1. Kapitel: Die Zeitreise beginnt
Mit höllischen Kopfschmerzen kam Harry wieder zu Besinnung. Er musste den
ganzen Tag ohnmächtig gewesen sein, denn durch die zugenagelten Fenster
drang kein einziger Lichtstrahl. Ein schmerzliches Stöhnen an seiner Seite
verkündete, dass auch Ron wieder aufwachte.
"Ron? Alles Ok?", stieß Harry hervor.
"Mir ging es schon besser...", murmelte Ron. "ich muss mit den Kopf
irgendwo gegen geknallt sein..."
"Nicht nur du..." Nun hatte auch Hermine hatte ihr Bewusstsein wieder
erlangt. "Mach doch mal einer Licht! Es ist ja stockdunkel hier...",
grummelte sie.
Mit noch leicht zittrigen Fingern fischte Harry seinen Zauberstab unter
seinem Umhang hervor; Lumos erhellte das Zimmer ein wenig. Jetzt konnte
Harry feststellen, dass Ron zusammengesunken auf den Bett hockte (genau wie
letztes Jahr, schoss es Harry durch den Kopf) und Hermine sich neben der
Tür zusammengekauert hatte und Hedwig den Kopf streichelte. Harry stand auf
und wollte zu Ron gehen, als auf einmal...
"Ah! Ron! Wie siehst du... du bist..."
Auch Ron kriegte einen riesigen Schreck, als er Harrys Gesicht im Schein
des Zauberstabes erkennen konnte. Mit weit aufgerissenen Mündern starrten
sich die beiden an. Hermine hob müde den Kopf, um sehen zu können, was ihre
beiden Freunde so erschreckt hatte.
"Ihr seht genauso aus, wie ihr mit elf Jahren ausgesehen habt,"
entschlüpfte es ihr.
"Nicht nur wir," gab Harry schlecht gelaunt zurück. "Dieses dämliche Teil
hat uns schrumpfen lassen." Wütend holte er aus, um das Gerät an die Wand
zu schmeißen, aber Hermine griff nach seinem Arm und hielt ihn davon ab.
"Nicht, Harry! Wenn es uns hat schrumpfen lassen, dann kann es uns auch
wieder groß machen. Am Besten gehen wir direkt zu Professor Dumbledore. Der
weiß bestimmt, wie wir es rückgängig machen können."
"Hermine hat Recht!," sagte Ron, " Aber wir sollten besser den Tarnumhang
benutzen, bevor uns Snape noch erwischt. Weiß eigentlich einer, wie spät es
ist?"
Er stand auf und ging Richtung Tür.
"Meine Uhr ist doch kaputt, weißt du nicht mehr?," brummte Harry grimmig.
"Meine ist anscheinend auch hinüber ..." Hermine klopfte auf ihr
Ziffernblatt - die Zeiger bewegten sich jedoch kein Stück.
Müde stapften die drei durch den unterirdischen Gang zurück ins Schloss.
Auf dem Weg über die Wiese blieb Hermine plötzlich stehen.
"Was ist denn los?," maulte Ron.
"Irgendwas ist hier anders," sagte Hermine misstrauisch.
"Ja! Es ist dunkel und wir waren, was weiß ich wie viele Stunden
bewusstlos. Außerdem sind wir wieder elf ... und jetzt komm schon," maulte
Harry sie an. Hermine fand sich mit dieser Antwort ab, doch überzeugt war
sie nicht. Mühsam öffneten sie das Haupttor und hörten Stimmen aus der
Großen Halle.
"Ach, und Filch ... bitte sorgen Sie dafür, dass Peeves morgen
ausnahmsweise einmal nicht unsere Erstklässler erschreckt."
"Geht klar, Professor McGonagall!" Filch eilte aus der Halle, rannte an den
Dreien vorbei und rief lauthals: "Peeves! Wo bist du?"
"Das ist unsere Chance! Gehen wir zu McGonagall" Harry nahm den Tarnumhang
runter und sie gingen in die Große Halle.
"Professor McGonagall?," rief Hermine.
Mit einem Aufschrei drehte sich die Angesprochene um. "Kinder! Habt ihr
mich erschreckt ...", Professor McGonagall legte ihre Hand auf ihr Herz und
atmete tief ein. Als sie sich etwas beruhigt hatte, sah sie in drei
Unschuldsminen. "Wer seid ihr? Und was macht ihr hier? Der erste Schultag
ist doch erst morgen. Es dürften doch noch gar keine Schüler da sein ...
und schon gar keine Erstklässler," fügte sie mit einen strafenden Blick
hinzu.
"Aber Professor! Erkennen sie uns nicht? Wir sind es: Harry Potter, Ron
Weasley und Hermine Granger." Hermines Stimme klang fast schon weinerlich.
Durch die Situation, wieder klein zu sein, hatte sie die äußerste Grenze
ihrer Nerven erreicht.
"Potter? Weasley? Die Namen sagen mir etwas...," überlegte Professor
McGonagall laut. "Ich wusste gar nicht, dass James einen Bruder hat; dazu
noch einen, der ihm so ähnlich sieht..." Sie unterzog Harry einer strengen
Musterung, dann ließ sie ihren Blick zu Ron schweifen. "Bist du mit Arthur
und Molly Weasley verwandt?", fragte sie ihn.
Ron nickte nur unsicher und sah seinen Freund wortlos an. Was war hier los?
Diese Frage schien regelrecht in großen Leuchtbuchstaben auf seiner Stirn
zu stehen, denn sowohl Harry als auch Hermine zuckten daraufhin unwissend
mit den Schultern.
"Die beiden haben einen Sohn, aber der ist noch nicht einmal aus den
Windeln rausgewachsen ... Bist du ihr Neffe oder so?"
"Nein ist er nicht!" Harry explodierte förmlich. "Arthur und Molly sind
Rons Eltern und James ist auch nicht mein Bruder, sondern mein Vater. Und
sie..." Er zeigt auf Hermine. "...ist Ihre beste Schülerin. Sie ist seit
vier Jahren Jahrgangsbeste. Das alles können Sie doch nicht vergessen
haben..."
Ein ungläubiger Ausdruck erschien auf Professor McGonagalls Gesicht.
"Ich glaube...", sagte sie schließlich zögernd, "wir gehen besser zu
Professor Dumbledore,"
Der Weg zu Dumbledores Büro erschien ihnen meilenweit.
"Ist euch aufgefallen, dass Professor McGonagall jünger aussieht? Es sind
zwar nur ein paar Falten weniger, aber immerhin..." flüsterte Ron.
"Ron, lass den Unsinn!," unterbrach ihn Hermine. "Wir habe wirklich andere
Sorgen, als Professor McGonagalls Falten."
"Hermine hat Recht! Ich fand es ja schon schlimm, wieder elf zu sein, aber
jetzt nicht einmal von der eigenen Hauslehrerin erkannt zu werden..." Harry
verstummte, weil sie ihr Ziel erreicht hatten.
"Schokofrosch!", sagte Professor McGonagall laut und die Statue einer
Sphinx drehte sich zur Seite.
"Hei! Das ist ja eine ganz andere als sonst," stellte Ron erstaunt fest.
McGonagall drehte sich kurz zu ihm um, öffnete den Mund, um etwas zu sagen,
überlegte es sich dann aber anders und erklomm die Treppen zu Dumbledores
Büro.
Oben angekommen erblickten sie sofort Professor Dumbledore, der gerade
seinen Phönix Fawkes fütterte.
"Was kann ich für dich tun, Minerva? Und wen hast du mir da mitgebracht?",
fragte er mit ruhiger Stimme ohne sich umzudrehen.
Harry wollte ihm antworten, aber Professor McGonagall sah ihn kurz an und
schüttelte den Kopf: "Lasst mich reden!"
Sie berichtete Dumbledore von ihrem Zusammentreffen in der Großen Halle.
Dumbledore nickte nur und wandte sich dann an die drei Gäste.
"Soso!," begann er, "Und wie seid ihr hierher gekommen?"
Wie auf ein Stichwort fingen alle drei an, wild zu gestikulieren und laut
durcheinander zu sprechen.
"Stop!", unterbrach Dumbledore, "Bitte beruhigt euch doch erst mal! Es
reicht, wenn einer die Geschichte erzählt."
Er schaute sie durch seine halbmondförmige Brille an. Harrys Gesicht wurde
von Sekunde zu Sekunde finsterer und in Hermines Augen standen schon die
Tränen. "Wie wäre es mit dir? Ron? ... Aber am Besten setzt ihr euch vorher
hin." Mit seinem Zauberstab zeichnete er die Umrisse von drei Stühlen in
die Luft. Und als sich siche vor ihnen materialisiert hatten, machte er
eine einladende Handbewegung. Er selbst setzte sich auf den großen Stuhl
hinter seinen Schreibtisch. Professor McGonagall bevorzugte es, stehen zu
bleiben.
Schließlich begann Ron stockend, von Sebastian und seinem Geschenk zu
erzählen und was passiert war, als Harry seinen Wunsch ausgesprochen hatte.
Dabei vermied er jeglichen Blickkontakt zu seinen beiden Freunden.
Dumbledore nickte, als Ron geendet hatte.
"Kann ich dieses Geschenk mal sehen?", fragte er. Hermine reichte es ihn
über den Schreibtisch hinweg.
"Soso!", sagte er wieder. "So etwas ähnliches habe ich mir schon
gedacht..."
Hoffnungsvoll hoben Harry, Ron und Hermine die Köpfe.
"Sie wissen, was es ist?" fragten sie wie aus einem Munde und blickten ihn
erwartungsvoll an.
Dumbledore nickte nochmals. "Es ist ein Zeitkopierer!"
"Zeitkopierer?", wiederholten sie erstaunt.
"Ach ja! Jetzt fällt es mir wieder ein," rief Hermine erfreut. "Mit ihm
kann man Zeitreisen machen, aber man läuft nicht Gefahr, wie bei einem
Stundenglas, die Vergangenheit oder Zukunft zu ändern..."
"Genau! Und deswegen heißt es Zeitkopierer. Es kopiert ein Stück aus der
Vergangenheit oder Zukunft und der Zeitreisende kann es nach Belieben
verändern, ohne Einfluss auf die Geschichte zu nehmen... So ähnlich, wie
beim Hausaufgaben abschreiben," fügte er hinzu als er die verdutzen
Gesichter von Harry und Ron sah. Man konnte förmlich hören, wie es danach
bei den beiden Klick machte.
"Tja - wir wissen nicht so genau, wie das mit dem Hausaufgaben abschreiben
ist, weil man uns nicht lässt," sagte Ron mit einem Seitenblick auf
Hermine, die daraufhin einen Schmollmund zog. Dumbledores Lächeln wurde zu
einem breiten Grinsen.
"Heißt das, wir sind jetzt in der Zeit, als mein Vater und meine Mutter
noch zur Schule gingen?", fragte Harry ungläubig. Dumbledore nickte
bejahend.
"Und wie kommen wir wieder zurück?", fragte er zweifelnd (Irgendeinen Haken
musste die Sache doch haben...)
"Ah...nun kommen wir zu dem Problem bei der Sache." Dumbledore schloss für
einen Moment die Augen. "Ihr könnt erst wieder zurück, wenn die Sterne in
genau derselben Konstellation stehen, wie zu Beginn eurer Zeitreise."
"Aber das kommt vielleicht erst in tausend Jahren wieder vor," stieß
Hermine entsetzt hervor.
"Und genau DAS ist das Problem," murmelte Dumbledore. "Doch jetzt macht
euch mal keine Sorgen. Ich werde dem Zeitkopierer schon entlocken, wie die
Sterne standen und auch, wann sie wieder so stehen werden," sagte er mit
fester Stimme und versuchte dabei ein zuversichtliches Lächeln aufzusetzen,
was jedoch nicht ganz gelang.
"Wir müssen uns etwas einfallen lassen, wo wir euch solange unterbringen,"
mischte sich Professor McGonagall ins Gespräch. "Miss Granger ist ja kein
Problem, aber Weasley und Potter sind bekannte Namen... und Gesichter,"
fügte sie stirnrunzelnd hinzu.
"Minerva hat ganz Recht. Ihr zwei braucht andere Nachnamen! Am besten aus
der Muggelwelt, denn die Namen der Zaubererfamilien sind den meisten
Schülern bekannt... und Harry braucht eine andere Frisur... - Wie wäre es
mit Locken?" Dumbledore schwang seinen Zauberstab, worauf Harry sogleich
lange Locken wuchsen. Trotz ihrer misslichen Lage konnten Hermine und Ron
nicht anders; sie prusteten schallend los. Harrys Gesichtzüge wurden noch
düsterer.
"Ich glaube, wir dürfen sie nicht so lang lassen," sagte Professor
McGonagall, wobei sie sich das Lachen gerade noch verkneifen konnte. Und
nach ein paar geschickten Bewegungen ihres Zauberstabes hatte Harry zwar
immer noch Locken, doch waren diese auf eine angemessene Länge gestutzt
worden. Der einzige Unterschied gegenüber seiner bisherigen Frisur war,
dass seine zerzausten Haare jetzt auch noch gekräuselt waren.
"Hm," grinste Hermine, noch ganz außer Atem von ihrem Lachanfall. "Ein
großer Unterschied ist es zwar nicht, aber besser als gar keiner. Dann
gelten du und James eben als Naturwunder."
"Na ja, anders wird es wohl gar nicht gehen. Jetzt brauchen wir nur noch
Namen. Hat jemand eine Idee?", fragte McGonagall.
"Ähm ... Creevey und Thomson. Das sind die ersten Namen, die mir
einfallen," sagte Harry zähneknirschend.
"Die sind in Ordnung! Dann heißt ihr ab heute Harry Creevey und Ron
Thomson," sagte Dumbledore zufrieden.
"Wenn der echte Creevey das wüsste." Harry verzog sein Gesicht und Ron und
Hermine lachten wieder.
"Ich nehme an, ihr habt jetzt bestimmt ziemlichen Hunger. Die Hauselfen
werden euch etwas bringen und dann schlaft ihr heute Nacht erst mal im
Gryffindorturm. Morgen mischt ihr euch dann unter die Erstklässler und
werdet den Häusern zugeteilt. - Auch wenn ihr...," fügte Professor
McGonagall nach einer kleinen Pause hinzu. "auch wenn ihr im Grunde
anstellen könntet, was ihr wolltet, bitte ich euch doch, am Unterricht
teilzunehmen und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen." Alle drei
versprachen ihr, dass sie kein vermeidbares Unheil anrichten werden, und
verließen darauf hin das Büro.
Doch kurz bevor Harry ging, drehte er sich noch einmal zu den beiden
Professoren um.
"Ähm... ich hätte da noch eine kleine Bitte...," stotterte er. Fragende
Blicke richteten sich auf ihn. "Ich spiele für mein Leben gerne Quidditch.
Könnte ich vielleicht mal abends oder so mit Ron trainieren, damit ich
nicht aus der Form komme?", fragte er verlegend. Jetzt bekam er erstaunte
Blicke zugeworfen.
"Wir werden sehen, was sich da machen lässt. Geht jetzt lieber
schlafen...", antwortete Professor Dumbledore. Ein Schmunzeln überzog sein
Gesicht.
Mit höllischen Kopfschmerzen kam Harry wieder zu Besinnung. Er musste den
ganzen Tag ohnmächtig gewesen sein, denn durch die zugenagelten Fenster
drang kein einziger Lichtstrahl. Ein schmerzliches Stöhnen an seiner Seite
verkündete, dass auch Ron wieder aufwachte.
"Ron? Alles Ok?", stieß Harry hervor.
"Mir ging es schon besser...", murmelte Ron. "ich muss mit den Kopf
irgendwo gegen geknallt sein..."
"Nicht nur du..." Nun hatte auch Hermine hatte ihr Bewusstsein wieder
erlangt. "Mach doch mal einer Licht! Es ist ja stockdunkel hier...",
grummelte sie.
Mit noch leicht zittrigen Fingern fischte Harry seinen Zauberstab unter
seinem Umhang hervor; Lumos erhellte das Zimmer ein wenig. Jetzt konnte
Harry feststellen, dass Ron zusammengesunken auf den Bett hockte (genau wie
letztes Jahr, schoss es Harry durch den Kopf) und Hermine sich neben der
Tür zusammengekauert hatte und Hedwig den Kopf streichelte. Harry stand auf
und wollte zu Ron gehen, als auf einmal...
"Ah! Ron! Wie siehst du... du bist..."
Auch Ron kriegte einen riesigen Schreck, als er Harrys Gesicht im Schein
des Zauberstabes erkennen konnte. Mit weit aufgerissenen Mündern starrten
sich die beiden an. Hermine hob müde den Kopf, um sehen zu können, was ihre
beiden Freunde so erschreckt hatte.
"Ihr seht genauso aus, wie ihr mit elf Jahren ausgesehen habt,"
entschlüpfte es ihr.
"Nicht nur wir," gab Harry schlecht gelaunt zurück. "Dieses dämliche Teil
hat uns schrumpfen lassen." Wütend holte er aus, um das Gerät an die Wand
zu schmeißen, aber Hermine griff nach seinem Arm und hielt ihn davon ab.
"Nicht, Harry! Wenn es uns hat schrumpfen lassen, dann kann es uns auch
wieder groß machen. Am Besten gehen wir direkt zu Professor Dumbledore. Der
weiß bestimmt, wie wir es rückgängig machen können."
"Hermine hat Recht!," sagte Ron, " Aber wir sollten besser den Tarnumhang
benutzen, bevor uns Snape noch erwischt. Weiß eigentlich einer, wie spät es
ist?"
Er stand auf und ging Richtung Tür.
"Meine Uhr ist doch kaputt, weißt du nicht mehr?," brummte Harry grimmig.
"Meine ist anscheinend auch hinüber ..." Hermine klopfte auf ihr
Ziffernblatt - die Zeiger bewegten sich jedoch kein Stück.
Müde stapften die drei durch den unterirdischen Gang zurück ins Schloss.
Auf dem Weg über die Wiese blieb Hermine plötzlich stehen.
"Was ist denn los?," maulte Ron.
"Irgendwas ist hier anders," sagte Hermine misstrauisch.
"Ja! Es ist dunkel und wir waren, was weiß ich wie viele Stunden
bewusstlos. Außerdem sind wir wieder elf ... und jetzt komm schon," maulte
Harry sie an. Hermine fand sich mit dieser Antwort ab, doch überzeugt war
sie nicht. Mühsam öffneten sie das Haupttor und hörten Stimmen aus der
Großen Halle.
"Ach, und Filch ... bitte sorgen Sie dafür, dass Peeves morgen
ausnahmsweise einmal nicht unsere Erstklässler erschreckt."
"Geht klar, Professor McGonagall!" Filch eilte aus der Halle, rannte an den
Dreien vorbei und rief lauthals: "Peeves! Wo bist du?"
"Das ist unsere Chance! Gehen wir zu McGonagall" Harry nahm den Tarnumhang
runter und sie gingen in die Große Halle.
"Professor McGonagall?," rief Hermine.
Mit einem Aufschrei drehte sich die Angesprochene um. "Kinder! Habt ihr
mich erschreckt ...", Professor McGonagall legte ihre Hand auf ihr Herz und
atmete tief ein. Als sie sich etwas beruhigt hatte, sah sie in drei
Unschuldsminen. "Wer seid ihr? Und was macht ihr hier? Der erste Schultag
ist doch erst morgen. Es dürften doch noch gar keine Schüler da sein ...
und schon gar keine Erstklässler," fügte sie mit einen strafenden Blick
hinzu.
"Aber Professor! Erkennen sie uns nicht? Wir sind es: Harry Potter, Ron
Weasley und Hermine Granger." Hermines Stimme klang fast schon weinerlich.
Durch die Situation, wieder klein zu sein, hatte sie die äußerste Grenze
ihrer Nerven erreicht.
"Potter? Weasley? Die Namen sagen mir etwas...," überlegte Professor
McGonagall laut. "Ich wusste gar nicht, dass James einen Bruder hat; dazu
noch einen, der ihm so ähnlich sieht..." Sie unterzog Harry einer strengen
Musterung, dann ließ sie ihren Blick zu Ron schweifen. "Bist du mit Arthur
und Molly Weasley verwandt?", fragte sie ihn.
Ron nickte nur unsicher und sah seinen Freund wortlos an. Was war hier los?
Diese Frage schien regelrecht in großen Leuchtbuchstaben auf seiner Stirn
zu stehen, denn sowohl Harry als auch Hermine zuckten daraufhin unwissend
mit den Schultern.
"Die beiden haben einen Sohn, aber der ist noch nicht einmal aus den
Windeln rausgewachsen ... Bist du ihr Neffe oder so?"
"Nein ist er nicht!" Harry explodierte förmlich. "Arthur und Molly sind
Rons Eltern und James ist auch nicht mein Bruder, sondern mein Vater. Und
sie..." Er zeigt auf Hermine. "...ist Ihre beste Schülerin. Sie ist seit
vier Jahren Jahrgangsbeste. Das alles können Sie doch nicht vergessen
haben..."
Ein ungläubiger Ausdruck erschien auf Professor McGonagalls Gesicht.
"Ich glaube...", sagte sie schließlich zögernd, "wir gehen besser zu
Professor Dumbledore,"
Der Weg zu Dumbledores Büro erschien ihnen meilenweit.
"Ist euch aufgefallen, dass Professor McGonagall jünger aussieht? Es sind
zwar nur ein paar Falten weniger, aber immerhin..." flüsterte Ron.
"Ron, lass den Unsinn!," unterbrach ihn Hermine. "Wir habe wirklich andere
Sorgen, als Professor McGonagalls Falten."
"Hermine hat Recht! Ich fand es ja schon schlimm, wieder elf zu sein, aber
jetzt nicht einmal von der eigenen Hauslehrerin erkannt zu werden..." Harry
verstummte, weil sie ihr Ziel erreicht hatten.
"Schokofrosch!", sagte Professor McGonagall laut und die Statue einer
Sphinx drehte sich zur Seite.
"Hei! Das ist ja eine ganz andere als sonst," stellte Ron erstaunt fest.
McGonagall drehte sich kurz zu ihm um, öffnete den Mund, um etwas zu sagen,
überlegte es sich dann aber anders und erklomm die Treppen zu Dumbledores
Büro.
Oben angekommen erblickten sie sofort Professor Dumbledore, der gerade
seinen Phönix Fawkes fütterte.
"Was kann ich für dich tun, Minerva? Und wen hast du mir da mitgebracht?",
fragte er mit ruhiger Stimme ohne sich umzudrehen.
Harry wollte ihm antworten, aber Professor McGonagall sah ihn kurz an und
schüttelte den Kopf: "Lasst mich reden!"
Sie berichtete Dumbledore von ihrem Zusammentreffen in der Großen Halle.
Dumbledore nickte nur und wandte sich dann an die drei Gäste.
"Soso!," begann er, "Und wie seid ihr hierher gekommen?"
Wie auf ein Stichwort fingen alle drei an, wild zu gestikulieren und laut
durcheinander zu sprechen.
"Stop!", unterbrach Dumbledore, "Bitte beruhigt euch doch erst mal! Es
reicht, wenn einer die Geschichte erzählt."
Er schaute sie durch seine halbmondförmige Brille an. Harrys Gesicht wurde
von Sekunde zu Sekunde finsterer und in Hermines Augen standen schon die
Tränen. "Wie wäre es mit dir? Ron? ... Aber am Besten setzt ihr euch vorher
hin." Mit seinem Zauberstab zeichnete er die Umrisse von drei Stühlen in
die Luft. Und als sich siche vor ihnen materialisiert hatten, machte er
eine einladende Handbewegung. Er selbst setzte sich auf den großen Stuhl
hinter seinen Schreibtisch. Professor McGonagall bevorzugte es, stehen zu
bleiben.
Schließlich begann Ron stockend, von Sebastian und seinem Geschenk zu
erzählen und was passiert war, als Harry seinen Wunsch ausgesprochen hatte.
Dabei vermied er jeglichen Blickkontakt zu seinen beiden Freunden.
Dumbledore nickte, als Ron geendet hatte.
"Kann ich dieses Geschenk mal sehen?", fragte er. Hermine reichte es ihn
über den Schreibtisch hinweg.
"Soso!", sagte er wieder. "So etwas ähnliches habe ich mir schon
gedacht..."
Hoffnungsvoll hoben Harry, Ron und Hermine die Köpfe.
"Sie wissen, was es ist?" fragten sie wie aus einem Munde und blickten ihn
erwartungsvoll an.
Dumbledore nickte nochmals. "Es ist ein Zeitkopierer!"
"Zeitkopierer?", wiederholten sie erstaunt.
"Ach ja! Jetzt fällt es mir wieder ein," rief Hermine erfreut. "Mit ihm
kann man Zeitreisen machen, aber man läuft nicht Gefahr, wie bei einem
Stundenglas, die Vergangenheit oder Zukunft zu ändern..."
"Genau! Und deswegen heißt es Zeitkopierer. Es kopiert ein Stück aus der
Vergangenheit oder Zukunft und der Zeitreisende kann es nach Belieben
verändern, ohne Einfluss auf die Geschichte zu nehmen... So ähnlich, wie
beim Hausaufgaben abschreiben," fügte er hinzu als er die verdutzen
Gesichter von Harry und Ron sah. Man konnte förmlich hören, wie es danach
bei den beiden Klick machte.
"Tja - wir wissen nicht so genau, wie das mit dem Hausaufgaben abschreiben
ist, weil man uns nicht lässt," sagte Ron mit einem Seitenblick auf
Hermine, die daraufhin einen Schmollmund zog. Dumbledores Lächeln wurde zu
einem breiten Grinsen.
"Heißt das, wir sind jetzt in der Zeit, als mein Vater und meine Mutter
noch zur Schule gingen?", fragte Harry ungläubig. Dumbledore nickte
bejahend.
"Und wie kommen wir wieder zurück?", fragte er zweifelnd (Irgendeinen Haken
musste die Sache doch haben...)
"Ah...nun kommen wir zu dem Problem bei der Sache." Dumbledore schloss für
einen Moment die Augen. "Ihr könnt erst wieder zurück, wenn die Sterne in
genau derselben Konstellation stehen, wie zu Beginn eurer Zeitreise."
"Aber das kommt vielleicht erst in tausend Jahren wieder vor," stieß
Hermine entsetzt hervor.
"Und genau DAS ist das Problem," murmelte Dumbledore. "Doch jetzt macht
euch mal keine Sorgen. Ich werde dem Zeitkopierer schon entlocken, wie die
Sterne standen und auch, wann sie wieder so stehen werden," sagte er mit
fester Stimme und versuchte dabei ein zuversichtliches Lächeln aufzusetzen,
was jedoch nicht ganz gelang.
"Wir müssen uns etwas einfallen lassen, wo wir euch solange unterbringen,"
mischte sich Professor McGonagall ins Gespräch. "Miss Granger ist ja kein
Problem, aber Weasley und Potter sind bekannte Namen... und Gesichter,"
fügte sie stirnrunzelnd hinzu.
"Minerva hat ganz Recht. Ihr zwei braucht andere Nachnamen! Am besten aus
der Muggelwelt, denn die Namen der Zaubererfamilien sind den meisten
Schülern bekannt... und Harry braucht eine andere Frisur... - Wie wäre es
mit Locken?" Dumbledore schwang seinen Zauberstab, worauf Harry sogleich
lange Locken wuchsen. Trotz ihrer misslichen Lage konnten Hermine und Ron
nicht anders; sie prusteten schallend los. Harrys Gesichtzüge wurden noch
düsterer.
"Ich glaube, wir dürfen sie nicht so lang lassen," sagte Professor
McGonagall, wobei sie sich das Lachen gerade noch verkneifen konnte. Und
nach ein paar geschickten Bewegungen ihres Zauberstabes hatte Harry zwar
immer noch Locken, doch waren diese auf eine angemessene Länge gestutzt
worden. Der einzige Unterschied gegenüber seiner bisherigen Frisur war,
dass seine zerzausten Haare jetzt auch noch gekräuselt waren.
"Hm," grinste Hermine, noch ganz außer Atem von ihrem Lachanfall. "Ein
großer Unterschied ist es zwar nicht, aber besser als gar keiner. Dann
gelten du und James eben als Naturwunder."
"Na ja, anders wird es wohl gar nicht gehen. Jetzt brauchen wir nur noch
Namen. Hat jemand eine Idee?", fragte McGonagall.
"Ähm ... Creevey und Thomson. Das sind die ersten Namen, die mir
einfallen," sagte Harry zähneknirschend.
"Die sind in Ordnung! Dann heißt ihr ab heute Harry Creevey und Ron
Thomson," sagte Dumbledore zufrieden.
"Wenn der echte Creevey das wüsste." Harry verzog sein Gesicht und Ron und
Hermine lachten wieder.
"Ich nehme an, ihr habt jetzt bestimmt ziemlichen Hunger. Die Hauselfen
werden euch etwas bringen und dann schlaft ihr heute Nacht erst mal im
Gryffindorturm. Morgen mischt ihr euch dann unter die Erstklässler und
werdet den Häusern zugeteilt. - Auch wenn ihr...," fügte Professor
McGonagall nach einer kleinen Pause hinzu. "auch wenn ihr im Grunde
anstellen könntet, was ihr wolltet, bitte ich euch doch, am Unterricht
teilzunehmen und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen." Alle drei
versprachen ihr, dass sie kein vermeidbares Unheil anrichten werden, und
verließen darauf hin das Büro.
Doch kurz bevor Harry ging, drehte er sich noch einmal zu den beiden
Professoren um.
"Ähm... ich hätte da noch eine kleine Bitte...," stotterte er. Fragende
Blicke richteten sich auf ihn. "Ich spiele für mein Leben gerne Quidditch.
Könnte ich vielleicht mal abends oder so mit Ron trainieren, damit ich
nicht aus der Form komme?", fragte er verlegend. Jetzt bekam er erstaunte
Blicke zugeworfen.
"Wir werden sehen, was sich da machen lässt. Geht jetzt lieber
schlafen...", antwortete Professor Dumbledore. Ein Schmunzeln überzog sein
Gesicht.
