Kerkermond Evolution
Slashig-trashige Fanfiction, in der Remus Mühe hat, ein Pferd zu besteigen, Lucius damit den letzten Nerv raubt und es am Ende zu einem blutigen Zwischenfall kommt.
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A/N: Tja, wer hätte das gedacht? Es geht weiter. Natürlich hatte ich versprochen, dass es nach dem Ausflug zu „Schattennacht" hier weiter gehen würde, aber gebt es zu, Ihr habt gezweifelt. Dabei hatte ich doch angekündigt, dass ich jede begonnene Geschichte auch zu Ende schreiben würde.
37. Reitstunden
Zögernd trat Remus in die Halle, deren Boden dicht mit Sägespänen bestreut war.
„Sind Sie schon einmal geritten?", erkundigte sich Lucius.
„Als Kind, vor Ewigkeiten", antwortete Remus. „Ich entwickelte später jedoch ein Problem mit Pferden." Und die Pferde mit mir, setzte er in Gedanken hinzu.
„Wir beginnen mit den Grundlagen", beruhigte Lucius. „Das hier ist Lulu und sie ist ein Pferd, genauer gesagt, ein Hannoveraner. Pferde sind Fluchttiere, deswegen sprechen wir sie an, bevor wir sie berühren. Kommen Sie ruhig näher, Remus."
Remus näherte sich zögernd der Stute, die jetzt die Nüstern blähte und begann, unruhig hin und her zu treten.
„Brrr, ruhig, Lulu", sagte Lucius leise und tätschelte ihren Hals. „Noch ein paar Schritte, Remus. Keine Angst, sie beißt nicht."
Remus schluckte und schloss dann die Lücke zwischen sich und dem Pferd, sorgfältig darauf bedacht, keine schnellen Bewegungen zu machen. Im nächsten Moment geschah es. Das Auge des Pferdes schien sich zu weiten vor Angst, Lulu stieß ein schrilles Wiehern aus und stieg dann auf die Hinterbeine.
Mit drei Sätzen sprang sie davon, Lucius, der ihre Zügel nicht losgelassen hatte, hinter sich herziehend.
Remus beobachtete nervös, wie Lucius über eine Minute lang alle Hände voll zu tun hatte, das Tier wieder zu beruhigen. Schließlich machte er sie an der Bande fest und kam zu Remus zurück.
„Tut mir sehr Leid", sagte Remus zerknirscht.
„Nein, ist schon in Ordnung, mir tut es Leid", erwiderte Lucius. „Sie haben mir gesagt, dass Sie Angst vor Pferden haben, und ich habe es unterschätzt. Das ist mein Fehler. Offensichtlich überträgt sich Ihre Angst auf Lulu. Kommen Sie, wir versuchen es noch mal."
Der zweite Versuch war ein ebensolches Desaster wie der erste. Die panische Lulu stieg und brach aus, wenn Remus nur auf sie zuging.
Für einen Augenblick sah Lucius völlig ratlos aus.
„So etwas ist mir noch passiert", sagte er zu Remus. „Normalerweise ist sie ein wirklich braves Pferd. Alle Anfänger starten mit Lulu. Bitte warten Sie hier. Ich werde ein anderes Pferd holen und satteln."
Remus sah Lucius nach, wie er Lulu davon führte, und er fühlte sich ziemlich verloren allein in der Halle. ‚Werwolf', dachte er. ‚Ich bin ein verdammter Werwolf, und das blockiert mir den einzigen Zugang, den ich zu dir bekommen kann, Lucius.'
Kurze Zeit später war Lucius wieder da, in seinem Schlepptau einen träge wirkenden Falben.
„Das ist Mr. Walker, und so ungefähr das lammfrommste Pferd in ganz Irland. Wollen wir es noch einmal versuchen?"
Remus war diesmal noch vorsichtiger, doch es war warm und die Ereignisse um Lulu hatten nicht gerade dazu beigetragen, dass er sich sicherer fühlte. Er hatte geschwitzt und er wusste genau, was diese Ausdünstungen einem Fluchttier, wie Lucius es so treffend formuliert hatte, sagten: „Renn weg, oder du bist Futter."
Mr. Walker mochte das Temperament eines Dreizehenfaultiers haben, aber auch er besaß Instinkte. In seiner halsbrecherischen Flucht drückte er Lucius an die Bande. Es sah gefährlich aus, und es war vermutlich auch gefährlich. Remus lief auf ihn zu, eine Aktion, die das Tier zur hektischen Flucht bewegte. Remus zog Lucius vom Boden hoch, dessen Kleider mit Sägespänen bedeckt waren.
„Bist du verletzt?" Er konnte gerade noch verhindern, dass er ‚Lucius' hinzusetzt.
Die grauen Augen musterten ihm für einen Augenblick, als wolle Lucius in Remus Gedanken lesen.
„Nein", sagte er schließlich. „Vielleicht ein paar blaue Flecken." Er rappelte sich auf. „Hören Sie, Remus, das tut mir wirklich außerordentlich Leid. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Keine Sorge, wir werden Sie schon noch aufs Pferd bringen." Er ging langsam auf den panischen Mr. Walker zu.
„Ich weiß nur noch nicht, wie", hörte Remus mit seinem feinen Gehör Lucius murmeln.
Schließlich gelang es ihm, den Wallach wieder einzufangen und aus der Halle zu führen, wobei das Tier laut wiehernd einen Riesenbogen um Remus machte.
Remus hörte die Huftritte aus dem Stallgang, dann Stimmen.
„Louis, wie siehst du denn aus?" Eine Frau lachte. „Bist du etwa vom Pferd gefallen? Von Mr. Walker?"
„Hi, Daktari. Dich schickt der Himmel. Die Pferde spielen alle verrückt heute und ich habe einen Kunden, der solche Angst hat, dass sie sich auf die Tiere überträgt. So extrem habe ich das noch nie gesehen."
„Mr. Walker wirkt tatsächlich ganz schön nervös", gab sie zurück. „Was du brauchst ist absolutes Vertrauen. Soll ich dir Walkie hier abnehmen? Dann kannst du dich um deinen Schüler kümmern."
„Danke", antwortete Lucius.
Der Hufschlag verklang.
Kurze Zeit später erchien Lucius wieder an der Halle und führte einen tänzelnden Grauschimmel am Zügel. Remus starrte auf das prächtige Tier, dem man die arabische Abstammung ebenso ansah wie das feurige Temperament.
„Kommen Sie mit nach draußen, bitte", sagte Lucius. Remus konnte sehen, wie der Stress feine Linien um seine grauen Augen zeichnete. Natürlich, dies war ein Job, Lucius war jemand, der nichts so sehr verabscheute wie mangelnde Professionalität und er hatte sich als Reitlehrer gerade blamiert.
„Sind Sie sicher, dass dies das richtige Pferd für mich ist?", fragte Remus etwas unsicher angesichts des schnaubenden Hengstes.
„Es ist mein Pferd", erwiderte Lucius. „Dies ist Ventus, und ich denke, er wird Sie tragen."
Lucius öffnete das Tor zu einer Koppel und sie traten hindurch. Ventus schnaubte, tänzelte und knabberte an Lucius' Zopf. Der blonde Mann führte ihn bis in die Mitte der Koppel.
„Versuchen Sie, mir zu vertrauen, Remus, und dem Pferd auch. Hier ist viel Platz. Sie können einander ausweichen, doch das wird nicht notwendig sein."
Er stand am Kopf des Pferdes und streichelte es. Das Tier hatte die Nüstern gegen seine Stirn gelegt und stand jetzt ganz still.
„Kommen Sie langsam näher, Remus. Keine Angst."
Remus ging schrittweise auf die beiden zu, während Lucius leise Worte zu dem Pferd murmelte und es kraulte. Seine Stimme war unendlich sanft. Der Hengst stand still, und Remus vermutete stark, das dies auch daran lag, dass der Wind vom Meer wehrte und damit Remus' Geruch weg von dem Pferd trieb. Schließlich stand er so nah, dass nur noch Lucius zwischen ihm und dem Tier war.
„Geben Sie mir Ihre Hand, Remus." Lucius streckte die seine aus.
Remus legte seine Hand in die von Lucius, und sofort begann er die Bindung zu spüren, die Magie. Sie zog ihn wie ein Strudel zu Lucius heran, und Remus brauchte alle Beherrschung, um Lucius nicht mit der freien Hand zu berühren. Dann fühlte er plötzlich etwas Weiches unter seinen Fingern, haarig und warm. Er berührte die Nase des Pferdes, er hörte Schnauben und spürte das Zittern des Tieres, als es seine Witterung aufnahm, doch da war auch Lucius' Stimme, sanft und warm, ein unablässiges Murmeln von Koseworten und Zärtlichkeiten.
Remus konnte sich an keine Situation erinnern, die intimer war, sah man von einem Liebesakt ab, als diese hier. Vogelgezwitscher drang an seine Ohren, er hörte das Meer in der Ferne leise rauschen, und er stand mittlerweile zwischen Lucius und seinem Hengst, die Hand des ehemaligen Slytherins auf der seinen.
„Berühren Sie seinen Hals, mit beiden Händen. Gehen Sie links langsam in Richtung der Brust. Sie spüren jetzt, dass Sie keine Angst mehr haben müssen, Remus. Bleiben Sie ganz dicht am Tierkörper, halten Sie Kontakt. Ich folge Ihnen, sobald es möglich ist."
Nach einer halben Stunde schließlich stand Ventus ruhig und Lucius war neben Remus. „Er ist nicht gesattelt, trauen sie sich trotzdem zu, sich hinauf zu setzen?", fragte Lucius.
Remus nickte.
„Gut. Legen Sie die Hände auf den Widerrist, linker Stiefel in meine Hand und dann stoßen Sie sich mit Schwung vom Boden ab und gehen mit dem rechten Bein über die Kruppe hoch."
Es gelang. Remus lag mehr auf dem Pferderücken als er saß, doch er war oben. Lucius glitt am Hals des Hengstes entlang zu seinem Kopf und redete unablässig mit dem Tier.
Dann nahm er die Zügel nach vorne.
„Setzen Sie sich gerade. Gut so. Ein Pferd wird sich immer dorthin bewegen, wohin sein Reiter es treibt. Ihr Becken, ihre Beine, ihr Körpergewicht sind die Stimme, mit der Sie zu ihm sprechen, Ihre Kommunikationsmittel. Wenn Sie ihr Körpergewicht nach hinten verlagern, wird er nach vorne gehen, wenn Sie sich vorbeugen, wird er halten. Kleine Bewegungen sind völlig ausreichend. Wir reiten das Pferd nicht über den Hals, Remus. Der Hals dient als Achse für das Tier. Ihre Hände und Arme haben nichts mit dem Reiten zu tun, für den Anfang. Versuchen wir's."
Ventus machte ein paar Schritte. Remus gewöhnte sich schnell an das schaukelnde Gefühl, er spürte, wie sich die langen, mächtigen Muskeln unter ihm bewegten und passte sich an. Es war ein bisschen, als würde er den Wolf lenken. Bewegung, Rhythmus, Kraftausgleich. Es ging von selbst, fast wie Magie, als würden arkane Ströme plötzlich ihn und das riesige Geschöpf verbinden.
Es war eine unbestimmte Zeitspanne, nach der er Lucius rufen hörte. Der Ruf kam nicht aus der unmittelbaren Nähe. Remus blickte auf, und er sah Lucius in der Mitte der Koppel stehen, etwa fünfzig Meter entfernt.
„Zurück zu ihm", murmelte Remus leise und verlagerte seine Mitte, nur um ein wenig. Freudig schnaubend schritt Ventus in Richtung seines Herrn, der ihm mit einem Strahlen in den grauen Augen in Empfang nahm.
„Große Klasse, alle beide", lobte Lucius und zog ein klumpiges Gebilde aus der Tasche, das Ventus krachend zerkaute.
„Absitzen?", fragte Remus.
„Für heute", erwiderte Lucius. „Sie sind begabt – wenn Sie erst mal oben sind."
Remus ließ sich von Ventus herunter gleiten und ging neben Lucius her, der den Hengst am Zügel führte. Es herrschte eine stille Harmonie, Lucius wirkte unendlich erleichtert, jetzt, wo er einen Schlüssel gefunden hatte, mit dem er Remus zumindest auf ein Pferd bekam.
„Das Büro ist dort drüben", erklärte Lucius und riss Remus damit aus seinen Gedanken. „Wir sehen uns dann morgen Nachmittag. Kommen Sie um drei nach dem Kurs."
„Gerne", sagte Remus. „Ich freue mich."
Er sah Lucius nach, der mit dem Pferd in Richtung des Stalles verschwand und sich nicht einmal mehr umsah. Remus fragte sich, was heute noch auf Lucius' Terminplan stand, was er überhaupt die letzten zwölf Monate getan hatte. Wie mochte der Slytherin hierher gekommen sein?
Über Lucius' Vergangenheit in der Muggelwelt erfuhr Remus wenig in den nächsten Tagen, doch über sein aktuelles Leben wusste er schnell bescheid. Es war angefüllt mit Arbeit, und vor allem die Stunden mit Kindern schienen Lucius Freude zu bereiten. Die Reitschülerinnen vergötterten ihren attraktiven Reitlehrer, und neben den Teenagern sah Remus auch etliche ältere Frauen erstaunlich zurecht gemacht in den Stallgassen und im angeschlossenen Hofcafe. Lucius war stets charmant, er flirtete mit den älteren Schülerinnen, aber er wahrte immer eine gewisse Distanz.
Außerdem war er nicht Zentrum der Aktivitäten hier. Es gab drei weitere Reitlehrer, einen Mann und zwei Frauen, und insbesondere Phillip, ein dunkelhaariger, eleganter Typ Anfang dreißig, war ein noch größerer Anziehungspunkt als Lucius für die zumeist weibliche Kundschaft.
Die Reitstunden entwickelten sich für Remus zum absoluten Highlight eines jeden Tages. Selbst mit Ventus, der Lucius vertraute und Remus bald kannte, war der Anfang jedes Mal wieder schwierig. Doch sobald sie diese Hürde genommen hatten, ging es leichter. Remus lernte schnell, der intensive Unterricht trug ein Übriges dazu bei. Nach zehn Tagen hatte Lucius Lulu soweit, dass sie draußen, wo sie jederzeit flüchten konnte, es duldete, von ihm neben Ventus geritten zu werden, solange Remus auf dem Hengst saß.
„Ich habe noch nie jemandem im Freien reiten beibringen müssen, weil die Pferde in der Halle so konstant verrückt spielen", beteuerte Lucius. „Aber wie dem auch sei, Sie sind richtig gut, Remus. Ich denke, wir können morgen einen ersten Ausflug ins Gelände wagen. Trauen Sie sich das zu?"
„Solange ich nicht Mr. Walker reiten muss", scherzte Remus.
„Kaum", erwiderte Lucius. „Wir machen lieber dort weiter, wo wir erfolgreich arbeiten können. Wäre es möglich, dass wir morgen die Stunde auf fünf Uhr verlegen? Ich müsste eine Kundin einschieben, die später keine Zeit hat."
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Als Remus am nächsten Tag gegen fünf an der Koppel erschien, war von Lucius, Ventus und Lulu keine Spur zu sehen. Remus wartete einen Moment, dann ging er in Richtung Stall. Er betrat die Boxengasse durch den kleinen Seiteneingang, der durch die Sattelkammer führt. Es war leer, ungewöhnlich für diese Uhrzeit.
Dann hörte er plötzlich Stimmen und ein unterdrücktes Stöhnen.
„Verdammt, Lou, fester. Komm schon." Eine Frauenstimme. Sie war außer Atem und klang gepresst.
Wieder ein Stöhnen, diesmal tiefer, männlicher, und diesmal war Remus sicher, das war Lucius. Ihm wurde heiß und kalt. Die Geräusche kamen aus der großen Box am Ende des Ganges. Seit er Lucius hier das erste Mal gesehen hatte, sein Flirten mit June und den Schülerinnen, hatte er sich vor diesem Moment gefürchtet.
„Lou, bitte! Ja, Gut, besser!"
Wie naiv ist er gewesen, dachte Remus, zu glauben, Lucius würde sich nicht neu orientieren. Er wußte, er sollte jetzt besser gehen, aber irgendetwas zog ihn magisch zu der Box, aus der das Stöhnen kam, das jetzt eine fast tierische Qualität annahm. Remus wollte es nicht sehen, doch er musste – vielleicht würde der Anblick ihm helfen, die zweifellos notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
„Gott! Ja, jetzt. Noch einmal!" Die Frau hörte sich an, als wäre es ein Kommando.
„Ich bekomme die Hand nicht drunter", hörte er jetzt Lucius. „Ich weiß nicht, ob ich es noch länger halten kann." Lucius war völlig außer Atem, seine Worte kamen abgehackt, keuchend.
„Nur noch einmal. Etwas tiefer und dann ziehen. Ja! Das ist es! Lou, es kommt!" Unbändige Freude in der Stimme der Frau. Dann erklang ein lautes Wiehern.
Remus taumelte an den Boxenrand. Im Stroh lag ein Pferd, Lucius und eine blonde, zierliche Frau knieten dahinter. Quer vor Lucius lag etwas Braunes, Blutiges, Glitschiges im Stroh. Lucius begann, das Fohlen abzureiben, während die Fremde mit einem Arm tief hinten in dem Muttertier steckte, das schnell und flach atmete.
„Ich brauche eine Kanüle", sagte die Frau. „Und Wasser."
„Kann ich helfen?" fragte Remus. Er glaubte, die Erleichterung müsse überdeutlich in seiner Stimme mitschwingen. Ihm war schwindelig vor Glück. All das Keuchen, Stöhnen, die Rufe nach Lucius…nur eine Pferdegeburt!
Lucius blickte auf. Er war schweißüberströmt und seine Kleider waren blutig und voller Stroh. Skurriler Weise hätte Remus geschworen, dass der Slytherin nie schöner ausgesehen hatte als in diesem Augenblick. „Hallo Remus. Ja, kannst du vor vorne einen Eimer holen? Warmes Wasser, bitte."
Mit weichen Knien lief Remus, um das Gewünschte zu holen. Merlin, was er für ziemlich wilden, ungezügelten Sex gehalten hat, war die Geburt eines Fohlens.
Er brachte, unendlich erleichtert, das Wasser und reicht es Lucius in die Box. Er und die Frau versorgten die Tiere: Wasser, Untersuchungen, Spritzen. Die beiden schienen sich fast blind zu verstehen.
„Tut mir Leid wegen unseres Termins", sagte Lucius. „Rihanna sollte eigentlich erst in zwei Wochen Mutter werden. Das war eine knappe Sache."
„Ist ja gut gegangen", sagte die Frau und küsste ihn auf die Wange. „Du warst toll, Louis."
„Das sagt die Frauen mir immer hinterher", grinste er und legte einen Arm um sie. Sie war noch blutverschmierter als er und schälte sich jetzt aus einem grünen Kittel.
„Arroganter Idiot", sagte sie lachend.
„Und das sagen sie auch alle", konterte er. Dann fiel sein Blick auf Remus.
„Entschuldigen Sie." Er zog seinen Pullover aus. Das ärmellose T-Shirt, das er darunter trug, gab den Blick auf kräftige Oberarme frei, und Remus biss sich auf die Lippen. Lucius machte es ihm nicht eben leicht. „Das hier ist übrigens unser Naturtalent, Remus Lupin", stellte Lucius ihn der Frau vor. „Er reitet super für einen Anfänger, sobald er mal auf einem Pferd sitzt. Und diese ‚bloody lady' hier ist Daktari, unser Tierarzt."
Remus hatte erst jetzt Gelegenheit, die Frau näher zu betrachten. Er hatte Narcissa Malfoy nur einmal gesehen, am Gleis 9 ¾, aber diese Frau hier ähnelte ihr auf die merkwürdigste Weise, die er sich vorstellen konnte. Sie sah aus, als habe jemand versucht, Narcissa zu malen, der diese Kunst nicht richtig beherrschte: War die Todesserin groß und schlank, so war Daktari klein und zierlich. Waren Narcissas Haare von einem strahlenden Blond, wirkten die der Tierärztin verwaschen und matt. Anstelle der eisblauen Augen des Originals waren die der Kopie von einem rauchigen Dunkelblau. Auch an ein paar anderen Stellen hatte sich der Zeichner vertan. Er hatte Daktari ein echtes Lächeln geschenkt.
„Hi", sagte sie und reichte Remus eine blut- und hoffentlich nur damit verschmierte Hand. „Freut mich, Remus. Eigentlich könnten Sie mal zur großen Tür gehen und das Schild abnehmen. Die anderen sind sicher schon sehr gespannt auf den Nachwuchs."
Remus tat, wie ihm geheißen. All die Schüler und Kinder, die er vermisst hatte in der Stille des Stalles standen schnatternd und schwatzend vor der Tür. Er sah ein handgeschriebenes Schild, es war Lucius' elegante Handschrift: „Geburt. Bitte nicht stören."
„Und? Was ist es?", fragte ein Mädchen aufgeregt.
„Ein Pferd", erwiderte Remus. „Es ist ein Pferd. Ein sehr kleines."
Brüllendes Gelächter. „Seid ein bisschen leise, ja?", sagte Lucius hinter ihm, der eben zum Tor gekommen war.
Die Mädchen legten Finger auf die Lippen und huschten auf Zehenspitzen in den Stall.
„Ich gehe eben duschen und komme dann zur Koppel", sagte Lucius. „Haben Sie heute Abend schon etwas vor?"
„Nicht wirklich, nein", antwortete Remus.
„Gut, dann müssen wir ja nicht hetzen", erwiderte Lucius und verschwand im Laufschritt zwischen den Stallungen.
Remus wusste, dass er eines der Cottages am nahen Waldrand bewohnte. Genau genommen war er bereits einmal dort gewesen und hatte sich unerlaubt Zutritt verschafft. Mit einem Zauberstab kein Problem. Es war wenig, das Lucius besaß. Das Cottage war vermutlich möbliert, ihm gehörten nur die Kleider im Schrank und die Bücher in den Regalen. Ein paar Bücher über Pferde und Reitkunst und jede Menge Studienmaterial über Wirtschaftsmanagement. Ganz offensichtlich hatte auch Louis van Bergen Ambitionen.
Fortsetzung folgt
