Kerkermond Evolution

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Fanfiction von Lady of the Dungeon


Slashig-trashige Fanfiction, in der ein gewisser schwarzhaariger Zauberer denkbar unerwünscht auftaucht und sich dunkle Wolken am Horizont abzeichnen – fragt sich nur, für wen…

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Danke an Moonlight, Silbergold, Jenn T, Glupit, Lufa, Lola, Nicole, Reditus Mortis und Sally S. für Eure lieben Reviews! Mit so viel Feedback macht Schreiben richtig Freude.

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Musik: Nightwish „Amaranth"


40. Tränkemeisterliche Diplomatie

„Du siehst gehetzt aus, Remus", sagte Daktari nach einem Blick auf sein Gesicht, als sie sich eines Abends vor Louis' Cottage auf ein Glas Wein trafen. „Was geht da vor, in dieser anderen Welt, von der uns am liebsten gar nichts mehr erzählen würdest? Du bist schweigsam geworden."

Remus sah sich um, aber sein Freund war noch unter der Dusche. Morgen wollten sie losfahren, das Wohnmobil für den Kurzurlaub war bereits gepackt. „In meiner Welt herrscht Krieg", sagte er schließlich. „Eigentlich dürfte ich dir das gar nicht erzählen. Und gar nicht hier sein."

„Diese Feststellung ist allerdings zutreffend."

Die kühle Stimme aus der Dämmerung ließ Remus aufspringen. Ein dunkelhaariger Mann in langen, samtschweren Roben trat langsam aus den Schatten der Büsche in den Schein des kleinen Lagerfeuers. Natürlich hatte Remus ihn sofort erkannt, doch was wollte der Tränkemeister hier? Severus war wie aus dem Nichts erschienen, eine schwarz verhüllte Gestalt aus dem Albtraum, der Remus' anderes Leben bestimmte.

„Cooler Auftritt", hörte er Daktari anerkennend sagen. „Sind Sie einer von den Bösen?"

Severus gab ein indigniertes Schnauben von sich, und Remus gewann langsam seine Fassung zurück.

„Darf ich vorstellen, Severus Snape, Zauberer und Spezialist für magische Tränke. Severus, das ist Daktari, unsere Heilerin."

„Dann nehme ich an, doch einer von den Guten?", fragte sie nach, und Remus nickte.

„Hi, Severus", sagte sie, ergriff burschikos seine Hand und schüttelte sie.

Der Tränkemeister sah aus, als habe er in ein Stück Seife gebissen. Er wandte sich Remus zu.

„Deine Anwesenheit im Hauptquartier ist erforderlich. Es gab einen größeren Angriff."

In diesem Augenblick trat Louis aus der Tür. Severus' Blick flackerte nur für einen Moment über die schlanke Gestalt mit dem blonden Haar.

„Lucius", sagte er und deutete eine Verbeugung an. „Schön, dich wohlauf zu sehen."

Louis runzelte die Stirn. „Ich nehme an, wir kennen uns?"

„Allerdings. Wir sind zusammen zur Schule gegangen. Du hast mich dem Dunklen Lord vorgestellt, ich war dein Trauzeuge und bin der Pate deines Sohnes."

Remus hielt die Luft an. Natürlich hatte er Louis erzählt, wer er gewesen war. Doch seit der Entscheidung seines Freundes, die frühere Identität ruhen zu lassen, hatten sie nicht mehr viel darüber gesprochen. Und ein Detail hatte Remus geflissentlich unterschlagen – das einzige, das Louis' unweigerlich zurück in die Welt der Zauberer gezogen hätte: das Wissen um seinen Sohn, um Draco.

Louis stand wie vom Donner gerührt. „Pate…meines Sohnes?" Sein Blick huschte für Sekundenbruchteile zu Remus.

Dieser schlug in einer hilflosen Geste die Hände vors Gesicht. Er hatte es Louis sagen wollen, doch zuerst sollte ihre Beziehung gefestigt sein, und dann kam nie der rechte Augenblick… Dieser hier war definitiv verkehrt, so viel stand fest. Doch Louis fing sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit. „Wir reden später darüber", zischte er Remus zu, und der eisige Blick aus grauen Augen, der Remus traf, erinnerte fatal an Lucius Malfoy vor dem Ritual von Glenkill und er verhieß nichts Gutes.

„Severus, nehme ich an", sagte Louis beherrscht, und Remus hatte das unbestimmte Gefühl, dass sich noch etwas an Louis' – Lucius' –veränderte. Seine Haltung hatte plötzlich etwas Formelles. Er reicht dem Tränkemeister die Hand.

„Das war nicht eben diplomatisch, Severus", knurrte Remus leise.

„Ich nehme an, Diplomatie gehört nicht zu Mr. Snapes Stärken", flüsterte Daktari ihm zu.

„Und wie recht du hast", entgegnete Remus bitter. „Severus, was genau willst du?"

„Dumbledore erwartet dich in einer Stunde im Hauptquartier", verkündete Severus düster.

„Und es geht nicht nur um dich." Mit einem finsteren Ausdruck im Gesicht, aber auch einem gewissen Bedauern in der Stimme, sagte er zu Lucius: „Ich muss auch dich bitten, zurückzukehren. Deine Fähigkeiten werden im Kampf gegen den Dunklen Lord gebraucht."

„Nein", widersprach Remus sofort. „Nein, das könnt ihr nicht machen."

„Es ist Dumbledores Wunsch", erklärte Severus lapidar.

„Wenn mich nicht alles täuscht, sind meine ‚Fähigkeiten' nicht mehr vorhanden. Oder benötigt eure Zauberer-S.W.A.T. einen Reitlehrer?", fragte Lucius sarkastisch.

„Die Details erfährst du zu einem späteren Zeitpunkt", erwiderte Severus kühl. „Du hast eine Woche Zeit, um deine Angelegenheiten hier zu regeln."

„Wie großzügig. Zudem mit dem charmanten Vokabular einer Himmelfahrtsmission dekoriert", entfuhr es Daktari zynisch und laut genug, dass Snape sie hörte.

„Wer ist diese Frau?", fragte er indigniert.

„Meine Freundin", knurrte Louis.

„Severus, das kann nicht euer Ernst sein?", rief Remus, wütend und fassungslos zugleich.

„Er sieht ziemlich entschieden aus", murmelte Daktari.

„Ich nehme an, ein höfliches ‚Nein' ist keine Option?", erkundigte sich Louis, und sein Lächeln erinnerte frappierend an den alten Lucius Malfoy.

„Unter gar keinen Umständen wirst du gehen", sagte Remus düster. „Dieser Krieg ist nicht mehr der deine, Lou. Und wenn ich dich eigenhändig von hier fortschaffe."

„Du wirst keine Wahl haben, Lupin", zischte der Tränkemeister ihn an, der plötzlich ganz dicht vor ihm stand. „Und Lucius auch nicht."

„Das entscheidest du nicht!", brüllte Remus ihn an.

„Oh doch", erwiderte der Tränkemeister. „Ich fordere deine Schuld ein."

Er zog seinen Stab, führte ihn an seinem Gesicht entlang und murmelte eine Formel. Remus starrte auf das sich verändernde Gesicht des Tränkemeisters: Es waren dieselben Augen, in die er vor ein paar Monaten geblickt hatte, und er fragte sich, wie - bei Merlin! - er Severus nicht hatte erkennen können: In der Maske des Legilimenten Sentensiosus Converter. Remus trat einen Schritt zurück. Er hatte keine Wahl. Sein Versprechen band ihn.

„Du bist Converter? Du warst im Gerichtssaal? Verflucht, Du hast alle seine Erinnerungen gelöscht?", schrie er Severus an. Seine Hände zitterten vor Wut und er spürte das tiefe Knurren des Wolfes tief in sich drin.

„Sei dankbar", sagte Severus, und seine schwarzen Augen waren eiskalter Obsidian, ebenso wie seine Stimme. „Ich habe seine Erinnerungen nicht gelöscht, sondern nur tief in seinem Unterbewusstsein verborgen. Und ich kann sie reaktivieren. Wir brauchen Lucius!"

Remus wusste nicht, was er sagen sollte. Wenn Lucius sich an alles – alles – erinnerte, dann auch an Glenkill. Denn auch das hatte Remus ihm verschwiegen. Dass ihre Beziehung aus einer Notlage und Zwang heraus entstanden war. Remus, der nicht wusste, ob es noch der Glenkill-Zauber war, der Lucius an ihn band oder ob es etwas Neues war, etwas, dass hier auf Summertime Farm zwischen Reitstunden und Gesprächen und mittlerweile in vielen Nächten entstanden war, hatte Angst. Angst, Lucius zu verlieren, sei es im Kampf gegen Voldemort und seine Anhänger oder auch nur, dass am Ende nur Lucius Malfoy von Louis van Bergen bliebe, und zwar der, der er vor Glenkill war.

Doch egal, was Remus jetzt dachte, befürchtete und fühlte: Severus hatte recht. Er hatte keine Wahl.

„Tut mir Leid, wegen heute Abend. Aber wie es aussieht, muss ich noch…arbeiten, " sagte er bedauernd zu Louis. Dann wandte er sich Severus zu. „Wie lange werde ich fort sein?"

„Soweit ich Dumbledore und Gawain richtig verstanden habe, gibt es für dich keine Möglichkeit, hierher zurückzukehren. Nicht mehr vor der Entscheidung, meine ich." Snape starrte ihn aus dunklen Augen an.

Remus starrte gereizt zurück. „Wie, dachtest du, wird Lucius in seine Aufgaben eingeweiht? Und von wem?"

„Ich werde mich persönlich darum kümmern", entgegnete Severus kühl. „Eine Zeitspanne von drei Tagen sollte bei intensiver Arbeit ausreichen."

„Also schön", sagte Lucius, bevor Remus widersprechen konnte. „Mir soll es recht sein. Aber ich werde den Ort dieser ‚Einweisung' bestimmen."

Severus zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Ich habe meiner Freundin versprochen, sie auf ein Konzert zu begleiten." Ein maliziöses Lächeln huschte über Lucius' Gesicht. „Im Rahmen dieser Veranstaltung bin ich gerne bereit, Ihnen zuzuhören. Allerdings knüpfe ich eine weitere Bedingung an meine Unterstützung Ihres Vorhabens."

„Bedingung?", schnaubte Severus empört. „Gerade du bist in keiner Position, Bedingungen zu formulieren, Lucius!"

„Oh, das denke ich doch", erwiderte Lucius mit souveräner Ruhe. „Wenn Sie einen Mann, der über keine magischen Fähigkeiten mehr verfügt, bei einer Aktion dabei haben wollen, die auf Zauberei beruht, müssen Sie einen triftigen Grund besitzen. Ganz offensichtlich besitze ich eine unverzichtbare Gabe, derer Sie bedürfen. Das bedeutet, ich habe durchaus eine Wahl. Und ich werde Ihnen nur dann zur Verfügung stehen, wenn ich meine Verpflichtungen Daktari gegenüber erfüllen kann. Also: Wir fahren wie besprochen in den Urlaub, Sie begleiten uns an Remus' Stelle und dort werden Sie sich jedes albernen Zauberstabgefuchtels enthalten."

„Albernes Zauberstabgefuchtel?" Severus sah aus, als würde er gleich explodieren. Sein Gesicht war blass um die große Nase und seine Lippen bildeten einen schmalen Strich.

„Musik, und zwar magiefrei, nur dann werde ich Ihnen zuhören", bestimmte Lucius. „Ansonsten bekämpfen Sie diesen irren Darth Vader-Verschnitt ohne mich."

Remus musste trotz der absurden, bedrohlichen Situation ein Grinsen unterdrücken. Zudem war er gerührt von Louis. Inzwischen wusste Remus, wie viel es Daktari bedeutete, zu diesem Festival zu fahren. Jedes Jahr war sie dort mit ihrem Mann gewesen, der vor nicht ganz zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Seitdem kümmerte sie sich allein um die einst gemeinsame Praxis, und auch wenn sie nie über Gefühle sprach, war ihm klar, dass sie eine Maske aus Frohsinn trug, die viel der Wahrheit verbarg. Für Louis war es Ehrensache, sie zu begleiten.
Dass Louis alias Lucius seinen alten Freund Severus gleich bei der ersten Begegnung nach mehr als einem Jahr erpresste, setzte der Absurdität die Krone auf.

„Um was für ein Konzert handelt es sich?", zischte Severus, immer noch aufgebracht.

„Och, nur ein paar finnische Violinisten und ihre Freunde", beschwichtigte Lucius. Es schien, als ahnte er, dass die Wahrheit Snape bei vielleicht doch zu erheblichem Widerstand führen würde.

„Wenn es denn unumgänglich ist", fauchte Severus. „Ich werde Lupin ins Hauptquartier bringen und treffe dich morgen Abend um sieben…"

„Um sechs, morgen früh", korrigierte ihn Lucius. „Wir haben eine längere Anreise vor uns. Magiefrei, Sie erinnern sich?" Sehr viel erinnerte in diesem Augenblick an den ‚alten' Lucius Malfoy.

Auch Severus schien diese Assoziation anzuwehen. Als er sich Remus zuwandte, konnte dieser leicht erkennen, wie wütend der Slytherin war. „Wir disapparieren. Jetzt." Er packte Remus am Arm. „Lupin. Du hast keine Wahl. Der Orden braucht dich heute Nacht."

Remus macht sich los und stand vor Lucius, in dessen Augen er Besorgnis und Verwirrung erkennen konnte. „Ich muss gehen", sagte er heiser und legte für einen Augenblick seine Stirn an die seines Geliebten.

Lucius strich ihm durch Haar und küsste ihn. „Wir haben noch viel zu besprechen, mein Freund."

„Wie sehr ich wünschte, einige Wahrheiten nicht so lange aufgeschoben zu haben", bekannte Remus mit weichen Knien. Sein schlechtes Gewissen und die Angst, den Geliebten zu verlieren, marterten ihn. „Gäbe Merlin, wir hätten zumindest eine Stunde, damit ich dir erklären könnte…"

„Psst", machte Louis und legte einen Finger auf Remus' Lippen. „Später. Diese Stunde wird kommen. Jetzt versprich mir, dass du vorsichtig sein wirst. Ich…wie es aussieht, komme ich wohl bald nach. Wohin auch immer."

„Alle Götter", rief Remus und schloss die Augen. Er spürte Severus' Hand auf seinem Oberarm und ließ sich mit in die Apparition reißen.


Fortsetzung folgt