Kerkermond Evolution 32

Kerkermond Evolution 32


Hallo, meine werten Damen, und schon geht es weiter. Sozusagen spannende Unterhaltung im Akkord…schade, das ich dafür nicht bezahlt werde, wenigstens so wie Hohlbein, das wäre schon angemessen ;-)

Danke für die Reviews: Nicole, Lucy, Lucindana, Glupit

Nicole: Hallihallo, nice to see you back in business. Ich verstehe schon, du magst es actionreich, aber ich kann nicht versprechen, dass es in dieser Fiction noch einmal so hoch her geht. Ich verspreche nur, dass wir in Wesentlichen aus dem Gerichtssaal heraus sind. Die Muggelszene mit Arthur war übrigens auch mein Favorit, so sehr ich den Rest auch mag.


St. Mungos und Märchen

Remus erwachte auf der Krankenstation in Hogwarts, und er war einigermaßen überrascht, einen übernächtigt wirkenden Albus Dumbledore an seinem Bett vorzufinden. Der Alte blickte auf und blinzelte, als Remus sich räusperte.

„Oh, Remus, mein Jun…äh, guten Morgen", sagte er. „Wie fühlst du dich?"

Remus setzte sich auf und stellte ein unangenehm ziehenden Schmerz seitlich der linken Hüfte fest.

„Guten Morgen, Direktor", antwortete er förmlich. „Danke, ich glaube, es geht."

Ein Moment unangenehmen Schweigens trat ein, und Remus war dankbar, als die Tür aufging und Madam Pomfrey hereinkam.

„Guten Morgen, Remus", sagte sie freundlich und ließ mit einem Wink ihres Stabes das Fenster auffliegen. „Wie geht es dir?"

Sie wartete seine Antwort gar nicht ab, sondern trat an sein Bett und warf einen kritischen Blick unter die Decke.

„Es ist schon erstaunlich gut verheilt, aber du wirst eine Narbe zurück behalten. Immerhin, ein ‚Sectum sempra', du meine Güte. Wie viele Jahre habe ich den nicht mehr behandeln müssen?"

„Vermutlich nicht mehr, seit Mr. Snape die Schule als junge Mann verließ", antwortete der Direktor jovial, um dann ernst zu werden.

„Remus, ich muss mich bei dir entschuldigen. Nach dem, was gestern geschehen ist – ich meine nach dem, was Mr. Malfoy getan hat, um Kingsleys Jungen zu retten, sehe ich durchaus eine Möglichkeit, den Orden zu überzeugen…"

„Nein, Albus", fiel ihm Remus ins Wort. „Das geht nicht so einfach. Ihr könnt mich nicht derart vor den Kopf stoßen und glauben, mit einer simplen Entschuldigung wäre es getan."

Er ignorierte den betretenen Blick Dumbledores.

„Ich weiß Ihren Meinungswechsel zu schätzen, aber ich benötige Zeit, um meine eigenen Dinge zu regeln. Mehr als alles andere muss ich jetzt ins St. Mungos, um nach Lucius zu sehen."

„Es geht ihm nicht gut, aber er wird seinen Unfall überleben", sagte Dumbledore. „Ich habe meine Quellen", beantwortete er Remus fragenden Blick.

„Wissen Sie, wie man im Zauberergericht über ihn denkt?", fragte Remus. „Ich meine, alle haben gesehen, dass er Babu gerettet hat."

„Ja. Und alle haben gehört, dass er einen Unverzeihlichen zugegeben hat und einen zweiten – noch schlimmeren – ausführen wollte. Wäre Severus nicht dazu gekommen…"

„Wäre ich nicht dazugekommen, hätte Lucius Rodolphus vermutlich wieder verfehlt."

Snape stand plötzlich in der Tür. Wie ein dunkler Rabe blockierte er den Zugang zum Zimmer.

„Malfoy ist der schlechteste Duellant, den das Haus Slytherin je hervor gebracht hat. Ich wollte zwar den Todesfluch verhindern, aber noch mehr wollte ich Lestranges treffen und außer Gefecht setzen. Rodolphus ist nämlich - im Gegensatz zu Lucius – äußerst treffsicher."

Madame Pomfrey schmunzelte.

„Was ist so komisch?", fragte der Slytherin und hob fragend eine Augenbraue.

„Nun ja, ich könnte euch sagen, warum Mr. Malfoy ein so miserabler Duellant ist. An seiner Zauberkraft liegt es nicht, die ist wie bei jedem Magier mit nicht-menschlichen Erbgutanteilen hervorragend ausgebildet. Aber Mr. Malfoy ist schlicht…sagen wir, ein bisschen kurzsichtig, und zu eitel, eine Brille zu tragen. Und der Gegenzauber wirkt nur ein paar Stunden." Sie lächelte. „Auch Malfoys sind nur Menschen."

„Um deine ursprüngliche Frage zu beantworten, Remus", sagte Dumbledore, „man diskutiert intensiv. Die Beweisaufnahme ist ja nun eigentlich abgeschlossen. Der Fall Brice bleibt offiziell ungeklärt. Nachweisen kann man Mr. Malfoy hier nicht einmal eine Beteiligung. Was die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung in ihren Plädoyers sagen werden, wird niemanden überraschen. Eines aber steht fest: Hier ein gerechtes Urteil zu fällen, wird eine schwierige Aufgabe sein."

„Ich bin sicher, du wirst deinen Einfluss im Interesse des Jungen nutzen", wandte sich Pomfrey an Dumbledore.

Der Direktor seufzte. „Der ‚Junge' ist ungefähr vierzig, Poppy. Und du überschätzt leider meine Möglichkeiten."

„Sie bleiben doch alle ‚meine Jungs'", erwiderte die Krankenschwester. „Bevor ich es vergesse, hier ist eine Eulenpost für dich gekommen, Remus. Und bitte nimm' noch die Tränke, die dort auf der Ablage stehen, und die Salbe gegen eine Entzündung der Fluchnarbe kannst du mitnehmen nachhause."

Remus brach das Siegel des Pergaments, das aus dem Zaubereiministerium kam. Es enthielt eine kurze Nachricht von Kingsley, dass er mit Whiteman gesprochen habe, und ihm erklärt habe, er müsse sich heute um seinen Sohn kümmern und könne seine Tochter nicht ins St. Mungos begleiten. Der Stress sei für Babu zu groß. Er habe stattdessen gebeten, dass Remus und Tonks Johari begleiten dürften. „Ich dachte, dies sei auch in Deinem Sinne", schrieb Kingsley, und Remus konnte das Lächeln hinter dem Satz beinahe hören.

Neben der Nachricht lag ein weiterer Umschlag, und dieser erhielt eine von Whiteman unterzeichnete Genehmigung für Miss Johari Shacklebolt, in Begleitung von Remus Lupin und Nymphadora Tonks den Angeklagten Lucius Malfoy im St. Mungos besuchen zu dürfen.

oxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxox

Remus traf Tonks in der Lobby des Krankenhauses. Sie brachte Johari aus der Safari Lodge mit, die die Finger in das Stoffeinhorn gekrallt hatte, dessen Kopf mittlerweile wieder an seinem Platz saß.

Sie stiegen aus dem Aufzug, passierten eine ganze Reihe von Schleusen und Sicherheitssperren, und gelangten schließlich zur ‚Geschlossenen Station.' Auf dem Gang befanden sich mindestens ein Duzend Auroren, die den Bereich sicherten. Remus und sogar Tonks hatten ihre Zauberstäbe abgeben müssen. Vor einer dunklen Tür waren nochmals vier Wachen postiert. Sie öffnete sich, als Remus, Tonks und Johari um die Ecke bogen, und Dr. Solicitor trat mit einem älteren Heiler hinaus.

„Guten Tag, Mr. Lupin. Miss Tonks", grüßte der kleine Anwalt. „Und die kleine mutige Miss Shacklebolt. Lucius wird sich sehr freuen."

„Wie geht es ihm?", fragte Remus.

Der Heiler sah ihn misstrauisch an. „Dazu darf ich keine Angaben machen. Sind Sie ein Verwandter?"

„Ich bin mit Mr. Malfoy verwandt", sagte Tonks schnell. „Er ist mein Onkel."

Das war nicht einmal gelogen, den Narcissa war die Schwester von Tonks' Mutter Andromeda.

„Er hat sich bei dem Sturz erhebliche Verletzungen zugezogen. Insbesondere die Lungenquetschung und die Rippenbrüche machen ihm noch zu schaffen, und der Blutverlust bereitet uns große Sorgen. Wir haben Probleme, passendes Blut zu beschaffen. Wir haben die Knochenbrüche natürlich geheilt, aber bis die Schmerzen abklingen, wird es noch ein paar Tage dauern."

Der Heiler wandte sich dem Anwalt wieder zu. „Würden Sie mir die entsprechenden Papiere unterschreiben, oder muss das die Nichte tun?"

„Ich erledige das mittels der Vollmacht, die Mr. Malfoy mir erteilt hat", sagte Solicitor.

„Bitte bleiben Sie nicht allzu lange", sagte der Heiler zu Tonks. „Vor allem das Kind könnte ihn anstrengen."

„Lucius ist mein Freund. Ich bin nicht anstrengend, sondern Besuch", beschwerte sich Johari leise.

„Du bist toll", sagte Tonks zu ihr. „Er wird sich wahnsinnig freuen, dich zu sehen."

Dabei warf sie Remus einen fragenden Blick zu.

„Das wird er mit Sicherheit", sagte dieser lächelnd. Dann stieß er die Tür zu Lucius' Zimmer auf.

oxoxoxoxoxoxoxoxoxoxoxo

Typischer Duft nach Karbol und Desinfektionszaubern schlug ihnen entgegen. Das Zimmer war hell mit einem großen Fenster, auch wenn dieses vergittert war, und das schmiedeeiserne Metall von grünen Abwehrzaubern aufgeladen leuchtete.

Lucius' lag in einem Bett, das ein massives Edelstahlgestell hatte. Eine Kette führte von einer der Querstangen zu seinem Handgelenk. Auf einem Stuhl in einer Ecke saß ein Auror und blätterte in einer Illustrierten. Es war derselbe Mann, der Lucius' Zelle im Keller des Ministeriums bewacht hatte.

„Hey, Drongo", grüßte Tonks leise, als sie sah, dass Lucius die Augen geschlossen hatte und schlief. Sie stellte die Wiesenblumen, die Johari mitgebracht hatte, in eine Vase.

„Oh, hallo Tonks", erwiderte er. „Was machst du denn hier?"

„Verwandtschaftsbesuch", sagte sie unschuldig. „Meine Mutter bestand darauf. Hast du mal 'ne Zigarette?"

„Klar." Er griff in seine Jacke. „Verflucht, man darf hier ja nicht rauchen", grummelte er. „Bin schon seit sechs Stunden hier, glaubst du das? Wir haben alle Sonderschichten aufgebrummt bekommen, und nicht mal ne Kippe kannste hier drin anstecken."

„Ich weiß, ich bin heute Nachmittag dran", jammerte Tonks. „Doppelschicht. Aber wenn du willst, kannst du eben eine rauchen. Wir sind ja in der gleichen Abteilung."

„Du bist ein Schatz, Tonks", stellte Drongo erfreut fest. Er warf einen Blick auf Lucius, murmelte „schläft ohnehin", und verdrückte sich.

Remus und Johari traten ans Bett, Tonks wahrte lieber respektvollen Abstand. Sie und Lucius waren nicht eben Freunde. Ihr ganzes Leben hatten die Malfoys sie als Abschaum behandelt, wegen ihres muggelstämmigen Vaters.

Johari kletterte auf das Bett und betrachtete Lucius.

„Du tust nur so, als ob du schläfst, oder?"

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er öffnete die Augen. „Sag's nicht weiter, Prinzessin."

Dann traf sein Blick Remus.

„Merlin, wie kommst du hier herein?", fragte er völlig verblüfft.

Doch Remus bemühte sich nicht um eine Antwort, sondern strich ihm stattdessen zärtlich über die Wange und küsste ihn vorsichtig. Er hätte diesen Kuss gerne länger ausgedehnt, doch die Anwesenheit von Tonks und Hari ließ das nicht zu. Mühsam löste er sich von Lucius.

„Wie geht es dir?", fragte Lucius. „Solicitor sagte, du hättest einen Fluch von Bella abbekommen. Ich erinnere mich nicht daran."

„Kein Wunder, du bist ja auch auf den Kopf gefallen", erwiderte Remus lächelnd und verschränkte seine Finger mit denen des Slytherins. „Mach dir um mich keine Sorgen. Erzähl uns lieber, wie du dich fühlst?"

„Wie nach einem Zusammenstoß mit einem Drachen", antwortete Lucius matt. Er sah Hari an. „Sind die Blumen von dir?"

Sie nickte. „Und von Dhakira und Babu."

„Danke sehr. Sie sind wunderschön. Ich glaube, selbst gesammelte habe ich noch nie bekommen", setzte er mit einem Blick auf die enthaltene Scharfgarbe und die wilden Margueriten hinzu. „Wie geht es deinem Bruder?"

„Ach, der kann mich schon wieder ärgern", klagte sie. „Aber Papa ist froh, dass du ihn aufgefangen hast. Lucius?"

„Ja?"

„Wann darfst du nachhause?"

Lucius und Remus warfen einander einen kurzen Blick zu.

„Ich fürchte, das wird noch etwas dauern", sagte Lucius. „Aber ich werde mir den Termin für deine Hochzeit freihalten."

„Ich will nicht heiraten. Da sitzt man immer alleine zuhause und weint, und der Mann ist weg und arbeitet", erklärte sie.

„Hat deine Mama viel geweint?", fragte Lucius.

„Manchmal", antwortete Johari. Sie kletterte höher an Lucius' Bettrand hinauf, stütze sich dabei an seiner Seite ab, und Remus sah, wie er zusammenzuckte und die Zähne zusammen biss.

„Vorsicht, Prinzessin", mahnte Lucius und schob sie so zurecht, dass sie ihm keine zusätzlichen Schmerzen verursachte.

„Hat Cissy auch geweint?", fragte Johari weiter.

Lucius schloss für einen Moment die Augen, und Remus sah den Schatten, der über sein Gesicht glitt.

„Ich habe es nie bemerkt", sagte er schließlich vorsichtig. „Aber ich habe oft lange gearbeitet, so wie dein Vater."

„Hatte Cissy auch ein Pferd wie Mama?", fragte Johari.

Lucius lächelte. „Nein, Hari. Cissy machte sich nicht viel aus Pferden. Aber ich habe eines. Es heißt ‚Saladdin' und steht im selben Stall wie ‚Rosalie'."

Hari klappte der Mund auf. „Aber Rosalie ist Mamas Pferd!" rief sie aus. „Und ich kenne Saladdin, er steht in der ersten Box links vorne. Aber er beißt."

„Er ist ziemlich temperamentvoll", gab Lucius zu. „Das ist das Araberblut."

Sie nickte verständig. „Papa will Rosalie verkaufen", sagte sie plötzlich. „Er sagt, reiten ist zu gefährlich. Dabei ist sie so lieb, Mama hat mich ganz oft vorne drauf genommen."

„Möchtest du Rosalie gerne behalten, Hari?", fragte Lucius.

Sie nickte. „Aber Papa sagt…"

„Ich rede mit deinem Vater", sagte Lucius. Dann wandte er sich Remus zu. „Und falls ich es nicht schaffen sollte, kümmerst du dich darum?"

„Ich will tun, was ich kann", willigte Remus ein. „Aber Pferde und ich sind zwei Dinge, die nicht zusammen gehen. Sie haben Angst vor mir."

Lucius lachte dies sanfte leise Lachen, das Remus jedes Mal einen Stich gab, weil er fürchtete, es nicht mehr allzu oft zu hören.

„Du sollst auch nur Kingsley Shacklebolt überzeugen, nicht Rosalie. Ich bin sicher, die Stute möchte gerne von Hari ‚behalten' werden."

Lucius griff wieder nach Remus' Hand, und ihre Finger verschlangen sich ineinander. Remus registrierte den Tropf, aus dem kontinuierlich eine klare Flüssigkeit in Lucius' Vene tröpfelte.

„Was geben sie dir?", erkundigte er sich.

„Alles. Dolorcalmus, einen Trank zur Verbesserung der Sauerstoffzufuhr, einen Recontructis gegen die Lungenquetschung, und noch eine paar unaussprechliche Tränke. Die Mischung fällt einen Ochsen. Wenn du mich fragst, muss ich ziemlich gesund sein, um das Zeug zu vertragen. Merlin, in zwanzig Jahren mit Umhang und Maske bin ich stets mit heiler Haut davon gekommen, und jetzt - nachdem ich aufgehört habe - erwischt mich ein japanischer ‚Kleinwagen'. Ist das nicht der Witz des Jahrhunderts? Was steht im ‚Propheten'? Lucius Malfoy von Muggel-Kleinwagen überrollt?"

„Nun, zur Abwechslung bist du mal die Lachnummer der Familie", kommentierte Tonks trocken.

„Nymphadora", sagte Lucius, und Johari und Remus zogen unwillkürlich die Köpfe ein. Der laute Protest der Aurorin blieb jedoch aus. „Ich hoffe, der Triumph verschafft dir Genugtuung."

„Vergiss es, Lucius", sagte sie kühl. „Ich habe dich nie wirklich als Teil meiner Familie angesehen. Meine Tanten waren etwas, womit ich man mir als Kind gedroht hat. ‚Iß deinen Spinat, sonst kommt Tante Bella aus Askaban und holt dich.' Aber eines sage ich dir: Remus ist Mitglied in meiner Familie, die sich nicht an reinem Blut oder Gold oder ähnlich lächerlichen Dingen festmacht. Und solltest du ihm wehtun, kannst du was erleben."

Ihre Haare wechselten von dunkelblond zu feuerrot.

„Sollte ich den Gamot überleben, werde ich mich vor deinem Zorn zu hüten wissen", erwiderte Lucius glatt.

„Streitet ihr?", fragte Johari, und ihre Augen wurden groß.

„Entschuldige", sagte Lucius und nahm ihre kleine dunkle Hand in seine weiße. „Erwachsene sind manchmal dumm. Und Nymphadora hat Recht. Reines Blut und Gold sind nicht alles."

Remus und Tonks warfen einander einen erstaunten Blick zu.

„Erzählst du mir eine Geschichte, Lucius?", bat Johari.

„Wenn Remus mir hilft, mich aufzusetzen", sagte Lucius. „Meine Luft ist etwas knapp."

Behutsam zog Remus Lucius ein Stück ein vorne und stopfte ihm ein dickes Kissen in den Rücken. Ihm entging nicht, dass Lucius bei jeder Berührung zusammen zuckte, und er fragte sich, ob man den ‚Dolorcalmus' wirklich angemessen dosiert hatte.

Hari kuschelte sich in Lucius' Armbeuge und Remus beneidete sie ein bisschen, aber er musste sich damit begnügen, Lucius' Hand zu nehmen und sein schönes Gesicht so dicht vor sich zu haben.

„Vor langer Zeit", begann Lucius, und er erzählte die Geschichte der Fürstentochter Isabelle, die mit ihrem Liebsten Navarre von einer Dunklen Magierin verflucht worden war. Nun war sie bei Tag ein Falke und bei Nacht eine Frau, während ihr Liebster am Tage ein Mann war, zur Nacht jedoch zum Wolf wurde.

„Ihnen blieb nur der flüchtige Moment der Dämmerung, um einander nah zu sein", sagte Lucius leise und sein Blick traf den von Remus.

Dann erzählte er, wie die beiden einen Freund gewannen, der ihnen schließlich half, den Fluch zu brechen. Dafür musste Isabelle Navarre als Mensch zur Mittagsstunde küssen.

„Aber wie konnten sie den Fluch brechen?", fragte Johari mit großen Augen. „Mittags war sie doch immer ein Vogel."

„Du hast recht, denn die Dunkle Magierin hatte an fast alles gedacht", erklärte Lucius mit sanfter Stimme. „Aber Hari, auch die mächtigsten Zauberer machen Fehler. Die Schwarze Maledetta hatte vergessen, dass es Tage gibt, an denen die Mittagstunde die dunkelste ist: Wenn sich der kleine Bruder der Sonne vor ihr helles Antlitz schiebt."

„Eine Sonnenfinsternis?", fragte Johari.

„Du bist ein kluges Mädchen", sagte Lucius anerkennend. „Manchmal können kurze Augenblicke ein ganzes Schicksal wenden. Vergiss das nicht."

Die Tür öffnete sich, und Drongo kehrte zurück. Lucius ließ Remus' Hand los und strich Johari über die dunkelbraunen Locken.

„Es wird Zeit für euch, zu gehen."

„Das war aber 'ne lange Zigarette, Drongo", rügte Tonks zum Schein. Doch Remus wusste, auch sie hatte mit leuchtenden Augen der zauberhaften Erzählung Malfoys gelauscht. Man konnte sehen, dass es ihr gefallen hatte.

„Tut mir Leid. Ich hab' auf Vorrat geraucht. Hat er sich anständig benommen?" Er wies auf Lucius.

„Man kann über meinen Onkel sagen, was man will, Dongo, aber er wahrt stets die Form. Sogar dann, wenn er beleidigend ist", sagte sie leichthin.

Es wäre nicht klug gewesen, dem Auror zu enthüllen, dass Tonks legendär schlechtes Verhältnis zu diesem Zweig ihrer Familie an diesem Tag einen Knacks erlitten hatte. Sie erhob sich.

„Mach's gut, Lucius. Ich schau dann in Askaban mal vorbei", sagte sie grinsend, doch ihr Blick war dabei nicht ohne Mitgefühl.

Remus sah Lucius an. „Verabschiede dich, Hari", sagte er zu Kingleys Tochter.

„Erzählst du mir beim nächsten Mal ein neues Märchen?", fragte sie Lucius.

„Ich werde stets eines für dich haben, wann immer du kommst", erwiderte er und küsste ihre Hand. „Mach's gut, Prinzessin."

Er sah Remus an. Beide schwiegen. Nichts, das in Gegenwart des Auroren hätte gesagt werden können, konnte mehr ausdrücken als ihre Blicke. Und so nahm Remus Johari auf den Arm und folgte Tonks zur Tür hinaus, während ihm das Herz schwer wie ein Stein in der Brust lag.


Fortsetzung folgt

Ja, ich weiß, die letzten beiden Sätze sind pathetisch. Aber mir war gerade mal so.