Sie versucht haben, Ihre Frau außer Gefahr zu bringen. Davor wurden ein paar Apparitionen durchgeführt, Schwebezauber, einige Heilzauber und dergleichen. Der Überfall auf Nora Shacklebolt und ihre Kinder fand am 15. Januar statt. Von diesem Morgen datieren ein Schockzauber – und ein Cruciatusfluch."
Tumultartiger Lärm brach im Saal aus. Alle Zauberer und Hexen sprachen durcheinander. Whiteman rief die Menge zur Ruhe.
Lucius erhob sich.
„Lucius, nicht", warnte Lawbender, doch sein Mandant schüttelte nur den Kopf.
„Sie haben gründlich recherchiert, Miss Rochelle", sagte Lucius anerkennend. „Egal, wie ich es jetzt begründe, dies wird nichts daran ändern, dass ich diese Flüche gebraucht habe. Lassen Sie mich trotzdem erklären, wie es dazu kam, und dann mögen Sie Ihr Urteil fällen. Ich denke, vor allem Mr. Shacklebolt, der dort unter den Zuschauern sitzt, hat ein Recht zu erfahren, was mit Nora geschah."
Fast alle im Saal starrten Kingsley an, der mit unbewegter Miene in der dritten Reihe saß und Lucius' Blick ruhig erwiderte. Remus fragte sich, ob Lucius bereits reinen Tisch mit dem Auror gemacht hatte.
„Der Dunkle Lord plante, einen Einbruch in das Haus eines ranghohen Ministeriumsbeamten zu organisieren. Im Rahmen seiner Strategie, ein Klima der Angst und Einschüchterung zu schaffen, sollte bewiesen werden, dass er und seine Anhänger jederzeit in jedes Haus in Großbritannien eindringen konnten, egal, wie sorgfältig es mit Abwehrzaubern gesichert war. Die Bewohner des Hauses sollten getötet werden – insbesondere Frauen und Kinder – und die Wände mit Blut beschmiert."
„Wie kam es, dass man die Familie Shacklebolt überfiel?", fragte Whiteman.
„Der Dunkle Lord selbst wählte Kingsley Shacklebolts Familie aus", antwortete Lucius. „Mr. Lestrange sagt insofern die Wahrheit, als ich Nora tatsächlich kannte, und das seit über zwanzig Jahren. Sie war die Tochter eines Muggeldiplomaten, wir sind als Teenager zusammen ausgeritten. Das mag Sie erstaunen, aber so sehr mein Vater Muggel verachtete, er schätzte die Vorteile, die gute Beziehungen zu mächtigen Männern ihm verschafften. Wir besaßen einen Reitstall im Londoner Westen, der von reichen Muggeln gerne frequentiert wurde."
„Trifft es auch zu, dass Sie eine Affäre mit Mrs. Shacklebolt hatten?", fragte Berkins.
Lucius bedachte ihn mit einem Blick zwischen Verachtung und Abscheu. „Das ist völliger Blödsinn."
Er trat jetzt direkt vor den Gamot und fuhr fort.
„Als der Dunkle Lord verkündete, dass er den Angriff auf Noras Familie plante, bat ich ihn, diese Aufgabe mir zu übertragen. Es war die einzige Möglichkeit, Nora irgendwie noch zu helfen, ohne ihn zu verraten. Er war erstaunt, weil ich die Teilnahme an rechtswidrigen Aktionen stets abgelehnt hatte."
„Wie reagierte er auf Ihre Bitte?", fragte Lawbender.
„Ich konnte ihn davon überzeugen, dass ich noch eine Rechnung mit Auror Shacklebolt offen hatte. Für Rachegefühle hegte er stets ein gewisses Verständnis", erklärte Lucius.
„Ich ließ Nora beschatten, und es ergab sich schnell ein Bewegungsmuster. Sie pflegte das Haus jeden Morgen bis spätestens neun Uhr zu verlassen, brachte die Kinder zur Schule und in den Kindergarten und fuhr dann zum Reitstall.
Ich terminierte die Aktion auf zehn Uhr. Rodolphus und Pettigrew waren sehr zufrieden über die Wahl der Tageszeit, weil sie einen offenen Kampf mit Shacklebolt fürchteten. Seine Fähigkeiten sind in Todesserkreisen durchaus bekannt. Sie waren einverstanden, einen Termin zu wählen, an dem er nicht zuhause sein würde. Dass die kleineren Kinder nicht wie bei Zauberern allgemein üblich zuhause erzogen wurden, sondern in Muggelschulen und einen Kindergarten gingen, wussten sie nicht."
„Lassen Sie mich noch einmal nachfragen", unterbrach Lawbender seinen Mandanten. „Sie gingen davon aus, ein leeres Haus vorzufinden?"
„So ist es", bestätigte Lucius. „Sie können sich vorstellen, wie entsetzt ich war, als mir Nora in der Küche plötzlich gegenüber stand. Sie sah die Maske und wusste sofort, dass sie mit dem Schlimmsten zu rechnen hatte. Nora war eine mutige Frau. Sie nahm ein Fleischmesser und griff mich an."
„Wollen Sie sich etwa auf Notwehr heraus reden?", fragte Berkins höhnisch.
„Natürlich nicht", schnappte Lucius zurück. „Eine Muggel mit einem Messer ist kein Gegner für einen Zauberer, das wissen Sie alle. Aber ich saß in der Klemme. Ich durfte sie nicht ungeschoren davon kommen lassen, denn sonst hätte sie später davon berichtet, und es hätte mich beim Dunklen Lord den Kopf kosten können. Andererseits musste ich sie so schnell wie möglich außer Sichtweite der anderen Todesser bringen, sonst wäre ihr Schicksal besiegelt gewesen. Ich trieb Nora mit ein paar grünen Funken die Treppe hoch. Sie bat mich, Ihre Kinder zu verschonen und sie stattdessen zu töten. Es war fürchterlich."
Man sah Lucius an, dass er die Situation tatsächlich als beklemmend empfunden haben musste. Er sprach etwas leiser weiter.
„Ich fragte sie, wieso in aller Welt sie zuhause sei, und sie sagte mir, dass ihr Sohn die Masern habe. Ein Umstand, den ich nicht hatte einkalkulieren können. Oben auf dem Treppenabsatz habe ich sie dann mit dem Cruciatusfluch belegt. Sie sollte später aussagen, dass sie gefoltert worden war. Ich will nichts entschuldigen, aber ich habe sofort einen Schockzauber hinter gesandt. Nora brach zusammen. Ich warf einen Stillezauber auf die Kinderzimmertüren, damit die Stimmen der Kinder die anderen Todesser nicht aufmerksam werden ließen, und ging rasch die Treppe hinunter."
Lucius tauschte einen Blick mit Lawbender, dann fuhr er fort.
„Unten begegnete mir Pettigrew. Er hatte die Wände mit Blut aus seinem Stab beschriftet und irgendetwas gestohlen, ich weiß nicht mehr, was es war. Ich habe versucht, ihn von der Treppe abzudrängen, natürlich unauffällig. In diesem Moment kam einer der Männer von draußen und rief, wir müssten fliehen, Muggelpolizei sei im Anmarsch. Ganz offenbar hatten wir zwar den magischen Alarm außer Gefecht gesetzt, aber nicht den elektrischen. In diesem Augenblick beging ich einen fatalen Fehler. Ich lief hinaus, um die Männer geordnet abzuziehen. Ich ging davon aus, dass auch Pettigrew sofort fliehen würde."
„Dies stellte sich als Fehleinschätzung heraus?", fragte Whiteman.
„Bedauerlicherweise", erwiderte Lucius. „Kurze Zeit danach hörte ich Pettigrew das Zeichen des Dunklen Lords beschwören. Er kam ein paar Minuten nach mir aus dem Haus, über die Außentreppe und hatte die Kinder…" Lucius rang um Beherrschung. „Er hatte die Kinder in einen Sack gesteckt, den er vor sich herschweben ließ, und seine Hände waren voller Blut. Er disapparierte, und ich lief ins Haus zurück, während bereits die…ich denke, es heißt ‚Sirenen' der Muggelpolizei zu hören waren und die ersten Transportvehikel um die Ecke bogen."
„Sie waren also der letzte Todesser im Haus?", fragte Berkins.
„Das ist richtig", bestätigte Lucius. „Ich lief die Treppe hinauf, und dort…Nora lag an dem Platz, an dem ich sie abgelegt hatte, nachdem ich den ‚Stupor' gesprochen hatte. Neben ihr lag das Messer. Obwohl ihre Kehle bis auf die Wirbelsäule durchtrennt war, war kein Blut an der Klinge. Ich gehe davon aus, dass Pettigrew ihren Hals mit seiner verformbaren Silberhand aufgeschnitten hatte."
„War sie bereits tot?", fragte Berkins. „Mich interessiert das deswegen, Mr. Malfoy, weil Sie zumindest über ein abgebrochenes Studium der magischen Heilkunst verfügen. Vielleicht wäre ja noch etwas zu retten gewesen?"
„Was glauben Sie, warum ich zurück gelaufen war?", fauchte Lucius. Ihm war anzusehen, dass ihn diese Sache mitnahm. „Nora war bereits tot."
„Wenn dies so war, wie Sie es sagen, Mr. Malfoy, dann haben Sie uns allerdings ein paar Details verschwiegen", sagte Berkins.
„Mein Mandant kann seine Aussage jederzeit unter Veritaserum wiederholen", bot Lawbender an.
„Dann betrügt er mit dem Serum", trumpfte Berkins auf. „Der Bericht der Muggelpolizei enthält noch ein paar hübsche Details…"
„Hübsch?", fuhr ihn Lucius an. „Sie nennen das ‚hübsch'?" Seine Stimme wurde gefährlich leise als er weiter sprach: „Ich weiß, welche Details Sie meinen, Mr. Berkins. Und ich dachte, Sie und das Gericht hatten vereinbart, im Interesse der Hinterbliebenen von Nora Shacklebolt auf die Veröffentlichung zu verzichten?"
„Mich interessiert nur die Wahrheit!", rief Berkins.
„Sie interessiert nur ihr ganz persönlicher Rachefeldzug", erwiderte Lucius, jetzt laut, aber noch beherrscht. „Euer Ehren, wollen Sie wirklich, dass die Details, die Mr. Berkins als ‚hübsch' bezeichnet, öffentlich werden? Ich war der Ansicht, es gebe gute Gründe, diese bei der Verlesung des Berichts von Scotland Yard auszulassen."
Whiteman ließ sich noch einmal den Bericht zureichen, las ihn, dann erwiderte er: „Ich teile Ihre Auffassung, Mr. Malfoy. Diese Dinge sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber da der Staatsanwalt von Ihnen eine vollständige Aussage verlangt, und dies sein Recht ist, kann ich mich nicht dagegen stellen. Bitte werden Sie in ihrer Darstellung nicht zu graphisch."
Lucius schloss für eine Sekunde die Augen, dann sagte er: „Pettigrew neigt zur Nekrophilie. Er hatte die Tote offenbar nach dem Mord missbraucht. Sie war halb entkleidet. Ihr Körper wies … nicht nur am Hals Verletzungen auf."
Raunen und Wispern erhob sich im Saal, vereinzelt machten Zuschauer ihrem Ekel oder ihrer Erregung auch laut Luft. Lucius schüttelte den Kopf und setzte sich wieder.
Lawbender räusperte sich. „Das Adjektiv ‚hübsch' kommt mir im Zusammenhang mit einem solchen Tun nicht in den Sinn, Mr. Berkins", warf er dem Staatsanwalt vor.
Auch Berkins schien zu spüren, dass er hier deutlich einen Schritt zu weit gegangen war.
„Es tut mir Leid, Mr. Shacklebolt", wandte er sich Kingsley zu, mit steinerner Miene im Auditorium saß. „Aber die Wahrheit… Sie wissen, wir müssen den wahren Tathergang aufklären und es war erforderlich, um festzustellen, ob der Angeklagte lügt."
„Dafür hätte man diese Dinge nicht hier erörtern müssen", wandte Lawbender ein. „Ein kleiner Flakon Veritaserum hätte es auch getan. Es wäre ausreichend gewesen, wenn mein Mandant Ihnen die Richtigkeit seiner bisherigen Aussage bestätigt hätte. Immerhin war er geständig. Stattdessen zerren Sie diese Dinge in die Öffentlichkeit."
„Nun, einzig maßgeblich ist doch, dass Ihr Mandant einen unverzeihlichen Fluch eingeräumt hat. Ich gebe im Übrigen zu bedenken: Der Angeklagte wusste, mit wem er diesen Überfall durchführt. Er hätte mit Pettigrews Grausamkeit rechnen müssen. Vielleicht hat er diese ja sogar einkalkuliert. Dann musste er sich die Hände nicht selbst schmutzig machen. Oder aber: Die Information, die er uns gibt, ist ihm deswegen geläufig, weil er der Täter…"
Weiter kam Berkins nicht.
Lucius war aufgesprungen, und hätte Rogue ihn nicht mit stahlhartem Griff seiner massigen Fäuste festgehalten, er hätte sich vermutlich auf Berkins gestürzt. Doch Lucius war nicht der Einzige, dem offenbar die Galle hochkochte.
Awuso, der farbige, junge Staatsanwalt, knallte seine Akten auf den Tisch und verließ den Sitzbereich der Anklage.
Remus war ebenfalls aufgesprungen. Geistesgegenwärtig hatte ihn der Tränkemeister jedoch am Handgelenk gepackt, und er hielt fest, als gelte es sein Leben.
„Merlin, Lupin, nicht!", zischte er. „Legilimens!"
In Remus' Kopf manifestierte sich das Bild eines einsamen Bergsees. Die aufgehende Sonne spiegelte sich in der glatten Wasseroberfläche und goldbelaubte Eichen kündeten neben feuerroten Buchen vom kommenden Herbst. Eine seltsame Ruhe legte sich über sein Bewusstsein.
„Setz dich, Remus", sagte eine Stimme wie Samt in seinem Kopf, und er fand keinen Grund mehr, es nicht zu tun, obwohl er tief in seinem Inneren etwas wie eine heiße Flamme zornig sengen spürte.
Es dauert nur Sekunden, dann fand er sich wieder im Saal des Zauberergerichtshof, den Blick direkt in den schwarzen Augen des Tränkemeisters von Hogwarts versenkt, dunkle Tunnel ohne Grund, bodenlose Tiefen.
Severus' Gesicht war kreidebleich, Schweiß stand auf seiner Stirn.
„Bitte", sagte er matt, „mach es nicht noch schlimmer. Setz dich."
Remus schluckte, seine Knie fühlten sich an wie mit Sand gefüllt. Er nickte, löste seinen Blick von Snapes Gesicht und beobachtete seltsam abwesend, wie vier oder fünf Auroren Kingsley Shacklebolts hohe Gestalt vor den Fotografen abschirmten. Im Gegensatz dazu fand sich niemand, der den Reportern in den Weg trat, die den am Boden liegenden Berkins fotografierten, der ein dunkelblau geschlagenes Auge hatte, eine offensichtlich gebrochene Nase und dem Blut über das ganze Gesicht lief.
Lucius saß neben Rogue, der ihn noch immer nicht losgelassen hatte. Lawbender redete auf ihn ein, doch der Slytherin schüttelte immer wieder den Kopf.
„Hat Kingsley Berkins eine verpasst?", erkundigte sich Remus.
„Rechter Haken und gerade Linke", bestätigte Severus.
„War das ein stabloser Legilimens?"
„Nein. Du weißt doch, dass Legilimentenstäbe durch jede Kontrolle rutschen. Aber in deinem Kopf ist eine ziemlich hohe Barriere. Du bist kaum zu beeinflussen. Du hast mich rausgeworfen."
„Danke", sagte Remus, und er meinte es so. „Was hat Lucius getan?"
„Nichts, Rogues Muskelbergen sei Dank. Merlin, was für ein Tag. Fehlen nur noch ein paar Todesser, die Rodolphus befreien und Lucius entführen wollen." Snape fuhr sich durch das strähnige Haar.
Remus hoffte inständig, dass der Tränkemeister mit seiner Äußerung nicht über seherische Fähigkeiten verfügte.
Fortsetzung folgt
