Kerkermond Evolution 34

Kerkermond Evolution

Slashig-trashige Fanfiction, in der Lucius mehr als nur eine Sorge hat und Remus bis zur letzten Minute auf ein Wunder hofft


Besten Dank für Eure Reviews: Lucy, Nicole, Glupit, Lola, die Doppelte und Elementargeist

Lola: Ich denke mal, dein Stil ist unverwechselbar. Wobei ich mich schon gefragt habe, was das für "grausame Sachen" sind, die deine Namensvetterin (müsste das nicht korrekter 'Namenscousine' heißen?) so reviewed...?

Nicole: Die Actionsüchtige...nein, nein, nein, kein klitzekleiner Kampf mit den Auroren. Aber geh' mal davon aus, dass Lucius nicht der einzige clevere Slytherin in diesem Gerichtssaal ist ;-)

War das spannend gestern - die „Tudors" ? Meine Samstagabende sind ab jetzt verplant. Wobei Henry VIII. nicht mein Fall wäre. Aber vom intriganten englischen Hof nun zurück ins Zaubereiministerium, wo Lucius nicht nur ein unangenehmes Urteil, sondern ein letzter heftiger Konflikt bevorsteht. Er hat, zusätzlich zu allem Unglück, sagen wir mal, Probleme, wie sie für Eltern von Teenagern typisch sind: Ein Kind, das sich in schlechter Gesellschaft herumtreibt. Und er ist nicht eben glücklich darüber.


Lucius: Vollstreckung

Um fünf hatte Remus keine seiner stillen Tränen mehr, und seine Augen brannten. Zehn Minuten vor sechs weckte er seinen schlafenden Gefährten. Lucius schlief so fest, wie sein erschöpfter Zustand es ganz offenbar erforderte. Es kostete Remus einiges an Mühe, den blonden Zauberer auf die Beine zu stellen. Es tat ihm selbst weh, wie gerne hätte er ihn in Ruhe gelassen, aber er wusste, Lucius würde nicht wollen, dass die Auroren das zerwühlte Bett sahen und sie beide mit derangierten Roben und zerzausten Haaren.
Sobald Lucius zurück in der Realität angekommen war, schien er Remus mehr als dankbar.

Schlag sechs apparierte ein Hauself in den Raum, auf den Armen ein Tablett mit einem wirklich opulenten Frühstück.

„Toby soll ausrichten, guten Appetit von Mr. Berkins. Mr. Malfoy, sagt Master Berkins, soll es als Henkersmahlzeit betrachten."

Mit einem ängstlichen Blick in Remus' Richtung verschwand der Elf wieder.

„Das ist ja wohl nicht zu fassen", empörte sich Remus und ballte die Faust. „Wenn ich den Mistkerl zwischen die Finger bekomme…"

„Remus. Lass gut sein."

Lucius setzte sich an den Tisch und begann in aller Ruhe, einen Bagel mit Marmelade zu bestreichen, nicht ohne vorher mit Remus' Stab einen Detektionszauber für Gift gewirkt zu haben.

Remus fragte sich, warum Lucius sich diese Mühe machte, aber dann fiel ihm ein, dass der Slytherin vermutlich sicher gehen wollte, dass Berkins dem Tee oder einer anderen Zutat kein Antidot zugefügt hatte. Doch wie sollte der Ankläger wissen, dass Severus den ‚Mortis' mitgebracht hatte?

Lucius schob Remus den Teller hinüber. „Iss etwas, du wirst Kraft brauchen."

„Ich kann jetzt nichts essen", erwiderte Remus und blickte halb nervös, halb ängstlich zu Tür. Der Gedanke, dass man Lucius von seiner Seite reißen würde, trieb ihn beinahe in den Wahnsinn. Er fühlte sich ausgeliefert und machtlos, trotz des Zauberstabes in seiner Tasche. Warum ließen sie dies mit sich machen? Warum hatte er sich von Lucius beeinflussen lassen und war nicht mit ihm geflohen? Warum hatte er ihn nicht vor zwei Stunden einfach gepackt und es versucht? Vielleicht würden auch die Auroren geschlafen haben?

Er kannte die Antwort. Sie hätten keine Chance gehabt, und Lucius, Realist und Stratege, hatte dies lange vor Remus akzeptiert. Vielleicht wusste das Ministerium auch von dem Mortis-Trank, und ließ sie nur in dem Glauben, er sei herein geschmuggelt? Immerhin hatte man Remus den Zauberstab gelassen, er konnte Lucius somit jederzeit töten, wenn dieser wünschte, sich einem Urteil zu entziehen. Oder war dies gar der Plan des Ministeriums? Eine elegante Möglichkeit, sich nicht selbst an Lucius' Tod die Finger schmutzig zu machen?

Lucius selbst nahm ein paar Bissen und trank ansonsten schweigend seinen Tee.

Als es an die Tür klopfte, nickte er nur.

„Ja", rief Remus laut.

Reprobate Lawbender steckte seinen grauen Schopf zur Tür herein. „Darf ich herein kommen?"

„Bitte", sagte Lucius. „Möchten Sie Tee?"

„Nein danke, Lucius."

Lawbender war blass und augenscheinlich auch nervös. Wenn das Urteil so ausfiel, wie zu erwarten war, hatte er diesen Prozess verloren. Der sonst aalglatte Anwalt knetete seine Finger.

„Draußen ist noch ein Besucher für Sie, Lucius", sagte er.

Im selben Moment war schon ein lauter Streit zu hören, ein Auror rief „Expelliarmus!" und im nächsten Augenblick flog die Tür auf.

„Verdammt noch mal, ich will meinen Vater sehen!", rief eine zornige Stimme.

Remus sah, dass Lucius sich in einer einzigen ruckartigen Bewegung erhob. Trotz der Schmerzen, die ihm die gebrochenen Rippen immer noch bereiteten, wie sie beide in der vergangenen Nacht hatten feststellen müssen, straffte er sich und ging mit langen Schritten Richtung Tür.

„Draco!"

Wie ein schwarzer Schatten rauschte Lucius Malfoys Sohn an Lawbender vorbei ins Zimmer. Remus erschrak über die Ähnlichkeit der beiden Männer. Er hatte Draco jetzt drei Jahre nicht mehr gesehen, und der junge Slytherin hatte fast die gleiche Größe wie sein Vater, wenn er auch von schmalerer Statur war. Er trug einen schwarzen Reiseumhang über einer dunkelgrünen Robe, und das lange blonde Haar fiel ihm wie ein silbriger Schleier über den Rücken. Sein Gesicht hatte den Schritt vom Jugendlichen zum Mann bereits zum Teil vollzogen. Das Kinn war breiter und markanter, die Augenbrauen dichter als noch vor drei Jahren. Die Ähnlichkeit mit Lucius war frappierend.
Jetzt stand er seinem Vater gegenüber, doch sein Gesichtsausdruck war verschlossen und feindselig.

„Vater", sagte er kühl und deutete eine Verbeugung an.

Falls es Lucius verletzte, ließ er sich nichts anmerken. Lawbender schloss die Türe, und nickte Remus zu.

„Ich freue mich, dich zu sehen, mein Sohn", sagte Lucius. Doch auch er machte keine Anstalten, den Jungen in die Arme zu schließen. „Ort und Zeit waren allerdings bereits erfreulicher."

„Du hast den Dunklen Lord verraten, und damit auch unsere Ideale", sagte Draco dumpf. „Wie konntest du nur?"

„Er hat deine Mutter umgebracht. Ich konnte nichts anders", erwiderte Lucius kühl.

„Sie hat es verdient", schnappte der Teenager. „Sie war eine Verräterin und eine Hure."

Lucius' Schlag kam so schnell, dass Draco nicht mehr ausweichen konnte. Er hatte seinem Sohn eine schallende Ohrfeige verpasst.

„Wie kannst du es wagen!", rief Draco und seine Hände zitterten vor Wut.

„Das solltest du dich fragen", gab Lucius eisig zurück. „Merlin, sie war deine Mutter. Was immer sie getan hat, aber sie hat dich geliebt. Ich bedaure zutiefst, erkennen zu müssen, dass wir versäumt haben, dir beizubringen, was Liebe bedeutet."

„Das einzige, wofür ich euch zu danken habe, ist dass ihr mir den Weg zum Unserem Lord gewiesen habt. Er wird deine Eingeweide herausreißen, wenn er dich…"

„Danke, das hat er mir in ähnlicher Form bereits über Rodolphus bestellen lassen", unterbrach Lucius seinen Sohn kalt. „Hast du mir sonst noch etwas zu sagen, Draco?"

„Allerdings. Ich hoffe, dass sie dich in Askaban verrecken lassen! Aber falls sie dich doch umbringen sollten oder der vermaledeite Giftmischer dich bereits mit etwas Passendem versorgt hat, will ich den Ring von dir", forderte Draco.

Lucius wirkte nach einem winzigen Moment des Schocks beinahe amüsiert.

„Da dein Kommen nicht abzusehen war, mein Sohn, habe ich ihn nicht mehr. Du wirst ihn dir schon bei deinem Paten, dem Giftmischer, abholen müssen."

Draco funkelte seinen Vater wütend an. „Ich habe ein Anrecht darauf!"

„Das hat niemand hier bestritten", antwortete Lucius. „Wenn du volljährig wirst…"

„Volljährig?", schrie Draco. „Was interessiert mich Ministeriumsgesetz! Ich bin der Herr meiner Entscheidungen, ich habe jedes Recht auf diesen Ring, wenn du tot bist. Ich bin erwachsen genug, um zu handeln. So sieht es auch Unser Lord. Sieh nur her!"

Der junge Mann zog den Ärmel seiner Robe hinauf und streckte Lucius seinen Unterarm entgegen. Das Dunkle Mal prangte frisch und noch rötlich-wund auf der blassen Haut.

Lucius' Lippen waren ein schmaler Strich, seine Augen zu Schlitzen verengt.

„Ich wünschte, ich hätte Reprobate den Ring gegeben, um ihn für die übernächste Generation von Malfoys aufzuheben. Aber ich fürchte, es wird nichts Besseres nachkommen. Du hast mir gerade bewiesen, dass du jede Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen, aufgegeben hast. Nicht du, der Dunkle Lord wird bestimmen, was mit deinem Leben geschieht", rief Lucius.

Unser Lord weiß, was gut ist für das Haus Malfoy. Er wird herrschen, und ich werde ganz oben stehen."

„Ich hoffe, du wirst nicht tot in irgendeinem Schlammloch liegen, wie Karkaroff", erwiderte Lucius heftig. „Sieh mich an, Draco. Das hier ist es, was der Dunkle Lord denen bringt, die ihm nachfolgen: Elend und Tod. Ausnahmslos. Direkt oder indirekt. Ich rate dir, umzudrehen und so schnell zu laufen, wie du kannst. Ansonsten wirst du…"

„Ich spuckte auf deine Ratschläge", rief Draco und tat genau dieses.

Lucius wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht.

„Ich möchte, dass du gehst", sagte er schlicht.

„Natürlich willst du das!", brüllte Draco. „Weil du ja nie einen Konflikt bis zum Ende aushalten kannst, du elender Feigling. Nicht mal gegen die Hure Narcissa hast du dich durchgesetzt…"

„Das reicht jetzt, Mr. Malfoy", sagte Remus und löste sich von der Fensterbank, von der aus er schweigend diesem Fiasko zugesehen hatte, das Draco hier anrichtete.
Er glitt zwischen Lucius und Draco und packte den Jüngeren an der Schulter.

„Ihr Vater wünscht, dass Sie sich entfernen", sagte er sehr bestimmt.

„Was tut der verlauste Werwolf hier?", fragte Draco und blickte Lucius herausfordernd an.

„Du gewöhnst dich besser an ihn", entgegnete Lucius kühl. „Er ist dein Vermögensverwalter. Ohne Remus Lupins Zustimmung wirst du bis du siebzehn bist nicht einmal einen jämmerlichen Knut aus deinem Gringott's Verlies erhalten."

Draco starrte wütend Remus an.

„Ich werde dich schlachten, Werwolf", zischte er, dann rauschte er zur Tür hinaus, ohne seinen Vater noch eines einzigen Blickes zu würdigen.

„Wie es scheint, habe ich als Vater auf ganzer Linie versagt", stellte Lucius scheinbar nüchtern fest. Falls ihn die Begegnung getroffen hatte, ließ er sich nichts anmerken. Doch Remus entgingen sie feinen Linien nicht, die sich an seinen Mundwinkeln abzeichneten.

„Remus, es tut mir leid, dir eine derartige Bürde auferlegt zu haben. Ich bin sicher, Reprobate wird dich bei der Vermögensverwaltung unterstützen, und Severus als Dracos Pate wird dir ebenfalls ein Ansprechpartner sein."

„Machen Sie sich keine Sorgen, Lucius", sagte der Anwalt. „Ich werde der Familie Malfoy stets zur Seite stehen, wie in den vergangenen vierhundert Jahren meine Vorväter auch schon." Dann räusperte er sich. „Lucius, es wird Zeit für die Vorbereitungen der Urteilsverkündung. Die Auroren warten draußen. Ich kann sie noch fünf Minuten hinhalten, aber dann müssen Sie bitte kommen."

„Ich werde gleich dort sein", erwiderte Lucius und strich sich fahrig eine lange Strähne aus der Stirn.

Als Lawbender gegangen war, drehte er sich zu Remus um.

„Merlin, hast du noch nicht genug geweint?", fragte er sanft.

„Du hast geschlafen heute Nacht, als ich…"

„Ich habe einen leichten Schlaf", sagte Lucius. „Außerdem sind deine Augen ganz rot."

„Hast du keine Angst?", fragte Remus leise und legte seine Stirn an die von Lucius.

„Wahrheit oder Pflicht?", erkundigte sich der Slytherin.

„Wahrheit", verlangte Remus.

„Ich würde lieber Pflicht wählen", sagte Lucius und seine Finger glitten unter Remus' Robe.

Doch Remus fing die Hand ein, deren Berührung sein Blut nachfolgte, als male jemand mit warmen Ölfarben auf seiner Haut.

„Nicht", sagte Remus. „Ich will letzte Nacht in Erinnerung behalten, nicht einen schnellen Job im Stehen."

„Oh, du könntest beides haben", sagte Lucius mit hintergründigem Lächeln. Dann küsste er Remus, zart, flüchtig, wie ein Windhauch, der nur bleibt, um sich zu verabschieden.

„Unterstehe dich, dort zu sein, wenn es geschieht", sagte er. „Ich will nicht, dass du mir beim Sterben zusiehst."

„Du wirst mich nicht abhalten können", erwiderte Remus entschieden. „Diesen Weg gehe ich mit dir bis zum Ende, egal, welche Wahl du triffst."

„Ich werde dich mit meinen letzten Worten verfluchen, wenn du das tust, Remus Lupin", drohte Lucius, und in seine Augen trat ein harter Glanz.

„Du wirst erkennen, dass es leichter ist, einen Freund an deiner Seite zu wissen, egal, was geschieht", antwortete Remus. „Und ganz sicher wirst du mich nicht verfluchen. Dafür liebst du mich viel zu sehr."

Lucius schien für einen Moment sprachlos, doch dann huschte dieses Lächeln über sein Gesicht, das Remus so sehr mochte, und seine Augen hellten sich auf.

„Tatsächlich", sagte er. „Das tue ich. Wie hast du mich nur durchschaut?"

„Du trägst einen Teil meiner Seele in dir, schon vergessen? Wir sind einander verbunden, Glenkill, wie du weißt. Aber darüber hinaus … habe ich gelernt, dich zu lieben."

Lucius sah ihn an. Still und ruhig. Schließlich sagte er: „Der Zauberbann wird brechen, mit meinem Tod."

„Ja", sagte Remus. „Aber ich werde mich erinnern."

Er küsste Lucius ein letztes Mal, dann machte er sich los und ging hinaus. Er hatte keinen Blick für die Auroren, die ihn mit einer Mischung aus Misstrauen und Anspannung betrachteten, und die mit gezückten Stäben die Tür bewachten. Er hatte keinen Blick für Lawbender, der sich leise mit MacGonagall unterhielt. Und er ignorierte die Hexen und Zauberer im Aufzug, die ihn neugierig anstarrten. Sein Bild war ja erst vor ein paar Tagen im ‚Propheten' gewesen, zusammen mit wesentlichen Auszügen aus seiner Aussage und der Schlagzeile: „Lucius Malfoy – Held oder Henker? Werwolf sagt aus!"

Er nahm Gawain und Tonks kaum wahr, die ihn der Einganghalle des Ministeriums abfingen, zwischen sich nahmen und per Floo nachhause brachten.

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Tonks kümmerte sich um das Nötigste: Sie überzeugte Remus davon, heiß zu duschen, sie nötigte ihm eine Tasse schwarzen Tees auf und sie machte ihm unmissverständlich klar, dass er direkt an ihrer und Gawains Seite zu bleiben habe, wenn sie um halb neun zum Gericht zurück kehren würden.

Die Sorge um ihn stand ihr in die braunen Augen geschrieben, auch wenn Gawain sie bremste.

„Remus ist ein Wolf, Liebes. Er wird sich durchbeissen."

„Genau das macht mir Angst", sagte sie. „Er ist nicht nur ein Werwolf, er ist auch ein verdammt guter Zauberer."

„Niemand - nicht mal Kingsley - wird ihn heute mit einem Zauberstab in den Gerichtssaal lassen", sagte Gawain.

Er behielt Recht.

Kingsley persönlich durchsuchte Remus, der immerhin vernünftig genug gewesen war, Gawain seinen Stab zu geben, bevor sie überhaupt losgingen.

Der große Auror zog Remus in eine kurze, aber herzliche Umarmung.

„Du bist ein Gryffindor. Du schaffst das", sagte er sehr leise zu ihm. „Und ich habe Malfoy gesehen. Er beweist Haltung."

„Es ist nicht Lucius' Haltung, um die ich mir Sorgen mache", sagte Remus bitter.

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Der Gerichtssaal war bis auf den allerletzten Platz gefüllt. Insbesondere auch die Pressebank konnte die Anzahl der Reporter und Fotografen nicht fassen, einige standen oder saßen auf dem Boden. Im magischen Blitzlichtgewitter ihrer Kameras betraten zunächst die Staatsanwälte den Saal. Berkins trug einen Verband über der Nase, hinter ihm kamen Umbridge und Rochelle. Awuso, der farbige Ankläger, fehlte.

Nach der Staatsanwaltschaft zog der Wizzen Gamot ein.

Zuletzt betrat Lucius mit seinen beiden verbliebenen Anwälten und der dunkelhaarigen Hexe vom Vorabend den Saal. Er war nicht gefesselt, und sein Gesicht wirkte so ruhig, dass Remus schon vermutete, man habe ihn unter Beruhigungstränke gestellt. Was Remus noch mehr erstaunte, war die Robe des Slytherins. Sie war nicht schwarz oder dunkelgrün wie sonst, sondern schneeweiß.

Als alle ihre Plätze eingenommen hatten, erhob sich Gandalph Whiteman. Er räusperte sich, und begann mit einem kurzen Vortrag über das Recht, die Rechtsprechung und ihre Funktion für die Magische Gesellschaft.

„Recht ist nicht Gerechtigkeit. So sehr ein Gericht sich auch bemühen mag, man wird immer Betrachtungsweisen zu einem Urteil finden, die es als zu hart oder zu weich, gänzlich unberechtigt oder bar jeder Vernunft erscheinen lassen. Dies gilt insbesondere für Fälle mit einer Komplexität, wie sie hier bei diesem Prozess gegen Sir Lucius Malfoy gegeben war. Der Wizzen Gamot hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir hatten es hier mit einem ausgewiesenen Schwarzmagier zu tun, der jedes - auch jedes legale – Register gezogen hat, um unserer friedlichen Magischen Gesellschaft zu schaden und den Umtrieben des Tom Riddle, bekannt als Lord Voldemort, zum Erfolg zu verhelfen. Lucius Malfoy hat zweifelsfrei verbotene Flüche benutzt, illegale Portschlüssel beschworen, Beamte des Ministeriums bestochen und – davon war das Gericht überzeugt – Menschen mit den Unverzeihlichen Flüchen bedroht.

Er hat den Überfall auf das Haus des Aurors Shacklebolt geplant, und auch wenn er dies nicht von vorneherein beabsichtigte, den Cruciatus-Fluch bei dessen Ehefrau Nora Shacklebolt angewandt, und er hätte vermutlich Rodolphus Lestrange hier im Gerichtssaal mit dem Todesfluch umgebracht, wenn Severus Snape es nicht verhindert hätte. All dies rechtfertigt sowohl eine lebenslange Haft in Askaban als auch die Übergabe an Dementoren.

Zu bedenken war jedoch in diesem Fall, dass Mr. Malfoy ebenfalls zweifelsfrei sein eigenes Leben mehrfach ohne Rücksicht auf sich selbst eingesetzt hat, um andere zu retten. Gemeint sind hier die Kinder des Aurors Shacklebolt, ebenso wie Mr. Lupin. Er hat ihnen durch seinen Einsatz ein grausames Schicksal erspart, und im Falle des kleinen Babu auch den sicheren Tod. Auch im Falle von Nora Shacklebolt hat er im Rahmen einer in sich kohärenten Logik versucht, ihr zu helfen, indem er sie vor den anderen Todesser zu verbergen suchte. Er hatte – und das glauben wir ihm – niemals beabsichtigt, sie an diesem unseligen Morgen in ihrem Haus anzutreffen. Weiter ist zu erwähnen, dass Mr. Malfoy nach seiner Verhaftung – und er hat sich selbst gestellt – die Aurorenabteilung in kooperativer Weise unterstützt hat. Seine Informationen werden die Gruppe um Riddle weit zurück werfen, strategisch, finanziell und personell."

Whitemann nahm einen Schluck Wasser, dann fuhr er fort.

„In vierzig Jahren Gerichtspraxis hatte ich viele Urteilsfindungen zu leiten. Diese hier war die schwierigste. Das Urteil, zu dem wir gekommen sind, ist nicht gerecht. Es bemüht sich um einen Ausgleich zwischen Gut und Böse. Doch es kann hier nicht mehr sein als der Versuch einer Bewertung.

Mr. Malfoy", wandte er sich jetzt direkt an Lucius, der keine Miene verzog. „Sie haben insbesondere mit dem Einsatz ihres Einflusses als Oberhaupt einer mächtigen, alten Zaubererfamilie und ihres Vermögens die Aktivitäten Riddles unterstützt. Um dies für die Zukunft auszuschließen, wird das Ministerium Ihr gesamtes Vermögen, über das Sie am heutigen Tage verfügen, einziehen.

Sie haben Ihr zweifellos großes Talent und Ihre intellektuellen Fähigkeiten über Jahre in den Dienst der Dunklen Seite gestellt. Wir werden dafür Sorge tragen, dass sich dies nicht wiederholen kann. Ein Dementorenkuss würde diese Funktion erfüllen, wir werden jedoch keine Strafe verhängen, die wir für unmenschlich halten. Denn zweifellos bleibt die Humanität auf der Strecke, wenn wir einen Menschen so zerstören, dass bewusstes Handeln unmöglich wird. Wir möchten Sie nicht zu einem geistigen Wrack machen. Dies widerspräche auch dem Gedanken, dass Sie insbesondere durch Ihr Handeln in den letzten Wochen und Ihre Abkehr von Mr. Riddle eine Art zweite Chance verdient haben. Auch davon sind wir überzeugt. Aber man wird einen umfangreichen „Obliviatus" an Ihnen durchführen. Sie werden komplett vergessen, was Sie über die Magische Welt, das Zaubern und insbesondere über die Dunklen Künste wissen. Intelligenz und kognitive Fähigkeiten bleiben Ihnen dabei voll erhalten. Da wir Sie natürlich nicht mit der Magie, zu der Sie fähig sind, einfach unter Muggeln aussetzen können, wird man Ihre arkanen Zentren mit einem Gift zerstören.

Alle technischen und juristischen Details sind der schriftlichen Urteilsbegründung zu entnehmen, die Ihren Anwälten in den nächsten Wochen zugehen wird. Da diese Entscheidung des Wizzen Gamot unanfechtbar ist, wird das Urteil sofort vollzogen. Wir geben Ihnen Gelegenheit, letzte Dinge zu regeln und sich von Ihren Angehörigen zu verabschieden. Sie haben eine halbe Stunde Zeit dafür. Die Auroren werden Ihnen mit Ihren Verteidigern entsprechende Räumlichkeiten zuweisen. Soviel bis hierher."

Whiteman erhob sich und alle Anwesenden folgten seinem Beispiel.

Lediglich Lucius war auf seinem Platz sitzen geblieben, die Finger vor dem Gesicht gegeneinander gelegt, Stirn und Kinn auf Zeigefinger und Daumen gestützt.

Lawbender schwieg, aber Solicitor redete massiv auf Lucius ein, der immer wieder stumm den Kopf schüttelte.

„Sie machen ihn zu einem X-beliebigen Muggel", sagte Gawain. „Ihm seine Magie zu nehmen…einem Zauberer wie Lucius Malfoy!"

„Er hat gesagt, lieber stirbt er, bevor er als Muggel lebt", sagte Remus leise. „Ich kann seine Worte hören, wenn ich die Augen schließe. Oh Merlin!"

„Wie Ihr können nur Zauberer denken", fauchte Tonks. „Nach dem ‚Obliviatus' wird er nicht mehr wissen, was Magie ist. Er wird sie also weder vermissen noch darunter leiden. Seht ihr nicht, dass sie ihm wirklich eine zweite Chance geben? Die Chance auf ein ganz normales Leben – wie es Millionen Muggel auch leben."

Remus starrte sie an.

„Der ‚Mortis'!" rief er. „Severus hat ihm einen ‚Mortis' gegeben. Dora, wir müssen verhindern, dass er den schluckt. Wenn er lebt – ich werde ihn finden. Ich verzichte gerne auf meinen Zauberstab, wenn ich dafür mit ihm leben kann."

Sie sprangen auf.

„Wie kommen wir zu diesem verfluchten Raum?", knurrte Remus.

„Komm mit!", rief Tonks und zerrte ihn neben sich her.

Sie hatten eine kurze, heftige Diskussion mit dem Auroren an der Tür, aber dann ließ er sie passieren. Tonks und Remus rannten Gänge entlang, bogen scharf um Ecken und rempelten etliche Beamte an, die ihnen entgegen kamen.

Binnen Minuten waren sie am Hochsicherheitsbereich angelangt.

„Drongo!", rief Tonks. „Bitte, wir müssen zu Lucius Malfoy."

„Das geht nicht, tut mir Leid, Tonks", erwiderte ihr Kollege. „Er hat sogar den Beistand des Druiden abgelehnt. Nur seine Anwälte und Verwandte dürfen zu ihm."

„Ich bin Verwandtschaft, Mann!", fauchte Tonks. „Er ist mein Onkel."

„Ah ja, ich erinnere mich. Aber dein Freund hier muss draußen bleiben. Tut mir leid."

„Kannst du nicht eine Ausnahme machen, bitte!", flehte Dora.

„Sorry, nein. Ich habe strikte Anweisungen", weigerte sich der Auror.

„Gibt es Probleme?", fragte Friggs, die schnippische Aurorin, die jetzt hinzu stieß.

„Nein, keine Probleme", sagte Remus. „Dora, lauf zu ihm. Bitte, sprich mit ihm. Mach was. Schnell." Er wischte hastig ein paar Tränen der Wut und Verzweiflung weg.

Tonks baute sich vor Friggs auf. „Ich will zu meinem Onkel. Jetzt, bevor ihr einen debilen Idioten aus ihm macht."

Die Dunkelhaarige lächelte überheblich. „Aber natürlich, Aurorin Tonks. Folgen Sie mir."

„Sag ihm, ich finde ihn, egal wo", gab Remus Dora mit auf den Weg.

Er blieb allein zurück. Für einen Moment war er versucht, Drongo anzugreifen. Der dämliche Auror war vermutlich kein Gegner für ihn. Aber wo sollte der Sinn darin liegen? Entweder hatte Lucius den ‚Mortis' bereits genommen, oder Tonks kam rechtzeitig. Doch ob Lucius auf sie hören würde, war mehr als ungewiss. In jedem Fall fiel diese Entscheidung ohne ihn – oder sie war bereits gefallen.

Remus blieb nur, zu warten. Es erschien ihm wie eine Ewigkeit, bis Tonks schnelle, leichte Schritte um die Ecke hallten. Ihr Haarschopf war mausgrau. Über ihr blasses Gesicht liefen Tränen.

Sie fiel Remus um den Hals und schluchzte zum Steinerweichen. Zwischen ihren lauten Schluchzern hörte er immer nur zwei Worte: ‚Zu spät.'

Remus hatte das Gefühl, ein Fremder zu sein in seinem eigenen Kopf, als Tonks mit ihm zurück in den Gerichtssaal lief. Doch er wollte bei Lucius sein, falls es nicht auch dafür bereits zu spät war.

Tatsächlich kamen sie gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie er in den Saal zurückgeführt wurde. Nichts an ihm verriet die Effekte des ‚Mortis'. „Die tödliche Wirkung tritt binnen Minuten ein", hatte Severus gesagt.

Lucius sprach leise mit Solicitor, dieser nickte und ging zu Whiteman, der nach kurzem Zuhören ebenfalls nickte.

Es war still im Saal, doch alle drei Männer hatten geflüstert. Man konnte sie nicht verstehen.

Zwei Auroren legten Lucius jetzt wieder Ketten an, die sich um seine Handgelenke schlangen. Lucius sah zu Remus' Platz und lächelte. Spürte er die Wirkung des ‚Mortis' bereits? Lächelte er in dem Bewusstsein, sein eigenen Weg gewählt zu haben?

Doch Lucius rief als nächstes leise einen Namen.

„Missy!"

Mit einem Krachen durchbrach die Hauselfe die Apparitionssperre des Ministeriums. Sofort richteten sich die Stäbe der Auroren auf sie, und ihre braunen Augen weiteten sich ängstlich.

Auf eine Handbewegung Whitemans hin senkten die meisten Auroren ihre Stäbe jedoch wieder.

„Dies ist mit mir besprochen", rief der Vorsitzende des Gamot.

„Komm her, Missy", sagte Lucius und ging in die Hocke. Auf Augenhöhe begegnete er der Elfe.

„Master Lucius, Sir?", piepste sie.

„Hör mir zu. Draco ist der nächste Herr von Malfoy Manor. Für dich hat er bestenfalls einen Pfahl in der Halle. Ich möchte, dass du das hier nimmst."

Er zog seinen rechten Handschuh aus.

„Das sind …Kleider", sagte sie mit bebender Unterlippe. „Missy war immer eine gute Hauselfe."

„Ja, das warst du. Du warst mehr als eine Dienerin", sagte Lucius. Ihre Unterhaltung war zu leise für das übrige Publikum, doch Remus und Gawain verstanden jedes Wort. „Ich möchte, dass du ein paar schöne Jahre hast, bei jemandem, der dich gut behandelt. Jemandem aus der Familie."

Missy spitzte die großen Fledermausohren.

„Natürlich bist du jetzt formal frei", sagte Lucius. „Aber du kannst diesen Handschuh auch zu Nymphadora Tonks bringen. Sie ist meine Nichte. Sie wird ihn für dich verwahren, bis du ihn eines Tages zurück möchtest – oder auch nicht."

„Oh", sagte die Elfe. „Oh, Master Lucius, Sir."

„Nur noch Lucius", sagte er. „Für ein paar Minuten. Pass gut auf Tonks auf. Sie sitzt dahinten, du wirst sie finden."

Er strich ihr über die grünbraunen Ohren und Missy begann leise zu weinen. Lucius stand auf und nickte seinen Anwälten zu.

„Mr. Malfoy hat seine Angelegenheit geregelt", sagte Lawbender. Seine Stimme klang flach und kraftlos.

„Ich bitte um Ruhe im Gerichtssaal", sagte Whiteman. „Bitte legen Sie Ihre Kameras weg, das Fotografieren ist nicht zulässig. Miss Delaware?"

Eine junge Hexe lief an den Reihen der Reporter entlang und sammelte die Fotoapparate ein.

Bald wurde es sehr still.

Tonks weinte leise und klammerte sich an Remus' Hand. Gawains intakte Hand hatte Remus am Oberarm gepackt. Er wollte ganz offenbar kein Risiko eingehen.

Durch eine der Türen kam eine Gruppe Medimagier. Man band Lucius den rechten Arm ab. Remus war erstaunt, dass sie ihm das Gift, das seine arkanen Zentren zerstören sollte, offenbar injizieren mussten. Eine für Zauberer sehr ungewöhnliche Darreichungsform.

„Man wird Ihnen jetzt ein Arkanotoxin verabreichen", erklärte einer der Medimagier. „Es könnte etwas brennen, aber darüber hinaus werden Sie nichts spüren. Das Gift zerstört die Arkanozyten bildenden Zellen. Für eine Weile werden Ihnen noch geringe magische Fähigkeiten bleiben, diese werden sich jedoch mit jedem Zauber weiter erschöpfen und auch von selbst abbauen. Der Prozess sollte in etwa vier Wochen abgeschlossen sein."

Remus, der jedes Wort verstand, ließ ein deutliches Knurren hören. Lucius hob den Blick zu ihm und schüttelte kaum merklich den Kopf. Die Bitte in seinen Augen war überdeutlich.

‚Lass es. Bring dich nicht auch noch in Gefahr.'

Doch für Remus war die Prozedur kaum zu ertragen. Dort stand Lucius Malfoy, ein begnadeter Magier, ein kluger Kopf, ein genialer Stratege, der in den Reihen der lichten Seite eine Waffe mit ungeahnter Durchschlagskraft hätte sein können. Und sie zerstörten ihn.
Doch viel mehr als das stand dort ein Mensch, der zu Remus gesagt hatte: „Lieber sterbe ich, als das Leben eines Muggel zu führen." Der die Auswirkungen von Glenkill als naturgegeben hinnahm. Magie und Liebe, für Lucius war dies eins, und Gefühle waren nicht weniger wert, weil sie magischen Ursprungs waren. Er war einen so weiten Weg gegangen, von Voldemorts rechter Hand zu einem, der den Dunklen Lord um Monate zurück warf. Dies hier war nicht fair, nicht angemessen.

Magie ist mein Leben", hörte Remus Lucius noch in seinen Gedanken sagen.

Der Medimagier setzte die Spritze mit der schwarzen Flüssigkeit an. Remus wusste, dass man das Gift aus den Darmdrüsen eines hässlichen, schlangenartigen Fisches gewann, der extrem selten war. Lucius zuckte nicht, er wehrte sich nicht, als sie alles zerstörten, wofür er gelebt hatte. Seine Augen hatten einen seltsam abwesenden Blick, so als wäre er tief in Trance versunken.

Es war bereits nach wenigen Augenblicken vorbei. Ein paar Milliliter, mehr bedurfte es nicht. Ein Medimagier mit violetter anstatt weißer Robe trat vor.

„Ich bin Sentensiosus Converter, Spezialist für Gedächtnismodifikationen", sagte er mit angenehm sanfter Stimme, die einen sofort gefangen nahm. „Ich werde jetzt beginnen, Ihre Erinnerungen zu löschen. Ich beginne in der Gegenwart und werde mich in die Vergangenheit vorarbeiten. Ihre kognitiven Fähigkeiten werden unbeeinträchtigt bleiben, zumindest nach dem bisherigen Stand der Forschung. Sehen Sie mich an. Legilimens!"

Von einem Augenblick zum nächsten veränderte sich Lucius' Körperhaltung. Er straffte und spannte sich, und diesmal schien er sich zu wehren. Seine Augen schossen Blitze auf den Legilimenten. Schließlich senkte dieser seinen Stab.

„Ich beginne von vorn. Wenn Sie sich weigern zu kooperieren, könnte ich Hirnareale verletzen, die Sie später noch gebrauchen möchten", erklärte er.

„Genau! Lassen Sie Malfoy ein bisschen Grips für sein schönes, neues Muggelleben!", rief Berkins höhnisch.

Remus spürte den Griff von Gawain fest um seinen Arm. Tonks bohrte ihre Fingernägel in seine Handfläche.

Unterdessen sah ging der Psychomedimagier auf Lucius zu.

„Es ist in Ihrem ureigensten Interesse, mich nicht zu blockieren. Vertrauen Sie mir, Lucius." Etwas in der Stimme des Mannes erinnerte Remus an jemanden, doch er konnte dieses vage Gefühl nicht zuordnen.

Der Zauberer wirkte einen weiteren ‚Legilimens', und diesmal gab Lucius nach. Er wandte seinen Blick von dem Zauberer ab und suchte Remus.

„Warum spricht der Kerl Lucius mit Vornamen an? Und der ‚Mortis' müsste längst wirken", flüsterte Tonks.

Doch Lucius starb nicht – nicht sein Körper zumindest. Die grauen Augen hatten sich in Remus' bernsteinfarbenen Blick versenkt, und Remus konnte die Verbindung fast körperlich spüren. Lucius war konzentriert und gefasst, und plötzlich lächelte er. Remus presste Tonks Hand, und sie stöhnte schmerzerfüllt auf.

Obliviate!" drang die Stimme des Medimagiers immer wieder an Remus' Ohr.

Lucius' Blick ruhte immer noch auf Remus' Gesicht. Doch dann – von einem Moment zum anderen – veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Sein Blick wurde seltsam leer und unbeteiligt, und er löste sich von Remus, um ziellos über die Zuschauer zu wandern.
Remus hatte das Gefühl, sein Herz breche entzwei. Der Schmerz war beinahe körperlich zu spüren. Es war offensichtlich, dass Lucius ihn einfach nicht mehr erkannte. Mit den Erinnerungen und der Magie in Lucius starb auch der Bann von Glenkill, das Ritual würde bedeutungslos werden.

Der Obliviateur wirkte noch weitere Zauber. Zuletzt drang er wieder mit einem „Legilimens" in Lucius' Geist ein, um seine Arbeit zu überprüfen. Nach einer Weile senkte er den Zauberstab und nickte einem der Auroren zu.

Stupor!" rief dieser.

Lucius brach im roten Licht des Zaubers zusammen. Ein weiterer Medimagier untersuchte ihn.

„Es ist vollbracht", verkündete der Legiliment, zum Gericht gewandt. „Alle Erinnerungen, die mit der magischen Welt verbunden sind, wurden zerstört. Ich habe mich bemüht, möglichst viel anderes übrig zu lassen, frühkindliche Gehirnbildungsprozesse und ähnliches. Es war sehr schwierig, da das Leben des Angeklagten von Anfang an mit Magie verwoben war. Nun, wir sind hier fertig."

Ein Gruppe Unsäglicher betrat wie auf Zuruf den Saal. Sie beschworen eine Trage und nahmen Lucius, der immer noch bewusstlos war, mit. Die Tür schloss sich hinter ihnen.

„Oh heiliger Merlin", weinte Tonks. „Das ist das Schrecklichste, was ich je gesehen habe."

Stumm saßen sie dort, Remus, Tonks und Gawain, und beobachteten, wie der Saal sich langsam leerte und die Aufräumarbeiten begannen.

Remus hatte keinen Tränen mehr, er starrte nur wie betäubt auf die Bank der Verteidigung, die jetzt verlassen im Saal stand. Es schien Jahre her, dass er Lucius dort hatte sitzen sehen, dass der Slytherin sich verteidigt hatte, mit Geschick und Eloquenz. Hier hatte er am Ende Bellatrix' ‚Imperius' überwunden und Johari damit gerettet – und letztlich auch Babu. Und doch war es umsonst gewesen. Sie hatten das eine Urteil über ihn verhängt, von dem sie wissen mussten, dass Lucius es nicht ertragen konnte.

„Entschuldigung, ich müsste hier auch saubermachen", sagte eine Hexe, die einen magischen Wischmopp vor sich her schob.

Remus sah sich um. Der Saal war leer. Dora zog ihn hoch und schlang ihren Arm um seine Mitte.

„Lass uns nachhause gehen, Remus", sagte sie. „Wir können hier doch nichts mehr tun."


Fortsetzung folgt